Synology DS415+ im Test

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ds415play hs251 teaserPassend zur  Veröffentlichung von Synologys neuer Diskstation, der DS415+, konnten wir ein Vorab-Exemplar zum Test ergattern. Optisch unterscheidet sich die kleine Box kaum von der zuletzt getesteten DS415play, unter der Haube hat sich jedoch einiges getan und auch der Anwender-Fokus ist ein anderer. Wir haben uns die neue DS415+ und dessen Features im Detail angeschaut und auch die Leistung auf Herz und Nieren geprüft.

Beim Design des DS415+ hat sich kaum etwas geändert, es sieht dem Geschwistermodell DS415play zum Verwechselung ähnlich: Eine schwarze Box aus Kunststoff, eine glänzende Frontscheibe und sechs Status-LEDs. An der Rückseite hat sich jedoch ein weiterer Gigabit-Port hinzu gesellt.

 

Während sich das DS415play gemäß der Namensgebung dem Heimanwender widmete, konzentriert sich das neue DS415+ hauptsächlich auf den professionelleren Bereich. Es bietet hardwarebeschleunigte Verschlüsselung und kann Virtuelle Maschinen (VMs) der unterschiedlichsten Art (VMware, Citrix, Hyper-V) als iSCSI-Target beherbergen. Um für das gesamte Dienstangebot ausreichend Leistung bereitzustellen, wurde im Inneren eine Quad-Core-CPU mit 2,4 GHz verbaut, ebenso wie 2 GB Hauptspeicher:

Technische Daten
Hersteller Synology
Modell DS415+
Hardware Intel Atom Quad Core (4 x 2,4 GHz), 2 GB DDR3-Ram
Speicher Platz für vier 2,5" bzw. 3,5"-Festplatten
Anschlüsse Vorne: USB 2.0, Hinten: 2 x USB 3.0, eSATA, 2x Gigabit-Ethernet
Maße (HxBxT) 165 mm x 203 mm x 233,2 mm
Gewicht 2,05 Kg
Besonderheiten Verschlüsselung
Preis 539,90 (OVP)

 

Lieferumfang des Synology DS415+

Welche weiteren technischen Schmankerl die DS415+ zu bieten hat, klären wir auf den folgenden Seiten.


Hardware

Entgegen der sonstigen Ausstattung mit ARM oder PowerPC-Prozessoren bestückt Synology das DS415+ mit Intels Atom-CPU, analog zum DS415play. Hier kommt jedoch die etwas stärkere Variante als Quad Core mit 2,4 GHz (Avoton C2538) zum Einsatz. Der Hauptspeicher wurde auf zwei Gigabyte DDR3 (1600 MHz) verdoppelt. Zur Sicherung der Daten vor Unbefugten ist diesmal eine zusätzliche Engine zur hardwareunterstützen Verschlüsselung integriert (AES-NI), die Synology mit einem Durchsatz von 234,97 MB/s lesend bzw. 213,14 MB/s schreibend im Datenblatt bewirbt. In den Benchmarks werden wir schauen, wie viel davon in der Realität übrig bleibt.

Um diese geballte Hardware-Power auch zügig verfügbar zu machen, können die beiden Gigabit-Ports wahlweise im Failover- oder Link-Aggregation-Mode betrieben werden. Je nach Bestückung der vorhandenen vier HDD-Slots mit 2,5'' oder 3,5''-HDDs erlaubt die DS415+ die RAID-Betriebsmodi SHD, Basic, JBOD und 0/1/5/6/10. Zum Datentransfer/Zugriff auf die DS415+ werden alle gängigen Protokolle im Windows/Mac/Linux-Umfeld unterstützt, ebenso ist ein externer Zugriff über VPN via PPTP, OpenVPN und L2TP möglich.

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Optik

Die DS415+ ist im praktischen Würfelformat gehalten, als Hauptmaterial kommt schwarzer Kunststoff zum Einsatz, größtenteils matt bzw. mit glänzender Frontscheibe. Einzig der innere Rahmen ist als Metallkonstruktion gefertigt. Werden 3,5''-Festplatten verbaut, ist keine Schraube zum Einbau nötig, da die Schalen die HDDs bereits über ein Schienensystem und gummierte Erhebungen fixieren. Für die kleineren Notebook-HDDs liegt ein Satz Schrauben bei. Je nach individueller Vorstellung kann das Kunststoff-Design positiv bzw. negativ gewertet werden. Im Hinblick auf die Montage ist das schraubenlose Design jedoch sehr praktisch. 


Ersteinrichtung

Wie üblich wird die gesamte Konfiguration über ein Webmenü durchgeführt, das über http://diskstation:5000 zu erreichen ist. Dort muss als erstes der DiskStation Manager (DSM) aufgespielt werden. Wir verwendeten für unseren Test die DSM-Version 5.1beta. Das eigentliche Menü ist im modernen App-Stil gehalten und bietet ein Dashboard mit den wichtigsten Eckdaten (IP, Laufzeit, Ressourcen-Monitor) als Widget. Häufig benötige Widgets lassen sich aus dem Systemsteuerungs-Menü unmittelbar auf die Admin-Oberfläche ziehen, um schneller erreichbar zu sein. Nach etwas Eingewöhnungszeit ist dies sehr praktisch. Je nach Geschmack lässt sich auch der Login-Bildschirm bzw. das Hintergrund-Theme individualisieren. Zur Schnellansicht existiert auch eine sehr hilfreiche Dienstliste, wo man unmittelbar sehen kann, welche Dienst aktiv sind. In Form von Häkchen lässt sich dies interaktiv verändern. Wer mehr zum DSM erfahren möchte, dem sei unser Artikel zum DSM 5.0 empfohlen.

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Die Ersteinrichtung geschieht im Anschluss an die Installation des DSM über einen Web-Assistenten und geht schnell von der Hand. Am längsten braucht dabei die RAID-Initialisierung, je nach gewünschtem Level und Festplatten. Eine gänzliche Verschlüsselung des Volumes ist nicht möglich, sondern kann nur für dort erstellten Ordner mit eigenen Schlüsseln/Keyfiles aktiviert werden. Wir finden diese Lösung sehr praktisch, da spezielle Ordner und Ihre Inhalte geschützt werden können, ohne unmittelbar auf dem gesamten Volume verschlüsseln zu müssen. Praktisch ist auch, dass die Ordner beim Start automatisch gemountet werden können, ebenso wie bei der Einrichtung eine Kopie des Keyfiles als Download angeboten wird. In Sachen Performance hat eine aktivierte Ordnerverschlüsselung durchaus Einbußen von ~20 MB/s (allerdings nur beim Schreiben) als Konsequenz. Lesezugriffe werden fast ohne Leistungsverlust transparent an den Nutzer weitergegeben. Im Ressourcenmonitor konnten wir während der Benchmarks gut sehen, dass die CPU-Auslastung bei normalen Dateitransfers per FTP auf ein RAID-5 rund 20% betrug, während bei einem verschlüsselten Ordner knapp 34% angezeigt wurden. 

Über den Speichermanager lässt sich auch ein HotSpare-Laufwerk auswählen, ebenso wie iSCSI Targets und iSCSI LUN. Der eSATA-Port bzw. die USB-Anschlüsse können für externe Datenträger genutzt werden, allerdings können diese nicht Teil eines RAIDs werden. Je nach Größe des lokalen Netzwerks kann Käufer oder Käuferin Benutzer und Gruppen anlegen. In Business-Umgebungen findet die DS415+ Anschluss an ein Active Directory (AD) oder LDAP. Beides lässt sich über den Menüpunkt "Verzeichnisdienst" einrichten. Bei "Netzwerk" finden sich wie üblich alle Schnittstellenparameter, in diesem Falle auch die Optionen für den Betrieb der beiden Gigabit-Ports, Datenfluss-Steuerung, IPv6-Optionen und statische Routen. Wer über einen WLAN-Stick verfügt, kann die DS415+ auch unmittelbar ans heimische Funknetz einhängen. Für schnelle Datentransfers empfehlen wir aber grundsätzlich das kabelgebundene Netzwerk.


Fernzugriff und die eigene Cloud

Beflügelt von jüngsten Daten-Skandalen ist das Thema "eigene Cloud" weit verbreitet, da viele Benutzer die Herrschaft über ihre Daten nicht länger in Hände von Konzernen legen wollen, sondern lieber ihre persönliche Cloud zuhause wünschen. Mit der DS415+ ist dies möglich, da sowohl DynDNS-Dienste als auch VPN unterstützt wird. Der Zugriff per Google Docs lässt sich ebenfalls einrichten. Im integrierten Paketzentrum lassen sich je nach Wunsch unterschiedliche Anwendungen auf die Diskstation einspielen (u.a. Cloudsync, Drupal, Joomla, Wordpress). Synology bietet über "QuickConnect" die Anlage eines eigenen MyDS-Accounts an, um Daten einfacher bereitzustellen. Für den VPN-Zugriff existiert unter "Externes Zugriff" ebenfalls eine Oberfläche für DDNS, Routerkonfiguration und den praktischen Verbindungstest.

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Synology bietet hier das Feature "Cloud Station", welches Freigaben auf dem NAS quasi als Cloud-Ordner bereitstellt. Ähnlich zu Dropbox können Ordner "abonniert" werden und erscheinen dann auch auf dem lokalen Rechner. Der Cloud-Station-Client ist für Windows, Mac und auch Linux verfügbar, die entsprechende Cloud-Station-App auch für iOS, Android und Windows Phone. Dateien können auf Smartphones und Tablets auch offline verfügbar gemacht werden, ausreichend Speicherplatz vorausgesetzt. Sämtliche Kommunikation erfolgt standardmäßig SSL-verschlüsselt und ist so abgesichert. Um rund um die Uhr an sein Daten zu gelangen bietet es sich natürlich an, das NAS permanent laufen zu lassen. Dies ist aber trotz Stromsparmechanismen mit gewissen Kosten verbunden und sollte im Einzelfall entschieden werden.

SSD Cache

Um noch etwas mehr Performance aus der Box zu kitzeln, kann bei Bedarf ein "SSD Cache" eingerichtet werden. Hierfür muss in einem Slot eine SSD verbaut werden, die anschließend auf den eingerichteten Volumes als Cache fungiert. Synology integriert hierfür extra einen "SSD Cache-Ratgeber", der die vorhandenen Volumes inkl. der darauf liegenden Dateien analysiert und darauf basierend eine Empfehlung hinsichtlich Cache-Aktivierung und Größe gibt. Dieses Feature wird für Heimanwender eher uninteressant sein, da dort die notwendigen Zugriffsmuster in Form von Benutzeranzahl und Frequenz nicht auftreten, ab denen ein Caching sinnvoll ist. In kleineren Betrieben kann dies jedoch sehr wohl nutzbringend sein.


Kühlung & Lautstärke

Im Betrieb sind die beiden rückseitig verbauten 92-mm-Lüfter in unmittelbarer Nähe zu hören, sobald jedoch ein paar Schritte Distanz dazwischen liegen, ist die DS415+ kaum wahrnehmbar. Die verbauten WD20EFRX-Festplatten sind ohnehin aufgrund ihres Designs sehr verbrauchs- und geräuscharm, sodass sie wenig ins Gewicht fallen. Die DS415+ kann problemlos in Arbeits- oder Wohnzimmern platziert werden. Selbst im Betrieb unter Last wurden die Festplatten nie wirklich warm, was zum einen natürlich an den speziell verbrauchsarmen HDDs liegt, zum anderen aber auch an der aktiven Kühlung durch die beiden Lüfter.

Betriebslautstärke

db/A
Weniger ist besser

Energieverbrauch

Aufgrund der leistungsstärkeren Hardware-Ausstattung ist es kaum verwunderlich, dass der Verbrauch der DS415+ um ein paar Watt über der DS415play liegt. Hauptgrund dürfte an dieser Stelle der stärkere CPU sowie mehr Arbeitsspeicher und die veränderten Ports sein:

Stromverbrauch

Watt
Weniger ist besser

Im Kontext der bisher von uns getesteten NAS-Boxen reiht sich die DS415+ wie folgt ein:

Energieverbrauch unter Last
  System Festplatten Gesamt
QNAP TS219pII 12 10 22
iomega ix2-200 8 10 18
Synology DS411+II 30 20 50
WD My Book Live 6 4 10
Seagate GoFlex Home 4 4 8
Netgear ReadyNAS Ultra 2 Plus 16 10 26
Synology DS212+ 12 10 22
ZyXEL NSA325 7 10 17
Thecus N4100EVO 34 20 54
Synology DS412+ 25 20 45
Thecus TopTower N6850 37 30 67
Synology DS413 20 20 40
Synology DS213air 10 9 19
Thecus N5550 18 25 43
ASUSTOR AS-604T 15 20 35
Thecus N2560 12 12 24
ASUSTOR AS-302T 14 12 26
Synology DS214+ 8 10 18
Synology DS214play 12 10 22
QNAP TS-221 8 10 18
Synology DS114 3 5 8
Thecus N7710-G 47 35 82
QNAP HS-210 4 10 14
Thecus N2310 5 10 15
Synology DS415play 10 20 30
QNAP HS-251 6 10 16
Synology DS415+ 15 20 35

Alle Angaben in Watt

Alle Geräte verfügen über einen Energiesparmodus, in dem Festplatten abgeschaltet werden. Meist wird auch noch die Prozessorleistung heruntergefahren, was zu einem sehr niedrigen Energieverbrauch führt.


In den Benchmarks testen wir die Geschwindigkeit via FTP aus dem lokalen Netzwerk. Es wird ausschließlich ein Netzwerk-Port benutzt, der im Gigabit-Modus betrieben wird. Von einem Client-PC mit gesonderter SSD wird zuerst auf das NAS geschrieben, im Anschluss werden die transferierten Daten dann vom NAS gelesen. Jumbo-Frames oder ähnliche Maßnahmen zum Performance-Tuning werden nicht eingesetzt. Alle Durchsatz-Tests werden auf den unterschiedlichen RAID-Leveln des NAS durchgeführt, je nach Level kommen nur eine oder alle vier WD20EFRX zum Einsatz. Passend dazu haben wir uns natürlich auch die Einrichtungszeiten der unterschiedlichen RAID-Level angeschaut, wobei wir bei der Einrichtung den Scan-Vorgang auf defekte Sektoren bewusst abgeschaltet haben. Für die USB-Messungen haben wir Seagates Enterprise-Capacity-HDD verwendet, die an einem USB3.0-Adapter betrieben wurde.

 

RAID-Einrichtungszeiten:

RAID Einrichtungszeit

36 XX


19 XX


14 XX


13 XX


13 XX


9 XX


8 XX


Minuten
Weniger ist besser

Bei der Einrichtung der unterschiedlichen Betriebsmodi geht Synologys DS415+ flott zur Sache. Obwohl die Platten grundsätzlich bereits nach 1-2 Minuten einsatzfähig sind (mit reduzierter Performance) haben wir immer den kompletten Vorgang abgewartet. 

Schreiben

 

Datenrate

Lesen per FTP

MB/s
Mehr ist besser

Anhand der erreichten Datenraten wird gut ersichtlich, dass die DS415+ den möglichen Durchsatz des Gigabit-Ports fast 1:1 an das HDD-Subsystem weiterleitet und kann mit konstant mehr als 100 MB/s punkten. Selbst mit aktivierter Verschlüsselung erreicht die DS415+ hohe Datenraten im Bereich von mehr als 93 MB/s.

Lesen

Datenrate

Schreiben per FTP

MB/s
Mehr ist besser

Der Lese-Test verhält sich ähnlich zum vorherigen Schreib-Test. Mit fast konstant über 110 MB/s (je nach RAID-Level) liefert die DS415+ ein wirklich sehr gutes Ergebnis ab. Einzig der rechenintensive RAID6-Betrieb fällt auf knapp 80 MB/s ab.

USB-Performance

Bei der Bestimmung der USB-Datenraten ist erneut der Gigabit-Port der Flaschanhals:

USB-Datenrate

Schreiben per FTP

116.54 XX


40.77 XX


MB/s
Mehr ist besser

USB-Datenrate

Lesen per FTP

117.53 XX


38.83 XX


MB/s
Mehr ist besser

In beiden Messungen liefert die DS415+ gute Ergebnisse und lässt keinerlei Kritik zu.


Synologys DS415+ kann als evolutionäre Weiterentwicklung der DS415play bezeichnet werden. Die grundsätzlichen Basisdienste funktionieren so wie beworben und insgesamt gibt es unsererseits sehr wenig zu bemängeln. Jedoch sei erwähnt, dass der Sprung in den etwas professionelleren Sektor auch mit gehobenen Ansprüchen der Käuferschaft verbunden ist und unsere Einschätzung hier keinesfalls repräsentativ ist. Gerade was das Gehäuse-Design betrifft, vermittelt die Kunststoff-Front und die Plastik-Schächte leider nicht das Prädikat Stabilität oder Robustheit. Metallblenden und ein entsprechend solideres Auftreten wären hier in unseren Augen vorteilhafter. Im Wohnzimmer kann das Design im Gegenzug durchaus gefallen.

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Was die Performance betrifft, gibt es nichts zu kritisieren, die Datenraten in allen Messungen sind hervorragend. Einzig der Werbeslogan im Datenblatt hinsichtlich der Verschlüsselungs-Performance empfinden wir als etwas irreführend: In der Realität muss je nach eingesetztem RAID-Level mit bis zu 20 MB/s Verlust bei der Durchsatzrate gerechnet werden. Dennoch sind die von uns erreichten Werte von 99/78 MB/s (Schreiben/Lesen) auf ein verschlüsseltes RAID6 sehr gut.

Angesichts des Status unseres Geräts als Vorab-Sample gab es zum Fertigstellungszeitpunkts des Artikels noch keine validen Verkaufspreise von Händlern, sodass eine Beurteilung des Endkundenpreises hier noch nicht stattfinden kann. Der OVP seitens des Herstellers liegt jedoch mit rund 540 Euro identisch zu den Vorgängermodellen.

Positive Aspekte der Synology DS415play

Negative Aspekte der Synology DS415play