Core i7-6950X im Test: Dicker Motor, alte Karosse

Veröffentlicht am: von

6950x logoIntels letzter CPU-Launch ist schon eine Weile her - Ende Oktober 2015 testeten wir den Xeon E5-1230v5 auf Skylake-Basis, seitdem war zumindest im Desktop-Bereich nichts neues mehr vom Marktführer zu hören. Am heutigen Tag aktualisiert Intel endlich die High-End-Plattform und bringt mit dem Core i7-6950X auch ein neues Flaggschiff auf den Markt. Dieser löst den mittlerweile fast zwei Jahre alten Core i7-5960X als Topmodell ab. Intel hat sich also Zeit gelassen, den Haswell-E genannten Prozessor zu ersetzen. Der neue Core i7-6950X basiert dabei auf Broadwell-E - aber setzt immer noch auf den zwei Jahre alten Chipsatz und deren Sockel.

So sieht der Core i7-6950X auch zunächst aus, wie ein altes Auto, dem man einen dicken V10-Motor verpasst hat: Intel nutzt den Sockel 2011v3 weiterhin, hat zwar beim Verschlussmechanismus ein paar Dinge geändert, aber die Grundlage bleibt mit dem X99-Chipsatz dieselbe. Auf die technische Basis vom Jahr 2014 setzt man eine neue CPU, die mehr Leistung mitbringt: Zum einen ist die zugrundeliegende CPU-Architektur minimal verbessert, zum anderen hat man im Topmodell eine höhere Kernanzahl und auch neue Overclocking-Features integriert. Und man setzt natürlich auf eine aktuelle Fertigungstechnik im 14-nm-Prozess.

Insofern stellt sich die Frage, ob der neue Prozessor richtig Gas geben kann, oder die alte Plattform ihn ausbremst. Wir werfen also zunächst einen Blick auf die Vergangenheit und vergleichen den X99-Chipsatz mit dem Z170. Anschließend schauen wir, ob Intels Broadwell-E-Kern noch mithalten kann, denn auch hier hat Intel schon mit Skylake einen aktuelleren Kern am Markt. Letztendlich zählen aber nur die Benchmarks - und deshalb treiben wir das neue Core-Monster durch unsere Leistungstests.

Die Features der einzelnen Prozessoren "alt gegen neu" haben wir in der folgenden Tabelle zusammengefügt.

Core i7 im Vergleich
 Core i7-6950XCore i7-5960XCore i7-6700KCore i7-5775C
Prozessor-
Kern
Broadwell-E Haswell-E Skylake Broadwell-H
Fertigungstechnologie 14 nm 22 nm 14 nm 14 nm
Sockel 2011v3 2011v3 1151 1150
Speicher 4 Channel DDR4-2400 4 Channel DDR4-2133 2 Channel DDR4/DDR3L 2 Channel DDR3
Cores / Threads 10 / 20 8 / 16 4 / 8 4 / 8
L3-Cache-Größe 25 MB 20 MB 8 MB 6 MB
Grafikkern - HD Graphics 530 Iris Pro Graphics 6200
GPU-Frequenz - 1,15 GHz 1,15 GHz
Basisfrequenz 3,0 GHz 3,0 GHz 4,0 GHz 3,3 GHz
max. Turbo (1 Core) 3,5 GHz 3,5 GHz 4,2 GHz 3,7 GHz
max. Turbo (alle Kerne) 3,4 GHz 3,3 GHz 4,1 GHz 3,4 GHz
Offener Multiplikator X: ja, K: ja X: ja, K: ja K: ja, non-K: nein nein
TDP 140 W 140 W 91 W 65 Watt
PCIe Lanes 40 PCIe 3.0 40 PCIe 3.0 16x PCIe 3.0 16 PCIe 3.0
Preis 1569 USD 1053 Euro  340 Euro 369 Euro

CPUZ-Screenshots Core i7-6950X idle CPUZ-Screenshots Core i7-6950X idle CPUZ-Screenshots Core i7-6950X idle

CPU-Z Screenshots der Core i7-6950X-CPU - links idle, Mitte load, rechts Cache

Einigen Lesern wird jetzt bereits der Kinnladen heruntergefallen sein: Wohl um die 1.500 Euro für eine Intel-Desktop-CPU? Richtig, das ist ein neuer Rekord. Während Intel die kleinere 8-Kern-Variante Core i7-6900K als Replacement zum Core i7-5960X ansieht und diese deshalb bei knapp über 1.000 Euro Kaufpreis ansiedelt, ist das neue High-End-Modell jetzt satte 60% teurer. Die zwei zusätzlichen Kerne und etwas mehr Cache muss man sich also teuer erkaufen.  


Kompatibilität

Eigentlich ist das Beibehalten einer Plattform und eines Sockels immer eine feine Sache: Mit einem passenden BIOS-Update sind viele Platinen bereits für den neuen Core i7-6950X und seine kleineren Brüder gerüstet. Wer sich also zum Launch des Haswell-E ein System angeschafft hat - vielleicht mit einem kleinen Vierkern-Prozessor - der kann nun sein System einfach aufrüsten und mit dem Sprung von vier auf sechs, acht oder sogar zehn Kernen eine deutliche Performancesteigerung bekommen.

Einzige Voraussetzung ist, dass der Hersteller ein entsprechendes BIOS-Update bereitstellt. Wird dies angeboten, ist der Prozessor nach dem Update des BIOS einzubauen und er sollte problemlos laufen.

X99 - schon veraltet? 

Als der X99 auf den Markt kam, brachte er vielfältige Verbesserungen mit: Die Boards waren die ersten mit DDR4-Unterstützung, durch die maximal 40 PCIe-3.0-Lanes der CPU konnten auf den Mainboards auch Quad-SLI- oder Crossfire-X-Konfigurationen verwendet werden und auch USB 3.0 sowie SATA 6G brachte der Chipsatz mit. Selbst M.2-Sockel für schnelle SSDs waren verfügbar.

Das Blockdiagramm des X99-Chipsatzes
Das Blockdiagramm des X99-Chipsatzes

Seit der Einführung hat Intel aber den Z170 vorgestellt, der aktuell für die Skylake-Generation die Basis darstellt. Mit seinem Sockel 1151 kann maximal ein Core i7-6700K eingesetzt werden, somit stehen maximal vier Kerne mit Hyperthreading zur Verfügung. Die CPU unterstützt nur 16 PCIe-3.0-Lanes und diese lassen sich auch maximal auf zwei Grafikkarten verteilen. Insofern ist hier der X99 schon einmal im Vorteil.

Allerdings bringt der Z170 eine recht große Flexibilität mit: 20 PCIe-3.0-Lanes kann er direkt ansteuern und die Verbindung zur CPU ist mit der neuen DMI-3.0-Anbindung schneller. Stattet der Mainboardhersteller seine Platine also mit sehr vielen Extrachips aus, die er direkt an den Chipsatz anbinden will, ist der Z170 im Vorteil. Intels X99 besitzt nur acht PCIe-2.0-Lanes, also deutlich weniger Bandbreite, weshalb viele USB-3.1- oder RAID-Controller ausgebremst werden könnten. 

Das Blockdiagramm des Z170-Chipsatzes
Das Blockdiagramm des Z170-Chipsatzes

Intels X99-Platform gleicht dieses aber mit der CPU wieder aus: Insgesamt 32 PCIe-3.0-Lanes kann die CPU den Grafikkarten zur Verfügung stellen, entweder als x16/x16-Konfiguration, oder sogar als x16/x8/x8- oder x8/x8/x8/x8-Konfiguration. Acht PCIe-3.0-Lanes sind aber selbst dann frei, wenn vier Grafikkarten-Slots auf dem Mainboard geboten werden sollen. An diese lassen sich beispielsweise dann schnelle NVME-Drives anbinden oder schnelle USB- und Netzwerkchips. Im Fall unseres Test-Boards ASUS X99 Strix Gaming sind beispielsweise vier PCIe-3.0-Lanes für den vierten PCIe-x16-Slot oder den USB-3.1-Chip reserviert, vier weitere teilen sich der M.2-Slot und der U.2-Port (PCI-Express-SSD). 

Die acht Lanes des X99 kann der Hersteller also für langsamere Geräte verwenden: Beispielsweise für einen zusätzlichen Gigabit-Ethernet-Port, einen SATA-Controller oder einen USB-3.0-Controller. Für diese Geräte reicht die PCIe-2.0-Bandbreite auch ohne Probleme aus.

Plattform-Veränderungen

Während viele Hersteller die neuen Prozessoren dazu nutzen, ihre X99-Mainboards mit neuen Zusatzchips auszustatten und aktuelle Features zu integrieren, hat auch Intel ein wenig am Unterbau gefeilt. Die neuen Prozessoren unterstützen jetzt Quad-Channel-DDR4-2400, bieten also etwas mehr Bandbreite als bei den Haswell-E-Modellen (Quad-Channel-DDR4-2133). Einen großen Unterschied macht dies natürlich nicht, aber neben der reinen CPU-Performance ist somit auch die Speicherperformance etwas höher.

{jphoto image=96855}

Die Speicherhersteller nehmen dies natürlich als Anlass, neue Module auf den Markt zu bringen. G.Skill versorgte uns mit neuen TridentX-Speichermodulen, die auch deutlich höher getaktet werden können als die von Intel vorgesehenen 2.400 MHz. Innerhalb unserer Overclocking-Tests gehen wir auf die erreichten Taktraten ein. 


