G.Skill Falcon II im Test: Einstand des Barefoot ECO Controllers

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teaserBisher konnte der beliebte Barefoot-Controller der Firma Indilinx lediglich mit teurem 50 und 43 nm Flash umgehen, die problemlose Verwendung mit günstigerem 34 nm Flash soll jetzt mit dem neuen Barefoot ECO-Controller möglich werden, wodurch die Laufwerke günstiger als ihre Vorgänger werden. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Wie stark sich der Umstieg auf 34 nm Flash auf die Leistung auswirkt, untersuchen wir in diesem Artikel.

Der Umstieg auf 34 nm (und kleiner) ist zwingend notwendig: Mittelfristig wird die Produktion von NAND-Flash Chips in größeren Strukturen nämlich eingestellt werden, da sie kostenintensiver ist. Intel hat diesen Schritt mit der X25-M G2 „Postville" bereits vollzogen und konnte dabei dank einer Weiterentwicklung des hauseigenen Controllers sogar die Performancenachteile der 34 nm Flash-Chips vollständig ausgleichen. Die Chips sind nämlich etwas langsamer als bisherige 50-nm- oder 43-nm-Flashchips.

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Wird die Strukturbreite der Flash-Chips kleiner, wird die Ansteuerung komplizierter. Der bisherige Barefoot Controller (ohne „ECO"-Zusatz) lässt sich zwar prinzipiell auch mit 34 nm Flash betreiben, doch muss der Controller hier heruntergetaktet werden, um eine korrekte Funktionsweise zu garantieren. Die Transferraten leiden darunter sehr stark: Entsprechende Laufwerke, die als besonders günstige SSDs beworben werden, sind mit Herstellerangaben von 128 MB/s lesend und 100 MB/s schreibend versehen, was weit unter den gewohnten Werten liegt.

Indilinx liefert mit dem Barefoot ECO nun ebenfalls einen vollständig „34 nm kompatiblen"-Controller und erreicht direkt das erste Ziel: Schaut man in den Preisvergleich, ist die Falcon II (neben der SuperTalent Ultradrive GX2, die ebenfalls auf dem Barefoot ECO Controller basiert) die günstigste SSD mit 120 GB Nettokapazität.

Die Herstellerangaben lassen jedoch bereits erahnen, dass es Indilinx nicht möglich war, vollständig an die Leistung des alten Controllers anzuknüpfen: Die maximal Leserate wird bei der Falcon II mit 220 MB/s beziffert (Falcon: 230 MB/s), die maximale Schreibrate soll 150 MB/s betragen (Falcon: 190 MB/s).

Technische Daten im Überblick
Hersteller G.Skill
Produktname Falcon II
Homepage Herstellerseite
Preis ab 255 €
Formfaktor 2,5"
Kapazität1) 128 GB
NTFS formatiert 120 GB
Cache 64 MB
Controller Indilinx Barefoot ECO
Chipart MLC NAND
Lesen1) bis 220 MB/s
Schreiben1) bis 150 MB/s
1) Hierbei handelt es sich um eine Herstellerangabe

Die Falcon II ist außerdem noch mit einer Kapazität von 64 / 256 GB1) erhältlich.


Geliefert wird die Falcon II wie schon ihr Vorgänger gut gepolstert in einer Schaumstoffbox, die das stoßunempfindliche Laufwerke gut vor Beschädigungen schützt. Der Lieferumfang fällt schmal aus: Neben dem Laufwerk selbst liegt nur noch eine Schnellanleitung und ein Jumper, der für Firmware-Update benutzt werden kann, bei.

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Die aktuelle ATA-TRIM-fähige Firmware Version 1819 ist bereits aufgespielt. Wer kein TRIM-fähiges System besitzt (siehe diesen Artikel) muss aber dennoch nicht enttäuscht sein, denn G.Skill liefert mit dem sog. „Wiper" ein Tool, um die SSD auch unter nicht TRIM-fähigen Systemen (das betrifft vor allem Benutzer von Windows XP und Vista) säubern zu können und so vor einem Leistungseinbruch zu bewahren. Wird das Tool gestartet, erledigt es den Rest der Arbeit selbstständig.

