Thecus W4000 mit Windows Storage Server 2012 R2 Essentials im Test

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thecus w4000Als weltweit erster Hersteller stattet Thecus seine NAS-Systeme mit Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials aus. Thecus' neue W-Serie ist an professionelle Anwender sowie Unternehmen mit bis 50 Anwendern adressiert und soll seinen Nutzern die volle Breitseite an Microsoft-Technologien ermöglichen. Dazu zählen neben Storage Spaces und Datendeduplizierung, auch die Cloud-Dienste Microsoft Azure und Microsoft Office 365.

Thecus neue W-Serie mit vorinstalliertem Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials umfasst derzeit sechs Modelle: W2000, W2000+, W4000, W4000+, W5000 und W5000+. Die erste Ziffer in der Modellbezeichnung steht jeweils für die Anzahl der zusätzlich einsetzbaren 2,5- oder 3,5-Zoll-Festplatten. Die Plus-Varianten besitzen allesamt eine verdoppelung des Arbeitsspeichers von 2048 MB auf 4096 MB und sollen ab April verfügbar sein.

Die Preise für die W-Serie erstrecken sich von 429,90 Euro (W2000) über 499,90 Euro (W4000) bis 559,90 Euro (W5000). Die Preise für die Plusvarianten mit 4096 MB RAM sind noch nicht bekannt. Wir haben uns das Thecus W4000 zum Test bestellt und zeigen was unter der Haube steckt.

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Thecus setzt auf einen Intel Atom D2700.

Im Inneren des Thecus W4000 werkelt ein Intel Atom D2700-Prozessor mit zwei Kernen und einer Taktrate von 2,13 GHz. Dazu gesellen sich zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 60 Gigabyte große Kingston SSDNow V300 SSD. Letztere dient als Speicherort für das vorinstallierte Server-Betriebssystem Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials.

Die technischen Daten im Detail:

Technische Daten
Hersteller Thecus
Modell W4000
Hardware Intel Atom D2701 (2,13 GHz Dual Core), 2048 MB DDR3 (PC3-12800)
Interner Speicher Kingston SSDNow V300 60GB
Optionaler Speicher Platz für vier zusätzliche 2,5" bzw. 3,5"-Festplatten (SATA 3Gb/s)
Anschlüsse (vorne) 2x USB 3.0
Anschlüsse (hinten) Hinten: 2x USB 2.0, 1x eSATA, 2x Gigabit-Ethernet, 1x HDMI, 1x VGA, 1x Audio Line-Out (3,5mm Klinke)
Maße (HxBxT) 192 mm x 172 mm x 250 mm
Gewicht 4400 g, Leergewicht
Besonderheiten Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials
Preis ab 470 Euro

 


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Thecus W4000: Vorderseite

Thecus setzt beim W4000 auf eine Mischung aus Kunststoff und Metall. Ähnlich wie bei klassischen PC-Gehäusen besteht die Frontpartie nahezu komplett aus Kunststoff, beim Deckel sowie dem darunter verborgenen Korpus setzt Thecus auf Stahl. Mit 172 mm in der Breite, 192 mm in der Höhe und 250 mm in der Tiefe besitzt der Testkandidat recht kompakte Abmaße.

Frontseitig besitzt das Thecus W4000 eine OLED-Anzeige, zwei USB 3.0-Anschlüsse sowie vier Laufwerksschlitten für 2,5-Zoll- und 3,5-Zoll-Festplatten. Letztere sind abschließbar, könnten für den aufgerufenen Endkundenpreis in puncto Verarbeitungsqualität und Materialgüte aber gern etwas hochwertiger ausfallen. Ebenso werden die Festplatten weder entkoppelt verschraubt oder liegen auf gummierten Schienen auf. Unterm Strich geht der Gesamteindruck aber in Ordnung.

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Thecus W4000: Rückansicht

Die Rückseite des Thecus W4000 besticht durch ihre Anschlussvielfalt. So bietet unser Testkandidat sowohl einen HDMI- als auch einen VGA-Ausgang. Hinzu kommen zwei USB-2.0-Ports, ein eSATA-Anschluss und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse als Audioausgang. Für die Anbindung an das Netzwerk sorgen zwei Ethernet-Schnittstellen mit jeweils maximal 1.000 Mbit/s. Die Netzwerkschnittstellen können wahlweise einzeln oder im Team betrieben werden. Auch SMB-Multichannel ist möglich.

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Dank der SSD startet Windows Storage Server 2012 R2 Essentials zügig.
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Knapp bemessen, aber ausreichend! Thecus setzt auf 60-GB-Speicherkapazität für das Systemlaufwerk.

Im Inneren - fern abseits der Hot-Swap-Laufwerksschächte - verbaut Thecus die 60 GB große SSD von Kingston. Auch wenn das Modell dem älteren Semester angehört, sorgt der Flashspeicher für eine zügige und angenehme Arbeitsgeschwindigkeit. Leider ist die SSD ab Werk nicht mit der vollen Kapazität partitioniert. Hier lässt Thecus dem Anwender die Option, ob der übrige Speicherplatz gegebenenfalls als zweite Partition für andere Dinge genutzt werden soll. Ausreichend dokumentiert ist dies allerdings nicht.

Da es sich um ein handelsübliches 2,5-Zoll-Laufwerk mit SATA-Schnittstelle handelt, kann die SSD bei Bedarf gegen eine größere getauscht werden.

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Thecus verbaut einen Lüfter im Heck, verzichtet aber auf eine Entkopplung vom Gehäuse.

In Anbetracht der Performance des verbauten Prozessors arbeitet das Thecus W4000 etwas zu laut. Eine Entkopplung des rückseitigen Lüfters hätte an dieser Stelle sicherlich geholfen.

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Thecus setzt bei der Stromversorgung auf Seasonic.

Die Stromversorgung erfolgt über ein externes 120-Watt-Netzteil der bekannten Marke Seasonic. Das Netzteil ist lautlos und besitzt eine Effizienz von 87 Prozent.


Herzstück des Thecus W4000 ist der Windows Storage Server 2012 R2 Essentials. Das Server-Betriebssystem aus Redmond basiert auf Microsoft Windows Server 2012 R2 und verfügt über ein eigens entwickeltes Dashboard, worüber grundlegende Dienste und Funktionen einfacher konfiguriert werden können. So lässt sich die gesamte Benutzer-, Geräte-, Storage- und Cloudkonfiguration über das Dashboard verwalten.

Windows Server Essentials Dashboard

Für die oberflächliche Konfiguration des Windows Storage Server 2012 R2 Essentials steht ein eigens entwickeltes Dashboard zur Verfügung. Wie eingangs erwähnt lassen sich hier die wichtigsten Aufgaben des Servers übersichtlich verwalten. Neben den einfachen Konfigurationsaufgaben werden auch aktuelle Serverwarnungen bereitgestellt.

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Technisch versierte Anwender können das Betriebssystem natürlich auch auf dem traditionellen Weg administrieren.

Datendeduplizierung

Bei der Datendeduplizierung geht es grob gesagt darum, Duplikate vorhandener Daten zu ermitteln und zu entfernen. Dies hat zur Folge, dass mehr Daten mit weniger physischem Speicherplatz gespeichert werden können.

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Bei unseren Testdaten konnten wir 57 GB physischem Speicherplatz einsparen.

Das Datendeduplizierungsfeature von Windows Storage Server 2012 R2 Essentials geht dabei blockweise vor und identifiziert doppelte Datenblöcke. Mehrfach vorhandene Datenblöcke werden durch einen Verweis auf die einzelne Kopie ersetzt. In unserem Test konnten wir dadurch bei knapp 90-GB-Nutzdaten, bestehend aus Filmen, VHDX-Dateien und weiteren Dateitypen, über 57-GB-Speicherplatz einsparen.

Für eine saubere Konfiguration der Datendeduplizierungsdienste ist die Powershell notwendig. Eine ausführlich Anleitung dazu hat Microsoft im TechNet veröffentlicht.

Remotewebzugriff

Über die Remotewebzugriff-Funktion bietet Microsoft die Möglichkeit von unterwegs auf das NAS und den damit verbundenen Geräten zuzugreifen. Der Zugriff erfolgt über eine Webseite, die eine für die Toucheingabe optimierte Benutzeroberfläche besitzt.

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Die Remotewebzugriff-Oberfläche kommt dem OneDrive-Nutzer bekannt vor.

Der Remotewebzugriff ist standardmäßig deaktiviert. Die Einrichtung erfolgt über einen vergleichsweise einfachen Assistenten und einer kostenlosen Anmeldung bei Microsoft (remotewebaccess.com), sofern man keine eigene Domäne sein Eigen nennt. Die Remotewebzugriff-Oberfläche arbeitet schnell und zuverlässig und kann auch von einem Smartphone oder Tablet aus bedient werden.

Online-Backup mit Microsoft Azure

Microsoft bietet unter Windows Storage Server 2012 R2 Essentials die Möglichkeit wichtige Daten über Azure Backup in der Cloud zu sichern. Die Sicherung erfolgt verschlüsselt und kann auf Ordnerebene konfiguriert werden. Die Sicherung über Microsoft Azure ist fest in der Windows-Datensicherung integriert und lässt sich getrennt von einer lokalen Sicherung konfigurieren. Der Backup-Dienst ist kostenpflichtig und kostet derzeit 0,149 Euro pro Gigabyte im Monat. Weitere Kosten durch Transfer und andere Ressourcen werden nicht in Rechnung gestellt. Ab dem 01. April 2015 gilt jedoch ein neues Preismodell, dass hier genauer beschrieben wird.

Office 365

Der Windows Storage Server 2012 R2 Essentials bietet seinen Anwendern eine optionale Integration von Microsoft Office 365. Dies erleichtert in erster Linie die Administration und Pflege der beiden Parallelwelten. Dabei werden beispielsweise die Benutzerkonten und Benutzerkennwörter synchronisiert, wodurch die gleichen Anmeldedaten für die Private- und Public-Cloud genutzt werden können. Nutzer von Exchange Online können sich über den Windows Storage Server 2012 R2 Essentials direkt ein E-Mail-Postfach erstellen lassen oder beispielsweise auch Exchange Online-Verteilergruppen für E-Mails erstellen. Entgegen einiger Meldungen im Internet gehört keine Microsoft Office 365-Jahreslizenz zum Lieferumfang.


In den Benchmarks testen wir die Geschwindigkeit via FTP aus dem lokalen Netzwerk. Es wird ausschließlich ein Netzwerk-Port benutzt, der im Gigabit-Modus betrieben wird. Von einem Client-PC mit gesonderter SSD wird zuerst auf das NAS geschrieben, im Anschluss werden die transferierten Daten dann vom NAS gelesen. Jumbo-Frames oder ähnliche Maßnahmen zum Performance-Tuning werden nicht eingesetzt. Jede Messung wird fünfmal durchgeführt und im Anschluss der Mittelwert gebildet.

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Der Test erfolgt sowohl ohne als auch mit AES-128- und AES-256-Verschlüsselung.

Für den Test haben wir vier "Western Digital Red WD20EFRX"-Festplatten mit jeweils zwei Terabyte verbaut. Die Festplatten wurden als Zwei-Wege-Spiegelung betrieben.

Datenrate

FTP, read (FileZilla)

MB/s
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Datenrate

FTP, write (FileZilla)

MB/s
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Das kostenlose Intel NAS Performance Toolkit (NASPT) misst die Performance in verschiedenen Real-World-Szenarien. Auch hier wird jede Messung fünfmal durchgeführt und im Anschluss der Mittelwert gebildet.

Intel NASPT

HD Video Playback

MB/s
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Intel NASPT

2x HD Video Playback

MB/s
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Intel NASPT

4x HD Video Playback

MB/s
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Intel NASPT

HD Video Record

MB/s
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Intel NASPT

HD Playback and Record

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Intel NASPT

Content Creation

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Intel NASPT

Office Productivity

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Intel NASPT

File copy to NAS

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Intel NASPT

File copy from NAS

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Intel NASPT

Dir copy to NAS

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Intel NASPT

Dir copy from NAS

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Intel NASPT

Photo Album

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Wie die Benchmarks zeigen, liefert das Thecus W4000 gute Schreib- und Leseraten. Bei aktivierter BitLocker-Verschlüsselung brechen die Transferraten im Durchschnitt um ein Drittel ein. Die Blocklängenunterschied der Verschlüsselung (AES-128 zu AES-256) wirkt sich nur unwesentlich auf die Transferraten aus.


Thecus bietet mit dem W4000 ein interessantes NAS mit Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials an, das stark an den professionellen Anwender adressiert, aber auch für das heimische Wohnzimmer geeignet ist.

Im Vergleich zu den am Markt üblichen NAS-Geräten mit Linux-Unterbau fordert das Thecus W4000 zwar bei der Einrichtung und Administration etwas mehr Fähigkeiten vom Anwender, stellt dann aber eine durchaus gute Alternative dar. Nicht zuletzt schaffen die Features Storage Spaces, Datendeduplizierung und BitLocker echte Mehrwerte. Zu den weiteren Stärken zählen zweifelsohne die Anschlussvielfalt, die mit USB 2.0, USB 3.0, eSATA, VGA, HDMI und zwei Ethernet-Schnittstellen im Grunde alles bietet, was benötigt wird. Einzig einen SD-Kartenleser haben wir vermisst. Zuletzt stellt auch die vollständige x86-Unterstützung einen echten Pluspunkt dar.

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Sowohl die Arbeitsgeschwindigkeit als auch die Transferraten können als gut bezeichnet werden, ohne dabei Bestwerte an den Tag zu legen. In der Disziplin des Stromverbrauchs schlägt sich das NAS inklusive Festplatten mit 38 Watt unter Last und 30 Watt im Idle eher durchschnittlich.

Abstriche muss der Anwender bei der Materialgüte machen. Hier könnten insbesondere die Frontpartie und die Laufwerksschächte etwas hochwertiger ausfallen.

Unter dem Strich können wir eine Kaufempfehlung aussprechen, die allerdings an Bedingungen geknüpft ist. Das Thecus W4000 ist durch den vorinstallierten Microsoft Windows Storage Server 2012 R2 Essentials ein Produkt, das seine Stärken im Profibereich besitzt. Die Administration ist aufwendiger als bei der Linux-Pendants von Synology, Qnap und Co. und erfordert mindestens grundlegende Windows-Server-Kenntnisse. Hat man diese Kenntnisse oder ist gewillt sich diese anzueignen, dann macht man mit dem Thecus W4000 nichts falsch und kann richtig Spaß haben.

Positive Aspekte der Thecus W4000:

Negative Aspekte der Thecus W4000: