Ice Lake gegen Comet Lake: Intels 10. Core-Generation im Vergleich

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ice-lake-yZur Computex Ende Mai kündigte Intel die ersten Ice-Lake-Prozessoren an. In einem Artikel haben wir uns die Details zu den Sunny-Cove-Kernen bzw. der gleichnamigen Architektur bereits angeschaut. Besonders die höhere IPC-Leistung, die direkte Anbindung von Thunderbolt 3 und die integrierte Iris Plus Graphics auf Basis der Gen11-Graphics standen damals im Fokus. Inzwischen gibt es innerhalb der 10. Core-Generation auch einige Modelle auf Basis von Comet Lake – Intel macht sich also selbst Konkurrenz. Wir haben die aktuelle Generation im Hinblick auf die CPU-Leistung getestet.

Die Ice-Lake- und Comet-Lake-Prozessoren unterscheiden sich nicht nur auf technischer Ebene, sondern sind in gewisser Weise auch die zwei Gesichter, die Intel derzeit zeigt. Während Ice Lake klar in Richtung Zukunft orientiert ist (neue Sunny-Cove-Kerne, Foveros-Packaging, Gen11-Graphics), zeigen sich Comet Lake-U und Comet Lake-Y ganz klar als Überbleibsel einer alternden Produktserie, die aus der Not geboren wurde. Cannon Lake hätte dies alles bis zum Übergang auf Ice Lake ablösen sollen. Aufgrund der Schwierigkeiten mit der Fertigung in 10 nm ist Cannon Lake aber nie wirklich im Markt angekommen.

Wir wollen uns den aktuellen Stand bei den Notebook-Prozessoren anschauen. Dazu stellte uns Intel ein Lenovo Yoga C940 zur Verfügung, welches mit einem Core i7-1065G7 ausgestattet ist. Dabei handelt es sich um den zweitschnellsten Ice-Lake-Prozessor für das mobile Segment. Er bietet vier Kerne mit Hyper Threading, einen Basis-Takt von 1,2 GHz und einen 1-Core-Boost von 3,9 GHz. Der All-Core-Boost beträgt 3,5 GHz, dies allerdings nur, wenn die TDP-Spanne von 25 W ausgenutzt wird und die Kühlung ausreichend ist.

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An dieser Stelle gleich vorwegnehmen wollen wir, dass der Core i7-1065G7 in unserem Lenovo Yoga C940 auf 25 W konfiguriert war. Das kleine und kompakte Notebook besitzt sicherlich auch nicht die idealen Voraussetzungen, um die höchste Leistung des Prozessors zu erreichen – es fehlt einfach an einer ausreichenden Kühlung mit viel Volumen. Demnach werden wir auch die 3,5 GHz All-Core-Boost zu keiner Zeit bzw. nur über einen sehr kurzen Zeitraum sehen.

Gegenüberstellung der Ice-Lake-Prozessoren
  Kerne / Threads Basistakt 1C-Boost All-Core-Boost Cache TDP
Core i7-1068G7 4/8 2,3 GHz 4,1 GHz 3,6 GHz 8 MB 28 W
Core i7-1065G7 4/8 1,3 GHz 3,9 GHz 3,5 GHz 8 MB 15/25 W
Core i5-1035G7 4/8 1,2 GHz 3,7 GHz 3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i5-1035G4 4/8 1,1 GHz 3,7 GHz 3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i5-1035G1 4/8 1,0 GHz 3,6 GHz 3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i3-1005G1 2/4 1,2 GHz 3,4 GHz 3,4 GHz 4 MB 15/25 W
Core i7-1060G7 4/8 1,0 GHz 3,8 GHz - 8 MB 9/12 W
Core i5-1030G7 4/8 0,8 GHz 3,5 GHz - 6 MB 9/12 W
Core i5-1030G4 4/8 0,7 GHz 3,5 GHz - 6 MB 9/12 W
Core i3-1000G4 2/4 1,1 GHz 3,2 GHz - 4 MB 9/12 W
Core i3-1000G1 2/4 1,1 GHz 3,2 GHz - 4 MB 9/12 W

Schaut man sich das Line-up der Ice-Lake-Prozessoren an, fällt vor allem eines auf: Der Basis-Takt ist mit 0,7 bis 1,3 GHz extrem niedrig angesetzt. Auf der anderen Seite reicht der Boost-Takt für einen Kern bis zu 4,1 GHz. Die Spanne zwischen zwischen dem Basis- und Boost-Takt ist also extrem groß. Wo die Gründe dafür zu suchen sind, wissen wir nicht. 

