Test: EVGA Z77 Stinger - Ein OC-Wunder im Miniformat?

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IMG 4 logoDie Mainboards von EVGA sind besonders im Enthusiasten-Segment recht beliebt und das auch nicht ohne Grund. Vor allem Übertakter greifen gern zu den höherpreisigen Platinen vom kalifornischen Unternehmen, da sie genau dort einiges zu bieten haben. Hinzu kommt, dass auch die Ausstattung und die Qualität absolut angemessen sind. Anders als gewohnt haben die Kalifornier ein Mini-ITX-Mainboard auf den Markt gebracht: Das EVGA Z77 Stinger. Ob der Winzling ähnlich leistungsfähig wie seine größeren Pendants ist, wollen wir in diesem Test feststellen.

Es kam sicherlich für viele sehr überraschend, dass EVGA ein Mini-ITX-Mainboard auf den Markt gebracht hat, denn bisher ging EVGA lediglich bis zum Mikro-ATX-Format herunter. EVGA geht eher ins andere Extrem, das (E-)ATX- oder auch das HPTX-Format, wie es z.B. das Classified SR-X hat. Aber nicht jeder möchte ein großes Mainboard verbauen, sondern stattdessen etwas kleines, aber dennoch performantes, wie eben das Mini-ITX-Platinchen. Auch wenn es gleichzeitig bedeutet, dass auf dem PCB weniger Fläche für Erweiterungschips und Co. vorhanden ist, wird stets versucht, das bestmögliche herauszuholen.

Das kleine Sockel 1155-Mainboard wurde mit dem noch aktuellen Z77-Chipsatz ausgestattet und bietet für eine Erweiterungskarte (optimalerweise für eine dedizierte Grafikkarte) einen PCIe-3.0-x16-Slot. An USB-3.0-Schnittstellen wird man mit insgesamt möglichen sechs Stück ausreichend versorgt und auch die vier SATA- und die beiden eSATA-3G-Anschlüsse sollten genügen. Für Übertakter interessant wird je ein Power- und Reset-Button sein. Insgesamt betrachtet scheint das EVGA Z77 Stinger also ein interessantes Produkt zu sein, wo es sich lohnt, mal einen genaueren Blick auf die Platine und deren Funktionalität zu werfen.

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Das EVGA Z77 Stinger in der Übersicht.

Man kennt es nicht anders von EVGA: Das PCB selbst ist in Schwarz gehalten und auch die darauf befindlichen Slots und Anschlüsse sind bis auf wenige Ausnahmen in Schwarz gefärbt. Wenige Stellen, wie zwei SATA-Anschlüsse und einige Schriftzüge, wurden in Rot hinterlassen. Optisch ist es ein Hingucker, besonders wenn man das Mainboard zusammen in einem Gehäuse mit Sichtfenster verbaut.

Viel wichtiger sind aber die internen Funktionen, und hier zeigt sich das Stinger als "Powerzwerg":

Die Daten des EVGA Z77 Stinger in der Übersicht
Hersteller und
Bezeichnung
EVGA
Z77 Stinger
Straßenpreis ca. 200 Euro
Homepage http://eu.evga.com/
Northbridge-/CPU-Features
Chipsatz Intel Z77 Express Chipsatz
Speicherbänke und Typ 2x DDR3 (Dual-Channel)
Speicherausbau max. 16 GB (mit 8-GB-DIMMs)
SLI / CrossFire -
Onboard-Features
PCI-Express 1x PCIe 3.0 x16
1x mini-PCIe
PCI -
Serial-ATA-, SAS- und 
ATA-Controller
2x SATA 6G und 2x SATA 3G mit RAID 0, 1, 5, 10 über Intel Z77
2x eSATA 3G über Marvell 88SE6121
USB 6x USB 3.0 (4x am I/O-Panel, 2x über Header), vier über Z77 und
zwei über ASMedia ASM1042
6x USB 2.0 über Z77 (2x am I/O-Panel, 4x über Header)
Grafikschnittstellen 1x HDMI, 1x Mini-DisplayPort
WLAN / Bluetooth Bluetooth 3.0
Firewire -
LAN 1x Intel WG82574L Gigabit-LAN
Audio 8-Channel Realtek ALC898 Audio Codec

Die Verpackung vom Stinger ist ebenfalls sehr dunkel designed worden. Darauf zu sehen ist ein eigenes Z77-Logo inkl. Stinger-Modellbezeichnung. Wie von EVGA gewohnt sind ansonsten nur die wesentlichsten Features aufgelistet.

Nach dem Öffnen der Verpackung kam folgendes Zubehör zum Vorschein:

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Das Wichtigste wird mitgeliefert.

EVGA hat an das Notwendigste gedacht und packt neben der erforderlichen I/O-Blende und dem Handbuch auch gleich vier SATA-Kabel mit in die Verpackung. Sogar zwei Adapter auf SATA-Power-Stecker für intern und extern (eSATA) wurden beigelegt. Slotblenden findet man keine, aber in einem Mini-ITX-Gehäuse wie dem Bitfenix Prodigy sollten Gehäuseanschlüsse den Rest übernehmen.


Auch wenn in diesem Jahr bereits ein neuer Mid-Range-Sockel zusammen mit neuen Chipsätzen von Intel in den Startlöchern steht, versucht EVGA mit dem Z77 Stinger noch einmal Käufer für sich zu gewinnen. Zudem gehört der Z77-Chipsatz natürlich noch nicht zum Alteisen, denn er ist der aktuelle Top-Chipsatz für den Sockel 1155. Neben nativer USB-3.0-Unterstützung an maximal vier Ports sowie zwei SATA-6G- und vier SATA-3G-Anschlüssen wird der Käufer nicht im Stich gelassen. Hinzu kommt die Intel Smart Response Technology, die Intel Rapid Start Technology und die Intel Smart Connect Technology.

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Auf dem Stinger herrscht ein 7+1-Phasendesign über die CPU-Spannung.

Schön in Reih und Glied stehen die sichtbaren sieben Phasen bereit, um die CPU mit der korrekten Spannung zu versorgen. Da ein 7+1-Phasendesign vorhanden ist, sind die sieben Phasen für die CPU generell zuständig. Eine Phase kümmert sich um den ehemaligen UnCore-Bereich. Beeindruckend, dass EVGA hier eine derart komplexe Spannungswandlung auf kleinstem Raum realisieren konnte.

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Maximal 16GB an Arbeitsspeicher sind auf dem Z77 Stinger installier- und nutzbar.

Aufgrund von logisch mangelndem Platz sind auch nur zwei DIMM-Slots vorhanden, die zusammen aber zumindest bis zu 16 GB aufnehmen können. Ebenfalls vertreten und nützlich ist eine Debug-LED.

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Eine dedizierte Grafikkarte (oder eine anderweitige Erweiterungskarte) kann installiert werden.

Der einzige Erweiterungsslot kommt in Form eines mechanischen PCIe-x16-Slots daher, der mit einer Ivy Bridge-CPU PCIe-3.0-fähig wird. Angebunden ist der Slot also weiterhin mit der CPU. Weiter oberhalb, direkt über den USB-3.0-Header hat EVGA zusätzlich einen Mini-PCIe-Slot untergebracht. Links daneben befinden sich die beiden USB-2.0-Header, die zusammen weitere vier USB-2.0-Konnektoren ermöglichen.

Auf diesem Bild ebenfalls zu sehen sind die vier internen SATA-Schnittstellen. Die beiden roten entsprechen der SATA-6G-Spezifikation, die schwarzen dementsprechend der SATA-3G-Spezifikation.

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Die Anschlüsse am I/O-Panel, wie immer von links nach rechts:

EVGA lässt kaum Wünsche offen, wenn es darum geht, das kleine Mainboard individuell anzuschließen. Nutzbereit sind vier USB-3.0-Anschlüsse, zwei USB-2.0-Schnittstellen und zwei Mal eSATA 3G. Ergänzend und wichtig sind natürlich ein Gigabit-LAN-Port und die Audioanschlüsse vorhanden. Abgerundet wird das Ganze mit einem CMOS-Clear-Switch und einem Mini-DisplayPort und HDMI-Grafikausgang, damit die interne Grafikeinheit verwendbar wird.


