Gelungener Feinschliff: AMD Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X im Test

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amd ryzen 7 2700x

Rund ein Jahr nach dem Start der Ryzen-Prozessoren legt AMD nach und bringt die zweite Generation in den Handel. Die soll schneller und effizienter arbeiten und den Druck auf Intel weiter erhöhen. Allerdings lautet die Devise Evolution statt Revolution, statt gravierender Änderungen gibt es vor allem Feinschliff. Ob die beiden ersten Modelle, Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X dennoch wirklich die „ultimativen Prozessoren für Gamer, Kreative und Enthusiasten" sind, zeigt der Test.

Nach außen hin zeigte AMD sich zuletzt zufrieden, was die Entwicklung des eigenen Prozessorgeschäfts anging. Vermutlich nicht ohne Grund, wie verschiedene Indizien zeigen. Verschiedene Benchmarks zeigten in den vergangenen Monaten eine steigende Anzahl an Durchläufen mit Ryzen und Co., Amazon Deutschland führt neun AMD-Prozessoren unter den 20 meistverkauften Modellen. Darunter auch die im Test in weiten Teilen überzeugenden beiden Raven-Ridge-APUs Ryzen 3 2200G und Ryzen 5 2400G.

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Die entpuppen sich im Nachhinein aber nicht nur als Kombination aus Zen-CPU und Vega-GPU, sondern als Zwischenschritt hin zur zweiten Ryzen-Generation. Nicht ohne Grund sprach AMD bei deren Vorstellung von Zen 1.5, nahm man doch kleine Korrekturen an der Architektur sowie die Unterstützung von schnellerem Arbeitsspeicher vorweg.

Die zweite Ryzen-Generation, zwischenzeitlich auch als Ryzen 2000 bezeichnet, knüpft fast nahtlos an die APUs an, ist aber wie die direkten Vorgänger als klassische CPU ausgelegt. Eine integrierte Grafikeinheit gibt es also nicht.

Vier neue Ryzen zum Start

An der bisherigen Unterteilung ändert AMD nach aktuellem Stand nichts, wie die vier ersten Prozessoren der zweiten Ryzen-Generation zeigen. Zum Start gibt es zwei Sechs- und zwei Achtkerner - erstere gehören zur Ryzen-5-, letztere zur Ryzen-7-Familie.

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Das Spitzenmodell wird zumindest vorerst der Ryzen 7 2700X mit acht Kernen und 16 Threads sowie einem Basis- und Boost-Takt von 3,7 und 4,3 GHz sein. Der direkte Konkurrent dürfte Intels Core i7-8700K (Test) heißen, der Vorgänger im eigenen Hause ist der Ryzen 7 1800X (Test). Direkt darunter rangiert der Ryzen 7 2700 mit gleicher Kern- und Threadanzahl, aber auf 3,2 und 4,1 GHz reduzierten Taktraten. Entsprechend soll er den Intel Core i7-8700 im Zaum halten und den Ryzen 7 1700 ablösen. Mit unverbindlichen 319 und 289 Euro werden Intels UVPs aber nur knapp unterboten, die der eigenen Vorgänger hingegen schon etwas deutlicher.

Technische Daten AMD Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X
ModellKerne/
Threads
Basis-/
Boost-Takt
XFR2L2L3TDP
Ryzen 7 2700X8/163,4/4,3 GHz4,35 GHz512 KB
pro Kern
16 MB105 W
Ryzen 7 27008/163,2/4,1 GHz4,15 GHz512 KB
pro Kern
16 MB65 W
Ryzen 5 2600X6/123,6/4,2 GHz4,25 GHz512 KB
pro Kern
16 MB95 W
Ryzen 5 26006/123,4/3,9 GHz3,95 GHz512 KB
pro Kern
16 MB65 W

Wer weniger ausgeben will oder mit einer geringeren Performance auskommt, dürfte zur Zielgruppe des Ryzen 5 2600X und Ryzen 5 2600 gehören. Beide bieten sechs Kerne und 12 Threads, die Taktraten liegen bei 3,6 bis 4,2 und 3,4 bis 3,9 GHz. Mit unverbindlichen 225 und 195 Euro landen auch diese beiden neuen Prozessoren preislich dicht an den Intel-Konkurrenten, die in diesem Fall Core i5-8600K und Core i5-8600 heißen. Im Vergleich zu den eigenen Vorgängern - Ryzen 5 1600X und Ryzen 5 1600 - ändert sich in Hinblick auf die UVP weniger.

Für den Test standen zunächst die Modelle Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X zur Verfügung. Die beiden Non-X-Prozessoren, Ryzen 7 2700 und Ryzen 5 2600, folgen zu einem späteren Zeitpunkt.


Für die neue Prozessorgeneration greift AMD auf die inzwischen ein Jahr alte Zen-Architektur zurück, die allerdings in bestimmten Bereichen überarbeitet wurde. Folglich spricht das Unternehmen von Zen+. Hinzu kommt ein leicht verkleinerter Fertigungsprozess, was in Summe dazu führt, dass die zweite Ryzen-Generation weder ein echtes Tick, noch ein echtes Tock ist.