Immer wieder ein Thema ist die Fertigung, denn Intel lässt die Ice-Lake-Prozessoren in 10 nm fertigen. Bisher gab es wenige Gründe zu positiven Meldungen, zuletzt war sogar von der Einstellung aller Pläne für Desktop-Prozessoren in 10 nm die Rede. Diese Meldung wurde allerdings schnell von Intel dementiert. Eines ist jedoch klar: Die Fertigung in 10 nm läuft bei Intel nicht rund.

Gegenüberstellung der Comet-Lake-Prozessoren
  Kerne / Threads Basistakt 1C-Boost All-Core-Boost Cache TDP
Core i7-10710U 6/12 1,1 GHz 4,7 GHz 3,9 GHz 12 MB 15/25 W
Core i7-10510U 4/8 1,8 GHz 4,9 GHz 4,3 GHz 8 MB 15/25 W
Core i5-10210U 4/8 1,6 GHz 4,2 GHz 3,9 GHz 6 MB 15/25 W
Core i3-10110U 2/4 2,1 GHz 4,1 GHz 3,7 GHz 4 MB 15/25 W
Core i7-10510Y 4/8 1,2 GHz 4,5 GHz 3,2 GHz 8 MB 4,5/7/9 W
Core i5-10310Y 4/8 1,1 GHz 4,1 GHz 2,8 GHz 6 MB 5,5/7/9 W
Core i5-10210Y 4/8 1,0 GHz 4,0 GHz 2,7 GHz 6 MB 4,5/7/9 W
Core i3-10110Y 2/4 1,0 GHz 4,0 GHz 3,7 GHz 4 MB 5,5/7/9 W

Konkurrenz aus eigenem Hause bekommen die Ice-Lake-Prozessoren durch die Comet-Lake-Modelle, die Intel im Herbst des vergangenen Jahres vorgestellt hat. Beide Serien gehören zur 10. Core-Generation, allerdings werden nur die Ice-Lake-Prozessoren in 10 nm gefertigt und basieren auf der Sunny-Cove-Architektur. Die Comet-Lake-Prozessoren werden weiterhin in 14 nm gefertigt und verwenden noch Kerne auf Basis der Skylake-Architektur.

Seit Weihnachten sind zahlreiche Notebook-Modelle, sowohl mit Ice-Lake- als auch mit Comet-Lake-Prozessoren verfügbar. In gewisser Weise differenziert Intel diese nach besonders leichten und kompakten Modellen, die auf die Ice-Lake-Prozessoren setzen sollen, während die leistungsstärkeren Notebooks mit Comet-Lake-Prozessoren ausgestattet werden, da hier bis zu sechs Kerne möglich sind.

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Neben der CPU-Leistung soll in diesem Artikel aber auch die integrierte GPU eine Rolle spielen. Die Ice-Lake-Prozessoren sind die ersten Modelle mit Gen11-Grafikeinheit. Alle sonstigen, auf der Skylake-Architektur aufbauenden Prozessoren verwenden noch die Gen9.5-Grafikeinheit. Die Gen11-Grafikeinheit soll aber mehr als die doppelte Leistung des Vorgängers bieten und würde damit eine ernsthafte Alternative für eine dedizierte Low-End-Grafikkarte im Notebook darstellen. Auch das Thema Gen11-Grafikeinheit haben wir bereits ausführlich betrachtet. Dennoch hier ein paar Eckdaten:

Gegenüberstellung der Gen9- und Gen11-Grafikeinheit
  Gen9.5 Gen11
Slices 1 1
Sublices 3 8
Execution Units bis zu 48 bis zu 64
FLOPS pro Takt (FP32) 768 1.024
FLOPS pro Takt (FP64) 192 256
Register 1.344 kB (6x 224 kB) 1.792 kB (8x 224 kB)
Shared Local Memory 384 kB (6x 64 kB) 512 kB (8x 64 kB)
Pixel pro Takt 8 16
L3-Cache 768 kB 3.072 kB
GTI-Bandbreite 64 / 32 Byte pro Takt 64 / 64 Byte pro Takt
Last Level Cache 2 bis 8 MB TBD
DRAM-Unterstützung 2x 64 LPDDR3/DDR4 4x 32 LPDDR4/DDR4

Im Vergleich zur Gen9-Grafikeinheit befindet sich der Shared Local Memory (SLM) in der Gen11-Grafikeinheit im Subslice. Die acht EUs eines Subslice können daher direkt auf den 64 kB großen SLM zugreifen und müssen nicht über den Dataport an den SLM, der zudem Bestandteil des L3-Caches ist, gehen. Die höhere Bandbreite und die geringeren Latenzen sollen der Gen11-Grafikeinheit in diesem Fall helfen.

Intel hat die Gen11-Grafikeinheit ein wenig effizienter gemacht, kann sie aber vor allem etwas größer ausbauen. Mehr Funktionseinheiten bedeuten eine höhere Leistung. Erst mit der Gen12-Grafikeinheit auf Basis der Xe-Architektur wird es weitergehende Änderungen geben.

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Zusammen mit den Ice-Lake-Prozessoren hat Intel auch ein Graphics Command Center entwickelt. Die Software soll die bisherige Bedienoberfläche von Intel ablösen, funktioniert aber nicht nur mit der Gen11-Grafikeinheit. Intel orientiert sich mit dem Graphics Command Center grob an den Radeon Settings von AMD oder der GeForce Experience von NVIDIA. Die Benutzeroberfläche ist anders, der Funktionsumfang aber durchaus vergleichbar.

Das Graphics Command Center funktioniert mit allen Prozessoren ab der 6. Core Generation auf Basis der Skylake-Architektur. Nach dem ersten Start wird der Fokus der Software direkt ersichtlich. Intel rückt die Spieleeinstellungen in den Mittelpunkt. Mehr als 100 Spiele erkennt das Graphics Command Center automatisch, bietet für etwa 30 davon einige empfohlene Einstellungen an. Dies geschieht analog zu den Radeon Settings und der GeForce Experience.

An dieser Stelle wollen wir auch darauf verweisen, dass Intels Gen11-Grafikeinheit die bisher erste und einzige von Intel ist, die das Integer Scaling unterstützt.


Bei den CPU-Benchmarks haben wir den Core i7-1065G7 mit einem Core i7-9750H und auch einem Core i7-10710U verglichen. Der Coffee-Lake-Prozessor bietet sechs Kerne, genau wie der Core i7-10710U auf Basis von Comet Lake, was in den Multi-Threaded-Benchmarks natürlich ein Vorteil ist. Zudem haben diese beiden eine TDP von 45 W bzw. können im Notebook derart konfiguriert werden. Den Core i7-10710U haben wir zudem mit 25 W getestet, denn so wird er standardmäßig im MSI Prestige 15 (Test) betrieben. Gerne hätten wir ein zweites Lenovo Yoga mit einer etwas älteren CPU-Generation für den Vergleich verwendet, allerdings war es uns nicht möglich, ein solches Vergleichsnotebook zu besorgen. 

Auch hätten wir die Werte gerne gegen Notebooks mit mobilem Ryzen-Prozessoren verglichen, aber auch hier fehlten uns leider die entsprechenden Gegenstücke, um die Benchmarks in dieser Form machen zu können. Also müssen wir mit den Werten vorlieb nehmen, die wir haben, können diese aber auch entsprechend interpretieren bzw. einordnen. Der Start der Ryzen-Mobile-4000-Prozessoren steht aber kurz bevor und sicherlich werden wir hier die Möglichkeit bekommen entsprechende Vergleiche anzustellen.

Cinebench R20

Multi-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R20

Single-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Der Cinebench zeigt die zwei Seiten des Vergleichs. Im Multi-Threaded-Test liegt der Core i7-9750H bzw. Core i7-10710U (beide mit 45 W) klar vorne, allerdings zeigt der Single-Threaded-Test, dass der Core i7-1065G7 eine deutlich höhere IPC-Leistung besitzt. Mit 3,4 bis 3,6 GHz erreicht er hier noch nicht einmal seinen 1-Core-Boost und ist dennoch schneller. Ein Core i7-10710U ist hier bei 4,7 GHz aufgrund seines höheren Taktes noch performanter unterwegs.

Blender Benchmark

bmw27

Sekunden
Weniger ist besser

Blender Benchmark

classroom

Sekunden
Weniger ist besser

Corona Benchmark

Ray-Tracing-Berechnung

Sekunden
Weniger ist besser

DigiCortex

Multi-Threaded Hirnsimulation

Faktor in Echtzeit
Mehr ist besser

Handbrake

Encoding in SuperHQ 1080p30

Sekunden
Weniger ist besser

V-Ray Benchmark

3D-Rendering

Sekunden
Weniger ist besser

Y-Cruncher

Multi-Threaded - 500 Millionen Stellen von Pi

Sekunden
Weniger ist besser

VeraCrypt

AES

GB/s
Mehr ist besser

7-Zip

32M Kompromierung

MIPS
Mehr ist besser

7-Zip

32M Dekompromierung

MIPS
Mehr ist besser

7-Zip

Gesamtwertung

MIPS
Mehr ist besser

AIDA64

Lesedurchsatz

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64

Schreibdurchsatz

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64

Kopierdurchsatz

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64

Speicherverzögerung

ns
Weniger ist besser

Compiling

Firefox-Browser

Sekunden
Weniger ist besser

Wie zu erwarten war, hat der Core i7-1065G7 gegen den Core i7-9750H und auch den Core i7-10710U mit zwei zusätzlichen Kernen und der höheren TDP in obigen Anwendungen kaum eine Chance. Allerdings schneidet er unter diesen Voraussetzungen gar nicht so schlecht ab. Die ein oder andere komplexere Aufgaben könnte man auf einem solchen Notebook dann doch ausführen. Man kann von einem leichten und kompakten Notebooks wie dem Yoga C940 eben keine Leistungswerte einer Workstation erwarten. Der Core i7-9750H und Core i7-10710U passen da schon eher in das Schema.


Etwas besser sollte es in den Spiele-Benchmarks aussehen, wo wir die Leistung der integrierten Grafikeinheit genauer beleuchten wollen. Hier steht dann natürlich die Gen11-Grafikeinheit im Fokus, die laut Intel doppelt so schnell wie der Vorgänger Gen9.5 sein soll. Eine Gen10-Grafik hat es nur in den Cannon-Lake-Prozessoren gegeben. Dort musste die Grafikeinheit allerdings aufgrund von Fehlern deaktiviert bleiben und so gab es die wenigen Cannon-Lake-Prozessoren immer nur ohne die integrierte Grafikeinheit.

UL 3DMark Time Spy Extreme

Gesamtergebnis

Punkte
Mehr ist besser

UL 3DMark Time Spy

Gesamtergebnis

Punkte
Mehr ist besser

UL 3DMark Time Spy Extreme

CPU-Punkte

Punkte
Mehr ist besser

Der reine CPU-Test des 3DMark zeigt wieder ein ähnliches Bild wie die Anwendungsbenchmarks.

UL 3DMark Time Spy Extreme

Graphics-Punkte

Punkte
Mehr ist besser

Die integrierte Grafikeinheit spielt in einem 3D-Benchmark die wichtigste Rolle und in der Einzelauswertung sehen wir hier auch wieder die doppelte Leistung der Gen11-Grafikeinheit im Core i7-1065G7.

Doch wir haben auch ein paar Benchmarks in Spielen gemacht und die Ergebnisse sehen hier wie folgt aus:

Battlefield V

1.280 x 720 Pixel - Hoch

FPS
Mehr ist besser

Battlefield V

1.920 x 1.080 Pixel - Hoch

FPS
Mehr ist besser

The Division 2

1.280 x 720 Pixel - Hoch

FPS
Mehr ist besser

The Division 2

1.920 x 1.080 Pixel - Hoch

FPS
Mehr ist besser

Metro: Exodus

1.280 x 720 Pixel - Normal

FPS
Mehr ist besser

Metro: Exodus

1.920 x 1.080 Pixel - Hoch

FPS
Mehr ist besser

Die gewählten Grafikeinstellungen entsprechen zwar nicht dem, was auf solchen Systemen eine spielbare Performance ermöglicht, erlauben uns aber auch einen späteren Vergleich mit dedizierten Lösungen, denn auch dazu haben wir einige Benchmarks parallel zum Test des Ice-Lake-Prozessors gemacht. Heute geht es um den Vergleich zwischen Gen9.5 und Gen11 und in den drei gewählten Spielen zeigt sich ein deutlicher Vorsprung für die neuesten Generation der integrierten Grafik von Intel. The Division 2 stellt offenbar eine größere Herausforderung für die Gen9.5-Grafik dar. Dies führt dazu, dass der Vorsprung der Gen11-Grafik mehr als Faktor zwei beträgt.

