Test: Corsair AX1200i

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logoCorsair hat mit dem AX1200 bereits ein gutes High-End-Netzteil im Programm, aber das war Corsair anscheinend noch nicht gut genug. Die nächste Stufe trägt den Namen AX1200i und bringt trotz der nur kleinen Namensänderung einige fast schon revolutionäre Neuerungen mit. Erstmalig im Segment der "ATX-Netzteile" kommen intern digitale Steuerungselemente zum Einsatz, die für ein Plus an Stabilität, Effizienz und Flexibilität sorgen sollen. Die neuen Möglichkeiten hat Corsair gleich dazu genutzt, das AX1200i in das "Corsair Link" genanntes Hardware-Monitoring-System zu integrieren. Nebenbei ist das AX1200i auch Corsairs erstes Netzteil mit 80PLUS Platinum.

Die Modellreihe AX stellt bei Corsair die High-End-Produktlinie dar. Sie umfasste bis jetzt vier Modelle von 650 bis 1200 Watt und wurde nun um das AX1200i als neues Flaggschiff ergänzt. Das AX1200 hatten wir bereits 2010 in unserem Printed-Magazin getestet, das AX850 war erst im Frühjahr 2012 bei uns im Re-Test gewesen, wo es auch eine gute Performance zeigen konnte. Vermutlich möchte Corsair die beiden 1200W-Modelle AX1200 und AX1200i noch einige Zeit parallel laufen lassen. Das AX1200i ist aktuell mit einem Straßenpreis von ca. 275 Euro im Handel zu finden, wodurch es sich doch deutlich vom älteren AX1200 mit ca. 220 Euro abhebt. Auf den ersten Blick scheint der Aufpreis aber durch die neuen Features durchaus gerechtfertigt zu sein.

 

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Das AX1200i unterscheidet optisch nur wenig von seinem Vorgänger AX1200.

Das AX1200i ist ein High-End-Netzteil mit Single-Rail-Design, welches auf 12 Volt bis zu 100 Ampere liefern kann. Highlight ist die erstmalige Verwendung einer digitalen Steuerung im Herzstück des Netzteils. Das voll-modulare Kabelmanagement bietet bis zu sechs PCI-Express-Anschlüsse, zwei 8-Pin-EPS-Stecker und überdurchschnittlich viele Peripherieanschlüsse. Es verfügt über eine semi-passive Lüftersteuerung, Effizienz nach 80PLUS-Platinum-Niveau und einen Anschluss an Corsairs Link-System. Mit dem mitgelieferten USB-Adapter lassen sich diverse Spannungs-, Stromstärke- oder Leistungswerte auslesen, auch sind Veränderungen bei OCP- und Lüftereinstellungen möglich.

Hier die Fakten des Corsair in Tabellenform:

Technische Daten in der Übersicht
Hersteller und
Bezeichnung
Corsair
AX1200i
Modell 75-000784 / AX1200i
Straßenpreis ca. 275 Euro
Homepage www.corsair.com
Leistungswerte
+3,3V 30 A
+5V 30 A
+12V 110,4 A
+5Vsb 3,5 A
-12V 0,8 A
Leistung 12V 1204,8 W
Leistung 3,3V & 5V 180 W
Gesamtleistung 1204,8 W
Anschlüsse
ATX 24(20+4)-Pin
EPS/12V/CPU 2x 8(4+4)-Pin
PCI-Express
(6P / 8(6+2)P / 8P)
0 / 6 / 0
SATA 16
4-Pin Molex 12
Floppy 2
Features
Effizienz 80PLUS Platinum
Maße (LxBxH) 200 x 150 x 86 mm
Lüfter 140 mm, kugelgelagert
Kabelmanagement ja
Herstellergarantie 7 Jahre
Besonderheiten digitale Steuerung
semi-passive Lüftersterung
kompatibel zu Corsair-Link
(USB-Adapter dabei)

Werfen wir noch einen Blick auf den Lieferumfang des AX1200i.

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Beim AX1200i sticht in der USB-Adapter für die "Corsair Link"-Schnittstelle heraus.

Neben den obligatorischen Anschlusskabeln, einem gutem Handbuch und etwas Befestigungsmaterial lässt sich auch eine Tasche für nicht benötigte Kabel finden. Darüber hinaus ist ein Adapter für Corsairs "Link"-System dabei, welcher intern per USB über einen Pfostenstecker direkt auf dem Mainboard angeschlossen wird.

Auf der nachfolgenden Seite stellen wir das AX1200i näher vor.


Corsair hat das AX1200i erst vor Kurzem vorgestellt. Mit einem Straßenpreis von aktuell ca. 275 Euro ist es momentan eines der teuersten Netzteile auf dem Markt, aber seine Features relativieren seinen Preis im Vergleich zur Konkurrenz natürlich. Von außen wirkt das AX1200i genauso schlicht wie sein Vorgänger AX1200 oder auch die anderen Modelle der AX-Serie. Am Lüftergitter und auch dem Gehäuse selber hat Corsair kleinere Veränderungen vorgenommen, aber in erster Linie fallen das nun in Rot gehaltene "AX" und das kleine zusätzliche "i" auf.

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Das Design des AX1200i ist schlicht und funktional, nur das kleine "i" weist auf das Innenleben hin.

Die eigentliche Veränderung hat Corsair an der Technik im Inneren vorgenommen. Erstmals bei einem "ATX-Netzteil" wird digitale Technik für die Regelung genutzt. Bisher kam im Bereich der PWM- und PFC-Steuerung, die als zentrale Elemente die Spannungswandlung kontrollieren, analoge Technik zum Einsatz. Eine Referenzspannung wird als Soll-Signal vorgeben und auf Basis der gemessenen Ist-Werte wird ein Ausgangssignal generiert, welches dann (über die PWM-Ansteuerung der MOSFETs) die Arbeit des Netzteils so beeinflusst, das am Ende Soll- und Ist-Signal möglicht nah beieinander liegen. Im Prinzip also das gleiche simple Prinzip wie bei einem gewöhnlichen Differenzverstärker, ein rein analoger Mechanismus. Vorteil dieser Technik ist eine simple und schnelle Funktion, welche aber auch sehr starr ist. Der Ansatz einer "digitalen Steuerung" besteht darin, die bisherigen analogen Komponenten teilweise durch ein digitales System zu ersetzen. Ein- und Ausgangssignale sind bzw. können weiterhin "analog" sein, werden durch AD/DA-Wandler aber innerhalb der Regelung in digitale Werte umgesetzt und können dann beliebig verarbeitet werden. So ein "digitaler Signalprozessor" (DSP) als integriertes Bauteil bietet daher auch ganz andere Möglichkeiten. Beim AX1200i kommt mit einem "digitalen Signalcontroller" (DSC) die nächste Stufe zum Einsatz, die zusätzlich Microcontroller-Funktionen bietet und noch flexibler einzusetzen ist. Ein ähnlicher Trend ist nun seit ca. 2 Jahren bei Mainboards zu beobachten, wo im High-End-Bereich häufig "digitale Spannungswandler" zum Einsatz kommen, bei denen die zentrale Steuerung von digitalen Komponenten übernommen wird.

 

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Das AX1200i bietet ein voll-modulares Kabelmanagement

Im Mainboardbereich war festzustellen, dass eine gut abgestimmte analoge Regelung durchaus noch ihre Vorteile gegenüber ihren digitalen Konkurrenten haben konnte. Das Gleiche wird vermutlich auch im Netzteilbereich gelten, aber es braucht keine Kristallkugel für die Prognose, dass wir - vorerst nur im High-End-Bereich - schon bald dem AX1200i ähnliche Lösungen auch von anderen Herstellern sehen werden. Potential hat eine auf Digitaltechnik basierende Regelung in jedem Fall, auch wenn es natürlich auf deren Umsetzung (und Schnelligkeit) ankommt. Die digitale Regelung bietet - vereinfacht gesagt - einfach mehr "Stellschrauben", an denen man zum Erreichen einer optimalen Funktion drehen kann.

Corsair gibt beim AX1200i als direkte Vorteile eine verbesserte Effizienz und eine engere Spannungsregelung an. Beides Punkte, die wir an unserer Teststation messen können. In der Vergangenheit hat Corsair mit Fertigungspartnern wie Seasonic oder FSP zusammengearbeitet, beim AX1200i heißt der Partner Flextronics, eine offensichtlich gute Wahl.

 

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Von außen ist wenig von der neuen Technik zu sehen.

Die Neuerung beim AX1200i "beschränkt" sich auf die Regelung im Primärbereich, der Rest ist im Prinzip von aktuellen High-End-Netzteilen bekannt. So kommt ein intelligent(er) angesteuerter LLC-Resonanzwandler zum Einsatz, der durch "Synchronous Rectification" und DC-DC-Wandlern ergänzt wird. Wichtige Schutzschaltungen wie Überspannungsschutz (OVP), Überstromschutz (OCP), Übertemperaturschutz (OTP) oder Kurzschlussschutz (SCP) sind mit an Bord. Laut Typenschild präsentiert sich das AX1200i eigentlich als Single-Rail-Netzteil mit einer nominal 100,4 Ampere starken 12V-Schiene. Letztendlich kann es aber auch als Multi-Rail-Netzteil eingesetzt werden, denn über die Link-Schnittstelle lassen sich per Software für jeden der acht Ports für PCI-Express-/EPS-Kabel individuelle OCP-Einstellungen im Bereich von 0-40 Ampere setzen.

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Eindrucksvolle Leistungswerte auf dem Typenschild des AX1200i.

Das AX1200i bietet insgesamt 1204,8 Watt an Leistung, zu 100 Prozent auf der 12V-Schiene abrufbar. Eine beeindruckende Leistungsfähigkeit, auch wenn man sich fragt, woher dieser "krumme" Wert kommt. Reserven hat das AX1200i jedenfalls noch über diesen Wert hinaus, wie kurze Tests ergeben haben.

 

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Der 140-mm-Lüfter des AX1200i verwendet ein Doppelkugellager.

Beim Lüfter greift Corsair erneut auf ein kugelgelagertes 140-mm-Modell zurück, welches aber dank der semi-passiven Lüftersteuerung nicht permanent im Einsatz ist. Im Testbetrieb konnten wir bei unserem Modell feststellen, dass der Startpunkt des Lüfters bei ungefähr 40 Prozent Last liegt. Natürlich hängt das stark von den individuellen Bedingungen bzgl. der Temperatur und der Montage ab. Nach einem kurzen Hochdrehen pendelt sich der Lüfter dann im Bereich von knapp über 500 U/min ein. Mit steigender Last legt er kontinuierlich an Drehzahl zu, über 600 U/min (60 Prozent Last) und 800 U/min (80 Prozent Last) bis hin zu 950 U/min unter Volllast. Zuerst arbeitet der Lüfter dabei ziemlich leise, macht sich dann bei 800 U/min durch ein schwaches Surren bemerkbar, welches dann bei knapp 1000 U/min unter Volllast relativ deutlich wird. Insgesamt arbeitet das AX1200i über einen weiten Lastbereich angenehm leise und auch unter hoher Last bleibt es vergleichsweise ruhig.

Kommen wir auf der nächsten Seite zur Ausstattung des AX1200i.


Corsair hat dem AX1200i ein voll-modulares Kabelmanagement mitgegeben, welches insgesamt gute Anschlussmöglichkeiten bietet. Für die Verbindungen wird ein Stecksystem auf Basis eines im Rechnerbereich gängigen Standards ("Molex Mini-Fit Jr.") verwendet, welches auch bei den meisten anderen Netzteilen mit Kabelmanagement zum Einsatz kommt und sich auch bewährt hat.

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Ein näherer Blick auf das Anschlussfeld des AX1200i.

Das Buchsenfeld des AX1200i bietet zwei Besonderheiten. Ebenfalls neu im Bereich der ATX-Netzteile ist ein Selbsttest-Knopf, mit dem sich - z.B. vor Montage im System - testen lässt, ob das Netzteil korrekt arbeitet. Sollte nach Betätigung der Lüfter nicht kurz anspringen und die LED nicht grün sondern rot oder gar nicht leuchten, wird laut Corsair eine Kontaktaufnahme mit dem Kundendienst empfohlen. Falls dieser Fall eintreten sollte, wird man vermutlich dankbar an die siebenjährige Herstellergarantie denken, die Corsair auf das AX1200i gewährt. Die zweite Besonderheit ist der "COMM Port" genannte vierpolige-Anschluss, über den die Verbindung zu dem beiliegenden Corsair-Link-USB-Adapter hergestellt wird.

Links finden sich sechs sechspolige-Buchsen, über die SATA- oder Molex-Kabel für Peripheriegeräte angeschlossen werden. Über die acht achtpoligen Buchsen rechts werden PCI-Express- oder 8-Pin-EPS-Kabel angeschlossen. Die Nummern über den Buchsen sollte man sich merken, denn damit lassen sich die verwendeten Kabel bzw. damit versorgte Rechnerkomponenten in Corsairs Link-Software den entsprechenden Werten zuordnen.

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Die Nummern an den Buchsen helfen bei der Zuordnung in Corsairs Link-Software.

Über die Software lässt sich z.B. im Betrieb "live" verfolgen, über welche der 8-Pin-Buchsen gerade welcher Strom fließt. Wie erwähnt lassen sich für jeden Port auch OCP-Funktionen mit Auslösewerten von bis zu 40 Ampere aktivieren. Ströme, die über den ATX-Stecker bzw. die Peripherie-Ports fließen, werden getrennt erfasst.

ax18s Das AX1200i bei Vollbestückung.

Bis zu 16 SATA- und bis zu 12 4-Pin-Molex-Anschlüsse sind als überdurchschnittlich zu bezeichnen, zwei 8-Pin-EPS-Stecker sind in dieser Klasse Standard. Etwas enttäuschend hingegen ist die Anzahl von "nur" sechs PCI-Express-Anschlüssen. Zwar sind alle in flexibler 8(6+2)-Pin-Bauweise ausgeführt, aber "üblich" in dieser Leistungsklasse wären durchaus acht Stück. Ein Nachrüsten mit zwei weiteren Kabeln ist keine vollwertige Option, da mit zwei 8-Pin-EPS-Steckern und sechs PCI-Express-Kabeln schon alle acht Ports des AX1200i belegt wären.

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Das selbst schon 200 mm lange AX1200i wirkt bei Vollbestückung imposant

Die Kabellängen beim AX1200i gehen allesamt in Ordnung. Auch die Verbindung vom Netzteil über den Link-USB-Adapter zum Board sollte genügend Länge aufweisen.

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Das AX1200i bei Vollbestückung von oben betrachtet.

Das AX1200i bringt im Bereich Peripheriegeräte sehr gute Anschlussmöglichkeiten mit. Einzig kleiner Kritikpunkt ist bei 1200 Watt das Vorhandensein von "nur" sechs PCI-Express-Anschlüssen. 


Corsair bietet seit einiger Zeit ein "Corsair Link" genanntes System an, mit dem verschiedene Komponenten im Rechner "vernetzt" werden können. So bieten beispielsweise die Kompakt-Wasserkühlungen H100 und H80 eine Link-Schnittstelle, über die Temperaturwerte ausgelesen und Lüfterkennwerte beeinflusst werden können. Ebenfalls "Link-kompatibel" gibt es Speichermodule, Beleuchtungs- und Lüftersteuerungen. In Deutschland sind die "Link Commander" genannten zentralen Steuermodule, die die Verbindung zum PC herstellen, zwar noch nicht erhältlich, aber in den USA ist das System schon zu haben. Mit dem AX1200i ist nun ein weiteres kompatibles Gerät hinzugekommen, welches sich über die Software "Corsair Link Dashboard" auslesen und steuern lässt.

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Der USB-Adapter zur Verbindung von AX1200i und PC.

Dem AX1200i liegt ein USB-Adapter für den Anschluss eines Link-Gerätes bei. Die "Link Commander" als Einbaumodule bieten hingegen Anschlüsse für bis zu acht Link-Geräte. Das AX1200i lässt sich durch den Adapter also auch ohne weitere Komponenten des "Corsair Link"-Systems voll nutzen. Angeschlossen wird der Adapter über einen USB-2.0-Pfostensteckeranschluss direkt auf dem Board. Da so ein Pfostenstecker immer zwei USB-Ports bereitstellt, bleibt beim Einsatz des Link-Adapters mangels Durchschleif-Funktion ein USB-2.0-Port vom Board unbenutzbar. Der Adapter wird dann selber über das zweite Kabel direkt mit dem Netzteil verbunden.

Nachfolgend haben wir in eine Galerie einige Impressionen von Corsairs Links Dashboard im Zusammenspiel mit dem AX1200i zusammengefasst.

Angezeigt werden u.a. die momentane Effizienz, Power in, Power out, verschiedene Spannungen, verschiedene Ströme auf der Sekundärseite, Innentemperatur und Lüfterdrehzahl. Selbst steuern lässt sich die Lüfterdrehzahl (Automatik oder manuell per Prozent-Wert) sowie die OCP-Einstellungen für die acht 8-Pin-Buchsen.