12 statt 14 nm, DDR4-2933 statt DDR4-2666

Fest stand bereits seit dem Start von Raven Ridge, dass AMD auf schnelleren Arbeitsspeicher setzen würde. Wie auch die APUs unterstützen die neuen Ryzen-Prozessoren DDR4-2933, die Vorgänger waren auf DDDR4-2666 beschränkt. Für die Praxis ist das nur bedingt relevant, da sich natürlich auch schnellerer Speicher nutzen lässt, was mit gewissen Vorteilen verbunden sein kann - dazu später mehr. Es muss aber beachtet werden, dass bestimmte Kombination nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Entscheidend ist dabei aber wie gewohnt nicht nur der eingestellte RAM-Takt, sondern auch der Aufbau der Speicherriegel (Single oder Dual Rank) sowie die Anzahl der Riegel. Keine Überraschung: An der Dual-Channel-Anbindung wird festgehalten.

Unterstützung von DDR4 durch Ryzen 2xxx
SpeicherbestückungGeschwindigkeit
Dual-Channel / Dual Rank / 4 DIMMDDR4-1866
Dual-Channel / Single Rank / 4 DIMMDDR4-2133
Dual-Channel / Dual Rank / 2 DIMMDDR4-2400
Dual-Channel / Dual Rank / 2 DIMMDDR4-2667
Dual-Channel / Single Rank / 2 DIMMDDR4-2933*
*: Erfordert Mainboard mit mindestens sechs PCB-Layern

Zu den Unterschieden zwischen Zen (Summit Ridge)/Zen 1.5 (Raven Ridge) und Zen+ (Pinnacle Ridge) verrät AMD kaum Details. Die Rede ist lediglich von „gezielten Verbesserungen", deren Ziel man allerdings nennt: Die Reduzierung von Latenzen. So soll die L1-Cache-Latenz um etwa 13 % verringert worden sein, beim L2-Cache ist von 34 % die Rede, beim L3-Cache von 16 %. Zudem konnte die DRAM-Reaktionszeit um 11 % verringert werden. Eine weitere Maßnahme zielt auf die Instructions per Cycle (IPC). Hier soll Zen+ etwa 3 % besser abschneiden.

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Die Umstellung der Fertigung von 14 auf 12LP nm sorgt für eine höhere Transistorperformance. AMD spricht diesbezüglich von 10 bis 15 %. Deshalb sei es möglich geworden, die Spitzentaktraten um 300 MHz anzuheben und gleichzeitig die Spannung der CPU-Kerne um 50 mV zu reduzieren. Daraus soll sich bei gleichem Takt im Vergleich zu Summit Ridge ein um 10 bis 15 % geringerer Energiebedarf ergeben. Die beworbene Strukturverkleinerung selbst hat kaum Auswirkungen - angesichts des Sprungs von 14 auf 12 nm wenig verwunderlich. Spürbare Änderungen dürfte es erst im nächsten Jahr mit Zen 2 geben.

Aber auch etwas anderes verspricht AMD, zumindest in Hinblick auf Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X: Werden alle Kerne, bzw. alle Threads gleichzeitig genutzt, werden bei allen Taktraten oberhalb von 4 GHz gehalten. Bei den Vorgängern war dies nur auf einem Kern möglich. Im Test konnte die deutlich feinere Taktung problemlos beobachtet werden, auch die 4-GHz-Marke, die zumindest leicht gerissen wurde. Allein das sorgt bereits dafür, dass die Rechenleistung höher als bei den Vorgängern ausfällt.

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Allerdings erkauft man sich dies beim Ryzen 7 2700X mit einer höheren TDP. Die liegt nun bei 105 W, der Ryzen 7 1800X war noch auf 95 W beschränkt. Beim Ryzen 5 2600X bleibt es hingegen bei 95 W, Ryzen 7 2700 und Ryzen 5 2600 bleiben mit 65 W ebenfalls stabil.

Maximaler Takt Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X
Modell2 Thr.4 Thr.6 Thr.8 Thr.10 Thr.12 Thr.14 Thr.16 Thr.
Ryzen 7 2700X4,350 GHz4,200 GHz4,125 GHz4,050 GHz4,050 GHz4,025 GHz3,975 GHz3,925 GHz
Ryzen 5 2600X4,250 GHz4,075 GHz4,050 GHz4,050 GHz4,025 GHz4,025 GHz--

Wie schon bei der ersten Generation ist der Heatspreader auch bei den neuen Prozessoren verlötet. AMD setzt dabei erneut auf ein Lot, bestehend aus einer Indiumlegierung. Dies, so das Unternehmen, würde zwar die Kosten um einen nicht genannten Betrag steigern, wäre letztlich aber die beste Methode, um die Abwärme abzuleiten. Gegenüber anderen Lösungen soll die Die-Temperatur so um etwa 10 °C geringer ausfallen.

Zen+ bedient sich beim bekannten Grundgerüst

Die vermutlich sehr geschickt gewählte Bezeichnung Zen 5 sowie die Aussage, dass man bereits an dieser Version der Prozessorarchitektur arbeite, führte vor wenigen Tage zwangsläufig zu der Frage, wie AMD nummeriert. Eine klare Antwort darauf gibt es nicht - unter anderem, da das Unternehmen in zur Verfügung gestellten Dokumentationen selbst hin und her springt. So basiert die ersten Ryzen-Generation ganz klar auf Zen 1, bei Raven Ridge sprach man stellenweise von Zen 1.5, bei der nun erhältlichen zweiten Ryzen-Generation von Zen+. Denkbar ist, dass man intern schon jetzt von Zen 2 spricht und sich schlicht an den Modellnummern orientiert. Ein Ryzen x 3xxx würde dann auf Zen 3 basieren.