Schraubt man nun die Qualitätseinstellungen etwas herunter, kann auch auf einem solchen Notebook problemlos ein Spiel ausgeführt werden. Es muss ja auch nicht gleich der aktuellste AAA-Titel sein. Fortnite oder DOTA 2 sind weniger anspruchsvoll. Intel veröffentlichte kürzlich dazu eigene Zahlen, die wir an dieser Stelle aber nicht verifizieren können.


Intels Ice-Lake-Prozessor kann in Form des Core i7-1065G7 in seiner Leistungsklasse nicht in jeder Lebenslage überzeugen. Wir sprechen hier von vier Kernen, die im mobilen Segment mit einer TDP von maximal 15 W auskommen müssen, sich aber auch auf bis zu 25 W konfigurieren lassen. In einem derart kompakten Gerät wie dem Lenovo Yoga C940 sind mehr als 25 W nur schwer zu kühlen. Umso erstaunlicher ist die Leistung im Zusammenspiel mit der Gen11-Grafikeinheit, denn hier sehen wir den großen Vorteil der Ice-Lake-Prozessoren. Während die Coffee-Lake- bzw. Comet-Lake-Varianten aufgrund der Gen9.5-Grafikeinheit außerhalb von 2D-Anwendungen eigentlich immer auf eine dedizierte GPU angewiesen sind, kann man bei den Ice-Lake-Prozessoren auch darauf verzichten.

Natürlich muss man sich immer bewusst sein, dass eine Gen11-Grafikeinheit kein 3D-Feuerwerk auf höchster Auflösung und mit allen Details abfeuern kann. Schraubt man die Anforderungen etwas zurück, sind die meisten Spiele aber auch hier spielbar.

Weniger überzeugend ist, dass sich hinsichtlich der Akkulaufzeit durch die Ice-Lake-Prozessoren offenbar recht wenig tut. Wir haben kein Vergleichsgerät des Lenovo Yoga mit beispielsweise einem Core i7-8550U zu Hand, andere Tests zum Beispiel bei Notebookcheck zeigen, das es wenn überhaupt eine Verbesserung in diesem Bereich im einstelligen Prozentbereich gibt.

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Auf den direkten Vergleich mit einem Vorgänger wie dem Core i7-8550U mussten wir also leider verzichten. Dieser besitzt ebenfalls eine nominelle TDP von 15 W und wäre damit der ideale Gegenspieler gewesen. Die Kollegen von Phoronix haben erst kürzlich einen Vergleich zwischen einem Core i7-1065G7 und einem Core i7-8550U erstellt. Auch in diesem Test zeigt sich die gute Single-Threaded-Leistung des Ice-Lake-Prozessors. In Multi-Threaded-Anwendungen tut sich der Core i7-1065G7 aber schwer. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass der Core i7-8550U ein Kaby Lake-R aus dem dritten Quartal 2017 ist und die Ice-Lake-Prozessoren nun Ende 2019 verfügbar sein – gut zwei Jahre später. Da wäre ein gewisses Leistungsplus durchaus zu erwarten gewesen.

Die CPU-Kerne können ihr volles Potenzial nicht so recht entfalten. Dabei zeigen die Sunny-Cove-Kerne, dass sie im Hinblick auf die IPC-Leistung einen deutlichen Vorteil entwicklen können. Mit typischen 3,2 bis 3,4 GHz ist der CPU-Takt in vielen Anwendungen noch nicht einmal besonders hoch – im Gegenteil.

Die Gründe dafür kennen wir nicht. Offenbar ist es Intel aber aktuell noch immer nicht möglich, einen Prozessor aus der 10-nm-Fertigung auf die gewünschten Taktraten zu bringen. Zudem sprechen wir bei den mobilen Prozessoren von Chips mit maximal vier Kernen. Andernfalls hätten wir sicherlich auch schon Desktop-Prozessoren auf Basis von Ice Lake gesehen – mit mehr als vier Kernen und mit einem zumindest zu 14-nm-Prozessoren vergleichbaren Takt.

Dabei verwendet Intel für die Ice-Lake-Prozessoren die zweite Iteration seiner Fertigung in 10 nm. 10nm+ bietet Änderungen in der Fin-Architektur, was das Taktverhalten verbessert haben soll. Zudem wurde das Back End of Line (BEOL) in der Fertigung weiter optimiert. Auch das Contact Layout wurde im Vergleich zu Cannon Lake verändert, was der Ausbeute in der Fertigung helfen soll.

Selbst Intel sieht Comet Lake vor Ice Lake

Zur CES präsentierte Intel auf einem Performance-Workshop einige eigenen Benchmarks und wollte darin die Vorteile der jeweiligen Prozessoren herausstellen. Es ging vor allem darum aufzeigen, dass ein Core i7-10710U und ein Core i7-1065G7 schneller als die Konkurrenz aus dem Hause AMD sind. Als Vergleichswert hat man hier einen Ryzen 7 3700U herangezogen, denn bisher sind nur solche Notebooks mit Ryzen-Mobile-3000-Serie erhältlich. In einigen Wochen sollen aber auch erste Modelle der Ryzen-Mobile-4000-Serie starten. Hier kommt dann AMDs aktuelle Zen-2-Architektur in bis zu acht Kernen zum Einsatz. Einen ersten Ausblick auf die Leistung der neuen AMD-Modelle gibt es bereits.

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Schon aus Intels eigenen Zahlen geht hervor: Zumeist hat der Core i7-10710U auf Basis von Comet Lake die Nase vorne. Selbst ein eingebremstes Modell ist kaum langsamer als ein Core i7-1065G7 auf Basis von Ice Lake, oftmals sogar schneller. Gibt man dem Core i7-10710U hinsichtlich der Leistungsaufnahme dann etwas mehr Luft, ist er deutlich schneller als jedes Ice-Lake-Modell. Unsere Benchmarks bestätigen dies.

Natürlich muss man die Anzahl der Kerne und den Einsatzzweck des Prozessors mit in Betracht ziehen. Die konfigurierbare TDP bringt eine weitere Variable ins Spiel, die einen direkten Vergleich nicht immer ganz einfach macht.


Ice Lake-U ist der nominelle Nachfolger von Whiskey Lake-U und Cannon Lake-U. Während letztgenannter am Markt praktisch keine Rolle gespielt hat, ist das Update auf Ice Lake-U in dieser Leistungsklasse ein sinnvolles – vor allem im Zusammenspiel mit der integrierten Grafikeinheit. Zwar bietet Intel hier keine höhere Anzahl an Kernen, dafür steigt die IPC-Leistung deutlich an. Wir sprechen hier aber von Prozessoren, die mit einer TDP von nominell 15 W, maximal konfigurierbar auf 25 W, in der sparsamen Leistungsklasse bei den Mobilprozessoren angesiedelt sind. Zudem erreichen sie nicht die erwarteten Taktraten, was den IPC-Vorteil zumindest zu einem gewissen Teil wieder zunichte macht.

Ice Lake-U ist hinsichtlich der Leistung aber keine echte Alternative zu den Comet-Lake-Varianten, wie unsere Benchmarks zeigen. Der Core i7-10710U braucht mit seinen sechs Kernen aber auch ausreichend Spielraum im Verbrauch. Gedrosselt, wie er standardmäßig im Prestige 15 arbeitet, kann er seine Leistung nicht vollständig entfalten.

Ein Pluspunkt der Ice-Lake-Prozessoren ist die Integration von Thunderbolt 3 und Wi-Fi 6. Ein schnelles WLAN ohne Zusatzmodul spart Platz und Strom, gleiches gilt für Thunderbolt 3. Derzeit noch kaum eine Rolle spielt die Unterstützung von AVX-512 und DL-Boost durch die Sunny-Cove-Kerne. Ice Lake-SP, also die Servervariante, wird hier wohl am meisten profitieren. Ob dies die Comet-Lake-Prozessoren nun schlechter macht, steht auf einem anderen Blatt. DL-Boost fehlt es noch an Praxisrelevanz und Thunderbolt 3 und Wi-Fi 6 sind auch auf anderen Plattformen schnell.

