AMD Phenom II X4 965 BE - mit 3,4 GHz an die Spitze?

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phenom965_logoAMD möchte den Kampf um die schnellste CPU noch nicht aufgeben und startete einen erneuten Anlauf gegen Intels Core i7. Dabei hat man mit dem Phenom II X4 965 Black Edition die Taktschraube erstmals in der Firmengeschichte auf 3,4 GHz angehoben. Leider aber kehrt AMD damit auch zu einer Thermal Design Power von 140 Watt zurück, die nach einem kurzen Gastauftritt des Phenom X4 9950 eigentlich abgehakt zu sein schien. Die Frage muss also erlaubt sein, ob sich eine derartige CPU aufgrund des hohen Stromverbrauchs rechtfertigen lässt, Probleme mit der Kompatibilität zu den Mainboards einmal außen vor gelassen.

Werfen wir aber erst einmal einen Blick auf die CPU und das Package selbst. Natürlich können wir an dieser Stelle bis auf die Modellbezeichnung und dem Stepping keinerlei Informationen gewinnen.

AMD_965_rs

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Erst wenn wir mit CPU-Z einen Blick auf die technischen Daten riskieren, werden die Änderungen gegenüber dem Phenom II X4 955 deutlicher.

CPU-Z_normal

Noch einmal um 0,5 Volt hat AMD die Spannung angehoben. Der Phenom II X4 955 kam mit 1,35 Volt aus, hier sind es nun fast 1,4 Volt. Die erhöhte Spannung geht auch mit der höheren TDP einher, wobei hier zwischen dem eigentlichen Stromverbrauch und der maximalen Leistungsaufnahme differenziert werden muss. Alle weiteren technischen Daten sind identisch mit dem bisherigen 4-Kern-45-nm-Prozessoren von AMD. Jeder der Kerne kann auf 512 kB L2-Cache zurückgreifen, insgesamt teilen sie sich aber 6 MB an L3-Cache. Das C2-Stepping ist ebenfalls bereits seit Monaten bekannt und so überrascht auch nicht die Tatsache, dass DDR3-Speicher mit bis zu 1333 MHz angesprochen werden kann. Wie alle Modelle der Black Edition verfügt auch der 965er Phenom über einen offenen Multiplikator.



In einer Tabelle wollen wir den AMD Phenom II X4 965 Black Edition einmal mit den bisher schnellsten Phenom II X4 sowie das schnellste Phenom-Modell der ersten Generation vergleichen.

AMD Phenom X4 9950 BE AMD Phenom II X4 955 BE AMD Phenom II X4 965 BE
Kern Agena Deneb Deneb
Preis 120 Euro 200 Euro 200 Euro
Fertigung 65 nm 45 nm 45 nm
Sockel AM2+ AM3 AM3
Anzahl der Kerne 4 4 4
Takt 2,6 GHz 3,2 GHz 3,4 GHz
Anzahl der Transistoren 463 Millionen 758 Millionen 758 Millionen
Die-Größe 285 mm² 258 mm² 258 mm²
L1-Cache 2x 64 kB pro Kern 2x 64 kB pro Kern 2x 64 kB pro Kern
L2-Cache 512 kB pro Kern 512 kB pro Kern 512 kB pro Kern
L3-Cache 2 MB shared 6 MB shared 6 MB shared
Speichercontroller DDR2 bis 1066 MHz DDR2 bis 1066 MHz
DDR3 bis 1333 MHz
DDR2 bis 1066 MHz
DDR3 bis 1333 MHz
HyperThreading-Bandbreite 20,8 GB/Sekunde 14,4 GB/Sekunde 14,4 GB/Sekunde
Maximale Temperatur 71 °C 71 °C 62 °C
Prozessor-Spannung 1,25 Volt 1,35 Volt 1,4 Volt
Spannungsbereich 0,875 - 1,5 Volt 0,875 - 1,5 Volt 0,875 - 1,5 Volt
TDP 125 Watt / 140 Watt 125 Watt 140 Watt

Vor gut einem halben Jahr stellte AMD seine Phenom-II-Prozessoren vor. Wir wollen uns an dieser Stelle einmal die Zeit nehmen und die Entwicklung Revue passieren lassen.

