Kingston SSDNow V 40 GB mit Intel-Controller: Klein, günstig, gut?

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ssdnow_v_40_teaserKingston möchte mit der SSDNow V 40 GB den Einstieg in die Welt der Solid State Drives besonders einfach und günstig machen: Für weniger als 100 Euro gibt es ein Laufwerk, welches für fast alle Betriebssystem-Installationen ausreichend Platz bieten sollte. Als Basis für die SSDNow V 40 GB dient dabei Intels X25-M, jedoch wurde die Anzahl der Speicherkanäle von zehn auf lediglich fünf reduziert. Wie stark sich diese Einschränkung bemerkbar macht und für wen sich diese SSD lohnt, untersuchen wir in diesem Artikel.

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Bisher gab es Laufwerke mit Intel-Controller und günstigen MLC-Speicher nur in zwei verschiedenen Größen, nämlich mit 80 und 160 GB. Laufwerke mit Samsung- oder Indilinx-Barefoot-Controller sind schon die ganze Zeit in Größen von 32 bis 256 GB verfügbar, was praktisch alle Einsatzzwecke abdecken dürfte.

Kingston ist nun der erste Hersteller, der eine eigene SSD auf Basis des Intel-Controllers auf den Markt bringen durfte. Im Prinzip handelt es sich um eine Intel X25-M (über die wir bereits einen ausführlichen Artikel veröffentlicht haben), bei der einfach die Hälfte der Speicherbausteine weggelassen wurde. So kommt erstens die Kapazität von 40 GB zustande. Zweitens wird dadurch noch einmal die Einteilung der SSD zu den „Einsteigerlösungen" deutlich, denn die Reduktion bei der Anzahl der Speicherkanäle (es kann nur maximal so viele Kanäle wie Speicherbausteine geben) wird sich entsprechend auf die Leistung auswirken.

Es bleiben jedoch die wesentlichen Vorteile einer SSD bestehen: Extrem kurze Zugriffszeiten und verglichen mit einer Festplatte und sehr hohe Transferraten bei kleinen Blöcken. Beide Merkmale sind für ein Systemlaufwerk besonders wichtig, da hier hauptsächlich mit vielen kleinen Dateien gearbeitet wird.

Die technischen Daten sind in folgender Tabelle zusammengefasst:


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Angeboten wird Kingstons SSDNow V 40 GB wie üblich in zwei Versionen: Als Bulk-Ware, also ohne aufwendige Verpackung und in einer Retail-Version. Letztere bietet bei diesem Laufwerk einen echten Mehrwert, was nicht immer die Regel ist. Kingston legt dem Laufwerk einen Adapter für den SATA-Stromanschluss, ein SATA-Datenkabel und einen Einbaurahmen für 3,5-Zoll-Schächte bei. Besonders der Einbaurahmen dürfte von Interesse sein, bieten doch nur sehr wenige Desktopgehäuse die Möglichkeit, 2.5"-Laufwerke direkt zu verbauen.

Die beigelegte CD, auf der sich auch ein Handbuch im PDF-Format findet, ist bootbar. Gestartet wird Acronis True Image HD, mit dem sich das bisherige Systemlaufwerk auf die SSDNow V 40 GB spiegeln lässt.

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Das Innenleben zeigt, wie erwartet, eine große Ähnlichkeit zu Intels X25-M. Es wird der gleiche Controller verwendet, allerdings kommen nur halb so viele Speicherbausteine zum Einsatz.

Hardware / Treiber

Software

Benchmark Vorgehensweise

Im Falle der Spiele und des Vista Boots gibt es leider keine Möglichkeit zur automatischen Zeitmessung, weswegen für diese Tests die Zeit mit einer Stoppuhr genommen wird. Um zufällige Messabweichungen zu minimieren, wird jede Messung dreimal durchgeführt. Zwischen jeder Messung wird der Rechner neu gestartet, um Caching-Effekte zu vermeiden, welche das Ergebnis der Spieletests verzerren würden. Die in den Diagrammen dargestellten Zahlen sind schließlich das arithmetische Mittel aus den jeweiligen Einzelmessungen.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: zufälliges Lesen und zufälliges Schreiben von 4K-Blöcken. Im Alltagsbetrieb treten verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auf, jedoch hat sich das Schreiben von 4K-Blöcken bei früheren SSDs als äußerst problematisch erwiesen, sodass teilweise das komplette System eingefroren ist (ein sogenannter „Freeze"), bis das Laufwerk die Anfrage ausgeführt hat.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MByte/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Je höher diese ist, desto langsamer fühlt sich das System an. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os („gestellte Anfragen") auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise bei 1-2.

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Die SSDNow V 40 GB ist hier die zweitschnellste aller bis jetzt getesteten Laufwerke. Nur die Intel Postville kann sie noch einmal überbieten, was natürlich zu erwarten war, denn die SSDNow V 40 GB besitzt zwar den gleichen Controller wie die Postville, arbeitet aber mit nur halb so vielen Speicherkanälen. Allerdings ist das Ergebnis gerade aufgrund dieser Tatsache beeindruckend.


Mit h2benchw messen wir Zugriffszeiten und verschiedene Anwendungsprofile, die eine Einschätzung der Laufwerksleistung in verschiedenen Szenarien bieten soll. H2benchw führt die Tests unter Umgehung des Dateisystems aus. Werden also auch Schreibtests durchgeführt, darf keine Partition auf dem Laufwerk vorhanden sein. Weiterhin benutzt h2benchw nur die ersten 40 GB eines Laufwerks. Das ist bei Solid State Drives nicht von Bedeutung, denn ihre Leistung bleibt über den kompletten Speicherplatz konstant. Bei Festplatten wird so jedoch nur der schnellste Bereich getestet, denn Festplatten werden von außen (größte Bahngeschwindigkeit) nach innen beschrieben, die Leistung nimmt über den gesamten Speicherplatz also kontinuierlich ab.

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Auch bei der Zugriffszeit wird die Herkunft der SSDNow V 40 GB deutlich: Sie liegt praktisch gleichauf mit der Postville und hat damit eine niedrigere Zugriffszeit als alle Laufwerke mit Indilinx-Barefoot- oder Samsung-RBB-Controller.

Bei den Anwendungsprofilen macht sich die niedrigere Anzahl der Speicherkanäle schließlich bemerkbar: Der Anwendungsindex ist der niedrigste von allen bisher getesteten Laufwerken. Trotzdem kann sie sich in einzelnen Profilen bis auf den zweiten Platz vorarbeiten, wobei sie technikbedingt natürlich immer hinter der Postville bleibt.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Während die sequentielle Leistung nur beim Kopieren von großen Dateien von Belang ist, gibt der Test mit 4K-Blöcken einen guten Anhaltspunkt für die „Alltagsleistung" - also z.B. das Hochfahren des PCs und das Starten und gleichzeitige Verwenden von mehreren Anwendungen.

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Hier offenbart sich nun die größte Schwäche der SSDNow V 40 GB: Die Schreibrate bei großen Datenblöcken ist sehr niedrig. Hier macht sich die reduzierte Anzahl an Speicherkanälen also am stärksten bemerkbar. Die Leserate bei großen Blöcken liegt zwar auch deutlich hinter der Leserate der Postville und auch hier ist die SSDNow V 40 GB damit das langsamste Laufwerk, was jedoch nicht so schlimm ist, da immer noch sehr gute Werte erzielt werden.

Ein anderes Bild gibt es bei kleinen Datenblöcken (4K): Beim Schreiben bleibt von der extrem hohen Datenrate der Postville noch genügend übrig um alle anderen Indilinx- oder Samsung-Laufwerke mit großem Abstand zu überholen. Beim Lesen der kleinen Blöcke liegen Postville und SSDNow V 40 GB ungefähr gleichauf und müssen sich mit leichtem Rückstand der Konkurrenz geschlagen geben.


Nachdem wir nun die theoretische Leistung untersucht haben, kommen wir zu den Anwendungstests. Getestet werden drei Szenarien: Das Starten von Windows Vista (dazu wird immer das gleiche Image benutzt, welches auf das jeweilige Laufwerk zurückgespielt wird), das Laden der Karte „Dalian Plant" in Battlefield 2 und das Auspacken eines 3,61 GB großen ISO-Abbilds einer Windows Vista DVD.

