Roccat Kave XTD im Test

Veröffentlicht am: von

k-IMG 3682Der deutsche Peripheriegeräte-Hersteller Roccat holt mit dem Roccat Kave XTD erneut aus, um den Headset-Markt zu erobern. Bereits das ursprüngliche Kave galt seinerzeit als sehr beliebt. Die XTD Variante löst das Ur-Modell nun ab. Für einen stattlichen Preis von derzeit gut 170 Euro, der im Vergleich deutlich gestiegen ist, will man aber auch einiges an Innovation anbieten. Es handelt sich dabei um ein echtes 5.1-Headset mit mehreren Lautsprechern pro Höhrmuschel. Zudem verfügt es über eine seperate Soundkarte, die mittels eines ausladenden Treibers viele Features verspricht.

roccat kave
Technische Daten des Roccat Kave XTD 5.1

Eigenschaft

Werte
Preis 170 Euro
Treibergröße 40 Milimeter Durchmesser
Treiberanzahl 3 pro Höhrmuschel
Frequenzbereich 20 - 20000 Hz
Kabellänge 3,6 Meter
Schnittstelle USB
Gewicht 335 g

 

Der Lieferumfang fällt schmal aus: Neben dem Headset selbst findet man lediglich eine Treiber-CD und eine kurze Anleitung vor. Viele andere Hersteller legen in solchen Preisbereichen zumindest noch eine Transporttasche bei, auf die Roccat verzichtet.


Wie bereits angesprochen handelt es sich bei unserem Testmuster um ein "richtiges" 5.1 Headset. Es wird also kein Raumklang wie bei vielen anderen Headsets durch eine Simulation erzeugt, sondern über mehrere Lautsprecher in jeder Hörmuschel realisiert. So wird jedes Ohr von jeweils einem 40 mm großen Treiber für die Front, einem Rear und einem  30-mm-Basslautsprecher beschallt. Eigentlich ist das Konzept des 5.1-Aufbaus bei Kopfhörern zwar relativ effektlos, da die Abstände der Lautsprecher innerhalb der Hörmuschel zu gering sind, wir sind aber dennoch gespannt, wie sich das Headset im Soundcheck schlagen wird, denn bereits das "alte" Kave konnte mit hervorragender Räumlichkeit punkten. Meist geht die Verwendung einer Vielzahl verschiedener Treiber eher zulasten der Qualität derselben. Logisch, denn statt zwei Treibern müssen ganze sechs Stück ins Budget des Headsets eingeplant werden.

roccat kave

Rein optisch hat sich bei Roccats neuem Kave XTD nicht viel getan. Es kommt immer noch in schlichtem aber hübschen Schwarz daher, was dem Großteil der Käuferschicht gefallen dürfte. Der Kunststoff wirkt erfreulich hochwertig. Auffällig ist die schiere Größe der Ohrmuscheln, welche ebenfalls dem 5.1-Konzept geschuldet ist. Dadurch ist auch das Kave XTD nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Es bringt 335 g auf die Waage, immerhin schon ein gutes Drittel weniger als der Vorgänger aus dem Hause des Hamburger Herstellers. Die Größenverstellbarkeit des Bügels ist gut gerastert und auch das Kabel des Kave XTD wirkt robust. Seitens der haptischen Qualität haben wir also keine Bedenken.

Bei unserem Probanden handelt es sich um ein geschlossenes Headset. Trotzdem schirmt es den Hörer nicht komplett von der Außenwelt ab, die Personen um den Nutzer herum, kriegen aber auch nur wenig mit vom Spielgeschehen. Etwa das Tippen auf der Tastatur ist in den meisten Fällen sicher lauter. Der Anpressdruck ist dennoch recht hoch, empfindliche Gemüter könnten hier auf Dauer Probleme bekommen. Wir sind diesen Umstand jedoch bereits vom Vorgänger und etwaigen anderen Probanden gewohnt, weshalb wir hier keinen unangenehmen Druck verspüren, sondern eher den festen Halt auf dem Kopf loben, der bei dem relativ hohen Gewicht des Probanden wichtig ist.

roccat kave

Für den nötigen Komfort während langer Spielesessions hat Roccat die Ohrmuscheln mit angenehm weichen Kunstlederpolstern versehen, die für ein gutes Tragegefühl sorgen. Der Kopfbügel verfügt über ein Schaumstoffpolster, das deutlich bequemer als die drei Lederpolster des Kave ist. Uns war es somit möglich das Kave ohne größere Probleme viele Stunden zu tragen. Erfahrungsgemäß werden die Ohren im Sommer aber durch die Lederpolster und den Anpressdruck leicht etwas schwitzig.

roccat kave

Per Bluetooth kann das Smartphone mit dem Kave XTD gekoppelt werden. Bei Annahme eines Anrufs wird das Mikrofon dann im Teamspeak gemutet und der Spielsound ausgeblendet, sodass ein Telefonat ungestört möglich ist. Zudem lassen sich alle Kanäle einzeln in ihrer Lautstärke regeln und die Wahl zwischen Movie- und Gamemode tätigen. An der Rückseite der Kabelfernbedienung befinden sich vier 3,5-mm-Klinkeausgänge, an die ein Soundsystem angeschlossen werden kann, sodass man einfach zwischen Headset und Lautsprechern umschalten kann. Sehr gut!


Der Treiber des Roccat Kave XTD fällt, wie man es von Roccat nicht anders gewohnt ist, sehr umfangreich aus. Im Reiter "Main-Control" lassen sich essentielle Einstellungen im Betrieb des Headsets vornehmen. Hier kann zwischen Stereo- und Surround-Wiedergabe gewechselt werden, die Sampling-Rate ausgewählt, aber auch Mikrofonverzerrer und Co. einstellen. Der Punkt AVN gleicht die Lautstärkepegel ab, sodass alle Geräusche ausgewogen laut erscheinen.

roccat kave

Unter "Advanced Control" folgen dann Einstellmöglichkeiten für den Bass, die Musikwiedergabe aber auch für das Mikrofon.

Im dritten Reiter findet man einen Equalizer, um den Klang gemäß des eigenen Geschmacks anpassen zu können. Es liegen einige Presets vor, die man mit den Einstellungen der anderen Reiter zusammen in einigen Profilen abspeichern kann.

roccat kave

Da wir nicht über professionelle Räumlichkeiten und Messgeräte verfügen, spiegeln unsere Ergebnisse lediglich den Klangeindruck des Redakteurs wider. Subjektivität lässt sich daher nicht vermeiden, auch wenn der testende Redakteur bereits Erfahrungen mit vielen Lautsprechern, Kofhörern, Headsets und Soundkarten gemacht hat. Die Teststücke liegen als Flac oder CD vor, einige aber auch als MP3, um auch das durchschnittliche Quellmaterial darzustellen. Ebenso befinden sich nicht nur hochqualitative Aufnahmen in unserem Testparcours, sondern auch Stücke schlechterer Qualität. Als "Referenz" dienen ein paar ESI Unik 05 Studiomonitore sowie ein Beyerdynamic Custom One Pro Kopfhörer angeschlossen an eine ASUS Xonar Phoebus und Creative Soundblaster ZXR.

roccat kave

Die Grundabstimmung des Roccat Kave XTD ist relativ ähnlich zum Vorgängermodell, man merkt schnell, dass eine gewisse Verwandtschaft besteht. Das Klangbild wirkt recht linear. Bass und Höhen erscheinen zurückhaltend die mittlere Tonlage dafür erstaunlich präsent. Für Vocal-Musik à la Johannes Oerding oder Xaivier Naidoo mag diese Abstimmung gefallen, bei rockigeren Stücken wirkt unser Proband aber oftmals zu gelangweilt. Bei der Wiedergabe mag einfach nicht so recht Freude aufkommen. Gerade der Bassbereich ist einfach kaum vorhanden, sodass die Bassdrum ein ums andere Mal im klanglichen Allerlei untergeht. Hoch- und Mittelton sind tonal in Ordnung, es fehlt jedoch oft an Klarheit. Licht im Dunkeln fanden wir im Treiber des Roccat Kave XTD. Das Equalizer-Preset "Electro" verleiht dem Headset all das, was wir bislang bemängelten. Es bringt durch eine Badewannenabstimmung also Anhebung von Hochton und Bass eine deutlich lebhaftere Wiedergabe. Mit diesem Preset gefällt uns das Kave um Klassen besser. Nun hat es den Punch, den wir uns vorstellen und auch "obenrum" klingt es tonal um Welten besser. In dieser Einstellung kann das Kave XTD in seiner Preisklasse ganz oben mitspielen. Obwohl der technische 5.1-Aufbau vermutlich einen Großteil des Budgets verschlingt, klingt es nicht schlechter als Stereo-Konkurrenten etwa aus dem Hause Sennheiser. Die Auflösungsqualität der Details ist in Ordnung, bietet aber noch etwas Verbesserungspotenzial. Die Bühnendarstellung in Michael Bubles "Feeling Good" ist, wie es bereits das originale Kave vermuten ließ, auf sehr hohem Niveau. Alle Instrumente des Orchesters erhalten ihren Platz auf der sehr breit gestaffelten Bühne. Ein wenig Kritik lässt sich höchstens noch im Bereich der Basswiedergabe finden, die manchmal nicht ganz so akkurat ist.

Die Spieletauglichkeit durfte der Kandidat im Online-Taktik-Shooter Counter-Strike: Global Offensive unter Beweis stellen. Das Game ist dafür bekannt, enorm abhängig von der Geräuschkulisse zu sein, die oft über Sieg oder Niederlage entscheidet. In etlichen Stunden bewies das Kave XTD, dass es genau hier hingehört. Erst in Spielen kann man die hervorragende Räumlichkeit vollends ausnutzen. Gegnerraktionen waren stets sehr deutlich zuzuordnen, was uns enorme Vorteile verschaffte. Nicht nur die Richtung, sondern auch die genaue Entfernung war sehr leicht abzuschätzen. Die Surround-Leistung des Probanden ist wie auch beim Vorgänger auf sehr hohem Niveau, weshalb gerade Spieler hier definitiv einen Blick wagen sollten. Auch im Filmeinsatz bewiesen sich die Multimediaqualitäten erneut, sodass das Spektakel von Transformers mit dem Kave XTD einmal wieder eine echte Freude zu sehen und zu hören war.


Eins kann man definitiv zum Roccat XTD sagen: Es ist geprägt durch das Vorgängermodell. Roccat schraubt zwar an vielen Stellen, sodass es etliche Verbesserungen gibt und auch eine USB-Soundkarte mit etlichen Funktionen ist hinzugekommen, aber rein optisch hat sich wenig geändert. Das Headset wirkt weiterhin sehr stabil und optisch ansehnlich. Das für Roccat typische schwarze Design mit blauen Akzenten ist zeitlos. Die Materialien wirken stets ansprechend und stabil.

Der Komfort des Kave XTD ist sehr überzeugend. Die Kunstlederohrpolster und das Schaumstoffpolster am Kopfbügel sorgen für ein angenehmes Tragegefühl - auch nach etlichen Stunden. Der Anpressdruck ist in Ordnung und sorgt für sicheren Halt. Auch die Klangqualität des Mikrofons beweist sich als sehr ordentlich und bietet keinerlei Anlass für Kritik.

roccat kave

Im Klangcheck gab es definitiv zwei Seiten, denn in der Grundeinstellung wirkt das Kave XTD oft recht bieder und so gar nicht wie ein Gaming-Headset. Die neutrale Abstimmung mag zum Spielen oft vielleicht recht sinnvoll sein, aber beim Musikhören mag damit nicht so recht die Freude aufkommen, da der Bass doch arg zurückhaltend und der Hochton eine große Schippe zu bedeckt ist. Im "Electro" Preset des Equalizers bietet das Kave XTD jedoch einen sehr gutes spaßiges Klangbild, dass uns gefällt.

Im Spieleinsatz kommen dann die wirklichen Qualitäten unseres Kandidaten zum Vorschein: Hervorragend präzise Räumlichkeit auf einer unglaublich breit gestaffelten Bühne ermöglichen eine ungemein gute Ortung von Feinden. Das Kave XTD ist damit prädestiniert für Shooter-Spieler. Das "echte" 5.1-Surroundkonzept geht daher gegen unsere Erwartungen wie beim Vorgänger mehr als auf. Eine erfreuliche Ausnahme auf dem Headset-Markt.

Alles in allem liefert Roccat mit dem Kave XTD ein wirklich gelungenes Gaming-Headset ab, das wenig echte Schwächen offenbart. Dennoch ist der Preis von aktuell etwa 160 Euro sicherlich nichts für schmale Geldbeutel. Beim Kauf des Kave XTD macht man sicherlich nicht viel falsch, jedoch gibt es in der Preisklasse etliche gute Hörer, die hohe Qualität besitzen. Zum primären Musikhören bieten sich hier etwa auch hochklassige HiFi-Kopfhörer an. Für Spieler ist das Gesamtpackage des Kave XTD jedoch erste Wahl.

 

 Positive Aspekte des Roccat Kave XTD:

 

Negative Aspekte des Roccat Kave XTD: