MSI Big Bang Fuzion

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lucidAMD- und NVIDIA-Grafikkarten miteinander zu kombinieren, um von der gemeinsamen Performance zu profitieren, ist bislang nicht möglich. Was AMD und NVIDIA bisher nicht bieten können, will MSI mithilfe des Big Bang Fuzion bzw. dem darauf verbauten Chip von Lucid tun: Man verbindet eine AMD- und eine NVIDIA-Karte und lässt sie zusammen rechnen. Und man geht noch einen Schritt weiter: Auch die Kombination zweier Karten-Generationen aus gleichem Hause soll nun möglich sein. Doch beim MSI Big Bang Fuzion geht es nicht nur um die Hydra-Engine, sondern es handelt sich auch um ein interessantes Sockel-1156-Mainboard mit P55-Chipsatz und interessanten Eigenschaften.

Mehr zum MSI Big Bang Fuzion gibt es auch in der kommenden Hardwareluxx [printed] 03/2010 zu lesen. Dort gehen wir dann auch etwas näher auf die technischen Details des Lucid-Chips, der die Hydra-Engine bereitstellt, ein. In diesem Test schauen wir uns zunächst die Fähigkeiten des Mainboards an und geben einen Einblick auf die Dual-GPU-Fähigkeiten.

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Das P55-Mainboard von MSI besitzt das typische Aussehen neuerer MSI-Platinen mit einem schwarzen PCB und blauen Elementen. MSIs Big-Bang-Serie ist dabei die Speerspitze - diese Serie adressiert MSI an den High-End-User, der einen hochperformanten PC haben möchte und diesen auch noch übertakten möchte. Hinzu kommt die Unterstützung für mehrere Grafikkarten, die im SLI- oder CrossFire-Modus (oder wie hier mit einer Zwitterlösung) kombiniert werden können.

Das Mainboard in der Übersicht
Hersteller und
Bezeichnung
MSI
Big Bang Fuzion
Straßenpreis ca. 320 Euro
Homepage www.msi-technology.de
Northbridge-/CPU-Features
Chipsatz P55-Chipsatz + Lucid Hydra 200
Speicherbänke und Typ 4x DDR3 (Dual-Channel)
Speicherausbau max. 16 GB
SLI / CrossFire CrossFire, SLI (x16-/x16-Lanes)
3-Way-CrossFire, 3-Way-SLI (x16-/x16-/x8-Lanes)
Onboard-Features
PCI-Express 3x PCIe x16 (x16, x16, x8)
2x PCIe x1
PCI 2x PCI
Serial-ATA-, SAS- und
ATA-Controller
6x SATA mit RAID 0, 1, 5, 10 über P55 PCH,
4x SATA über 2x JMicron JMB322 als Port-Multiplexer,
1x ATA/133 über JMicron JMB363
2x eSATA über JMicron JMB 362
USB 8x USB2.0  (+ 2x über Slotblende)
WLAN / Bluetooth -
Firewire VIA VT6315N 400 MBit/s
1 Port (keine Slotblende)
LAN 2x Realtek RTL8111DL (PCIe)
Dual-Gigabit-Ethernet
Audio Quantum Wave Audio Card (Realtek ALC889)
analoge, digitale und optische Ports

Wie man sehen kann, ist das Board voll bestückt: Mehrere zusätzliche SATA-Controller, zwei Gigabit-Ethernet-NICs, eine separate Audio-Karte und ein Firewire-Controller entsprechen dem aktuellen Standard für High-End-Mainboards. Auf zusätzliche Features wie USB 3.0 und SATA 6G muss man noch verzichten.

Auch beim Lieferumfang sieht man dem Board seinen High-End-Status an - in einer Extra-Verpackung versteckt sich eine ganze Armada an Kabeln und Zusatzmaterial:

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Enthalten ist im Lieferumfang:

Auf den nächsten Seiten werfen wir einen Blick auf die Onboard-Komponenten des Mainboards.


MSI integriert auf dem Board zwar noch keine neue SATA-6G-Technik, dafür aber diverse andere Storage-Optionen. Neben den RAID-fähigen SATA-3G-Ports des P55-Chips kommen gleich zwei JMicron-Controller als Portmultiplexer auf dem Board zum Einsatz, die je zwei SATA-Ports mitbringen, die auch im Hardware-RAID gekoppelt werden können. Angesteuert werden diese über einen weiteren JMicron-Controller, der die notwendigen zwei SATA-Ports realisiert. Er bringt auch den ATA/133-Controller auf das Board. Auf einen Floppy-Port hat MSI verzichtet - sowohl Bios-Updates wie auch sämtliche anderen Dinge lassen sich bei dem Board mit USB-Sticks realisieren.

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Zwei Gigabit-LAN-Ports befinden sich auf dem Board, beide sind per Realtek-Controller realisiert worden und laufen über das PCI-Express-Interface. Für Heimanwendungen sind diese Ports also eher überdimensioniert, sollte jedoch ein schneller Gigabit-Ethernet-Switch zur Verfügung stehen, können die Daten auch ungebremst zwischen den Rechnern ausgetauscht werden. Zusätzliche drahtlose Netzwerktechniken werden bei dem Board nicht eingesetzt, WLAN oder Bluetooth müsste man mit Zusatzkarten oder per USB nachrüsten.

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Im unteren Bild sieht man den JMicron-362-Controller, der die beiden eSATA-Ports realisiert. Neben diesen beiden Ports an der I/O-Blende lassen sich zwei weitere SATA-Ports durch eine Slotblende zu eSATA-Ports umwandeln. Weiter rechts, neben dem 3-Pin-Lüfteranschluss, befindet sich der VIA-Controller, der die Firewire-Funktionalität bereitstellt. An der I/O-Blende befindet sich der typische 400 Mbit/s übertragende Port.

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Für die PCI-Express-Bandbreite ist die PCI-Express-Bridge von Lucid zuständig. Sie splittet die PCI-Express-Lanes der Lynnfield-CPU entsprechend auf, um dann mehrere Grafikkarten mit möglichst voller Bandbreite ansprechen zu können. Durch den von Lucid zur Verfügung gestellten Treiber ist dann auch eine Kopplung von ATI- und NVIDIA-Karten zur Performancesteigerung möglich. Im von Lucid zur Verfügung gestellten PDF-Dokument zeigt man diverse Konfigurationsmöglichkeiten der Hydra-Engine (z.B. in einer x8-Konfiguration mit vier Grafikkarten, einer x16/x8/x8-Konfiguration mit drei Grafikkarten oder einer x16/x16-Konfiguration mit zwei Grafikkarten). Die Anbindung zur CPU geschieht mit 16 Lanes, somit ist der Lucid-Chip eigentlich nichts anderes als ein aufgebohrter 48-Port-PCIe-Switch mit maximal fünf Ports.

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Interessant wird der Lucid-Chip erst durch seine integrierte RISC-Engine, die es ermöglicht, die Hydra-Treiber zur Leistungsverstärkung von mehreren Grafikkarten einzusetzen.

Als Sound-Lösung lässt sich MSI nicht lumpen und setzt nun auch auf eine Slotblende. Allerdings ist mitnichten ein X-Fi-Chip unter der Haube, was man anhand der Creative-Logos und EAX-HD-5.0-Unterstützung vermuten könnte. Der verwendete Chip ist ein üblicher Realtek ALC889, der auch auf vielen Mainboards als Onboard-Chip realisiert ist. Die Creative-Unterstützung wird per Software mit einem Treiber geregelt. Allerdings kann der Sound auf einer separaten Karte hochwertiger ausgeführt werden, da nicht mit dem Platz auf dem Mainboard-PCB gespart werden muss. So ist auch dieser verwendete Onboard-Sound qualitativ durchaus zu gebrauchen - und muss sicherlich nur ersetzt werden, wenn qualitativ sehr hochwertige PC-Boxen zum Einsatz kommen oder besondere Ansprüche an den Sound gestellt werden.

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MSi bietet bei dem Fuzion-Board also auch über die Hydra-Engine hinaus tolle Features. SATA 6G wird man nicht vermissen, da aktuelle Laufwerke die höhere Bandbreite nicht wirklich ausnutzen können und auch der SATA-3G-Standard vollkommen ausreicht. Höchstens USB 3.0 wäre interessant, aber derartige Komponenten sind ebenso noch rar gesät. 

Bei unserer Layoutbetrachtung soll im Vordergrund stehen, was das Board neben den Onboard-Chips alles zu bieten hat. Auf der I/O-Blende finden sich zwei PS/2-Ports - diese könnte man heutzutage auch langsam wegrationalisieren. Weiterhin sind sechs USB-Ports vorhanden, zwei weitere dienen zur eSATA-Stromversorgung. Zwei eSATA-Ports, ein Firewire-Port und zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse komplettieren das Bild. Die Soundanschlüsse muss MSI hier nicht nach außen führen, da eine spezielle Audio-Karte zum Einsatz kommt. Dementsprechend hat man etwas Platz für den Anschluss des OC Dashboards, welches mit der kleinen Anschlussleiste zwischen den eSATA-Ports angebunden wird. Etwas Platz für zusätzliche USB-Ports wäre auf der I/O-Blende jedoch gewesen, denn der P55-Chipsatz bietet ganze 14 Ports.

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Die Erweiterungsslots des Boards sind geschickt positioniert: Ganz oben befindet sich ein PCIe-x1-Port für die Quantum-Force-Audio-Karte. Da sie halbe Länge besitzt, kommt sie auch nicht mit dem Kühlkörper für den Lucid-Chip in Konflikte. Unter dem ersten PCIe-x16-Port für die Grafikkarte befindet sich ein weiterer PCIe-x1-Port, der jedoch durch Dual-Slot-Grafikkartenkühler meistens verdeckt sein wird. Zwei PCI-Slots besitzt das Board, auch hier wird ein Port möglicherweise durch eine weitere Grafikkarte verdeckt sein. Der untere PCIe-x16-Port ist nur als x8-Port nutzbar - hier ließe sich aber auch noch eine PCIe-Karte einbauen.

Ganz unten am Boardrand befindet sich ein Button zum Löschen des CMOS, direkt daneben ist der OC-Genie-Button angebracht, der das Board in einen automatischen Übertaktungsbetrieb versetzt. Hier sucht sich das Board nach dem Drücken automatisch die schnellsten Settings für die CPU und den Speicher.

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Buttons auf dem Mainboard dürfen bei einer High-End-Platine nicht mehr fehlen. MSI setzt auf touch-sensitive Flächen auf dem Board, um Overclockern, die ohne Gehäuse arbeiten, die Möglichkeit zu geben, das Board anzuschalten, das System zu resetten oder das System in einem Green-Power-Betrieb laufen zu lassen. Diese "Easy-Button-2"-Technik ist schick, allerdings kommt man auch mal versehentlich auf die Touchfelder - das kann bei Buttons nicht passieren.

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Die Kühlung des High-End-Boards ist massiv ausgeführt: Eine Heatpipe verbindet die Kühlkörper, wobei MSI sowohl die Spannungswandler, wie auch die Lucid-Brücke um den CPU-Kühler herum verbindet. Die P55-Southbridge ist unter einem etwas größeren Passiv-Kühler versteckt - aber da der Chip kaum Strom verbraucht, ist eine stärkere Kühlung auch nicht notwendig.

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Das Mainboard besitzt eine 14-phasige Stromversorgung: Acht Phasen werden für die CPU verwendet, zwei für die VTT-Spannung und zwei für die DRAM-Spannung. Zwei weitere werden für den P55-Chip eingesetzt. Hochwertige Kondensatoren verstehen sich bei so einem High-End-Board von selbst. MSIs DrMOS-Technik kann allerdings auch anhand von einer Phasen-LED-Anzeige direkt sichtbar gemacht werden: Im unteren Bild sieht man neben dem FAN-Header die Anzeige, die die aktiven Phasen für die CPU anzeigt.

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Neben dieser Phasen-Anzeige sind auch kleine LEDs auf dem Board angebracht (z.B. oberhalb der DRAM-Slots für die VTT- und DDR-Phasen), die den Status der Phasen anzeigen.

Insgesamt befinden sich vier dreipolige Fan-Header auf dem Board, hinzu kommt der vierpolige CPU-Lüfteranschluss.


Als BIOS-Version vewendeten wir die BIOS-Version 1.0 des Boards, also das Release-BIOS. Eine neue Variante ist noch nicht verfügbar, aber es ist zu erwarten, dass noch weitere Versionen folgen werden. Allerdings konnte das BIOS in unserem Fall schon überzeugen - wobei wahrscheinlich ist, dass MSI die Erfahrung der anderen P55-Boards bereits einfließen lassen hat. So ist man mit dem P55-GD80 oder dem P55-GD65 schon längere Zeit auf dem Markt und hat auch mit dem Big Bang Trinergy ein weiteres hochwertiges P55-Board am Markt, welches mit ähnlichen BIOS-Versionen ausgestattet werden kann. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die BIOS-Version 1.0 bereits sehr ausgereift ist - und ohne nennenswerte Fehler.

Für uns sind ein paar Punkte besonders wichtig:

Diese Kriterien sind für die meisten Anwender die Wichtigsten, wobei für ein einwandfreies Funktionieren des Boards auch noch weitere Funktionen gehören. Sämtliche BIOS-Funktionen haben wir in der folgenden Galerie aufgeführt:

{gallery}/galleries/reviews/Fuzion/bios/{/gallery}

Wie man anhand der Screenshots sehen kann, sind alle unsere oben genannten Punkte mehr oder weniger gut erfüllt. Erfreulich ist, dass bereits nach dem Laden der BISO-Defaults alle Stromspartechniken aktiviert sind. Für unbedarfte Anwender gibt es somit kein Hindernis, ohne große BIOS-Konfiguration ein schnelles und stromsparendes System aufzubauen. Besondere Features (z.B. der C6-Betrieb) lassen sich nachträglich aktivieren. Auch funktionierte der Turbo-Betrieb ohne Einschränkungen, die Speichertimings ließen sich gut konfigurieren und es waren auch keine Performance-Bremsen im Bios zu finden.

Sämtliche Onboard-Komponenten lassen sich abschalten, was gerade bei der großen Anzahl von SATA-Geräten sinnvoll ist - denn nicht alle User werden 10 Festplatten anschließen wollen. Die Lüftersteuerung ist über ein Smart FAN Target steuerbar, gibt man hier eine hohe Temperatur an, wird der Lüfter heruntergeregelt. Zudem lässt sich der minimale FAN-Speed manuell einstellen (z.B. auf 25%, sofern der Lüfter sich mit der niedrigeren Spannung dann noch dreht). Beim Hardware-Monitoring finden wir diverse Spannungsoptionen, wobei MSI auch die Temperatur der einzelnen Spannungswandler mit integriert hat. Die wirklich ausführlichen Overclocking-Optionen schauen wir uns im nächsten Schritt auf der nächsten Seite genauer an.

BIOS-Updates sind bei MSI mit M-Flash möglich: Die Biosoption erlaubt es, einen vorher eingesteckten USB-Stick mit entsprechender BIOS-Version direkt aus dem BIOS anzusprechen und das Update aufzuspielen. In der Praxis konnten wir das beim Big Bang Fuzion nicht durchführen, weil es noch keine neue BIOS-Version gibt, bei anderen vorher getesteten MSI-Platinen funktionierte die Option aber ohne Probleme. Hiermit entfällt ein wirklich lästiges Flashen über eine USB-Dos-Umgebung oder ähnliche Dinge.

Als weitere Besonderheit ist eine Phasen-Kontrolle im BIOS implementiert (Green Power Menu). Hier lässt sich die dynamische Umschaltung der Phasen abschalten, was allerdings nur in besonderen Grenzfällen Sinn macht. Auch lassen sich hier die LEDs auf dem Board abschalten, was minimal Strom spart.

Bei unserer Stabilitäts- und Kompatibilitäts-Kontrolle musste sich das Board mit diversen Speichermodulen und Grafikkarten beweisen. Gerade bei den Speichertests sollte man meinen, dass keine Kompatibilitätsprobleme mehr entstehen können, seitdem der Speichercontroller in die CPU gewandert ist - ein kürzlich getestetes Intel-H55-Mainboard bewies jedoch, dass unsere Kompatibilitätstests weiterhin sinnvoll sind, da es nur mit einigen wenigen ausgewählten Speicherriegeln startete. Das Big Bang Fuzion zeigte jedoch in jedem Test keine Probleme und lief selbst mit schnellsten Settings zuverlässig und schnell.


Bei der Overclocking-Fangemeinde waren MSI-Platinen vor ein paar Jahren nicht auf dem Wunschzettel - nach Abit und DFI standen Mainboards von EVGA und ASUS hoch im Kurs. Allerdings scheint sich dies zunehmend zu wandeln, da immer mehr MSI-Platinen zum Übertakten eingesetzt werden und auch sehr gute Resultate hervorbringen. Dies liegt natürlich daran, dass MSI in der Vergangenheit wenig Overclocking-Optionen implementiert hat, nun aber die Boards mehr und mehr aufs Overclocking ausrichtet. So sind auch im Big Bang Fuzion reichlich Optionen enthalten, die den Platinen anderer Hersteller in nichts nach stehen.

Hinzu kommen weitere Besonderheiten, die einem beim Übertakten das Leben erleichtern. Beispielsweise ist es recht mühsam, Spannungen immer im Hardwaremonitoring im BIOS oder mit einem Tool unter Windows zu kontrollieren. Praktischer ist es, ein passendes Multimeter neben dem Bench-Tisch zu platzieren und hier die notwendigen Spannungen abzulesen. Entsprechende Messpunkte bringt das Board mit (siehe unten). Hier lässt sich ein Multimeter anschließen. Der V-Switch neben den Messpunkten ermöglicht eine höhere Spannung als im BIOS auswählbar ist. So ist die CPU-Spannung um 0,1 V, die VTT-Spannung um 0,2 V, die DRAM-Voltage um 0,2 V und die PCH-Voltage um 0,2 V durch ein Umstellen des Switches verstellbar. Dies macht durchaus Sinn und dient als kleine Schutzfunktion, damit die Spannungen im BIOS nicht ohne entsprechende Kühlung und ohne entsprechendes Wissen auf zu hohe Werte eingestellt werden.

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Sämtliche Overclocking-Optionen haben wir in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

Die Overclocking-Funktionen in der Übersicht
Base Clock Rate 100 bis 600 MHz, stufenlos
CPU-Spannung 0,9 bis 2,1 V in 0,00625-V-Schritten
DRAM-Spannung 0,93 bis 2,43 V in 0,015-V-Schritten
IMC/VTT-Spannung 0,482 V bis 2,092 V in 0,015-V-Schritten
CPU PLL-Spannung
0,2 bis 2,4 V in 0,01-V-Schritten
PCH 1,05-V
0,45 bis 1,95 V in 0,015-V-Schritten
PCIe-Takt 90 bis 190 MHz, stufenlos
Weitere Spannungen
Vdroop-Control, DDR-VRef-Spannungen
Speicher-Optionen
Taktraten CPU-abhängig, Multiplikatoren bei x3, x4, x5, x6
Command Rate
einstellbar
Timings einstellbar
XMP wird unterstützt
Weitere Funktionen
QPI-Takt CPU-abhängig, x16 und x18
CPU-Multiplikator CPU-abhängig, einstellbar
Weitere Besonderheiten
Settings speicherbar in Profilen, Turbo-Betrieb,
Memory-Z-Seite mit SPD-Einstellungen,
Clock-Gen-Tuner, Spread Spectrum, M-Flash

Die Spannungen sind also schon ohne den zusätzlich gebotenen DIP-Schalter in Regionen zu bringen, die die Hardware bei unsachgemäßer Kühlung sicher zerstören können. Als maximale Spannungen für Luftkühlung sollte bei der CPU-Spannung nicht mehr als 1,4 V, bei der VTT-Spannung nicht mehr als 1,35 V und bei der DRAM-Spannung nicht mehr als 1,65 V eingestellt werden. Bei Wasserkühlung ist es möglich, bis zu 0,1 V mehr Spannung anzulegen - mehr sollte es aber auf keinen Fall sein. Empfehlenswert ist das Abspeichern der Overclocking-Settings in ein Profil, welches nur dann aufgerufen wird, wenn man die Leistung im übertakteten Zustand benötigt - das schont die Hardware und auch den Geldbeutel, da der PC im übertakteten Zustand deutlich mehr Strom benötigt.

In den Übertaktungstests stellt man leider viel zu häufig fest, dass nicht das Mainboard der limitierende Faktor ist, sondern etwas anderes. Bei uns ist des die CPU, die eine maximale Base Clock Rate von ca. 210 bis 220 MHz zulässt. Auch mit höherer Spannung ist es nicht möglich, den Takt weiter zu steigern. Diese 210 MHz Base Clock Rate erreichte das Board ohne Probleme:

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Auch ein hoher Speichertakt ist ohne Probleme möglich (ca. 2400 MHz, auch hier limitierend durch die DDR3-Module). Für einen guten Übertaktungserfolg ist das Board also ohne Probleme geeignet.


Ausführlich gehen wir auf den Betrieb des Boards mit unterschiedlichen Grafikkarten in unserem Heft 03/2010 ein, welches am 05.03. im Handel erscheint. An dieser Stelle geben wir aber schon einmal einen kleinen Einblick auf die Fähigkeiten des Boards.

Wie wir bereits geschrieben haben, lässt sich nicht jede beliebige ATI- und NVIDIA-Karte miteinander koppeln. Die folgenden Kombinationen sind im A-Mode (ATI-Grafikkarten untereinander), im N-Mode (NVIDIA-Grafikkarten untereinander) und im X-Mode (gemischter Betrieb) möglich:

AMD-Grafikkarten (A-Mode) NVIDIA-Grafikkarten (N-Mode) Kombination aus AMD- und NVIDIA-Grafikkarten (X-Mode)
ATI Radeon HD 4350 NVIDIA GeForce 9500 GT NVIDIA GeForce 9600 GT ATI Radeon HD 4850
ATI Radeon HD 4550 NVIDIA GeForce 9600 GT NVIDIA GeForce 9800 GTX+ ATI Radeon HD 4870
ATI Radeon HD 4650 NVIDIA GeForce 9800 GTX+ NVIDIA GeForce GTS 250 ATI Radeon HD 4890
ATI Radeon HD 4670 NVIDIA GeForce 210 NVIDIA GeForce GTX 260 ATI Radeon HD 5750
ATI Radeon HD 4770 NVIDIA GeForce GT 220 NVIDIA GeForce GTX 275 ATI Radeon HD 5770
ATI Radeon HD 4850 NVIDIA GeForce GTS 250 NVIDIA GeForce GTX 280 ATI Radeon HD 5850
ATI Radeon HD 4870 NVIDIA GeForce GTX 260 NVIDIA GeForce GTX 285 ATI Radeon HD 5870
ATI Radeon HD 4890 NVIDIA GeForce GTX 275
ATI Radeon HD 5750 NVIDIA GeForce GTX 280
ATI Radeon HD 5770 NVIDIA GeForce GTX 285
ATI Radeon HD 5850
ATI Radeon HD 5870

Die offizielle Liste offenbart Folgendes: Neben den neuen Karten der 5800er- und 5700er-Serie können auch noch einige Modelle der älteren Generation im A-Mode betrieben werden. Die gerade erst vorgestellten neuen Mittelklasse-Karten sind noch nicht enthalten. Bei den NVIDIA-Modellen sieht es ähnlich aus, auch hier werden die aktuellen Karten unterstützt. Auffallend an dieser Stelle: Keine Dual-GPU-Karte kann mithilfe der Hybrid-Engine mit anderen Grafikkarten zusammengeschaltet werden. Inoffiziell kann der Betrieb natürlich funktionieren - aber er ist nicht offiziell validiert und getestet.

Schon deutlich eingeschränkter ist die Auswahl sollen AMD- und NVIDIA-Grafikkarten gemeinsam betrieben werden. In den Benchmarks werden wir später sehen, welche Kombination die beste Performance hervorbringt und wo es sinnvoller sein könnte, zwei baugleiche Karten im CrossFire und SLI zu betreiben.

Hydra macht also in drei Bereichen durch seine Exklusivität Sinn:

Installation

Die Installation der Hydra-Engine gestaltet sich nur auf den ersten Blick als sehr einfach. So müssen nur die gewünschten Karten in das System eingesteckt werden. Eine hardwareseitige Verbindung mit einer SLI- oder CrossFire-Bridge ist nicht nötig. Nun müssen nur noch die passenden Treiber installiert werden. Hier kann es allerdings schon zu Problemen kommen, denn nicht jede Treiber-Version wird unterstützt. In einem Support-Dokument erklären MSI und Lucid die Installation und geben auch Hinweise auf kompatible Treiber. Wir wählten für unsere Tests die aktuellen Versionen von AMD und NVIDIA. Ebenfalls in einem Support-Dokument verfügbar ist eine Liste der bisher unterstützten Anwendungen. Allerdings können auch eigene Profile innerhalb des Hydra-Control-Centers erstellt werden.

Bildqualität und PhysX?

Was passiert mit mehr oder weniger exklusiven Features der einzelnen Modelle, wenn sie zusammengeschaltet werden? So ist es beispielsweise nicht möglich, eine Radeon- und GeForce-Grafikkarte gemeinsam zu betreiben und dann den NVIDIA AA-Mode zu verwenden. Mit PhysX sieht es ähnlich aus, denn sobald der GeForce-Treiber eine AMD-Grafikkarte sieht, schaltet er PhysX ab - so zumindest im 3DMark Vantage. In einigen anderen Benchmarks konnten wir PhysX zwar aktivieren, allerdings fehlte dann die Unterstützung in der Anwendung selbst.

Auf der anderen Seite ist natürlich auch der DirectX-11-Support hinfällig, wird zu einer Radeon HD 5850 eine GeForce-Grafikkarte gesteckt. Hier kann man dann gespannt sein, wenn NVIDIA seine ersten DirectX-11-Grafikkarten herausbringt. Dann ist der Anwender erst einmal abhängig vom Treiber-Support, der durch Lucid bzw. MSI bereitgestellt werden muss.

Testsystem für die Fuzion-Benchmarks:

Weiterhin haben wir nach jedem Benchmark das System neu gestartet und, wenn möglich, mit aktuellen Softwareversionen und Patches getestet.


Einige Benchmarks sollen den Betrieb mehrerer Grafikkarten miteinander verdeutlichen:

Bench_1

Als ersten Benchmark wählten wir den Futuremark 3D Mark Vantage. Hier kam es dann auch gleich zu den ersten Problemen mit der Hydra-Engine. So war es uns nicht möglich eine Kombination aus AMD- und NVIDIA-Grafikkarte zu betreiben. Auch zwei verschiedene Radeon-Modelle waren nicht zu einem Start des Benchmarks zu bewegen.

Bench_2

Schon besser sieht es da bei Resident Evil 5 aus. Hier wird der Vorteil, zu einer leistungsschwächeren Karte, beispielsweise einer Radeon HD 5770 und GeForce GTX 275, ein stärkeres Modell zu stecken besonders deutlich. Wird allerdings bereits eine Karte wie eine Radeon HD 5850 oder GeForce GTX 285 verwendet, dürfte es mehr Sinn machen, ein weiteres baugleiches Modell zu verwenden.

Bench_3

Far Cry 2 zeigt ein ähnliches Bild wie der Benchmark zuvor. Hier allerdings kann sich erstmals die Kombination aus Radeon HD 5850 und GeForce GTX 285 an die Spitze setzen.

Bench_4

Als letzter Vergleich in diesem Kurztest schauten wir uns auch die Performance in Crysis Warhead an. Hier kam es wieder zu Problemen mit dem X-Mode, also der Kombination aus Radeon und GeForce Grafikkarten. Was allerdings wieder sehr deutlich an dieser Stelle wird, ist der Performance-Zuwachs bei Verwendung einer "kleinen" Radeon HD 5770 und GeForce GTX 275, wenn ein aktuelles High-End-Modell der Form Radeon HD 5850 und GeForce GTX 285 dazu gesteckt wird.


Lucid hat mit der Hydra-Engine die richtige Idee. Dass AMD und NVIDIA selbst die Verwendung zweier unterschiedlicher Karten aus eigenem Hause verhindern, ist für den Endanwender relativ unverständlich. NVIDIA erlaubt zumindest den Einsatz einer weiteren GeForce-Grafikkarte, die sich dann um den PhysX-Support kümmert. Die Kombination von alten und neuen Karten ist aber nicht zur Leistungssteigerung zulässig. Dass man nicht auch den gemeinsamen Betrieb mit einem Konkurrenzprodukt unterstützt, kann man noch nachvollziehen.

Die Umsetzung der Hydra-Engine ist für den Hersteller Lucid recht kompliziert. Es gilt Faktoren wie das Treiber-Management von Windows und die Grafikkarten-Treiber in den verschiedenen Versionen und schnellen Zyklen zu beachten. Für den Anwender hat man es auf eine sehr einfache Ebene gebracht. Nach der Installation der Treiber muss nur noch der Hybrid-Engine-Treiber installiert werden und schon kann es los gehen - theoretisch.

Die Performance in den verschiedenen Kombinationen der Grafikkarten muss differenziert betrachtet werden. So macht es beispielsweise kaum Sinn, zu einer performanten Karte ein kleines Modell dazu zu stecken. Schon eher interessant ist hier der Einsatz einer älteren Karte zusammen mit einem aktuellen Modell wie der Radeon HD 5850 oder GeForce GTX 285 aufzurüsten. Ein Wehrmutstropfen ist allerdings der Preis: Meldungen zufolge kostet der Lucid-Chip etwa 70 US-Dollar, was dann auch den hohen Preis des Mainboards mit 300 Euro erklärt. Macht es dann eventuell mehr Sinn, gleich eine schnellere Grafikkarte zu kaufen?

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Das MSI-Board ist einzeln betrachtet aber einen Blick wert, denn durch die Feature-Vielfalt relativiert sich der hohe Preis etwas. Erstaunlich niedrig war im Betrieb der Stromverbrauch, was den Lucid-Chip deutlich empfehlenswerter macht als NVIDIAs nForce 200. Das Board konnte mit einem Idle-Verbrauch von 115,1 Watt und einem Last-Verbrauch von 206,3 Watt glänzen, es verbrät also nur minimal mehr als andere High-End-Platinen mit entsprechender Ausstattung. Mainboards mit nForce-200-Chip liegen meistens knapp 10 Watt drüber - Lucids PCIe-Brücke ist also deutlich stromsparender.

Zudem kann das Layout gefallen, die Onboard-Komponenten bedienen jeden Bedarf, das BIOS ist ausgereift und die Overclocking-Fähigkeiten sind auch für Profi-Übertakter interessant. Im Lieferumfang hat MSI interessante Besonderheiten wie das OC Dashboard hinzugepackt. Im Performance-Vergleich schneidet es auf dem typischen P55-Niveau ab, Unterschiede zu anderen Boards sind aufgrund des integrierten Speichercontrollers fast nicht existent. Am Board selber gibt es also ausser am Preis und den (noch) eingeschränkten Fähigkeiten im Hydra-Betrieb keine Kritikpunkte.

 Positive Punkte des MSI Big Bang Fuzion:

Negative Punkte des MSI Big Bang Fuzion:

Das Board bekommt von uns den Excellent-Hardware-Award, aus zwei Gründen: Zum einen ist es eine der aktuell bestausgestatteten P55-Platinen am Markt und funktionierte im Testbetrieb in allen Bereichen einwandfrei. Zum anderen ist das Board auch eine Technologie-Show und momentan das Einzige seiner Art mit dem Lucid-Chip. Wir werden hier auf jeden Fall am Ball bleiben, und das Board weiter mit diversen Konfigurationen testen - denn einige Bereiche des Lucid-Chips, die wir in diesem Test noch nicht angesprochen haben, sind noch sehr interessant.

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