Ein Exot aus China mit acht Kernen: Der Zhaoxin KX-U6780A im Test

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zhaoxin-kx-u6780a-logoBei den Desktop-Prozessoren wird der Markt von AMD und Intel dominiert – die aufkommenden Datacenter-Prozessoren auf Basis einer ARM-Architektur und den Snapdragon 8xc von Qualcomm im Notebook-Segment einmal außen vor gelassen. Doch mit China erwächst ein Markt, der sich zunehmend von den USA-Konzernen unabhängig machen will. Dies hat vor allem politische, aber auch wirtschaftliche Gründe. Wir haben uns den Zhaoxin KX-U6780A einmal genauer angeschaut.

An dieser Stelle geht unser Dank an Marc Sauter von Golem, der uns die Kaixian-KX-6780A-Plattform zur Verfügung gestellt hat. Dort findet ihr auch einen ausführlichen Artikel zum Prozessor, der sich auch etwas mit der Entwicklungsgeschichte beschäftigt.

Beim Kaixian KX-6780A und KX-U6880A handelt es sich um einen Prozessor mit acht Kernen und 8 MB an L2-Cache. Als Architektur kommt die Eigenentwicklung namens Lujiazui zum Einsatz. Diese bietet unter anderem die Unterstützung für SSE 4.2, AVX und andere Befehlserweiterungen.

Zudem verfügen die Prozessoren über ein Dual-Channel-Speicherinterface für DDR4-3200, PCI-Express-3.0-Lanes, SATA, USB und vieles mehr. Derzeit lässt Zhaoxin die beiden ersten Consumer-Modelle KX-U6780A und KX-U6880A noch in 16 nm bei TSMC fertigen. Die Thermal Design Power liegt bei 70 W.

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Der von uns getestete KX-6780A bietet einen Takt von 2,7 GHz, das Flaggschiff KX-U6880A erreicht einen Takt von 3,0 GHz. Moderne Turbo-Boost-Techniken, die von diversen Parametern abhängen, unterstützen die Prozessoren nicht. Die CPU arbeitet im Idle-Betrieb mit 1,2 oder 1,8 GHz und geht dann bei Bedarf auf 2,7 bzw. 3,0 GHz herauf. Mehr Variation gibt es hier nicht. Ein SMT/Hyperthreading unterstützten die Prozessoren ebenfalls nicht.

Acht Kerne bietet der KX-6780A. Diese sind in zwei Quad-Core-Clustern organisiert – ähnlich wie AMDs CCX-Cluster im Compute-Die. Pro Kern zur Verfügung stehen jeweils 32 kByte an L1-Data- und Instruction-Cache. Zwei Cluster an jeweils 4 MB L2-Cache stehen den acht Kernen zur Verfügung. Eine Crossbar verbindet die beiden Cluster miteinander. Auf einen L3-Cache verzichtet das Design.

Bei den Prozessoren handelt es sich um SoCs, also komplette Systeme auf einem Chip, die unabhängig von einem weiteren Chipsatz arbeiten können. Neben den CPU-Kernen und dem Speichercontroller mit an Bord sind Controller für 16 PCI-Express-3.0-Lanes, USB und SATA. Das von uns verwendete Mainboard ist ein Cjoyin C1888 mit verlötetem KX-6780A.

Die Politik zum Prozessor aus China

Der KX-6780A stammt aus China, wird allerdings bei TSMC gefertigt. Hinter dem Prozessor und dessen (Weiter)Entwicklung verbirgt sich viel politische Motivation. Um an die für einen x86-Prozessor notwendigen Patente zu kommen haben VIA und die Shanghai Alliance Investment Corporation im Jahre 2013 ein Joint Venture namens Shanghai Zhaoxin Semicondutor Corporation gegründet. Zhaoxin ist ein staatliches Unternehmen und damit ist die Kontrolle und die Funktion der Hardware eindeutig.

Die Kaixian-Serie soll bald um die KX-7000 ergänzt werden. Hier ist dann der Einsatz von DDR5 sowie PCI-Express 4.0 vorgesehen. Es soll sich um eine neue Architektur handeln. Auch hinsichtlich der Fertigung sind größere Schritte geplant. Wie schnell China in den verschiedenen Bereichen wird aufholen können, ist schwer abzuschätzen. Allerdings stehen hinter diesen Entwicklungen vor allem staatliche Interessen – man will sich von den USA und dem restlichen westlichen Markt unabhängig machen.


Ein solches Board samt Prozessor nach Deutschland einzuführen, ist nicht ganz einfach. Bezugsquellen gibt es einige, allerdings kostet die Anschaffung auch wegen der teuren Einfuhr und Steuern schnell einige hundert Euro. Damit wird ein solches System sicher zu einem interessanten, aber auch teuren Spaß.

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Auch wenn die Hersteller aus China klar auf einen Ersatz der etablierten Desktop-Plattformen abzielen, so sind wir von den Desktop-Funktionen der entsprechenden Mainboards im Vergleich noch weit entfernt. Der Formfaktor spielt dabei noch nicht einmal die wichtigste Rolle. Das Cjoyin C1888 limitiert den KX-6780A in vielerlei Hinsicht. Als DDR4-Speicher kann nur DDR4-2600 eingesetzt werden, obwohl der Speichercontroller DDR4-3200 ansprechen kann. Immerhin werden die beiden SO-DIMMs über das vorhandene Dual-Channel-Interface auch über zwei Kanäle angesprochen.

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Die 16 PCI-Express-Lanes des Prozessors teilen sich auf den PCI-Express-Steckplatz, zweimal Mini-PCIe auf der Vorderseite und einmal M.2 auf der Rückseite auf. Es ist aber auch alles andere als einfach, an die entsprechende Dokumentation zu kommen, insofern können wir manches Mal nur raten. Per Mini-PCIe können diverse Schnittstellen nachgerüstet werden. Ein WLAN-Modul ist dabei der wahrscheinlichste Einsatzzweck.

Der M.2-Anschluss auf der Rückseite verfügt über zwei Lanes. Dementsprechend kommt eine darauf betriebene Samsung SSD 960 auf Übertragungsraten von etwas mehr als 1.000 MB/s (Details dazu später). Wenn eine dediziere Grafikkarte in den Steckplatz eingesetzt wird, verfügt diese über acht Lanes. Auch hier findet also keine Anbindung mit den vollen Lanes statt. Das Mainboard muss mit seinen 16 PCI-Express-Lanes aber auch haushalten und zusammen mit den Mini-PCIe-Anschlüssen sind acht Lanes für die Grafikkarte und zwei Lanes für die NVMe-SSD zu verschmerzen.

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Auf der Rückseite des Mainboards wird die M.2-SSD untergebracht, die mit zwei Lanes angebunden wird. Die Länge der M.2-SSD beläuft sich auf die typischen M.2 2280. Die hier verbauten SSDs sind also 80 mm lang und 22 mm breit.

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Bei einer Thermal Design Power von nur 70 W fällt auch die Spannungsversorgung des Prozessors entsprechend schmal aus. Selbst einen passive Kühlung ist nicht vorgesehen.

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Als Audio-Lösung verbaut ist der ALC662 von Realtek. Es handelt sich dabei um einen 5.1-Kanal-Audiochip, der als Standardlösung im Bereich des Onboard-Sounds gesehen werden kann.

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An internen Anschlüssen vorhanden sind SATA, USB 2.0 und USB 3.0. Hinzu kommen diverse analoge Schnittstellen.

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An I/O-Anschlüssen vorhanden sind HDMI und VGA. Diese werden über die integrierte S3-Grafikeinheit versorgt. In der Mitte zu sehen sind 2x USB 3.0 und 2x USB 2.0. Daneben zu sehen sind zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse. Ganz rechts außen sind die analogen Audio-Anschlüsse zu sehen.

