Intels zügelloser 28-Kerner: Der Xeon W-3175X im Test

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xeon-w-3175xEs wird Zeit für die großen Geschütze, denn heute schauen wir uns den Intel Xeon W-3175X an. Der Prozessor hatte auf der Computex 2018 einen etwas unrühmlichen Start und ist seit Ende des vergangenen Jahres erhältlich. Mit etwas Verspätung wollen wir uns nun das Spitzenmodell von Intel anschauen und dabei auch einen Vergleich zum letzten Test des Core i7-9700K gegen den Core i9-9980XE ziehen.

Beim Xeon W-3175X handelt es sich um einen Workstation-Prozessor mit offenem Multiplikator und 28 Kernen. Er basiert auf den Skylake-SP-Prozessoren mit ebenfalls bis zu 28 Kernen und wird in 14 nm gefertigt. Der Xeon W-3175X sitzt auf dem Sockel LGA3647 und bietet wie alle Skylake-X- und SP-Prozessoren 1 MB an L2-Cache pro Kern. Hinzu kommen insgesamt 38,5 MB an L3-Cache. Der Turbo-Takt soll bei bis zu 4,3 GHz auf einzelnen Kernen liegen.

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Auf der Computex zeigte man ein mit einem Xeon W-3175X bestücktes System mit einem Takt von 5,0 GHz – damals aber mit einer aufwendigen Chiller-Kühlung, die keinesfalls als alltagstauglich bezeichnet werden kann. In unserem Fall haben wir auf eine Kühlung mittels Chiller verzichtet, allerdings ist die verwendete Kühlung auch nicht wirklich sehr viel weniger aufwendig.

Gegenüberstellung der Prozessoren
Modell Intel Core i9-9980XE Intel Xeon W-3175X AMD Ryzen Threadripper 2990WX
Preis 1.980 Euro 4.000 Euro 1.775 Euro
Architektur Skylake Skylake Zen+
Fertigung 14 nm 14 nm 12 nm
Sockel LGA2066 LGA3647 TR4
Kerne / Threads 18 / 36 28 / 56 32 / 64
Basis-Takt 3,0 GHz 3,1 GHz 3,0 GHz
Boost-Takt 4,5 GHz 3,8 GHz 4,2 GHz
L2-Cache 1 MB pro Kern 1 MB pro Kern 512 kB pro Kern
L3-Cache 24,75 MB 38,5 MB 64 MB
PCIe-Lanes 44 48 64
Speicherinterface 4-Kanal 6-Kanal 4-Kanal
TDP 165 W 255 W 250 W

Wir haben die drei Prozessoren von AMD und Intel mit der höchsten Anzahl an Kernen und im Falle von Intel in Abhängigkeit von der Plattform, einmal gegenüber gestellt. Der Core i9-9980XE bietet 18 Kerne und 36 Threads. Die 18 Kerne haben einen Basistakt von 3,0 GHz und kommen vereinzelt per Boost auf bis zu 4,5 GHz. Der Speicher wird über vier Kanäle angebunden und wie unser Test bereits zeigte, kann auch einem Core i9-9980XE per Overclocking noch etwas mehr Leistung entlockt werden. Die Angabe zur Thermal Design Power ist mit 165 W mehr oder weniger Makulatur, denn unter Last genehmigt sich der Prozessor ohne Overclocking bereits 255 W und kommt bei einem Takt von 4,5 GHz auf allen Kernen sogar auf eine Leistungsaufnahme von 431 W. Auch hier ist also eine gute Kühlung bereits eine Standardvoraussetzung.

Der Xeon W-3175X basiert auf der gleichen Architektur, anstatt eines HCC-Dies mit eben 18 Kernen wird allerdings der XCC-Die mit 28 Kernen verwendet. Dies bedingt auch den Wechsel auf einen anderen Sockel. Über den LGA3647 findet auch die Anbindung des Sechskanal-Speicherinterfaces statt. Die 28 Kerne arbeiten mit einem Basistakt von 3,1 GHz und kommen per Boost auf 3,8 GHz. Intel gibt eine TDP von 255 W an – wir werden sehen, unter welchen Bedingungen diese eingehalten wird.

