AMD Ryzen Threadripper 2990WX und 2950X im Test: Mit Vollgas an Intel vorbei

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amd threadripper 2950x

Pünktlich zum ersten Geburtstag startet AMD den Ryzen-Threadripper-Generationswechsel. Und wie schon im Frühjahr beim Sprung von Ryzen 1 zu Ryzen 2 vertraut man auf zwei Dinge: mehr Kerne und einen geringeren Preis. Beide sollen dabei helfen, dem Dauerrivalen Intel im prestigeträchtigen HEDT-Segment weitere Marktanteile abzuknöpfen. Wie schwer oder leicht das wird, zeigt der Test des neuen Flaggschiffs Ryzen Threadripper 2990WX mit seinen 32 Kernen sowie des Ryzen Threadripper 2950X. Dabei geht es aber nicht nur um Leistung und Effizienz, sondern auch die Frage, wo sich die neuen Prozessoren positionieren lassen.

Glaubt man AMD, war die erste Generation der Ryzen-Threadripper-Prozessoren gar nicht geplant. Nebenbei sollen einige Mitarbeiter ausgelotet haben, was auf Basis der Zen-Architektur maximal möglich wäre. Das Ergebnis sei am Ende so überzeugend gewesen, dass die Führungsetage grünes Licht gegeben habe. Wie viel Wahrheit in der Geschichte steckt, lässt sich nur schwer überprüfen. Unstrittig ist jedoch, dass das Unternehmen mit den drei HEDT-Chips der ersten Generation Druck auf Intel ausgeübt und Sympathien gewonnen hat. Für die zweite Generation wird es dadurch nicht leichter. Zwar wirkt Intel noch immer wie gelähmt und kann in Bezug auf Preis und Leistung nach wie vor nicht mit den Ryzen-Threadripper-Prozessoren mithalten, doch einfach nur mehr Performance durch mehr Kerne reicht für zweite Generation nicht aus - Stichwort Single-Thread-Leistung.

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Doch zunächst lohnt der Blick auf die vier neuen Modelle sowie die drei Prozessoren der ersten Generation. Denn schon dadurch werden wichtige Unterschiede erkennbar. Denn vergleicht man den Ryzen Threadripper 2950X mit seinem Vorgänger Ryzen Threadripper 1950X, fällt der höhere Single-Core-Turbotakt auf. Gleiches gilt für den später erscheinenden Ryzen Threadripper 2920X, der in diesem Punkt ebenfalls besser als der Ryzen Threadripper 1920X dasteht.

Technische Daten AMD Ryzen Threadripper Gen1 und Gen2
ModellKerne/
Threads
Basis-/
Turbotakt
L3-CacheRAM-TaktTDP
Ryzen Threadripper
2990WX
32/643,0/4,2 GHz64 MBDDR4-2933250 W
Ryzen Threadripper
2970WX
24/483,0/4,2 GHz64 MBDDR4-2933250 W
Ryzen Threadripper
2950X
16/323,5/4,4 GHz32 MBDDR4-2933180 W
Ryzen Threadripper
1950X
16/323,5/4,2 GHz32 MBDDR4-2666180 W
Ryzen Threadripper
2920X
12/243,5/4,3 GHz32 MBDDR4-2933180 W
Ryzen Threadripper
1920X
12/243,5/4,2 GHz32 MBDDR4-2666180 W
Ryzen Threadripper
1900X
8/163,8/4,2 GHz16 MBDDR4-2666180 W

Den beiden WX-Modellen bleibt ein solcher Vergleich erspart, gibt es doch innerhalb der ersten Ryzen-Threadripper-Generation keinen entsprechenden Vertreter. Zudem kann das ehemalige Einstiegsmodell Ryzen Threaripper 1900X ignoriert werden. Denn dem spendiert AMD keinen Nachfolger, was in erster Linie an der Nähe zum Ryzen 7 2700X (Test) liegen dürfte.

Zu Beginn gehen mit dem Ryzen Threadripper 2990WX und 2950X zwei neue Modelle ins Rennen. Das Topmodell konkurriert laut AMD mit Intels Core i9-7980XE, der für „Gamer & Enthusiasts" gedachte Ryzen Threadripper 2950X hingegen mit dem Core i9-7900X. Aufgrund der unterschiedlichen Anzahl an CPU-Kernen mag diese Wahl willkürlich wirken. AMD hat sich aber an den unverbindlichen Preisempfehlungen orientiert, die nicht zu weit auseinander liegen. Eine deutsche UVP gibt es bislang lediglich für das Topmodell, von der bislang auch kein Händler abweicht. Entsprechend müssen Käufer der ersten Stunde 1.829 Euro zahlen. Für den Ryzen Threadripper 2950X ruft AMD 899 US-Dollar auf, in Deutschland dürften daraus vermutlich 899 Euro werden. Alle Preise beziehen sich auf die jeweilige Tray-Version.


Wie eng AMDs Desktop-Baureihen miteinander verwandt sind, zeigt schon die Namensgebung: Ryzen für Standardnutzer, bzw. das Desktop-Segment, Ryzen Threadripper für HEDT-System (High-End Desktop). In diesem Punkt unterscheidet sich die zweite Generation nicht von der ersten. Wobei die Nähe vor einem Jahr noch leichter zu erkennen war, wie der Ryzen Threadripper 1900X zeigt, der nun nicht grundlos keinen Nachfolger erhält.

Für die zweite Generation der Ryzen-Threadripper-Prozessoren, deren Heatspreder wieder verlötet ist, nutzt AMD erneut die Architektur der Ryzen-Modelle. Damit basieren die vier neuen Chips auf der Zen+-Basis, die im 12-nm-LP-Prozess von Globalfoundries gefertigt wird. Auf die Details sind wir bereits im Test der zweiten-Ryzen-Generation eingegangen, weshalb es an dieser Stelle nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Änderungen gibt.