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Gänzlich von dieser Diskussion losgelöst ist die Tatsache, dass die zweite Ryzen-Generation abgesehen vom genannten Feinschliff auf der im vergangenen Jahr eingeführten Zen-Architektur basiert. Das zeigt schon die Zahl der Transistoren, die mit 4,8 Milliarden gleich geblieben ist.

Die unterscheidet sich deutlich von ihrem Vorgänger Bulldozer und bedeutete eine 180°-Wende zurück zum klassischen Prozessoraufbau. Jeder CPU-Kern verfügt über vier Integer-Einheiten zu je 168 Registern, die wiederum 192 Instruktionen „in Flight" bearbeiten können. Über zwei Load/Store-Einheiten erfolgt die Weitergabe der Daten an den Cache. Hinzu kommen zwei Fließkomma-Einheiten mit je 128 Floating Point Multiply Accumulators. Der dazugehörige Instruction-Cache fasst 64 KB, der Data-Cache immerhin noch 32 KB. Auf ersteren kann vierfach zugegriffen werden, auf letzteren achtfach. Darüber steht der L2-Cache mit 512 KB bereit, darüber wiederum der L3-Cache.

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Der steht aber nicht in voller Größe allen CPU-Kernen zur Verfügung, was am CPU Complex (CCX) genannten Aufbau liegt. Im Falle des Ryzen 7 2700X und Ryzen 7 2700 umfasst jeder der beiden CCX vier CPU-Kerne sowie 8 MB L3-Cache, der auch nur von diesen vier Kernen genutzt werden kann. Beim Ryzen 5 2600X und Ryzen 5 2600 gehören zu jedem der beiden CCX lediglich drei CPU-Kerne, allerdings ebenfalls 8 MB L3-Cache. Die 8 MB sind dabei in vier „Scheiben" zu je 2 MB unterteilt, jede Scheibe ist dabei einem CPU-Kern zugeordnet. An letzterem orientiert sich der Teil-L3-Cache hinsichtlich der Taktung sowie der generellen Last. Letzteres sorgt dafür, dass nicht nur ein nicht oder nur schwach genutzter Kern mit geringer Spannung gefahren wird und somit für einen geringeren Energiebedarf sorgt, sondern auch der entsprechende Teil des Caches.

Hinzu kommt SMT, was doppelt so viele parallel ausführbare Threads wie CPU-Kerne bedeutet. Allerdings müssen die beiden Threads innerhalb des Kerns nicht zwangsläufig gleichberechtigt abgearbeitet werden, hier greifen Priorisierungen.

Infinity Fabric

Die Kommunikation zwischen den beiden CCX sowie mit dem Arbeitsspeicher und diversen Controllern übernimmt aufgrund der generellen Beibehaltung der Zen-Architektur erneut der Infinity Fabric getaufte Interconnect. Veränderungen an diesem hat AMD nicht vorgenommen, bzw. dokumentiert solche nicht. Es bleibt aber auf jeden Fall bei einem zweiteiligen Aufbau. Der Control Fabric steuert die diversen Engine Hubs und ist somit verantwortlich für Power Management, Security, Reset & Initialization und Test-Prozedere.

Der zweite Part wird vom Data Fabric übernommen, der in erster Linie für geringe Latenzen sowie einen generell schnellen Datenaustausch innerhalb der Architektur zuständig ist und auch die Kommunikation mit dem Arbeitsspeicher übernimmt.

Das Prinzip CCX in Verbindung mit dem Infinity Fabric soll eine beinahe lineare Steigerung der Multi-Thread-Leistung ermöglichen.


Gleich ein ganzes Paket an Maßnahmen soll für die bestmögliche Mischung aus Prozessortemperatur, Energiebedarf und CPU-Takt sorgen. AMD nennt dies SenseMI Technology. Es basiert auf auf einem Netzwerk an Sensoren, die Stromstärke, elektrische Spannung und Leistung sowie die Temperatur im Millisekundenrhythmus überwachen. Alle Informationen werden an das Infinity Fabric weitergeleitet und dort ausgewertet. Auf Basis dieser Daten wird aber nicht nur auf die aktuellen Erfordernisse, beispielsweise Taktreduzierung aufgrund zu hoher Temperatur, reagiert - auch auf in Kürze eintretende Erfordernisse soll SenseMI vorbereiten. Letzteres basiert laut AMD auf Machine Learning.

Bei der zweiten Ryzen-Generation hat AMD SenseMI an zwei Stellen überarbeitet, die vor allem höhere Taktraten direkt beeinflussen.

Precision Boost 2 und XFR 2

Precision Boost 2 setzt direkt an Version 1 an und erlaubt nach wie vor Taktanpassungen in 25-MHz-Schritten. Allerdings greift Precision Boost 2 anders als der Vorgänger nun nicht mehr nur, wenn maximal zwei CPU-Kerne beschäftigt sind - ab dem dritten Kern wurde bislang vom All-Core-Boost gesprochen, nur darunter von Precision Boost; auf das konkrete Taktverhalten sind wir bereits eingegangen. Stattdessen werden hohe Takraten nun nicht mehr ausschließlich an der Zahl der zu bearbeitenden Threads, bzw. der belasteten Kerne festgemacht. Precision Boost 2 greift hierfür auf drei weitere Parameter zurück: das derzeit verfügbare thermische Budget, das derzeit verfügbare elektrische Budget sowie den absoluten Maximaltakt. Ist keine der drei Grenzen erreicht, wird Precision Boost 2 unabhängig von der Zahl der Threads und aktiven Kerne genutzt. Laut AMD kann das in der Praxis bis zu 500 MHz höhere Taktraten bedeuten. Dabei bezieht man sich auf den Vergleich zwischen Ryzen 7 1800X und Ryzen 7 2700X.