Alle Modelle in der Übersicht

Natürlich gibt es nicht nur den von uns getesteten Core i7-6950X, sondern auch drei kleinere Modelle, die preislich interessanter sind. Die Modelle unterscheiden sich maßgeblich in ihrer Kernanzahl, dem verfügbaren Last-Level-Cache und auch in der Anzahl der verfügbaren PCIe-3.0-Lanes:

Alle Broadwell-E-Modelle in der Übersicht
ModellKerneHTCPU-Takt/
Turbo
L3-CachePCIe-
Lanes
DDR4-
Takt
TDPPreis
Core i7-6950X 10 ja 3,0 / 3,5 GHz 25 MB 40 2400 MHz 140 W $1569
Core i7-6900K 8 ja 3,2 / 3,7 GHz 20 MB 40 2400 MHz 140 W $999
Core i7-6850K 6 ja 3,6 / 3,8 GHz 15 MB 40 2400 MHz 140 W $587
Core i7-6800K 6 ja 3,4 / 3,6 GHz 15 MB 28 2400 MHz 140 W $412

Neben der "Extreme Edition", die mit einem X im Modellnamen gekennzeichnet ist, gibt es auch noch die "K"-Modelle mit sechs und acht Kernen. Das "K" zeigt hierbei auch an, dass alle Overclocking-Funktionen freigeschaltet sind - insofern gibt es hier also keine Unterschiede zur Extreme Edition.

Die Unterschiede liegen natürlich in der Kernanzahl und resultierend daraus auch beim unterschiedlichen Cacheausbau. Pro Kern stellt Intel 2,5 MB Cache zur Verfügung - wobei aufgrund der Anordnung auf dem Die immer zwei Kerne gleichzeitig hinzukommen. Insofern ist es Intel möglich, einen Zweikerner mit 5 MB Cache, einen Vierkerner mit 10 MB Cache, Sechskerner mit 15 MB Cache, Achtkerner mit 20 MB Cache oder das Topmodell, den 10-Kerner mit 25 MB Cache zu bauen.

Die kleineren Modelle dürfen dabei aufgrund der identischen TDP einen etwas höheren Takt mitbringen: So setzt Intel sowohl den Referenz-, wie auch den Turbo-Takt etwas höher an. Der Performanceunterschied zwischen 3,5 GHz und 3,8 GHz im Turbo sollte sich aber in Grenzen halten. Letzter Unterschied ist die Anzahl der PCIe-Lanes bei dem kleinsten Modell, dem i7-6800K: Mit den 28 PCIe-Lanes bietet sich bei vielen Boards nicht mehr die Möglichkeit, die volle Bandbreite auf allen angebundenen Geräten zu erhalten. Insofern ist diese CPU etwas mit Vorsicht zu genießen und nur einzusetzen, wenn beispielsweise Multi-GPU-Konfigurationen nicht verwendet werden sollen.

Vom Preis her erscheint der Core i7-6850K sicherlich als Tipp, denn mit 587 USD ist er zumindest noch in einem halbwegs akzeptablen Bereich. Die Core i7-6900K oder der Core i7-6950X sind hingegen in einem deutlich höheren Preisbereich.

Neuheiten beim Kern

Wenn man auf die Architektur einen Blick werfen will, muss man bei unseren Artikeln insgesamt ein Jahr zurück gehen: Letztes Jahr brachte Intel ohne großes Getöse zur Computex Broadwell-H für den Desktop auf den Markt, um es dann mehr oder weniger schnell durch die Skylake-Prozessoren zu ersetzen. Die Unterschiede zwischen dem Haswell-E-Kern des Vorgängers i7-5960X und dem jetzigen Core i7-6950X auf Broadwell-E-Basis sind dieselben wie damals zwischen Haswell und Broadwell-H.

Der größte Unterschied ist die Fertigungstechnik, denn Haswell-E basierte noch auf der 22-nm-Technik, Broadwell-E auf der neueren 14-nm-Technik mit TriGate-Transistoren. Im Desktop-Bereich nutzte Intel dies, um auf derselben Fläche deutlich mehr GPU-Execution-Units unter zu bringen. Im High-End-Bereich ist eine integrierte Grafik wie die Iris Pro aber nicht notwendig, entsprechend kann Intel bei Broadwell-E mehr Kerne auf derselben Fläche unterbringen.

Größere Veränderungen am Kern - also unterschiedliche L1- und L2-Caches, größere Veränderungen bei den Recheneinheiten, neue Befehlssätze oder ähnliches - gab es bei dem "Tick" von Haswell-E auf Broadwell-E nicht. Ausser der 14-nm-Technik hat Intel also nur wenige Änderungen durchgeführt.

