Ryzen-Mainboards für 100 Euro: Vier B350-Boards im Test

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amd ryzen teaser 100 AMDs Ryzen-Prozessoren haben Bewegung in den Prozessormarkt gebracht. Trotz High-End-Performance haben AMDs Prozessoren einen sehr guten Preis - und mit den passenden Mainboards lassen sich günstige und schnelle Systeme aufbauen. Wir haben vier Platinen mit AMDs B350-Chipsatz im Test: Das ASUS ROG STRIX B350-F Gaming, ASRocks AB350 Gaming K4, Gigabytes AB350-Gaming 3 und MSIs B350 Tomahawk vergleichen wir in diesem Artikel. Die erste Gemeinsamkeit: Alle kosten nur knapp 100 Euro in unserem Preisvergleich.

Ryzen-Mainboards müssen nicht teuer sein, das zeigt dieser Vergleich: Wir haben vier Mainboards im Test, die für ein normales Gaming-System oder eine Arbeitsumgebung mit kräftig Power alles bieten. Zwar haben wir oft High-End-Platinen im Test, die vor Erweiterungsoptionen, Schnittstellen, großzügigen Overclocking-Optionen und Multi-GPU-Möglichkeiten nur so strotzen, die meisten Anwender werden aber wohl schon mit einer Grafikkarte, einer guten Speicherausstattung, einer schnellen NVMe-SSD und guten USB-Schnittstellen zufrieden sein.

Aus diesem Grund testen wir einmal die Einsteiger-Boards, die bereits eine gute Ausstattung mitbringen: Bei allen Platinen im Test lässt sich eine Grafikkarte mit voller Performance ansprechen, alle Boards bieten vier DDR4-DIMM-Steckplätze für eine gute Speicherausstattung, zudem sind bei einigen sogar gute Onboard-Sounds, Gigabit-Ethernet-Schnittstellen und USB 3.1 Gen2 mit an Board.

Zusammen mit einem Ryzen-Prozessor im Sockel AM4 lässt sich so ein preiswertes Basissystem aufbauen. Das gesparte Geld kann man in eine größere SSD oder Grafikkarte stecken, was angesichts der erhöhten Grafikkartenpreise momentan auch eine Lösung ist, um trotz der hohen Kartenpreise doch noch seine Traum-GPU ins System zu bekommen.

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Die vier getesten Boards haben wir auf den folgenden Seiten gegenübergestellt. Die Kontrahenten sind hierbei:

Alle vier Boards setzen auf AMDs B350-Chipsatz, insofern beeinhalten alle die Features dieses Chipsatzes. Vier SATA-6G-Schnittstellen werden so geboten, zwei weitere kommen über den AMD Ryzen-Prozessor, den alle vier Hersteller aber auch als NVMe-M.2-Möglichkeit ausführen. Kommt eine NVMe-Karte zum Einsatz sind also zwei der insgesamt sechs SATA-Ports auf dem Board nicht ansprechbar. Der B350 bietet weiterhin diverse PCIe-2.0-Lanes, die die Hersteller unterschiedlich nutzen können, teilweise in PCIe-2.0-Slots mit einer x4-Anbindung, teilweise für Erweiterungschips in Form von zusätzlichen SATA-, M.2-Ports oder USB-3.1-Gen2-Chips. Alle Boards haben vier DIMM-Slots für bis zu 64 GB an DDR4, wobei Ryzen-typisch unterschiedliche Frequenzen je nach Dual- oder Single-Rank-Modulen und der Anzahl der Module spezifiziert sind. Alle Hersteller liefern hierfür aber im Handbuch eine Tabelle, auch in welcher Reihenfolge die DIMMs eingesetzt werden müssen.

Bei einem 100-Euro-Board können wir uns einen Vergleich aber sparen: Große Zugaben an Kabeln, Slotblenden und Einschüben hat keines der Boards, letztendlich darf man sich über zwei SATA-Kabel, ein Handbuch und die I/O-Blende "freuen", neben ein paar Zusatzblättern oder Aufklebern liegt den Boards nichts bei.