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Als Arbeitsspeicher haben wir auf SO-DIMMs von G.Skill gesetzt, die bei DDR4-2666 Timings von CL18-18-18-43 erreichen sollen. Im BIOS sind keiner Einstellungen vorzunehmen und somit greift das System auf kompatible SPD-Settings zurück.

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Die Abwärme des KX-6780A wird über einen Blower-Kühler abgeführt. Damit ist die Kühlung der in einem Notebook am ähnlichsten. Unter Last haben wir für das Mainboard eine Leistungsaufnahme von 84,9 W gemessen. Während eines Multi-Threaded-Tests dürfte ein Großteil davon durch den Prozessor verbraucht werden. Dementsprechend dreht der Lüfter unter Last hoch, die CPU-Temperaturen überschreiten einen Wert von 70 °C aber nicht.

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Der auf dem Cjoyin C1888 eingesetzte Kühler besteht aus einer Bodenplatte aus Aluminium, durch die zwei Heatpipes geführt werden. Ein Radiallüfter bläst kühle Luft durch einen Kanal mit Lüfterlamellen. Unter Volllast wird der Lüfter aufgrund der hohen Drehzahl recht laut.


Uns stand für die Tests der Ryzen-Prozessoren folgende Hardware zur Verfügung:

AMD Ryzen-3000-Serie:

AMD Ryzen-2000- und Ryzen-1000-Serie:

AMD Ryzen-Threadripper-Prozessoren:

AMD Ryzen Threadripper 3. Generation:

Intel LGA1200:

Intel LGA1151:

Intel LGA2066

Auf allen Systemen installiert ist ein Windows 10 in der Version 2004 mit allen Patches für die Sicherheitslücken. Außerdem installierten wir die aktuellen Chipsatz-Treiber für AMD und Intel.

DDR-Taktraten für die Prozessoren
Prozessor Takt
Intel LGA1200 (10. Geneartion) DDR4-2666/DDR4-2933
Intel LGA1151 (bis. 9 Generation) DDR4-2666
Intel LGA2066 (bis 9. Generation) DDR4-2666
Intel LGA2066 (10.  Generation) DDR4-2933
AMD Ryzen 1. und 2. Generation DDR4-2933
AMD Ryzen 3. Generation DDR4-3200
AMD Ryzen Threadripper 1. und 2. Generation DDR4-2933
AMD Ryzen Threadripper 3. Generation DDR4-3200
AMD Ryzen-3000G-Serie DDR4-2933
AMD Athlon-Serie DDR4-2666

CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
CPU-Testsystem 2019
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Der Cinebench ist ein Klassiker um die Multi- und Single-Threaded-Leistung eines Prozessors zu beurteilen. Er skaliert auch über mehrere Dutzend Kerne noch ganz gut und zeigt über den Single-Threaded-Test auch die Single-Core-Leistung eines Prozessors auf.

Cinebench R20

Single-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R20

Multi-Threaded

Punkte
Mehr ist besser


Über AIDA64 kann die Lese- und Schreibleistung des Arbeitsspeichers beurteilt werden. Außerdem wird die Kopierleistung aufgenommen und die Latenzen können gemessen werden.

AIDA64

Lese- und Schreibdurchsatz

49039 XX


47222 XX
48819 XX


47320 XX
46086 XX


25546 XX
45994 XX


25547 XX
45970 XX


25547 XX
45959 XX


25545 XX
45674 XX


25544 XX
43625 XX


44487 XX
43240 XX


44037 XX
42056 XX


44938 XX
40875 XX


37604 XX
40629 XX


37022 XX
40532 XX


36613 XX
40381 XX


37582 XX
38820 XX


40930 XX
38775 XX


40891 XX
37887 XX


40772 XX
37452 XX


40774 XX
37440 XX


40722 XX
26947 XX


22425 XX
26383 XX


45669 XX
25547 XX


45821 XX
25546 XX


46143 XX
MB/s
Mehr ist besser

AIDA64

Kopierdurchsatz

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64

Speicherverzögerung

in ns
Weniger ist besser


Der Y-Cruncher berechnet PI auf auf die gewählte Stelle und verwendet dabei alle ihm zur Verfügung stehenden Kerne. Auch hier zeigt sich sehr gut, wie über die schiere Anzahl der Kerne gearbeitet werden kann. Digicortex simuliert die Synapsenaktivität des Gehirns einer Seegurke. Die Ausgabe erfolgt als Geschwindigkeit der Simulation als Echtzeit-Faktor.