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Sehr unübersichtlich wird es bei XFR 2 - wie schon bei der ersten Generation. Die Idee hinter Extended Frequency Range (XFR) ist das Belohnen, bzw. Ausnutzen einer effektiven Prozessorkühlung. Ist letztere leistungsstark genug, kann der Takt über das eigentliche Maximum angehoben werden. Entscheidend sind dabei der Tcase-Wert sowie die Energieaufnahme des Prozessors. Wie bei der ersten Ryzen-Generation wurde die Grenze bei 60 °C sowie 95 A gezogen. Allerdings kann XFR 2 anders als XFR 1 nicht nur auf zwei Kernen gleichzeitig aktiviert werden - bei ausreichenden Budgets wird der zusätzliche Turbo auch auf allen Kernen zur gleichen Zeit gezündet. Das konnte im Test aber nicht zweifelsfrei belegt werden. Hin und wieder erreichten einzelne Kerne 4,35 respektive 4,25 GHz (Ryzen 7 2700X/Ryzen 5 2600X) und somit gerade einmal 50 MHz mehr als AMD für den Maximaltakt nennt. Dass in den Außendarstellung nur 4,3 und 4,2 GHz als Limit genannt werden, hängt mit den Voraussetzungen zusammen, so das Unternehmen. Die offiziellen Werte sollen mit einer Kühlung, die die Mindestvoraussetzungen erfüllt, erreicht werden - den Rest gibt es „on top".


Angedeutet hatte es sich bereits vor Wochen, zumindest in Bezug auf den Top-Chipsatz gibt es nun Gewissheit: Viel mehr als der Name wurde nicht geändert. Denn was AMD als X470 bewirbt, ist nicht nur im Kern lediglich der Vorgänger X370. Im Gespräch erklärte das Unternehmen, dass im Wesentlichen nur minimale Veränderungen vorgenommen wurden, um die Effizienz zu steigern und dem Prozessor eine stabilere Energieversorgung zu bieten. Gelungen ist das vornehmlich über eine geänderte Anordnung der Leiterbahnen, auch in Hinblick auf die RAM-Anbindung. Zu den weiteren Vorzügen zählen ab Werk die Unterstützung aller AM4-Prozessoren sowie die Beschleunigung der im PC vorhandenen Massenspeicher mithilfe der StoreMI-Technik.

X470: Neuer Name für alten Chipsatz

Dahinter verbirgt sich das Zusammenfassen von SSD und HDD sowie von 2 GB RAM in einem virtuellen Laufwerk. StoreMI kümmert sich dann im Hintergrund um das optimale Verteilen der einzelnen Dateien. Die, die häufig benötigt werden, werden auf die SSD verschoben, teilweise auch in den reservierten RAM und umgekehrt. Wie lohnenswert diese Lösung ist, hängt vom Einzelfall ab. In den meisten Fällen dürfte der Kauf einer etwas größeren SSD aber die bessere Entscheidung sein.

Bezüglich der in den Chipsatz integrierten Schnittstellen verhält sich X470 genauso wie X370. So gibt es unter anderem zweimal USB 3.1 Gen 2,  zehnmal USB 3.1 Gen 1, sechsmal USB 2.0 sowie 20 PCIe-Gen-3-Lanes. Auf das Sperren der Multiplikatoren hat AMD ebenfalls erneut verzichtet, Overclocker haben somit leichtes Spiel. Für den Ryzen 7 2700X ist ein tCTL-Offset von +10 °C vorgesehen, das Bestandteil des BIOS' ist.

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Die Anschaffung eines X470-Mainboards ist für die zweite Ryzen-Generation nicht zwingend notwendig. Fällig wird eine neue AM4-Platine nur dann, wenn der entsprechende Hersteller für die bisherige kein BIOS-Update (AGESA 1.0.0.0) bereitstellt. Zudem verweist AMD darauf, dass das Übertakten auf A320-Mainboards über die Multiplikatoren sowie CPU-Spannungsänderungen nicht möglich sind. Auf diesen Modellen könne man sonst keinen sicheren und stabilen Betrieb garantieren.

Insgesamt stehen zum Start der zweiten Ryzen-Generation vier Chipsätze - X470, X370, B350, A320 - zur Verfügung. Platinen mit neuem Chipsatz wurden unter anderem von ASUS, MSI, Gigabyte und ASRock angekündigt.

Detaillierter gehen wir im Test des ASUS ROG Crosshair VII Hero auf den neuen Chipsatz ein.

Neuer Kühler

Alle vier neue Prozessoren der zweiten Ryzen-Generation wird AMD als Boxed-Version, also inklusive Kühlkörper und Lüfter, verkaufen. In Bezug auf die Befestigung bleibt es dabei beim im vergangenen Jahr eingeführten Spring-Screw-Mechanismus - auch beim neuen Wraith Prism.