Schlussendlich haben wir auch den Ryzen Threadripper 2990WX von AMD aufgeführt. Wir werden zum aktuellen Zeitpunkt aber keine neuen Benchmarks des Workstation-Prozessors von AMD bieten können und verweisen auf den Test zum Start des Prozessors. Der Ryzen Threadripper 2990WX bietet 32 Kerne und kann damit 64 Threads verarbeiten. Der Basistakt liegt bei 3,0 GHz und per Boost sind bis zu 4,2 GHz möglich. Der L2-Cache ist pro Kerne etwas geringer, dafür ist der L3-Cache sehr großzügig ausgelegt. Wie alle Ryzen-Threadripper-Prozessoren bietet er ein Quad-Channel-Speicherinterface und satte 64 PCI-Express-Lanes.

Preislich ist der Xeon W-3175X mit 4.000 Euro mehr als doppelt so teurer wie der Core i9-9980XE. Der Ryzen Threadripper 2990WX kostet mit 1.775 Euro noch etwas weniger als der Core i9-9980XE, bietet dafür aber auch fast doppelt so viele Kerne.

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Wie immer sind die Turbo-Taktraten aber nicht auf die Verwendung aller Kerne bezogen. Da ein Workstation-Prozessor aber möglichst viele Kerne unter Volllast verwendet, haben wir die Turbo-Taktraten mal etwas genauer aufgeschlüsselt:

Gegenüberstellung der Turbo-Taktraten
  Core i9-9980XE Xeon W-3175X
1 4,5 GHz 4,3 GHz
2 4,5 GHz 4,3 GHz
3 4,2 GHz 4,1 GHz
4 4,2 GHz 4,1 GHz
5 4,1 GHz 4,0 GHz
6 4,1 GHz 4,0 GHz
7 4,1 GHz 4,0 GHz
8 4,1 GHz 4,0 GHz
9 4,1 GHz 4,0 GHz
10 4,1 GHz 4,0 GHz
11 4,1 GHz 4,0 GHz
12 4,1 GHz 4,0 GHz
13 3,9 GHz 4,0 GHz
14 3,9 GHz 4,0 GHz
15 3,9 GHz 4,0 GHz
16 3,9 GHz 4,0 GHz
17 3,8 GHz 4,0 GHz
18 3,8 GHz 4,0 GHz
19 - 4,0 GHz
20 - 4,0 GHz
21 - 4,0 GHz
22 - 4,0 GHz
23 - 4,0 GHz
24 - 4,0 GHz
25 - 3,8 GHz
26 - 3,8 GHz
27 - 3,8 GHz
28 - 3,8 GHz

In dieser Aufstellung zeigt sich recht deutlich, dass der Core i9-9980XE für bis zu 12 Kerne einen Taktvorteil hat. Dann aber übernimmt der Xeon W-3175X die Regie und bietet einen höheren Takt. Ab 19 Kernen ist dann für den Core i9-9980XE ohnehin Schluss und der Xeon W-3175X zieht die 4 GHz für bis zu 24 Kerne durch. Erst dann wird der Takt auf 3,8 GHz für die Nutzung von 25 bis 28 Kernen gesenkt.

Was bedeutet dies nun für die Praxis? Der Test des Core i7-9700K und des Core i9-9980XE zeigt recht deutlich die beiden Extreme, die man bei der Wahl des Prozessors sehen kann. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld darüber klar zu werden, was man mit seinem System machen möchte. Dies gilt umso mehr für den Xeon W-3175X. So manche Anwendung profitiert nicht von mehr, als acht Kernen. Die meisten Spielen laufen problemlos mit sechs schnellen Kernen und sind dann auch schneller als mit einer höheren Anzahl an Kernen, die aber niedriger takten.

