Arctic Liquid Freezer II 420 im Test: Ist größer besser?

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AiO-Kühlungen mit 420-mm-Radiator sind die absolute Ausnahme. Ein besonders attraktives Modell kommt von Arctic: Die Liquid Freezer II 420 verspricht nicht nur eine extreme Performance, sondern gleichzeitig ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir klären im Test, ob sie wirklich die bessere Alternative zu gängigen 360-mm-Modellen ist.

Seit Jahren sind AiO-Kühlungen mit 360-mm-Radiator die Standard-Lösung, wenn eine hohe Performance gefragt ist. Auch viele PC-Gehäuse unterstützen maximal 360-mm-Radiatoren. Zumindest Oberklasse-Gehäuse nehmen aber oft auch 420- oder gar 480-mm-Radiatoren auf. Und wer ein solches Gehäuse sein eigen nennt, könnte auch an einer AiO-Kühlung mit entsprechendem Radiator interessiert sein. Doch AiO-Kühlungen mit einem Radiator über 360 mm sind rar. Eine Ausnahme stellte bisher die Alphacool Eisbaer 420 mit 420-mm-Radiator dar. 

Und genau dieses Format deckt jetzt auch Arctic mit einem Nachzügler in der Liquid-Freezer-II-Serie ab. Als die Serie ursprünglich auf den Markt kam, gab es Modelle mit 120-, 240-, 280- und 360-mm-Radiator. Wir haben 2019 die Liquid Freezer II 240 getestet und mit einem Preis-Leistungs-Award prämiert. Erst nachträglich wurde die Serie dann um die Liquid Freezer II 420 mit Triple-140-mm-Radiator erweitert. 

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Die Liquid Freezer II 420 wird damit zum neuen Top-Modell der Serie - und potenziell auch zur Bedrohung für leistungsstarke 360-mm-Modelle anderer Hersteller. Das gilt umso mehr, weil Arctic auch bei diesem Modell auf ein verlockendes Preis-Leistungs-Verhältnis achtet. Bei einer UVP von 119,99 Euro ist die Liquid Freezer II 420 günstiger als zahlreiche aktuelle 360-mm-Modelle, kann aber einen größeren Radiator und 140-mm-Lüfter in die Waagschale werfen. 

Im ausgepackt & angefasst-Video werfen wir einen ersten Blick auf die AiO-Kühlung und zeigen auch direkt, wie viel größer der 420-mm-Radiator ausfällt:

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Spezifikationen
KühlernameArctic Liquid Freezer II 420
Kaufpreis 119,99 Euro (UVP, bei Verfügbarkeit auch günstiger)
Homepage www.arctic.de
Kühlertyp All-in-One Wasserkühlung mit 420-mm-Radiator
Maße Radiator (ohne Lüfter) 458 x 138 x 38 mm  (L x B x H)
Material Bodenplatte: Kupfer
Radiator: Aluminium
Schläuche 45 cm Länge, textilummantelt
Serienbelüftung 3x ARCTIC P14 PWM – 140 mm Lüfter, 200 - 1.700 U/min
1x 40 mm VRM-Lüfter, PWM, 1000 – 3000 U/min
Pumpendrehzahl 800 – 2000 U/min (PWM gesteuert)
Sockel AMD: AM4, AM3(+)
Intel: LGA 1200, 115X, 2011-3* ;2066* (*Square ILM)
Garantiedauerzwei Jahre

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Auch das 420-mm-Modell liefert Arctic mit Montagematerial inkl. Metall-Backplate, dem Hinweis auf die Online-Anleitung und einer Packung mit MX-4-Wärmeleitpaste aus. Eine Dosierspritze wäre allerdings praktischer als die von Arctic gewählte Verpackung.

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Im Vergleich zu einer AiO-Kühlung mit typischem 360-mm-Radiator zeigt sich der 420-mm-Radiator sofort deutlich wuchtiger. Auffällig ist, dass Arctic den Radiator nicht nur in Länge und Breite, sondern auch in der Höhe vergrößert. Während typische Radiatoren von AiO-Kühlungen meist unter 3 cm hoch sind, erreicht der Radiator der Liquid Freezer II 420 stattliche 3,8 cm Bauhöhe. Er ist dazu 45,8 cm lang und 13,8 cm breit.  

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Die drei Arctic P14 PWM-Lüfter sind bei Auslieferung bereits vormontiert. Die 140-mm-Lüfter arbeiten PWM-gesteuert mit 200 bis 1.700 U/min, sie decken also einen breiten Regelbereich ab. Auf eine Beleuchtung verzichtet Arctic sowohl an den Lüftern als auch am Pumpendeckel. 

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Die Lüfter sind nicht nur vormontiert, sondern auch vorverkabelt. Ihr Anschlusskabel wird durch die Ummantelung eines Schlauches zur Kühler-Pumpen-Einheit geführt. Die Schläuche kommen auf eine Länge von 45 cm. 


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Die Kühler-Pumpen-Einheit wirkt mit ihrem kantigen Kunststoff-Gehäuse zwar nicht gerade edel, bietet aber eine funktionale Besonderheit. Ein kleiner 40-mm-Lüfter sorgt für eine gewisse Kühlung der Mainboard-Spannungswandler. Dieser Lüfter läuft mit 1.000 bis 3.000 U/min. Den Drehzahlbereich der Pumpe gibt Arctic mit 800 bis 2.000 U/min an. Alle vier Lüfter und die Pumpe werden PWM-gesteuert - und zwar über ein einziges Anschlusskabel. Damit ist es zwar nicht möglich, Pumpe und Lüfter separat zu steuern, im Alltagsbetrieb zeigt sich die Arctic-Lösung aber nutzerfreundlich und unkompliziert. 

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Der kleine 40-mm-Lüfter läuft bei reduzierter Drehzahl zwar durchaus angenehm leise, wer ihn komplett stillstehen lassen will, der kann aber auch einfach das Anschlusskabel an der Unterseite ziehen. Der Kühler zeigt eine quadratische Kupferbodenplatte. Die Montagehalterung für AMD- bzw. Intel-Sockel muss erst noch montiert werden. Arctic verzichtet auch auf voraufgetragene Wärmeleitpaste. 

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Trotzdem ist die Montage der Kühler-Pumpen-Einheit unkompliziert. Auf unserer LGA-1200-Plattform haben wir einfach die Backplate mit Montagebolzen gesichert. Die Kühler-Pumpen-Einheit kann dann in Kombination mit der Intel-Halterung einfach mit Rändelmuttern auf diesen Montagebolzen befestigt werden. Durch den VRM-Lüfter wird die Kühler-Pumpen-Einheit relativ wuchtig, passt aber trotzdem problemlos auf das Test-Mainboard. Zu den RAM-Riegeln bleibt sogar erfreulich viel Abstand. 

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Die Radiator-Kompatibilität wird allerdings schnell zu einem größeren Problem. Das genutzte Testgehäuse, ein Corsair Carbide Series 678C, ist eigentlich ein recht großzügiger Midi-Tower mit 420-mm-Radiatorenplatz im Deckel. Wir konnten den Radiator auch im Deckel montieren, für die Lüfter blieb im Gehäuse allerdings nicht mehr genug Platz. Die üppige Bauhöhe des Radiators wird hier zum Problem. Notgedrungen haben wir die Lüfter oberhalb des Gehäusedeckels in einer Pull-Konfiguration montiert.

 Zusätzlich haben wir ein zweites Gehäuse genutzt, um den Performanceunterschied zwischen Push- und Pull-Konfiguration zu testen. Von den uns direkt zugänglichen Modellen war nur ein Raijintek Eris Evo dafür geeignet, den 420-mm-Radiator abwechselnd mit Push- und mit Pull-Konfiguration im Deckel zu verbauen. Wir haben dieses Gehäuse als Open-Air-Modell und ohne zusätzlichen Gehäuselüftern genutzt.


Unser Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems abbilden. Als Prozessor dient deshalb Intel Core i5-10600K, ein Mittelklasse-Prozessor, der auch für häufig für Gaming-Systeme ausgewählt wird. Als Unterbau nutzen wir ein ASRock Z490 PG Velocita. Die vier scheinbaren RAM-Riegel sind eigentlich nur zwei - zwei weitere Slots werden mit "kosmetischen Modulen", dem Corsair Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit, belegt. Diese Module leuchten zwar, sind aber frei von Speicherchips. 

Das Testsystem findet in einem Corsair Carbide Series 678C Platz. Dieses Gehäuse erlaubt uns die Montage von 360-mm-Radiatoren im Deckel und bietet genug Platz für hohe Tower-Kühler. Wir lassen es von je einem 140-mm-Corsair-Lüfter an Front und Rückwand kühlen. Beide Gehäuselüfter arbeiten mit maximaler Drehzahl von rund 1.300 U/min. Die eher restriktive Fronttür des Silent-Gehäuses haben wir nicht nur geöffnet, sondern demontiert, der Frontlüfter muss die Frischluft so nur durch den Frontstaubfilter ansaugen. Damit haben die Gehäuselüfter ähnliche Voraussetzungen wie in einem Gehäuse mit luftiger Mesh-Front.

Hier das Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i5-10600K (fixiert auf 4,5 GHz, dem All-Core-Turbo-Takt)
Mainboard ASRock Z490 PG Velocita
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 2x 8 GB 3.200 MHz (plus Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit)
Grafikkarte integrierte GPU
Systemlaufwerk Corsair Force Series MP510 M.2-SSD, 480 GB
Netzteil Corsair RM Series RM650 mit 650 W
Gehäuse Corsair Carbide Series 678C, Raijintek Eris Evo 
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x Corsair 140-mm-Lüfter (Front)
1x Corsair 140-mm-Lüfter (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Für die Temperaturmessungen wird die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Aqua Computer aquasuite X. Konkret nutzen wir den Durchschnitt aller Kerntemperaturen und lesen in der Software den Maximalwert ab, der während des Durchgangs ermittelt wird. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseite vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse wird dafür geöffnet, die Gehäuselüfter werden gestoppt. So kann die Lautstärke der CPU-Lüfter bzw. der AiO-Kühlungen ohne Störeinflüsse von anderen Komponenten bestimmt werden. 

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

min. U/min

db(A)
Weniger ist besser

Mit den 140-mm-Lüftern bleibt die Liquid Freezer II 420 bei maximaler Drehzahl leiser als viele 360-mm-Modelle. Bei 1.000 U/min arbeiten eine Reihe von 360-mm-Modellen dank der kleineren Lüfter etwas leiser. Die Minimaldrehzahl (am Testsystem etwa 400 statt 200 U/min) lässt die Lüfter nahezu verstummen. Die Pumpe ist bei voller Drehzahl ab mittlerer Lüfterdrehzahl heraushörbar. Wird sie auch noch heruntergeregelt, ist letztlich aber ein erfreulich leiser Betrieb möglich. 


Die Kühlleistung mit Serienlüfter ermitteln wir jeweils bei 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Bedingt durch die Kompatibilitätsprobleme konnten wir die Liquid Freezer II 420 im regulären Testgehäuse nur in Pull-Konfiguration testen. Das 420-mm-Modell konkurriert mühelos mit den leistungsstärksten (und teureren) 360-mm-Modellen im Testfeld. AiO-Kühlungen wie die EK-AIO Elite 360 D-RGB und die Corsair iCUE H150i Elite Capellix werden speziell bei Maximaldrehzahl aber auch deutlich lauter. 

Regulär testen wir AiO-Kühlungen in Push-Konfiguration, also mit Lüftern, die Luft durch den Radiator drücken. Die Liquid Freezer II 420 mussten wir aus Kompatibilitätsgründen aber in Pull-Konfiguration verbauen. Den Performanceunterschied zwischen beiden Konfigurationen haben wir zusätzlich getestet, indem wir das Kühlertestsystem in ein Raijintek Eris Evo verpflanzt und den Radiator einmal mit Push- und einmal mit Pull-Konfiguration verbaut haben.

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Ob die Liquid Freezer II 420 in Push- oder Pull-Konfiguration verbaut wird, macht nach diesen Messungen keinen großen Unterschied. Tendenziell ist die Pull-Konfiguration zwar leicht im Vorteil, eine Differenz von 1 K fällt aber noch in den Bereich der Messungenauigkeit.


Die Liquid Freezer II 420 ist eine verlockende AiO-Kühlung: Mit ihrem 420-mm-Radiator und den drei 140-mm-Lüftern verspricht sie eine hohe Kühlleistung. Und sie kann dieses Versprechen auch tatsächlich einlösen. Nur wenige 360-mm-Modelle erreichen eine vergleichbare Kühlleistung - und das in aller Regel auch nur bei einer höheren Lautstärke, im Fall der EK-AIO Elite 360 D-RGB zudem mit doppelter Lüfterbestückung. Gerade die leistungsstarken 360-mm-Modelle im Testfeld sind typischerweise auch noch deutlich teurer als das Arctic-Modell. 

Die Liquid Freezer II 420 kann selbst mit Blick auf die minimale Lautstärke überzeugen. 140-mm-Lüfter, Pumpe und PWM-Lüfter können weit heruntergeregelt werden und verstummen dabei fast völlig. Regulär erfolgt die Steuerung aller drei Schallquellen allerdings kombiniert und nicht voneinander getrennt. Dafür profitiert man von der sehr unkomplizierten und ordentlichen Verkabelung, die für alle Modelle aus der Liquid-Freezer-II-Serie typisch ist. Auch die Montage zeigt sich nutzerfreundlich. Einzig eine richtige Dosierspritze für die Wärmeleitpaste wird vermisst. In die Kategorie der nicht schönen, aber mit Blick auf den Preis verständlichen Sparmaßnahmen fällt auch die kurze Garantiedauer. Ob man der nicht vorhandenen RGB-Beleuchtung nachtrauert, ist hingegen Geschmackssache. 

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Einen echten Haken hat die Liquid Freezer II 420 aber doch: Die Kompatibilität. Es gibt ohnehin nicht viele Gehäuse mit 420-mm-Radiatorenplatz. Weil Arctic aber auch noch einen Radiator mit einer Bauhöhe von ganzen 3,8 cm nutzt, ist selbst ein vorhandener 420-mm-Radiatorenplatz keineswegs eine Garantie dafür, dass die Liquid Freezer II 420 wirklich genutzt werden kann. Kaufinteressenten sollten deshalb unbedingt prüfen, ob der wuchtige Radiator wirklich passen kann. 

Die Alphacool Eisbaer 420 als weitere 420-mm-AiO-Kühlung kommt mit einem 30 mm hohem (Kupfer-)Radiator aus und bietet zudem einen nachfüllbaren und erweiterbaren Kühlkreislauf. Dafür kostet sie etwas mehr. Weil wir das Alphacool-Modell nicht getestet haben, müssen wir an dieser Stelle auf einen ausführlicheren Vergleich verzichten. 

Wer eine besonders leistungsstarke und trotzdem leise AiO-Kühlung zu einem attraktivem Preis sucht, der ist mit der Liquid Freezer II 420 eigentlich bestens bedient. Wir zeichnen sie deshalb wie schon das 240-mm-Modell mit einem Preis-Leistungs-Award aus. Damit die Rechnung für Käufer wirklich aufgeht, sollte aber ein geeignetes Gehäuse vorhanden sein bzw. eingeplant werden. 


Positive Aspekte der Arctic Liquid Freezer II 420:


Negative Aspekte der Arctic Liquid Freezer II 420:

Preise und Verfügbarkeit
Arctic Liquid Freezer II 420
Nicht verfügbar 112,74 Euro Ab 99,90 EUR