Weiter geht's mit weiteren Einzelheiten:

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Besonders für Overclocker interessant: Die beiden Buttons zum Einschalten und zum Zurücksetzen des Systems

Zugegeben, oberhalb des Sockels ist die Positionierung der beiden Switches nicht optimal, sofern man kein Benchtable einsetzt. Man kann aber generell froh darüber sein, dass sich EVGA für einen Power- und Reset-Button entschieden hat - wenn man ihn denn einsetzen möchte. Die meisten Anwender werden das Z77 Stinger aber sicherlich nicht in einem extremen OC-Szenario einsetzen. Direkt daneben melden sich gleich zwei 4-Pin-PWM-Lüfter-Header einsatzbereit.

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Ganz versteckt befindet sich jeweils ein Zusatzchip für zwei Mal eSATA und einmal Gigabit-LAN auf dem PCB.

Bei dem linken Chip handelt es sich um den Marvell 88SE6121, der für die beiden eSATA-3G-Anschlüsse zuständig ist. Der Nachbarchip kümmert sich um den Gigabit-LAN-Port und ist ein Intel WG82574L-Netzwerk-Controller.

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Für den Sound kommt der höherklassige ALC898 von Realtek zum Einsatz.

In Sachen Audio kommt der Realtek ALC898 zum Einsatz, der vorallem auf teureren Mainboards vertreten ist. Dabei beherrscht er spielend acht Kanäle und kommt auch mit Blu-ray-Verschlüsselungen zurecht. Die weitere Eckdaten sind folgende: 110dB Signal-to-Noise ratio (SNR) und 104dB SNR recording (ADC) - beides ordentliche, aber bekannte Werte.

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Zwei USB-3.0-Anschlüsse werden vom ASM1042 unterstützt.

Da der Z77-PCH mit vier USB-3.0-Schnittstellen bereits voll belegt ist, wird noch ein Zusatzchip benötigt, der sich der übrig bleibenden beiden Ports annimmt. Diese Aufgabe übernimmt der von ASMedia stammende ASM1042-USB-3.0-Controller. Er ist in der Lage maximal zwei Anschlüsse zu managen und passt damit optimal.

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Das EVGA Z77 Stinger nochmal in der Übersicht.

An FAN-Headern beherbergt das Stinger gleich drei Stück, alle als 4-Pin-PWM-Variante. Wenn das Mini-ITX-Board in einem Mini-ITX-Gehäuse seinen Platz einnimmt, geht es in der Regel sowieso eher eng zu, sodass hier drei Anschlüsse ausreichen werden. Das EVGA Z77 Stinger dann kann beispielsweise einen Front- und einen rückwärtigen Gehäuselüfter neben dem CPU-Lüfter steuern.

Das Mainboard-Layout wurde von EVGA gut und durchdacht gelöst. Alles findet seinen Platz, und das, obwohl nur wenig Platz vorhanden ist. Durch den eingesetzten Prolimatech Armageddon war genügend Platz für Grafikkarte und Arbeitsspeicher mit erhöhten Heatspreadern.


BIOS:

Als wir uns das BIOS genauer angeschaut haben, fiel uns sofort die Ähnlichkeit zum EVGA Z77 FTW auf (zum Hardwareluxx-Test). Auch wenn es sich dabei um ein UEFI-BIOS handelt, erfolgt die Steuerung ausschließlich per Tastatur (genau wie beim Z77 FTW). Vorinstalliert war Version 1.00, auf der EVGA-Webseite jedoch gab es bereits eine aktuellere Version 1.21, die am 31. Januar 2013 veröffentlicht wurde. Folgendes wurde dabei verbessert bzw. behoben:

Natürlich haben wir die Version 1.21 geflasht, auch wenn der dritte Punkt in unserem Fall wenig gebracht hat, dazu weiter unten zum Thema Overclocking mehr. Um das BIOS zu aktualisieren, gibt EVGA nur zwei Möglichkeiten mit auf den Weg. Entweder unter Windows oder unter der DOS-Oberfläche. Wir haben uns in diesem Fall für die DOS-Oberfläche entschieden, die zweifelsohne sicherer ist als beispielsweise unter Windows 7. Wer eine Instant-Flash-Funktion sucht, sucht vergebens. Auch wenn dieses Feature mittlerweile zum Standard gehört, gerade wenn ein UEFI eingesetzt wird, wird man beim EVGA Z77 Stinger keine derartige Funktion finden.

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Wie man auf dem Bild erkennen kann, erhält man auf der ersten Seite im BIOS einen ersten Überblick wie die installierte BIOS-Version, das installierte Prozessor-Modell, die Arbeitsspeicher-Kapazität sowie die Spannungen und Temperaturen. Geht man dann weiter zum Reiter "Advanced", hat man Zugriff auf die Onboard-Komponenten. Interessant ist der nächste Punkt "Chipset". Dort kann man Northbridge- und PCH-spezifische Einstellungen treffen, wie z.B. welche PCI-Express-Generation genutzt werden soll oder ob die iGPU mitgenutzt werden soll. Und auch im Menüpunkt "Overclocking" gibt es zahlreiche Einstellungen, die für den Mini-ITX-Bereich sehr umfangreich sind. Die letzten drei Punkte sind dabei bekannt und bedürfen eigentlich keiner genaueren Erklärung.

Die Version 1.21 kam für uns sehr stabil vor. Alle Einstellungen wurden auch absolut zufriedenstellend übernommen.

Overclocking:

Eigentlich ist es eher unüblich, dass die Mainboards im Mini-ITX-Format sich auch bestens zum Übertakten eignen. Als wir z.B. das Zotac Z77-ITX WiFi getestet haben, hat sich herausgestellt, dass sich die bunte Platine zwar zum Übertakten eignet, allerdings eher im eingeschränkten Rahmen. Zu diesem Zeitpunkt stand uns aber auch lediglich der bequiet! Dark Rock Pro C1 zur Verfügung, der im Zusammenspiel mit der dedizierten Grafikkarte und dem Arbeitsspeicher schlicht zu groß war. Um eben für den nächsten Mini-ITX-Test entsprechend gewappnet zu sein, setzen wir dafür nun den Prolimatech Armageddon ein, mit dem Overclocking-Versuche auch mit den Kleinstplatinen kein Problem ist.

Wenn es um die Base-Clock-Frequenz geht, folgt das Z77 Stinger seinem wesentlich größeren Bruder und erlaubt die Veränderung von 80 MHz bis 300 MHz in 0,01 MHz-Schritten. Der zu verändernde Wert wird im BIOS allerdings in der Einheit kHz angegeben. Die CPU-Spannung lässt sich beim Stinger rein im Fixed-Modus von 0,900V bis 1,920V in 0,001-V-Schritten fixieren. Viele werden sicherlich den Offset-Modus vermissen, dieser ist aber für die Übertaktung an sich nicht von großer Bedeutung. Intels Vdroop lässt sich mit der gleichnamigen Funktion im BIOS umgehen. Zur Auswahl stehen die Modi: Intel SPEC, Disabled, 75 Prozent, 50 Prozent und 25 Prozent. Alle weiteren Overclocking-Funktionen haben wir wie gewohnt in einer Tabelle zusammengefasst. Zu beachten gilt, dass sämtliche Spannungen im BIOS in mV angegeben sind. Wir haben also entsprechend das Komma verschoben und die Spannungen in Volt aufgelistet:

Die Overclocking-Funktionen des EVGA Z77 Stinger in der Übersicht
Base Clock Rate 80 bis 300 MHz in 0,01 MHz-Schritten
CPU-Spannung 0,900 V bis 1,920 V in 0,001-V-Schritten (Fixed-Modus)
DRAM-Spannung 0,900 V bis 1,990 V in 0,001-V-Schritten
VTT/VCCIO-Spannung 0,900 V bis 1,530 V in 0,001-V-Schritten
CPU PLL-Spannung -
PCH-Core-Spannung 1,050 V bis 2,570 V in 0,040-V-Schritten
PCIe-Takt - nicht möglich -
Weitere Spannungen DIMM 1/2 DQ Vref
Speicher-Optionen
Taktraten CPU-abhängig
Command Rate einstellbar
Timings 27 Parameter
XMP wird unterstützt (allerdings fehlerhaft)
Weitere Funktionen
QPI-Takt - technisch nicht möglich -
Weitere Besonderheiten UEFI-BIOS
Energiesparoptionen: Standard-Stromspar-Modi wie C1E, CSTATE, EIST
Turbo-Modus (All Cores, By number of active cores),
erweiterte Lüfterregelung für CPU-Fan und ein optionaler Fan,
CPU LLC, PLL Voltage Override

Wir haben unseren Core i7-3770K also mit diesem kleinen Overclocking-Wunder übertaktet. Erreicht haben wir 4,6 GHz bootstable. Nachdem wir Prime95 hinzugeschaltet haben, wurde der Prozess kurzer Hand beendet. Das zeigt aber schon mal, dass dieses kleine PCB einiges auf dem Kasten hat, um zusätzliche CPU-Performance zu erhalten. Schwierig wird es rein mit der Abführung der Abwärme, sofern ein Mini-ITX-Gehäuse eingesetzt wird.

cpu_z2.PNG

Mit diesem groben Ergebnis kann man bereits recht zufrieden sein. Sicherlich hätte man dieses Ergebnis sogar Prime-stable bekommen können, das kann aber unter Umständen einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich die Platinen von EVGA etwas zickiger verhalten können, wenn man den Arbeitsspeicher übertakten möchte. Zudem kann es vorkommen, dass die Kompatibilität eingeschränkt ist. So jedenfalls aus unserer Erfahrung. Zumindest bei den Z77-Mainboards von EVGA kann man höhere RAM-Taktfrequenzen erreichen, wenn man die VCCIO-Spannung erhöht. Wenn man im BIOS den OC-Mode aktiviert, wird diese Spannung bereits von allein auf 1250 mV fixiert (also 1,25 V). Bei unserem Testlauf haben wir die VCCIO-Spannung jedoch sogar auf 1,3 V angehoben. Als Maximal-Ergebnis konnte folgendes erzielt werden:

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Das Stinger scheint hier allerdings immer noch zu limitieren, denn installiert waren RAM-Module, die DDR3-2133 zertifiziert sind. Sobald man den RAM-Teiler im BIOS eingestellt hat, war aber kein booten mehr möglich. Und das, obwohl wir mit den Spannungen bereits großzügig umgegangen sind.

Alle BIOS-Settings inkl. sämtliche verfügbare Overclocking-Funktionen sind in der folgenden Bildergalerie zu sehen:

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Unser Testsystem sieht unverändert wie folgt aus:

Hardware:

Für Bandbreiten/Transferratentests kommen weitere Komponenten zum Einsatz.

Software:

Bei weiteren Treibern verwenden wir jeweils die aktuellste Version.

Seit der Einführung der Nehalem-Prozessoren und der Integration des Speichercontrollers in die CPU haben wir festgestellt, dass sich die getesteten Mainboards kaum mehr in der Performance unterscheiden. Dies ist auch kein Wunder, denn den Herstellern bleibt fast kein Raum mehr fürs Tweaken: Früher war es möglich, durch besondere Chipsatztimings noch den einen oder anderen Prozentpunkt an Performance aus dem Mainboard zu holen, heute fehlt diese Optimierungsmöglichkeit. Ist ein Mainboard also in der Lage, die Speichertimings einzustellen, so werden alle Mainboards - wie auch bei unseren Tests mit konstant 1600 MHz und 9-9-9-24 1t - dieselbe Performance erreichen.

Auch wenn wir deshalb die Performancetests im Vergleich zu früheren Mainboardreviews deutlich eingeschränkt haben, sind sie dennoch interessant, denn mit den Leistungsvergleichen findet man schnell heraus, ob der Hersteller beispielsweise den Turbo-Modus ordentlich implementiert hat oder im Hintergrund automatische Overclocking-Funktionen laufen. Beim EVGA Z77 Stinger ist allerdings alles so, wie es zu erwarten wäre: Die Turbo-Modi laufen korrekt und auch keine versteckte Übertaktung ist aktiv.

Wir testen allerdings nur noch vier Benchmarks und beschränken uns hier auf 3DMark 2011, SuperPi 8M, Cinebench 11.5 und Sisoft Sandra 2011 Memory Benchmark:

3DMark 2011

3DMark_2011_1
Leistung in Futuremark-Punkten

Cinebench 11.5

Cinebench 1
Leistung in Cinebench-Punkten

Sisoft Sandra Memory Benchmark:

SiSoft_Sandra 1
Bandbreite in GB/s

SuperPi 8M

SuperPi 1
Zeit in Sekunden (weniger ist besser)

Wenn man bei jedem Test dieselben Grundeinstellungen vornimmt, sodass ein ordentlicher Vergleich vollzogen werden kann, ist es nicht verwunderlich, dass die Ergebnisse alle dicht beieinander liegen. Wie es auch schon beim EVGA Z77 FTW (zum Hardwareluxx-Test) der Fall war, wurden beim 3DMark 2011 weniger Punkte erreicht. Dafür konnte eine höhere Speicherbandbreite bescheinigt werden. Die Leistung des Z77 Stinger also identisch mit der vom Z77 FTW.

Bootzeit (vom Einschalten bis zum Windows-Bootvorgang)

Bootzeit
Zeit in Sekunden (weniger ist besser)

An der Bootzeit gibt es beim Z77 Stinger ebenso nichts zu beanstanden. Es brauchte lediglich 12,56 Sekunden. So, wie es bei den meisten Mainboards mit UEFI der Fall ist, werden sämtliche Komponenten sehr fix initialisiert und ermöglichen somit insgesamt einen schnellen Startvorgang.


Neben einer gut ausgeprägten Performance ist auch der Stromverbrauch des heimischen PCs kein unwichtiges Kriterium. Was man häufig unterschätzt, ist die Tatsache, dass selbst die verschiedenen Mainboard-Modelle der zahlreichen Hersteller unterschiedlich viel Strom aus der Steckdose ziehen. Ein Grund dafür sind die verschieden eingesetzten BIOS-Versionen, die teilweise die von Intel referenzierten Stromsparmechanismen schlecht oder gar falsch umsetzen oder dass Onboardkomponenten sich eigentlich deaktivieren sollten, wenn diese entweder durch dedizierte Hardware ersetzt wurden oder einfach nicht verwendet werden. Darüber hinaus kann aber manchmal auch die Stromversorgung verantwortlich gemacht werden, wenn unter Default Settings mehr Energie zur Verfügung gestellt wird, als eigentlich benötigt wird. Genau deswegen spielt die Effizienz eine wichtige Rolle. Wenn die Effizienz der Stromversorgung nun also schlecht ausfällt, wird mehr Strom verbraucht. Zu unterschätzen ist hierbei aber auch die Software nicht, sodass sie ebenfalls gut abgestimmt sein muss, damit eine zufriedenstellende Effizienz gegeben ist.

Auf dem EVGA Z77 Stinger sind aufgrund der kleinen Platinengröße nur wenige Zusatzchips vertreten. Lediglich ein Netzwerk- und Soundchip wurden hinzugefügt sowie ein weiterer USB-3.0-Controller und ein SATA-Controller.

Gemessen haben wir im Windows-Idle-Betrieb ohne Last, mit Cinebench 11.5 unter 2D-Volllast und mit Prime95 (Torture-spanTest, Vollauslastung). Die jeweiligen Werte entsprechen dem System-Gesamtverbrauch.

Test 1: Mit aktivierten Onboardkomponenten:

Für den ersten Test sind die Default Settings aktiv, sodass der Großteil der Onboardkomponenten bereits aktiviert ist. Die Grafikausgabe erfolgt über die Radeon HD 7850, wobei wir die iGPU im BIOS nicht deaktiviert haben. Wie bereits weiter oben geschrieben, sind alle Stromspar-Features eingeschaltet, was mit den Werten einer manuellen Konfiguration anscheinend gut umgesetzt wurde.

Leistungsaufnahme Idle

Stromverbrauch Idle
Leistung in Watt

Der Verbrauch im Leerlauf ist durchaus akzeptabel. Auch wenn das Zotac Z77-ITX WiFi gute zehn Watt weniger verbraucht, liegt das EVGA Z77 Stinger mit 43,1 Watt noch im guten grünen Bereich.

Leistungsaufnahme Cinebench 11.5 CPU

Stromverbrauch Cinebench
Leistung in Watt

Der Vorteil des Zotac Z77-ITX WiFi wird unter Teillast wesentlich kürzer. Der Unterschied zu unserem heutigen Testsample beträgt mit Cinebench lediglich 4,1 Watt. Insgesamt ist auch das Ergebnis absolut zufriedenstellend.

Leistungsaufnahme Prime95

Stromverbrauch Prime95
Leistung in Watt

Umso mehr Last anliegt, desto geringer wird anscheinend der Unterschied. Das EVGA Z77 Stinger verbraucht mit unserem Testsystem unter Prime95 gute 118,2 Watt.

Spannungen Prime95

Spannungen Prime95
Spannungen in Volt

Das EVGA Z77 Stinger folgt seinem großen Bruder und veranschlagt ebenso 1,114 Volt an CPU-Spannung unter Last.

Da die meisten Anwender nicht alle Onboard-Chips benötigen, haben wir einen Test mit nur einem aktivierten Onboard-LAN und dem Onboard-Sound durchgeführt. Sämtliche USB-3.0- und SATA-Controller sind hier beispielsweise deaktiviert. Die Spannungen werden weiterhin vom Board automatisch festgelegt, aber alle energiesparenden Features werden zusätzlich manuell aktiviert. Die Radeon HD 7850 ist weiterhin die primäre Grafikkarte.

Test 2: Mit deaktivierten Onboardkomponenten (1x LAN + Sound an):

Leistungsaufnahme Idle

Stromverbrauch Idle
Leistung in Watt

Nachdem wir die USB-3.0-Controller sowie den zusätzlichen SATA-Controller deaktiviert haben, zeigte uns das Strommessgerät im Leerlauf 1,9 Watt weniger an.

Leistungsaufnahme Cinebench 11.5 CPU

Stromverbrauch Cinebench
Leistung in Watt

Beim zweiten Cinebench-Durchlauf waren es bei deaktivierten Zusatzkomponenten ganze zwei Watt weniger, die verbraucht wurden.

Leistungsaufnahme Prime95

Stromverbrauch Prime95
Leistung in Watt

Weniger verbraucht wurde allerdings mit dem zweiten Prime95-Run. Es konnten an dieser Stelle 1,1 Watt weniger verzeichnet werden.

Spannungen Prime95

Spannungen Prime95
Spannungen in Volt

Wieder einmal hat sich an den Spannungen natürlich nichts verändert. Weiterhin reichten dem Stinger die 1,114 Volt aus.

Insgesamt lässt sich also bisher festhalten, dass EVGA den Stromverbrauch ganz gut im Griff hat. Dieser befindet sich auf gutem Mittelmaß.


Weiterhin interessant ist auch immer wieder die Frage, wie die Leistung der SATA-6G- und USB-3.0-Anschlüsse bei den Testsamples aussieht. Im Falle des EVGA Z77 Stinger sind insgesamt sechs USB-3.0-Schnittstellen verwendbar, wenn man den internen Header mit einbezieht. In unserem heutigen Test beschränken wir uns allerdings rein bei der USB-3.0-Leistung über den Z77-Chipsatz. Der interne Header ist über den ASMedia ASM1042 gekoppelt, der in der Vergangenheit schon des Öfteren von uns getestet wurde und ziemlich gleichauf mit dem nativen Controller über den Z77-PCH lag.

USB-3.0-Performance:

Es gibt keinen besseren Weg, die schnellen USB-3.0-Anschlüsse an ihr Limit zu treiben, indem man eine möglichst schnelle SSD nimmt und sie in ein externes USB-3.0-Gehäuse installiert. Und genau das haben wir auch dieses Mal gemacht. Als SSD kommt wieder eine SanDisk Extreme mit 120 GB an Speicherkapazität zum Vorschein.

ATTO USB3 small
Die USB-3.0-Performance beim EVGA Z77 Stinger
(nativ über den Z77-PCH).

Wie man es aus vergangenen Mainboard-Tests mit Intels Z77-Chipsatz kennt, zeigt sich auch dieses Mal beim Z77 Stinger wieder eine gute USB-3.0-Leistung. Während schreibend knapp 195 MB/s erreicht werden, schwankt die Leserate von 166 bis 180 MB/s. Das sind aber keinesfalls schlechte Werte.

SATA-6G-Performance:

An SATA-Schnittstellen onboard bietet das Z77 Stinger immerhin vier Stück, die allesamt über den Z77-Chipsatz angebunden sind. Zwei mit der SATA-6G- und zwei mit der SATA-3G-Spezifikation. Zum Testen der SATA-6G-Leistung wird die SSD wieder ganz normal über SATA angeschlossen. Folgendes ist dabei herausgekommen.