Y-Cruncher

500M

Sekunden
Weniger ist besser

DigiCortex

Small 64 Bit

x real-time avg
Mehr ist besser


Blender, Corona und V-Ray sind allesamt Rendering-Benchmarks, die für Workstation-Anwendungen in diesem Bereich stehen. Üblicherweise skalieren diese Benchmarks allesamt ganz gut über die Anzahl der Kerne.

Blender

bmw27

Sekunden
Weniger ist besser

Blender

classroom

503.036 XX


511.721 XX


717.431 XX


725.759 XX


748.397 XX


885.71 XX


976.438 XX


1002.080 XX


1026.24 XX


1029.11 XX


1129.800 XX


1445.23 XX


1474.02 XX


1506.518 XX


1564.46 XX


1583.14 XX


1584.88 XX


1616.46 XX


1632.199 XX


2079.35 XX


4274.09 XX


Sekunden
Weniger ist besser

V-Ray

Benchmark

Sekunden
Weniger ist besser

Corona

Benchmark

Sekunden
Weniger ist besser


In Handbrake haben wir ein 4K-Video in 1080p mit 60 Hz H.264 kodiert und die Zeit aufgenommen, die dazu benötigt wird. Über VeraCrypt schauen wir uns die AES-Leistung der Prozessoren an und 7-Zip zeigt die Leistung für die Dekomprimierung und Komprimierung von Daten auf.

Handbrake

UHD Demo Nature

Sekunden
Weniger ist besser

VeraCrypt

AES

GB/s
Mehr ist besser

7-Zip

32M - Dekomprimierung/Komprimierung

136767 XX


80428 XX
135185 XX


76973 XX
109943 XX


77147 XX
93474 XX


63348 XX
92880 XX


64631 XX
88484 XX


57296 XX
82603 XX


55960 XX
78735 XX


47737 XX
70989 XX


52342 XX
67987 XX


50160 XX
61276 XX


47048 XX
60964 XX


52921 XX
54179 XX


47824 XX
47636 XX


39007 XX
44788 XX


35940 XX
43159 XX


35110 XX
42842 XX


37877 XX
42182 XX


38486 XX
39237 XX


32710 XX
39146 XX


32204 XX
35604 XX


28227 XX
30904 XX


26814 XX
24846 XX


18705 XX
MIPS
Mehr ist besser

7-Zip

32M - Gesamtwertung

MIPS
Mehr ist besser


Für den Test der Compiling-Leistung haben wir den Mozilla Firefox in der aktuellen Version für den Desktop in 64 Bit compiled. Hier spielen die Single-Threaded- und die Multi-Threaded-Leistung eine Rolle, wobei ein Prozessor mit vielen Kernen deutliche Vorteile hat.

Compiling

Firefox-Browser

Sekunden
Weniger ist besser


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UL 3DMark

TimeSpy Extreme - CPU

Futuremark-Punkte
Mehr ist besser


Beim Cjoyin C1888 können wir die Leistungsaufnahme des KX-6780A nicht getrennt vom restlichen System messen. Daher führen wir hier die Leistungsaufnahme des gesamten Systems auf und vergleichen diese auch mit den Gesamtsystemen der anderen Prozessoren.

Leistungsaufnahme

Gesamtsystem

in W
Weniger ist besser

84,5 W verbraucht das gesamte Mainboard unter CPU-Volllast. Der Prozessor hat eine TDP von 70 W und dürfte dies auch ziemlich genau einhalten. Leider lesen auch diverse Tools keine Package-Power oder dergleichen aus. Sparsam ist der KX-6780A also schon einmal.