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Hardware / Treiber

Software

Benchmark-Vorgehensweise

Im Falle der Spiele und des Vista Boots gibt es leider keine Möglichkeit zur automatischen Zeitmessung, weswegen für diese Tests die Zeit mit einer Stoppuhr genommen wird. Um zufällige Messabweichungen zu minimieren, wird jede Messung dreimal durchgeführt. Zwischen jeder Messung wird der Rechner neu gestartet, um Caching-Effekte zu vermeiden, welche das Ergebnis der Spieletests verzerren würden. Die in den Diagrammen dargestellten Zahlen sind schließlich das arithmetische Mittel aus den jeweiligen Einzelmessungen.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: zufälliges Lesen und zufälliges Schreiben von 4K-Blöcken. Im Alltagsbetrieb treten verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auf, jedoch hat sich das Schreiben von 4K-Blöcken bei früheren SSDs als äußerst problematisch erwiesen, sodass teilweise das komplette System eingefroren ist (ein sogenannter „Freeze"), bis das Laufwerk die Anfrage ausgeführt hat.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und Mbyte/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Je höher diese ist, desto langsamer fühlt sich das System an. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os („gestellte Anfragen") auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise bei 1-2.

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Bei der Leseleistung liegt die Falcon II gleichauf mit anderen Indilinx Barefoot SSDs (Falcon, Vertex, Agility). Den Unterschied zum alten Controller sieht man allerdings eindeutig beim Schreiben: Der neue Barefoot ECO Controller ist hier durchschnittlich um 35% langsamer. Kritisch ist dieser Wert allerdings noch lange nicht.


Mit h2benchw messen wir Zugriffszeiten und verschiedene Anwendungsprofile, die eine Einschätzung der Laufwerksleistung in verschiedenen Szenarien bieten soll. H2benchw führt die Tests unter Umgehung des Dateisystems aus. Werden also auch Schreibtests durchgeführt, darf keine Partition auf dem Laufwerk vorhanden sein. Weiterhin benutzt h2benchw nur die ersten 40 GB eines Laufwerks. Das ist bei Solid State Drives nicht von Bedeutung, denn ihre Leistung bleibt über den kompletten Speicherplatz konstant. Bei Festplatten wird so jedoch nur der schnellste Bereich getestet, denn Festplatten werden von außen (größte Bahngeschwindigkeit) nach innen beschrieben, die Leistung nimmt über den gesamten Speicherplatz also kontinuierlich ab.

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Bei der Zugriffszeit reiht sich die Falcon II wieder unauffällig in die Reihe der Laufwerke mit Barefoot Controller ein. Der stärkste Einbruch im Vergleich zum alten Barefoot Controller ist beim „Kopieren"- und „Photoshop"-Profil zu verzeichnen, während sich die Falcon II bei den restlichen Profilen vergleichsweise gut schlägt. Der Anwendungsindex ist schließlich sogar so hoch, dass man ihn nicht von Laufwerken mit alten Barefoot Controller unterscheiden könnte.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Während die sequentielle Leistung nur beim Kopieren von großen Dateien von Belang ist, gibt der Test mit 4K-Blöcken einen guten Anhaltspunkt für die „Alltagsleistung" - also z.B. das Hochfahren des PCs und das Starten und gleichzeitige Verwenden von mehreren Anwendungen.

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Beim Schreiben und Lesen von 4K Blöcken wiederholt sich das Bild, das man schon beim Iometer-Benchmark gesehen hat: Die Leserate ist auf gewohnt hohem Niveau, bei der Schreibrate liegt sie nahezu gleichauf mit Corsairs P128, einem Laufwerk mit Samsung-Controller, die eher für ihre Transferraten bei großen als kleinen Blöcken berühmt sind. Dass die Falcon II hier im Vergleich zum Iometer-Benchmark weiter zurückfällt, dürfte der Anzahl an gleichzeitigen Anfragen geschuldet sein. Diese beträgt hier nämlich nur eins, bei Iometer 64.

Bei der sequentiellen Schreibrate liegt die Falcon II beim Schreiben gleichauf mit Intels X25-M Postville, die deutlich niedriger als bei Laufwerken mit Barefoot oder gar Samsung Controller liegt. Aufgrund der in der Praxis geringen Bedeutung der sequentiellen Schreibrate ist dies aber ebenfalls nicht als kritisch zu werten.


Nachdem wir nun die theoretische Leistung untersucht haben, kommen wir zu den Anwendungstests. Getestet werden drei Szenarien: Das Starten von Windows Vista (dazu wird immer das gleiche Image benutzt, welches auf das jeweilige Laufwerk zurückgespielt wird), das Laden der Karte „Dalian Plant" in Battlefield 2 und das Auspacken eines 3,61 GB großen ISO-Abbilds einer Windows Vista DVD.

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Hier gibt es, wie erwartet, keine Überraschungen: Sowohl das Laden von Battlefield 2 als auch das Starten von Vista sind durch keine aktuelle SSD mehr limitiert. Alle Laufwerken arbeiten hier schnell genug, um das restliche System nicht mehr zu limitieren.

Der letzte Test ist neu hinzugekommen, daher sind dort leider (noch) nicht alle Laufwerke vertreten. Bei der HD103SJ handelt es sich um eine aktuelle Samsung F3 Festplatte. Die Grafik wird einige Leser vermutlich verwundern, denn eine Festplatte ist hier schließlich schneller als die getesteten SSDs. Die HD103SJ besitzt allerdings eine maximale Transferrate von 140 MB/s, also deutlich schneller als die Postville oder Falcon II. Allerdings nimmt die Transferrate einer Festplatte über die Kapazität ab, sodass sie durchschnittlich nur noch gut 70 MB/s liefert, jetzt also deutlich weniger als die SSDs, die übrigens über die gesamte Kapazität annähernd die gleiche Leistung liefern. Da das Entpacken bei (nahezu) leerem Laufwerk getestet wird, sollte das Ergebnis also nicht mehr verwundern.


Kann man für die Falcon II eine Empfehlung aussprechen?

Um diese Frage zu beantworten, ist sicherlich erst mal ein genauer Blick auf den Preis notwendig. Die Falcon II 128 GB mit Barefoot ECO Controller ist zurzeit für 255 € (ohne Versand) lieferbar. Das günstigste Laufwerk mit Barefoot Controller, momentan das Super Talent Ultradrive GX, ist für knapp 300 € lieferbar. Der neue Barefoot ECO Controller drückt den Preis der Laufwerke dank der Möglichkeit der Verwendung von günstigerem 34 nm Flash also um 15 % bzw. 45 € (zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels).

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Welchen Kompromiss geht man dafür ein?

G.Skill gibt für die Falcon II eine niedrigere Leserate als für die Falcon an. Dies spiegelt sich zwar auch in unseren Benchmark-Ergebnissen wieder, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass SSDs einer relativ großen Serienstreuung unterliegen. Im Vergleich zur Gesamtheit der getesteten Barefoot Laufwerke ist die Falcon II beim Lesen nicht oder nur marginal langsamer geworden. Abstriche gibt es allerdings beim Schreiben. Hier ist die Falcon II durchschnittliche 25 bis 35 % langsamer als die Laufwerke mit dem Ur-Barefoot Controller. Man sollte allerdings auch noch beachten, dass die Leistung durch eine neue Firmware wieder angehoben werden kann.

Wie bei den entsprechenden Benchmarks allerdings schon angemerkt wurde: Die niedrigere Schreibrate dürfte den wenigsten Nutzern im Alltagsbetrieb auffallen. Während man beim Verschieben einer mehreren Gigabyte großen Datei eventuell ein paar Sekunden länger warten muss, startet der PC genauso schnell, laden Spiele nicht langsamer und reagieren mehrere Anwendungen bei gleichzeitiger Verwendung auch nicht träger. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass in einem Desktoprechner wesentlich mehr Daten gelesen als geschrieben werden. Typischerweise geht man von einem Verhältnis von 80:20 zu Gunsten von Lesezugriffen aus.

Nicht nur das, man spart auch noch bares Geld. Fast jeder wünscht sich eine SSD, viele wollen allerdings noch warten, bis die begehrten Laufwerke günstiger werden. Indilinx ermöglicht es den Herstellern dank des neuen Barefoot ECO Controllers nun wieder einen Schritt in diese Richtung zu gehen.

Um also die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Wem der Preis von 255 € für eine 128 GB SSD (Netto 120 GB) zusagt, kann bei der G.Skill Falcon II bedenkenlos zugreifen.

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