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Dabei handelt es sich um das AMD-Flaggschiff, das aber nur dem Ryzen 7 2700X beiliegen wird. Die Kühlhardware basiert auf dem Wraith Max, für die Beleuchtung greift man nun aber auf RGB-LEDs zurück, die mit allen relevanten Beleuchtungssystemen wie ASUS Aura oder Gigabyte RGB Fusion kompatibel und in drei eigenständige Zonen aufgeteilt sind. Am Lüfter selbst kann zwischen zwei Geschwindigkeiten gewechselt werden, die Lautstärke gibt AMD mit 39 dB(A) an. Auf der höheren der beiden Stufen soll die Kühlleistung 140 W betragen - genug, um das Overclocking-Potenzial zumindest ein wenig zu nutzen.

Wraith-Kühler für die zweite Ryzen-Generation
ModellKühlleistungLautstärkeBeleuchtung
Wraith Prism140 W39 dB(A)RGB-LED
Wraith Spire95 W32 dB(A)RGB-LED/keine
Wraith Stealth65 W28 dB(A)keine

Die drei weiteren neuen Prozessoren müssen mit weniger leistungsfähigen Kühllösungen auskommen. Dem Ryzen 7 2700 legt AMD einen Wraith Spire mit RGB-LEDs bei, der Ryzen 5 2600X verfügt über das gleiche Kühlsystem - allerdings ohne LEDs. Der Ryzen 5 2600 muss mit einem Wraith Stealth ohne LEDs vorlieb nehmen.


Welchen Stellenwert möglichst hohe Taktfrequenzen bei AMD genießen, zeigen nicht nur Funktionen wie XFR 2 oder Precision Boost 2. Denn mit offenen Multiplikatoren bietet man einmal mehr die Möglichkeit, über das Standardtempo hinauszugehen. So ist es mit einfachsten Mitteln möglich, an der Taktschraube zu drehen. Unter die Arme greift dem Nutzer dabei die AMD-eigene Software Ryzen Master, die auf Version 1.3 gehoben wird. Per Mausklick lassen sich hier unter anderem CPU-Takt und -Spannung sowie RAM-Takt und -Spannung verändern.

Neu sind mehrere Anzeigen, die unter anderem die jeweils aktuellen Werte für Package Power Tracking (PPT), Thermal Design Current (TDC), Electrical Design Current (EDC) sowie den jeweils schnellsten und zweitschnellsten Kern eines CCX anzeigen. Zudem lassen sich erstmals beide CCX unabhängig voneinander takten. Auf Wunsch informiert ein schlicht gehaltenes Diagramm über den aktuellen Takt sowie die Temperatur. AMD weist allerdings darauf hin, dass nicht alle Werte exakt sein müssen. Denn einige Daten werden aus dem BIOS abgerufen, hier entscheidet letztlich die Gründlichkeit des Mainboard-Herstellers.

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Im Test entpuppte sich der Einsatz des Ryzen Master erneut als einfachste Methode zum Übertakten der Prozessoren. Neulinge dürften sich allerdings bei einigen Funktionen eine etwas mehr in die Tiefe gehende Erklärung wünschen, Angaben wie PPT oder EDC dürften nicht jedem geläufig sein. Zudem dürfte das ausgegraute Feld „Precision Boost Overdrive" irritieren. Diese Funktion hat AMD mit Version 1.3 der Software bereits grundlegend vorbereitet, aber noch nicht aktiviert. Wann dies nachgeholt wird, war Mitte April noch nicht bekannt.

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Wer gehofft hat, dass das Overclocking-Potential der zweiten Ryzen-Generation größer als bei der ersten ausfällt, dürfte enttäuscht sein. Der Ryzen 5 2600X konnte mit Wasserkühlung stabil mit 4,2 GHz auf allen Kernen bei einer Spannung von 1,525 V betrieben werden, einzelne Kerne ließen sich auf 4,325 GHz takten. Beim Ryzen 7 2700X war das Ende bei 4,25 GHz auf allen Kernen sowie bei 4,475 GHz auf einem Kern erreicht. Eine Erhöhung der Spannung über 1,45 V hinaus blieb ergebnislos.

Im Rahmen einer AMD-Veranstaltung konnten ähnliche Werte erzielt werden, ebenfalls mit Wasserkühlung. Das deutet wie schon beim Ryzen 7 1800X darauf hin, dass auch bei der zweiten Generation über alle Chips hinweg selektiert wird.


Bedingt durch den neuen, wenn auch nur rudimentär veränderten Chipsatz kommt für den Test des Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X ein neues Testsystem zum Einsatz. Das kann wie üblich Einfluss auf die Vergleichbarkeit haben. Das gilt auch für den Einfluss des Betriebssystems. Denn alle Messungen wurden unter Windows 10 Pro 64 Bit (Build 1709) mitsamt aller Sicherheitsupdates für Meltdown und Spectre durchgeführt. Letztere haben teilweise eine geringere Leistung zufolge. Verwendet wurde zudem Ryzen Master 1.3.

Testsystem Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X:

Alle Benchmarks wurden mit zwei Speichergeschwindigkeiten durchgeführt: DDR4-2933 (16-16-16-36) entsprechend der offiziellen Unterstützung durch die Prozessoren sowie DDR4-3400 (16-16-16-36) gemäß XMP-Profil. Auf die Auswirkungen wird später eingegangen.

Testsystem Ryzen 7 1800X, Ryzen 7 1700X und Ryzen 7 1700:

Energiebedarf

Bei gleichem Takt soll die zweite Ryzen-Generation 10 bis 15 % weniger Energie als die vorherige benötigen. Erreicht haben will man dies durch die bereits genannten Optimierungen sowie die neue, kleinere Strukturbreite. Tatsächlich zeigen sich in der Praxis leichte Einspareffekte, die aber unter Berücksichtigung der übliche Laufzeiten pro Tag eher als gering zu bezeichnen sein dürften. Wie immer beziehen sich die Werte auf das Gesamtsystem, gemessen eingangsseitig am Netzteil.

Stromverbrauch Idle

5 Min. gemittelt

Watt
Weniger ist besser

Mit knapp unter 40 W bewegen sich beide Prozessoren, bzw. Systeme im Bereich des üblichen. Abseits der gemittelten Werte wurde phasenweise auch die Marke von 35 W unterschritten, im Gegenzug lag die Spitze bei jeweils etwa 48 W. Die CPU-Kerne wurden zuverlässig in sparsame Modi versetzt, wie die CPU Core Power von 1,5 W zeigt.

Stromverbrauch Last

Cinebench 15

Watt
Weniger ist besser

Unter Volllast verpufft das Einsparpotential - kein Wunder, angesichts der höheren Taktraten. Der Ryzen 5 2600X genehmigte sich in diesem Szenario mitsamt des restlichen Testsystems rund 158 W, beim Ryzen 7 2700X waren es 180 W. Gegenüber den Vorgängern sind es etwa 13 bis 20 % mehr. Auffällig ist allerdings eher die Tatsache, dass der Ryzen 5 2600X deutlich mehr Energie als Intel Sechskerner Core i7-8700K benötigt. Im Gegenzug genehmigt sich der Ryzen 7 2700X etwas weniger als der Core i7-7820X.

Es gelten aber die bereits erwähnten unterschiedlichen Testplattformen zu beachten, die zumindest einen kleinen Einfluss auf die Werte haben können.


AMD selbst unterteilt die Leistung der zweiten Ryzen-Generation in Productivity und Gaming. Der Grund: Während man in ersterem Bereich nach eigenen Angaben teils deutlich vor Intel landet, hinkt man in letzterem noch immer minimal hinterher. Deshalb zunächst der Blick auf die Messungen mit Produktivanwendungen.

Cinebench 15

Single Threaded

Cinebench Punkte

Cinebench 15

Multi Threaded

Cinebench Punkte

POV-Ray

Single

Punkte
Mehr ist besser

POV-Ray

Multi

Punkte
Mehr ist besser

Handbrake

4K H.265 in 1080p30 H.264

Sekunden
Weniger ist besser

Handbrake

4K H.265 in 1080p30 H.265

Sekunden
Weniger ist besser


Weiter geht es mit den CPU-Benchmarks:

Geekbench 4.1 - Crypto

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.1 - Floating Point

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.1 - Integer

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.1

CPU Single-Core

Punkte
Mehr ist besser

Geekbench 4.1

CPU Multi-Core

Punkte
Mehr ist besser


Weiter geht es mit den CPU-Benchmarks:

AIDA64 (5.90.4247)

AES

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Hash

MB/s
Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Julia

Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Mandel

Mehr ist besser

AIDA64 (5.90.4247)

Zlib

MB/s
Mehr ist besser


Weiter geht es mit den CPU-Benchmarks:

7-Zip

MIPS
Weniger ist besser

Blender 2.79b

Sekunden
Weniger ist besser

Truecrypt 7.1a AES

GB/s
Mehr ist besser


Es folgen die System-Benchmarks, bei denen nicht allein die CPU-Performance ausschlaggebend ist. Hier gilt zu beachten, dass unterschiedliche Testsysteme zu Abweichungen führen können. Allerdings kann trotz gleichen Chipsatzes schon ein anderes Mainboard die Vergleichbarkeit beeinträchtigen.

PC Mark 8 Home

Punkte
Mehr ist besser

PC Mark 8 Work

Punkte
Mehr ist besser

PC Mark 10 Standard

Punkte
Mehr ist besser


Die Spiele-Benchmarks wurden in Full HD mit niedrigen bis mittleren Detaileinstellungen durchgeführt. So kann gewährleistet werden, dass die Grafikkarte nicht der limitierende Faktor ist und wechselnde Treiber-Versionen keine nennenswerte Abweichungen mit sich bringen.

GTA V - 1920x1080

Medium

fps
Mehr ist besser

F1 2015

1.920 x 1.080 - noAA

fps
mehr ist besser

Far Cry Primal

1.920 x 1.080

99 XX


76 XX
99 XX


79 XX
99 XX


73 XX
99 XX


80 XX
99 XX


79 XX
99 XX


73 XX
99 XX


79 XX
99 XX


70 XX
98 XX


68 XX
96 XX


76 XX
93 XX


62 XX
fps
mehr ist besser

Rise of the Tomb Raider (DX12) 1920 x1080

Medium

fps
Mehr ist besser

Total War: Attila

1.920 x 1.080

fps
mehr ist besser


Soll das Maximum aus einem Prozessor herausgeholt werden, spielt die Kühlung eine große Rolle. Boxed-Lösungen, also zum Lieferumfang gehörende Kühlkörper und Lüfter, stehen allerdings in dem Ruf, zumeist nur ein Notnagel zu sein. Die Kühlleistung ist häufig gerade ausreichend, die Geräuschkulisse hingegen enorm. Beim Wraith Prism soll das laut AMD anders sein. Grund genug also, abseits der mit Wasserkühlung durchgeführten Benchmarks auch Messungen mit Boxed-Kühler durchzuführen. Auf Übertaktungen wurde dabei verzichtet, ebenso auf eine Abweichung vom Standardspeicehrtakt (DDR4-2933). Die Lautstärkemessungen wurden aus einer Entfernung von 50 cm vorgenommen, ein Gehäuse kam nicht zum Einsatz.

Das Ergebnis: In puncto Kühlleistung steht der Wraith Prism sehr gut da. Nicht nur in den beiden ausgewählten Tests waren die Unterschiede zwischen Luft und Wasser marginal, auch in Spielen und langanhaltenden Hoch- und Volllasttests würde man eher von Messtoleranz als von echten Unterschieden sprechen. Die von AMD mit 140 W bezifferte Kühlleistung entpuppt sich somit als ausreichend, auch wenn die maximale Prozessortemeperatur von 68 °C mit Wasserkühlung auf 72 °C stieg. Etwas anders sieht es aus, wenn übertaktet werden soll. Mehr als 4,1 GHz waren nicht möglich.

Ein ganz anderes Thema ist allerdings die Lautstärke. AMD spricht von ruhigen 39 dB(A), verrät den entsprechenden Betriebszustand und die Messmethodik aber nicht. Im Low Profile (1.200 bis 3.000 U/min) konnten 37,2 bis 50,3 dB(A) gemessen werden, im High Profile (1.800 bis 3.800 U/min) 39,2 bis 57,1 dB(A).

Blender 2.79b Ryzen 7 2700X

Sekunden
Weniger ist besser

Handbrake Ryzen 7 2700X

4K H.265 in 1080p30 H.265

Sekunden
Weniger ist besser

DDR4-3400 statt DDR4-2933

Allein durch die Anhebung des Standardspeichertaktes von DDR4-2667 auf DDR4-2933 dürfte AMD beim Wechsel von der ersten zur zweiten Ryzen-Generation leicht an der Performanceschraube gedreht haben. Die Frage ist deshalb, was noch schnellerer RAM bringt. Entsprechend wurden sämtliche Benchmarks sowohl mit Standardtakt als auch mit Tempo DDR4-3400 durchgeführt.

Überraschungen bleiben aber aus. Denn auch bei Ryzen 5 2600X und Ryzen 7 2700X hängt es vom jeweiligen Einsatzgebiet ab, ob sich mehr Leistung herauskitzeln lässt. So lag das Plus in CInebench 15 zwischen etwa 0,5 und 1,1 % (Ryzen 5 2600X/Ryzen 7 2700X), in den PCMark-Tests zwischen 0,2 und 2,1 % (Ryzen 5 2600X) sowie zwischen 1,0 und 3,5 % (Ryzen 7 2700X). In 7Zip wurde eine gut 6 % höhere Leistung erreicht, in Blender eine um 0,8 bis 3,2 % höhere. Über alle Produktivanwenungen hinweg lag das Plus beim Ryzen 5 2600X bei durchschnittlich 1,6 %, beim Ryzen 7 2700X waren es 1,9 %.

In Spielen wurde wie üblich fast ausschließlich der Mindest-fps-Wert leicht verbessert. Die Verbesserungen lagen durchweg im unteren einstelligen fps-Bereich.


Orientiert man sich am gerade einmal ein Jahr alten Fazit zur ersten Ryzen-Generation, sind Ryzen 5 2600X und Ryzen 7 2700X ein Stück weit enttäuschend. Denn schrieben wir im März 2017 noch „Endlich mal ein CPU-Test, der Spaß gemacht hat, da wir mal nicht nur 10 % Performancesteigerung messen konnten", ist genau das nun eingetreten. Im Produktiveinsatz liegt das Leistungsplus grob bei 8 %, in Spielen bei etwa 4 %.

Doch was nach Intel-typischen Minischrittchen aussieht, ist dem im Jahr 2017 vollzogenen Architekturwechsel geschuldet. Auf den folgt mit Zen+ nun der Feinschliff, was die - im Vergleich zum vergangenen Jahr - geringeren Fortschritte erklärt. Dass AMD erneut große Sprünge macht, war nicht zu erwarten. Wichtiger dürfte es der Chip-Schmiede gewesen sein, die Lücke gegenüber der Intel-Konkurrenz zu verringern oder gar zu schließen. Den Messungen nach ist das zu einem großen Teil gelungen, auch wenn alte Schwächen nach wie vor anzutreffen sind.

Eine solche ist erneut die Single-Thread, bzw. Single-Core-Performance. Dank höherer Taktraten, der höheren IPC sowie dem schnelleren RAM landet der Ryzen 7 2700X etwa 8 respektive 19 % vor seinen beiden Vorgängern Ryzen 7 1700X und Ryzen 7 1800X. Beim Ryzen 5 2600X liegt das Plus gegenüber dem Ryzen 5 1600X zwischen 5 und 10 %. Betrachtet man das Intel-Lager, liegen ein Core i5-8400 oder Core i5-7600K auf dem gleichen Niveau. Allerdings positioniert AMD selbst den Ryzen 7 2700X gegen den Core i7-8700K, den Ryzen 5 2600X gegen den Core i5-8600K. Doch die rechnen in solchen Fällen nach wie vor um bis zu 20 % schneller, nur in sehr wenigen Einzelfällen wird so etwas wie Gleichstand erreicht.

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Bemerkbar macht sich das aber nicht nur, wenn vom Nutzer dediziert nur wenige Threads oder Kerne genutzt werden, sondern in erster Linie in Spielen. Die sind meist noch immer nur auf den Betrieb mit wenigen Kernen ausgelegt - wenn überhaupt. Entsprechend liegt Intel hier weiterhin vorn, wenn auch nur in Messungen. Denn in der Praxis dürfte der Unterschied, der durchschnittlich im mittleren einstelligen Prozentbereich liegt, keine wirkliche Rolle spielen. Läuft ein Spiel auf einem Core i7-8700K flüssig, wird dies auch mit einem Ryzen 7 2700X der Fall sein.

Ein anderes Problem, das AMD auch mit der zweiten Ryzen-Generation nicht los wird, ist der Energiebedarf. Zwar spricht man aufgrund der verkleinerten Struktur und anderen architektonischen Veränderungen von 10 bis 15 % weniger Energie, die bei gleichem Takt abgerufen wird, in der Praxis ist das aber nicht immer spürbar. Hier ist eher das Gegenteil der Fall. Denn werden Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X gefordert, genehmigen sie sich einen größeren Schluck aus der Pulle als ihre Vorgänger. Das geht zwar auch mit einer Performancesteigerung einher, das Ziel hätte aber auch hier eigentlich Parität mit Intel sein müssen.

Im Gegenzug dürfte Intel an der Multi-Thread-Leistung der zweiten Ryzen-Generation zu knabbern haben. Die direkten Konkurrenten lassen Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X deutlich hinter sich, wenn alle Kerne zum Einsatz kommen können. Ein Plus von 25 und 32 % in Cinebench 15 ist eine klare Ansage, auch wenn das nur ein Einzelfall ist. In der Regel rechnen die neuen AMD-Prozessoren hier 5 bis 10 % schneller.

Das liegt aber nicht nur an der höheren Zahl der Kerne respektive Threads, sondern auch am Taktverhalten bei hoher Gesamtlast. Hier kommt Precision Boost 2 zum Zuge, wenn denn die Kühlleistung ausreichend hoch ist. Selbst bei Nutzung aller Kerne bleibt der Takt nun auf einem vergleichsweise hohen Niveau. XFR 2 spielt hingegen, wie schon die erste Generation, keine Rolle. Nicht nur, dass die zusätzliche Boost-Funktion in vielen Szenarien überhaupt nicht nachgewiesen werden konnte: Ein kurzzeitiges Plus von 50 MHz bringt keine nennenswerte Mehrleistung.

Wie gut sich die zweiten Ryzen-Generation für Overclocking-Versuche eignet, hängt den Erfahrungen zufolge, stark vom Umfang ab. Das Steigerungspotential mit Hausmitteln wie einer leicht zu installierenden AiO-Wasserkühlung lag bei den Testmustern im unteren Bereich, wer zu aufwendigeren Kühllösungen greifen kann und will, dürfte weitaus mehr aus den Prozessoren herausholen können. Overclocking-Neulinge dürfen sich jedoch über schnelle Fortschritte und eine eher flache Lernkurve freuen, offene Multiplikatoren und das AMD-Tool Ryzen Master sind an dieser Stelle sehr hilfreich.

Ob am Ende der Griff zu Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X oder zu den Intel-Konkurrenten der bessere ist, hängt stark vom Einsatzgebiet ab. Soll der Rechner vor allem für leistungshungrige Produktivanwendungen genutzt werden, ist die zweite Ryzen-Generation die erste Wahl. Je wichtiger jedoch das Thema Effizienz oder Single-Thread-Performance wird, desto interessanter werden Core i7-8700K und Core i5-8600K. Geht man von einer gemischten Nutzung aus, liegen AMD und Intel auf dem gleichen Niveau - die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Tests. Ob man sich dann für Ryzen 7 2700X oder Ryzen 5 2600X entscheidet, hängt von den tatsächlicher Erfordernissen sowie vom Geldbeutel ab. Eine leichte Tendenz geht allerdings in Richtung des Ryzen 5 2600X, da dieser weit weniger Energie benötigt, aber dennoch in vielen Fällen mehr als genügend Performance bietet.

Preislich spielen die beiden neuen AMD-Prozessoren in der gleichen Liga wie die Konkurrenz aus dem Hause Intel. Stand Mitte April trennten die Prozessoren nur wenige Euro, entscheidend ist am Ende deshalb das gesamte Investitionsvolumen. Steht ein kompletter Plattformwechsel an, dürfte die zweite Ryzen-Generation im direkten Vergleich günstiger sein. Gleiches gilt selbstverständlich auch für den Fall, das bereits ein AM4-Mainboard vorhanden ist. Ein Wechsel von der ersten zur zweiten Ryzen-Generation ist jedoch überflüssig, die Sinnhaftigkeit eines Wechsels von Intel zu AMD hängt stark von der Ausgangslage ab.

Positive Aspekte des AMD Ryzen 7 2700X:

Negative Aspekte des AMD Ryzen 7 2700X:

Positive Aspekte des AMD Ryzen 5 2600X:

Negative Aspekte des AMD Ryzen 5 2600X: