Test: SuperTalent Ultradrive GX2 mit Barefoot ECO Controller

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teaserNachdem wir bereits eine SSD mit dem neuesten Controller der Firma Indilinx getestet haben, schauen wir uns dieses Mal das „UltraDrive GX2“ genannte Laufwerk der Firma SuperTalent an, welches ebenfalls auf den Barefoot ECO Controller setzt. Auch hier verbaut man nun in kleineren Strukturbreiten gefertigten Flashspeicher, um den Preis für den Endkunden senken zu können. Außerdem kommt bei diesem Test die aktuellste Firmware mit der Versionsnummer 1916 zum Einsatz.

Der Umstieg auf 34 nm ist zwingend notwendig: Mittelfristig wird die Produktion von NAND-Flash Chips in größeren Strukturen nämlich eingestellt werden. Intel hat diesen Schritt mit der X25-M G2 „Postville“ bereits vor einiger Zeit vollzogen und konnte dabei dank einer Weiterentwicklung des hauseigenen Controllers sogar die Performancenachteile der 34-nm-Flash-Chips vollständig ausgleichen.

Indilinx liefert an die Hersteller von SSDs mit dem Barefoot ECO nun ebenfalls einen vollständig 34 nm  kompatiblen Controller.

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Schaut man in den Preisvergleich, so gehört die GX2 zu den günstigsten SSDs (gemessen am Preis/GB Verhältnis) und ist ca. 30 Euro günstiger als der „Vorgänger“ UltraDrive GX. Obwohl die Namensgebung hier den Begriff des „Vorgängers“ nahelegt, ist dieser nicht ganz angebracht, denn beide Laufwerke (GX und GX2) werden noch produziert. Erst längerfristig wird die Produktion der GX eingestellt werden, nämlich dann, wenn es keine Hersteller mehr für 50-nm-Flash gibt. Solange sollte man also eher von einer Alternative reden.

Was die Leistung angeht, wird man allerdings wohl mit Einbußen im Vergleich zum ersten Barefoot Controller rechnen müssen. Das legen auch die Herstellerangaben nahe: Während das 128-GB-Modell der UltraDrive GX Serie noch mit 260 MB/s lesend und 195MB/s schreibend beworben wird, gibt man für die GX2 nur noch 220MB/s respektive 180 MB/s an.

Die technischen Daten des Laufwerks sind in folgender Tabelle zusammengefasst:

Neben der 128 GB Version gibt es das Laufwerk auch noch in den Größen 32, 64, 256 und 512 GB.


Geliefert wird die GX2, die natürlich wie jede SSD stoßunempfindlich ist, gut verpackt in einer Schaumstoffbox. Die Folie schützt das Laufwerk außerdem vor elektrostatischen Ladungen. Kurioserweise befand sich unsere SSD in einem Karton mit der Aufschrift „UltraDrive ME“. Das sollte nicht weiter verwundern, lief die GX-Serie früher doch genau unter diesem Namen.

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Im Inneren zeigt sich ein gewohntes Bild: Über dem Barefoot ECO Controller sitzen 64 MB Cache, auf der linken Seite befinden sich die MLC-Flashchips. Diese können entweder von Samsung, Intel oder Toshiba kommen. Letzteres ist bei unserem Exemplar der Fall.

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Als Firmware kommt wie Eingangs erwähnt die Version 1916 zum Einsatz, die im Vergleich zur älteren Version 1819 diverse Fehler beseitigt. Sollte man ein Laufwerk mit einer Firmwareversion kleiner als 1916 erhalten, so erhält man auf der Herstellerhomepage alle nötigen Informationen und Dateien, um ein Update durchführen zu können. Dies sollte man möglichst machen, bevor man das Laufwerk produktiv einsetzt, da bei dem Update die Daten verloren gehen.

Die aktuelle Firmware bietet außerdem vollständige Unterstützung für den ATA TRIM Befehl, sodass man in Zusammenhang mit Windows 7 keinen Leistungsverlust mehr fürchten muss. Wer sich unter dem TRIM Befehl nichts vorstellen kann, dem sei der entsprechende Abschnitt aus einem früheren Artikel nahegelegt.


Hardware / Treiber

Software

Benchmark Vorgehensweise

Im Falle der Spiele und des Vista Boots gibt es leider keine Möglichkeit zur automatischen Zeitmessung, weswegen für diese Tests die Zeit mit einer Stoppuhr genommen wird. Um zufällige Messabweichungen zu minimieren, wird jede Messung dreimal durchgeführt. Zwischen jeder Messung wird der Rechner neu gestartet, um Caching-Effekte zu vermeiden, welche das Ergebnis der Spieletests verzerren würden. Die in den Diagrammen dargestellten Zahlen sind schließlich das arithmetische Mittel aus den jeweiligen Einzelmessungen.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: zufälliges Lesen und zufälliges Schreiben von 4K-Blöcken. Im Alltagsbetrieb treten verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auf, jedoch hat sich das Schreiben von 4K-Blöcken bei früheren SSDs als äußerst problematisch erwiesen, sodass teilweise das komplette System eingefroren ist (ein sogenannter „Freeze"), bis das Laufwerk die Anfrage ausgeführt hat.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MB/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Je höher diese ist, desto langsamer fühlt sich das System an. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os („gestellte Anfragen") auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise bei 1-2.

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Die GX2 ordnet sich bei diesem Test unter den Modellen mit Ur-Barefoot-Controller ein und ist ca. 25 Prozent langsamer als diese. Gegenüber Falcon II, die ebenfalls den ECO-Controller besitzt, kann die GX2 einen leichten Vorsprung erreichen. Die Leistung kann als vollkommen ausreichend bezeichnet werden, die hohe Leistung die SSDs hier liefern wird man im normalen Alltagsbetrieb niemals ausreizen (selbst die P128 mit Samsung-Controller bietet ausreichende Reserven).


Mit h2benchw messen wir Zugriffszeiten und verschiedene Anwendungsprofile, die eine Einschätzung der Laufwerksleistung in verschiedenen Szenarien bieten soll. H2benchw führt die Tests unter Umgehung des Dateisystems aus. Werden also auch Schreibtests durchgeführt, darf keine Partition auf dem Laufwerk vorhanden sein. Weiterhin benutzt h2benchw nur die ersten 40 GB eines Laufwerks. Das ist bei Solid State Drives nicht von Bedeutung, denn ihre Leistung bleibt über den kompletten Speicherplatz konstant. Bei Festplatten wird so jedoch nur der schnellste Bereich getestet, denn Festplatten werden von außen (größte Bahngeschwindigkeit) nach innen beschrieben, die Leistung nimmt über den gesamten Speicherplatz also kontinuierlich ab.

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Die Zugriffszeit ist im Vergleich zu anderen Laufwerken mit Barefoot oder Barefoot ECO Controller etwas höher, ist jedoch noch im grünen Bereich. Bei der Profilmessung schwächelt die GX2 ebenfalls etwas und muss sich recht deutlich den anderen Laufwerken geschlagen geben. Mit der SSDNow V40 liegt sich gleichauf, diese besitzt jedoch einen beschnittenen Intel-Controller mit fünf statt zehn Kanälen. Die GX2 hinterlässt hier also nicht den besten Eindruck. Doch auch hier gilt wie immer: Theoretische Werte wie diese lassen sich natürlich nicht eins zu eins auf reale Anwendungsszenarien übertragen.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Während die sequentielle Leistung nur beim Kopieren von großen Dateien von Belang ist, gibt der Test mit 4K-Blöcken einen guten Anhaltspunkt für die „Alltagsleistung" - also z.B. das Hochfahren des PCs und das Starten und gleichzeitige Verwenden von mehreren Anwendungen.

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Dieser Test liefert interessante Ergebnisse: Während die GX2 bei 4K Blöcken hinter alle anderen Modelle zurückfällt, dreht sie beim sequentiellen Datentransfer auf und macht sogar der P128 den ersten Platz bei großen Blöcken streitig. Dieses Ergebnis ist beeindruckend. Wer viel mit großen Dateien arbeitet, wird sich über solche Transferraten sicherlich freuen.


Nachdem wir nun die theoretische Leistung untersucht haben, kommen wir zu den Anwendungstests. Getestet werden drei Szenarien: Das Starten von Windows Vista (dazu wird immer das gleiche Image benutzt, welches auf das jeweilige Laufwerk zurückgespielt wird), das Laden der Karte „Dalian Plant" in Battlefield 2 und das Auspacken eines 3,61 GB großen ISO-Abbilds einer Windows Vista DVD.

Die Messungen der Boot- und Ladezeit sind dabei mit einem relativ großen Fehler behaftet, da trotz mehrfacher Wiederholung die menschliche Reaktionszeit eine wesentliche Rolle bei der Messung spielt. Die Messungen der Zeit zum Entpacken des Images sind deutlich genauer, da WinRAR die verstrichene Zeit einer Operation anzeigt und diese lediglich abgelesen werden muss.

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Beim Starten von Vista und Laden von Battlefield 2 zeigt sich das gewohnte Bild: Alle Laufwerken liegen ungefähr gleichauf.

Nach den sehr guten Ergebnissen bei der Messung der sequentiellen Transferrate beim CrystalDiskMark hätte man eigentlich erwarten können, dass die GX2 auch beim Entpacken einen der ersten Plätze belegt. Leider scheint die hohe Transferrate nicht so gut wie erhofft auf reale Anwendungen durchzuschlagen: Lag sie bei der reinen Messung der Transferrate noch auf einem Niveau mit der P128, ist sie beim Entpacken des Images 8 Sekunden langsamer als diese.


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Kaufen oder nicht kaufen?  – Auch hier ist das natürlich wieder die entscheidende Frage.

Die SuperTalent UltraDrive GX2 hinterlässt einen fast durchweg positiven Eindruck. Zwar schwächelt sie etwas bei den Transferraten bei kleinen (4K) Blöcken, doch liefert sie hier trotzdem noch genügend Leistung, um jeden aktuellen Highend Rechner mehr als ausreichend schnell beliefern zu können.

Überraschend gut ist die sequentielle Transferrate, die sich besonders bei Operationen mit großen Dateien positiv bemerkbar macht. Obwohl der theoretische Wert außerordentlich hoch ist, landet die GX2 beim Entpacken des Vista ISO-Images nicht auf dem ersten Platz. Möglicherweise fordert hier die etwas niedrigere Transferleistung bei kleinen Blöcken ihren Tribut, denn auf der Vista DVD befinden sich neben einer großen noch zahlreiche kleinere Dateien. Die Leistung der GX2 ist hier auf keinen Fall als schlecht zu bezeichnen, nur setzt sie auch keine neuen Bestmarken.

Nicht zuletzt muss man beachten, dass die Leistung einer SSD auch in einem gewissen Maß von den verbauten Flashbausteinen abhängt. Bei der GX2 können Chips von drei verschiedenen Herstellern zum Einsatz kommen, je nachdem wird auch die Leistung etwas variieren. Jedoch sollte man davon ausgehen dürfen, dass keine signifikanten Abweichungen von unseren Ergebnissen zu beobachten sind.

In Anbetracht des für SSDs günstigen Preises und der guten Leistung kann man auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für die GX2 aussprechen. Oder anders gesagt: Man kann mit ruhigem Gewissen den Aufpreis zu einer (noch) schnelleren SSD, wie z.B. der ersten GX, sparen, ohne mit dem Gedanken leben zu müssen, etwas „schlechteres“ gekauft zu haben.

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