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Für Aufgaben wie das Starten des Betriebssystems oder das Laden eines Levels in Battlefield 2 sind alle SSDs schnell genug. Hier gibt es keine signifikanten Abweichungen untereinander, sodass man davon ausgehen darf, dass hier andere Faktoren als das Laufwerk limitieren.

Der letzte Test wurde neu aufgenommen, deswegen fehlen hier leider die Werte der anderen SSDs. Als Vergleichswerte dienen hier die Zeiten einer alten Samsung Spinpoint Festplatte (SP2504C) sowie einer aktuellen Samsung SpinPoint F3 (HD103SJ). Hier schlägt sich die niedrige Schreibrate der SSDNow V 40 GB bei großen Datenblöcken auch in der Anwendung nieder, das Laufwerk braucht genauso lange wie eine deutlich überholte Festplatte. Eine aktuelle Festplatte wie die F3 benötigt zum Entpacken des ISO-Abbilds weniger als die Hälfte der Zeit.


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Kingston möchte mit diesem Laufwerk eine einfache und günstige Einsteigerlösung anbieten. Ist dieses Vorhaben gelungen?

Zusammenfassend kann man diese Frage auf jeden Fall mit „Ja" beantworten, wobei dies im Folgenden erläutert werden soll:
Mit einer Kapazität von 40 GB (formatiert: 37 GB) eignet sich dieses Laufwerk primär als Systemlaufwerk. Während Windows-XP- und Windows-7-Installationen sowieso problemlos Platz auf diesem Laufwerk finden, sollte auch für die Mehrzahl an Windows-Vista-Installationen genügend Platz vorhanden sein, solange man nicht unzählige Programme auf dem Systemlaufwerk installieren möchte. Durch die sehr gute Garbage-Collection des verwendeten Intel-Controllers hat die SSDNow V 40 GB auch kein großes Problem mit dem Thema Leistungsverlust bei zunehmender Nutzung.

Apropos Leistung: Sehr ernüchternd war natürlich der niedrige Datendurchsatz bei großen Datenblöcken. Doch wie stark ist dies zu gewichten? Bei „normaler" Nutzung eines Desktopsystems (d.h. z.B. kein exzessiver Betrieb von riesigen Datenbanksystemen etc.) finden 80 Prozent der Zugriffe auf das Laufwerk lesend statt, nur bei 20 Prozent der Zugriffe wird etwas auf das Laufwerk geschrieben - und auch hier handelt es sich meistens eher um kleinere Datenblöcke, wo die SSDNow V 40 GB wiederum glänzen kann.

Nervig kann die niedrige sequenzielle Schreibrate, wie man gesehen hat, z.B. beim Entpacken von großen Archiven sein. Nur sollte man sich hier die Frage stellen, wie oft man mehrere Gigabyte große Archive auf dem Systemlaufwerk entpackt. Nicht zuletzt dürfte die vergleichsweise kleine Kapazität des Laufwerks solchen Aktionen einen Riegel vorschieben.

Nutzt man die SSDNow V 40 GB jedoch ausschließlich als Systemlaufwerk, wird man viel Freude an der gewonnenen Geschwindigkeit (im Vergleich zu einer Festplatte haben) haben. Sofern es nötig ist, lässt sich eine zusätzliche, große Festplatte sehr gut als Datenspeicher benutzen und ergänzt die SSD auf diese Weise.

Beim Preis pro Gigabyte ist es Kingston auch mit diesem Laufwerk leider nicht möglich, eine neue Bestmarke zu setzen. Doch muss man auch das umfangreiche Zubehör beachten: Der Einbaurahmen dürfte vielen Nutzern entgegenkommen, die über eine vernünftige Befestigungsmöglichkeit in ihrem Gehäuse nachgedacht haben. Die bootbare CD mit der Backup- und Klonsoftware Acronis True Image HD kann sich ebenfalls als sehr nützlich herausstellen, besonders um sein System von dem alten Laufwerk auf die SSDNow zu kopieren.

Sofern man sich also nicht an der niedrigen Schreibrate stört, sollte man die SSDNow V 40 GB beim SSD-Kauf auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen.


Zum Preisvergleich für die Kingston SSDNow V 40 GB gelangt man über folgenden Link:

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