Änderungen am Cache und RAM

An erster Stelle steht - im Vergleich zur ersten Ryzen-Threadripper-Generation - neben der Verkleinerung der Fertigungsstruktur von 14 auf 12 nm die Senkung der Speicherlatenzen. Für den L1-, L2- und L3-Cache nennt AMD Verbesserungen im Bereich von etwa 8, 9 und 15 %, beim RAM immerhin noch 2 %. Vor allem beim Cache hatte AMD gegenüber Intel das Nachsehen, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Leistung in Cache- und Speicher-intensiven Anwendungen.

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Hinzu kommt die Anhebung des unterstützten Speichertaktes von DDR4-2666 auf DDR4-2933. Allerdings gilt dabei für die zweite Ryzen-Threadripper-Generation das gleiche wie für Ryzen 2: Es kommt auf den Einzelfall an. Denn den maximalen Takt unterstützen die Prozessoren nur, wenn das Mainboard lediglich vier Speicherbänke bietet und diese auch komplett bestückt werden. Stehen hingegen acht Bänke zur Verfügung, von denen vier belegt sind, verspricht AMD nur noch DDR4-2666. Bei voller Bestückung (acht Riegel) werden nur noch DDR4-2133 (Single Rank) und DDR4-1866 (Dual-Rank) genannt.

Unterstützung von DDR4 durch die Ryzen-Threadripper-Prozessoren der 2. Generation
SpeicherkonfigurationSingle-/Dual-RankSpeichertakt
4 von 4SingleDDR4-2933
4 von 4DualDDR4-2933
4 von 8SingleDDR4-2666
4 von 8DualDDR4-2666
8 von 8SingleDDR4-2133
8 von 8DualDDR4-1866

Die Größe des L2- und L3-Caches lässt AMD hingegen unangetastet. Hier bleibt es aufgrund der Nutzung der Zen+-Architektur bei 512 KB pro Kern (L2) sowie 16 MB pro genutztem Die (L3). In Bezug auf den L3-Cache stellt der Ryzen Threadripper 2970WX eine Ausnahme dar, auf die in dessen Test, bzw. später eingegangen wird.

Im Vergleich zur ersten Generation bleibt es - wie erwähnt - bei vier Speicherkanälen, der Unterstützung von ECC-RAM (Nicht REG-ECC!) sowie insgesamt 64 PCIe-3.0-Lanes, von denen allerdings vier für die Kommunikation mit dem Chipsatz reserviert sind.

CCX und Infinity Fabric

Die im Zusammenhang mit der Zen-, bzw. Zen+-Architektur beiden wichtigsten Begriffe sind CCX und Infinity Fabric. Denn beide ermöglichen letztlich die gute Skalierbarkeit und somit die Multi-Thread-Leistung, die AMD als wichtig einstuft.

Als CCX (Compute Complex) bezeichnet das Unternehmen eine Einheit bestehend aus vier CPU-Kernen mitsamt dem jeweils eigenen L2-Cache sowie dem darauf folgenden L3-Cache. Die Kommunikation zwischen den auf einem Chip genutzten Dies erfolgt mit dem Infinity Fabric getauften Interconnect, der im Wesentlichen aus dem Control Fabric für die Steuerung der Engine Hubs (u.a. Power Management, Security, Reset & Initialization) sowie dem Data Fabric für den internen Datenaustausch besteht.

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Im Falle der ersten Ryzen-Threadripper-Generation ist der Aufbau entsprechend vergleichsweise simpel. Hier sind immer zwei Dies (Die 0 und 1) aktiv, wenn auch nicht immer im vollen Umfang. Jedes Die hat direkten Zugriff auf zwei Speicherkanäle sowie 32 PCIe-3.0-Lanes. Der Infinity Fabric erlaubt das Weiterleiten von Daten an das jeweils andere Die sowie den Austausch zwischen den Dies. Für die zweite Ryzen-Threadripper-Generation gilt dieser Aufbau nur für die beiden X-Modelle 2920X und 2950X, da hier nur zwei Dies benötigt werden.

Die beiden WX-Chips 2970WX und 2990WX weichen von diesem Schema ab, zumindest in Hinblick auf die interne Kommunikation. Da letzterer Prozessor für seine 32 Kerne alle vier Dies nutzen muss, nach wie vor aber nur zwei direkt mit dem RAM sowie den PCIe-3.0-Lanes kommunizieren können, ist ein weitaus dichterer Interconnect nötig. Insgesamt gibt es sechs „Verbindungen" die es jedem Die ermöglichen, mit jedem anderen Die direkt zu kommunizieren. In diesem Zusammenhang spricht AMD von IO Dies (Die 0 und 2), die direkten Zugriff auf RAM und PCIe-3.0-Lanes haben, sowie von Compute Dies (Die 1 und 3), die ihre Daten nur über den Infinity Fabric weiterreichen können.

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Die Infinity-Fabric-Bandbreite beziffert AMD auf 102,4 GB/s pro Link (bidirektional) im Falle eines Zwei-Die-Designs wie beim Ryzen Threadripper 2950X. Bei vier aktiven Dies wie beim Ryzen Threadripper 2990WX sollen es 51,2 GB/s (ebenfalls ) pro Link sein. Ausgegangen wird dabei von einem Speichertakt von 1.600 MHz, bzw. DDR4-3200. Als technisch nötig gelten etwa 22 GB/s pro Link.

NUMA und UMA, Game Mode und Creator Mode

Wer einen üblichen Desktop-Prozessor nutzt, muss nicht mit den beiden Begriffen UMA und NUMA hantieren. Der wesentliche Unterschiede betrifft die Art und Weise, wie und auf welchen Speicher ein Prozessor zugreifen kann. Im Desktop-Bereich bestehen Prozessoren in der Regel aus einem Die, das direkt an alle Speicherkanäle angebunden ist. In einem solchen Fall wird die Uniform-Memory-Access-Architektur (UMA) genutzt: Der gesamte Prozessor kann auf den gesamten Speicher zugreifen.

Besteht ein Prozessor nun aus mehreren Dies, die nicht alle direkt mit allen Speicherkanälen verbunden sind, hat UMA einen unter Umständen spürbaren Nachteil. Denn während die Speicherbandbreite aufgrund der identisch bleibenden Anzahl an Kanälen etc. die gleiche bleibt, steigt die Latenz. Schließlich werden die Wege durch den zwangsläufigen Einsatz eines Interconnects länger. Ist eine Anwendung latenzabhängig, sinkt entsprechend die Performance.

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In einem solchen Fall kann NUMA (Non-Uniform Memory Access) einen Ausweg darstellen. Hier ist jedem Die ein fester Speicherbereich zugewiesen. Es sinken die durchschnittlichen Latenzen - allerdings auf Kosten der Speicherbandbreite.

Ryzen Threadripper 2950X: Vergleich zwischen UMA und NUMA
ModusLesenSchreibenKopierenLatenz
UMA86.920 MB/s87.538 MB/s80.269 MB/s95,6 ns
NUMA69.446 MB/s
86.066 MB/s
77.075 MB/s
69,8 ns

Problematisch daran ist, dass der Wechsel zwischen UMA und NUMA - AMD spricht vom Distributed Mode und Local Mode - nicht flexibel möglich ist. Stattdessen muss das Umschalten im BIOS via Ryzen Master erfolgen, sodass ein Neustart zwingend erforderlich ist. Zudem kann keine pauschale Aussage getroffen werden, welche Anwendung von welcher Architektur profitiert. Nutzern hilft nur Ausprobieren. AMD selbst sieht für den Ryzen Threadripper 2950X den Distributed Mode (UMA) als den besseren an und aktiviert diesen entsprechend als Standard ab Werk. Der Ryzen Threadripper 2990WX kann hingegen aufgrund seiner 4-Die-Aufbaus nur im NUMA-Modus betrieben werden.

UMA vs NUMA Cinebench 15 Multi-Thread

AMD Threadripper 2950X

UMA
3216 XX


3110 XX


Punkte
Mehr ist besser

UMA vs NUMA POV-ray Multi-Thread

AMD Threadripper 2950X

UMA
6444 XX


6247 XX


Punkte
Mehr ist besser

Über den Ryzen Master lassen sich aber auch weitere Einstellungen vornehmen, die aufgrund der Ryzen-Threadripper-Architektur Vorteile bringen können oder gar notwendig sind, um einen fehlerfreien Betrieb bestimmter Anwendungen überhaupt erst möglich zu machen. Den Anfang macht dabei der Legacy Compatibility Mode. Der erlaubt das Abschalten von Dies, um Probleme mit Anwendungen, die mit mehr als acht CPU-Kernen nicht umgehen können, zu beseitigen. Die Probleme können von unerwartet geringer Leistung, bis hin zu Abstürzen reichen. Laut AMD gilt das selbst für einige aktuelle Titel wie „Far Cry 5" oder „Total War: Warhammer II". Erstgenannter Action-Titel von Ubisoft verweigert auf dem Ryzen Threadripper 2990WX bei deaktiviertem Legacy Compatibility Mode, also im Betrieb mit 32 Kernen, beispielsweise den Start.

Für den Ryzen Threadripper 2950X stehen lediglich der Standardmodus sowie der Legacy Compatibility Mode zur Verfügung. In ersterem werden beide Dies sowie alle Kerne und Speicherkanäle genutzt, im anderen lediglich noch ein Die mit acht Kernen sowie zwei Speicherkanäle. Beim Ryzen Threadripper 2990WX ist eine weitere Abstufung möglich. Im ersten Schritt stehen noch zwei Dies, 16 Kerne und vier Kanäle zur Verfügung, im zweiten nur noch ein Die, acht Kerne und zwei Kanäle. Wird der Legacy Compatibility Mode aktiviert, kommt grundsätzlich die NUMA-Architektur zum Einsatz.

Legacy Compatibility Mode AMD Ryzen Threadripper
ModellStandardmodus½-Modus¼-Modus
Ryzen Threadripper 2950X2 Dies, 16 Kerne, 4 Kanäle1 Die, 8 Kerne, 2 Kanälenicht verfügbar
Ryzen Threadripper 2990WX4 Dies, 32 Kerne, 4 Kanäle2 Dies, 16 Kerne, 4 Kanäle1 Die, 8 Kerne, 2 Kanäle

Für den schnellen Wechsel bietet das Ryzen-Master-Tool mit dem Game Mode und Creator Mode zwei vorgefertigte Profile an. Im Creator Mode werden alle Dies und Kerne genutzt, zudem arbeitet das System dann im Distributed Mode (UMA). Im Game Mode werden hingegen mit einem Klick der Legacy Compatibility Mode sowie der Local Mode (NUMA) aktiviert.

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Welche Auswirkungen beide Profile haben können, zeigen die Spielebenchmarks. So steigen die FPS in „Far Cry 5" um bis zu fast 25 %, in „Rise of the Tomb Raider" immerhin noch um 16 %. In anderen Fällen wie „F1 2017" hat ein Wechsel in den Game Mode nur in Hinblick auf die durchschnittlichen FPS einen positiven Effekt, andere Spiele zeigen sich - abgesehen von Messtoleranzen - unbeeindruckt.

Precision Boost 2 und XFR 2

Schon die erste Ryzen-Threadripper-Generation machte sich Sensor- und Analysepaket SenseMI zunutze, das fest mit der Zen-Architektur verbunden ist. Bedingt durch den Wechsel zu Zen+ bedeutet das für die zweite Generation vor allem an zwei Stellen Änderungen - wie schon beim Sprung von Ryzen zu Ryzen 2.

Die erste Änderung gibt es bei Precision Boost, an dessen genereller Funktionsweise sich nichts geändert hat. In Abhängigkeit von abgerufener Leistung sowie verfügbarem thermischen und elektrischen Budget kann der Takt einzelner Kerne in 25-MHz-Schritten reguliert werden. Eine feste Vorgabe, wie hoch der Takt bei einer bestimmten Anzahl an Kernen noch sein darf, gibt es somit nicht. Das macht das Taktverhalten flexibler, sorgt aber für eine gewisse „fehlende Präzision", wenn es um die Nennung von unterschiedlichen Geschwindigkeiten geht. Denn während Intel beispielsweise mehr oder minder offen verrät, welcher Turbotakt auf ein, zwei, vier oder sechs Kernen gefahren werden kann, verweist AMD lediglich auf einen Basis- sowie einen maximalen Takt; letzterer darf als Maximum für einen Kern betrachtet werden.

Während die kleinen 25-MHz-Schritte bei Precision Boost 1 aber nur dann möglich sind, wenn maximal zwei Kerne/vier Threads pro Die Last erzeugen und die Taktkurve dann bis zum Basistakt vergleichsweise steil nach unten geht, sinkt das Tempo bei Precision Boost 2 weitaus langsamer. Denn es spielt nun keine Rolle mehr, auf wie vielen Kernen Last anliegt. Dafür werden die entsprechenden Sensoren 1.000 Mal pro Sekunde aktiv und leiten ihre Informationen über den Infinity Fabric weiter. Über verschiedene Algorithmen wird dann der jeweils maximale Takt festgelegt. Das führt zwar zu vergleichsweise vielen Änderungen der Taktrate, über einen bestimmten Zeitraum betrachtet führt es aber zu einer durchschnittlich höheren Leistung. Für den Ryzen Threadripper 2950X nennt AMD beispielsweise einen Turbotakt von rund 3,9 GHz auf vier Kernen, etwa 3,7 GHz auf acht Kernen sowie knapp 3,6 GHz auf zwölf Kernen. Beim Ryzen Threadripper 2990WX sollen es etwa 3,8 GHz (acht Kerne), 3,6 GHz (16 Kerne) und knapp 3,5 GHz (24 Kerne) sein.

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Als eine Art Zugabe darf Extended Frequency Range (XFR) verstanden werden. Mit XFR will AMD den Einsatz stärkerer Kühllösungen und das damit größere thermische Budget honorieren. So soll beispielsweise der Wechsel vom Wraith Ripper zu einer AiO-Wasserkühlung mit 360-mm-Radiator bei gleicher Umgebungstemperatur eine zusätzliche Leistung von etwa 2 % bringen. Denn dank des größeren thermischen Budgets kann die Taktrate über das von AMD genannte Limit angehoben werden. Zwar spricht das Unternehmen von einem Leistungsplus im Bereich von bis zu 16 %, geht dabei aber unter anderem von unterschiedlichen Umgebungstemperaturen aus.

Während XFR 1 bei der ersten Ryzen-Threadripper-Generation - ähnlich wie Precision Boost 1 - nur auf maximal zwei Kernen pro Die den Takt anheben kann, gibt es ein solches Limit bei XFR 2 nicht. Wie schon im Test der zweiten Ryzen-Generation zeigt sich aber, dass das Plus zu vernachlässigen ist, mehr als 50 zusätzliche MHz konnten in der Spitze nicht durch eine leistungsfähigere Kühlung erreicht werden.


Für den Test des AMD Ryzen Threadripper 2950X und Ryzen Threadripper 2990WX wurde das neue MSI MEG Creation X399 als Basis verwendet. Damit weicht die Plattform zwar von dem ab, was für die Tests der ersten Generation verwendet wurde (ASUS Zenith Extreme), aufgrund der besseren Spannungsversorgung des MSI-Mainboards ist das Übertaktungspotential aber besser nutzbar. Wie schon im Test des Intel Core i7-8086K gilt, dass in den Diagrammen mit einem „*" gekennzeichnete Prozessoren den neuen Benchmarkparcours nicht oder nicht vollständig durchlaufen haben. Eine Vergleichbarkeit ist somit nicht zu 100 % gegeben, als Anhaltspunkt können die Werte aber dennoch genutzt werden.

Die TR4-Testplattform im Überblick:

Die AM4-Testplattform im Überblick:

Die 1151-Testplattform im Überblick:

Alle Benchmarks wurden mit dem jeweils von AMD und Intel für den Prozessor genannten Speichertakt durchgeführt.

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Energiebedarf

Die unten genannten Werte für den Energiebedarf beziehen sich auf das jeweils gesamte System. Für den Leerlauf wurde der Bedarf über einen Zeitraum von 5 Minuten gemittelt, für den Bedarf unter Last wurden der mittlere Spitzenwert mehrere Durchgänge herangezogen. Für den Overclocking-Test des Ryzen Threadripper 2990WX wurde aufgrund der zu geringen Maximalleistung anstelle des Standardnetzteils ein Kolink Continuum 1.500 W genutzt.

Stromverbrauch Idle

5 Min. gemittelt

Watt
Weniger ist besser

Stromverbrauch Last

Cinebench 15 Multi-Thread

Watt
Weniger ist besser

Stromverbrauch Last

Powermax AVX

Watt
Weniger ist besser

Die hohen Werte in den drei Szenarien täuschen ein wenig über die Effizienz hinweg. Zwar sind etwa 69 und 77 W im Leerlauf für den Ryzen Threadripper 2950X und Ryzen Threadripper 2990WX weitaus mehr, als aktuelle Desktop-Prozessoren benötigen. Aber 16, bzw. 32 Kerne wollen auch bei fehlender Last versorgt werden. Dass die Effizienz im Vergleich zur ersten Generation gesteigert werden konnte, zeigt vor allem der Vergleich mit dem Ryzen Threadripper 1920X.

Unter Last (Cinebench 15) rückt das Feld dann dichter zusammen. Mit 252 W genehmigt sich der Ryzen Threadripper 2950X trotz höherer TDP etwas weniger als Intels Core i9-7980XE, der allerdings über zwei Kerne mehr verfügt. Die 353 W des Ryzen Threadripper 2990WX zeigen hingegen auch hier, wie vergleichsweise sparsam ein einzelner Kern ist. Gleiches gilt für die Lastmessung mit Powermax im AVX-Test.

Insgesamt gilt für die zweite Ryzen-Threadripper-Generation aufgrund der identischen Ausgangsarchitektur aber das gleiche wie für die zweiten Ryzen-Generation. Im Leerlauf hat Intel in Bezug auf die Effizienz die Nase weiterhin vorne, mit steigender Last schmilzt dieser Vorsprung aber dahin. Nutzt man für den Vergleich AMDs Pärchenbildung, genehmigt sich der Ryzen Threadripper 2950X im Leerlauf etwa 80 % oder 31 W mehr als der direkte Konkurrent Core i9-7900X. Unter Last mit Cinebench 15 braucht AMDs Prozessor immer noch 18 % oder 40 W mehr. Das Duell Ryzen Threadripper 2990WX gegen Core i9-7980XE geht ebenfalls eindeutig aus. Im Leerlauf benötigt AMD gut 100 % oder fast 39 W mehr, unter Last in Cinebench 15 sind es 26 % oder gut 73 W mehr.


Auch bei der zweiten Ryzen-Threadripper-Generation ist das Thema Overclocking kein ganz unwichtiges - aus mehreren Gründen. Denn nicht nur, dass AMD mit XFR 2 im Prinzip eine - wenn auch in sehr geringem Umfang - Art OC-Modus ab Werk mitliefert, mit dem Tool Ryzen Master steht erneut eine leicht zu bedienende Lösung bereit, um schnell und einfach an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen. Hinzu kommt, dass AMD nach eigenen Angaben erneut die besten 5% der Ryzen-2-Dies nutzt. Das verspricht ein höheres OC-Potential als noch bei der zweiten Ryzen-Generation, wo kaum mehr als 200 MHz zusätzlich möglich waren. Hinzu kommt die Möglichkeit, über einen höheren RAM-Takt das ein oder andere Prozent aus dem Prozessor herauszukitzeln.

Laut AMD hängt das OC-Potential aber nicht nur von der Qualität der Dies an, bei der es immer leichte Schwankungen gibt, sondern auch vom verwendeten Mainboard. Zwar sind die X399-Platinen, die zusammen mit der ersten Ryzen-Threadripper-Generation an den Start gingen, nach einem BIOS-Update kompatibel zu den neuen Prozessoren. Doch die Spannungsversorgung, bzw. die Kühlung der entsprechenden Komponenten ist in vielen Fällen nicht entsprechend dimensioniert.

Overclocking beim Ryzen Threadripper 2950X

Von den beiden ersten Prozessoren der zweiten Ryzen-Threadripper-Generation ist vor allem der Ryzen Threadripper 2950X interessant, wenn es um das Übertakten geht. Mit 180 W ist dessen TDP geringer als beim 2990WX, was bei einer leistungsstarken Kühlung mehr Reserven verspricht.

Mit aktiviertem Precision Boost Overdrive (PBO) im Ryzen Master konnten 4 GHz auf allen Kernen erreicht werden, ab Werk sind 3,5 GHz vorgesehen. In Cinebench 15 stieg die Multi-Thread-Wertung von 3.216 auf 3.414 Punkte - ein Plus von etwa 6 %. Der Energiebedarf kletterte von 252 auf 358 W. Sorgen, dass elektrische oder thermische Limits überschritten werden und Schäden an der Hardware verursachen, sind bei der Nutzung von PBO in der Praxis unbegründet. Denn die Limits für PPT, TDC, EDC und Co. werden vom Mainboard ausgelesen und können im PBO-Modus nicht manuell überschrieben werden. Allerdings erlischt die Garantie, wenn PBO genutzt wird - zumindest in der Theorie will AMD Schäden somit nicht ausschließen.

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Das gilt umso mehr für den manuellen Modus, der ebenfalls über Ryzen Master aktiviert werden kann. Der Nutzer kann dann direkten Einfluss auf CPU-Spannung und -Takt nehmen - letzteres entweder für alle Kerne gemeinsam oder einzeln. Auch das Abschalten spezifischer Kerne ist möglich. In diesem Modus war der stabile Betrieb mit 4,25 GHz auf allen Kernen bei einer Spannung von 1,5 V möglich. In Cinebench 15 bedeutete das eine Multi-Thread-Wertung von 3.604 Punkten - ein Plus von 12 %. Gleichzeitig stieg der Energiebedarf auf 470 W. Eine weitere Erhöhung der CPU-Spannung ermöglichte keinen stabilen Betrieb mit noch höheren Taktraten.

Das Erhöhen des Speichertaktes von DDR4-2933 auf DDR4-3200 brachte zwar eine Steigerung der Speicherbandbreite um etwa 10 % mit sich, sorgte in der Spitze je nach Anwendung aber nur für ein Leistungsplus von maximal 5 %.

Overclocking beim Ryzen Threadripper 2990WX

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer des Ryzen Threadripper 2990WX diesen übertaktet, dürfte mehr als gering ausfallen. Nicht nur, dass AMD den Prozessor klar in der Profischiene positioniert - in diesem Segment wird kaum jemand die Garantie riskieren. Dennoch lohnt ein Blick auf das OC-Potential. Das wirkt nicht nur aufgrund der schon höheren TDP (250 W) geringer.

Aber schon die Nutzung von Precision Boost Overdrive zeigt, wie falsch man mit dieser Einschätzung liegt. Der Takt wurde auf 3,8 GHz angehoben, ein Plus von immerhin 800 MHz. Gleichzeitig stieg die Leistung in Cinebench 15 von 5.099 auf 5.823 Punkt - 14 % mehr. Dabei genehmigte sich das System in der Spitze aber auch 638 W. Als Limit entpuppte sich hier nicht eine zu hohe Temperatur (den Grenzwert hat AMD bei 68 °C Tdie festgelegt), sondern die maximale Energieversorgung, die über den Sockel möglich ist (PPT); beim genutzt MSI-Mainboard immerhin 500 W.

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Im manuellen Modus konnten keine deutlich höherer Taktraten mehr erzielt werden. Selbst eine Anhebung der Spannung über 1,5 V hinaus brachte keine Besserung, 3,9 GHz war das höchste Tempo, bei dem ein stabiler Betrieb noch möglich war. Das reichte für 5.981 Punkte in Cinebench 15 (+17 %) bei einem Energiebedarf von 867 W.

Unter Umständen besser ist das Übertakten des Speichers, bzw. das Nutzen eines schnelleren XMP-Profils. Zwar steigt mit dem Sprung von DDR4-2933 auf DDR4-3200 auch hier die Bandbreite nur um etwa 10 %, beim Ryzen Threadripper 2990WX entpuppt sich der Speicher aber in einigen Fällen - beispielsweise Adobe Lightroom - als Flaschenhals.


Cinebench 15

Single Threaded

Cinebench Punkte

Cinebench 15

Multi Threaded

Cinebench Punkte

POV-Ray

Single

Punkte
Mehr ist besser

POV-Ray

Multi

Punkte
Mehr ist besser

Handbrake

4K H.265 in 1080p30 H.264

Sekunden
Weniger ist besser

Handbrake

4K H.265 in 1080p30 H.265

Sekunden
Weniger ist besser


Geekbench 4.2.3

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.2.3

CPU Multi-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.2.3 - Floating Point

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.2.3 - Integer

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.2.3 - Crypto

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser


AIDA64 (5.90.4247)

AES

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Hash

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Julia

Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Mandel

Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Zlib

MB/s
Mehr ist besser


7-Zip

MIPS
Weniger ist besser

Blender 2.79b

Single-Thread

Sekunden
Weniger ist besser

Blender 2.79b

Multi-Thread

Sekunden
Weniger ist besser

Truecrypt 7.1a AES

GB/s
Mehr ist besser

LuxMark 3.1

C++

Punkte
Mehr ist besser


Assassins Creed Origins

1.920 x 1.080 Preset Sehr niedrig

fps
mehr ist besser

F1 2017

1920x1080 Preset Sehr niedrig

fps
Mehr ist besser

Far Cry 5

1.920 x 1.080 Preset Niedrig

fps
mehr ist besser

Star Wars Battlefront II (DX11)

1920x1080 Preset Niedrig

fps
Mehr ist besser

Rise of the Tomb Raider (DX12)

1920x1080 Preset Niedrigste

271.68 XX


104.42 XX
254.31 XX


105.17 XX
253.27 XX


103.48 XX
251.65 XX


101.66 XX
249.13 XX


83.42 XX
241.37 XX


88.23 XX
236.98 XX


77.98 XX
235.01 XX


94.14 XX
224.88 XX


91.43 XX
154.4 XX


20.7 XX
fps
Mehr ist besser


Mit der zweiten Ryzen-Threadripper-Generation folgt AMD dem mit der ersten Ryzen-Generation eingeschlagenen Weg. Denn auch hier soll die Leistung nicht in erster Linie über den Takt erbracht werden, sondern über viele CPU-Kerne. Dass man damit Intel werbewirksam eins auswischen kann, dürfte man dabei gerne in Kauf nehmen. Schließlich kann der leicht schwächelnde Dauerrivale bis heute im Desktop-Segment nicht mehr als sechs Kerne anbieten - bei AMD gibt seit fast eineinhalb Jahren acht.

Vor diesem Hintergrund wirkt es nur logisch, dass von Ryzen-Threadripper-Generation 1 zu 2 noch stärker auf die Kraft des Multi-Threadings gesetzt wird. Auf einen neuen Ableger mit acht Kernen verzichtet man gleich ganz, der neue Einstieg erfolgt bei zwölf Cores. Bei Intel muss man dafür schon sehr weit oben ins Regel greifen. Dem ist man sich bei AMD sehr bewusst und stellt die beiden ersten neuen Modelle nicht Konkurrenten mit gleicher Kernanzahl gegenüber, sondern orientiert sich grob am Preis. Das mag auf der einen Seite vernünftig sein, sieht der Interessierte doch was er für sein Geld bei beiden bekommt. Auf der anderen Seite tut man sich damit keinen Gefallen, da ein echter Leistungsvergleich erschwert wird.

Von diesen Grundsätzlichkeiten abgesehen versucht AMD es löblicherweise mit einer Unterteilung der zweiten Generation in zwei Gruppen - obwohl es sich ja um die gleiche Architektur handelt und auch die Infrastruktur die gleiche ist. Doch es stellt sich die Frage, ob die adressierten (oder doch nur fürs Marketing genannten?) Gruppen die tatsächlich Gruppe sind.

Viel hilft nicht immer viel

Der Test der ersten beiden neuen Modelle hat vor allem eines gezeigt: Die zweite Ryzen-Threadripper-Generation ist ihrer Zeit teils weit voraus. Denn in nur wenigen Fällen gab es im Zuge der Benchmarks keine Auffälligkeiten, die auf die hohe Zahl der CPU-Kerne zurückzuführen waren. Besonders deutlich wird das in Spielen. Selbst aktuelle Engines nutzen nur selten mehr als vier oder sechs CPU-Kerne. Deutlich wird das vor allem in „F1 2017", aber auch in „Far Cry 5" ist dieser Effekt erkennbar. Dabei ist es vor allem der Shooter, der noch weitere Probleme mit vielen Kernen offenbart. Auf dem Ryzen Threadripper 2990WX im nativen Modus (32 Kerne) verweigerte er konsequent den Start, erst mit zwei deaktivierten Dies war der Titel nutzbar.

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Deutlich wird aber auch, dass ein reibungsloser Betrieb der Produktivanwendung oder des Spiels keine Garantie dafür ist, dass die Leistung so hoch wie zu erwarten ausfällt. Hierfür sei auf „Rise of the Tomb Raider" verwiesen: Der auf 16 oder acht Kerne beschnittene Ryzen Threadripper 2990WX leistet hier mehr als der Ryzen Threadripper 2950X mit 16 Kernen. Teilweise ist aber auch das genaue Gegenteil der Fall. Dann landet das neue Ryzen-Threadripper-Flaggschiff in jeder Konfiguration hinter dem kleineren Modell.

Betont werden muss zudem, dass diese Effekte nicht nur in Spielen zu beobachten sind. Im Idealfall weiß die Software 32 Kerne zu nutzen, in einem guten Fall immerhin mehr als 16 - oder sie wird zumindest nicht durch die Kerne, die sie gar nicht erst nutzen kann, ausgebremst. Letzteres ist beispielsweise in Geekbench zu beobachten, aber auch in Truecrypt sowie dem Ableger Veracrypt. Die beiden Verschlüsselungstools haben so große Probleme mit dem 32-Kerner, dass die Leistung - unabhängig von der Anzahl der tatsächlich aktiven Dies - nur halb so hoch wie beim Ryzen Threadripper 2950X ausfällt.

Single-Thread bleibt die Schwachstelle

Ein Grund dafür, dass AMD auf mehr Kerne als Intel setzt, ist die weiterhin vorhandene Schwäche bei der Leistung pro Kern, bzw. pro Thread. Im Rahmen der Vorstellung der zweiten Ryzen-Threadripper-Generation wurde die Lücke auf etwa 5 % beziffert. Dies, so das Unternehmen, sei ein Abstand, mit dem man leben könne. Warum, zeigt die Entwicklung. Auch wenn viele Programme derzeit nicht optimal skalieren oder teils Probleme mit vielen Kernen haben, ist die Entwicklung doch eindeutig. Die Multi-Thread-Leistung wird in Zukunft noch wichtiger. Käufern von heute bringt das aber wenig, wenn die häufig eingesetzte Software darauf noch nicht ausgelegt ist.

Bei der Single-Thread-Leistung liegen die beiden neuen Prozessoren je nach Benchmarks etwa 3 % bis 10 % auseinander, was am unterschiedlichen Maximaltakt liegt. In Cinebench 15 bewegt sich der Ryzen Threadripper 2990WX in etwa auf dem Niveau eines Ryzen 7 2700 oder Core i5-8400, der Ryzen Threadripper 2950X zieht mit dem Core i5-7600K und Core i7-7800X gleich. Laut Geekbench ist der Ryzen Threadripper 2990WX so schnell wie ein Core i7-6950X oder Ryzen 5 1600X, der Ryzen Threadripper 2950X schafft das Tempo eines Ryzen 7 2700. Ähnlich schneiden die beiden Prozessoren in POV-ray und Blender ab. Ein Intel Core i7-8700K oder Core i7-8086K (Test) schafft in vielen Fällen fast 20 % oder gar 30 % mehr.

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Bemerkbar macht sich das nicht nur, wenn dediziert nur ein Kern oder Thread genutzt wird, sondern auch in den Fällen, in denen die beiden neuen Ryzen-Threadripper-Prozessoren nicht alle Kerne voll nutzen können. Entsprechend belegt Intel in Blender die ersten beiden Plätze im Multi-Thread-Test, aber auch vielen Spielen muss sich AMD geschlagen geben. Immerhin: Ein Geheimnis macht man daraus nicht, in zur Verfügung gestellten Testergebnissen wird ehrlich auf den Vorsprung des Konkurrenten hingewiesen.

Rekorde, wenn man sie denn lässt

Weiß die Software mit den vielen Kernen umzugehen oder lässt sich im Falle des Ryzen Threadripper 2990WX nicht von ihnen irritieren, sind beide Prozessoren für hohe Leistungen gut. In Cinebench 15 lässt der 32-Kerner Intels Gegenstück Core i9-7980XE klar hinter sich und selbst der Ryzen Threadripper 2950X mit 16 Kernen bewegt sich auf Augenhöhe. In POV-ray reicht es beim Flaggschiff für fast 9.900 Punkte, ein Core i7-8700K bringt es gerade einmal auf ein Drittel dessen.

Dabei zeigt sich, wie gut AMD die Skalierbarkeit im Griff hat - eine Stärke des Infinity Fabric. So liegt der Ryzen Threadripper 2990WX trotz geringeren Taktes in einigen Fällen 60 % vor dem Ryzen Threadripper 2950X, in speziellen - sehr theoretischen - Situationen sind es gar 70 %. Für die Zukunft ist das ein gutes Zeichen. Je mehr Anwendungen für Multi-Threading optimiert werden, desto besser schneidet die zweite Ryzen-Threadripper-Generation im Vergleich zur Konkurrenz von Intel ab.

Am hohen Energiebedarf im Leerlauf und bei geringer Last ändert das aber nichts. Zwar deutet sich an, dass die zweite Generation etwas genügsamer als die erste ist, etwa 70 und 77 W sind ohne Last aber deutlich zu viel. Der wichtigste Grund dafür ist der gleiche wie vor einem Jahr. Denn erneut sorgt AMD nicht dafür, dass der CPU-Takt weit genug gesenkt wird. Ohne manuellen Eingriff liegt das untere Ende in der Regel bei 2 GHz - nur selten konnte ein Takt von 1,9 oder 1,8 GHz auf einzelnen Kernen protokolliert werden. Unter hoher Last geht der Energiebedarf hingegen in Ordnung. Zwar verbrauchen beide Neulinge mehr als die jeweils von AMD genannten Intel-Konkurrenten, dem gegenüber steht aber auch eine im Schnitt höhere Leistung.

Der Ryzen Threadripper 2990WX kommt viel zu früh

Das neue Ryzen-Threadripper-Flaggschiff ist ein Aushängeschild im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem 32-Kerner demonstriert AMD, was derzeit im HEDT-Segment möglich ist und stellt Intel regelrecht in den Schatten. Im Idealfall gibt es deutlich mehr Leistung als beim Core i9-7980XE für weniger Geld. Dem gegenüber stehen allerdings mitunter massive Probleme, häufiger jedoch die nicht vorhandene Ausnutzung der vielen Kerne. Der Ryzen Threadripper 2990WX kann schnell sein, ist es aber nicht immer.

Hinzu kommt, dass AMD den Prozessor in seinen Möglichkeiten an anderer Stelle beschneiden musste, um sich nicht unnötige Konkurrenz für die EPYC-Reihe ins Haus zu holen. In Profi-Anwendungen wird die RAM-Anbindung trotz Quad-Channel-Design schnell zum Flaschenhals, für andere Fälle fehlen Remote-Funktionen oder die Unterstützung von REG-ECC-RAM. Wer sich für den Ryzen Threadripper 2990WX entscheidet, muss dies ganz bewusst tun und sich im Vorfeld darüber informieren, ob der Prozessor für das eigene Nutzungsprofil die optimale Wahl ist.

Von diesen Schwächen abgesehen ist der 32-Kerner ein echtes Stück Hardware der Hardware willens. AMD baut den Prozessor, weil man es kann. Das Gute daran: Mit der Zeit wird er immer besser werden, da der Trend hin zu besserer Multi-Thread-Unterstützung eindeutig ist. Die Frage ist nur, wie lange es noch dauert.

Positive Aspekte des AMD Ryzen Threadripper 2990WX:

Negative Aspekte des AMD Ryzen Threadripper 2990WX:

Für Gamer ist der Ryzen Threadripper 2950X fast zu viel

Während AMD den Ryzen Threadripper 2990WX klar an Profis adressiert, soll das kleinere Modell Ryzen Threadripper 2950X auch Gamer ansprechen. Gemeint ist damit nicht der durchschnittliche „FIFA"-Spieler. Stattdessen will man denjenigen eine leistungsfähige Plattform bieten, die beispielsweise ohne nennenswerte Qualitätseinbußen gleichzeitig Live-Streamen wollen. Aber auch an den sogenannten Prosumer richtet man sich. Wer semi-professionell Fotos und Videos bearbeitet oder sich am Rendern erfreut und nicht zu tief in die Tasche greifen will, soll mit dem 16-Kerner genau den richtigen Prozessor erhalten.

Für solche Zwecke bietet der Ryzen Threadripper 2950X tatsächlich mehr als genügend Leistung. Zudem lässt die notwendige Infrastruktur genügend Luft für ein späteres Aufrüsten. Dazu zählen die insgesamt 64 PCIe-3.0-Lanes ebenso wie die Möglichkeiten, die die (neuen) X399-Mainboards bieten. Für den 16-Kerner spricht im Vergleich zum größeren Modell aber die im Test geringere Anzahl an Problemen und Auffälligkeiten. Insgesamt ist der Ryzen Threadripper 2950X dichter an der Balance als der Ryzen Threadripper 2990WX und somit auch im Alltag einfacher zu nutzen. Störend ist allerdings auch hier der teils zu hohe Energiebedarf.

Positive Aspekte des AMD Ryzen Threadripper 2950X:

Negative Aspekte des AMD Ryzen Threadripper 2950X:

Mit der zweiten Ryzen-Threadripper-Generation demonstriert AMD eindrucksvoll, zu was die Zen-, bzw. Zen+-Architektur im Stande ist. Gegenüber der ersten Generation konnte man die Schwächen bezüglich der Single-Thread-Leistung verringern und bewegt sich hier nun fast auf einem Niveau mit Intel. Gleichzeitig zieht man in puncto Multi-Thread-Performance klar am Konkurrenten vorbei und schont dabei noch die Finanzen der Käufer.

Die potentielle Zielgruppe mag am Ende sehr klein sein, für AMD dürfte das aber kein entscheidender Faktor sein. Zwar wird man mit den Prozessoren Geld verdienen wollen, der zu erwartende Image-Gewinn dürfte jedoch ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen. Ryzen Threadripper 2990WX und Ryzen Threadripper 2950X sind keine perfekten Prozessoren, sie zeigen aber, wie die Zukunft im Desktop- und HEDT-Segment aussehen wird.

Preise und Verfügbarkeit
"Ryzen Threadripper 2990WX WOF, Prozessor"
1.749,00 Euro 1.799,90 Euro 1.749,00 Euro
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