Für die Temperaturen können wir festhalten, dass diese einen Wert von 70 °C nicht übersteigen. Der Prozessor hält seinen Takt von 2,7 GHz auch nach über eine Stunde 3D-Rendering oder Compiling unter Volllast.

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Die Wärme unter dem Kühler können wir mittels IR-Aufnahme natürlich nicht aufzeichnen, der Temperatursensor liest hier aber nicht mehr als 70 °C aus. Im Verlaufe einer längeren Last werden die VRMs ähnlich warm, wie das Video allerdings deutlich aufzeigen kann.


Die Benchmarks und Messungen der Leistungsaufnahme sind das eine. Ein vollständiges Bild ergibt sich jedoch erst, wenn man einige der wichtigen Kennzahlen zusammenbringt. In den Multi-Threaded-Disziplinen Rendering und Encoding skalieren die Prozessoren mit der Anzahl ihrer Kerne. Also haben wir uns einmal angeschaut, welches Verhältnis aus nT-Leistung pro Watt sich daraus ergibt.

Multi-Threaded-Leistung pro Watt

Cinebench nT

in Punkte/W
Mehr ist besser

Aufgrund der geringen Leistung hat der KX-6780A natürlich auch in dieser Disziplin keine Chance. Selbst Einsteiger-Lösungen bieten eine höhere Leistung bei vergleichbarem oder sogar niedrigeren Verbrauch.

Sondertests

Kommen wir nun noch zu einigen Sondertests, die wir mit dem Zhaoxin KX-U6780A gemacht haben bzw. die uns auch ein bessere Bild der Plattform bzw. des Mainboards vermitteln.

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Zunächst einmal kommt es sicherlich nicht häufig vor, dass man im Taskmanager einen Prozessor sieht, der nicht von AMD oder Intel stimmt. Hier lassen sich zudem einige der wichtigen technischen Daten auslesen.

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Die Anbindung der verwendeten NVMe-SSD erfolgt über zwei PCI-Express-Lanes. Die Datenübertragungsrate liegt bei größeren Dateien bei etwa 1,25 GB/s für das Lesen und und 1,45 GB/s für das Schreiben von Daten. Die Leistung bzw. Anbindung der SSD ist nicht das Problem der Plattform. Die acht Kerne sind einfach zu langsam und hinzukommt, dass auch der Arbeitsspeicher einen limitierenden Faktor darstellt.

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Natürlich haben wir auch eine dedizierte Grafikkarte im System verbaut. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass diese über acht PCI-Express-Lanes angebunden ist. Leider konnten wir keinerlei Spiele-Benchmarks ausführen, da das System bei Last auf der Grafikkarte reproduzierbar abstürzte. Auch kleinere Grafikkarten, die dann allerdings keinen Vergleich zu den anderen Systemen zugelassen hätte, wurden im 2D-Betrieb zwar erkannt, wollten unter 3D-Last aber nicht mehr arbeiten.

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Schlussendlich haben wir auch noch die Core-to-Core-Latenzen der einzelnen Kerne gemessen. Sehr deutlich ist hier ein Muster erkennbar. Offenbar sind zwei Quad-Core-Cluster vorhanden. Innerhalb dieser bewegen sich die Latenzen im Bereich von etwas mehr als 50 ns. Verlässt man dieses Cluster und kommunizieren die Kerne über diese hinweg, steigen die Latenzen auf über 150 ns an.

Als Vergleich sei hier erwähnt, dass in einem aktuellen Intel-Prozessor die Latenzen bei etwas unter 50 ns liegen. Ein Ryzen-Prozessor kommt innerhalb eines CCDs auf etwa 30 ns und wird zwischen zwei CCDs kommuniziert liegen die Latenzen bei etwa 70 ns.


Den Kaixian KX-6780A testen zu können bot einen interessanten Einblick in die CPU-Entwickung in China. Man spürt dem gesamten System aber auch sofort an, dass man hier noch einige Generation hinter Intel und AMD hinterherhinkt. Auch wenn im KX-6780A acht Kerne arbeiten, heißt das noch lange nicht, dass wir auch eine zu erwartende Leistung für acht Kerne bekommen. Dies liegt an mehreren Faktoren.

Zunächst einmal ist die Architektur längst nicht auf Niveau aktueller Designs von AMD und Intel. Skylake, Sunny Cove, Zen 2 – das sind die aktuellen Flaggschiffe und auch wenn wir die mobilen Prozessoren nicht mit in die Benchmarks aufgenommen haben, so zeigt ein Blick in die entsprechenden Tests (beispielsweise der zum Ryzen 9 4900HS oder dem Core i7-1068G7), dass selbst Prozessoren mit einer TDP von 15 oder 25 W noch deutlich schneller sind. In einem sehr eingeschränkten Rahmen kann der KX-6780A die fehlende IPC-Leistung durch seine acht Kerne kompensieren.

Schaut man sich die Benchmarks an, dann ist ein Kaixian KX-6780A nur in etwa halb so schnell oder leistet nur ein Drittel dessen, was ein Core i3-10100 (Test) auf die Bahn bringt. Hier reden wir von einem Quad-Core-Prozessor mit vier Kernen und Hyperthreading. Auch die entsprechenden Ryzen-Modelle (Ryzen 3 3300X und 3100) liegen weit vor dem KX-6780A. Die schnellsten Desktop-Modelle von AMD und Intel sind um den Faktor vier bis fünf schneller – von den HEDT-Prozessoren gar nicht zu sprechen. Besonders fällt die niedrige Single-Threaded-Leistung auf, was nicht nur in den Benchmarks spürbar ist, sondern auch im Alltagsgebrauch des Windows. Alles fühlte sich etwas zäh und träge an – wie mit Hardware die schon etwas älter ist eben.

Der recht niedrige Takt von 2,7 GHz hilft natürlich nicht die Ergebnisse zur verbessern. Dies liegt auch an der recht betagten Fertigung in 16 nm. Auch hier gäbe es noch Unterschiede zu machen, Zhaoxin hat sich aber wohl für ein günstiges Fertigungsverfahren entschieden. Aber auch hier wollen, vom Staat stark gefördert, chinesische Unternehmen schnell aufholen. Bis man auf einem Niveau von TSMC, Samsung oder Intel (keine Ironie!) ist, wird es aber wohl noch einige Jahre dauern - aber auch hier schläft man nicht.

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Für China geht es darum, unabhängig zu werden. Der Kaixian KX-6780A zeigt sehr schön, wie dies aussehen könnte. Ein System, mit einem solchen Prozessor ausgestattet, ist allen Office-Anwendungen gewachsen. Der starke Spielemarkt in China kann damit ebenfalls bedient werden – dann aber natürlich mit einer dedizierten Grafikkarte. Mit einer GeForce GTX 1660 ausgestattet wäre ein Spielerechner mehr als gut in der Lage die in China üblichen Titel auszuführen.

Man hat also noch viele Stellschrauben an denen gedreht werden kann und die Fortschritte die man macht, sind entsprechend groß. Vor einigen Jahren wäre eine solche Eigenentwicklung noch undenkbar gewesen. Nun kann man zumindest Office-Systeme komplett eigenständig entwickeln und fertigen. Auch im Bereich der Serverprozessoren schickt sich Huawei an, den etablierten Herstellern Konkurrenz zu machen. Diesen kann dies nicht gefallen und insofern kommen auch hier wieder politische Aspekte ins Spiel die unter anderem dafür gesorgt haben, dass Huawei seine Chips nicht mehr bei TSMC wird fertigen können.

Die nächsten Generationen stehen bereits in den Startlöchern. Die KX-7000-Prozessoren sollen bereits 2021 auf den Markt kommen. Angaben zu den technischen Details gibt es wenige. Geplant ist die Unterstützung von DDR5 und PCI-Express 4.0. Man will sicherlich weiter zu AMD und Intel aufschließen. Wir werden diese Entwicklung im Auge behalten.