Test: Seasonic X-850 in der neuen KM3-Revision

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logo x850km3Seasonic hat die erfolgreiche X-Series zum Jahreswechsel überarbeitet und drei neu aufgelegte Modelle mit 650, 750 und 850 Watt vorgestellt. Die nun dritte Auflage der X-Series ist durch das Kürzel KM3 in der Modellnummer zu erkennen und bringt eine gesteigerte Effizienz, noch besser ausgeregelte Spannungen und eine umschaltbare Lüftersteuerung mit. Wir haben uns das neue 850W-Modell einmal näher angeschaut.

Seasonics X-Series ist seit mittlerweile über vier Jahren auf dem Markt und konnte sich schnell einen Referenzstatus im High-End-Bereich erarbeiten. Vor der X-Series hatte Seasonic schon gute Netzteile am Markt, aber der richtige Durchbruch kam erst mit dieser Serie, die hohe Effizienz mit hoher technischer Qualität verbinden konnte. Die Konkurrenz hat mittlerweile nachgezogen und auch innerhalb Seasonics Produktportfolio musste die X-Series den Flaggschiff-Status an die jüngere Platinum-Series abgeben, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die X-Series immer noch zu den empfehlenswertesten Netzteilserien gehört. Seasonic scheint sich dem Wert der X-Series auch bewusst zu sein und hält sie daher weiterhin mit regelmäßigen Updates am Leben bzw. genauer gesagt auf wettbewerbsfähigem Niveau.

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Seasonic X-Series 850W in der Revision KM3

Die Änderungen hin zur Revision KM3 gehen aber weit über das Austauschen einiger Bauteile hinaus. Die X-Series profitiert von der Entwicklungsarbeit, die Seasonic in die neuesten Serien gesteckt hat. Vereinfacht gesagt hat die X-Series jetzt die moderne Plattform verpasst bekommen, die seit einigen Monaten die neuen Platinum-Modelle antreibt. Das X-Series 850W kann - und soll vermutlich - auch nicht die Effizienz des Platinum 860W erreichen, aber ein deutlicher Sprung zum alten X-850, welches auf der zweiten Generation der X-Series basiert, ist zu erwarten.

Aber Seasonic hat nicht nur an der Elektronik Änderungen vorgenommen, daher hier eine kurze Übersicht über den Unterschied der Revision KM3 zur Vorgängerversion KM2:

Seasonic hat also durchaus ein paar interessante und vielversprechende Neuerungen in der KM3-Revision untergebracht.

Hier die Daten in Tabellenform, wenngleich sich hier zum alten X-850 nur wenig verändert hat.

Technische Daten in der Übersicht
Hersteller und
Bezeichnung
Seasonic
X-Series 850W (KM3)
Modell SS-850KM3
Straßenpreis ca. 165 Euro
Homepage www.seasonicusa.com
Leistungswerte
+3,3V 25 A
+5V 25 A
+12V 62 A
+5Vsb 3 A
-12V 0,5 A
Leistung 12V 850 W
Leistung 3,3V & 5V 125 W
Gesamtleistung 850 W
Anschlüsse
ATX 24(20+4)-Pin
EPS/12V/CPU 1x 8(4+4)-Pin, 1x 8-Pin
PCI-Express
(6P / 8(6+2)P / 8P)
0 / 4 / 0
SATA 10
4-Pin Molex 5
Floppy 1 (Adapter)
Features
Effizienz 80PLUS Gold
Maße (LxBxH) 160 x 150 x 86 mm
Lüfter 120 mm, kugelgelagert
Kabelmanagement ja, voll-modular
Herstellergarantie 7 Jahre
Besonderheiten Lüftersteuerung zwischen Aktiv- und Semi-Passiv-Betrieb umschaltbar

An etlichen Stellen hat sich aber bei der neuen Generation wenig verändert.

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Neue Modelle, altes Verpackungsdesign

Nur das Label an der Seite lässt die neue Revision des X-850 erkennen. Seasonic macht die Erkennung noch ein Stückchen schwerer, denn die "3" in der Modellnummer SS-850KM³ ist überall hochgestellt und daher extra klein geschrieben.

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Nur die schwarzen Flachbandkabel sind neu im Lieferumfang des X-850 KM3.

Der Lieferumfang ist weiterhin sehr gut, was aber in dieser Preisklasse als selbstverständlich anzusehen ist. Auch das Handbuch mit allen wichtigen Informationen verdient eine lobende Erwähnung.

Auf den nachfolgenden Seiten stellen wir das Seasonic X-850 näher vor.


Die X-Series erschien Ende 2008 ursprünglich mit den beiden Leistungsstufen 650 und 750 Watt. Die ersten Modelle hatten mit einer Effizienz-Einstufung von 80PLUS Gold, dem voll-modularen Kabelmanagement und der semi-passiven Lüftersteuerung gleich drei besondere Features an Bord, mit denen sie sich von der Konkurrenz abheben konnten. Im Herbst 2010 hat Seasonic dann die zweite Revision der X-Series auf den Markt gebracht, deren neue Modelle an den auf "x60 Watt" endenden Leistungsstufen zu erkennen waren. Neu hinzugekommen waren ein 560W- sowie ein 850W-Modell, welches den Vorgänger zum jetzt getesteten X-850 KM3 darstellt. An der Ausstattung hat Seasonic in der 2. Generation im Vergleich zur ersten Revision nicht viel verändert, aber Effizienz und Stabilität wurden etwas gesteigert. Auch Fanless-Modelle in zwei Varianten kamen hinzu. Im Jahre 2011 hat Seasonic dann die neue Platinum-Series eingeführt und die X-Series um zwei stärkere Modelle mit 1050 und 1250 Watt ergänzt, welche schon aktuelle Features wie die umschaltbare Lüftersteuerung in die X-Series einbrachten. In der zweiten Jahreshälfte 2012 wurde die Platinum Series, die bislang nur aus einem 860W- und einem 1000W-Modell bestand, um schwächere Modelle erweitert. Mit dem gegen Ende 2012 ausgerollten Update der X-Series hat Seasonic alle wichtigen Serien auf neuesten Stand gebracht.

x850 03sAus dieser Perspektive ist das X-850 KM3 nicht vom Vorgänger zu unterscheiden.

Äußerlich ist die neue Revision des X-850 kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Nur ein Blick auf die Innenseite mit dem veränderten Layout bzw. das Typenschild verrät das neue Modell.

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Das neue X-850 bringt ein geändertes Layout der Anschlussbuchsen mit.

Mit dem nun geänderten Layout des modularen Kabelmanagements behebt Seasonic eines der wenigen Mankos, die das "alte" X-850 hatte. Dieses hatte das Problem, dass für ein 850W-Modell der Premium-Klasse nur knappe Anschlussmöglichkeiten vorhanden waren, was aber allein der Beschränkung durch das Layout geschuldet war. Neben einem 8-Pin- waren nur zwei 12-polige Steckplätze für Doppelkabel vorhanden. Beim Einsatz von vier PCI-Express-Anschlüssen stand nur ein 8-Pin-Anschluss zur Verfügung. Ein Einsatz von zwei 8-Pin-EPS-Steckern hat die nutzbaren PCI-Express-Anschlüsse auf zwei Stück reduziert. Durch das neue Layout mit sechs Einzelbuchsen für 8-PIN- und PCI-Express-Anschlüssen ist man wesentlich flexibler aufgestellt.

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Unveränderte Leistungswerte beim X-850 KM3.

Am Typenschild sind nur minimale Veränderungen zu sehen. Wie schon erwähnt, ist die hochstellte "3" zur Kennzeichnung der neuen Revision leicht zu übersehen. Die Leistungswerte blieben unverändert: Das X-850 KM3 ist weiterhin ein klassisches Single-Rail-Netzteil, dessen 12V-Schiene mit 70 Ampere ausgelegt, was einer nominalen Leistung von 840 Watt entspricht. Die Nebenspannungen, die wie üblich über VRM, also per DC-DC-Wandlern generiert werden, sind mit zusammen 125 Watt belastbar.

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Das Innenleben des neuen X-850 KM3.

Ein Blick in das Netzteil zeigt hingegen einen deutlichen Unterschied zu älteren X-Series-Modellen. Das verwendete Platinenlayout haben wir bereits ziemlich genau 1:1 beim Platinum 660W gesehen. Hier und da kommen anders spezifizierte Bauteile zum Einsatz, aber die verwendete "KM3-Plattform" ist gleich, somit auch die Topologie mit "Full Bridge", LLC-Resonanzwandler, Synchronous Rectification und DC-DC-VRMs für die Nebenspannungen.

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Seasonics KM3-Plattform aus einer anderen Sicht.

Gut zu erkennen ist Seasonics aktuelle in den neuen X- und Platinum-Series-Modellen zum Einsatz kommende KM3-Plattform an der kleinen Tochterplatine mit Kühlkörper zwischen Haupttransformator und der kombinierten Anschluss-Platine des Kabelmanagements. Darunter verbergen sich die 12V-MOSFETs, die bislang direkt auf der Hauptplatine untergebracht waren. Seasonic verspricht sich von dieser Lösung bessere Kühlung und Vorteile bei der Effizienz.

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Das Anschlussfeld ohne Abdeckung

Im Bild oben ist rechts auch gut zu erkennen, dass die Buchsen für "12V-Verbraucher" direkt auf der Hauptplatine verlötet sind, was Leitungsverluste im Netzteil reduziert. Dieses Konzept, die Verbindungen nach Leistung zu trennen und auf der Anschlussplatine die Spannungswandler für die Nebenspannungen sowie alle weniger stark belasteten Buchsen unterzubringen, fand schon in der ersten X-Series Anwendung und scheint somit immer noch eine gute Lösung zu sein.

 

Kommen wir auf der nächsten Seite zu Lautstärke und Ausstattung des Seasonic X-850 KM3.


Auf das optimierte Layout des voll-modulares Kabelmanagementsystems der KM3-Modelle sind wir ja bereits schon kurz eingegangen. Die nun mögliche Konfiguration mit zwei 8-Pin-EPS- und vier PCI-Express-Anschlusskabeln ist für ein 850W-Modell sicher ausreichend. Da Seasonic zwei der vier PCI-Express-Kabel als Variante mit zwei Abgriffen ausführt, erhöht sich die Zahl der nutzbaren PCI-Express-Anschlüsse sogar auf sechs. Diese Variante hätte beim alten X-850, wo über den zwölfpoligen Stecker zwei Einzelkabel fest miteinander verbunden waren, deutlich weniger Sinn gemacht. Die Lösung, an einem Anschlusskabel zwei PCI-Express-Stecker anzubringen, ist zwar nicht optimal, aber in der Praxis problemlos einsetzbar, da meist nicht die maximal mögliche Leistung abgerufen wird. Man sollte halt nur nicht auf die Idee kommen, eine NVIDIA GTX 690 komplett über so ein einzelnes Kabel mit Doppelabgriff versorgen zu wollen.

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Das Anschlussfeld des X-850 KM3 mit dem "Seasonic Hybrid Silent Fan Control"-Schalter oben rechts.

Das X-850 KM3 bietet das von den Platinum-Modellen bereits bekannte "Seasonic Hybrid Silent Fan Control". Darunter verbirgt sich die Umschaltmöglichkeit zwischen aktivem und semi-passivem Betrieb per kleinem Kippschalter neben den Buchsen des Kabelmanagements.

Eine weitere Sache hat Seasonic bei der KM3-Revision unverändert gelassen, nämlich den Typ des verwendeten Lüfters. Der "San Ace" von Sanyo Denki kommt bereits seit dem ersten X-Series-Modell zum Einsatz. Der 120-mm-Lüfter verwendet eine doppelte Kugellagerung und scheint ein sehr zuverlässiges Modell zu sein, was bei einer siebenjährigen Herstellergarantie sicher auch im Interesse des Herstellers ist. Genau betrachtet hat Seasonic doch eine kleine Änderung vorgenommen, denn ursprünglich kamen einmal San-Ace-Modelle mit PWM-Anschluss zum Einsatz. Das jetzt verwendete Modell wird über die anliegende Spannung geregelt, was vermutlich der umschaltbaren Lüftersteuerung geschuldet ist. Von außen ist das aber nicht zu erkennen, denn der Lüfter des X-850 KM3 läuft mindestens genauso ruhig wie der früherer Modelle einschließlich des alten X-850.

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Der Lüfter des X-850 von oben betrachtet.

Im normalen, also aktiven Modus dreht der Lüfter des X-850 auch bei niedriger Last durchgehend. Die Drehzahl von 800 U/min erscheint auf dem Papier recht hoch, aber in der Praxis ist der Lüfter kaum wahrzunehmen. Nur in unmittelbarer Nähe ist schwach ein dumpfes Rauschen herauszuhören. Im Testbetrieb hat das X-850 die Drehzahl bis 50 Prozent beibehalten und bis zu einer Auslastung von 80 Prozent minimal auf 840 U/min erhöht. Erst im Bereich der Volllast wird der Lüfter richtig beschleunigt und dreht dann mit immer noch moderaten 1400 U/min. Das Lüfterrauschen ist dann zwar wahrnehmbar, aber von seinem Erscheinungsbild eher unauffällig bzw. nicht störend. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass im aktiven Modus das X-850 bis hin zu 80 Prozent sehr leise arbeitet und auch bei Volllast noch vergleichsweise geräuscharm zu Werke geht.

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Der bewährte "San Ace" von Sanyo Denki ist auch in Revision KM3 wieder mit dabei.

Im semi-passiven, also hybriden Lüftermodus kann das X-850 ebenfalls überzeugen. Bis zu einschließlich 50 Prozent Last verharrte der Lüfter im Ruhezustand. Erst am Lastpunkt 60 Prozent hat das X-850 den Lüfter gelegentlich für kurze Zeit bis auf ca. 850 U/min hochgefahren, wodurch das X-850 noch sehr leise blieb. Bei einer Auslastung von 80 Prozent waren die aktiven Phasen weiterhin sehr kurz, nur wurde der Lüfter kurzzeitig auf bis zu 1400 U/min beschleunigt, was ein dezentes, aber hörbares Lüfterrauschen zur Folge hatte. Unter Volllast lief der San-Ace-Lüfter des X-850 dann konstant mit 1400 U/min weiterhin im angenehmen Lautstärkebereich. Anzumerken ist, dass in die Lüfterregelung stark die tatsächliche Temperatur eingeht. Bei unserem Test hatte das frei auf einem Tisch liegende Netzteil natürlich optimale Arbeitsbedingungen. Je nach Einbausituation kann sich das Lüfterverhalten unterscheiden, der passive Bereich also evtl. kleiner sein.

Auch das neue X-850 kann in Sachen Lautstärke überzeugen: Im aktiven Modus arbeitet es insgesamt sehr leise und auch der große Arbeitsbereich im Passiv-Modus kann überzeugen.

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Das X-850 bei Vollbestückung

Insgesamt lassen sich am neuen X-850 KM3 zwei 8-Pin-EPS-, sechs PCI-Express-, zehn SATA- und fünf Molex-Anschlüsse realisieren. Gegenüber der alten Revision hat das neue X-850 damit deutlich zugelegt und auch das bessere Handling mit Einzelkabeln im PCI-Express-Bereich weiß zu gefallen. Für Festplatten und andere Peripheriegeräte stehen für diese Leistungsklasse genügend Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Vollbestückung wird das Entfernen von Kabeln aus der unteren Reihe zwar etwas fummelig, aber ist zugunsten der vielen Vorzüge des X-850 sicher zu verschmerzen.

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Die Kabelage des X-850.

Neu ist ebenfalls der Einsatz von Flachbandkabeln, die allesamt komplett schwarz gehalten sind. Das ATX-Kabel ist ebenfalls mit schwarzen Litzen und schwarzem Netzsleeve versehen. Die Flachbandkabel dürften auf Wunsch der User implementiert worden sein, aber sie bieten auch gewisse Vorteile bei der Verlegung und sind etwas günstiger in Sachen "Airflow". Die Kabellängen gehen beim X-850 in Ordnung.


Messwerte (Effizienz, Spannungsstabiltität)

Wir haben vor einigen Monaten unsere Testumgebung verändert und testen nun die Netzteile auf einer eigenen Chroma-Teststation. Eine Beschreibung unseres neuen Equipments ist hier zu finden.

Seit der Einführung des 80PLUS-Programms vor knapp 8 Jahren ist der Netzteilwirkungsgrad immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Das für Kunden einfach zu verstehende System hinter 80PLUS ermöglicht auch eine werbewirksame Vermarktung des Qualitätsfaktors Wirkungsgrad. Da das System der Zertifizierung bei dem Unternehmen, welches hinter 80PLUS steht, nicht unbedingt als manipulationssicher zu betrachten ist und sich insgesamt auch eher an den Interessen der Unternehmen als an den der Endkunden orientiert, sollte 80PLUS nicht überwertet werden. Keinesfalls darf man es als Qualitätssiegel für das gesamte Netzteil verstehen, denn die Effizienz ist nur ein Merkmal von vielen, welche für ein gutes Netzteil relevant sind. Vor dem Kauf eines Netzteils sollte man sich daher auch weiterhin aus verschiedenen objektiven Quellen informieren.

Unabhängig von 80PLUS: Das Schöne am Thema Netzteileffizienz ist, dass der Kunde mittlerweile mehrere Gründe für den Kauf eines darin besonders guten Netzteils finden kann. Er kann es zum wirklichen Einsparen von Energiekosten nutzen, er kann sein grünes Gewissen durch das eingesparte Kraftwerks-CO2 etwas beruhigen, aber der wahrscheinlich wichtigste Grund ist, dass eine hohe Effizienz auch an neueste und beste Technik glauben lässt. Daher ist ein Blick auf die Qualität der Ausgangsspannungen weiterhin wichtig, denn ein gutes Netzteil soll effizient UND stabil arbeiten.

Wirkungsgrad

Da sich mit unserer neuen Teststation neben der Leistungsaufnahme aus dem Stromnetz auch die an den (imaginären) PC abgegebene Leistung bestimmen lässt, können wir nun auch quantitative Vergleiche der getesteten Netzteile vornehmen.

effizienz

Den ersten Messpunkt haben wir wieder bei 5 Prozent Last eingefügt, da das X-850 KM3 hier mit 81,5 Prozent einen vergleichsweise guten Wert erreicht. Ansonsten ist eine Last von knapp über 40 Watt für ein 850W-Netzteil sicher nicht praxisnah. Gegenüber der älteren Plattform des X-850 hat sich das X-850 KM3 um gute zwei Prozentpunkte verbessert. Bei 10 Prozent Last kann das neue X-850 KM3 sich mit knapp über 89 Prozent klar vom alten Modell absetzen, was hier "nur" gute 85,6 Prozent erreichte.

Die Effizienz steigt dann mit zunehmender Last weiter stark an und erreicht beim 20-Prozent-Lastpunkt dann schon sehr gute 92,3 Prozent, womit es zweieinhalb Prozentpunkte vor seinem Vorgänger liegt. Seine höchste Effizienz erreicht das X-850 KM3 im Bereich 40 bis 60 Prozent Last, mit einem Spitzenwert von 93,4% bei 50 Prozent Last. Der Abstand zum Vorgängermodell schrumpft in diesem Bereich auf 1-1,4 Prozentpunkte. Wie auch schon das Diagramm oben zeigt, hat die neue Revision bei der Effizienz im niedrigeren Bereich vergleichsweise stark zugelegt und der Bereich der Spitzeneffizienz ist etwas breiter geworden. Bei weiter zunehmender Last fällt es später mit seiner Effizienz ab, weswegen es wieder einen Vorsprung von zwei Prozentpunkten gegenüber seinem Vorgängermodell ausbauen kann. Unter Volllast beträgt die Effizienz noch gute 91,5%.

Wir haben an den drei für 80PLUS relevanten Messpunkten (20%,50%,100% Last) jeweils kurz unsere Spannungsversorgung auf 115 Volt umgestellt und die gemessenen Werte von 90,8 Prozent, 91,8 Prozent und 88,8 Prozent bestätigen die Gold-Zertifizierung deutlich. Bei unserem Test hat das X-850 KM3 die Platinum-Anforderung nur am letzten Lastpunkt (100%) um 0,2 Prozentpunkte verfehlt. Aber vielleicht ist das seitens Seasonic auch ein kleines bisschen gewollt, um den Unterschied zur Platinum-Series klar definieren zu können.

effizienzvergleich

Interessant ist auch der direkte Vergleich an drei festen Lastpunkten, da sich hier die Netzteile direkt miteinander vergleichen lassen, als ob sie in demselben Rechner verwendet würden. Der erste Punkt mit 90 Watt Leistungsaufnahme entspricht älteren Office-PCs oder einem modernen Mittelklasse-System im Idle. Bei dieser für ein 850W-Netzteil eher untypischen Last liegt das X-850 KM3 mit fast 90 Prozent im Vergleich sehr gut und wird nur vom Platinum 660W um 0,8 Prozentpunkte geschlagen. Auf seinen Vorgänger kann das X-850 KM3 fast dreieinhalb Prozentpunkte herausholen.

Einen sehr guten Platz erreicht das X-850 KM3 auch bei einem Vergleich mit einer Belastung von 250 Watt, welches einem Mittelklasse-PC unter Last entspricht. Es liegt weniger als einen Prozentpunkt hinter der Platinum-Konkurrenz und gut einen Prozentpunkt vor dem alten X-850. Bei 500 Watt Leistungsaufnahme des imaginären Systems, welches einem durchschnittlichen Dual-GPU-Gaming-System entspricht, kommen auch die deutlich stärkeren Vergleichsnetzteile erst langsam in Fahrt, sodass das Feld insgesamt enger zusammenrückt. Mit einem Wirkungsgrad von knapp 93,3 Prozent kann das X-850 KM3 das relativ gesehen stärker belastete Platinum 660W knapp überholen und sich sogar vor dem Corsair AX1200i platzieren.

Auch wenn das neue X-850 KM3 die offizielle Platinum-Einstufung knapp verpasst hat, so zeigen unsere Ergebnisse doch deutlich das hohe Potential von Seasonics aktueller KM3-Plattform. Ein anderer Hersteller hätte dem X-850 KM3 sicher ein "80PLUS Platinum" verpasst.


Ausgangsspannungen

Die Qualität der Ausgangsspannungen ist eines der wichtigsten Merkmale eines Netzteils, eigentlich noch deutlich wichtiger als seine Effizienz. Arbeitet ein Netzteil nicht stabil bzw. liefert stark schwankende Spannungen, kann die Funktion des Rechners beeinträchtigt werden. Wir schauen uns daher einmal an, wie sich die Spannungen unter Last verändern und ob sie im durch den ATX Design Guide festgelegten Toleranzbereich bleiben. Dieser erlaubt Abweichungen von +/- 5 Prozent von der Sollspannung, der Wertebereich der Diagramme entspricht genau diesem Toleranzbereich.

Weiterhin schauen wir uns die Qualität der Ausgangsspannungen per Oszilloskop im Detail an. Die so genannten Ripple-/Noisespannungen sind hochfrequente Wechselspannungen, die auf die eigentliche Ausgangs-Gleichspannung aufgeprägt sind. Sie entstehen durch die Arbeitsweise von Schaltnetzteilen und werden je nach Güte des Netzteildesigns bzw. seiner Ausgangsfilter mehr oder weniger stark herausgefiltert. Im ATX Design Guide ist festgelegt, dass auf 12 Volt Werte von 120 mV (pp, "peak-to-peak"), bei 3,3 Volt und 5 Volt 50 mV (pp) auftreten dürfen.

spannung

Alle drei betrachteten Ausgangsspannungen zeigen sich bei steigender Last äußerst stabil. Die Nebenspannungen bleiben dabei fast perfekt konstant. Die 12V-Schiene fällt zwischen 5 Prozent und 100 Prozent Last nur um ca. 0,2 Prozent ab, was ebenfalls ein außergewöhnlich niedriger Wert ist. Alles in allem wieder eine Top-Performance von Seasonic.

ripple

Bei den Ripple-/Noise-Spannungen sieht die Lage ebenfalls sehr gut aus. Mit maximalen Schwankungswerten von ca. 20 mV(pp) auf 3,3 Volt und 19 mV(pp) auf 5 Volt zeigt das Seasonic sehr niedrige Werte. Auf 12-Volt-Seite kann das X-850 KM3 mit einem maximalen Wert von 20 mV(pp) ebenfalls voll überzeugen. Hier kann das X-850 KM3 zwar keine neuen Bestwerte setzen, aber die sehr gute Performance früherer Serien fortführen.

Das X-850 KM3 kann in Sachen Spannungsstabilität klar an die "Tradition" der bisherigen X- und Platinum-Series-Modelle anknüpfen und zeigt hier eine sehr gute Performance.


Seasonic hat mit der neuen KM3-Revisions des Klassikers "X-Series" einen großen Schritt voran gemacht. Die X-Series, die zuletzt trotz guter Effizienz und exzellenter Qualität etwas in den Hintergrund gerückt ist, ist nun wieder auf technisch aktuellem Stand. Die Verbesserungen, die Seasonic hat einfließen lassen, sind durchaus groß, was sicher auch daran liegt, dass ebenfalls Seasonics aktuelle KM3-Plattform zum Einsatz kommt.

Bei unserem Exemplar des X-850 der KM3-Revision konnten wir eine deutlich gesteigerte Effizienz beobachten. Rein formal wird "80PLUS Platinum" zwar nicht erreicht, aber dennoch bietet das X-850 KM3 eine bessere Performance als so manch anderes Netzteil mit 80PLUS-Platinum-Aufkleber. Die vergleichsweise hohe Effizienz im niedrigen Lastbereich, die wir auch schon beim Platinum 660W beobachten konnten, hat uns auch beim X-850 KM3 sehr gut gefallen. In Sachen Spannungsstabilität übertrifft es die Vorgängerrevision deutlich, bei den Ripple-/Noisespannungen liegt es Prinzip auf einem ähnlich guten Niveau wie die ältere Revision.

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Das geänderte Layout des voll-modularen Kabelmanagementssytems ist ein deutliches Plus gegenüber der Vorgängergeneration, da nun auch eine angemessen gute Ausstattung mit Anschlussmöglichkeiten möglich ist. Mit bis zu sechs PCI-Express-, zwei 8-Pin-EPS-, zehn SATA- und fünf Molex-Anschlüssen ist das X-850 gut ausgerüstet. Der Umstieg auf Flachbandkabel dürfte bei vielen Kunden auch auf Interesse stoßen.

Ein netter Bonus ist auch die Implementierung der umschaltbaren Lüftersteuerung. Im aktiven Modus arbeitet das X-850 über einen weiten Lastbereich sehr leise und wird auch unter Volllast nicht wirklich laut. Der semi-passive Modus erlaubt unter entsprechenden Umständen einen lüfterlosen Betrieb bis hin zu über 50 Prozent Last und darüber hinaus hält sich die Lautstärke des X-850 KM3 auch in Grenzen.

Positive Punkte beim Seasonic X-Series 850W (KM3)

Negative Punkte beim Seasonic X-Series 850W (KM3)

 EH Seasonic X850KM3 500pix