Werfen wir nun also ein Blick auf die Onboard-Komponenten und Design-Besonderheiten:


ASUS ROG STRIX B350-F Gaming

Beginnen wir mit der ersten Platine, die ASUS als ROG-STRIX-Modell branded. Insofern sollten Overclocking- und Gaming-Funktionen enthalten sein. Auffällig ist zunächst das komplett schwarze PCB, auch wenn ASUS einige RGB-LEDs einbaut und somit dem aktuellen Trend folgt, das Mainboards in irgend einer Form beleuchtet sein müssen. Auf der positiven Seite finden sich auch reichhaltige Kühlungsmöglichkeiten für die VRMs, die hier als 4+4-Spannungsversorgung für den Ryzen-Prozessor ausgeführt ist. Die Speichermodule können auf eine Phase zurückgreifen. Als einziges Mainboard in diesem Vergleich ist es beim ASUS-Board möglich, zwei Grafikkarten einzusetzen. Beide mit Metallstabilisierung ausgestatteten PCIe-3.0-x16-Ports laufen dann mit jeweils acht PCIe-3.0-Lanes. Vier ASM1480 sorgen als PCIe-Switch für diese Eigenschaft. Der dritte Port ist als PCIe-2.0-x4-Port angebunden, besitzt aber die volle x16-Länge. Weiterhin bietet ASUS drei x1-Slots.

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Der M.2-Slot ist bei ASUS oberhalb der Grafikkarte positioniert, sodass die SSDs einfach getauscht werden können, selbst wenn eine Grafikkarte eingesetzt ist. Der Onboard-Sound ist als "SupremeFX" gebranded und etwas hochwertiger mit Kondensatoren ausgeführt, es handelt sich aber um einen klassischen Realtek ALC1220A. Der Gigabit-Ethernet-Port ist hier nicht von Realtek, sondern von Intel: Ein I211-AT sorgt für die Kabelverbindung ins Netz.

Interessant: Lt. Handbuch und Aufdruck auf dem Board bietet ASUS viermal USB 3.0 und zweimal USB 3.1 (Gen1) auf der I/O-Leiste, als Header stehen USB 3.0 und USB 2.0 zur Verfügung. Performanceunterschiede gibt es hier nicht, denn bei USB 3.0 handelt es sich effektiv um USB 3.1 Gen1. Lustigerweise wurde dies auf der Webseite zum Board bereits korrigiert, hier finden wir nur nur noch die Bezeichnungen USB 3.1 (Gen1) und USB 3.1 (Gen2). Bei unseren späteren Tests bestätigte sich dann auch, dass das Board den Superspeed-Modus kennt.

Die üblichen sechs SATA-Ports sind auch hier zu finden, wobei zwei mit dem NVMe/M.2 geteilt an der Ryzen-CPU hängen und somit jeweils umgekehrt deaktiviert sind, wenn ein Gerät bereits angeschlossen ist. Ist eine Ryzen-CPU eingesetzt, sind auch der Display-Port und HDMI-Port auf dem I/O-Panel abgeschaltet.

Insgesamt sechs Fan-Header, davon ein AiO-Header, und zwei RGB-Header befinden sich auf dem Mainboard.

ASRock AB350 Gaming 4

Aus der "Fatal1ty"-Reihe stammt ASRocks AB350 Gaming K4, es ist also ähnlich einzuordnen wie ASUS' ROG-Mainboard. Allerdings gibt es einige deutliche Unterschiede zwischen den Platinen. Das beginnt bei der Spannungsversorgung, die ASRock als 3+3-phasige Versorgung auslegt, mit drei weiteren für die DIMMs. Die VRMs um den CPU-Sockel sind mit Kühlern bestückt, die in unserem Test auch absolut ausreichend waren. Den ersten PCIe-Slot hebt man mit mechanischer Metallstabilisierung als den Wichtigen ab: Er ist der PCIe-3.0-x16 für die Grafikkarte, die restlichen Ports sind an den B350 angebunden und somit nur PCIe-2.0-Ports. Der zweite x16-Port besitzt wie alle folgenden Boards im Vergleich nur eine x4-Anbindung. Multi-GPU-Setups sind also eher nicht geeignet für dieses Board.