Corsair weist selber darauf hin, dass in manchen Betriebsbereichen die Genauigkeit der Messwerte nicht gut ist. Im Test konnten wir beobachten, dass die Werte bei niedriger Belastung nicht wirklich zu gebrauchen sind. So ist unter 300 Watt Last das AX1200i laut eigener Aussage ein "perpetuum mobile", d.h. es liefert mehr Leistung, als es aus dem Netz bezieht. Immerhin geht die Anzeige des Wirkungsgrades nicht über 100 Prozent hinaus. Hier eine kleine Vergleichstabelle Chroma vs. Corsair Link. Die Werte sind nicht ganz exakt, da sie aus verschiedenen Testläufen stammen, sollten aber im Prinzip aussagekräftig sein.

Input [W]
Chroma 75 137 260 388 517 645 777 1043 1318
Corsair 76 140 264 392 515 648 776 1048 1316
Output [W]
Chroma 60 121 241 362 482 603 723 962 1201
Corsair 110 172 288 386 498 608 720 964 1214
Wirkungsgrad [%]
Chroma 80,4 88,5 92,7 93,2 93,4 93,5 93,0 92,3 91,2
Corsair 100,0 100,0 100,0 98,5 94,7 93,8 92,3 92,5 93,3

Die vom Stromnetz aufgenommene Leistung misst das AX1200i recht genau, nur verhageln die im unteren Bereich sehr ungenauene Werte der Leistungsabgabe auch die berechneten Effizienzwerte. Die Ströme auf PCIe1 bis PCIe8 werden erst ab ca. 4 Ampere erfasst, sind darüber aber brauchbar genau.


Messwerte (Effizienz, Spannungsstabiltität)

Wir haben vor einigen Monaten unsere Testumgebung verändert und testen nun die Netzteile auf einer eigenen Chroma-Teststation. Eine Beschreibung unseres neuen Equipments ist hier zu finden.

Seit der Einführung des 80PLUS-Programms vor knapp 8 Jahren ist der Netzteilwirkungsgrad immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Das für Kunden einfach zu verstehende System hinter 80PLUS ermöglicht auch eine werbewirksame Vermarktung des Qualitätsfaktors Wirkungsgrad. Da das System der Zertifizierung bei dem Unternehmen, welches hinter 80PLUS steht, nicht unbedingt als manipulationssicher zu betrachten ist und sich insgesamt auch eher an den Interessen der Unternehmen als an den der Endkunden orientiert, sollte 80PLUS nicht überwertet werden. Keinesfalls darf man es als Qualitätssiegel für das gesamte Netzteil verstehen, denn die Effizienz ist nur ein Merkmal von vielen, welche für ein gutes Netzteil relevant sind. Vor dem Kauf eines Netzteils sollte man sich daher auch weiterhin aus verschiedenen objektiven Quellen informieren.

Unabhängig von 80PLUS: Das Schöne am Thema Netzteileffizienz ist, dass der Kunde mittlerweile mehrere Gründe für den Kauf eines darin besonders guten Netzteils finden kann. Er kann es zum wirklichen Einsparen von Energiekosten nutzen, er kann sein grünes Gewissen durch das eingesparte Kraftwerks-CO2 etwas beruhigen, aber der wahrscheinlich wichtigste Grund ist, dass eine hohe Effizienz auch an neueste und beste Technik glauben lässt. Daher ist ein Blick auf die Qualität der Ausgangsspannungen weiterhin wichtig, denn ein gutes Netzteil soll effizient UND stabil arbeiten.

 

Wirkungsgrad

Da sich mit unserer neuen Teststation neben der Leistungsaufnahme aus dem Stromnetz auch die an den (imaginären) PC abgegebene Leistung bestimmen lässt, können wir nun auch quantitative Vergleiche der getesteten Netzteile vornehmen.

ax1200i effizienz

Der erste Messpunkt bei 10 Prozent Last liegt außerhalb des für 80PLUS relevanten Bereiches. Da die Netzteile auf einen Arbeitsbereich bei höheren Lasten hin optimiert werden, ist der deutliche Unterschied zur Spitzeneffizienz eine normale Sache. Im Falle des AX1200i liegt der Wirkungsgrad bei 10 Prozent bei ca. 88,5 Prozent, was verglichen mit anderen getesteten Netzteilen einen ausgesprochen guten Wert darstellt, noch besser als der des zuletzt getesteten PC Power & Cooling Silencer Mk III 1200W. Andere Netzteile erreichen hier zum Teil deutlich weniger.

Die Effizienz steigt dann mit zunehmender Last rapide und erreicht beim 20-Prozent-Lastpunkt dann sehr hohe 92,5 Prozent. Die höchste Effizienz wird dann bei um die 50 Prozent Last erreicht, mit einem Wirkungsgrad von knapp 93,5 Prozent. Danach fällt die Kurve ab, sodass bei Volllast noch gute 91 Prozent erreicht werden. Das Corsair AX1200i erfüllt also an jedem der für 80PLUS wichtigen Lastpunkte (20%/50%/100%) die Anforderungen von 80PLUS Platinum (90%/92%/89%) deutlich. Im Vergleich liegt es damit auch auf Augenhöhe mit anderen guten Platinum-Netzteilen wie z.B. dem Antec HCP 1000W oder dem Seasonic Platinum 1000W.

ax1200i effizienzvergleich

Interessant ist auch der direkte Vergleich an drei festen Lastpunkten, da sich hier die Netzteile direkt miteinander vergleichen lassen, als ob man sie in demselben Rechner verwendet. Der erste Punkt mit 90 Watt Leistungsaufnahme entspricht älteren Office-PCs oder einem modernen Mittelklasse-System im Idle. Bei dieser für ein 1200W-Netzteil sehr niedrigen Last liegt das AX1200i mit fast 85 Prozent im Vergleich auf ordentlichem Niveau. Auf kleinere Leistungen hin ausgelegte Netzteile liegen hier aber z.T. deutlich besser, aber 90 Watt wird ein für ein 1200W-Netzteil ausgelegtes System wohl auch kaum jemals ziehen.

Bei etwas höherer Last zeigt das Corsair AX1200i dann sehr gute Werte. Bei einer Belastung mit 250 Watt, welches einem Mittelklasse-PC unter Last entspricht, hat die Konkurrenz langsam Fahrt aufgenommen, aber mit ca. 92,4 Prozent liegt das AX1200i verglichen mit anderen, etwas stärkeren Netzteilen recht gut. Bei 500 Watt Leistungsaufnahme des imaginären Systems, welches einem durchschnittlichen Dual-GPU-Gaming-System entspricht, kommt das AX1200i richtig in Fahrt und zieht mit den bisherigen Spitzenreitern PC Power & Cooling Silencer MkIII 1200W, Antec HCP 1000W und Seasonic Platinum 860W gleich.

Bei sehr geringer Last ist das AX1200i durchschnittlich effizient. Sobald sich aber die Belastung in Regionen bewegt, die für ein 1200W-Netzteil praxisnah sind, bietet es eine überdurchschnittlich hohe Effizienz. Mit einem Wirkungsgrad von 88,5 Prozent bei 10 Prozent Last und 92,5 Prozent bei 20 Prozent Last setzt da AX1200i hier neue Bestwerte. Aber auch in Sachen Spitzeneffizienz gehört zu den momentan besten Netzteilen am Markt. Corsair scheint hier die "digitale Steuerung" sehr gut umgesetzt zu haben.


Ausgangsspannungen

Die Qualität der Ausgangsspannungen ist eines der wichtigsten Merkmale eines Netzteils, eigentlich noch deutlich wichtiger als seine Effizienz. Arbeitet ein Netzteil nicht stabil bzw. liefert stark schwankende Spannungen, kann die Funktion des Rechners beeinträchtigt werden. Wir schauen uns daher einmal an, wie sich die Spannungen unter Last verändern und ob sie im durch den ATX Design Guide festgelegten Toleranzbereich bleiben. Dieser erlaubt Abweichungen von +/- 5 Prozent von der Sollspannung, der Wertebereich der Diagramme entspricht genau diesem Toleranzbereich.

Weiterhin schauen wir uns die Qualität der Ausgangsspannungen per Oszilloskop im Detail an. Die so genannten Ripple-/Noisespannungen sind hochfrequente Wechselspannungen, die auf die eigentliche Ausgangs-Gleichspannung aufgeprägt sind. Sie entstehen durch die Arbeitsweise von Schaltnetzteilen und werden je nach Güte des Netzteildesigns bzw. seiner Ausgangsfilter mehr oder weniger stark herausgefiltert. Im ATX Design Guide ist festgelegt, dass auf 12 Volt Werte von 120 mV (pp, "peak-to-peak"), bei 3,3 Volt und 5 Volt 50 mV (pp) auftreten dürfen.

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Die von Corsair versprochenen Vorteile des "digitalen Designs" können wir nach der Auswertung der Messwerte durchaus bestätigen. Noch kein Netzteil hat seine Spannungen über den gesamten Lastbereich so konstant halten können. Schon im Testverlauf ließ sich der Einfluss der digitalen Steuerung beobachten. Auch bei sehr guten Netzteilen war bisher über den Test immer ein klarer Trend zu erkennen, nämlich dass die Spannung mehr oder weniger pro Laststufe absinkt. Das Corsair hat über den Test mehrmals "nachgeregelt" und dadurch ergibt sich auch die etwas schwankende Linie im Diagramm oben. Mit ca. 0,5 Prozent auf 12V und noch geringeren Veränderungen auf den Nebenspannungen sind die Schwankungen aber sehr gering.

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Bei den Ripple-/Noise-Spannungen sieht die Lage ebenfalls sehr gut aus. Auf 3,3 Volt werden maximal knapp 23 mV(pp), auf 5 Volt knapp 14 mV(pp) erreicht, was angesichts des Grenzwertes von 50 mV(pp) und der Tatsache, dass die Nebenspannungen immer etwas kritischer zu sein scheinen, als sehr gut zu bezeichnen ist. Die 12V-Schiene, die laut ATX Design Guide sogar Werte von bis zu 120 mV(pp) erreichen darf, erreicht auch unter Volllast nur einen als minimal zu bezeichenden Wert von 20 mV(pp).

Es freut uns, dass die versprochene bessere Spannungsregulierung nicht nur eine Erfindung der Marketingabteilung ist, sondern wirklich umgesetzt wurde. Die Spannungsregulierung ist wirklich sehr gut und auch in Sachen Ripple-/Noisewerte kann das AX1200i voll überzeugen.


Das AX1200i ist ein leistungsstarkes High-End-Netzteil, welches mit 1200 Watt und 80PLUS Platinum allein schon sehr gut aufgestellt ist. Darüber hinaus sind mit (voll-)modularem Kabelmanagement und einer guten Ausstattung an Kabeln auch weitere wesentliche Anforderungspunkte an ein Premium-Netzteil erfüllt. Corsair geht beim AX1200i aber noch darüber hinaus und hat - erstmalig bei "ATX-Netzteilen" - einen Teil des Netzteils auf digitale Steuerungselemente umgestellt. Die reale Umsetzung kann man ohne Fragen als gelungen bezeichnen, denn sowohl von der Effizienz als auch der Qualität seiner Ausgangsspannungen her ist das AX1200i jeweils ganz vorne mit dabei, wodurch das technische "Gesamtpaket" als exzellent zu bezeichnen ist.

Die Ausstattung ist sehr umfangreich, nur hätten sich einige User vielleicht acht anstelle von sechs PCI-Express-Anschlüssen gewünscht. An der Lautstärke gibt es nichts auszusetzen, denn nur bei höherer Last macht sich der Lüfter etwas bemerkbar, der sonst durch die semi-passive Lüftersteuerung sehr ruhig gehalten wird. Die Schnittstelle zum "Corsair Link"-System ist ein nettes Extra und rechtfertigt sicher auch einen Teil des Aufpreises. Auch wenn leider einige Messwerte aufgrund Ungenauigkeit nicht zu verwenden sind, so sind andere Werte hingegen durchaus nützlich, so z.B. die Lastverteilung auf die Anschlüsse.

 

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Corsair hat in den letzten Jahren schon viele gute Netzteile auf den Markt gebracht. Mit dem AX1200i ist ihnen ein Modell gelungen, welches nicht nur gut ist, sondern auch neue Maßstäbe setzt. Dieser Ausdruck mag etwas ausgelutscht klingen und das AX1200i ist jetzt auch keine "Revolution", aber dennoch ist es im Rahmen eines Evolutionsprozesses ein Schritt nach vorne. Die digitale Steuerung scheint beim AX1200i ein maßgeblicher Faktor an der sehr guten Effizienz und der beeindruckenden Spannungsregelung zu sein. Wer also das momentan technisch Beste am Markt sucht, sollte einen Blick auf das AX1200i werfen. Die Möglichkeiten über Corsairs Link-Schnittstelle zeigen auch etwas das zukünftige Potential zunehmend "digitaler" Netzteile auf. Momentan ist das sicher noch kein "must have".

Positive Punkte beim Corsair AX1200i

Negative Punkte beim AX1200i

 

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