G.Skill ENKI 360 im Test: Performancevorteil gegenüber der Konkurrenz?

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gskill enki 360 logoMit der ENKI-Serie bietet G.Skill eigene AiO-Kühlungen an. Besonderen Wert legt man dabei auf eine hohe Performance. Anhand des Top-Modells mit 360-mm-Radiator wollen wir herausfinden, wie es um die Kühlleistung wirklich bestellt ist. 

G.Skill hat sich ursprünglich als Speicherspezialist einen Namen gemacht, ist mittlerweile aber auch in zahlreichen Segmenten aktiv. So werden z.B. auch Gaming-Produkte angeboten. Mit der ENKI-Serie gibt es jetzt auch eine CPU-Kühllösung von G.Skill - und zwar gleich mit drei Modellen. ENKI 360, ENKI 280 und ENKI 240 haben einen 360-, 280- bzw. 240-mm-Radiator und decken so drei der wichtigsten Radiatorenformate ab. Bei allen drei Modellen wird der Pumpendeckel von A-RGB-LEDs beleuchtet, die Lüfter bleiben hingegen unbeleuchtet.

Schenkt man den Marketingversprechen Glauben, dann hat G.Skill sich aber auch in erster Linie nicht um Optik, sondern um Performance bemüht. Sowohl bei den Radiatorfinnen als auch bei den Mikro-Kühlrippen im Kühler soll eine hohe Dichte der Kühlleistung zugutekommen. Das gilt auch für den konvex geformten Kühlerboden. 

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Dass G.Skill von den eigenen Produkten überzeugt ist, macht neben der fünfjährigen Garantie auch die Preisgestaltung deutlich. für die ENKI 360 wird eine UVP in Höhe von 179,99 Euro angesetzt. Das Modell mit 280-mm-Radiator soll 149,99 Euro und das 240-mm-Modell 129,99 Euro kosten. 

Spezifikationen
KühlernameG.Skill ENKI 360
Kaufpreis 179,99 Euro (UVP)
Homepage www.gkill.com
Kühlertyp All-in-One Wasserkühlung mit 360-mm-Radiator
Maße Radiator (ohne Lüfter) 394 x 120 x 27 mm  (L x B x H)
Material Bodenplatte: Kupfer
Radiator: Aluminium
Schläuche mit Nylon ummantelt, 42 cm Länge
Serienbelüftung drei 120-mm-PWM-Lüfter, maximal 2.100 U/min
Sockel AMD: AM4, AM3+, AM3, AM2, FM2+, FM2, FM1, TR4 (nicht offiziell angegeben und empfohlen, aber Montagematerial inkl.)
Intel: LGA 1200, 1150, 1151, 1155, 1156, 1366, 2011, 2011-3, 2066
Garantiedauerfünf Jahre

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G.Skill liefert die ENKI mit Anleitung und Garantiehinweisen, sortiertem Montagematerial und einer Dosierspritze mit Wärmeleitpaste aus. Beim Montagematerial gibt es auch ein AMD TR4-Set - obwohl die Produktseite keine TR4-Kompatibilität erwähnt. Wir haben deshalb bei G.Skill nachgefragt und die nachvollziehbare Antwort erhalten, dass man den TR4-Support nicht offiziell erwähnen will, weil der Kühler diese enorm großflächigen CPUs nur teilweise abdeckt. 

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Die ENKI 360 zeigt sich als AiO-Kühlung mit ganz typischem Aufbau. Zwei 42 cm lange, nylonummantelte Schläuche verbinden den Radiator mit der Kühler-Pumpen-Einheit. 

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Diese Kühler-Pumpen-Einheit fällt recht flach und kompakt aus. G.Skill nutzt ein Pumpengehäuse aus schwarzem und glänzendem Kunststoff. Den Pumpendeckel ziert das G.Skill-Logo - und im Betrieb eine A-RGB-Beleuchtung. Die Pumpe wird per PWM-Stecker versorgt. Auch eine Pumpensteuerung ist nach unseren Erfahrungen damit möglich. Die maximale Pumpendrehzahl liegt bei über 5.000 U/min. Wir konnten die Drehzahl auf etwa 2.450 U/min reduzieren - diese Drehzahl haben wir auch für unsere Messungen mit reduzierter Drehzahl genutzt. Mit genauerem Blick auf die Schläuche fällt auf, dass die Nylonummantelung stellenweise recht stark ausfasert. Funktional ist das zwar kein Problem, es stört aber doch etwas die Optik.  

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Auch mit Blick auf die voraufgetragene Wärmeleitpaste am Kühlerboden gibt es bei unserem Sample Anlass zu kosmetischer Kritik: Es zeigen sich mehrere Schmutzkrümel, die in der Wärmeleitpaste kleben. Erfreulich ist aber, dass G.Skill Ersatz-Wärmeleitpaste direkt mitliefert. Der Kühlerboden besteht aus Kupfer und zeigt sich kreisrund.


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Der Radiator besteht auch bei der G.Skill-AiO-Kühlung aus Aluminium. Das spart Kosten, setzt aber in Verbindung mit dem Kupferkühler einen wirksamen Korrosionsschutz in der Kühlflüssigkeit voraus. Die Bauhöhe des schlanken Radiators liegt bei 27 mm. 

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Die mitgelieferten 120-mm-Lüfter zeigen sich in Schwarz und ohne Beleuchtung. Laut G.Skill sollen die neun Rotorblätter auf einen hohen statischen Druck hin optimiert sein. Angegeben wird allerdings ein Maximalwert von 1,86 mm H₂O. Zum Vergleich: Die beliebten Noctua NF-F12 PWM sollen einen statischen Druck von 2,61 mm H₂O erreichen. Die G.Skill-Lüfter laufen PWM-gesteuert mit bis zu 2.100 U/min. Eine Minimaldrehzahl wird von G.Skill nicht angegeben, nach unseren Eindrücken liegt sie bei etwa 450 U/min. 

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Die drei Lüfter können mit den mitgelieferten Lüfterschrauben problemlos am Radiator befestigt werden. Gummiecken sollen sie dabei entkoppeln. 

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Auf Intel-LGA-1200-Mainboards wird die Metall-Backplate mit Montagebolzen bestückt. Zwischen Mainboard und Montagestege kommen Abstandshalter, die Montagestege selbst werden mit Rändelmuttern auf den Montagebolzen befestigt. Die Kühler-Pumpen-Einheit kann schließlich mit Rändelschrauben, Unterlegescheiben und Federn auf den Montagestegen befestigt werden. Konkurrenzprodukte kommen teilweise mit weniger Montageschritten aus, prinzipiell ist die Montage bei der ENKI 360 aber nachvollziehbar. Mit der Kompatibilität gab es am Testsystem keine Probleme. 

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Das gilt auch für die Deckelmontage des 360-mm-Radiators im Testgehäuse. 


Unser Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems abbilden. Als Prozessor dient deshalb Intel Core i5-10600K, ein Mittelklasse-Prozessor, der auch für häufig für Gaming-Systeme ausgewählt wird. Als Unterbau nutzen wir ein ASRock Z490 PG Velocita. Die vier scheinbaren RAM-Riegel sind eigentlich nur zwei - zwei weitere Slots werden mit "kosmetischen Modulen", dem Corsair Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit, belegt. Diese Module leuchten zwar, sind aber frei von Speicherchips. 

Das Testsystem findet in einem Corsair Carbide Series 678C Platz. Dieses Gehäuse erlaubt uns die Montage von 360-mm-Radiatoren im Deckel und bietet genug Platz für hohe Tower-Kühler. Wir lassen es von je einem 140-mm-Corsair-Lüfter an Front und Rückwand kühlen. Beide Gehäuselüfter arbeiten mit maximaler Drehzahl von rund 1.300 U/min. Die eher restriktive Fronttür des Silent-Gehäuses haben wir nicht nur geöffnet, sondern demontiert, der Frontlüfter muss die Frischluft so nur durch den Frontstaubfilter ansaugen. Damit haben die Gehäuselüfter ähnliche Voraussetzungen wie in einem Gehäuse mit luftiger Mesh-Front.

Hier das Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i5-10600K (fixiert auf 4,5 GHz, dem All-Core-Turbo-Takt)
Mainboard ASRock Z490 PG Velocita
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 2x 8 GB 3.200 MHz (plus Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit)
Grafikkarte integrierte GPU
Systemlaufwerk Corsair Force Series MP510 M.2-SSD, 480 GB
Netzteil Corsair RM Series RM650 mit 650 W
Gehäuse Corsair Carbide Series 678C 
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x Corsair 140-mm-Lüfter (Front)
1x Corsair 140-mm-Lüfter (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Für die Temperaturmessungen wird die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Aqua Computer aquasuite X. Konkret nutzen wir den Durchschnitt aller Kerntemperaturen und lesen in der Software den Maximalwert ab, der während des Durchgangs ermittelt wird. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseite vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse wird dafür geöffnet, die Gehäuselüfter werden gestoppt. So kann die Lautstärke der CPU-Lüfter bzw. der AiO-Kühlungen ohne Störeinflüsse von anderen Komponenten bestimmt werden. 

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

min. U/min

db(A)
Weniger ist besser

Dass die drei 120-mm-Lüfter bei voller Drehzahl von 2.100 U/min richtig laut werden, ist keine Überraschung. Bei 1.000 U/min Lüfterdrehzahl gehört die ENKI 360 zu den lauteren Modellen im Testfeld, und das auch unabhängig von der Pumpendrehzahl. Bei dieser moderaten Lüfterdrehzahl ist die Pumpe auf voller Drehzahl schon gut hörbar. Bei minimaler Lüfterdrehzahl (etwa 450 U/min) macht sich die Pumpe auf voller Drehzahl durchaus störend bemerkbar. Werden Lüfter und Pumpe heruntergeregelt, ist letztlich aber auch ein angenehm leiser Betrieb mit nur knapp über 30 dB(A) möglich. 


Die Kühlleistung mit Serienlüfter ermitteln wir jeweils bei 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Die ENKI 360 kann bei maximaler Lüfter- und Pumpendrehzahl mit einer guten Kühlleistung überzeugen. Sie setzt sich von leistungsstarken Luftkühlern wie Noctuas NH-D15 ab, verweist aber auch die be quiet! Pure Loop 360mm klar in die Schranken. Die leicht leistungsstärkeren 360-mm-AiO-Kühlungen im Testfeld haben entweder eine noch höhere Lüfterdrehzahl bzw. arbeiten in Push-Pull-Konfiguration. 

Auch bei 1.000 U/min ist die Kühlleistung des G.Skill-Modells überzeugend. In beiden Szenarien gibt es zwar eine deutliche Abhängigkeit von der Pumpendrehzahl, andere Modelle im Testfeld brechen bei minimaler Pumpendrehzahl aber zum Teil noch viel deutlicher ein. 

Um die rohe Kühlleistung der Probanden fair vergleichen zu können, bestücken wir sie (wenn möglich) mit denselben Referenzlüftern. Als Referenzlüfter kommen je nach Montagemöglichkeit unterschiedliche Noctua-Modelle zum Einsatz: Vom Noctua NF-F12 PWM mit 120 mm und bis zu 1.500 Umdrehungen pro Minute über den NF-A14 PWM bis hin zum Noctua NF-A15 PWM. Für die Referenzmessungen haben wir drei Noctua NF-F12 PWM genutzt. 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Mit den Noctua-Lüftern erreichen wir bei 1.000 U/min die gleiche Temperatur wie mit den G.Skill-Serienlüftern. 


Die ENKI 360 ist die erste AiO-Kühlung von G.Skill, die wir testen können - und sie legt dafür einen weitgehend überzeugenden Auftritt hin. G.Skill selbst betont vor allem die Performance. Und tatsächlich zeigt sich die ENKI 360 als leistungsstarke 360-mm-AiO-Kühlung. Dass es nicht ganz für die Spitze des Testfelds reicht, ist dabei kein Beinbruch. Denn die noch performanteren Modelle erkaufen ihren kleinen Leistungsvorsprung durch höhere Lüfterdrehzahl bzw. Push-Pull-Konfiguration und eine noch höhere Lautstärke. 

Mit Blick auf die Lautstärke profitiert das G.Skill-Modell davon, dass sich sowohl die Lüfter als auch die Pumpe deutlich herunterregeln lassen. Mit ihren minimalen Drehzahlen ist die AiO-Kühlung so leise, dass man sie nur in ansonsten stiller Umgebung und mit geringem Abstand überhaupt noch minimal wahrnehmen kann. 

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Mit unbeleuchteten Lüftern ist die ENKI 360 zwar nicht extrem auffällig, zumindest der Pumpendeckel zeigt aber eine A-RGB-Beleuchtung. Mit zunehmender Verbreitung von Mainboards mit A-RGB-Anschlüssen wird es immer unproblematischer, wenn Hersteller wie G.Skill keinen eigenen A-RGB-Controller mitliefern. Was mehr Nutzer vermissen dürften, das ist allerdings ein Verteiler für die drei Lüfter. Ohne Verteiler werden schließlich drei freie Lüfteranschlüsse benötigt. Großzügig zeigt sich G.Skill hingegen bei der Wärmeleitpaste. Für den Ersteinsatz befindet sich bereits Wärmeleitpaste am Kühlerboden, eine zusätzliche Dosierspritze fehlt aber ebenfalls nicht. Die Montage löst mancher Konkurrent noch unkomplizierter, sie ist bei der ENKI 360 aber allemal nachvollziehbar.

Die UVP fällt mit 179,99 Euro relativ hoch aus. Eine Corsair iCUE H150i RGB PRO XT (ebenfalls mit beleuchtetem Pumpendeckel und unbeleuchteten Lüftern) wird im Handel z.B. für rund 160 Euro angeboten und zählt bereits zu den 360-mm-AiO-Kühlungen mit gehobenem Preis. Es gibt auch durchaus überzeugende Modelle wie Arctics Liquid Freezer II 360 für unter 100 Euro.

Insgesamt kann G.Skill mit der ENKI 360 eine weitgehend gelungene 360-mm-AiO-Kühlung anbieten. Mit Blick auf UVP und Konkurrenz lässt allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis etwas zu wünschen übrig. Noch bleibt jedoch abzuwarten, in welcher Höhe sich der Preis im Handel einpegeln wird. 

Positive Aspekte der G.Skill ENKI 360:


Negative Aspekte der G.Skill ENKI 360: