Aluminium MacBook im Test

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Auch wenn derzeit die Finanzmarktkrise die Schlagzeilen beherrscht und dunkle Schatten auf die Konjunktur wirft, ließ es sich Apple am 14. Oktober - die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern - nicht nehmen, seinen MacBooks die langersehnte Frischzellenkur zu verpassen. Unter dem Motto "The spotlight turns to notebooks" lud Steve Jobs ausgewählte Pressevertreter in die Town Hall nach Cupertino. Erschreckend war einmal mehr, wie haargenau die Gerüchteküche bereits im Vorfeld die Neuheiten prognostiziert hat. Praktisch die komplette Keynote nebst kleinster Details wie dem neuen 24-Zoll-Cinema-Display wurden korrekt vorhergesagt. Nach der ersten Begegnung mit dem neuen MacBook im Rahmen des Special-Events, mussten wir uns etwas gedulden, bevor wir selbst einmal Hand an den jüngsten Apple-Sprössling legen konnten.

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Bevor wir mit dem eigentlichen Review beginnen wollen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Eckdaten des neuen MacBook werfen:

 

 

Wo jetzt soweit alles geklärt ist, heißt es: "Bühne frei für das MacBook".


Wie man es von Apple gewohnt ist, präsentierte sich das uns zur Verfügung gestellte MacBook als Gesamtkonzeption, denn nicht nur das Gerät an sich ist ein Augenschmaus, auch die Verpackung kann sich mehr als sehen lassen und hinterlässt insgesamt einen sehr edlen Eindruck.

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Aus einem Block Aluminium gefertigt, misst der neueste Sprössling aus Cupertino 2,41 x 32,5 x 22,7 cm und bringt 2,04 kg auf die Waage. Durch den Einsatz von Metall anstatt des sonst üblichen Plastiks wirkt das MacBook nicht nur leichter und dünner, sondern vor allem auch stabiler. Nirgends lassen sich störende Spalten oder mangelnde Verarbeitung feststellen, was auch damit zusammenhängt, dass die Fertigung nun aus einem Stück Aluminium geschieht und nicht mehr viele Teile beim Gehäuse kombiniert werden müssen. Der Displaydeckel schließt sehr sauber mit dem Rest des Gehäuses ab und auch das am Rücken des Metallgehäuses angebrachte Scharnier macht einen sehr stabilen Eindruck. Über eine kleine Aussparung an der Vorderseite des Gehäuses lässt sich der mit einem Magneten gehaltene Deckel öffnen. Abgerundet wird die neue Designsprache von einer schwarzen, hintergrundbeleuchteten Tastatur, einem 13,3 Zoll großen LED-Display (1280x800 Pixeln) mit Glasfront sowie einem Trackpad mit Gestenerkennung. Die obligatorische iSight-Kamera darf natürlich auch nicht fehlen.

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An Anschlüssen bringt es Gigabit Ethernet, zwei USB-2.0-Schnittstellen, Audio-In, Audio-Out und die Sicherung für ein Kensington Lock mit. Eingespart hat Apple allerdings den FireWire-Port, was für kontroverse Diskussionen sorgt. Allerdings muss hier das letzte Wort noch nicht gesprochen sein, denn mit dem in der Entwicklung befindlichen IEEE-1394c-Standards soll es möglich sein, FireWire über das Ethernet zu nutzen. Notwendig wäre dann allerdings ein passender Adapter sowie die Unterstützung des entsprechenden Protokolls.

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Beim Anschluss geht Apple nicht nur neue, sondern vor allem auch eigene Wege. Im Gegensatz zu früher kommt nämlich nicht mehr ein mini-DVI-Port zum Einsatz, sondern der sogenannte Mini DisplayPort. Dieser scheint zwar Pin-kompatibel zum eigentlichen VESA-Standard zu sein, setzt allerdings auf eine verkleinerte Bauform. Letztere in Verbindung mit der Möglichkeit, Bildschirme mit einer Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln anzuschließen, waren wohl ausschlaggebend dafür, dass der Mini-DVI-Anschluss das Zeitliche segnen musste.

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Alles in allem bedarf es nicht mehr vieler Worte. Das Gerät reiht sich nahtlos in die zeitlose Apple-Designsprache ein. Zwar heißt es ja immer, dass Design Geschmacksache sei, aber das MacBook ist in diesem Zusammenhang über alle Zweifel erhaben. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die hervorragende Verarbeitung - hier wackelt und klappert nichts. Abgesehen von den dezenten Lüftungsschlitzen und der versteckten Schnittstellenklappe ist das Metallgehäuse ein monolithisches Gebilde und wirkt wie aus einem Guss.


Beim Bedienkonzept setzt Apple zum einen auf die vom MacBook Air bekannte, schwarze Tastatur, die - wenn auch nur beim Top-Modell - eine Hintergrundbeleuchtung besitzt und zum anderen auf ein überdimensionales Trackpad mit Gestenerkennung. Der Hellligkeitssensor des Keyboards befindet sich links neben der iSight-Kamera und reagiert mit angenehmer Verzögerung auf die Änderung der Lichtverhältnisse. Die Tasten der Tastatur sind mit gebührendem Abstand (4 mm) voneinander abgegrenzt, bieten einen angenehmen Anschlag und eigenen sich ohne Einschränkung zum Tippen längerer Texte.

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Beim Trackpad führt Apple den mit dem MacBook Air eingeschlagenen Weg fort und verbaut nun endlich auch beim kleinen Bruder ein Multi-Touch-Trackpad mit Gestenerkennung. Dieses besteht nicht nur aus einer Glasoberfläche - besseren Gleiteigenschaften geschuldet -, sondern verzichtet auch ganz auf die obligatorische Maustaste. Geklickt wird mit dem kompletten Bedienelement, wobei der Druckwiderstand in Richtung Tastatur stetig zunimmt. Aktuell hält sich die Anzahl der unterstützten Gesten zwar noch in Grenzen, zukünftig dürfte hier aber deutlich mehr möglich sein. Beispielvideos in den Systemeinstellungen zeigen auf, was möglich ist

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Nicht nur der fehlende FireWire-Anschluss bei den neuen MacBooks sorgt für viel Kritik, auch am Glossy-Display scheiden sich die Geister. Doch ebenso wie beim ersten MacBook lässt sich auch jetzt sagen, dass die satten Farben und die hohe Helligkeit für die Spiegelung entschädigen. Allerdings kommt beim Alu-Modell erschwerend hinzu, dass die gesamte Bildschirmoberfläche in Glas gefertigt ist und somit den "Spiegeleffekt" noch verstärkt. Somit bleibt es eine Geschmacksfrage, ob man Glossy-Displays mag oder nicht - wer allerdings einen mobilen Mac einsetzen möchte, hat zukünftig leider keine große Wahl mehr, da nun auch das MacBook Pro über ein verspiegeltes Display verfügt. Der Fehlwinkel unseres Testmusters lässt sich als "befriedigend - gut" einstufen. Insbesondere bei vertikalen Fehlwinkeln verändert sich die Darstellung merklich.


Im Gegensatz zu den alten Kunststoff-Modellen überzeugte uns der Sound des Aluminium MacBooks im Test. Zu viel sollte man von seinem mobilen Alu-Mac aber nicht erwarten. Klanglich ordnet sich das jüngste MacBook deutlich hinter aktuellen Gaming-Notebooks ein, die häufig über fünf Lautsprecher samt Subwoofer verfügen, dafür aber auch um einiges schwerer sind.

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War eines der größten Mankos der bisherigen MacBooks immer die schwachbrüstige Intel-Grafik, verbaut Apple in der Neuauflage des "beliebtesten Macs aller Zeiten" NVIDIAs 9400M. Die Cupertiner versprechen eine bis zu fünffache Geschwindigkeit gegenüber dem Intel-Chipsatz im alten MacBook. Dafür zeigt sich die Grafik 256 Megabyte vom Arbeitsspeicher ab. Ganz überraschend kam der Abschied von Intel zwar nicht, dürfte bei den Pentium-Vätern allerdings sicherlich für einige Verstimmungen gesorgt haben. Auch wenn sich Apple wie gewohnt mit Informationen zurückhält, scheint der "Flirt" mit NVIDIA schlicht und einfach in der deutlichen besseren Grafikperformance der integrierten Chipsätze begründet liegen.

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Neben der Unterstützung für den 1066 MHz schnellen Frontside Bus besitzt der NVIDIA-Chip ein Zweikanal-Speicherinterface, welches neben DDR2- auch mit DDR3-Modulen umgehen kann. Letztere kommen im neuen MacBook aufgrund ihrer geringeren Leistungsaufnahme zum Einsatz. Ebenfalls mehr als erfreulich ist die Tatsache, dass der 9400M auch über eine Hardware-Beschleunigung von h.264-Videos zu verfügen scheint, so berichtet es zumindest MacRumors.com. Im Inneren verrichtet weiterhin ein Core 2 Duo von Intel auf Penryn-Basis sein Werk, der in Spitze bis zu 2,4 GHz erreicht. Auch in Puncto Festplatte hat Apple nachgerüstet und verbaut - je nach Ausstattung HDDs mit 5400 rpm oder gar SSD-Laufwerke. Letztere sind als "Build to Order"-Option nachrüstbar.


Im Test mit der CPU- und Speicherintensive Benchmark-Suite Geekbench liegt das Aluminium MacBook mit 3070 Punkte ungefähr auf dem Niveau seines gleich getakteten Vorgängers, der auf 3046 Punkte kommt. Der Vorteil des leicht schnelleren Frontside Bus - 1066 gegenüber 800 MHz -fällt also wesentlich geringer ins Gewicht, als man es bei einem Blick auf die Zahlenwerte meinen könnte.

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Die integrierte Chipsatz-Grafik kann sich wirklich sehen lassen, zwar erreichte der GeForce 9400M in unseren Tests nicht die von Apple proklamierte 5-fache Leistungssteigerung gegenüber Intels aktueller Chipsatzgrafik, war aber wesentlich schneller als das Pendant im bisherigen MacBook. Der im Aluminium MacBook verbaute Grafikchip erreicht subjektiv betrachtet ungefähr die Performance aktueller Einsteiger-Grafikkarten und stellt ältere Videospiele - beispielsweise World of Warcraft - ruckelfrei dar


Haben Ingenieure bei Notebooks der "Kompaktklasse" meist mit der Wärmeentwicklung entsprechender Geräte zu kämpfen, konnte uns das MacBook in dieser Hinsicht positiv überraschen. Bei herkömmlicher Nutzung wird das Gerät rund 31 °C warm und auch unter Last werden niemals bedenkliche Temperaturen erreicht. Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang stets bedenken, dass Apples Alu-Notebooks von Haus aus etwas wärmer werden als viele Konkurrenten, da die gesamte Gehäuseoberfläche zur Abführung der Wärme genutzt wird. Das neue MacBook behält aber nicht nur insgesamt einen recht kühlen Kopf, sondern werkelt zudem noch leise vor sich hin. Im typischen Office-Betrieb rotiert der Lüfter quasi nie und auch unter Last dauert es seine Zeit bis die Kühlung anspringt. Über die Akkulaufzeit lässt sich bekanntlich nur sehr schwer eine objektive Aussagen treffen. Während Apple selbst bis zu fünf Stunden bei "drahtloser Produktivität" verspricht, kamen wir während unseres Tests je nach Nutzungsart auf rund vier bis fünf Stunden - was problemlos für längere Zugfahrten genügt.

Ohne jeden Zweifel ist Apple mit der Neuauflage seines MacBooks wieder einmal ein großer Wurf gelungen, zumindest im Bezug auf das zeitlose Design. Ein wahrer Hingucker, der überall für Staunen, ob seiner geringen Ausmaße und guten Verarbeitung sorgt. Dank seiner schlanken Aluminiumhülle - die aus einem Stück gefräst wird - wirkt das MacBook nicht nur edel, sondern setzt auch in Punkto Qualität und Stabilität neue Maßstäbe. Vorbei sind die Zeiten von leicht zerkratzenden und brüchigen Plastikoberflächen. Die grandiose Tastatur, das innovative Glas-Trackpad mit Gestenerkennung sowie die performantere Grafikeinheit runden das Gesamtbild ab. Allerdings hat auch das neue MacBook seine Schattenseiten; der fehlende FireWire-Port sowie das „spiegelnde“ Display sorgen für Kontroversen.

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Alles in allem ist das neue Aluminium MacBook nicht nur ein faszinierend schönes Gerät, das seines Gleichen sucht, sondern kann auch mit seinen inneren Werten bestechen. Der Wechsel von Intel zu NVIDIA hat der Performance - vor allem der 3D-Leistung - merklich gut getan. Wer sich also mit dem Fehlen von FireWire und dem Glossy-Display abfinden kann, der wird mit dem MacBook seine wahre Freude haben.

Positive Aspekte

Negative Aspekte

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