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Als Onboard-LAN verwendet ASRock einen Realtek RTL8111GR, als Sound kommt der etwas angestaubte Realtek ALC892 zum Einsatz. Der Bereich um den Sound ist im Vergleich zu ASUS und Gigabyte auch deutlich einfacher aufgebaut. Im Vergleich zu anderen als Vorteil ist zu nennen, dass ASRock mehr SATA- und M.2-Ports integriert: Einer der M.2-Slots befindet sich oberhalb des Grafikkarten-Slots und ist mit der CPU verbunden. Während bei den anderen Boards der SATA-Port 5 und 6 abgeschaltet werden, führt ASRock diese erst gar nicht nach aussen. Der M.2-Port unterhalb des unteren PCIe-x16-Slots kann ebenso eine NVMe-SSD aufnehmen. Allerdings ist der Controller mit denselben PCIe-2.0-Lanes verbunden wie der untere PCIe-x16-Port, dieser ist beim Einsatz der SSD dann abgeschaltet. Die SATA-Ports neben den DIMM-Steckplätzen werden von einem ASMedia ASM1061 angebunden, was dem Board einen Vorteil von zwei weiteren SATA-Ports im Vergleich zur Konkurrenz verschafft.

Weitere Details auf dem Board sind die fünf FAN-Header, davon einer als All-in-One-Wasserkühler-Header, und ein LED-RGB-Header. Auf dem I/O-Planel setzt ASRock noch auf zwei USB-2.0-Ports, einer davon mit dem "Fatal1ty Maus Port"-Feature. Weiterhin vorhanden: Insgesamt sechs USB-3.0-Anschlüsse, davon einer als "Type C", USB 3.1 Gen2 fehlt wie bei der ASUS-Platine. Der VGA-, HDMI- und DVI-Ausgang ist nur nutzbar mit einer AMD-APU wie Raven Ridge, mit Ryzen sind sie abgeschaltet.

Gigabyte AB350-Gaming 3

Auch beim AB350-Gaming 3 sind einige Slots etwas Blendwerk: Der zweite PCIe-x16-Slot ist über vier PCIe-2.0-Lanes des B350 angebunden, der dritte PCIe-x16-Slot ist sogar nur mit einer Lane angebunden. Für Multi-GPU-Setups ist das Board also eher nicht geeignet, was für ein 100-Euro-Board aber auch nicht vorgesehen sein sollte. Gigabyte setzt auf einen Realtek-Gigabit-Ethernet-Chipsatz, bietet viermal USB 3.1 Gen1 und zweimal USB 3.1 Gen2 über das rückwärtige I/O-Panel, zudem weitere USB-3.1-Gen1- und 2.0-Ports über jeweils einen Front-Header auf dem Board. Gigabyte mixt hier eifrig im Handbuch die Bezeichnungen, bei den dort weiterhin erwähnten USB-3.1-Gen1-Ports handelt es sich um die als USB 3.0 auf dem Mainboard beschrifteten Header.

Als Besonderheit ist der goldene USB-3.1-Gen1-DAC-Port auf dem I/O-Planel zu nennen. Weiterhin setzt Gigabyte auch bei der günstigen Platine bereits auf eine etwas höherwertige Audio-Lösung (AMP Up Audio und Realtek ALC 1220). RGB-Funktionen werden geboten und dürfen bei dem Gaming-Board natürlich auch nicht fehlen. Fünf FAN-Header befinden sich auf dem Board, darunter ein AiO-Header, zudem auch ein LED-Header zum Anschließen weiterer LED-Geräte.

Als Nachteil ist sicherlich die Positionierung des M.2-NVMe-Slots zu erwähnen, der unter dem ersten PCIe-x16-Slot der Grafikkarte nicht einfach zugänglich ist. An einer anderen Position könnte man die SSD auch austauschen, ohne dass man die zwingend einzusetzende Grafikkarte vorher ausbauen muss. Für Ryzen-Nutzer überflüssig sind zudem die DVI- und HDMI-Ports auf dem I/O-Planel, die man aktuell nur mit älteren AM4-Prozessoren mit integrierter Grafik nutzen kann. Wie bei allen B350-Boards werden zwei SATA-Ports abgeschaltet, wenn NVMe genutzt wird, bei Gigabyte sind dies die als "A-SATA" gekennzeichneten Ports, die über die Ryzen-CPU laufen.

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Bei einem Blick auf die VRMs findet man die üblichen sieben Phasen (4+3) für die Ryzen-CPU vor, die auch auf allen anderen Boards so zu finden sind. Ebenso ist eine Phase für den Speicherbereich zu sehen - auch hier unterscheiden sich alle vier Boards somit nicht. Bezüglich der Kühlung ist das Gigabyte-Board mit am spärlichsten ausgestattet, aber das ist in diesem Fall kein Problem. Temperaturprobleme konnten wir keine feststellen. Die metallene Unterstützung der PCIe-Slots sieht sicherlich gut aus, hilft aber auch etwas bei schweren Grafikkarten, um die dauerhafte Stabilität des Slots zu gewährleisten.

MSI B350 Tomahawk

MSIs Tomahawk-Board mit B350-Chipsatz kommt im Military-Look: PCB und Kühlkörper sind entsprechend gestyled. Wie die bisherigen Platinen liefert man einen metallverstärkten PCIe-3.0-x16-Slot für die Grafikkarten, die restlichen Slots sind über den B350 als PCIe-2.0-Geräte angebunden. Interessant: Das Board besitzt noch PCI-Slots - entsprechend könnten alte Karten weiter eingesetzt werden. Der M.2-Slot befindet sich an der ungünstigen Position unterhalb der Grafikkarte. Damit man nicht das Problem hat, dass SATA-Ports abgeschaltet werden, lötet MSI diese gar nicht erst auf das Mainboard. Die vier SATA-Ports sind somit komplett über den B350 gelöst und immer aktiv. Die Spannungswandler sitzen unter Kühlkörper und sind als 4+3-phasige Versorgung für die CPU und einphasige Versorgung für den Speicher ausgeführt.

Lustig: Die DIMM-Slots nummeriert MSI als "DimmA1" bis "DimmB2" durch, und schreibt hinter die A2- und B2-Dimms "First" dahinter, um anzuzeigen, dass man die zweiten Slots zuerst nutzen soll. Warum hat man sie dann nicht gleich A1 und B1 genannt?

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Die Onboard-Chips stammen von Realtek: Der ALC892 ist bereits auf ASRocks Platine zu sehen gewesen, auch bei MSI kommt er für den Sound zum Einsatz. Auch wenn der Codec etwas älter ist, hat MSI zumindest einige Kondensatoren mehr verbaut als ASRock. Der Gigabit Ethernet stammt auch von Realtek, hier ist es der RTL8111H.

Sämtliche anderen Schnittstellen stellt entweder die Ryzen-CPU oder der B350-FCH zur Verfügung. So auch die USB-Schnittstellen auf dem I/O-Panel, wobei zwei USB 2.0 und vier USB 3.1 (Gen1) verfügbar sind. Ein USB 3.1 führt MSI dabei als Typ C aus. Weitere USB 3.1 Gen1 können intern per USB-Header zugänglich gemacht werden, wobei diese dem B350 entstammen. Sechs FAN-Header (davon ein All-in-One-Wasserkühlungs-Header) und ein RGB-LED-Header komplettieren das Bild.


ASUS ROG Strix B350-F Gaming

Das ASUS-Board testeten wir in der neuesten BIOS-Version 0809, das wir per EZ Update 3 über das BIOS direkt flashen konnten. Und man mag staunen, was ASUS in ein 100-Euro-Board quetscht: Ein umfangreiches BIOS, ähnlich dem großer Platinen, mit allen möglichen Funktionen, angefangen von Q-Fan bis über Overclocking- und Tweaking-Möglichkeiten. So finden wir fein einstellbare Möglichkeiten für die CPU-Spannung, den SOC und DDR4, aber auch diverse andere Spannungen. Die CPU-Spannung lässt sich von 0,5 bis 1,6875 V in 0,00625-V-Schritten justieren. Auch XMP-Profile werden vom Board ausgelesen und von Ryzen korrekt umgesetzt, 2.933 MHz mit den voreingestellten Settings führten zu einer deutlichen Beschleunigung des Systems.

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Während Timings, Spannungen und Taktfrequenzen hervorragend einstellbar waren, mussten wir bei Q-Fan etwas selber Hand anlegen. Die Lüftersteuerung erkannte zwar unsere Lüfter und die Anlaufspannungen, allerdings war zumindest für die verwendete Corsair-All-in-One-Wasserkühlung die Schwelle von "volle Pulle" auf Silent zu gering gewählt. Das System fuhr bei kleinster Last die Lüfter auf maximale Lautstärke und dann sofort wieder in den Silent-Moduls, was zu einem recht nervigen An-/Aus der Lüfter führte. Mit einem manuellen Eingriff in die Lüftersteuerung im BIOS ließ sich dies aber schnell korrigieren.

ASRock AB350 Gaming K4:

Auch ASRock bietet recht viel in der Version 3.00 des UEFI-BIOS, welches uns zum Test vorlag. Wir führten ein Update von der Vorversion mit Instant Flash im BIOS durch, weiterhin bietet ASRock auch immer noch die Möglichkeit an, es über DOS zu aktualisieren. Vom Layout her sieht die BIOS-Version etwas altbacken aus, aber dafür hat sie verschiedenste Einstellungsmöglichkeiten. Im Hardware-Monitor versteckt sich eine umfangreiche Lüftersteuerung, allerdings bekamen wir unseren Lüfter anders als sonst nicht zum Aufdrehen - er lief immer auf recht entspannten Drehzahlen. Auch Overclocking-Optionen findet man reichhaltig im BIOS des Boards.

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XMP probierten wir aus, allerdings startete das Board nicht mit den XMP-Einstellungen, der Monitor blieb schwarz. Die Timings der Speichermodule lassen sich jedoch im BIOS auch manuell justieren, sodass der Anwender eventuell hier selber Hand anlegen sollte, wenn man den Speicher beschleunigen möchte. Ein paar kleinere Schönheitsfehler sind auch vorhanden (z.B. Benennung der CPU-Stromsparfunktionen als Cool'n'Quiet), aber dies sind eher Kleinigkeiten.

Gigabyte AB350-Gaming 3:

Das BIOS des Gigabyte-Boards lag uns in der Version F7 vor, welche wir über @Bios aktualisierten. Auch über das BIOS selber lasst sich mit Q-Flash das BIOS einfach updaten. Es sieht etwas altbacken aus, besitzt aber alle notwendigen Features. An einigen Stellen benutzt Gigabyte aber auch falsche Begriffe, beispielsweise steht "Cool'n'Quiet" aus alten Athlon-Tagen noch für die Energiesparoptionen für den Ryzen-Prozessor. In unserem Test funktionierten XMP-Profile ohne Probleme und wurden zuverlässig erkannt. Timings der Speichermodule sind einstellbar, auch besitzt das Board rudimentäre Overclocking-Funktionen, aber nicht für den Referenztakt. Immerhin konnten Spannungen im Offset von -0,3 bis +0,3V in 0,006-V-Schritten verändert werden. Auch die SoC-Spannung und DDR-Spannung ist veränderbar.

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Etwas auf Kriegsfuß standen wir mit der Lüftersteuerung, bei denen wir zwar manuell einiges einstellen konnten, aber der Lüfter lief hörbar weiter auf den alten Einstellungen. Insofern würden wir uns wünschen, das Gigabyte dem Board auch noch ein Update verpasst, ähnlich dem der großen Ryzen-Boards, wo das BIOS deutlich umfangreicher und stimmiger erschien.

MSI 350 Tomahawk:

MSIs Board testeten wir in der BIOS-Version 7A34v17, also Version 1.7. Diese hatten wir über M-Flash im BIOS ausgeführt, wofür allerdings ein USB-Stick benötigt wird - von der Festplatte können wir nicht flashen. Das MSI-BIOS ist von der Oberfläche sicherlich eines der modernsten, mit einer einfachen Ansicht zum Klicken und einer etwas detaillierteren Expertenansicht. Und so sind auch diverse Dinge einstellbar, unter anderem eine umfangreiche Lüftersteuerung, die ebenso eine graphische Benutzeroberfläche mitbringt. Unsere All-in-One-Wasserkühlung konnten wir jedoch nicht wirklich "ruhig stellen", normale CPU-Lüfter ließen sich aber ohne Probleme regeln.

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Interessanterweise fand MSI gleich zwei XMP-Profile auf unserem Speichermodul, eines mit 2.800 MHz und eines mit 3.000 MHz. Nur das 2.800-MHz-Profil funktionierte dann am Ende auch. Korrekt wäre ein 2.933-MHz-Profil gewesen. Allerdings ist auch hier die Möglichkeit gegeben, sämtliche Einstellungen manuell vorzunehmen. Das funktionierte im Test auch ohne Probleme. Auch Overclocking-Funktionen und Voltage-Einstellungsmöglichkeiten liefert MSI mit.


Wir testeten alle vier Modelle mit einem identischen Testsystem gegeneinander. Dieses bestand aus den folgenden Komponenten:

Zum Einsatz kam Windows 10 mit entsprechenden Optimierungen für Ryzen-Prozessoren und aktuellen Treibern.

Als Benchmarks führen wir wie immer Cinebench, Sisoft Sandra, 7-Zip und 3DMark Time Spy aus, wie bei allen anderen Mainboardtests unterscheiden sich die Ergebnisse aber nur geringfügig:

Cinebench 15

Punkte
Mehr ist besser

7-Zip

MIPS
Mehr ist besser

Speicherbandbreite

SiSoft Sandra

GB/s
Mehr ist besser

3D Mark Time Spy

Punkte
Mehr ist besser

Im Endeffekt liegen alle Mainboards in einer sehr kleinen Bandbreite - nur Gigabyte zeigte eine etwas geringere Speicherbandbreite, was sich auch in einer etwas niedrigeren 7-Zip-Performance niederschlug. Selbst diese ist aber nur ein halbes Prozent hinter dem Rest. Somit kann man feststellen: In der Performance unterscheiden sich die vier Mainboards nicht.


Als nächstes werfen wir einen Blick auf den Stromverbrauch. Hier haben wir den Idle-Stromverbrauch gemessen und anschließend das System mit Cinebench belastet. Angegeben sind zudem auch noch als dritter Wert die Lastdaten unter Prime95. Die angegebenen Werte beziehen sich auf das Gesamt-PC-System.

Stromverbrauch – Idle

Watt
Weniger ist besser

Stromverbrauch – Load

Cinebench

Watt
Weniger ist besser

Stromverbrauch – Load

Prime95

Watt
Weniger ist besser

Im Idle-Betrieb liegen die vier Boards zwischen 45,9 und 49,6W. Größtenteils lassen sich diese Abweichungen aber auch durch die Lüftersteuerung relativieren, denn beim sparsamen ASRock-Board lief die Lüftersteuerung auf niedrigstem Wert, bei MSI hingegen liefen die Lüfter unserer All-In-One auf deutlich höheren Drehzahlen. Entsprechend gibt es im Idle-Bereich nur geringfügige Unterschiede.

Unter Last zeigen ASRock und ASUS die beste Performance, Gigabyte und MSI verbrauchen hingegen etwas mehr. Auch hier haben die Lüfter natürlich einen Einfluss, denn wir hatten ja schon genannt, dass ASRock nur geringfügig nach oben geregelt hat. Bei ASUS lief die Lüftersteuerung aber zufriedenstellend an, insofern sind die erreichten 111,6 Watt bzw. 116,9 Watt in Prime hier etwas besser als die Konkurrenz.

Overclocking

Alle vier Mainboards haben Overclocking-Möglichkeiten im BIOS. So finden sich bei einigen auch Möglichkeiten zum Ändern des Referenztaktes, alle haben aber zumindest die Möglichkeit, den Multiplikator des Ryzen-Prozessors zu ändern. Dies ist - Dank 0,25er-Multiplikatoren - bei Ryzen auch die einfachste Möglichkeit des Overclockings. Zudem haben alle vier Hersteller auch Möglichkeiten im Angebot, die Spannungen hochzusetzen. Für die wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten bieten die vier folgende Werte:

  ASUS ASRock MSI Gigabyte
CPU-Spannung 0,5 bis 1,6875 V in 0,00625-V-Schritten 0,875 bis 1,55 V in 0,00625-Schritten 0,90 bis 1,55 in 0,0125-V-Schritten -0,3 bis +0,3 V in 0,006-V-Schritten
SOC-Spannung 0,5 bis 1,4 V in 0,00625-V-Schritten 0,5 - 1,4 V in 0,00625-V-Schritten 0,90 bis 1,3 V in 0,0125-V-Schritten 0,0 bis 0,3 V in 0,01-V-Schritten
DDR-Spannung 1,2 bis 1,8 V in 0,005-V-Schritten 1,2 bis 1,8 V in 0,005-V-Schritten 0,8 bis 1,5 V in 0,01-V-Schritten 1,0 bis 2,0 V in 0,01-V-Schritten

Alle Hersteller bieten für diese Spannungen ausreichende Einstellungsmöglichkeiten, teilweise wie ASUS und ASRock sogar ziemlich feine Justierungsmöglichkeiten. ASUS schießt mit diversen weiteren Spannungen im Vergleich aber den Vogel ab und bietet für ROG-Mainboards typische Spannungsjustierungsmöglichkeiten an.

Bei den Übertaktungsresultaten ist es natürlich immer CPU-abhängig, welche Ergebnisse erreicht werden. Von unserer CPU wissen wir, dass sie ungefähr 3,975 GHz im Lastbetrieb stabil erreicht. Wir haben also versucht herauszufinden, welches Board diese Taktfrequenzen erreichen kann und bei welcher Spannung.

  ASUS ASRock MSI Gigabyte
Overclocking-Resultat 3,95 GHz mit 1,35 V (188 Watt) kein Resultat 3,972 GHz mit 1,36 V (211 Watt) 3,975 GHz mit 1,35 V (194,7 Watt)

Ein Mainboard schied leider aufgrund von Problemen aus: Bei ASRock führte jede Einstellung im BIOS dazu, dass das Board mit 1,6 GHz startete und bei 0,8 V lief - auch mit dem Ryzen Master Tool konnten wir kein Overclocking erreichen. Das aktuelle BIOS scheint hier also noch fehlerhaft zu sein.

Alle anderen drei Platinen erreichten Werte um 3,95 bis 3,975 GHz. MSI und ASUS liefen dabei mit dem 39,5-Multiplikator, wobei MSI den Bus etwas mit übertaktete, Gigabyte hingegen erreichte auch mit 39,75er-Multiplikator noch ein stabiles Systemverhalten. MSI setzte dabei unter Last trotz einer Einstellung von 1,35 V die Spannung auf 1,36 V herauf, die Loadline-Calibration ist hier also sehr agressiv im Overclocking eingestellt. Effektiv waren die dann dort verbrauchten 211 Watt auch schon etwas viel.


Wie immer testen wir natürlich auch die Bandbreite der entsprechenden Schnittstellen. Beginnen wir mit der SATA-Performance, die wir mit der WD Blue 1TB getestet haben. Hier gibt es bei allen vier Boards die geringsten Unterschiede:

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Wie gewohnt befinden sich bei den implementierten SATA-Schnittstellen die Limitierungen bei 540 MB/s im Lesen und knapp 500 MB/s im Schreiben.

Weiter geht es mit der NVMe-Performance. Hier haben wir den an die CPU angebundenen M.2 verwendet und diesen mit einer Samsung 960 Pro mit 240 GB bestückt. Atto zeigt in dieser Konfiguration die folgenden Werte:

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Interessanterweise konnten wir hier - trotz theoretisch gleicher Anbindung an die CPU - tatsächlich Unterschiede erkennen. In den Maximalwerten lagen alle vier Hersteller bei 3,4 GB/s lesend und 2,1 GB/s schreibend. Bei größeren Transfer Sizes konnte Gigabyte aber besonders punkten, die 3 GB/s erreichte man auch noch bei 64 MB Transfer Size. Gigabyte und ASRock brachen auf ca. 1,2 GB/s schreibend und 1,7 GB/s lesend ein, während ASUS die niedrigste Bandbreite mit nur noch knapp 0,9 GB/s schreibend und 1,1 GB/s lesend vorweisen konnte.


Bei den USB-Schnittstellen gibt es bei dem Test großes Verwirrpotenzial: Die Hersteller schmeißen mit verschiedenen Begriffen nur so um sich. USB 3.0 und USB 3.1 Gen1 sollten bei allen Boards mit dem von uns verwendeten DeLOCK RAID-Gehäuse, in das wir zwei SSD mit M.2 gesetzt haben, ungefähr auf die maximalen Transferraten von knapp unter 500 MB/s lesend und schreibend kommen. Bei den USB 3.1 Gen2-Implementierungen sollte es in der Regel aber auch möglich sein, bereits im Superspeed-Modus auf Übertragsungsraten von knapp 1 GB/s zu kommen.

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ASRock und MSI bieten nur die langsamere USB-Implementierung (USB 3.0 oder USB 3.1 Gen1). ASUS und Gigabyte können hingegen mehr und bieten auch USB 3.1 Gen2 (oder wie ASUS es verwirrender Weise noch auf dem Mainboard nennt: USB 3.1 - auf der Webseite ist es mittlerweile korrigiert). Insofern sehen wir dort Bandbreiten bis hoch zu 1 GB/s im Betrieb. Interessant allerdings: Während Gigabyte die USB 3.1-Gen2-Implementierung im Griff zu haben scheint, und sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen fast 1 GB/s Bandbreite liefern kann, schwankt die USB-3.1-Gen2-Implementierung bei ASUS deutlich. Je nach TPU-Aktivierung/Deaktivierung waren die Bandbreiten unterschiedlich, aber selbst bei deaktivierter TPU erreichten wir im Schreiben nie mehr als 400 MB/s.


Kann man auf acht SATA-Schnittstellen, Dual-M.2-RAID, SLI oder CrossFire und Dual-Gigabit-LAN verzichten, so kommt man von den Onboard-Komponenten her mit den 100-Euro-Mainboards vollkommen aus. Sie sind solide aufgebaut, besitzen aber keinen Schnick-Schnack, der die Boards teuer macht. Auch an sonstigen Features, wie beispielsweise der Stromversorgung, wird das geboten, was notwendig ist, aber nicht mehr. Schlecht ist das nicht - denn in unserem Test funktionierten alle Boards ohne Probleme.

Unterschiede gibt es natürlich: Der eine Hersteller bietet ein paar Overclocking-Funktionen, die der nächste nicht für 100 Euro bieten möchte. Ein anderer setzt auf eine etwas andere Onboard-Konfiguration, der nächste findet LED-RGBs besonders wichtig. Insofern hat der Käufer schon bei 100 Euro Kaufpreis genügend Auswahl, um sich eine gewünschte Platine auszusuchen, die für den eigenen Gaming-Rechner passt und trotzdem nicht gleich das Budget nach oben treibt.

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Abstriche machen muss man aber ebenso bei allen vier Mainboards, was bei einem Blick auf die Zusammenfassung schnell auffällt:

Das ASUS ROG Strix B350-F Gaming überzeugte in unserem Test aufgrund der geschickten Slot-Aufteilung, die theoretisch auch ein SLI- oder CrossFire-System ermöglichen würde. Es besitzt einen guten Onboard-Sound und Gigabit-LAN, auch im Storage-Bereich wird mit USB 3.1 Gen2 und 3.1 Gen1 sowie M.2 und SATA alles geboten, was der Chipsatz und die CPU mitbringen. Schwächen konnten wir nur wenige feststellen - bei aktiviertem TPU waren die Bandbreiten im NVMe- und USB-3.1-Betrieb zu kritisieren. Dafür hat das Board die umfangreichsten Overclocking-Möglichkeiten und das fortschrittlichste BIOS im Test.

ASRocks Fatal1ty AB350 Gaming K4 hat im Vergleich zu den anderen Boards einen M.2-Slot mehr. Wer also zwei SSDs im M.2-Format einsetzen möchte, kommt um diese Variante nicht drumherum. Ansonsten bot es eher ein durchschnittliches BIOS, Overclocking und XMP wurden jedoch nicht korrekt umgesetzt und funktionierten nicht. Hier kann ASRock sicherlich noch nachbessern. Bezüglich des Layouts gibt es keine Kritikpunkte, aber auch keine Highlights.

Das Gigabyte AB350-Gaming 3 ist von der RGB-Beleuchtung her das auffälligste Board, unterstützt USB 3.1 Gen2 mit voller Geschwindigkeit und zeigte auch bei den anderen Bandbreiten-Tests keine Schwächen. Die Overclocking-Fähigkeiten sind zwar etwas einfacher, aber XMP sowie die Übertaktung funktionierten ohne Probleme. Auch wenn das BIOS etwas altbacken aussah, so funktionierte doch alles wie gewünscht. Beim Layout gibt es keine größeren Einschränkungen, nur der Stromverbrauch war minimal höher als bei den anderen Boards.

Von MSIs B350 Tomahawk gibt es bei der Ausstattung am wenigsten zu sagen, hier wird schlicht das geboten, was der Chipsatz kann. Das BIOS ist ordentlich gelöst, wir konnten übertakten, wenn auch nicht ganz so einfach wie bei den anderen Platinen. Der Stromverbrauch war aufgrund der erhöhten Lüfterdrehzahl etwas hoch, fällt aber noch nicht aus dem Rahmen.

Letztendlich ist es so ein wenig der eigene Geschmack: Wenn man Overclocking-Funktionen wie bei einem teureren Board benötigt, bietet sich das ASUS ROG Strix B350-F Gaming an. Wem hingegen RGB und schnelle Bandbreite am Wichtigsten sind, kann zum Gigabyte AB350-Gaming 3 greifen. Diese beiden Boards sehen wir knapp in Führung und sie erhalten deshalb unseren Preis-Leistungsaward. Theoretisch macht man aber auch mit den anderen beiden Platinen nichts falsch.


Alle technischen Daten sowie die besten Preise zu den vier getesteten Boards findet man in unserem Preisvergleich.