Test: Toshiba NB550D - Netbook mit AMD Brazos C-50 und Harman Kardon-Sound

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toshiba_nb550_teaserLuxus meets Netbook? Für viele wird das sicherlich ein Widerspruch sein. Dass dem aber nicht zwangsläufig so ist, hat ASUS bereits in der Vergangenheit gezeigt und möchte nun auch Toshiba mit seinem NB550D zeigen, das nicht nur mit AMDs Fusion-Plattform, sondern auch mit einem erstklassigen Sound undnicht zuletzt einem hochwertigen Case begeistern möchte. Ob der Plan aufgeht, wird sich aber erst noch zeigen müssen.

 

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Netbooks haben aktuell unbestreitbar einen schweren Stand. Manches Slimline-Notebook ist gar nicht so viel teurer, aber wesentlich besser für den produktiven Einsatz nutzbar und schlussendlich auch einfach deutlich flotter. Auf der anderen Seite werden alle Nutzer, die das Netbook in erster Linie im Wohnzimmer zum Surfen verwendet haben, von den Pads abgeworben, die aktuell schlichtweg den deutlich hipperen Touch haben.

Da der Netbook-Markt für die Hersteller aber dennoch lukrativ ist, müssen sich die Produzenten etwas einfallen lassen, ein einfaches Gehäuse mit Standard-Ausstattung lockt nicht mehr zwingend genügend Kunden an. ASUS hat ein solches Vorgehen beispielsweise bei seinem EeePC 1008 mit einem Design von Karim Rashid vorgemacht. Toshiba zieht nun mit einem ebenfalls schicken Gehäuse nach, legt den Fokus aber auf das verbaute Boxensystem von Harman Kardon. So soll der 10-Zoll-Winzling einem ausgewachsenen Notebook klanglich in nichts nachstehen – wir sind neugierig. Als weitere Besonderheit setzt Toshiba auf AMDs Brazos-Plattform, man darf also gespannt sein, was als Leistung geboten wird.

Preislich positioniert Toshiba das NB550D äußerst fair: 299 Euro werden in unserem Preisvergleich aufgerufen. So hält sich der Aufpreis für die gehobene Ausstattung also durchaus in Grenzen.

 


Intel dominierte den Netbook-Markt mit seiner Atom-Plattform im Grunde genommen von Anfang an – einzig die allerersten Modelle kamen noch mit einem Celeron auf den Markt, der wurde aber schnell abgelöst. AMD hingegen blieb leider die ganze Zeit relativ farblos. Das hat sich Anfang des Jahres mit der Vorstellung der Brazos-Plattform geändert – vielleicht ein wenig zu spät. Toshiba lässt sich aber nicht beirren und stattet das NB550D mit AMDs APU aus.

 

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Das neue Akronym APU steht dabei für All Processing Unit und soll klar ausdrücken, dass der zentrale Chip eben nicht nur den rechnenden Prozessor, sondern auch eine „dedizierte“ Grafik beherbergt. Während Brazos-APUs der E-Serie für „größere“ Geräte wie Mini-PCs oder ausgewachsene Notebooks genutzt werden, ist die C-Reihe für kleinere Geräte wie eben Netbooks angedacht. Entsprechend wird von Toshiba ein AMD C-50 eingesetzt, der auf zwei Kerne zurückgreifen kann, die jeweils mit 1 GHz laufen. Der L2-Cache beläuft sich auf 1 MB. Gefertigt wird die APU im 40-nm-Verfahren und soll eine TDP von 9 Watt besitzen.

Bei der integrierten Grafik handelt es sich natürlich um eine Radeon, genauer gesagt die Radeon HD 6250, die Intels GPU der Atom-Plattform deutlich in die Schranken weisen sollte. Die GPU besitzt 80 Shader-Einheiten und einen Kern- sowie Shadertakt von 280 MHz. Einen dedizierten Grafikspeicher gibt es natürlich nicht, ihr Kurzzeitgedächtnis zwackt sich die Radeon entsprechend direkt vom Arbeitsspeicher ab. Höchstleistungen sind so zwar auch hier nicht zu erwarten, besonders interessant könnte die GPU aber aufgrund des integrierten Video Decoders (UVD 3) werden, der eine flüssige Wiedergabe von 3D-Material erlauben soll.

Bei den weiteren Ausstattungsmerkmalen orientiert sich Toshiba am aktuell gewohnten Netbook-Einheitsbrei. Die HDD bringt es auf 250 GB bei einer Umdrehungszahl von 5400 rpm. Der Arbeitsspeicher beläuft sich leider (wie bereits bei den ersten Netbooks) auf 1 GB. Hier sollten die Hersteller dringend umdenken und die Winzlinge zumindest mit 2 GB ausstatten. Ein optisches Laufwerk ist im Hinblick auf das kleine Gehäuse natürlich nicht im Programm.
Standard wird auch beim Display geboten: Das 10-Zoll-Panel wird mit einer Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten angefahren. Das schafft zwar nicht wirklich viel Platz auf dem Desktop ist bei einem 10-Zöller aber sicherlich eine ordentliche Wahl, da die Darstellung sonst recht klein werden kann. Wer mit seinem Netbook wirklich aktiv arbeiten möchte, dem empfehlen wir an dieser Stelle direkt zu einem 11- oder 12-Zöller zu greifen, die gibt es nämlich häufig schon mit 1366 x 768 Pixeln. Dass das Panel zudem stark verspiegelt ist, versteht sich im Netbook-Markt natürlich von selbst.

Der Akku bringt es abschließend auf eine Kapazität von 61 Wh, was im Zusammenhang mit der recht sparsamen Hardware lange Laufzeiten garantieren dürfte.

Eckdaten: Toshiba NB550D
Prozessor: AMD C-50
Arbeitsspeicher: 1 GB
Festplatte:

250 GB

Laufwerk: -
Grafik: AMD Mobility Radeon HD6250
Display: 10,1 Zoll - 1024 x 600
Akku: 61 Wh
Gewicht: 1,3 kg
Preis: 299 Euro
Garantie 24 Monate

 


 

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Hört man zunächst, dass das NB550D ein grünes Gehäuse besitzt, läuten alle Alarmglocken. Aber keine Angst, Toshiba hat sich für ein sehr dezentes Grün entschieden, das einen ungemein individuellen und schicken Eindruck hinterlässt. So gelingt es dem 10-Zöller auf jeden Fall, sich deutlich von der Masse abzuheben. Aber nicht nur die Farbe, auch der verwendete Kunststoff kann auf der ganzen Linie punkten. Das matte Material wirkt ungemein robust und ist unanfällig gegenüber Fingerabdrücken. Das macht das NB550D zum wesentlich unproblematischeren, ständigen Begleiter, als ein Großteil der aktuell verfügbaren Netbooks.

Liegt das NB550D geschlossen auf dem Tisch, fällt aber auf, dass das 1,3 kg schwere Netbook mit den üblichen Problemen der meisten Minis zu kämpfen hat: es wirkt aufgrund der geringen Abmessungen ausgesprochen dick. Hier gibt es aber nur wenige Geräte, die schlanker ausfallen.

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Auf der linken Seite des Gehäuses zeigt sich eine Besonderheit, die wir so bislang nur bei ION-Geräten gesehen haben: Auf eine VGA-Buchse wird verzichtet und lediglich der wesentlich zeitgemäßere HDMI-Anschluss geboten – eine gute Entscheidung, wie wir finden. Weiterhin wird auf dieser Seite ein USB-Port (leider noch USB 2.0) geboten, der Toshiba-typisch als Sleep-n-Charge-Version ausgeführt wurde. So kann beispielsweise ein Handy auch dann geladen werden, wenn das Netbook ausgeschaltet wurde. Eine RJ45-Schnittstelle und zwei Klinke-Buchsen werden weiterhin geboten.

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Die rechte Seite des Gehäuses ist recht spärlich ausgestattet. Lediglich zwei USB-Ports (ebenfalls als 2.0-Veriante aber ohne Sleep-n-Charge) gibt es hier. Alles in allem kann die Anschlussausstattung aber überzeugen. Insbesondere dank der Sleep-n-Charge-Buchse kann man sich deutlich von der Konkurrenz abheben.

 


 

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Öffnet man den 10-Zöller, wird das auffällige Grün in den Hintergrund gedrängt. Dennoch greift Toshiba die Farbe im sonst in Anthrazit gehaltenen Innenraum immer wieder auf und setzt so geschickt Spots. Als einziges Glossy-Element des NB550D ist hier der Display-Rahmen vertreten – das wird so aber häufig gehandhabt. Der unanfällige Kunststoff weiß auch hier zu gefallen und zeigt sich insbesondere im Bereich des Top-Cases als ungemein pflegeleicht – wenn das doch nur alle Hersteller von tragbaren Geräten – allen voran Toshiba im Consumer-Notebook-Segment – so handhaben würden.

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Die Tastatur zeigt angenehm große Tasten und einen präzisen Druckpunkt, der dank des flexiblen Gehäuses auch durch Flexing kaum beeinflusst wird. Leider hat das NB550D aber mit den gleichen Problemen wie so viele andere Netbooks auch zu kämpfen. Das Keyboard ist ungemein dicht gepackt, was zu einem regelmäßigen Vertippen führt. Gerade in den Randbereichen sind die Tasten deutlich zu klein ausgefallen. Hier wäre es besser gewesen, ein minimal breiteres Gehäuse zu riskieren.

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Das Touchpad setzt sich im ansonsten gelochten Kunststoff merklich ab, kann aber mit sehr guten Gleiteigenschaften und einer hohen Präzision punkten. Auch die „Maustasten“ – sonst häufig ein Schwachpunkt im Mobilbereich – wissen zu gefallen. Sie besitzen einen klaren Druckpunkt und werden von einem satten Klicken begleitet.

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Das Boxensystem wurde – ungewohnterweise – in das Top-Case integriert. Die Chassis liegen gut geschützt hinter einer Gitterabdeckung. Wird das NB550D allerdings gerade genutzt, sieht es schlecht aus mit gutem Klang, da die Handgelenke viel zu häufig über die Abdeckungen huschen. Werden die kleinen Boxen aber freigelegt, kann der 10-Zöller mit einem ungemein erwachsenen Klang aufwarten. Zwar reicht das vergleichsweise detailreiche Klangbild volumentechnisch nicht an Stand-Alone-Soundlösungen heran, im Netbook-Bereich kann man sich aber deutlich von den Konkurrenten absetzen. Wer jedoch wirklich ordentlichen Klang sucht, dem empfehlen wir noch immer den Griff zu Kopfhörern.

 


Im direkten Vergleich muss sich Toshibas aktuelles Netbook mit zahlreichen bislang getesteten Konkurrenten messen lassen. Neben den klassischen Atoms ist auch eine Dual-Core-Version des beliebten Netbook-Prozessors und ein Athlon II Neo mit von der Partie. So bekommen wir ein recht bunt gemischtes Testfeld geboten.

 

 

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Hinsichtlich der reinen CPU-Leistung kann AMDs neuer Netbook-Prozessor schon einmal keine besondere Duftmarke hinterlassen. Sowohl im Cinebench als auch bei 7-Zip ist man nur ein wenig schneller als ein „normaler“ Atom. Wirklich flott fühlt sich auch dieses Netbook nicht an, denn es entstehen immer wieder kleine Wartepausen, die man so nicht mehr gewöhnt ist.

Interessant wird es aber in der Praxis, denn während bei reinen Atom-Netbooks die Wiedergabe von HD-Material nur ruckelnd möglich ist, kann das NB550D mit einer vollends smoothen Darstellung aufwarten. Wer also auf der Suche nach einem Netbook zur reinen Medienwiedergabe ist, ist hier genau richtig.

 


 

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Die verbaute HDD liefert eine überzeugende Vorstellung und befindet sich leistungstechnisch auf der Höhe der Zeit, kann auf der anderen Seite aber auch nicht unbedingt eine Duftmarke setzen.

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Beim Speicherdurchsatz muss sich unser 10-Zöller den übrigen Plattformen klar geschlagen geben.

 


Subjektive Bewertung + iColor Display

 

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Das verbaute Panel kann mit einer überzeugenden Farbdarstellung punkten und erweist sich insgesamt als auffällig unauffällig. Hat man sich einmal an die recht beschränkte Darstellung gewöhnt, ist es einzig das Glare-Type-Panel, das immer wieder einmal für Unmut sorgt. Subjektiv reicht die Leuchtkraft dabei aber aus, um einen Großteil der anfallenden Spiegelungen zu überblenden, einzig in sehr hellen Umgebungen geht dem LED-Panel dann doch die Puste aus.

Messwerte

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Die Benchmarks zeigen Licht, aber auch Schatten. Zum einen ist das Panel mit maximal 264 cd/m² ausreichend hell, um die starke Spiegelung auszugleichen – auch wenn hier ein wenig mehr Reserven wünschenswert wären. Beeindruckend ist darüber hinaus die enorme Homogenität des 10-Zoll-Panels: einen so hohen Wert konnten wir bislang noch nie messen. Abstriche müssen hingegen leider beim Kontrastverhältnis akzeptiert werden. Auch wenn das Bild dank der Glare-Oberfläche nicht sonderlich kontrastarm wirkt, so ist ein Kontrastverhältnis von 220:1 keineswegs standesgemäß. Wirklich besser machen es aber leider nur die wenigsten Konkurrenten.

 


Akkulaufzeit

 

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Wie nicht anders zu erwarten war – die reinen Hardware-Daten haben schließlich eine deutliche Sprache gesprochen – kann das NB550D mit rundum überzeugenden Messwerten aufwarten und sich sogar an die Spitze unseres Messfeldes setzen.

Temperartur-Entwicklung

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Bei einer TDP von 9 Watt muss man sich die Abwärme keine allzu großen Sorgen machen. Das zeigen auch unsere Temperatur-Messungen, denn sowohl im Idle- als auch unter Last ist der 10-Zöller ausgesprochen kühl. Auffällig ist, dass sich das NB550D im Load-Betrieb nur wenig erwärmt.

Lautstärke-Messungen

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Mit Blick auf die geringe Erwärmung des NB550D ist es leider nicht ganz verständlich, weshalb der Lüfter so weit aufdrehen muss. Ist unser 10-Zöller im Idle noch recht zahm und macht nur sehr selten auf sich aufmerksam, ändert sich dieser Eindruck unter Volllast doch merklich – mit 46,1 dB(A) kann es das Netbook mit so manchem Gaming-Notebook aufnehmen.

 


Toshiba möchte den Netbook-Markt mit seinem NB550D aufmischen. Dieses Vorhaben ist gelungen, denn der 10-Zöller hebt sich nicht nur optisch angenehm von der Masse ab, sondern kann mit einer tollen Verarbeitung, einem erstklassigen Sound und nicht zuletzt langen Laufzeiten punkten.

 

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Toshiba hat beim NB550D den Mut etwas anders zu machen: Es werden poppige Farben, matter Kunststoff und nicht zuletzt eine andere Plattform genutzt. Dieser Mut wird belohnt, denn das Konzept des 10-Zöllers geht auf der ganzen Linie auf. Das beginnt beim matten, unanfälligen und sehr hochwertigen Kunststoff, der in einer ansprechenden Mischung aus Anthrazit und Grün daherkommt und sich so erfrischend vom Netbook-Allerlei abhebt. Insbesondere Anwender, die ihr Netbook häufig transportieren möchten (und dafür sind Netbooks nun ja eigentlich da), werden die pflegeleichte Oberfläche schnell schätzen lernen.

Nicht minder überzeugend ist das verbaute Boxensystem, das einen ordentlichen Sound liefert und andere Netbooks klar auf Distanz halten kann. Wer unterwegs jedoch echtes Hi-Fi-Feeling erleben möchte, sollte unseres Erachtens doch lieber zu einem Headset greifen.
Einen gemischten Eindruck hinterlässt die Brazos-Technik. Zwar besitzt der 10-Zöller eine üppige Akkulaufzeit, auf der anderen Seite kann man sich leistungstechnisch aber auch nicht von bestehenden Plattformen ablösen. Einzig die Fähigkeit, HD-Videos wiederzugeben, spricht klar für AMDs APU.

Die größte Schwachstelle des grünen Winzlings bleibt damit die Lautstärke-Entwicklung. Unter Volllast zeigt sich das Netbook als deutlich zu vorlaut und wird schnell störend. Hier wäre eine Überarbeitung der Lüftersteuerung wünschenswert gewesen.

Positive Aspekte des Toshiba NB550D:

Negative Aspekte des Toshiba NB550D:

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