Test: Sechs "Llano"-Mainboards im Vergleich

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amd_vision_logoMit den beiden "Llano"-Prozessoren A8-3850 (Hardwareluxx-Artikel) und A8-3650 (Hardwareluxx-Artikel) haben wir uns bereits die ersten beiden CPUs der neuen Desktop-APUs von AMD angeschaut. Doch auch wenn die integrierte Grafik zu überzeugen weiß, so ist man noch immer auf ein Mainboard angewiesen und auch hier sind entscheidende Unterschiede auszumachen, die den Gesamteindruck der Plattform beeinflussen können. Wir haben uns einmal sechs Platinen zur Brust genommen. Die Palette reicht dabei von günstigen Versionen entsprechender Hersteller, die für ebenso günstige Mainboards bekannt sind, bis hin zu teuren Platinen, deren Hersteller mit exklusiven Features und Optik auftrumpfen wollen. Wo die Unterschiede liegen und welches Mainboard das richtige ist, versuchen wir auf den folgenden Seiten zu klären.

Bevor wir auf die Details der Boards eingehen, wollen wir uns einmal die technischen Daten der sechs Platinen im Vergleich anschauen.

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Alles Boards basieren auf dem AMD-A75-Chipsatz. Modelle mit A55-Chipsatz sind zwar bereits angekündigt worden, bislang aber noch nicht verfügbar. Hier werden wir sicher auch vermehrt Micro-ATX-Modelle sehen, die dann aufgrund des fehlenden Supports im Chipsatz auf USB 3.0 verzichten.

Entsprechend unterscheiden sich die nun getesteten Mainboards nur im Detail. Besonders markant und auch wichtig ist die Anzahl und Art der PCI-Express-Erweiterungsslots und der Anschlüsse in Form von USB und SATA. Im BIOS, auf das wir später noch etwas genauer eingehen werden, sind unterschiedliche Speichertakte auswählbar. Die Tabelle sollte helfen bei bestimmten Bedürfnissen bereits eine Wahl treffen zu können. Die Preise reichen von 85 bis 115 Euro - es steht also auch hier eine gewissen Palette zur Auswahl.

Noch einmal alle Mainboards mit Link zum Preisvergleich:


Das erste Mainboard in diesem Vergleich ist das ASRock A75 Extreme6. In unserem Preisvergleich ist es für 110 Euro gelistet. Bislang ist es das erste und einzige Mainboard für die "Llano"-Prozessoren von ASRock. 

Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Der DDR3-Speicher lässt sich aus dem BIOS heraus mit 800, 1066, 1333, 1600 oder 1866 MHz betreiben. Alle weiteren Optionen, wie die Konfiguration der Boot-Datenträger oder aber die Überwachung des Systems sind im UEFI mit Maus und/oder Tastatur schnell und einfach zugänglich. Insgesamt macht es einen sehr aufgeräumten Eindruck und wirkt nicht zu überladen.

Das zweite Mainboard in diesem Vergleich ist das ASUS F1A75-V PRO. ASUS hat gleich sechs Mainboards mit A75-Chipsatz auf dem Markt. Das F1A75-V PRO gehört zu den besser ausgestatteten Boards, ist in unserem Preisvergleich dennoch für nur 90 Euro gelistet.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Die Option den Takt der integrierten Grafik zu ändern, konnten wir im UEFI-BIOS von ASUS nicht finden. Dafür aber lässt sich auch hier der Speichertakt zwischen 800, 1066, 1333, 1600 und 1866 MHz wählen. Insgesamt bietet das BIOS mehr Optionen, als beispielsweise das Pendant von ASRock. Besonders bei den Spannungen lässt ASUS dem Anwender deutlich mehr Möglichkeiten. Wie wir das inzwischen für ein UEFI-BIOS gewohnt sind, lässt sich auch hier alles aufgeräumt und grafisch ansehnlich via Maus und/oder Tastatur bedienen.
Biostar ist ein eher seltener Vertreter in unseren Tests. Das TA75A+ ist bislang ebenfalls die einzige Platine dieser Plattform von Biostar. In unserem Preisvergleich ist es derzeit noch nicht mit Preis gelistet.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Biostar bietet ebenfalls ein sehr ausgeräumtes UEFI-BIOS mit Steuerung über die Maus und/oder Tastatur. Alle Optionen sind leicht zu finden und die Onboard-Features lassen sich gewohnt umfangreich ansteuern. Der DDR3-Speicher lässt sich mit 800, 1066, 1333, 1600 oder 1866 MHz betreiben. Nach dem Modell von ASUS bietet Biostar die wohl umfangreichsten BIOS-Optionen.
Das A75F-A ist das einzige "Llano"-Mainboard von Elitegroup im ATX-Formfaktor. Zusätzlich bietet man noch zwei Micro-ATX-Versionen an. Bislang ist das Elitegroup A75F-A noch nicht in unserem Preisvergleich gelistet.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Elitegroup bietet im AMI-BIOS nur die rudimentärsten Optionen. Zwar lassen sich alle Onboard-Features ansteuern, dafür aber sind die OC-Funktionen gegenüber den bisherigen Testkandidaten deutlich eingeschränkt. Der Speicher lässt sich mit 800, 1066, 1333, 1600 oder 1866 MHz betreiben. Auch das AMI-BIOS von Elitegroup lässt sich über Maus und/oder Tastatur bedienen und präsentiert sich recht übersichtlich.
Bereits mit der ersten "Llano"-CPU stellte uns Gigabyte das GA-A75M-UD2H zur Verfügung. Gleich fünf Modelle mit diesem Chipsatz bietet Gigabyte an, das von uns getestete GA-A75M-UD2H stellt das High-End-Modell dar. Für nur 85 Euro bekommt man sogar einige exklusive Features wie FireWire - natürlich ist das Board auch in unserem Preisvergleich zu finden.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Gigabyte bietet ein Standard-Award-BIOS aus guten alten Zeiten. Natürlich sind auch hier die vielen Onboard-Features zu finden, allerdings konnten die ersten vier Testkandidaten mit dem bequemen UEFI- oder AMI-BIOS bereits derart überzeugen, dass ein Award-BIOS wie aus alten Zeiten wirkt. Gigabyte bietet die wichtigsten Spannungen, hält sich bei den Timings des Speichers allerdings etwas zurück. Der Speicher lässt sich mit 1066, 1333, 1600 oder 1866 MHz betreiben.
Viele verbinden Sapphire eher mit Grafikkarten aus dem Hause AMD - passend dazu ist das Pure Platinum A75 ein Board für "Llano"-Prozessoren. Mit 115 Euro gehört es eher zur gehobenen Preisklasse. Zu finden ist es natürlich auch in unserem Preisvergleich.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

Im BIOS sind folgende Optionen verfügbar:

Sapphire bietet in seinem AMI-BIOS eine sehr ausgewogene Mischung aus Speicher- und Spannungs-Settings. Derart umfangreich haben wir das für ein "Llano"-Mainboard nur beim Sapphire Pure Platinum A75 gesehen. Der Speicher lässt sich mit 800, 1066, 1333, 1600 und 1866 MHz betreiben. Anders als bei Elitegroup lässt sich das AMI-BIOS von Sapphire allerdings nicht mit der Maus bedienen, präsentiert aber natürlich dennoch alle erdenklichen Optionen der Onboard-Features.


Das Testsytem bestand aus folgenden Komponenten:

Beginnen wollen wir mit der Leistungsaufnahme der Boards:

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Im Idle-Betrieb präsentieren sich sämtliche Kombinationen aus Mainboard und CPU recht sparsam. Mit 78 Watt verbraucht das Gigabyte GA-A75M-UD2H am wenigsten Strom. Spitzenreiter sind das ASRock A75 Extreme6 und das Sapphire Pure Platinum A75.

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Unter Last gibt es dann relativ zum Idle-Verbrauch gesehen ein ähnliches Bild. Wieder am wenigsten verbraucht das Gigabyte GA-A75M-UD2H, knapp gefolgt vom Elitegroup A75F-A. Sieben bzw. acht Watt mehr verbrauchen das ASRock A75 Extreme6 und das Sapphire Pure Platinum A75. Auch hier gilt aber, dass alle Boards sehr dicht beisammen liegen und nicht einmal 10 Watt Unterschied auszumachen sind.

Ein paar Worte wollen wir auch zu den Temperaturen verlieren. Alle Mainboards werden passiv gekühlt und kein Hersteller sieht auch nur optional eine aktive Kühlung vor. Dies hat auch einen guten Grund, denn selbst unter Volllast wird die Northbridge nicht sonderlich angestrengt und daher hält sich auch die Abwärme in Grenzen. Die Temperaturen bewegten sich typischerweise zwischen 45 und 55 °C.


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Auch am Overclocking haben wir uns versucht, um herauszufinden, welche Grenzen dem A8-3850 durch das Mainboard aufgezeigt werden. Folgende Referenztakte wurden mit den Mainboards erreicht:

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Wir wählten eine CPU-Spannung von 1,5 Volt und behielten den Multiplikator von x29 bei. Ab 120 MHz takteten wir die CPU immer um ein MHz im Referenztakt höher und überprüften die Stabilität mit einigen CPU-intensiven Anwendungen. Letztendlich erreichte das ASRock A75 Extreme6 mit 142 MHz den höchsten Referenztakt. Zwei MHz weniger schaffte das Sapphire Pure Platinum A75. Die weiteren Mainboards finden sich mit noch einmal bis zu drei MHz auf den Plätzen dahinter.


Die Auswahl ist groß und uns überraschte es etwas, dass nahezu jeder Hersteller mindestens ein Mainboard mit AMDs A75-Chipsatz präsentierte. So mancher gibt sich damit aber nicht zufrieden und präsentierte gleich sechs verschiedene Modelle. Ob sich dies auch letztendlich auszahlen wird, muss sich erst noch zeigen.

Die "Llano"-Prozessoren bieten auf CPU-Seite recht wenig. Die Prozessor-Leistung ist im Vergleich zur Phenom-Generation nur marginal gestiegen - oftmals kaum messbar. Viel interessanter ist daher die integrierte GPU, was dann auch das Drum-Herum wichtig macht. Eine Spiele-Plattform wird der "Llano"-Prozessor mit seiner integrierten GPU allerdings auch nicht werden. Das Einsatzgebiet ist also vielmehr bei den Office-System und HTPC zu sehen und hier werden dann auch die Anschlüsse und gebotenen Features wichtig.

Alle Mainboards bieten mindestens sechs SATA-Anschlüsse sowie USB 3.0 oder Gigabit Ethernet. In soweit kann die Entscheidung also abhängig von weiteren Ausstattungsmerkmalen gemacht werden. Als Beispiel sei hier der Support von FireWire800 durch das Gigabyte GA-A75M-UD2H und ASRock A75 Extreme6 genannt. Über die Konfiguration der PCI-Express-Steckplätze sollte man sich weniger Gedanken machen. Alle Boards bieten mindestens einen x16-Slot für eine dedizierte Grafikkarte und damit dürften die meisten Wünsche auch schon erfüllt sein. Mancher Anbieter verbaut auch einen zweiten Slot, kann diesen elektrisch allerdings mit nur vier Lanes anbinden. Wer aus speziellen Gründen noch einen x1-Steckplatz sucht, wird ebenfalls auf allen Mainboards fündig.

Im Grunde lässt sich die Kaufentscheidung auf wenige Fragen reduzieren. Wird aus Platzgründen eine Micro-ATX-Platine benötigt, kommt aus dem Testfeld nur noch das Gigabyte GA-A75M-UD2H infrage. Werden externe Geräte über FireWire800 angebunden, schränkt sich die Auswahl auf das ASRock A75 Extreme6 und das Gigabyte GA-A75M-UD2H ein. Das Video-Signal der APU über DisplayPort ausgeben können nur das ASUS F1A75-V PRO, Gigabyte GA-A75M-UD2H und Sapphire Pure Platinum A75.

Bei diesen Auflistungen fällt dann auch auf, welche Hersteller etwas zurückstecken und sich auf das Wesentliche konzentriere. Biostar bietet mit dem TA75A+ genau wie Elitegroup mit dem A75F-A nur die wichtigsten Features und verzichtet gänzlich auf irgendwelche Zusatzchips. Dies macht sich meistens auch im Preis bemerkbar, was das Modell von Biostar mit dem günstigsten Preis von 85 Euro auch bestätigt.

Die Frage nach dem Testsieger in diesem Vergleich lässt sich sehr einfach beantworten. Das ASRock A75 Extreme6 bietet alle erdenklichen Features. Zusätzliche SATA-Ports werden ebenso über einen Zusatzchip zur Verfügung gestellt wie weitere USB-3.0-Anschlüsse oder FireWire800. Dies schlägt sich allerdings auch im Preis nieder, denn mit 110 Euro gehört es zu den teuren "Llano"-Mainboards und hier fällt dann trotz des günstigen CPU-Preises das Preisargument für die komplette Plattform weg.

Wer auf der Suche nach einem minimal ausgestatteten Board ist und sich ein paar Euro sparen möchte, der sollte sich das Biostar TA75+ einmal genauer anschauen. Üblicherweise reichen die gebotenen Features für ein Office-System mehr als aus. Wer den "Llano" in einem HTPC mit möglichst kleiner Baugröße betreiben möchte, der findet im Gigabyte GA-A75M-UD2H sicher eine gute Basis.

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Der "Excellent Hardware Award" geht an das ASRock A75 Extreme6

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Preis/Leistungs-Sieger und daher mit dem entsprechenden Award versehen: das Biostar TA75+

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