Test: WD My Cloud EX4

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TeaserWestern Digital, vor allem bekannt durch seine farbenfrohen Festplatten-Bezeichnungen, wagt sich im NAS-Bereich mit Ankündigung des jüngsten Sprösslings der „My Cloud“-Reihe in Richtung der ambitionierten Endverbraucher und deren Bedürfnisse. In der Vergangenheit hatte der Hersteller eher KMU-orientierte Lösungen (wie die Sentinel-Serie) bzw. die Single-Slot-Lösung „My Cloud“ im Portfolio. Die neue EX4 ist quasi die Fortsetzung der My Cloud, diesmal aber mit vier Laufwerken und entsprechend mehr Features. Grund genug für uns, eines der neuen Exemplare detailliert unter die Lupe zu nehmen. Western Digital stellte uns die 8-TB-Auskopplung des My Cloud EX4 zur Verfügung, die jedoch baugleich (mit Ausnahme der HDD-Ausstattung) zu den ebenfalls erhältlichen 12- und 16-TB-Versionen ist.

Das „My Cloud EX4“ wird von Western Digital in insgesamt vier Ausführungen angeboten, die bis hin zu 16 TB skalieren. Die Basisversion ohne Festplatten (als Leergehäuse) hört auf den Namen WDBWWD0000NBK. Die Auskopplungen zu 8, 12 bzw. 16 TB unterscheiden sich in der Namensgebung nur in der mittleren Nummerierung (80/120/160NBK). Verbaut sind jedes Mal Festplatten aus Western Digitals hauseigener Red-Serie in unterschiedlichen Kapazitäten (WD*0EFRX, 2 - 4 TB).

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In der folgenden Tabelle haben wir die wichtigsten Eckdaten des EX4 zusammengefasst:

Hersteller Western Digital
Modellreihe MY Cloud EX4
Modellbezeichnung WDBWWD0080NBK
Bezugsquelle Hersteller
Straßenpreis 647 €
Homepage WD.com
Technische Daten  
Netzwerk 2x 1 Gigabit
USB-Ports 2x USB 3.0
HDD-Slots 4x SATA (3 Gbit/s)
RAID-Level 0, 1, 5, 10, JBOD, Spanning
Lüfter 1x 90 mm
Gewicht 5,8 kg (3,3 kg Leergewicht)
Abmessungen 208,6 x 220,2 x 160 mm
   
Herstellergarantie 2 Jahre
Lieferumfang My Cloud EX4, Netzwerkkabel, Netzteil, Kurzanleitung, Smartware Pro (10 Lizenzen)

Auf den folgenden Seiten sehen wir uns das My Cloud EX4 inkl. Konfigurationsmenü und Benutzerführung näher an, gefolgt von einem Strom-, Lautstärke- und Performance-Check. 


Im Inneren des My Cloud EX4 werkelt ein eingebetteter Marvell-Prozessor (88F6282A1) der Kirkwood-Serie mit einer Taktfrequenz von 2 GHz, dem insgesamt 512 MB DDR3-Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Es handelt sich dabei um ein SoC-Design („System on a Chip“). Für die Firmware und sämtliche Konfigurationseinstellungen ist ein 256 MB großes Flash-Modul von Samsung verantwortlich. Da der Marvell-Chipsatz ursprünglich nur USB 2.0 unterstützt, werden die beiden rückseitigen USB3.0-Ports über den EJ168A-Controller von Etrontech bereitgestellt. Inwiefern CPU- und Speicher-Ausstattung einen Flaschenhals darstellen, werden die Benchmarks später zeigen.

Um im lokalen Netzwerk adäquat eingebunden zu werden, hat Western Digital insgesamt zwei Gigabit-Ethernet-Ports im My Cloud EX4 verbaut. Über das Konfigurationsmenü können diese unter „Link Aggregation“ in sieben unterschiedlichen Varianten betrieben werden. Der Parallelbetrieb beider Ports mit unterschiedlichen IP-Adressen/Subnetzen ist jedoch nicht möglich. Als weiteres Feature stellt WD im EX4 zwei Stromanschlüsse bereit, die von externen Netzteilen gespeist werden können. Für aktive Kühlung der Platine und Festplatten sorgt ein temperaturgeregelter 90-mm-Lüfter an der Rückseite.

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Die vier zur Verfügung stehenden HDD-Slots lassen sich sehr bequem mit Laufwerken bestücken: Western Digital setzt hier ein federgetriebenes Verfahren ein, welches komplett auf Schrauben verzichtet. Die HDDs können einfach eingesteckt werden und die gespannten Federn in den Frontklappen sorgen für sicheren Halt. Die internen SATA-Ports im EX4 arbeiten mit 3 Gbit/s, was im Wesentlichen durch den Einsatz des Marvell 88SX7042-Chipsatzes (PCIe-basierter SATA-II-Controller) begründet ist. Eine Kompatibilitätsliste aktueller Festplatten bietet WD auf der Produktseite des My Cloud EX4 zur Einsicht an. In unserem EX4 sind ab Werk bereits vier Exemplare der Western Digital Red (WD20EFRX) verbaut.


Das Betätigen des kleinen Power-Tasters initiiert den Bootup-Vorgang: Während bei meisten anderen NAS-Boxen ihre verbauten Festplatten parallel anlaufen lassen, beginnen die Laufwerke in dem My Cloud EX4 nacheinander in ihrer nummerierten Slot-Reihenfolge von eins bis vier hochzufahren. Das Info-Panel an der Front begrüßt den Nutzer währenddessen mit einer Willkommensbotschaft. Dieses Startup-Prozedere dauerte bei unserer 4-HDD-Version rund zwei Minuten und 50 Sekunden und ist abgeschlossen, sobald am Info-Panel der Gerätename angezeigt wird. Über die beiden Hoch/Runter-Taster neben dem Info-Panel lassen sich verkürzte Statusinformationen wie Gerätename, IP-Adresse, Version, Temperatur, Lüfterdrehzahl, HDD-Status, Kapazität und Firmware-Aktualität durchblättern.

Um zum Konfigurationsmenü des My Cloud EX4 zu gelangen, genügt die Anwahl der Adresse „wdmycloudEX4“ im Webbrowser oder die angezeigte IP-Adresse im Info-Panel. Welcher der beiden Ethernet-Ports physikalisch benutzt wird, ist dafür unerheblich. Im Menü angekommen, kann die Ersteinrichtung sehr komfortabel und strukturiert vorgenommen werden. Als ersten Schritt haben wir die Firmware aktualisiert und auf Version 1.02.25 angehoben. Je nach Einstellungslevel (Info, Warnung, Kritisch) werden Benachrichtigungen zum Zustand des EX4 unmittelbar im Hauptmenü angezeigt. Etwas verwunderlich ist dabei, dass ein gewolltes Herunterfahren des Systems automatisch eine als „kritische“ eingestufte Meldung hinterlässt. Zum Glück lässt sich das Kritikalitätslevel einschränkten, sodass nicht alles angezeigt wird.

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Sämtliche Einstellungsoptionen des My Cloud EX4 lassen sich sehr bequem über die übersichtlich strukturierte Weboberfläche erreichen. Neben der Änderung des Administrationspasswortes sollte als nächstes die Konfiguration der Festplatten, Erstellung der Ordnerfreigaben sowie Vergabe von Benutzerrechten erfolgen. Wenn Features ein- bzw. ausgeschaltet werden, übernimmt das EX4 dies unmittelbar, ein gesondertes "Speichern" oder ein Neustart ist nicht notwendig. Ein SSL-Login auf das EX4 ist möglich, jedoch weist WD per Hinweisfenster bei der Aktivierung auf den potentiellen Garantieverlust hin.

Um die verbauten Festplatten einzurichten, genügt die Anwahl des "Speicher"-Symbols. Dort lassen sich die HDDs dann je nach Anzahl in RAID0/1/5/10 und JBOD setzen. Bei der Auswahl eines geeigneten RAID-Levels sollte man im Hinterkopf behalten, dass das EX4 nur eingeschränkte Migrations-Szenarien zwischen einzelnen RAID-Setups unterstützt. Eine simple Erweiterung im Sinne von zusätzlich verbauten Festplatten ist aber möglich. Ebenfalls sollte man bei der RAID-Einrichtung wissen, dass Initialisierungs- und Formatierungsvorgang je nach HDDs, RAID-Level und Verschlüsselung zwischen 6 Minuten und einer Stunde dauern können, wie die folgende Grafik zeigt:

RAID-Einrichtungszeiten des WD My Cloud EX4
RAID-Einrichtungszeiten des WD My Cloud EX4

Bei der Einrichtung eines JBOD über alle HDDs ist es schade, dass die Festplatten nicht parallel vom EX4 initialisiert/formatiert werden, sodass der Gesamtvorgang rund 25 Minuten dauert. Die Einrichtung einer einzelnen HDD dauert lediglich 6 Minuten bis zur Einsatzbereitschaft. Die nachträgliche Aktivierung/Deaktivierung der Verschlüsselung ist nicht ohne Neueinrichtung des RAID-Setups möglich. Werden die Festplatten mit aktiver Verschlüsselung betrieben, so wirkt sich dies unmittelbar auf die Durchsatzleistung aus, wie wir später bei den Benchmarks sehen werden.


Nachdem das physische Subsystem durch Einrichtung des RAID abgeschlossen ist, steht der Speicherplatz in Form eines Volumes zur Verfügung. Wenn mehrere RAID-Setups (bspw. zwei HDDs in RAID1 und weitere zwei als RAID0) betrieben werden, sind diesen automatisch unterschiedliche Volumes zugeordnet. Darauf werden über den Menüpunkt „Freigaben“ im nächsten Schritt Freigabe-Ordner erstellt. Hierbei muss das Ziel-Volume ausgewählt werden, zwingend ist außerdem ein Name. Eine detaillierende Beschreibung sowie ein aktivierter Papierkorb sind optional. Abgesehen vom Ziel-Volume und Namen lassen sich alle anderen Parameter (Zugriffswege wie bspw. FTP, Media-Serving) nachträglich noch ändern.

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Wird eine Freigabe als „Öffentlich“ eingerichtet, können darauf keinerlei individuelle Benutzerrechte vergeben werden, da alle Nutzer per Definition Zugriff haben. Ansonsten kommt bei sämtlichen Freigaben das bekannte Benutzergruppen-Zugriffskonzept zum Einsatz. Gruppen und Benutzer lassen sich unter dem Menüpunkt „Benutzer“ einrichten, wobei an der oberen Ecke ein kleiner Umschalter zwischen Benutzer bzw. Gruppen wechselt. Beiden kann bei der Erstanlage ein Speicherplatzkontingent zugewiesen werden. Neben des eigentlichen Benutzernamens können optional Vor- und Zuname sowie eine E-Mail-Adresse gespeichert werden.

Angeschlossene USB-Datenträger werden automatisch in ihren ursprünglichen Formatierung bzw. Ordnerstruktur eingebunden und stehen als Freigabe mit aktiviertem FTP/WebDAV- und NFS-Zugriff sowie Medien-Streaming zur Verfügung. Je nach angeschlossenem Datenträger gilt es nur sicherzustellen, dass dieser genügend Strom für seinen Betrieb erhält. In Falle der testweise angeschlossenen Constellation ES.3 musste die externe Stromversorgung des USB3-Adapters einspringen, während 2,5‘‘-HDDs in externen Wechselrahmen genauso wie USB-Sticks problemlos betrieben werden konnten. Bei der Erkennung der Devices als USB 2.0 bzw. USB 3.0 gab es ebenfalls keine Probleme. Der gemessenen USB-Performance widmen wir uns später im Benchmark-Bereich.


Wie der Name bereits bewirbt, bietet das My Cloud EX4 auch cloud-basierte Funktionalitäten für unterwegs an. Für den alltäglichen Betrieb ist dafür kein eigener DynDNS-Account notwendig, Western Digital bietet dies unter WDMyCloud.com selbst an. Um das EX4 „cloud-fit“ zu schalten, sind nur wenige Schritte, erreichbar unter dem Menüpunkt „Cloud-Zugriff“, notwendig:

Jedem lokalen Benutzer muss ein WDMyCloud.com-Anmeldename bzw. E-Mail-Adresse zugewiesen werden. Im Anschluss kann für die jeweiligen Nutzer ein individueller Aktivierungscode generiert werden, den man in den WD-Apps eintragen muss. Dort wird dann automatisch das My Cloud EX4 als Gerät hinzugefügt. Parallel dazu muss die verwendete E-Mail-Adresse für den Login einmalig verifiziert werden. Auf WDs Cloud-Homepage kann dann weitere Software für Desktop- bzw. Mobilgeräte heruntergeladen werden (u.a. Setup, SmartWare, QuickView, MyCloud, Photos).

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Wurde der Vorgang erfolgreich abgeschlossen, listet das EX4 den Namen des autorisierten Geräts auf. Dieses Vorgehen ist an sich nicht neu, denn Western Digital benutzt es bereits seit Veröffentlichung der „MyBook Live“-Serie. Wir haben den Vorgang testweise auf einem iPad3 ausprobiert und hatten weder bei der Einrichtung noch der Nutzung irgendwelche Schwierigkeiten.


Grundsätzliche Funktionen bzw. Dienste wie SMB2, AFP, NFS, WebDAV, LLTD, SNMP, SSH und DynDNS sind unter "Einstellungen" -> "Netzwerk" zu finden. Dort befinden sich ebenfalls die IP-Parameter, Frame-Größe und Portweiterleitung. Schade ist, dass das My Cloud EX4 keine Unterstützung als netzwerkbasierter Print-Server am USB-Port bietet.

Was die Auslieferung per Steaming von gespeicherten Multimediadaten betrifft, so bietet das EX4 einen Twonkymedia-Server in der Version 7.2.3-2. Im Datenblatt wird zusätzlich von einem weiteren DLNA-1.5-zertifizierten Server gesprochen, den wir jedoch nirgends finden konnten. Mediadaten werden beim Twonky-Server in Form einer DLNA-Datenbank angesprochen. Sobald eine Freigabe mit aktiviertem Media-Serving eingerichtet wird, werden die dortigen Inhalte in der Datenbank gespeichert. Die Aktualisierung erfolgt automatisch, kann aber zusätzlich manuell angestoßen werden. Die Automatik reagiert unmittelbar auf File-Events, sobald eine Datei auf der Freigabe erstellt wurde, die Twonky als Multimediadatei akzeptiert, wird sie hinzugefügt. Hierbei gilt es zu beachten, dass explizit nur solche Freigaben beobachtet werden, bei denen das Media-Serving aktiv ist. Kompatible DLNA-Empfänger lassen sich zusätzlich im Menü auflisten und gesondert für den Streaming-Zugriff erlauben bzw. sperren.

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Exemplarisch haben wir einige Bild- (BMP, JPEG, PNG, GIF) sowie Film- (AVI, MPEG, MKV, MOV, TS, M2TS, WMV, MP4, FLV) und Musikdateien (FLAC, MP3) auf eine Testfreigabe mit aktiviertem Media-Streaming des My Cloud EX4 gespielt. Twonky erkannte unmittelbar nach dem Transfer alle Dateien und klassifizierte sie korrekt in Musik, Bild und Video. Für den praktischen Streaming-Test haben wir einen WD TV Live Hub per Netzwerkkabel angeschlossen und auch ein iPad (3. Generation, iOS7) per WLAN (VLC als Client-App). Der WD TV konnte bis auf zwei Videos (FLV und WMV) und ein Bild (GIF: es wurde nur das erste Bild angezeigt) alle Testdateien fehler- und ruckelfrei abspielen. Bei der iPad-Wiedergabe per VLC gab es indes Probleme bei den Bildern (BMP, GIF und PNG konnten nicht angezeigt werden) und hochauflösende HD-Filme (M2TS, TS) wurden nur mit starken Bildruckelern/Aussetzern und massiven Ton-Aussetzern abgespielt. Diese Resultate hängen unmittelbar mit den verwendeten Abspiel-Clients zusammen und nicht mit der Auslieferfähigkeit des Twonky-Servers.

Parallel dazu kann der integrierte iTunes-Server aktiviert werden. Dieser kann sich wahlweise auf das Stammverzeichnis oder auf einem speziellen Ordner beziehen. Neben Vergabe eines optionalen Passwortes kann die MP3-Codepage und das Aktualisierungs-Intervall (inaktiv, 5 Minuten bis 1 Tag) festgelegt werden. Als besonderes Feature bietet das My Cloud EX4 noch die Möglichkeit, vorhandene ISO-Abbilder einzubinden und so im Netzwerk als Freigabe zur Verfügung zu stellen. Sofern es sich dabei um DVDs handelt, ist damit automatisch die Verteilung per Twonky möglich.


Für den längerfristigen Betrieb eines jeden technischen Geräts sollten Zeitfenster für Wartung und Systempflege eingeplant werden. Derartige Prüfroutinen hat Western Digital ebenfalls vorgesehen: sie verbergen sich unter dem Hauptpunkt „Einstellungen“ -> Hilfsprogramm. Dort kann eine Diagnose der HDDs im Schnelltest durchgeführt werden, ebenso wie ein mehrstündiger Intensivtest angeboten wird, der explizit das Dateisystem inklusive Einträge überprüft. Der jeweilige SMART-Status der Festplatten ist unter dem Punkt „Speicher“ zu finden und kann vollständig ausgelesen werden.

Der Menüpunkt Systemprüfung kümmert sich indes um den allgemeinen Zustand des EX4. Einmal angestoßen, prüft dieser die Einstellung der Systemuhr, Erreichbarkeit der Laufwerke sowie RAM, Temperatur und Lüfter. Einen hohen Detaillierungsgrad sollte man aber nicht erwarten, es werden lediglich grüne Häkchen dargestellt. Ein Recovery/Systemwiederherstellung ist natürlich auch möglich, ebenso wie die derzeitige Konfiguration in einer Datei gespeichert und von dort geladen werden kann.

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Zur Erstellung von Backups bietet sich das My Cloud EX4 über die bekannte SmartWare-Software als Ziel an, sodass die jeweiligen Client-PCs einfach gesichert werden können. Western Digital bietet dem Käufer hier eine Lizenz für bis zu zehn Arbeitsplätze. Zur Sicherung der Daten, die sich bereits auf dem EX4 befinden, kann wahlweise eine extern angeschlossene USB-Festplatte, ein anderes WD-NAS, die Cloud oder interne Volumes herhalten. Als Ziel für Apples Time Maschine kann der Bolide ebenfalls eingesetzt werden. Bei internen Sicherungen (bspw. von einem RAID0-Volume auf ein RAID1 oder JBOD) können Ordner angegeben werden, die dann optional nach Zeitplan gesichert werden. Der Benutzer ist jedoch selbst dafür verantwortlich, dass die Ordner auch auf verschiedenen Volumes mit physisch getrennten HDDs liegen. Wer seine Daten in die Cloud sichern möchte, kann wahlweise Elephant Drive oder Amazons S3 nutzen.

Unter „Apps“ versteht Western Digital die Bereitstellung von http/ftp und P2P-Downloadern und einem gesonderten Webdateibetrachter. Letzterer ist eine Visualisierung der EX4-Freigaben/Ordnerstrukturen, wobei man ohne Umwege Dateien löschen, verschieben und kopieren kann. Die erwähnten Downloader hingegen nehmen URLs entgegen, die sie über eine zeitgesteuerte Warteschlange herunterladen. Bei FTP lässt sich ein optionales Anmeldekonto sowie Codepage einstellen. Unter P2P verbirgt sich indes ein Bittorrent-Client, der sich auch mit URLs füttern lässt. Hier sind weitere Parameter hinsichtlich Betriebszeit, Up/Download-Datenraten und Seeding-Zeiten konfigurierbar.


Bei den Stromspar-Modi bietet WD fünf parallele Schalter für die Steuerung von HDD-Standby, LED bzw. LCD-Aktivität, Stromwiederherstellung und Energieplan. Sowohl LEDs und das Info-LCD können hier in Gänze abgeschaltet werden. Aktiviert man den HDD-Standby, so fahren die Platten nach fest eingestellten 10 Minuten Inaktivität herunter. Es ist leider nicht möglich, dort selbst einen Zeitwert zu definieren.

Der Energieplan kann auf Tages-Basis stündlicher Granularität in Ein- bzw. Aus-Phasen festgelegt werden. Die untertägige Definition von mehreren Phasen (bspw. eingeschaltet von 06:00-09:00 und 12:00-16:00) ist nicht möglich. Das automatische Abmelden bei Inaktivität von der Weboberfläche kann zwischen 5 und 30 Minuten festgelegt werden, jeweils in 1-Minuten-Schritten. Bei Bedarf lässt sich das EX4 auch per Wake on LAN an die MAC-Adresse aus dem Dornröschenschlaf holen. Hierbei muss nur beachtet werden, dass die im Webmenü angezeigte MAC-Adresse zum physischen Port LAN2 gehört. Zum Herunterfahren der My Cloud EX4 kann neben dem Kommando im Webmenü auch der Power-Taster benutzt werden. Der Shutdown-Vorgang (Taster oder Webmenü) dauert circa 1 Minute und 5 Sekunden. Befinden sich die HDDs bereits im Standby-Modus, so fährt das EX4 sie zum Shutdown dennoch hoch um anschließend abzuschalten.

Den Stromverbrauch in den unterschiedlichen Betriebsszenarien des My Cloud EX4 haben wir über ein externes Stromverbrauchsmessgerät ermittelt. Die darüber ermittelten Werte sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Stromverbrauch des WD My Cloud EX4
Stromverbrauch des WD My Cloud EX4

Mit nur knapp 17 Watt liegt der Eigenverbrauch des My Cloud EX4 relativ gut. Der effektive Gesamtverbrauch hängt im Wesentlichen mit den verbauten HDDs und der Betriebshäufigkeit zusammen. Wer das NAS nur sporadisch nutzt oder über den integrierten Zeitplan sinnvolle Betriebszeiten wählt, wird keine signifikante Steigerung seines jährlichen Stromverbrauchs merken. Im Dauerbetrieb (24x7, abgerundet auf 25 W) und einem angenommenen Preis von 28 Cent/kWh würde das My Cloud EX4 im Jahr Kosten von 61,15 Euro verursachen. Mit einer 8 stündigen Auszeit über die Nacht per Zeitplan und häufigen Standby-Zeiten sollte sich der Jahresverbrauch zwischen 20 und 35 Euro einpendeln. Wake on LAN und längere Aus-/Standby-Zeiten reduzieren den Verbrauch weiter.

Kommen wir nun zur Lautstärke des My Cloud EX4. Gemessen haben wir unterschiedliche Betriebszustände über ein externes Schallpegelmessgerät (Voltcraft 322 Datalogger) in 15 cm Entfernung frontal zum EX4. Folgende Werte wurden festgestellt:

Lautstärke des WD My Cloud EX4
Lautstärke des WD My Cloud EX4

Basierend auf unseren Messwerten würden wir einen Betrieb in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz/Schreibtisch nicht vorsehen, aber ab ein paar Metern Distanz fällt das EX4 kaum mehr auf. Der 90-mm-Lüfter sorgt lediglich für einen rudimentären Luftstrom und dank der leisen Red-HDDs ist auch die Geräuschkulisse bei Schreib- und Lese-Zugriffen unserer subjektiven Meinung nach nicht markant oder störend. Lediglich beim Hochfahren des EX4 macht sich der Lüfter kurz mit einer Pegelspitze von knapp 45 dbA bemerkbar.


Um den Lese- und Schreibdurchsatz des My Cloud EX4 zu ermitteln, haben wir eine 4,5 GB große Archivdatei benutzt und sie per FTP zuerst auf das NAS hochgeladen (Schreibrate) und anschließend von dort wieder auf den lokalen PC (Leserate) kopiert. Zum Datentransfer wurde ein einzelner Gigabit-Port verwendet und die Jumbo-Frames waren explizit ausgeschaltet. Im lokalen PC wurde eine SSD für die Datentransfers eingesetzt, um für gleichbleibend hohe Datenraten zu sorgen. Die dabei ermittelten Durchsatzwerte der einzelnen RAID-Level haben wir in der folgenden Grafik visualisiert:

RAID-Performance des WD My Cloud EX4
RAID-Performance des WD My Cloud EX4

Wie man anhand der Datenraten in den unterschiedlichen RAID-Setups sehr gut sehen kann, scheint die die allzu üppig dimensionierte CPU-Ausstattung des My Cloud EX4 unmittelbar für die moderate Schreib-Performance im RAID5 sowie bei Setups mit aktivierter Verschlüsselung verantwortlich zu sein. Großzügig gerundet liegt die Lese-Performance gut doppelt so hoch wie die Schreib-Performance. Verglichen mit der Leistung ohne Verschlüsselung sorgt die erhöhte CPU-Belastung durch eingeschaltete Verschlüsselung für einen Durchsatz-Einbruch um den Faktor 2,6 bis 2,9. Dieser Effekt tritt auch bei lesenden Zugriffen auf und lässt sich kaum kaschieren. Doch auch ohne Verschlüsselung ist der Schreib-Durchsatz nicht auf dem Niveau anderer NAS-Systeme wie bspw. von Qnap oder Synology, die mit Werten oberhalb von 80 bis 100 MB/s punkten können.

Beim USB-Durchsatz auf eine externe HDD bzw. SSD zeigte sich ebenfalls anscheinend ein CPU-Flaschenhals, der sich ungeachtet der verwendeten Quelle bzw. des Ziels nicht vermeiden lies. Für die Messung haben wir über drei unterschiedliche USB-3.0-Adapter eine 2,5-Zoll-HDD (WD6400BEVT), eine 3,5-Zoll-HDD (Seagate Constellation ES.3) und die WD Black² (SSD/HDD-Hybrid) angeschlossen. In allen Szenarien konnten wir keine signifikanten Steigerungen oberhalb der in der folgenden Grafik dargestellten Durchsatzwerte erreichen:

USB-Performance des WD My Cloud EX4
USB-Performance des WD My Cloud EX4

Da wir von den verwendeten USB-3.0-Adaptern und HDDs/SSDs wissen, dass sie deutlich mehr als die gemessenen 60 MB/s per USB3 schaufeln können und auch der Netzwerkdurchsatz des EX4 bei den RAID-Tests lesend knapp 80 MB/s erreichte, muss hier die interne Übersetzung zwischen NIC und USB 3.0 im Zusammenhang mit CPU und Speicherausstattung für die Limitierung verantwortlich sein.


Abschließend betrachtet hat Western Digital mit dem My Cloud EX4 eine gut durchdachte Lösung für Einsteiger sowie den ambitionierten Heimanwender auf den Markt gebracht, die frischen Wind in das NAS-Segment bringt. Mit vier Slots steht ausreichend Flexibilität bereit, während sich die Kosten durch den Kauf der Leervariante und dynamischen HDD-Bestückung gut eingrenzen lassen. Im praktischen Betrieb zeigte sich das EX4 grundsolide, wobei die vorhandenen Cloud-Features und die komfortable Bedienbarkeit einen positiven Mehrwert bieten. Der Mediaserver konnte seine Stärken ebenfalls zeigen. Die Bezeichnung und Namensgebung „My Cloud“ ist hier durchaus verdient. Die Preisgestaltung ist in unseren Augen fair, denn die Leerversion des EX4 ist bereits ab 322 Euro erhältlich, während unser hier getesteter 8-TB-Bolide mit 647 Euro zu Buche schlägt. Bei einem Einzelpreis einer WD20EFRX von rund 90 Euro kommt man damit sogar günstiger weg als bei separatem Einkauf der Komponenten.

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Als kleiner Wermutstropfen bleibt nur die Performance des My Cloud EX4: In unseren Augen könnte der Netzwerk- und USB-Durchsatz im Vergleich zu Konkurrenzprodukten von Synology und Qnap zwar etwas höher ausfallen, als eklatante Schwäche des EX4 würden wir die Durchsatzwerte jedoch nicht klassifizieren - im Alltag wird der Leistungsunterschied vermutlich meistens nicht einmal auffallen. Vielmehr scheinen dies Auswirkungen der knapp bemessenen CPU- und Speicher-Ausstattung zu sein, die sich auch bei der optional aktivierbaren Verschlüsselung der Inhalte niederschlagen. Hier muss das NAS deutlich Federn lassen. Schade eigentlich, mit etwas mehr Dampf unter der Haube (bspw. Dual-Core CPU, 1 GB Speicher) wäre sicherlich mehr drin gewesen. Lässt man die Verschlüsselung außen vor, so ist die Netzwerk- und USB-Performance für die meisten Anwender mehr als ausreichend.

Positive Punkte des WD My Cloud EX4:

Negative Punkte des WD My Cloud EX4: