Alpenföhn Gletscherwasser 360 im Test: Premium-AiO-Kühlung aus der8auer-Kooperation

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Mit der Gletscherwasser-Serie bietet Alpenföhn erstmalig AiO-Kühlungen an. Für die Entwicklung hat man sich mit dem OC-Experten Roman „der8auer“ Hartung prominente Unterstützung ins Boot geholt. Wir haben eine Gletscherwasser 360 erhalten und klären im Test, ob die Premium-AiO-Kühlung überzeugen kann. 

Eigentlich hat sich Alpenföhn vor allem mit Luftkühlern einen Namen gemacht - auch wenn es in Form der "Wasser" schon vor etlichen Jahren auch eine AiO-Kühlung gab. Umso beachtlicher ist, dass man mit der Gletscherwasser-Serie nun nach eigenem Bekunden mit Premium-AiO-Kühlungen auf den Markt drängt. Besonders wird vom Hersteller neben der Zusammenarbeit mit Roman „der8auer“ Hartung auch betont, dass die Endmontage der AiO-Kühlung in Deutschland erfolgen soll (aber sicher nicht die Fertigung der einzelnen Bauteile). Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass mit Thermal Grizzly Kryonaut auch eine Premium-Wärmeleitpaste mitgeliefert wird.

Alle Modelle erhalten eine A-RGB-Beleuchtung - und zwar sowohl für den Pumpendeckel als auch für die Lüfterrahmen. Die Modellpalette wird breit aufgestellt: Sie reicht von der Gletscherwassser 240 über die Gletscherwasser 280 bis hin zur Gletscherwasser 360. Von den Modellen mit 120-mm-Lüftern gibt es zusätzlich noch High-Speed-Varianten mit höherer maximaler Lüfterdrehzahl (2.200 statt 1.600 U/min) und den Produktnamen Gletscherwasser 240 High Speed und Gletscherwasser 360 High Speed. Insgesamt stehen so fünf Varianten zur Auswahl.

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Wir haben eine Gletscherwasser 360 erhalten - also das Modell mit 360-mm-Radiator und einer eher moderaten maximalen Lüfterdrehzahl von 1.600 U/min. Im Handel wird diese AiO-Kühlung für rund 190 Euro angeboten. Die High-Speed-Version gibt es alternativ für einen ähnlichen Preis. 

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Die AiO-Kühlung wird sicher und übersichtlich verpackt ausgeliefert. Radiator und Kühler-Pumpen-Einheit stecken zusätzlich in Kunststoffhüllen. Auf der Rückseite des Kartons ist sogar notiert, welcher Mitarbeiter die jeweilige AiO-Kühlung gepackt hat. 

Spezifikationen
KühlernameAlpenföhn Gletscherwasser 360
Kaufpreis rund 190 Euro
Homepage www.alpenfoehn.de
Kühlertyp All-in-One Wasserkühlung mit 360-mm-Radiator
Maße Radiator (ohne Lüfter) 402 x 120 x 27 mm  (L x B x H)
Material Bodenplatte: Kupfer
Radiator: Aluminium
Pumpe Anbindung per 3-Pin-Stecker, 1.200 - 2.550 U/min
Schläuche 46,5 cm Länge, textilummantelt
Serienbelüftung 3x Wing Boost 3 ARGB, 120-mm-PWM-Lüfter, 500 - 1.600 U/min
Sockel AMD: TR4, sTRX4, AM4, AM3+, AM3, AM2+, AM2, FM1 
Intel: LGA 1200, 1150, 1151, 1155, 1156, 1366, 2066, 2011-v3, 2011
Garantiedauerkeine Angaben, gesetzliche Gewährleistung

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Das Zubehör fällt sehr umfangreich aus. Neben dem Montagematerial und der Anleitung erhält der Käufer diverse Anschlusskabel, darunter Verteilerkabeln für Lüfter und A-RGB-Beleuchtung, eine Fernbedienung für die Beleuchtungssteuerung, eine kleine Dosierspritze Thermal Grizzly Kryonaut mit Spachtel und eigener Anleitung. Zur individuelleren Gestaltung können unterschiedliche Deckel auf der beleuchteten Kühler-Pumpen-Einheit montiert werden. Und auch zwei Alpenföhn-Sticker sollen nicht unerwähnt bleiben. 