ATTO USB3 small
Wir haben über den Z77-PCH kein anderes Ergebnis erwartet.

Das Ergebnis kann sich wieder einmal sehen lassen. Die Leserate kletterte auf bis zu 557 MB/s und schreibend auf beeindruckende 522 MB/s. Beide Werte übertreffen die hauseigenen Herstellerangaben mit 550 MB/s lesen und 510 MB/s schreiben.


Wer ein leistungsstarkes sowie qualitatives Mainboard im kleinen Mini-ITX-Format sucht, kann die Suche beim EVGA Z77 Stinger durchaus beenden. Rein von der Prozessor-Übertaktung her gesehen, hat EVGA ein kleines Overclocking-Monster geschaffen, das selbst mit größeren Platinen locker mithalten kann. Dies hat sich nicht nur rein an dem groben Ergebnis gezeigt, das wir erreichen konnten, sondern auch an den zahlreichen Overclocking-Funktionen, die das installierte UEFI-BIOS zu bieten hat. Darüber hinaus befinden sich auch entsprechende Features direkt auf dem PCB, beispielsweise ein Power- und Reset-Button und sogar eine Debug-LED.

Spezielle Einstellungen zum Arbeitsspeicher sind gerade für das kleine Format sonst eher unüblich und dort erlangt das Z77 Stinger eine Sonderstellung. Allerdings zeigte sich die Übertaktung des Arbeitsspeichers nicht als einfach. Die native, effektive Arbeitsspeicher-Taktfrequenz von 1600 MHz, die von den Ivy Bridge-Prozessoren unterstützt wird, war allerdings kein Problem. Alles über DDR3-2000 endete allerdings in erheblichen Problemen - insofern ist fraglich, ob man auch im Arbeitsspeicherbereich zu besseren Takterfolgen kommen kann.

Davon abgesehen zeigt sich das Z77 Stinger hardwaretechnisch von seiner besten Seite, denn die kleine Platine kann dank des vorhandenen PCIe-3.0-x16-Slots problemlos in Mini-Gaming-PCs eingesetzt werden. Die maximalen 16 Lanes erhält der Slot wie gewohnt von der CPU selbst. Dabei wurde die weitere Ausstattung in Form von maximal sechs USB-3.0-, sechs USB-2.0-, vier internen SATA- sowie zwei eSATA-3G-Schnittstellen sinnvoll realisiert. Es ist auch möglich, die interne GPU mit ins System zu integrieren, indem man am I/O-Panel jeweils einen HDMI- mit dem aktuellen 1.4a-Standard und einen Mini-DisplayPort-Ausgang untergebracht hat. Netzwerktechnisch stehen dem Käufer immerhin ein Gigabit-Ethernet und Bluetooth zur Verfügung. Und einen guten Onboard-Sound gibt es obendrauf.

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Das verwendete UEFI-BIOS kennt man bereits von vergangenen Mainboards und kommt schlicht aber einfach rüber. Dabei steuert man einzig und allein klassisch mittels der Tastatur durch die Menüs. Negativ aufgefallen ist uns allerdings erneut, dass EVGA keine Instant-Flash-Funktion anbietet, die eine Aktualisierung der BIOS-Version um einiges erleichtert. Stattdessen muss man idealerweise mit dem DOS- oder Windows-Modus auskommen. Verbesserungsbedarf ist an dieser Stelle also noch vorhanden.

Das EVGA Z77 Stinger ist für ca. 200 Euro zu haben und liegt dabei nicht Schnäppchen-Bereich. Wenn man aber ein kleines ITX-High-End-Mainboard sucht, geht eigentlich kein Blick an dem Stinger vorbei.

Positive Eigenschaften des EVGA Z77 Stinger:

Negative Eigenschaften des EVGA Z77 Stinger:

Von einigen Schwächen abgesehen zeigt sich das EVGA Z77 Stinger von einer sehr interessanten Seite, das sich hervorragend für Kleinst-Gaming-PCs eignet und auch bei einem CPU-Overclocking-Versuch nicht so schnell schlapp macht.