Test: AMD Phenom II X6 1090T - mit sechs Kernen gegen Intel

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Phenom II X6 1090TIm Desktop-Bereich hat sich AMD in der Vergangenheit darauf beschränkt, den Phenom II X4 in diversen Varianten am Markt anzubieten: Mal mit einer etwas schneller getakteten Variante, mal mit einem niedrig getakteten und energiesparenden Modell. So richtig Paroli bieten konnte man Intel aber seit der Einführung des Core i7 nicht mehr. Intels Nehalem-Design und die folgenden Kernvarianten stachen AMD in diversen Bereichen aus. Nur im kostengünstigen Segment hatte man einige Vorteile, da die Plattform preislich sehr attraktiv war und ist. Intel hat hier zwar auch ein paar Alternativen, aber AMD eine deutlich größere Produktvielfalt und Auswahl. Mit dem Phenom II X6 stößt AMD nun auch wieder in den Performance-Bereich vor: Sechs Kerne mit 3,2 GHz sollen verlorenen Boden gut machen.

AMD schickte uns den neuen Phenom II X6 als 1090T-Modell, also als das aktuelle Topmodell. Vorgestellt wird zeitgleich auch noch der kleinere Phenom II X6 1055T, der niedriger getaktet ist. Auch stellt man drei neue Chipsätze vor, den 890FX, den 880G und den 870. Für alle Upgrader ist der Phenom II X6 aber schon deshalb interessant, weil der Prozessor in einem AM3-Mainboard jedes Chipsatzes eingesetzt werden kann - man benötigt nur ein entsprechendes BIOS-Update vom Hersteller. Der Phenom II X6 1090T lässt sich für 299 Euro (empfohlener Verkaufspreis) also ohne Probleme in ein bestehendes, älteres AM3-System einsetzen.

phenomx6aufmacher

AMDs Sechskerner soll aber in der ersten Linie AMD zurück ins Performance-Segment bringen: Mit sechs Kernen, 3,2 GHz Taktfrequenz, 6 MB an L3-Cache und einer Turbo-Funktion kann der Prozessor auf dem Papier überzeugen - zumal Intels Sechskern-Modell mehr als dreimal so viel kostet. Im Preisbereich um 300 Euro tritt der Prozessor beispielsweise gegen den Core i7-860 an. Wir sind gespannt, ob er gegen Intels Preis-Leistungssieger ankommen kann.

Die Spezifikationen des Prozessors in der Übersicht:

AMD Phenom II X6
1090T
AMD Phenom II X6
1055T
Frequenz (Turbo) 3,2 GHz (3,6 GHz) 2,8 GHz (3,3 GHz)
Anzahl Kerne / Threads 6 / 6 6 / 6
Fertigungstechnik 45 nm,
346 mm² Die-Fläche
45 nm
346 mm² Die-Fläche
L2-Cache 6x 512 kb 6x 512 kb
L3-Cache 6 MB 6 MB
System Bus Hypertransport 3.0
4,0 GT/s
Hypertransport 3.0
4,0 GT/s
Sockel AM3 AM3
TDP 125 W 125 W
Spannung 1,125 - 1,4 V 1,125 - 1,4 V
Max. Temperatur 62 °C 62 °C
Speichercontroller Dual-Channel-DDR3
DDR3-1333
Dual-Channel-DDR3
DDR3-1333
Virtualisierung ja, AMD-V ja, AMD-V
Stromspartechniken PowerNow 3.0, Dynamic
Power Management, Multi-
Point Thermal Control, AMD
CoolCore Technology
PowerNow 3.0, Dynamic
Power Management, Multi-
Point Thermal Control, AMD
CoolCore Technology
Empfohlener VK 289 US-Dollar unter 199 US-Dollar

Beide Prozessoren sind ab dem 27. April 2010 verfügbar. In unserem Preisvergleich findet man den Phenom II X6 1055T ab 192 Euro, der Phenom II X6 1090T liegt bei knapp 290 Euro.