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Die Gletscherwasser 360 zeigt sich auf den ersten Blick als recht konventionell aufgebaute AiO-Kühlung mit Kühler-Pumpen-Einheit und 360-mm-Radiator. Beide Elemente werden durch 46,5 cm lange, textilummantelte Schläuche miteinander verbunden.

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Die Kühler-Pumpen-Einheit zeigt sich mit Kunststoffgehäuse und einem kreisrunden Deckel, der von A-RGB-LEDs beleuchtet wird. Seitlich sitzen ein Anschlusskabel für die A-RGB-Beleuchtung und ein Kabel mit 3-Pin-Stecker für die Pumpe.

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Der Alpenföhn-Deckeleinsatz wird von einem Kunststoffring gehalten und kann gegen weitere Deckeleinsätze aus dem Zubehör ersetzt werden. Darunter fallen vor allem der AMD- und der Thermal Grizzly-Einsatz auf. Der Kunststoffring ließ sich bei unserem Sample erst nur schwer lösen, anschließend hatten wir aber auch Mühe, ihn wieder richtig zu befestigen. Erst nach mehreren Versuchen griffen die kleinen Haltenasen wieder ausreichend zuverlässig. 

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Der Kühlerboden besteht aus Kupfer. Alpenföhn sieht den Einsatz nicht nur auf den gängigen Mainstream-Sockeln, sondern auch auf HEDT-Sockeln wie TR4/sTRX4 vor. Komplett abgedeckt werden die Threadripper-Prozessoren aber nicht. Die Bodenplatte misst 5,4 x 5,4 cm. Das ist zwar schon relativ großzügig, bei Noctuas NH-U14S TR4-SP3 als speziellem Threadripper-Kühler misst sie aber beispielsweise 70 x 56 mm.


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Wer selbsterklären Premium-Anspruch auf einen Kupferradiator gehofft hat, der wird enttäuscht. Auch Alpenföhn nutzt wie die meisten Anbieter von AiO-Kühlungen einen Aluminium-Radiator. Er misst 402 x 120 x 27 mm  (L x B x H).

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Es gibt zwar offensichtlich Befüllöffnungen, die sind aber abgeklebt und ein Nachfüllen durch den Nutzer ist nicht vorgesehen. Bei unserem Sample waren im Randbereich des Radiators direkt beim Öffnen des Pakets einige stärker verformte Kühlrippen sichtbar. Das ist zwar kein Anlass zur Sorge, aber zumindest ein kosmetischer Makel.

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Als Lüfter werden drei Wing Boost 3 ARGB mitgeliefert. Die 120-mm-Lüfter beleuchten den äußeren Rahmen mit A-RGB-LEDs. Sie arbeiten mit 500 bis 1.600 U/min. Die Maximaldrehzahl fällt relativ niedrig aus - bei vielen AiO-Kühlungen liegt sie bei über 2.000 U/min. Auch Alpenföhn selbst bietet alternativ eine High-Speed-Variante an. Alltagstauglich sind so hochdrehend betriebene Lüfter aber ohnehin nicht. An den Lüftern zeigen sich jeweils PWM- und A-RGB-Anschlusskabel. 

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Die Verkabelung ist durchaus aufwendig - schließlich wollen nicht nur Pumpe und Lüfter, sondern auch jeweils ihre A-RGB-LEDs angeschlossen werden. Durch die PWM- und A-RGB-Verteilerkabel ist es immerhin möglich, alle Lüfter an einem PWM-Anschluss und alle A-RGB-LEDs über einen A-RGB-Anschluss laufen zu lassen. Ein A-RGB-Anschluss ist aber nicht zwingend nötig - die Beleuchtung kann auch einfach über die mitgelieferte Fernbedienung gesteuert werden. 


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Zur Montage auf unserer LGA-1200-Testplattform haben wir die Metall-Backplate mit Montagebolzen und Kunststoffhalterungen bestückt. Am Kühlerboden wurde die Intel-Halterung montiert. 

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Die Kühler-Pumpen-Einheit kann dann einfach mit Rändelmuttern auf den Montagebolzen befestigt werden. Kompatibilitätsprobleme gab es auf der Testplattform nicht. 

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Auch der relativ lang ausfallende 360-mm-Radiator fand problemlos im Deckel des Testgehäuses Platz. 


Unser Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems abbilden. Als Prozessor dient deshalb Intel Core i5-10600K, ein Mittelklasse-Prozessor, der auch für häufig für Gaming-Systeme ausgewählt wird. Als Unterbau nutzen wir ein ASRock Z490 PG Velocita. Die vier scheinbaren RAM-Riegel sind eigentlich nur zwei - zwei weitere Slots werden mit "kosmetischen Modulen", dem Corsair Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit, belegt. Diese Module leuchten zwar, sind aber frei von Speicherchips. 

Das Testsystem findet in einem Corsair Carbide Series 678C Platz. Dieses Gehäuse erlaubt uns die Montage von 360-mm-Radiatoren im Deckel und bietet genug Platz für hohe Tower-Kühler. Wir lassen es von je einem 140-mm-Corsair-Lüfter an Front und Rückwand kühlen. Beide Gehäuselüfter arbeiten mit maximaler Drehzahl von rund 1.300 U/min. Die eher restriktive Fronttür des Silent-Gehäuses haben wir nicht nur geöffnet, sondern demontiert, der Frontlüfter muss die Frischluft so nur durch den Frontstaubfilter ansaugen. Damit haben die Gehäuselüfter ähnliche Voraussetzungen wie in einem Gehäuse mit luftiger Mesh-Front.

Hier das Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i5-10600K (fixiert auf 4,5 GHz, dem All-Core-Turbo-Takt)
Mainboard ASRock Z490 PG Velocita
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 2x 8 GB 3.200 MHz (plus Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit)
Grafikkarte integrierte GPU
Systemlaufwerk Corsair Force Series MP510 M.2-SSD, 480 GB
Netzteil Corsair RM Series RM650 mit 650 W
Gehäuse Corsair Carbide Series 678C 
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x Corsair 140-mm-Lüfter (Front)
1x Corsair 140-mm-Lüfter (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Für die Temperaturmessungen wird die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Aqua Computer aquasuite X. Konkret nutzen wir den Durchschnitt aller Kerntemperaturen und lesen in der Software den Maximalwert ab, der während des Durchgangs ermittelt wird. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseite vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse wird dafür geöffnet, die Gehäuselüfter werden gestoppt. So kann die Lautstärke der CPU-Lüfter bzw. der AiO-Kühlungen ohne Störeinflüsse von anderen Komponenten bestimmt werden. 

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

min. U/min

db(A)
Weniger ist besser

Bei vergleichbaren 1.000 U/min erzeugt die Gletscherwasser 360 einen Schallpegel wie viele andere AiO-Kühlungen auch. Bei Maximaldrehzahl gehört sie wie erwartet zu den leisesten Modellen - über 40 dB(A) wird man allerdings keineswegs dauerhaft hören wollen. Relevanter ist letztlich, dass das Alpenföhn-Modell bei minimaler Lüfterdrehzahl (etwa 500 U/min) und minimaler Pumpendrehzahl (40 % über die Mainboard-Lüftersteuerung) flüsterleise wird und zu den leisesten AiO-Kühlungen im Testfeld gehört. Bei voller Drehzahl ist die Pumpe übrigens zwar nicht aufdringlich, aber durchaus hörbar.


Die Kühlleistung mit Serienlüfter ermitteln wir jeweils bei 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Die Pumpendrehzahl wirkt sich sehr deutlich auf die Kühlleistung aus. Bei minimaler Drehzahl erwärmt sich die CPU auf über 70 °C. Bei voller Pumpen- und voller Lüfterdrehzahl kann die Alpenföhn 360 nicht ganz mit den leistungsstärksten 360-mm-AiO-Kühlungen mithalten - bleibt dafür dank der geringeren Maximaldrehzahl aber auch leiser. Allerdings liegt sie auch bei vergleichbaren 1.000 U/min etwas hinter einer Reihe direkter Konkurrenten zurück.

Um die rohe Kühlleistung der Probanden fair vergleichen zu können, bestücken wir sie (wenn möglich) mit denselben Referenzlüftern. Als Referenzlüfter kommen je nach Montagemöglichkeit unterschiedliche Noctua-Modelle zum Einsatz: Vom Noctua NF-F12 PWM mit 120 mm und bis zu 1.500 Umdrehungen pro Minute über den NF-A14 PWM bis hin zum Noctua NF-A15 PWM. Für die Referenzmessungen haben wir drei Noctua NF-F12 PWM genutzt. 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Bei der Gletscherwasser 360 gibt es bei 1.000 U/min keinen erkennbaren Unterschied zwischen dem Betrieb mit Serien- und dem mit Referenzlüftern.


Alpenföhn rührt für die Gletscherwasser 360 kräftig die Werbetrommel und weckt damit hohe Erwartungen - unter anderem durch die Eigen-Einstufung als "Premium Komplett-Wasserkühlung" und die der8auer-Kooperation, natürlich aber auch durch den Preis. 

Dass die AiO-Kühlung gewichtige Stärken hat, lässt sich auch gar nicht abstreiten. Optisch profitiert sie von der effektvollen Beleuchtung der Lüfterrahmen und des Pumpendeckels - und von der Möglichkeit, den Deckeleinsatz auszutauschen. Die Beleuchtung kann sowohl einfach über die mitgelieferte Fernbedienung als auch über ein Mainboard mit A-RGB-Unterstützung gesteuert werden. Die drei PWM-Lüfter lassen sich unkompliziert über einen PWM-Anschluss regeln. Die Pumpe muss zwar ohne PWM-Unterstützung auskommen, kann über den 3-Pin-Anschluss aber auch geregelt werden. Mit reduzierter Lüfter- und Pumpendrehzahl wird dann eine der großen Stärken der Gletscherwasser 360 hör- bzw. gerade nicht hörbar: Sie kann flüsterleise betrieben werden und gehört zu den leisesten AiO-Kühlungen in unserem aktuellen Testfeld.

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Bei der Standard-Variante mit 1.600-U/min-Lüfterdrehzahl kann man keine Temperaturrekorde erwarten. Tatsächlich gibt es diverse leistungsstärkere Modelle und zwar sowohl bei maximaler Lüfterdrehzahl als auch bei vergleichbaren 1.000 U/min. Die Alpenföhn 360 kühlt aber allemal solide - nach unseren Messungen etwa auf dem Level einer be quiet! Pure Loop 360mm. Diesem Modell fehlt zwar die RGB-Beleuchtung, dafür ist es mit rund 110 Euro aber auch beachtliche 80 Euro günstiger. Ähnlich teuer und leistungsstärker wäre beispielsweise eine iCUE H150i Elite Capellix. Bei diesem Modell bleibt allerdings die Pumpe auch auf kleinster Regelstufe hörbar. 

Insgesamt ist die Alpenföhn Gletscherwasser 360 eine gute AiO-Kühlung, vor allem für Nutzer, die Wert auf geringe Lautstärke und die A-RGB-Beleuchtung legen. Sie ist dabei allerdings auch relativ hochpreisig. 

Positive Aspekte der Alpenföhn Gletscherwasser 360:


Negative Aspekte der Alpenföhn Gletscherwasser 360:

Preise und Verfügbarkeit
Alpenföhn Gletscherwasser 360
181,21 Euro 189,90 Euro Ab 181,21 EUR