Prozessoren mit Deneb-Kern waren die ersten in 45 nm gefertigten Chips aus dem Hause AMD. Chiphersteller wie IBM, UMC, Toshiba, TI, Intel und TSMC stehen vor dem Problem, dass sie Strukturen fertigen müssen, die weit kleiner sind, als die Wellenlängen die sie zur Belichtung verwenden können. Wie also kann mit einem Licht mit einer Wellenlänge von 193 nm ein Transistor mit 45 nm entstehen? Die Hersteller bedienen sich dabei eines Tricks, der Lichtbrechung in Flüssigkeiten. Zwischen der Linse, aus der das Licht fällt, und dem Wafer der belichtet werden soll, befindet sich also keine Luft, sondern Wasser. Die Lichtbrechung bewirkt, dass kleinere Fertigungen möglich sind.

Fertigung_rs

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Hier ist die Entwicklung der vergangenen Jahre sehr schön zu erkennen. Die gelbe Linie stellt dabei die jeweilige Fertigungsgröße dar. Die rote Linie zeigt die verwendete Wellenlänge zur Belichtung auf. So sind die Chip-Hersteller bereits seit Jahren auf neue Lithografie-Technologien angewiesen um der technischen Weiterentwicklung weiterhin Vortrieb geben zu können.

Die kleinere Fertigung sorgt natürlich nicht nur für eine geringere Chip-Größe, auch die Anzahl der Transistoren konnte so im Phenom II erhöht werden. Während der Phenom bei 285 mm² noch 463 Millionen Transistoren besaß, sind es beim Phenom II nun 258 mm² und 758 Millionen Transistoren.

PhenomDie_rs

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Der 6 MB große L3-Cache macht dabei einen Großteil der zusätzlichen Transistoren aus. Es handelt sich dabei um shared Cache, also ein Speicher, der allen Prozessor-Kernen zur Verfügung steht. Um den 6 MB großen L3-Cache auch effektiv nutzen zu können, hat sich AMD zahlreiche Techniken einfallen lassen. Eine davon ist "Smart Fetch". Mit "Smart Fetch" kann der L3-Cache Daten aus dem L1- und L2-Cache auslesen. Wenn ein Prozessorkern diese Daten braucht, kann er sie sich aus dem L3-Cache nehmen und muss nicht einen anderen Kern aufwecken, der diese Informationen vielleicht in seinem L1- oder L2-Cache gespeichert hat. Kommt es häufig zu Fehlern im Cache, beispielsweise durch defekte Transistoren, können bestimmte Bereiche durch "L3 Cache Index Disable" abgeschaltet werden. So kann die Integrität der Daten gewährleistet werden, auch ohne das eine CPU direkt ausgetauscht werden muss. Die Größe des L1- und L2-Caches bleibt mit 2x 64 kB und 512 kB unangetastet.

Den Angaben von AMD zufolge arbeitet der Phenom II mit einer Spannung von 0,875 bis hin zu 1,5 Volt. Mit Cool'n'Quiet und im C1E-State wird die Spannung auf 1 Volt abgesenkt. Bisher ist der Phenom II X4 965 mit 1,4 Volt der Prozessor mit der höchsten Default-Spannung. Auch wenn AMD bis zu 1,5 Volt angibt, ist es schwer vorstellbar, dass künftig eine CPU ab Werk mit dieser Spannung ausgeliefert werden wird.

Noch immer für mehr oder weniger große Verwirrung und Missverständnisse sorgt die Einstellung des Speichers, ob dieser im Ganged- oder Unganged-Modus betrieben werden soll. Im Ganged-Modus werden die Module des Arbeitsspeichers zusammen angesprochen, ähnlich wie bei Dual-Channel, im unganged Modus getrennt voneinander. In technischen Daten ausgedrückt bedeutet dies, dass der 128 Bit breite Speichercontroller im Unganged-Modus mit 2x 64 Bit arbeitet und im Ganged-Modus mit den vollen 128 Bit. Beides bedeutet allerdings immer noch, dass Dual-Channel aktiv ist, auch wenn dies einige Mainboards und Programme falsch anzeigen. Dies gewinnt vor allem bei Multi-Threaded-Anwendungen an Bedeutung, weil dann jeder Prozessorkern entsprechend seiner Aufgaben auf den Speicher zugreifen kann, ohne zu warten, dass ein anderer Prozessorkern diesen freigibt. Der Unganged-Modus eignet sich also besonders bei Multi-Threaded-Anwendungen, während der etwas schnellere Ganged-Modus  für Single-Threaded-Anwendungen empfehlenswert ist. In der Praxis eignet sich der Ganged-Modus für die meisten Anwendunden wie Spiele. Große Unterschiede sind aber nicht zu erkennen bzw. sind nur messbar dürften in der Praxis aber keinen Ausschlag geben.



Für AMD besonders wichtig ist die Kompatibilität zwischen Sockel AM2+ und AM3. So ist es möglich einen AM3-Prozessor sowohl auf einem AM2+- als auch auf einem AM3-Mainboard einzusetzen. Alle AM3-Prozessoren besitzen einen DDR2/DDR3-Speichercontroller und können daher mit beiden Speichertypen umgehen. Kommt eine AM3-CPU auf einem AM2+-Mainboard zum Einsatz, so kann dann DDR2-Speicher verwendet werden. Auf einem AM3-Mainboard folglich dann DDR3-Speicher. Einige Mainboardhersteller haben bereits Mainboards angekündigt, die auf dem Sockel AM3 beruhen, aber die Möglichkeit bieten sowohl DDR2- als auch DDR3-Speicher einzusetzen.

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AMD macht einen etwas unentschlossenen Eindruck, wenn es um das Thema DDR3 geht. Vollmundig wurden die neuen AM3-Prozessoren vorgestellt und es war die Rede von einer Leistungssteigerung von bis zu vier Prozent. Kurz darauf  macht man aber eine Art Rückzieher, denn AMD erweckte den Eindruck, als würde man die AM3-Prozessoren am liebsten verstecken. In einer Telefonkonferenz sprach AMD davon, dass DDR3-Speicher noch zu teuer und die zu Beginn verfügbaren Mainboards zu unausgereift seien. Das muss wie ein Schlag ins Gesicht für alle Mainboardhersteller gewesen sein, obgleich diese auch so ihre Probleme hatten, Mainboards mit Sockel AM3 pünktlich auf den Markt zu bringen. Weniger Probleme hatten die Hersteller mit der Kompatibilität zu den neuen Prozessoren ihrer AM2+-Platinen. Bereits frühzeitig, teilweise schon weit vor dem öffentlichen Launch Anfang Januar, stellten sie BIOS-Updates zur Verfügung die nahezu alle Mainboards befähigten auch die neuen AM3-Prozessoren aufzunehmen.

Ein viel zitiertes Argument für den Einsatz von DDR3-Speicher ist der Stromverbrauch. Richtig ist, dass DDR3-Speicher mit einer niedrigeren Spannung angesprochen wird als DDR2-Speicher. Dies lässt vermuten, dass dadurch auch der Stromverbrauch gesenkt werden kann. In der Theorie ist das auch soweit richtig, in der Praxis aber zeigen sich kaum bis keine Unterschiede. Grund hierfür sind zahlreiche Faktoren, die letztendlich dafür sorgen, dass der Stromverbrauch in einem Desktop-System kein Argument für DDR3-Speicher ist.

Sockel_AM2_rs Sockel_AM3_rs

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Ein schnellerer Speicherstandard bedeutet zunächst einmal nur, dass die theoretische Speicherbandbreite deutlich ansteigt. Dabei handelt es sich aber um einen sehr theoretischen Wert, der aus dem Takt der Speicherzellen und dem I/O-Takt errechnet werden kann. Vergleicht man nun DDR2-800 und DDR3-1600 Speichermodule anhand ihrer Speicherbandbreite, könnte von einer Verdopplung der Speicherperformance ausgegangen werden.

Dies entspricht aber nur teilweise der Realität, denn die theoretischen Speicherbandbreiten beziehen sich auf Anwendungsgebiete in denen beispielsweise eine große Datei in den Speicher geschrieben oder gelesen wird. In der Realität sind es aber oftmals unzählige kleine Dateien die in den Speicher geschrieben oder aus ihm gelesen werden. Hier kommt dann eine weitere wichtige Größe im Umgang mit Arbeitsspeicher zum tragen, die Latenzen oder auch Timings genannt. Die im Arbeitsspeicher abgelegten Daten sind in Speichertabellen einsortiert. Um an die entsprechenden Daten zu gelangen, muss der Speichercontroller also wissen in welcher Zeile und Spalte die entsprechenden Informationen abgelegt sind. Die Timings bestimmen letztendlich wie schnell diese Suche nach dem richtigen Speicherort vonstattengeht. Hier wird dann auch deutlich warum in gewissen Anwendungsbereichen die Latenzen eine wichtige Rolle spielen. Bei vielen kleinen Dateien fällt die Speicherbandbreite weniger ins Gewicht, denn die Suche nach der richtigen Stelle in der Speichertabelle nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Übertragung der Daten.

Die Berechnung der Latenzen ist im Grunde sehr einfach. Arbeiten die Speicherzellen zum Beispiel mit einem Takt von 200 MHz, so können sie 200 Millionen mal pro Sekunde den Zustand ihrer Speicherzellen ändern. Um nun zu bestimmen wie schnell Zugriffe auf die Speichertabelle möglich sind, ist aber der I/O-Takt von entscheidender Bedeutung. Bei DDR3-1600 entspricht dieser 800 MHz, also 1,25 ns. Im SPD des Speichers bzw. in dessen technischen Spezifikationen sind nun die Anzahl der Zyklen angegeben, die nötig sind um durch die Adressierung an die entsprechende Stelle der Speichertabelle zu kommen. Wird der Speicher also mit einer CAS Latency (Column Address Strobe) von CL4 angesprochen, entspricht die Latenz dem Wert 5 ns (4x 1,25 ns). Dies gilt dann analog bei allen anderen angegebenen und einstellbaren Timings. Dies erklärt dann auch, wie es dazu kommen kann, dass trotz gleichem Takt der Speicherzellen, DDR3-Speicher mit höheren I/O-Takt schneller sein kann als DDR2-Speicher mit gleichem Takt der Speicherzellen. Gleichzeitig aber wird auch deutlich, warum DDR3-Speicher nicht mit der Speicherbandbreite, die ihm zugrunde liegt, proportional dazu schneller ist. Letztendlich zeigt sich die Wichtigkeit der Speichertimings.


Speicherart effektiver Takt Takt der Zellen I/O-Takt Übertragungsrate
DDR2-800 800 MHz 200 MHz 400 MHz 6,4 GB/Sekunde
DDR2-1066 1066 MHz 266 MHz 533 MHz 8,5 GB/Sekunde
DDR3-800 800 MHz 100 MHz 400 MHz 6,4 GB/Sekunde
DDR3-1066 1066 MHz 133 MHz 533 MHz 8,5 GB/Sekunde
DDR3-1333 1333 MHz 166 MHz 667 MHz 10,6 GB/Sekunde
DDR3-1600 1600 MHz 200 MHz 800 MHz 12,8 GB/Sekunde
DDR3-1800 1800 MHz 225 MHz 900 MHz 14,4 GB/Sekunde
DDR3-2000 2000 MHz 250 MHz 1000 MHz 16 GB/Sekunde

DDR2 und DDR3 besitzen nicht nur unterschiedliche Spannungen und physikalische Unterschiede beim Sockel der CPU, sondern auch technische Differenzen. So liegt der Zellentakt der DDR3-Module nur halb so hoch. Um dieselben Datenraten zu erreichen, werden 8 anstatt 4 Bit pro Taktflanke übertragen. DDR3 kann, wenn der Zellentakt erhöht wird, somit eine doppelt so hohe Übertragungsrate zur Verfügung stellen. Die Bandbreite kann weiter gesteigert werden, wenn zwei Module im Dual-Channel-Betrieb zusammenarbeiten. So überträgt der Speichercontroller des Phenom II bei DDR2-800 mit zwei Modulen 12,8 GB pro Sekunde. Intels Core i7 besitzt sogar ein Triple-Channel-Interface, hier können also drei Speicherkanäle angesprochen werden. Allerdings ist nicht nur die Übertragungsrate ein Hauptkriterium für die Leistung des Systems, sondern auch die Zugriffszeiten der Speicherchips, also die Latenzen.

Folgende Tabelle soll den Zusammenhang von Speichertakt, Timings und Latenzen verdeutlichen:

Speicherart Timing I/O-Takt Zykluszeit Latenz
DDR2-800 CL4 400 MHz 2,5 ns 10 ns
CL5 400 MHz 2,5 ns 12,5  ns
CL6 400 MHz 2,5 ns 15 ns
DDR2-1066 CL4 533 MHz 1,876 ns 7,5 ns
CL5 533 MHz 1,876 ns 9,38 ns
CL6 533 MHz 1,876 ns 11,25 ns
CL7 533 MHz 1,876 ns 13,13 ns
DDR3-800 CL7 400 MHz 2,5 ns 17,5 ns
CL8 400 MHz 2,5 ns 20 ns
DDR3-1066 CL7 533 MHz 1,876 ns 13,13 ns
CL8 533 MHz 1,876 ns 15 ns
DDR3-1333 CL6 667 MHz 1,5 ns 9 ns
CL7 667 MHz 1,5 ns 10,5 ns
CL8 667 MHz 1,5 ns 12 ns
CL9 667 MHz 1,5 ns 13,5 ns
DDR3-1600 CL6 800 MHz 1,25 ns 7,5 ns
CL7 800 MHz 1,25 ns 8,75 ns
CL8 800 MHz 1,25 ns 10 ns
CL9 800 MHz 1,25 ns 11,25 ns
DDR3-1800 CL7 900 MHz 1,11 ns 7,78 ns
CL8 900 MHz 1,11 ns 8,89 ns
CL9 900 MHz 1,11 ns 10 ns
DDR3-2000 CL7 1000 MHz 1 ns 7 ns
CL8 1000 MHz 1 ns 8 ns
CL9 1000 MHz 1 ns 9 ns

Sehr deutlich zeigt sich hier, dass erst aktueller High-End-DDR3-Speicher ab einer Taktung von 1600 bis 2000 MHz und möglichst niedrigen Timings im Bereich der Latenzen an den zuletzt verwendeten DDR2-Speicher heranreichen kann. Niedrige Latenzen sorgen für den zügigen Zugriff auf die Daten im Arbeitsspeicher, während sich die immer größer werdende Übertragungsrate besonders bei großen Datenmengen positiv auswirkt. Es gilt also, einen guten Kompromiss aus niedriger Latenz und hoher Übertragungsrate zu finden.

Beim Übergang von DDR2 auf DDR3 gilt es einen Kompromiss aus Speicherbandbreite und Latenzen zu finden, die auch zu einem Performancezuwachs führen. Nehmen wir beispielsweise ein übertaktetes AM2-System mit sehr schnellem DDR2-Speicher, sowohl im Bereich der Taktung als auch bei den Timings. Hier ist es derzeit noch sehr schwer ein entsprechend performates DDR3-System auf Basis des AM3 zu finden, da sowohl der Speichercontroller der AM3-Prozessoren als auch das BIOS der aktuell verfügbaren Mainboards nicht ganz ausgereift scheinen. Bei DDR3-1600 ist meistens Schluss und selbst dieses Ergebnis kann oft nur mit einigen Tricks erreicht werden. Die Timings bewegen sich dann allerdings auch auf sehr hohem Niveau. Wir konnten DDR3-1600 nur mit Timings von 9-9-9-24 erreichen, obwohl der von uns verwendete DDR3-Speicher deutlich höhere Taktraten und niedrigere Timings vertragen hätte. Die Benchmarks auf der nächsten Seite weisen den AM3-Prozessoren mit DDR3-Speicher zwar immer sehr gute Ergebnisse aus, hin und wieder schiebt sich aber auch noch DDR2-Speicher dazwischen. Doch die Abstände sind in jedem Fall sehr gering und rechtfertigen nicht immer den Aufpreis für CPU, Mainboard und Arbeitsspeicher.


Nun wollen wir uns die eben besprochene Theorie auch einmal in praktischen Werten anschauen.

Bench_DDR2-DDR3_1

Wie im Text erwähnt, spielen für die Speicherbandbreite Latenzen und Timimgs kaum eine Rolle. So kann hier der DDR3-Speicher mit 1600 MHz sein Leistungspotenzial in diesem Bereich voll ausspielen.

Bench_DDR2-DDR3_2

Geht es allerdings darum mit möglichst niedrigen Latenzen aufzutrumpfen, ist nicht immer der nominell schnellste Speicher in diesem Bereich auch der beste. So mogelt sich der DDR2-800 mit Timings von 4-4-4-12 an die dritte Position und kann es auch mit schnellem DDR3-Speicher aufnehmen.

Bench_DDR2-DDR3_3

In vielen mehr oder weniger praktischen Anwendungen spielt eine Mischung aus Speicherbandbreite und Latenzen eine entscheidende Rolle. Dies ist hier deutlich zu sehen, wo Speicher mit niedrigen Timings vor gleichschnellem Speicher mit höherer Bandbreite zu finden ist. Allerdings zeigt dies auch, dass sich der Vorteil von niedrigen Latenzen in gewisser Weise auch durch eine höhere Bandbreite kompensieren lässt.


Für die Testsysteme der verschiedenen Plattformen verwendeten wir wo möglich identische Komponenten, um die Abweichung möglichst auf den Prozessor zu beschränken. So kamen für alle Systeme die folgenden Komponenten zum Einsatz:

Weiterhin haben wir versucht, die Systeme möglichst optimal einzustellen, ohne sie über ein normales Maß hinaus zu tweaken oder zu übertakten. So wurden gute Timings verwendet, ohne allerdings den Speicher besonders zu tunen, da hierdurch leichte Performanceverschiebungen entstehen können. Kleinere Änderungen in der Ausstattung der Systeme lassen sich jedoch nicht verhindern, da beispielsweise ein X58-System drei Speichermodule für den Triple-Channel-Betrieb verwendet. Daraus resultiert ein Speicherausbau von 6 statt 4 GB, der bei einigen wenigen Applikationen durchaus einen Geschwindigkeitsvorteil bringen kann.

Die Plattformen in der Übersicht:

AMD Phenom II X4 965

Intel Core2 Quad Q9550s und E8400

Intel Core i7-9xx

Es wurden zum Testzeitpunkt aktuelle Treiber und entsprechend ein frisch installiertes System verwendet. Weiterhin haben wir auch alle Benchmarks neu durchgeführt und wenn möglich mit aktuellen Softwareversionen und Patches getestet.

Ohne große Umschweife wollen wir an dieser Stelle einen Blick auf die ersten Benchmarks werfen.

Bench_StromIdle

Beim Stromverbrauch ohne Last kann der AMD Phenom II X4 965 überzeugen und verbraucht deutlich weniger als die gesamte Core-i7-Riege.

Bench_Strom2DLoad

Aber bereits unter 2D-Load, also Volllast auf der CPU, zeigen sich die maximalen 140 Watt recht deutlich.

Bench_StromLast

Ist dann das gesamte System unter Last, verbraucht nur noch der Intel Core2 Quad Q9550 mehr Strom als der Phenom II X4 965.


Bench_Vantage

Im ersten synthetischen Benchmark muss sich der neue AMD Phenom II X4 965 den Core-i7-Modellen geschlagen geben.

Bench_VantageCPU

Und auch wenn nur die CPU-Performance bewertet wird, zeigt sich ein deutlicher Abstand für alle Core-i7-Prozessoren, sogar der Core2 Quad zieht vorbei.

Bench_PCMark

Im PCMark Vantage dann wieder ein Bild, wie wir es schon von der 3DMark-Suite her kennen. Wieder liegen alle Core-i7-Modelle vor dem AMD-Prozessor.

Bench_Cinebench

Der Cinebench R10 lässt ein Bild von allen verfügbaren Prozessor-Kernen rendern. Hier können die Core-i7-Prozessoren ihre Stärken besonders gut ausspielen und setzen sich an die Spitze. Für den AMD Phenom II X4 965 reicht es wieder nur für einen Platz dahinter.

Bench_Frybench

Auch im Frybench setzen sich die Core-i7-Modelle deutlich ab. Zumindest den Core2 Quad kann der Phenom in Schach halten.


Bench_iTunesMP3

Wenn es um die Konvertierung einer MP3-Datei in iTunes geht, ist der AMD Phenom sicher nicht die beste Wahl.

Bench_iTunesACC

Und auch im ACC-Codec scheinen die Intel-Prozessoren die besseren Befehlssätze zu haben.

Bench_POV-ray

Dieses Bild kennen wir schon von einigen anderen Benchmarks. Zumindest aber kann der AMD Phenom II X4 965 hier den Abstand zum ersten Core i7 etwas verkürzen.

Bench_SiSoft

Wieder deutlicher im Vorteil sind die Core-i7-Modelle bei SiSoft Sandra. Allerdings hat der AMD Phenom hier auch etwas Abstand zu den übrigen beiden Intel-Prozessoren.

Bench_SuperPi

SuperPi scheint keine große Stärke von AMD zu sein und so liegt das neue Phenom High-End-Modell hier abgeschlagen am Ende des Testfelds.


Bench_TrueCrypt

Einzig die Anzahl der Kerne kann den AMD Phenom II X4 965 hier vor dem letzten Platz retten, denn sonst hätte ihn der Core2 Duo sicher auch noch schlagen können.

Bench_Unigine

Die Abstände in diesem Benchmark sind derart gering, dass sogar der Intel Core2 Duo E8400 einmal an der Spitze liegt.

Bench_7-zip

Auch hier zeigt sich wieder, dass gegen die Core-i7-Modelle derzeit kein Herankommen ist.

Bench_WinRAR

Ein ähnliches Bild wie in 7-zip zeigt auch hier, doch zusätzlich drängt sich auch noch der Core2 Quad vor den AMD-Prozessor.

Bench_wPrime

Der wPrime-Benchmark stellt dann wieder die alte Reihenfolge her.


Bench_Company

Der erste Gaming-Benchmark mischt das Testfeld dann das erste einmal komplett durcheinander. Dennoch reicht es für den AMD Phenom II X4 965 nur für einen der hinteren Plätze.

Bench_FarCry

Etwas geordneter geht es hingegen unter Far Cry 2 zu. Doch für den AMD-Prozessor bedeutet dies wieder nichts Gutes.

Bench_GTA4

Wieder etwas besser sieht es hingegen in GTA 4 aus. Zwar dominieren noch immer die Core-i7-Modelle, der Phenom 965 kann aber zumindest dichter aufrücken.

Bench_Juarez

Die Abstände in Call of Juarez sind wieder denkbar knapp und so spült es auch die ein oder andere CPU nach vorne, die wir bisher noch nicht hier gesehen haben.

Bench_Resident

Der automatische Benchmark von Resident Evil 5 stellt dann die alte Ordnung wieder her.

Bench_StreetFighter

Wieder etwas knapper wird es in Street Fighter IV, aber dennoch halten sich die Core-i7-Prozessoren an der Spitze.


Da es sich bei der hier getesteten CPU um ein Modell aus der Black Edition handelt, wollen wir uns es auch nicht nehmen lassen ihr im Overclocking etwas auf den Zahn zu fühlen.

CPU-Z_OC

Da AMD die Spannung bereits ab Werk auf 1,4 Volt angehoben hat, bleibt uns nur weiter an dieser Stelle zu arbeiten. Um einen stabilen Betrieb mit 3,8 GHz zu gewährleisten, mussten wir allerdings 1,55 Volt anlegen, was unsere Luftkühlung schon arg ins Schwitzen brachte. Einen dauerhaften Betrieb empfehlen wir bei dieser Spannung nicht - zumindest nicht ohne eine Wasserkühlung. Dem Prozessor ist deutlich anzumerken, dass er bereits ab Werk sehr hoch getaktet wird und daher auch die erhöhte Spannung benötigt. Beim Overclocking tritt dies dann noch deutlicher zutage.

Doch nicht nur das Overclocking ist ein beliebtes Thema, auch das Undervolting erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wir haben an dieser Stelle einmal versucht den Prozessor mit weniger Spannung bei 3,4 GHz zu betreiben als AMD das vorsieht.

CPU-Z_undervolting

Erstaunlicherweise gelang uns dies bei einer Spannung von 1,245 Volt. Der Stromverbrauch das Gesamtsystem sank dabei um fast 5 Watt im Idle-Betrieb. Unter Last wurde dies noch deutlicher und wir konnten fast 30 Watt einsparen. Noch deutlicher wird aber der Unterschied bei den Temperaturen. Während wir mit den vollen 1,4 Volt noch etwa 57 °C messen konnten, waren es bei 1,245 Volt nur noch 46 °C.


Eines war bereits von Anfang an klar: Die Performance-Krone wird sich AMD mit dem Phenom II X4 965 nicht aufsetzen können. Zumindest aber kann AMD behaupten, den derzeit am höchsten getakteten 45-nm-Prozessor am Markt zu haben. Ein großer Pluspunkt für AMD ist sicherlich der Preis von 200 Euro. Selbst das kleinste Core-i7-Modell 920 wird derzeit mit 230 Euro gelistet, den Preis für das Mainboard und den Speicher muss man natürlich auch noch mit einbeziehen.

AMD_965_rs

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Trotz des guten Preis-Leistungsverhältnisses dürfen wir die Probleme des Phenom II X4 965 nicht vergessen. Dies wäre zum einen die nur mäßige Leistung gegenüber den derzeit schnellsten Intel-Prozessoren. Hinzu kommt der hohe Stromverbrauch unter Last, der in Zeiten immer teurer werdender Energiepreise fast schon unangebracht wirkt. Mit 1,4 Volt an Prozessor-Spannung und einem Takt von 3,4 GHz wird mit AMDs Prozessor zusätzlich nicht jeder Kühler fertig, zumal AMD eine maximale Temperatur von 62 °C ausgibt.

Es bleibt zu hoffen das sich AMD für die nähere Zukunft etwas einfallen lässt, um wieder mit Intel mithalten zu können.

Positive Aspekte des AMD Phenom II X4 965 Black Edition:

Negative Aspekte des AMD Phenom II X4 965 Black Edition:

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