Auch im Workstation-Segment sollte man sich darüber bewusst sein, dass mehr Kerne nicht immer sinnvoll sind. Adobe Premiere bzw. der Media Encoder profitiert kaum von mehr als 12 Kernen. Wer also regelmäßig Videos schneidet und eben diese Software verwendet, sollte auf einen Prozessor setzen, der 10 bis 12 Kerne möglichst hoch taktet. Nicht ohne Grund gibt es auch Spezialmodelle bestimmter Prozessoren, die zwar weniger Kerne als das Spitzenmodell haben, dafür über einen deutlich höheren Takt verfügen. Entsprechend dieser Anforderung gibt es schnelle Xeon- (Xeon Scalable der 2. Generation mit Speed Select Technology) und EPYC-Prozessoren (EPYC 7371 mit 16 Kerne bei einem Basis-Takt von 3,1 GHz), die nicht über die maximale Kern-Anzahl der jeweiligen Plattform verfügen, sondern die rund 2/3 der maximal verfügbaren Kerne haben, diese aber besonders hoch takten. Ein gutes Beispiel ist der auch der Core i9-9990XE, der nur über 14 Kerne verfügt, diese aber mit bis zu 5 GHz arbeiten lässt.


Der Aufbau einer Workstation mit einem Intel Xeon W-3175X ist alles andere als trivial. Viel mehr noch als sonst muss auf die Auswahl der richtigen Komponenten geachtet werden. Dabei zeigt sich recht schnell, dass die Mischung aus Workstation-Hardware und Server-Komponenten durchaus einige Herausforderungen zu bieten hat.

Intel hat uns eine Komplett-Workstation zur Verfügung gestellt, die wir hier und da den eigenen Bedürfnissen angepasst haben. Prozessor, Mainboard, Speicher, Netzteil und SSD kamen aber bereits vorinstalliert in einem Gehäuse bei uns an.

Das Mainboard

Beginnen wollen wir aber mit der benötigten Plattform. Da unser Testkandidat auf Skylake-SP basiert, kommt hier der LGA3647 zum Einsatz. Neben dem ASUS ROG Dominus Extreme kann der Prozessor auch auf einem C621 AORUS Extreme von Gigabyte sowie dem SR-3 Dark von EVGA betrieben werden. Wir haben ein recht frühes Modell von Gigabyte verwendet, welches noch auf den Namen A1X-C621 hört.

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Bereits auf den ersten Blick wird auch hier ersichtlich, dass wir uns in einer Art Zwischenraum zwischen Endkunden- und Workstation-Hardware bewegen. Das PCB ist immerhin schon schwarz, Aufbau, Angebot und Positionierung der einzelnen Komponenten ist in dieser Form für Endkunden-Hardware aber nicht zwangsläufig üblich.

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Unter dem großen Kühler verbirgt sich der C621-Chipsatz. Dieser hört auf den Namen Lewisburg und stellt unter anderem die USB-2.0-, USB-3.0- sowie die zahlreichen SATA-Anschlüsse zur Verfügung. Mit dem Prozessor verbunden ist der Chipsatz über vier PCI-Express-Lanes. Der Chipsatz selbst stellt aber auch noch weitere PCI-Express-Lanes zur Verfügung, sodass die Mainboards auch ein entsprechend größeres Angebot an Steckplätzen haben. Der Xeon W-3175X bietet aber nur 48 PCI-Express-Lanes. 20 weitere stellt der Chipsatz zur Verfügung.

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Die Stromversorgung eines solches Systems ist natürlich ebenfalls eine Herausforderung. Insgesamt 32 Phasen kümmern sich um die Versorgung von Prozessor und DIMM-Steckplätzen. Betrieben werden kann das System mit einem Netzteil und einem 24-Pin-ATX-Stecker. Wer übertakten möchte, sollte ein zusätzliches Netzteil verwenden. Entsprechend finden sich auch vier zusätzliche 8-Pin-Stecker auf dem Board, von denen aber nur zwei bestückt werden müssen. Als Sahnehäubchen hat das Board auch noch zwei 4-Pin-Anschlüsse, die ebenfalls bei übertakteten Systemen hilfreich sein sollen. Auf all diese zusätzlichen Anschlüsse haben wir aber zunächst verzichtet.