AMD produziert den Sechskern-Prozessor noch in 45-nm-Technik (die Anzahl der Transistoren möchte AMD nicht nennen), schafft es aber trotz der sechs Kerne auf einem TDP-Niveau mit den Vierkern-Modellen zu bleiben. Mit 125 Watt unterscheidet er sich hier nicht. Dies erreicht AMD durch ein neues Produktionsverfahren - der neue Phenom II X6 wird im E0-Stepping produziert. Intel ist beim Core i7-980 und den Clarkdale-Modellen schon bei der 32-nm-Technik angekommen, die AMD erst in der nächsten Generation verwenden wird. Im Vergleich zu Intels Modellen fehlt dem AMD-Prozessor Hyperthreading. Er kann also auf die sechs Kerne sechs Threads verteilen. Ein Nachteil muss dies nicht sein, da Hyperthreading nur inaktive Bereiche des Prozessors auslastet.

Interessant ist die Implementierung des Turbo-Betriebs, auf die wir später noch eingehen werden.


In der Präsentation von AMD zu den neuen Prozessoren ist zu lesen: "Bis zu 50% mehr Kerne als bisherige AMD-Prozessoren." Richtig müsste dies heißen: Mindestens 50% mehr Kerne, denn AMD produzierte bislang Vier-, Drei-, Dual- und Single-Core-Modelle. 50% mehr Performance erreicht man allerdings nur dann, wenn die Anwendung den Workload auch entsprechend aufteilen kann - hier haben AMD und Intel dieselben Probleme, weil immer noch viele Spiele, Programme und Tools nicht in dieser Form aufteilbar sind.

An den Kernen hat AMD keine Änderungen vorgenommen: Es handelt sich um Phenom-II-Kerne, wie bei der bisherigen Architektur. Der Thuban-Kern, auf dem der Phenom II X6 1090T basiert, besitzt allerdings nicht nur die identischen Phenom-II-Kerne, sondern auch die entsprechenden Cache-Größen.

phenomx6-die

Sichtbar im Die-Shot: Die großen Flächen unten sind der 6 MB große L3-Cache. In der Mitte befinden sich vier Kerne, oben hat AMD zwei weitere Kerne angepflanzt. Die lila Flächen sind die L2-Caches der Kerne.

Im Gegensatz zu Intels Design ist AMDs Thuban so aufgebaut, dass man beim 6 MB großen L3-Cache bleibt. Intel spendierte dem Core i7-980X aufgrund einer modularen Aufbauweise einen größeren Cache (12 MB vs. 8 MB), da die Kerne linear nebeneinander platziert werden. AMD behält auch hier im Endeffekt das Design des Deneb-Kerns bei und baut die beiden zusätzlichen Kerne oben an den Die an. Entsprechend sind auch die L2-Caches identisch, die im Gegensatz zu Intels L2-Caches aber exklusive sind. Entsprechend besitzt das AMD-Design ~ 9 MB an Caches, bei Intel könnte man den Cache aufgrund der inklusive-Caches von 12 MB auf ~10,5 MB herunterrechnen - so weit voneinander entfernt sind die Modelle also nicht.

Anhand der CPU-Z-Screenshots lassen sich die Cache-Größen einfach erkennen:

{gallery}/galleries/reviews/PIIX6/cpuz{/gallery}

Wie man sehen kann, taktet sich die CPU auch weiterhin auf 800 MHz durch Cool'n'Quiet herunter. Die Spannung des Prozessors wird hier auf minimal 1,125 V abgesenkt. Der Bus-Speed des Hypertransport-Interfaces ist identisch geblieben. Auch sind keine Befehlserweiterungen hinzugekommen und keine Änderungen an den Cache-Größen pro Kern - es handelt sich also um ein typisches Phenom-II-Design mit der Architektur des letzten Jahres - nur mit sechs Kernen.

AMDs bislang schnellster Prozessor war der Phenom II X4 965 mit 3,4 GHz. Die Taktfrequenz dieses Prozessors ist also etwas höher als die des Phenom II X6 1090T. In Single-Threaded-Anwendungen würde der Prozessor somit etwas langsamer sein - aber dies gleicht AMD durch den Turbo-Betrieb aus. Hier kann der Phenom II X6 1090T mit 3,6 GHz glänzen - das ist mehr, als die Vierkerner bislang bieten konnten. Der Phenom II X4 965 ist also nur dann schneller, wenn genau vier Threads zum Einsatz kommen - denn bei mehr Threads macht der X6 den Taktnachteil aufgrund seiner größeren Kernanzahl wieder wett, bei weniger Threads wird der Sechskerner höher getaktet.


Unter dem Namen Turbo CORE bringt AMD mit dem Phenom II X6 auch einen Turbo-Betrieb mit, der Anwendungen beschleunigen soll, die nicht auf allen Kernen gleichzeitig laufen. Das Prinzip ist dabei ähnlich wie bei Intel: Wenn nicht alle Kerne verwendet werden, hat der Prozessor etwas Luft zum Übertakten, da seine Stromaufnahme nicht beim Maximalwert liegt und auch die Kühlung überdimensioniert ist. Also setzt man den Takt einzelner Kerne herauf, um die einzelnen Threads schneller ablaufen zu lassen.

Intels Turbo-Mode ist jedoch anders aufgebaut als AMDs Turbo CORE. So schaltet AMD nicht bereits im Volllast-Betrieb um einen Speed-Bin herauf, wenn die thermischen Voraussetzungen und die Spannungsversorgung es zulassen. Intels Prozessoren laufen quasi im Vollbetrieb immer eine Taktstufe schneller. Bei AMD wird der Turbo-Betrieb erst dann aktiv, wenn drei oder weniger Kerne unter Last sind und die anderen sich im Idle-Betrieb befinden.

Je nach CPU-Modell geht es dann allerdings gleich 400 MHz (1090T) oder 500 MHz (1055T) bergauf. Rechnet der AMD Phenom II X6 1090T also auf drei Kernen, läuft er mit einer Taktfrequenz von 3600 MHz. Sämtliche Kerne, die sich im P0-State befinden, werden beschleunigt. Gleichzeitig wird die Spannung erhöht, um den höheren Takt zu erreichen: Statt 1,325 V liegt nun eine Spannung von 1,475 V an. Nach den Dokumenten, die uns vorliegen, verwendet AMD zur Kontrolle der TDP die Northbridge. Ein Monitoring der Temperatur spielt wohl aber keine Rolle.

In einem kleinen Test untersuchten wir mit AMDs Overdrive-Tool die Auslastungen:

overdrive-turbo-6s

Deutlich zu sehen ist im obigen Bildschirm, dass der Prozessor bei 3,2 GHz läuft - wenn alle sechs Kerne belastet werden. Die Spannung beträgt dann 1,35 V. Im nächsten Screenshot belasten wir den Prozessor nur noch mit drei Threads, in dem wir z.B. Cinebench 11.5 nur noch auf drei Kerne beschränken:

phenom-turbo3

Drei Kerne können hier in den Halt-State gehen und sind idle - eine Kernabschaltung beherrschen die X6-Prozessoren jedoch nicht. Auf dem Bild sieht es so aus, als würden die Idle-Cores auch weiterhin mit einer höheren Spannung gefahren und mit hohen Taktraten betrieben - zumindest laut AMDs Overdrive. Das Programm reagiert hier aber leider etwas langsam: Wo möglich, schaltet der Prozessor auf 800 MHz herunter und betreibt den Kern dann mit 1,225 V.

Die drei Kerne, die unter Last sind, werden auf 3,6 GHz hochgetaktet. Um dies stabil zu erreichen, erhöht AMD die Spannung der Prozessoren: 1,475 V werden angelegt.

Zuletzt belasten wir nur einen einzelnen Kern:

phenom-turbo1s

Auch hier ist zu sehen, dass ein Kern 3,6 GHz mit 1,475 V erhält. Die anderen Kerne sind in unserem Fall beim Screenshot nicht aktiv. Sie werden auch hier heruntergetaktet, aber das Tool zeigt dies leider nur bei einem Kern. Die Spannung verbleibt bei 1,325 V.

Auf der folgenden Folie erklärt AMD die Wirkungsweise, die sich vom Prinzip her nicht von der Arbeitsweise von Intel unterscheidet.

turbo-erklaerungs

Existiert ein Zustand, bei dem drei oder mehr Kerne in den Halt-Modus geschickt werden, kann das Betriebssystem den Boost State aktivieren, sofern die TDP nicht überschritten wird. Sobald mehr als drei Kerne unter Last stehen, ist die TDP zu hoch - entsprechend wird der Boost State dann deaktiviert.

Auf unsere Frage, ob in der CPU eine entsprechende Logik ähnlich der Power Control Unit vorhanden ist, antwortete AMD nicht. Man gab uns die Antwort, dass aufgrund der in der CPU hinterlegten Power States, die entsprechende CPU-VID- und FID-Settings beinhalten, ein Überschreiten der TDP nicht möglich ist. Selbst wenn drei Cores den PB0-State (Turbo-Betrieb) erreichen, ist ein Verbleiben in der TDP gewährleistet. Ob neben den hinterlegten Power-States auch eine Überprüfung stattfindet, wurde uns nicht mitgeteilt - die Information, ob sich hinter dem Turbo-CORE-Prinzip eine Art Mikroprozessor befindet, der sowohl Lastzustände, wie auch Spannungen und Temperaturen überwacht, wollte man uns nicht herausgeben. Auch weitere Informationen über die Funktionsweise von Turbo CORE waren nicht zu bekommen.

Wir nehmen an, dass Turbo CORE im Endeffekt nur eine entsprechend hinterlegte Taktinformation ist: Takte den Prozessor um 400 MHz hoch, wenn weniger als vier Kerne voll belastet sind. Eine Sicherheitsfunktion, dass die Temperatur überschritten wird, existiert zumindest nicht: Wir zogen den Lüfterstecker, heizten die CPU im Turbo-CORE-Betrieb auf. Bis zur Notabschaltung taktete das System weiter brav im Turbo-Betrieb, ohne den Prozessor zu throttlen.

damage

Notabschaltung bei 110°C: Der Turbo war bis zur Abschaltung immer aktiv

AMDs Technik eignet sich also sehr gut dazu, den Prozessor bei Anwendungen hochzutakten, die weniger als drei Threads verwenden. Allerdings ist die Technik simpler ausgeführt, als beispielsweise bei Intel. Hier ist die Power Control Unit durch die Kernabschaltung etwas flexibler, weiterhin sind unterschiedliche Taktfrequenzen für die Laststufen einstellbar. AMD lässt dies aber zumindest über das Overdrive-Tool zu, welches über ein zusätzliches Menü auch eine umfangreiche Konfiguration des Turbo-Modes zulässt. Hersteller können diese Funktionen auch in ihr BIOS unterbringen - bei der Test-Platine (MSI 890FXA-GD70) war dies aber nicht zu finden.


Als Testsystem verwendeten wir ein Setup aus unserem letzten Print-Test in Heft 04/2010, bei dem wir diverse Prozessoren auf 4 GHz übertaktet haben. Anbei das verwendete AMD-Testsystem:

AMD Phenom II X6 1090T:

Das Testsystem wurde mit Windows 7 64bit Ultimate-Edition betrieben, als Grafikkarten-Treiber kam der Catalyst 10.3 zum Einsatz.

Die Vergleichssysteme sahen folgendermaßen aus:

Intel Sockel 1156:

Intel Sockel 1366:

Die Treiber wurden - sofern möglich - auf identischen Versionen beibehalten. Selbiges gilt auch für die Einstellungen der Benchmarks und deren Versionen. Die Benchmarks wurden mindestens dreimalig ausgeführt und dann gemittelt, bei Abweichungen wurden weitere Messreihen vorgenommen.

 

Der Stromverbrauch

Der Stromverbrauch des Gesamtsystems ist der erste Punkt, den wir uns genauer anschauen. Da wir alle Systeme an einer Wasserkühlung getestet haben, müssten wir hier eigentlich noch den Stromverbrauch der Pumpe und der zusätzlichen Lüfter mit aufführen. Zur besseren Vergleichbarkeit mit dem eigenen System haben wir diese Komponenten an einem externen Netzteil angeschlossen. Es ist also quasi die Stromaufnahme gemessen worden, die bei einem luftgekühlten System abzulesen ist. Entsprechend handelt es sich um die Stromaufnahme des Gesamtsystems mit Grafikkarte und sämtlichen anderen Komponenten.

Im Idle-Betrieb konnten wir folgende Messwerte feststellen:

stromverbrauch1

Im Last-Betrieb wurden folgende Werte gemessen:

stromverbrauch2

AMD liegt auf gutem Niveau: Im Idle-Betrieb schafft man es, mit knapp über 80 Watt Gesamtverbrauch ins Ziel zu kommen. Damit liegt man zwar noch knapp 10 Watt über dem Core i7-860, aber deutlich besser als die Intel-Prozessoren, die auf den X58-Chipsatz setzen. Intel hat hier durch Core Disable wohl einige Vorteile, die AMD trotz des sehr guten Cool'n'Quiet nicht ausgleichen kann. Positiv ist aber die gute Chipsatz-Leistungsaufnahme, die den Phenom II X6 deutlich vom X58 distanziert.

Unter Last relativiert sich das Ergebnis etwas. Hier liegt Intels Core i7-860 mit 153,7 Watt fast 40 Watt unter dem Phenom II X6. Allerdings war dies zu erwarten, da die Phenom-Prozessoren bislang auch nicht gerade genügsam zu Werke gingen und sich das Bild so nicht ändern konnte. Mehr verbrauchen nur die deutlich schnelleren Sechskerner von Intel, die nur knapp mehr auf die Waage bringen, und der Core i7-975. Alle drei haben aber auch mit dem relativ heißen X58-Chipsatz zu kämpfen. AMD wird hier wohl erst mit einer neuen Architektur und der 32-nm-Technik in bessere Bereiche vorrücken können.


Cinebench 11.5

cinebench

Kein schlechtes Resultat für den Sechskerner im ersten Test: Zwar kann man natürlich nicht mit Intels High-End-Modellen mithalten, aber man reiht sich zwischen dem Core i7-860 und Intels Core i7-975 ein. Diese Vierkern-Prozessoren waren bislang für AMD in der Performance nicht erreichbar - nun liegt man auf Augenhöhe.

 

Frybench

frybench

Im Renderer Frybench hat der Phenom II X6 keine Chance: Er platziert sich sogar noch hinter Intels Core i7-860. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Phenom II X4 965, kann der Sechskerner aber deutlich zulegen, da der Workload auf alle sechs Kerne verteilt wird.

 

PCMark Vantage

pcmarkvantage

Auch im PCMark Vantage liegt der Phenom II X6 1090T nur auf einem mittelprächtigen Niveau. Hier scheinen die Intel-Prozessoren aber generell einen Vorteil zu besitzen.

 

x264 HD

x264

x264 HD ist nicht vollständig multithreaded, deshalb können sich hier die Prozessoren mit mehr Kernen nicht absetzen. AMDs Phenom II X6 schafft trotzdem ein beachtliches Ergebnis und kommt vor dem Core i7-860 ins Ziel.


wPrime

wPrime

Bei wPrime liegt AMDs neuer auf einem guten Niveau. Er ist zwar etwas teurer als der Core i7-860, kann diesen aber in Schach halten. Auch Intels ehemaligen Top-Vierkerner hat er in Reichweite.

 

7-Zip

7zip

Bei dem integrierten Kompressionsbenchmark 7-Zip (Wörterbuchdatei: 16 MB) schneidet der Sechskerner recht gut ab, er platziert sich beim Core i7-860. Im Vergleich zum Vorgänger gewinnt AMD hier deutlich hinzu. Intels vier Kerne mit Hyperthreading schaffen allerdings ungefähr dieselbe Performance.

 

WinRAR 3.91

 

winrar

Bei WinRAR sind die Intel-Prozessoren schneller unterwegs - sogar deutlich. AMDs Sechskerner benötigt zum Komprimieren unseres Test-Verzeichnisses über drei Minuten länger als Intels Core i7-860. 

 

TrueCrypt 6.3a

 

truecrypt

Würde man nur diesen Benchmark betrachten, hätte AMD den Hit im Portfolio: Bei TrueCrypt kann AMD einige Optimierungen ausspielen und platziert seinen Sechskerner direkt hinter den Modellen von Intel, deutlich vor der Vierkern-Konkurrenz. Der Core i7-860 ist hier dem Phenom II X6 1090T deutlich unterlegen.

 

TMPGEnc 4.7

tmpgenc

Auch TMPGEnc zeigt eine sehr gute Leistung des Phenom-Prozessors - er liegt auf einem sehr guten Niveau deutlich vor den preislich ähnlichen Intel-Prozessoren.


Super Pi

superpi

Auch, wenn der Benchmark für AMD alles andere als gut verläuft und man selbst vom Zweikern-Modell Core i5-661 geschlagen wird, ist dieser Benchmark sehr interessant, denn man sieht erstmals die Auswirkungen des Turbo-Betriebs. Der Phenom II X6 1090T taktet den Thread mit SuperPi auf 3,6 GHz, deshalb kommt der Prozessor vor dem Phenom II X4 965 ins Ziel, der einen Takt von 3,4 GHz aufweisen kann. Ohne den Turbo-Betrieb kommt der Prozessor deutlich langsamer ins Ziel (3,2 GHz).

 

iTunes mp3 und AAC

itunesAAC

iTunesmp3

Während der Turbo-Betrieb im oberen Benchmark sich noch auszeichnen konnte, zeigt iTunes faktisch keine große Verbesserung durch den höheren Takt. Generell sind die AMD-Prozessoren hier auch deutlich unterlegen.

 

Sisoft Sandra

sisoft

Die Speicherbandbreite hat sich im Vergleich zur Vorgängergeneration nicht verändert. AMD setzt weiterhin auf ein DDR3-1333-Speicherinterface im Dual-Channel-Betrieb mit integriertem Speichercontroller. Intels Controller liefert hier eine etwas bessere Bandbreite, wobei hier allerdings auch die Cache-Performance einen kleinen Einfluss zeigt.


3DMark Vantage

3dmark1

3dmark2

Im 3DMark Vantage findet sich der AMD-Prozessor knapp hinter dem Core i7-860 ein. Der Turbo-Betrieb hat nur einen kleinen Effekt auf die Performance im CPU-Bereich, allerdings kann man erkennen, dass bei einer geringeren CPU-Belastung in den Grafikbereichen der Turbo-Betrieb etwas bringt. Hier kann Turbo CORE also ein paar Prozentpunkte Perforance dazugewinnen.

 

Far Cry 2

farcry

Ob nun mit oder ohne Turbo, der Phenom II X6 1090T liegt bei FarCry 2 deutlich hinter den Intel-Modellen zurück. Den Phenom II X4 965 kann der Sechskerner allerdings aufgrund des Turbo-Betriebs hinter sich lassen.

 

Resident Evil 5

residentevil5

Auch bei Resident Evil 5 sieht der Phenom II X6 gegen die Intel-Konkurrenz nicht gut aus.

 

Street Fighter 5

streetfighter4

Auch bei Street Fighter 4 zeigt sich dasselbe Bild - die Intel-Prozessoren sind einen Tuck schneller.

 

Just Cause 2/ColinMcRae: Dirt 2

Beide Benchmarks nehmen wir aus der Wertung heraus: Hier scheint das Benchmark-Programm nicht mit der Kernanzahl zurechtzukommen, denn AMDs Phenom II X6 1090T schnitt deutlich schlechter ab, als beispielsweise der Phenom II X4 965. Entsprechend berücksichtigen wir diese beiden Tests nicht in unserer Zusammenfassung.


AMD bietet mit dem neuen Prozessor auch ein neues Overdrive-Tool an (Version 3.21). Dieses quittierte bei uns aber zunächst mit der Fehlermeldung "AMD Overdrive konnte nicht gestartet werden" den Dienst. Unsere Frage, woran dies liegen könnte, beantwortete man mit folgendem Tipp:

"Bitte System neustarten und nochmal versuchen."

Nun, auf diese Idee waren wir selber auch schon gekommen ;-)
Glücklicherweise kamen im Anschluss noch ein paar weitere Versionen, sodass die Fehler beseitigt wurden. Die getestete Version war der Build 439.

Wir waren gespannt, denn als Tool mit einer angekündigten "amazing control" soll die Software in der Lage sein, eine automatische Übertaktung mit einem einzelnen Klick durchzuführen. Natürlich soll es einfach zu nutzen sein und unlimitierte Tweak-Optionen für Experten besitzen. In der Tat bietet das Tool eine reichhaltige Kontrolle für das Hardwaremonitoring, aber auch massive Übertaktungsfeatures für die CPU. Natürlich ist es aber genauso gut möglich, den Phenom II X6 1090T über das BIOS entsprechend auf Trab zu bringen.

Normalerweise prüfen wir zunächst, mit welcher Frequenz der Prozessor noch stabil läuft, wenn die Spannung nicht erhöht wird. Auch beim Phenom II X6 prüften wir dies, stellten dafür den Turbo-Betrieb aus, in dem wir die Funktion im AOD abschalteten. Allerdings stellte sich die Konfiguration teilweise noch als wackelig heraus, weshalb wir auf das BIOS auswichen. Mit 3,9 GHz und den üblichen 1,325 V lief das System stabil. Da der Turbo-Betrieb bei 1,475 V und 3,6 GHz läuft, ist dies ein sehr gutes Ergebnis.

Allerdings übertakteten wir natürlich auch noch etwas stärker. Mit einer moderaten Spannungserhöhung auf 1,4 V erreichten wir 4,1 GHz, wobei die Stromaufname des Gesamtsystems dann allerdings bereits auf 264 Watt anstieg. Da das System unter Last normalerweise 190 Watt aufnahm, entsteht also durch die Übertaktung bereits eine zusätzliche Leistungsaufnahme von ca. 70 Watt. Bei Luftkühlung kann dies einen schwach dimensionierten Kühlkörper bereits an die Grenzen führen.

Da AMD den Phenom II X6 1090T im Turbo-Betrieb mit 1,475 V betreibt, erschien es uns logisch, diesen Wert als maximale Spannung auszuwählen, ohne einen Defekt der CPU zu riskieren. Der Stromverbrauch steigt bei 1,475 V auf ca. 280 Watt an, wobei die Spannungserhöhung allerdings nicht mehr wirklich einen Effekt auf eine Taktsteigerung hatte: 4,16 GHz waren maximal stabil möglich.

overclocking-phenom

Im Endeffekt liegt AMD damit auf einem ähnlichen Niveau wie bislang - auch die Phenom II X4 ließen sich auf über 4 GHz übertakten. Intels Konkurrenzprodukte sind ebenso bei knapp über 4 GHz ausgereizt, allerdings liegt die prozentuale Taktsteigerung hier etwas höher.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir uns den Phenom II X6 noch einmal in einem ausführlichen Overclocking-Guide zur Hand nehmen. Hier ist mit einem - ausgereiften - AMD Overclocking Tool und einer ausgereiften BIOS-Version noch mehr zu erreichen.


AMDs neuer Prozessor ist eigentlich gar nicht neu: Er hat zwei Kerne und den Turbo-CORE-Betrieb mehr, ist aber ansonsten der Phenom II X4, den man bereits kannte. Das hat positive und negative Effekte: Der positive wird vor allen Dingen die Anwender freuen, die schon ein AM3/AM2+-System unter dem Schreibtisch stehen haben, denn diese können mit einem BIOS-Update ihr System einfach mit dem Phenom II X6 1090T aufrüsten - und damit im Vergleich zu den bisherigen Modellen deutlich mehr Performance in Multi-Threaded-Anwendungen erhalten.

Die negativen Effekte liegen darin, dass sich an der Überlegenheit der Intel-Prozessoren nur wenig geändert hat: Die Architektur ist zwar schnell, aber mit den schnellsten Intel-Prozessoren kann AMD es weiterhin nicht aufnehmen. Man liegt - wenn man AMDs bessere Benchmarks zur Hand nimmt - auf dem Niveau des Core i7-860, der preislich auf einem ähnlichen Niveau liegt. AMD ist hier bei Multi-Threaded-Anwendungen dann knapp überlegen, bei Spielen und Ähnlichem hängt man allerdings zurück. Aber die AMD-Plattform ist aufgrund diverser Gründe nun einen Blick wert - während wir bislang als Preis-Leistungs-Sieger den Core i7-860 empfohlen haben, ist AMD nun durchaus konkurrenzfähig im Bereich bis 300 Euro.

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Gut gefallen hat uns der niedrige Stromverbrauch im Idle-Betrieb gegenüber den Intel-Sechskernern, die mit dem hohen Stromverbrauch des X58-Chipsatzes zu kämpfen haben. So ist AMD hier trotz 45-nm-Technik im Idle-Betrieb mit dem besseren Paket unterwegs. Unter Last relativiert sich das Ergebnis, denn hier ist AMD bei der Performance unterlegen, verbraucht aber nur knapp weniger als Intels Flaggschiffe. Vergleicht man AMDs Sechskerner mit Intels Core i7-860, ist man allerdings in beiden Kategorien geschlagen.

Vom Turbo-Betrieb und den zusätzlichen 400 MHz hätten wir uns phasenweise etwas mehr erwartet. Die Ausschläge in entsprechenden Anwendungen sind zwar zu messen und teilweise auch im Bereich der erwarteten Steigerung, aber oftmals kann der Phenom II X6 gerade in diesen Anwendungen (z.B: Spiele) sowieso nicht mit einer guten Leistung überzeugen. Intels Implementierung erscheint uns deutlich komplizierter, aber auch sinnvoller.

Wer sich ein neues System anschaffen will, wird nun überlegen, ob man zu einem Core i7-860 greifen sollte - oder aber zum neuen AMD Phenom II X6. Bei den Plattformkosten liegt AMD etwas unter der Kombination aus P55-Mainboard und entsprechendem Speicher, wobei der Intel-Prozessor momentan noch etwas weniger kostet. Bei der Performance sieht Intel im Gaming-Bereich deutlich besser aus, AMD kann hingegen bei einigen Rendering-Anwendungen den Intel-Prozessor in Schach halten. Je nach Anwendungsbereich kann man sich nun also entscheiden, ob es der AMD-Rechner oder ein Intel-Modell sein soll.

Positive Eigenschaften des AMD Phenom II X6 1090T:

Negative Eigenschaften des AMD Phenom II X6 1090T:

Insgesamt hat AMD ein gutes Update durchgeführt: Man erhält einen Sechskern-Prozessor zum Preis eines Vierkern-Modells - aber der Sechskerner ist auch entsprechend langsam unterwegs, wenn er seine Kerne nicht einsetzen kann. Preislich setzt AMD diesmal keine neuen Bestwerte, sondern platziert sich auf dem Niveau des Core i7-860. Damit hat man wieder eine Alternative von AMD im Preisbereich über 150 Euro - und ob man nun einen Core i7-860 oder einen Phenom II X6 1090T wählt, kann man je nach Plattform-Wunsch, Budget, Sonderangeboten oder Vorlieben bestimmen, falsch macht man bei beiden nichts.

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