Dazu zählen die Overclocking-Neuheiten, die wir auf der nächsten Seite vorstellen, eine andere ist die Intel Turbo Boost Max Technology 3.0.


Intel hat auf einer Telefonkonferenz vor ein paar Wochen die Presse über die Overclocking-Neuigkeiten informiert. Sie bestehen aus drei Eckpunkten:

Per Core Overclocking

Bislang war es bei Multicore-Prozessoren bei den meisten Herstellern im BIOS möglich, die Multiplikatoren auf zwei Arten zu verändern: Entweder wurden alle Kerne auf einen Multiplikator gesetzt, oder es wurde Intels Turbo-Technik verwendet, um für ein, zwei oder mehr Kerne unterschiedliche Taktraten festzulegen. Entsprechend takteten sich bei einem Vierkern-Prozessor die Cores höher, wenn weniger als vier Kerne belastet worden sind.

Mit dem Core i7-6950X und auch den anderen Broadwell-E-Prozessoren erlaubt Intel nun eine genauere Einstellung für jeden Kern. So kann Kern 0 fix auf 4.000 MHz gestellt werden, während Kern 1 auf 4.200 MHz läuft und Kern 2 auf 4.400 MHz betrieben wird - und so weiter. Wer sich also die Mühe machen will, die maximalen Taktraten eines jeden Kerns auszuloten, kann anschließend deren Maximaltakt fest einstellen.

Wir testeten dies mit unserem Sample und stellten unterschiedliche Taktraten im BIOS ein:

X99 Strix Gaming Bios Core-Einstellungsmöglichkeiten
Im Bios des ASUS X99 Strix Gaming lassen sich alle Kerne separat übertakten.

Während CPU-Z und andere Tools meistens die Taktfrequenz von Core 0 anzeigen, liefert ASUS AI Suite 3 eine Ansicht, bei der man sich die Taktraten einer CPU unter Last getrennt voneinander ansehen kann. Dort waren die im BIOS eingestellten Werte zu erkennen - und die Benchmarks reagierten auch auf eine entsprechend höhere oder niedrigere Einstellung.

AI Suite 3 Ansicht unterschiedliche Taktraten
Das Tool zeigt unterschiedliche maximale Taktraten an - andere können dies noch nicht.

Beim Übertakten ergeben sich dadurch interessante Möglichkeiten: Bei unserem Modell wurden die Kerne 2, 3 und 4 beispielsweise recht heiß und haben somit tendentiell eine höhere Wahrscheinlichkeit, für ein instabiles Systemverhalten verantwortlich zu sein. Entsprechend könnte man diese Kerne wenn sie instabil sind mit etwas niedrigerem Takt übertakten und die kühleren Kerne etwas schneller einstellen.

AVX Ratio Offset

Oftmals wird ein Kern dabei nicht instabil, weil alle Recheneinheiten nicht mehr stabil laufen, sondern weil Teile der CPU nicht mehr bei dem hohen Takt ordentlich funktionieren. In der Vergangenheit war oft der AVX-Teil des Prozessors der problematische Part. Intel bietet es nun an, nicht nur den Cache-Takt separat einzustellen, sondern auch den AVX-Takt als Offset für den Kern-Takt einzustellen. Wählt man hier die Einstellung "1", läuft der AVX-Takt der Kerne jeweils 100 MHz unterhalb der Kerntaktung.

AVX-Takt Einstellung im Bios des X99 Strix Gaming
Der AVX-Takt kann beim X99 Strix Gaming als negativer Offset eingestellt werden.

In unserem Fall konnten wir jedoch unseren Übertaktungserfolg durch diese Einstellung nicht vergrößern.

VccU Voltage Control

Letztendlich bietet Intel eine weitere Möglichkeit zur Spannungsveränderung beim Übertakten an. Wem also die bisherigen Voltage-Einstellungen, die die Mainboardhersteller boten, noch nicht genug waren, hat nun eine weitere Möglichkeit für eine feinere Spannungseinstellung.

Overclocking-Resultate

Wie im oben zu sehenden Bild war bei unserem Sample bei ca. 4,3 GHz Coretakt pro Kern Schluss. Einige Cores liefen noch etwas schneller, meist stießen wir aber aufgrund der hohen Abwärme der CPU bei Volllast sowieso an unsere Kühlungsgrenzen. Bei Prime95 konnten wir insgesamt 350 Watt Leistungsaufnahme messen, sodass die CPU gut und gerne über 250 Watt Abwärme generieren sollte. Das ist selbst für unsere H110GT-Wasserkühlung von Corsair etwas viel. 

Von unserem Hardwareluxx-Teammember dancop haben wir weitere Testresultate unter Luftkühlung erhalten, die ebenso keine größeren Übertaktungspotentiale zeigen. Insofern darf man also davon ausgehen, dass sich ein 10-Kern-Core i7-6950X von seinen ursprünglichen 3,5 GHz um knapp 800 MHz auf 4,3 GHz übertakten lässt - alles weitere ist Glückssache. 

Übertaktungserfolg Core i7-6950X
Nach Übertaktung erreicht der Prozessor über 2230 Punkte bei Cinebench - neuer Rekord.

Unseren Test führten wir mit folgender Hardware durch:

Broadwell-E-Testplattform Core i7-6950X

Intel Core i7-6950X
ASUS X99 Strix Gaming
G.Skill Ripjaws V 3200 MHz, 4x 4 GB @ 2400 MHz, CL15

Skylake-Testplattform Xeon E3-1230v5

Intel Xeon E3-1230v5
Fujitsu D3417-B
G.Skill Ripjaws V 3200 MHz, 4x 4 GB @ 2133 MHz, CL15

Skylake-Testplattform Core i7/i5

Intel Core i7-6700K und Core i5-6600K
ASUS Z170 Deluxe
G.Skill Ripjaws V 3200 MHz, 4x 4 GB @ 2133 MHz, CL15

Haswell-/Broadwell-H-Testsystem

Intel Core i7-4790K, Intel Core i7-5775C, Intel Core i5-4670K, Intel Core i5-5675C
ASUS Z97-Deluxe
G.Skill Ripjaws Z 1866 MHz, 4x 4 GB @ 1600 MHz, CL9

Identisch für alle Systeme:

ASUS Strix GeForce 970 GTX 4GB OC
Corsair H110GT Wasserkühlung
Seasonic P-Series 660XP2 Netzteil
OCZ Arc 100 SSD, 240 GB
Fractal Design Define R5

{jphoto image=96852}

Hinweise zu den Testsystemen:

Wir verwendeten für die Benchmarks weiterhin Windows 8.1 als Betriebssystem, da wir Vergleichswerte zu unseren bisherigen Tests haben wollen. Wo möglich beließen wir also auch die Treiber auf dem (alten) Stand. Wie man sehen kann, verwenden wir möglichst identische Komponenten - und haben auch darauf geachtet, für beide Systeme dieselbe Speichermodul-Anzahl zu verwenden, um den Stromverbrauch und Speicherzugriffe nicht schon aufgrund der Modulanzahl zu beeinflussen. Beim Mainboard schalteten wir alle überflüssigen Onboard-Geräte ab, also zusätzliche SATA-Controller, zusätzliche USB-Controller, den zweiten LAN-Port des Boards und auch Zusatz-Features wie Bluetooth und WiFi. 

Die Benchmarks führten wir mit den von Intel spezifizierten Settings durch, dazu gehört zum einen der Speichertakt (2400 MHz, CL15), wie auch Einstellungen bezüglich des Turbo-Betriebes und Stromsparmöglichkeiten. Gerade die ASUS-Boards bieten hier auch eigene (schnellere) Settings an, oder Stromsparmöglichkeiten durch eigenständiges Absenken der Spannung. Diese haben wir allerdings ausgeschaltet, da wir in diesem Test quasi die "Intel-Einstellungen" testen wollen und kein bereits aufgehübschte, übertaktete Werte darstellen wollen. Diese folgen in unserem Overcklocking-Artikel. 

Zusätzlich zu den Benchmarks lief das Testsystem für unsere Overclocking-Tests, Screenshots und andere Tests auch unter Windows 10. 


Natürlich sind von einem 10-Kerner keine neuen Effizienz-Wunder zu erwarten, aber Intels 14-nm-Technik ist bei Broadwell-H und Skylake so effizient, dass wir gespannt waren, welche Einsparungen sich bei Broadwell-E erreichen lassen. Der Knackpunkt an der Sache: Natürlich spielt auch der Chipsatz eine größere Rolle. Während der Z97-Chipsatz ziemlich stromsparend war, hatte sich der X99 im Vergleich dazu nicht sonderlich als Effizienzkünstler hervorheben können. Intels Z170 verbraucht aufgrund der zusätzlichen PCIe-3.0-Lanes im Chipsatz zwar ein paar Prozent mehr, aber auch über diesem Wert sollte der X99-Chipsatz noch liegen. Für das Gesamtsystem mit CPU erwarten wir also keine größeren Einsparungen.

Leistungsaufnahme (Gesamtsystem)

Idle

in Watt
Weniger ist besser

Leistungsaufnahme (Gesamtsystem)

Cinebench 1CPU

in Watt
Weniger ist besser

Leistungsaufnahme (Gesamtsystem)

Cinebench xCPU

in Watt
Weniger ist besser

Leistungsaufnahme (Gesamtsystem)

Prime 95

in Watt
Weniger ist besser

Im Idle-Betrieb sieht man den Schwachpunkt des Chipsatzes: Bei 10 Kernen mit X99-Chipsatz liegt das Board deutlich über dem, was aktuell mit einem Z170 und einem Skylake-Prozessor erreichbar wäre. Allerdings muss man dies auch etwas relativieren, denn selbst abgeschaltete Cores verbrauchen ab und zu Strom und der Core i7-6950X hat immerhin die 2,5-fache Kernanzahl. Vergleicht man ihn mit dem Core i7-5960X so verbessert sich die Plattform aufgrund des 14-nm-Prozesses immerhin um fast 12 Watt.

Interessant ist, dass der Prozessor auch im Cinebench mit einem Kern ziemlich ineffizient läuft, denn auch hier sind natürlich die anderen neun Kerne im Idle, verbrauchen aber dennoch Strom. Erst bei Volllast sowohl mit Cinebench wie auch mit Prime95 kann er überzeugen. Bei beiden Leistungstests liegt er sogar deutlich unter den Werten des Core i7-5960X, obwohl sein Vorgänger zwei Kerne weniger mitbringt. Der Stromverbrauch unter Last ist also trotz des hohen Verbrauchs gut - im Idle-Betrieb muss man etwas tweaken, um ihn unter 55 Watt zu bekommen.

 

Einen kurzen Blick haben wir auf die Temperaturen geworfen, wobei hier natürlich auch die Lüftersteuerung reinspielt:

Prozessor-Temperatur

Idle

in Grad Celsius
Weniger ist besser

Prozessor-Temperatur

Last

in Grad Celsius
Weniger ist besser

Hier gibt es keine Auffälligkeiten - aber das ist auch kein Wunder, denn Intels Modelle sind alle auf denselben Temperaturbereich getrimmt.

Eine Anmerkung zu den AMD-Prozessoren: Da der Temperatursensor der AMD-Modelle anders arbeiten, ist ein direkter Vergleich zwischen AMD und Intel nicht möglich. 


Steigen wir nun mit den Benchmarks ein - auf dieser Seite präsentieren wir die synthetischen Tests: 

Futuremark 3DMark

Fire Strike 1.1

Futuremark-Punkte
Mehr ist besser

Futuremark 3DMark

Sky Diver

Futuremark-Punkte
Mehr ist besser

Futuremark 3DMark

Cloud Gate

Futuremark-Punkte
Mehr ist besser

Futuremark 3DMark

Ice Storm

Futuremark-Punkte
Mehr ist besser

SiSoft Sandra 2015x

Arithmetik

GOPS
Mehr ist besser

SiSoft Sandra 2015x

Multimedia

MPixel pro Sekunde
Mehr ist besser

SiSoft Sandra 2015x

Kryptografie Bandbreite

GB pro Sekunde
Mehr ist besser

SiSoft Sandra 2015x

Cache

GB pro Sekunde
Mehr ist besser

SiSoft Sandra 2015x

Speicherbandbreite

GB pro Sekunde
Mehr ist besser

Heftige Performance: Bei den Benchmarks, die alle zehn Kerne nutzen, trumpft der Core i7-6950X auf. Der Leistungsunterschied ist dann sogar etwas höher als der einfache 20%-Zuschlag an Kernen, bedingt durch die an sich etwas verbesserten Kerne und die etwas bessere Speicherbandbreite. Der Core i7-6950X ist mit Abstand der schnellste Intel-Prozessor, den wir im Desktop-Bereich je getestet haben.  


Auf dieser Seite haben wir den ersten Teil unserer CPU-Benchmarks zusammengestellt:

Cinebench R15

Overall

Cinebench-Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R11.5

1CPU

Cinebench-Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R11.5

xCPU

Cinebench-Punkte
Mehr ist besser

7-Zip

32M

MIPS
Mehr ist besser

TrueCrypt 7.1a

Serpent Twofish AES

MB pro Sekunde
Mehr ist besser

wPrime 2.10

1024M

123.671 XX


139.008 XX


159.663 XX


187.396 XX


193.719 XX


212.974 XX


216.921 XX


298.520 XX


304.566 XX


315.189 XX


324.158 XX


325.063 XX


332.533 XX


347.399 XX


357.143 XX


385.930 XX


411.579 XX


479.953 XX


526.889 XX


663.399 XX


724.206 XX


1080.701 XX


in Sekunden
Weniger ist besser

Auch hier liegt der Core i7-6950X weit in Führung - und da alle Benchmarks multithreaded sind, ist der Abstand ähnlich extrem wie bei den synthetischen Tests.


Auf dieser Seite befindet sich die zweite Hälfte unserer CPU-Benchmarks:

x264 HD 5

Test 1

FPS
Mehr ist besser

x264 HD 5

Test 2

FPS
Mehr ist besser

POV Rendering 3.7

Benchmark

Pixel pro Sekunde
Weniger ist besser

Frybench

64 Bit

in Minuten
Weniger ist besser

WinRAR 5.21

Benchmark

KB pro Sekunde
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Overall

KB pro Sekunde
Mehr ist besser

Wieder ein klares Resultat für den Core i7-6950X: Ausser im PC-Mark, wo auch andere Elemente mit reinspielen und der nicht alle 10 Kerne nutzt, kann sich der Core i7-6950X wieder deutlich absetzen. 


Die Spiele-Benchmarks haben wir in zwei Bereiche aufgeteilt, zunächst die Benchmarks mit niedriger Auflösung, damit die Grafikkarte möglichst wenig ins Spiel kommt:

Biostock Infinite

1.280 x 720 Pixel - Very Low

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Tomb Raider

800 x 600 Pixel - Niedrig

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Metro: Last Light

640 x 480 Pixel

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Hitman Absolution

800 x 600 Pixel

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Bei den Spielen zeigt sich der Prozessor erwartungsgemäß nicht mit einem Leistungsabstand von 20 %, sondern eher im oberen Bereich unter den schnellsten Prozessoren. Zwar kann das Modell durch die hohe Speicherbandbreite auftrumpfen, aber manchmal sind die hochgetakteten Kerne der Vierkern-Modelle aus dem Sockel-1151-Bereich mit Skylake-Kern einfach flotter. 


Auf dieser Seite folgen nun die Benchmarks mit höherer Auflösung (meistens 1920x1440/1080):

Biostock Infinite

1.920 x 1.080 Pixel - Ultra

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Tomb Raider

1.920 x 1.440 Pixel - Ultra

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Metro: Last Light

1.920 x 1.440 Pixel

Bilder pro Sekunde
Mehr ist besser

Wie immer sieht man bei hohen Auflösungen, dass hier auch andere Dinge limitieren und eine schnelle CPU nicht unbedingt hilfreich für neue FPS-Rekorde ist. Die Grafikkarte limitiert teilweise, also besteht oftmals zwischen einer High-End-CPU mit zehn Kernen (die auch nur teilweise verwendet werden) und einer Mittelklasse-CPU gar kein Unterschied. Berücksichtigen sollte man jedoch, dass bei vielen Gamern im Hintergrund Tools laufen, die Performance fressen: Wenn das Spiel auf vier Threads läuft, aber im Hintergrund Virenscanner, Teamspeak und Twitch-Streaming auch noch laufen, kann auch ein Zehnkerner höhere Performance liefern. Wenn auch die Frame-Zahlen nicht leiden, so kommt es zumindest nicht zu Rucklern, wenn das Backup-Programm anspringt oder irgendein Hintergrundprozess auf Leistung zurückgreift. Das geben die Benchmarks aber natürlich nicht wieder.


Zunächst waren wir skeptisch: Intel launcht eine neue High-End-Plattform, aber ohne auch den Chipsatz zu aktualisieren? Kann es funktionieren, einen aktuellen Boliden noch im fast zwei Jahre alten X99 in den Markt zu schicken? Effektiv ohne Probleme, wie wir im Test gesehen haben, denn der X99 war damals seiner Zeit im Jahre 2014 aufgrund von DDR4 und der M.2-Unterstützung deutlich voraus. Die CPU mit ihren 40 PCIe-3.0-Lanes macht dann auch den Vorteil des Z170 zunichte, eine höhere Flexibilität an PCIe-3.0-Lanes mitzubringen. Vorteile hat die eigentliche Mainstream-Desktoplösung aus Core i7-6700K und Z170 nur beim Stromverbrauch und wenn extrem viele Zusatzchips über den Chipsatz angebunden werden sollen. 

Danach kamen Zweifel, ob Intel mit dem Kaufpreis von 1.500 Euro nicht etwas überzogen hat. Für die meisten Leser sind selbstverständlich Prozessoren in der Preisklasse bis 500 Euro interessant, somit würden sich Prozessoren um 1.000 Euro wohl auch nur eine homöopatische Anzahl an Lesern kaufen. Aber ein fünfzigprozentiger Aufschlag auf das bisherige Topmodell ist schon eine Ansage. Bei einem Blick auf die Performancedaten liegt der Prozessor oftmals aber weit vor den bisherigen Achtkern-CPUs und distanziert den Core i7-6700K bei Multicore-Anwendungen deutlich. Im professionellen Umfeld, wenn es um Rendering-Zeiten oder Multithreaded-Performance geht, könnte sich der Aufpreis also sogar auszahlen. Der bessere Deal sind aber natürlich eher die Acht- und Sechskern-Modelle, auch wenn diese nicht denselben coolen Look auf den Taskmanager und natürlich deutlich weniger Performance mitbringen.