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In den kommenden Monaten werden zahlreiche Hersteller ihre Notebooks mit weiteren Ice-Lake-Modellen ausstatten – auch wenn die Vorstellung der Prozessoren bereits im Sommer 2019 erfolgt. An dieser Stelle sei auf die Verzögerungen bei vielen Ice-Lake- und Comet-Lake-Modellen hingewiesen, die erst vor wenigen Wochen in den Fokus rückten. Am Markt tauchen inzwischen zumindest mehr und mehr Notebooks mit den neuen Prozessoren auf.

Auch die Comet-Lake-Serie kommt eigentlich gerade erst so richtig in Schwung. Noch in diesem Jahr sollen allerdings schon die ersten Prozessoren auf Basis von Tiger Lake auf den Markt kommen. Sie sind die Nachfolger von Ice Lake – einer Generation, die damit offenbar kaum zur Entfaltung kommen kann. Tiger Lake wird erneut größere Neuerungen bieten können. Dazu gehören die Willow-Cove-Kerne, aber auch die erstmalige Integration der Xe-Grafikarchitektur. Die Fertigung in 10nm++ könnte auch den Takt wieder in Regionen hieven, die derzeit in 10 nm unerreichbar erscheinen.

Was von den mobilen Varianten der Ice-Lake-Prozessoren übrig bleibt, ist ein aus technischer Sicht interessanter Chip, der einen Blick auf das geben kann, was Intel mit Sunny Cove und der Fertigung in 10 nm hätte auf dem Desktop leisten können. Leider müssen wir hier im Konjunktiv sprechen, denn aktuell ist nicht abzusehen, ob und wann wir Ice Lake auch auf dem Desktop sehen werden. Intels Schwierigkeiten in der Fertigung wirken sich auf alle Produktbereiche aus. Während man dies im mobilen Segment noch etwas verstecken kann und am Ende ein gutes Produkt abliefert, sieht dies in den anderen Segmenten leider schon wieder anders aus. Umso spannender wird es zu beobachten sein, wie sich Ice Lake-SP im Serversegment schlägt.

Was ist nun die bessere Wahl?

Wer die Anschaffung eines neuen Notebooks plant, wird sich nun sicher die Frage stellen, ob es ein Modell mit Comet-Lake- oder Ice-Lake-Prozessor sein soll. Teilweise wird diese Frage schon durch den jeweiligen Anwendungsfall für das Notebook beantwortet. Die Comet-Lake-Prozessoren werden meist in den etwas leistungsstärkeren Notebooks verbaut und dort auch mit einer dedizierten Grafikkarte kombiniert. Spieler und Creator sind die Zielgruppe solcher Hardware.

Die Ice-Lake-Prozessoren werden zumeist in kompakten und flachen Notebooks verbaut. Die TDP von bis zu 25 W für Ice Lake-U geben im Grunde schon vor, wie es um die Kühlung eines Notebooks bestellt sein muss. Ice Lake-Y geht bis auf maximal 12 W herunter. Notebooks mit Ice-Lake-Prozessor werden nicht mit einer dedizierten Grafikkarten ausgestattet und müssen sich damit auf die Gen11-Grafikeinheit verlassen – diese bietet allerdings auch ein deutliches Leistungsplus gegenüber der vorherigen Generation.

Doch die Grenzen sind hier nicht ganz so scharf, wie man vermuten könnte. Der Core i7-10710U darf sich zumindest im MSI Prestige 15 auch deutlich mehr als 25 W genehmigen und die Comet-Lake-Y-Modelle sind mit weniger Kernen auf bis zu 9 W reduziert. Comet Lake und Ice Lake beschreiben in ihrer Zusammenarbeit als 10. Core-Generation also ein nicht ganz einfaches Bild. Wir werden noch ein Notebook mit Core i5-10210U bekommen, was uns dann ein Vergleich zwischen den Quad-Core-Prozessoren ermöglicht.

Preise und Verfügbarkeit
Lenovo Yoga C940-14IIL Iron Grey
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Ab 1.899,00 EUR