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32 Spannungsphasen wollen natürlich auch gekühlt werden. Gigabyte verwendet dazu einen großen Aluminiumkühler samt Heatpipe. Auf diesem sitzen vier 40-mm-Lüfter, die ordentlich Radau machen. Sobald die Last am Prozessor ansteigt, werden diese zudem hochgeregelt und werden noch lauter. Zusammen mit der ebenso aufwendigen Wasser- und Gehäusekühlung kann ein solches System zu einer ordentlichen Krawallmaschine werden – wenn man nicht aufpasst.

Zum Anschaffungspreis eines Intel Xeon W-3175X mit knapp 4.000 Euro kommen nun also noch weitere 1.500 Euro für ein solches Mainboard. Das C621 AORUS Extreme ist genau wie das SR-3 Dark von EVGA derzeit noch nicht erhältlich. Bleibt aktuell also nur das ASUS ROG Dominus Extreme, welches für 1.999 Euro zu haben ist.

Der Arbeitsspeicher

Ein Intel Xeon W-3175X verlangt nach ausreichend Arbeitsspeicher an seinem Sechskanal-Speicherinterface. Für 192 GB an DDR4-4.000 CL19 von Corsair werden 3.119,99 Euro aufgerufen. Wir haben sechs Module zu je 8 GB von Samsung verwendet. 

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Wir sind also auf nur 48 GB an Arbeitsspeicher gekommen – eine Kapazität die so mancher schon für sein Gaming-System erreicht. Beim Arbeitsspeicher besteht also viel Flexibilität in der Bestückung im Hinblick auf die Kapazität.

Die Kühlung

Eine Thermal Design Power von 255 W ist eigentlich keine große Besonderheit mehr. Bereits ohne ein Overclocking genehmigt sich ein Xeon W-3175X unter Volllast aber etwa 350 W. Dies stellt für die Kühlung dann schon eine Herausforderung dar.

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Für den Test des Xeon W-3175X haben wir zwei Wasserkühlung ausprobiert. Die erste ist die 690LX-PN 360 mm von Asetek. Dabei handelt es sich um eine Art AiO-Kühlung, die bis zu 500 W abführen kann. Die Kühlung besteht aus einer großen Bodenplatte aus Kupfer. Darüber sitzt der eigentliche Wasserkühler mit einer Gen6-s-Pumpe. Über einen der Schläuche wird das Wasser in den Radiator befördert, über den anderen fließt es zurück Der Radiator hat eine Länge von 360 mm. Drei 120-mm-Lüfter befördern temperaturgesteuert die Frischluft durch den dicken Radiator. Der 690LX-PN 360 mm von Asetek ist derzeit noch nicht erhältlich, wird aber etwa 400 Euro kosten.

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Die zweite Kühlungsoption, die wir ausprobiert haben, ist eine Kombination aus dem EK-MLC Phoenix 360 Radiator Core Module mit einem EK-Annihilator Pro. Das EK-MLC Phoenix 360 Radiator Core Module ist ein 360-mm-Radiator mit angeschlossener Pumpe. Am Ende der beiden Schläuche befindet sich der eigentliche Wasserkühler. Den Wasserkühler gibt es für den Square ILM und den Narrow ILM. Beim Xeon W-3175X handelt es sich um einen Prozessor mit Narrow ILM. Der Wasserkühler deckt also den kompletten Heatspreader der großen LGA3647-Prozessoren ab. Um in einem Server mit nur einer Bauhöhe (1U) eingesetzt zu werden, baut auch dieser Wasserkühler nicht hoch auf und hat zudem seitliche Anschlüsse.

Auf dem Radiator sitzen drei Vardar EVO12ER und sorgen für ausreichend Frischluft. Auch hier können sie temperaturgesteuert geregelt werden. Der Wasserkühler kostet 140 Euro, das EK-MLC Phoenix 360 Radiator Core Module gibt es in der uns vorliegenden Version nicht mehr. Die 240-mm-Variante kostet 160 Euro.

Sockelmontage nicht ganz einfach

Wer nicht gerade zwei linke Hände hat, der wird problemlos einen Prozessor im Sockel montieren können. Während bei Ryzen-Prozessoren die empfindlichen Pins unterhalb des CPU-Packages zu finden sind und etwas Achtsamkeit im Umgang damit eine Grundvoraussetzung ist, befinden sich die empfindlichen Komponenten beim Sockel TR4 sowie den Sockeln für Intel-Prozessoren im Sockel selbst. Man sollte es also tunlichst vermeiden, in den Sockel zu greifen. Entsprechende Schutzkappen sollen dies verhindern.

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Für den LGA3647 gibt es aber noch weitere Punkte, die zu beachten sind. Einen Independent Loading Mechanism (ILM) gibt es hier nicht. Zwar spricht Intel auch von einem ILM für den LGA3647, dieser unterscheidet sich aber von den Mechanismen auf den Endkunden-Boards.

Das Einsetzen des Prozessors ist recht einfach. Pin 1 ist mit einem Dreieck markiert und dieses findet sich auch im Sockel wieder. Zudem sorgen Aussparungen im Package dafür, dass man den Prozessor in der richtigen Ausrichtung in den Sockel setzt. 

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Zwei Pins geben vor, wo sich der Kühler auf dem Prozessor bzw. Heatspreader platziert. Danach werden die vier Schrauben in der beschriebenen Reihenfolge angezogen. Ein T30 ist dazu notwendig und am besten hat man diese Größe auch gleich als Drehmomentschlüssel zur Hand, denn die Schrauben sollen mit genau 1,4 nm angezogen werden. Für die Montage und Demontage sollte die ebenfalls beschriebene Reihenfolge für das Festziehen und Lösen der Schrauben beachtet werden.

Es ist wichtig, dass der Prozessor richtig im Sockel sitzt und auch mit ausreichend Druck in den Sockel gedrückt wird, denn nur dann ist sichergestellt, das alle 3.746 Pins auch Kontakt herstellen. Ist dies nicht der Fall und es hat glücklicherweise nur einen der vielen Masse-Kontakte getroffen, ist dies nicht weiter schlimm. Aber bereits ein anderer Pin, der keinen korrekten Kontakt herstellt, kann dazu führen, dass das System nicht bootet oder einer der Speicherkanäle nicht funktioniert. Diese Probleme treten mit allen größeren LGA-Sockeln auf – auch bei AMD mit dem TR4 bzw. SP3 für die Ryzen-Threadripper- und EPYC-Prozessoren.


Kommen wir nun aber zu den Benchmarks und den weiteren Messungen. Wir haben den Xeon W-3175X in den Standardeinstellungen, aber auch mit einem Overclocking betrieben und getestet. Ab Werk arbeitet der Prozessor mit 3,8 GHz, wenn alle 28 Kerne unter Volllast sind. Dies tut er allerdings nur, wenn die Kühlung auch ausreichend dimensioniert ist. Sowohl mit der 690LX-PN 360 mm von Asetek als auch dem EK-Annihilator Pro sind wir auf ähnliche Ergebnisse gekommen, haben den Dauerbetrieb schlussendlich mit dem Kühler von Asetek durchgeführt.

Die Kühlung ist der wichtigste Faktor bei der enormen Leistungsaufnahme des Xeon W-3175X. Entsprechend haben wir keinen Taktsprung wie beim Core i7-9700K oder Core i9-9980XE erwartet. Immerhin aber konnten wir den All-Core-Turbo von 3,8 auf 4,2 GHz steigern. Dies entspricht einer Taktsteigerung von 10 % und ähnlich gut skalierte diese auch für die Leistung – zumindest wenn auch alle Kerne genutzt werden.

Workstation-Benchmarks

Cinebench R20

Multi-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R20

Single-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Der Cinebench R20 skaliert im Multi-Threaded-Benchmark ganz gut mit der Anzahl der Kerne. Beim Xeon W-3175X zeigt sich dies ganz deutlich, denn im Vergleich zum Core i9-9980XE sind 55 % mehr Kerne vorhanden und die Leistung steigt um etwa 50 %. Die Übertaktung des Xeon W-3175X liefert noch einmal etwa 10 % an Mehrleistung.

Im Single-Threaded-Benchmark hat der Core i7-9700K aufgrund des höheren Single-Core-Taktes noch immer die Nase vorne. Auch der Core i9-9980XE taktet hier höher. Legen wir beim Xeon W-3175X den All-Core-Turbo auf 4,2 GHz fest, ist dieser geringer als ohne Übertaktung und dementsprechend die Leistung ebenfalls niedriger.

Blender Rendering

bmw27

Sekunden
Weniger ist besser

Blender Rendering

classroom

Sekunden
Weniger ist besser

Auch das Rendering in Blender skaliert sehr schön mit der Anzahl der Kerne und hier kann der Xeon W-3175X seine Stärken auch ausspielen. Wir sehen mit Blick auf die anderen beiden Intel-Prozessoren ähnliche Werte im Hinblick auf das Leistungsverhältnis.

Corona Benchmark

Ray-Tracing

Sekunden
Weniger ist besser

V-Ray Benchmark

Rendering

Sekunden
Weniger ist besser

Für die Corona- und V-Ray-Benchmarks wiederholen sich diese Ergebnisse in gewisser Weise. Solche Workloads sind typische Anwendungen für einen Mehrkern-Prozessor, da die Rechenaufgaben sehr gut auf viele Kerne bzw. Threads verteilt werden können. Die Skalierung stimmt und so wird auch nahezu perfekt von der Mehrzahl an Kernen profitiert.

Adobe Premiere

8K Video auf H.265-Export

Sekunden
Weniger ist besser

Die vorherrschende Meinung "mehr Kerne helfen beim Video-Rendering" ist hier einmal mehr wiederlegt. Es zeigt sich deutlich, dass wenige schnelle Kerne auch mehr leisten können – zumindest in Adobe Premiere. Der Core i7-9700K kann nicht mit dem Core i9-9980XE mithalten, der Abstand ist aber deutlich geringer, als bei den bisherigen Benchmarks. Der Sweet-Spot für Adobe Premiere liegt bei 10 bis 12 Kernen, die möglichst schnell sein sollten. Dies bedeutet, dass der Xeon W-3175X mit seinen 4,0 GHz bei 12 aktiven Kernen auch etwas langsamer als der Core i9-9980XE ist, der hier mit 4,1 GHz arbeitet. Mit 4,2 GHz kann der Xeon W-3175X dann wieder aufschließen, wird vom ebenfalls übertakteten Core i9-9980XE dann aber wieder überholt.

DigiCortex

Synapsensimulation

Echtzeitfaktor
Mehr ist besser

Y-Cruncher

Pi auf 500 Millionen Stellen

Sekunden
Weniger ist besser

Die beiden nächsten Benchmarks DigiCortex und Y-Cruncher zeigen ebenfalls keine perfekte Skalierung mit der Anzahl der Kerne. Von acht auf 18 Kerne war noch ein deutlicher Leistungssprung zu spüren. Dieser verpufft für den Xeon W-3175X allerdings – trotz einem Plus von zehn Kernen.

GNU Compiler Collection

Compiler

Sekunden
Weniger ist besser

In einem letzten Benchmark haben wir uns noch die Leistung für das Compiling der GNU Compiler Collection in der Version 8.2.0 angeschaut. Dazu haben wir das aktuelle Cygwin für Windows verwendet. Der Compiler ist so konfiguriert, dass er sich so viele Threads wie möglich greift und damit rechnet. Einige Compile-Vorgänge laufen aber nicht auf mehreren Threads, so dass sich eine gute Mischung ergibt. Dennoch ist der Xeon W-3175X hier klar der schnellste Prozessor, da die Compile-Vorgänger dennoch sehr gut mit vielen Threads skalieren.

Gaming-Benchmarks

Auch wenn dies vermutlich eher selten vorkommen wird, haben wir den Xeon W-3175X mit einigen Spielen getestet. Bei den Spiele-Benchmarks haben wir uns für Auflösungen von 1.920 x 1.080 und 2.560 x 1.440 Pixel entschieden. Damit soll zum Einen der Einfluss der Grafikkarte minimiert werden, zum Anderen wollen wir aber auch eine gewisse Praxisrelevanz nicht außer Acht lassen.

Battlefield V

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Battlefield V

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

The Division 2

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

The Division 2

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Metro: Exodus

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

115.9 XX


60.7 XX
104.5 XX


56.1 XX
103.2 XX


55.6 XX
Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Metro: Exodus

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Shadow of the Tomb Raider

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Shadow of the Tomb Raider

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Kurz zusammenfasst: Spiele sind nicht die Domäne Xeon W-3175X. Dies wussten wir aber auch schon, bevor wir die Benchmarks angefertigt haben, denn bereits der Core i9-9980XE konnte nicht mit dem Core i7-9700K mithalten. Üblicherweise nutzen Spiele vier bis acht Kerne, wenn mehr als 12 Threads auch nur annähernd genutzt (wir sprechen nicht von belastet) werden, haben die Programmierer bereits auf eine gute Multi-Threaded-Verteilung geachtet und verschiedene Rechenaufgaben einer Engine auf möglichst viele Threads verteilt. Leider ist dies aber noch immer ein seltener Anblick. Es ist aber auch nicht zu erwarten, dass Spiele durch die 18 oder gar 28 Kerne eines Core i9-9980XE oder Xeon W-3175X profitieren, dafür sind die Anforderungen dann doch zu gering und die Grafikkarte spielt die wesentlich wichtigere Rolle.

Leistungsaufnahme und Temperaturen

Die Leistungsaufnahme haben wir mittels Stromzange an der zusätzlichen Spannungsversorgung für den Prozessor gemessen. Wir messen also die reine Leistungsaufnahme des Prozessor vor den Verlusten durch die VRMs. Als Last verwendeten wir einen Rendering-Job in Blender.

Leistungsaufnahme

nur CPU

Watt
Weniger ist besser

Der Xeon W-3175X verbraucht ohne jegliches Overclocking bereits etwa 350 W. Bringen wir alle Kerne auf 4,2 GHz und erhöhen die Spannung von 1,05 auf 1,125 V messen wir einen Verbrauch für den Prozessor von 561,8 W. Damit ist auch unsere 690LX-PN 360 mm von Asetek am Limit. 80 bis 90 °C erreichen die einzelnen Kerne. Viel mehr wollen wir der Kühlung aber nicht mehr zumuten, denn alle Lüfter drehten dabei auf Volllast und die Gewerbeaufsicht hätte sicherlich einen Gehörschutz verordnen müssen.

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Mit den Standardeinstellungen sind die Temperaturen jedoch weitaus geringer. Zwischen 50 und 64 °C erreichen die einzelnen Kerne und bewegen sich damit weit entfernt von einer Drosselung durch zu hohe Temperaturen.


In vielen Belangen können wir das wiederholen, was wir bereits beim Vergleich des Core i7-9700K gegen den Core i9-9980XE gesagt bzw. niedergeschrieben haben. Es gilt sich sehr genau anzuschauen, für welchen Verwendungszweck eine bestimmte Hardware-Komponente vorgesehen ist. Während bei den Grafikkarten eigentlich grundsätzlich gilt "viel hilft auch viel", ist dies bei den Prozessoren nicht ganz so einfach.

Die Rendering-Benchmarks (egal ob Ray Tracing, 3D-Rendering oder die parallelisierte Berechnung großer Rechenaufgaben, ob mit oder ohne AVX) erledigt der Xeon W-3175X noch einmal deutlich schneller als der Core i9-9980XE. Etwas differenzieren muss man aber, für bestimmte Anwendungen, die nicht über mehr als ein Dutzend Kerne skalieren. Adobe Premiere ist ein gutes Beispiel, bei dem ein schneller Achtkerner schon fast so schnell ist, wie ein nicht ganz so schneller 18-Kerner. Irgendwo bei 10 bis 12 Kernen liegt hier der Sweet Spot. Für Anwendungen wie DigiCortex, die Synapsen und Gehirnströme simulieren, müssen Einschränkungen gemacht werden. Ist der Sprung von acht auf 18 Kerne gigantisch, scheint die Software mit den 28 Kernen nicht ideal umgehen zu können. Ähnliches gilt für den Y-Cruncher-Benchmark.

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Für Spiele ist der Xeon W-3175X gänzlich der falsche Kandidat. Wäre ein Core i9-9980XE hier noch mit Einschränkungen zu empfehlen, merkt man dem Xeon W-3175X seine Server-Gene an. Er bietet viele Kerne, aber einen zu geringen Takt für Spiele, die nur sechs oder acht Kerne auslasten können.

Die Alternative für den ist Xeon W-3175X aber weniger ein Core i9-9980XE, als vielmehr die Konkurrenz aus dem Hause AMD. Diese konnten wir noch nicht in den Vergleich mit aufnehmen, wir arbeiten aber aktuell daran, unsere CPU-Benchmarks auf Vordermann zu bringen.

Für gewöhnlich lassen sich 3D-Renderings extrem gut parallel ausführen. Hier bietet AMD mit dem Ryzen Threadripper 2990WX und Ryzen Threadripper 2970WX aber deutlich mehr Kerne – 24 und 32 und diesen beiden hängen den Core i9-9980XE dann auch ab. Schaut man sich aber wieder einige bestimmte Anwendungen an, sind 18 schnelle Kerne dennoch hin und wieder schneller als 24 oder gar 32 langsamere. In diesem Bereich sollte man also ganz genau abwägen, welche Anwendungen genau zum Einsatz kommen. Je nach Anwendung kann ein Xeon W-3175X auch einen Ryzen Threadripper 2990WX abhängen.

Nun sind die Ryzen-Threadripper-Prozessoren auch hinsichtlich des Anschaffungspreises von AMD sehr gut platziert. Der Preis der Plattform spielt eine weitere wichtige Rolle. Sowohl beim Mainboard, als auch beim Arbeitsspeicher macht dies mehrere hundert Euro aus. Auf die Spitze getrieben hat Intel dies nun mit dem Xeon W-3175X, der über 28 Kerne verfügt, hierzulande aber auch 3.999 Euro kostet. Ein dazu passendes Mainboard schlägt mit mindestens 1.500 Euro zu Buche und je nach Ausstattung an Arbeitsspeicher werden hier noch einmal etwa 3.000 Euro fällig.

Für die meisten Interessanten gibt der Geldbeutel die grobe Richtung vor. Doch auch eine extrem teure Workstation-Plattform mit einem Intel Xeon W-3175X hat ihre Daseinsberechtigung. Wird ein Renderjob schneller erledigt, kann dies für ein Unternehmen eine echte Kosteneinsparung bedeuten. Je nach Aufgabengebiet können hier schnell Minuten oder gar Stunden pro Tag eingespart werden und dies kann die Anschaffungskosten für ein solches System durchaus rechtfertigen. Sicherlich ist diese Hürde bei einem Xeon W-3175X deutlich höher als bei anderen Prozessoren, doch es gibt auch für solche Hardware einen Zielmarkt.