{jphoto image=96860}  

Für den Heimgebrauch sind aber auch noch andere Dinge wichtig, wie beispielsweise der Idle-Stromverbrauch. Hier hat Intel mit der Skylake-Architektur und dem Z170 Bestmarken aufgestellt, die die ältere Core-Generation mit dem älteren Chipsatz und einer höheren Kernanzahl natürlich nicht erreichen kann. Wer aber - und dafür ist der Chipsatz ja gemacht - das System sowieso mit mehreren Grafikkarten, SSD-RAID und anderem ausstattet, dem sind ein paar Watt besserer Idle-Stromverbrauch sowieso nicht so wichtig. Der Last-Stromverbrauch ist zwar ebenso hoch, aber unter dem Niveau des Core i7-5960X bei deutlich höherer Leistung. Bei zwei Kernen mehr und deutlich mehr Performance steigt also das Performance-pro-Watt-Verhältnis weiter an. Insofern kann man dem Prozessor beim Last-Stromverbrauch ein gutes Abschneiden bescheinigen.

Der Gamer, der ein System für den nächsten Blockbuster kaufen möchte, sollte sich hingegen überlegen, ob er wirklich auf die X99-Platform zurückgreifen möchte. Die Spiele liefern keine Argumente für die höhere Core-Anzahl, hier ist eher die Taktfrequenz des Prozessors ausschlaggebend. Für einen Bruchteil des Preises der Sockel-2011-Prozessoren kann man sich bereits einen Core i7-6700K erwerben und diesen möglicherweise übertakten. Dann bliebe sogar Geld für die zweite Grafikkarte, die man in den meisten Z170-Boards auch gut unter bekommt. Nur wer mehr als drei Grafikkarten einsetzen will, stößt im Z170 an seine Grenzen und braucht den neuen Broadwell-E.

Von den Overclocking-Features her hat Intel endlich einmal wieder alles richtig gemacht. Die Einstellungsmöglichkeiten der CPU sind sehr gut - und da alle vorgestellten Produkte "K"-Modelle sind, also einen offenen Multiplikator und Übertaktungsmöglichkeiten besitzen, sind die neuen Prozessoren aus Tuning-Sicht sehr interessant. Wäre da nicht das Problem, dass das erste Stepping sich aktuell kaum ordentlich übertakten lässt. Hinter vorgehaltener Hand haben wir schon von einem eventuellen neuen Stepping gehört, was in Kürze erscheinen soll und gerade die Übertaktungsresultate deutlich verbessern soll. Allerdings ist bei acht oder sogar zehn Kernen natürlich die Kühlung extrem wichtig, denn beim Übertakten und einer möglichen Spannungsveränderung verbraucht das System gleich deutlich mehr.

Effektiv kommen wir also zu folgendem Ergebnis:

Positive Eigenschaften des Core i7-6950X:

Negative Eigenschaften des Core i7-6950X: 

Insgesamt gesehen ist der Core i7-6950X also nur dann wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, wenn er in einer richtigen High-End-Kiste steckt: Wer sowieso über relativ unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügt und dazu auch noch mehrere Grafikkarten gleichzeitig betreiben will, der kommt um den X99-Chipsatz nicht herum und der kann somit auch mit den negativen Eigenschaften des Core i7-6950X sehr gut leben. Für ein richtig eindrucksvolles System sollte man aber schon drei bis vier GeForce GTX 1080 einbauen. Das System wird mit vier Grafikkarten dann sicherlich nicht weniger als 5.000 Euro kosten, aber der CPU-Preis wirkt dann gar nicht mehr so riesig...

Persönliche Meinung

Der Prozessor für die oberen Zehntausend. Sicherlich lässt sich mit dem Modell ein tolles System zusammenbauen, aber der einzige Vorteil gegenüber den bisherigen Xeon-Modellen mit mehr als acht Kernen (beispielsweise dem E5-2699v3 mit 18 Kernen) ist die Übertaktbarkeit. Damit wird der Prozessor für Enthusiasten interessant, und nicht nur für Profis, die auch früher schon mit Xeon-Modellen diese Multicore-Leistung erreichen konnten. Mit dem etwas antiquierten X99-Chipsatz wirkt der 10-Kerner aber fast wie ein getunter alter Mustang mit Powerdome. (Dennis Bode)

Preise und Verfügbarkeit
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar