Arctic Freezer 50 im Test: Flaggschiff-Kühler für den Mainstream

Veröffentlicht am: von

arctic freezer 50 logoMit dem Freezer 50 bringt Arctic seinen Top-Kühler nun endlich auch für die Mainstream-Sockel von AMD und Intel - und für Intels HEDT-Plattform auf den Markt. Im Test klären wir, ob der wuchtige Dual-Tower-Kühler auch im Mainstream-Segment überzeugen kann. 

Es ist schon einige Monate her, dass Arctic mit dem Freezer 50 TR einen neuen Kühler für Enthusiasten auf den Markt brachte. Als reiner Threadripper-Kühler ist er allerdings ein Nischenprodukt - und das trotz hoher Kühlleistung und der auffälligen Optik mit integrierter A-RGB-Beleuchtung. 

Dass noch ein Geschwistermodell für den Massenmarkt folgen würde, war nur logisch - und das bringt Arctic jetzt tatsächlich auch mit dem Freezer 50 auf den Markt. 

» zur Galerie

Das neue Modell ist wieder ein wuchtiger Dual-Tower-Kühler mit zwei Lüftern und markanter Beleuchtung. Und Arctic schürt hohe Erwartungen: Noctuas NH-D15, Scythes Fuma 2 und der be quiet! Dark Rock Pro 4 sollen bei der Performance überboten werden. Zumindest mit Blick auf den Noctua-Kühler werden wir diese Behauptung überprüfen können. Zumindest preislich kann der NH-D15 jedenfalls schon einmal deutlich unterboten werden. Der Freezer 50 kostet 59,99 Euro. Wer noch einen A-RGB-Controller benötigt, kann den Kühler alternativ für 69,99 Euro auch mit A-RGB-Controller ordern. 

Spezifikationen
KühlernameArctic Freezer 50
Kaufpreis 59,99 Euro (69,99 Euro für die Variante mit A-RGB-Controller)
Homepage www.arctic.ac
Kühlertyp Dual-Tower-Kühler
Maße (inkl. Lüfter) 148 x 149,5 x 166 mm  (L x B x H)
Gewicht 1.160 g
Material Heatpipes: Kupfer
Kühlrippen: Aluminium
Kühlrippen 104 Stück, 0,4 mm Materialstärke
Heatpipes sechs 6-mm-Heatpipes, Direct Touch
Serienbelüftung 1x 120 mm PWM, 200 bis 1.800 U/min
1x 140 mm PWM, 200 bis 1.700 U/min
Sockel AMD: AM4
Intel: LGA 1200, 115x, 2066, 2011(-3)
Garantiedauerzwei Jahre

» zur Galerie

Ausgeliefert wird der Kühler mit Montagematerial inklusive einer robusten Metall-Backplate und MX-4-Wärmeleitpaste (leider nicht in Dosierspritze). Anstelle einer Anleitung gibt es einen Danke-Zettel und einen zweiten Zettel mit QR-Code und Link zur Online-Anleitung. Arctic will so Papier (und sicher auch Geld) sparen. 

» zur Galerie

Optisch entspricht der Freezer 50 weitgehend dem bekannten Freezer 50 TR für AMDs HEDT-Prozessoren. Nur der Namensaufdruck wurde leicht angepasst, er zeigt sich jetzt passenderweise ohne "Threadripper"-Zusatz. Auch der Freezer 50 präsentiert sich als wuchtiger Dual-Tower-Kühler, der fast komplett mit Kunststoff verkleidet wurde. 

» zur Galerie

Nur seitlich schimmert etwas Metall durch. Daran ist auch der Aufbau zu erkennen: Zwischen zwei Kühlrippen-Türmen steckt ein großer 140-mm-Lüfter. Ein 120-mm-Lüfter sitzt zusätzlich außen am Kühler. 

» zur Galerie

Die Kunststoff-Abdeckung zeigt ein großes Arctic-Logo. A-RGB-LEDs beleuchten sowohl das Logo als auch die beiden seitlichen Streifen.

» zur Galerie

Der zentrale Lüfter lässt sich aus der Kühlermitte herausziehen, der seitliche Lüfter und die Kunststoffblende auf der gegenüberliegenden Seite können abgezogen werden. Darunter kommt der nackte Kühler mit 104 je 0,4 mm starken Aluminium-Kühlrippen zum Vorschein. 

» zur Galerie

Der 140-mm-Lüfter arbeitet mit 200 bis 1.700 U/min, der 120-mm-Lüfter hingegen mit 200 bis 1.800 U/min. Beide Lüfter können per Pulsweitenmodulation (PWM) gesteuert werden. Der Lüfteranschluss des 120-mm-Modells kann in eine Buchse am 140-mm-Lüfter gesteckt werden - so ist es möglich, beide Lüfter über einen freien Lüfteranschluss zu versorgen. Am 140-mm-Lüfter hängt außerdem ein 3-Pin-A-RGB-Anschluss für die Beleuchtung des Kühlerdeckels. Beide Lüfter wurden so gestaltet, dass sie nicht einfach durch Lüfter mit Standardrahmen ersetzt werden können. Das erschwert einen Lüfterwechsel und sorgt auch dafür, dass wir für diesen Test keine Messungen mit Referenzlüftern durchführen können. 


» zur Galerie

Die sechs 6-mm-Heatpipes stellen direkt den Kontakt zur CPU her, auf eine Bodenplatte hat Arctic verzichtet. Diese Perspektive zeigt auch die Montagebrücke mit gefangenen Schrauben.

» zur Galerie

Auf Intels Mainstream-Plattform wird die Metallbackplate mit den passenden Montagebolzen kombiniert. Darauf können zwei Montagestege mit kleinen Rändelschrauben befestigt werden. Der Kühler wird dann schließlich mit seiner Montagebrücke an diesen beiden Stegen befestigt. 

» zur Galerie

Der wuchtige Kühler nimmt einigen Platz in Anspruch. Besonders kritisch wird es, wenn der äußere Lüfter genutzt werden soll. 

» zur Galerie

Er überragt die Speicherslots - und kann nicht in unterschiedlicher Höhe montiert werden. Die eine mögliche Höhe führt dazu, dass sich mit diesem Kühler bei Nutzung des äußeren Lüfters nur Low-Profile-Speicher kombinieren lässt. Ein Einsatz unserer regulär genutzten Corsair Vengeance RGB Pro war leider unmöglich.


Unser Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems abbilden. Als Prozessor dient deshalb Intel Core i5-10600K, ein Mittelklasse-Prozessor, der auch für häufig für Gaming-Systeme ausgewählt wird. Als Unterbau dient uns ein ASRock Z490 PG Velocita. Die vier scheinbaren RAM-Riegel sind eigentlich nur zwei - zwei weitere Slots werden mit "kosmetischen Modulen", dem Corsair Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit, belegt. Diese Module leuchten zwar, sind aber frei von Speicherchips. 

Das Testsystem findet in einem Corsair Carbide Series 678C Platz. Dieses Gehäuse erlaubt uns die Montage von 360-mm-Radiatoren im Deckel und bietet genug Platz für hohe Tower-Kühler. Wir lassen es von je einem 140-mm-Corsair-Lüfter an Front und Rückwand kühlen. Beide Gehäuselüfter arbeiten mit maximaler Drehzahl von rund 1.300 U/min. Die eher restriktive Fronttür des Silent-Gehäuses haben wir nicht nur geöffnet, sondern demontiert, der Frontlüfter muss die Frischluft so nur durch den Frontstaubfilter ansaugen. Damit haben die Gehäuselüfter ähnliche Voraussetzungen wie in einem der aktuell angesagten Gehäuse mit luftiger Mesh-Front.

Hier das Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i5-10600K (fixiert auf 4,5 GHz, dem All-Core-Turbo-Takt)
Mainboard ASRock Z490 PG Velocita
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 2x 8 GB 3.200 MHz (plus Vengeance RGB Pro Light Enhancement Kit)
Grafikkarte integrierte GPU
Systemlaufwerk Corsair Force Series MP510 M.2-SSD, 480 GB
Netzteil Corsair RM Series RM650 mit 650 W
Gehäuse Corsair Carbide Series 678C 
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x Corsair 140-mm-Lüfter (Front)
1x Corsair 140-mm-Lüfter (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Für die Temperaturmessungen wird die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Aqua Computer aquasuite X. Konkret nutzen wir den Durchschnitt aller Kerntemperaturen und lesen in der Software den Maximalwert ab, der während des Durchgangs ermittelt wird. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseite vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse wird dafür geöffnet, die Gehäuselüfter werden gestoppt. So kann die Lautstärke der CPU-Lüfter bzw. der AiO-Kühlungen ohne Störeinflüsse von anderen Komponenten bestimmt werden. 

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

min. U/min

db(A)
Weniger ist besser

Die beiden Serienlüfter können richtig laut werden - kein Wunder bei Maximaldrehzahlen von 1.800 bzw. 1.700 U/min. Der Noctuas NH-D15 chromax.black wird übertönt, typische AiO-Kühlungen sind aber gerne noch lauter. Auf 1.000 U/min ist der Schallpegel deutlich verträglicher und vergleichbar mit dem des Noctua-Kühlers. Bei minimaler Drehzahl sind die Lüfter flüsterleise und bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrnehmbar.


Die Kühlleistung mit Serienlüfter ermitteln wir jeweils bei 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Die Kühlleistung bei maximaler Drehzahl kann überzeugen, der Freezer 50 zieht annähernd mit dem Noctuas NH-D15 chromax.black gleich. Dafür wird allerdings eine höhere Lüfterdrehzahl benötigt, bei der Arctics-Kühler auch lauter wird. Bei 1.000 U/min wächst der Abstand zwischen den beiden Dual-Tower-Kühlern deutlich - noch viel deutlicher ist aber der Abstand zum Einsteiger-Kühler Freezer i13 X.

Aufgrund der speziellen Montagelösung mussten wir auf Messungen mit Referenzlüftern verzichten. 


Der Freezer 50 ist Arctics neues Luftkühler-Flaggschiff mit breiter Sockel-Kompatibilität - und untermauert diese Position bereits mit seinem wuchtigen Erscheinungsbild. Selbst eine für Arctic ungewöhnliche A-RGB-Beleuchtung wird geboten - ein geeignetes Mainboard bzw. einen A-RGB-Controller vorausgesetzt. Über die Kunststoff-Verkleidung kann man sicherlich streiten. Sie sorgt zwar für ein geschlossenes Erscheinungbild, wirkt aber nicht besonders hochwertig. Auch der Verzicht auf konventionelle Lüfterklammern hat Vor- und Nachteile. Die Lüfter lassen sich zwar relativ unkompliziert ab- und anbauen, ein Lüfterwechsel ist allerdings nicht vorgesehen. Die Montage des wuchtigen Kühlers gelang auf der Testplattform unkompliziert, nicht zuletzt dank der robusten Metall-Backplate macht sie auch einen soliden Eindruck. Die RAM-Kompatibilität lässt allerdings zu wünschen übrig. Wer den äußeren 120-mm-Lüfter nutzen möchte, muss praktisch Low-Profile-Speicher einsetzen. Denn eine weitere Schwäche der gewählten Lüftermontage ist, dass der Lüfter nicht einfach höher am Kühler und damit über den RAM-Heatspreadern befestigt werden kann. 

Die Kombination aus Dual-Tower-Aufbau, zwei Lüftern und sechs Heatpipes kann bei maximaler Lüfterdrehzahl für eine respektable Kühlleistung sorgen. Einfachere Luftkühler wie Arctics eigener Freezer i13 X werden klar in die Schranken gewiesen. Mit Noctuas NH-D15 chromax.black liegt man fast gleichauf - allerdings zum Preis einer höheren Maximaldrehzahl der Lüfter. Ungünstiger sieht das Bild allerdings aus, wenn die Drehzahl deutlich reduziert wird. Bei der 1.000 U/min-Messung kann sich der Noctua-Kühler deutlich absetzen. Gegenüber dem Freezer i13 X zeigt sich der Freezer 50 wiederum noch deutlicher überlegen. 

» zur Galerie

Der Freezer 50 wirkt mit Blick auf Kühlleistung und Lautstärke zwar insgesamt nicht so ausgewogen wie ein Noctuas NH-D15 chromax.black, kann dafür jedoch mit einem deutlich attraktiveren Preis punkten. Wer auf die A-RGB-Beleuchtung verzichtet, erhält mit dem Scythe Fuma 2 aber einen noch günstigeren Dual-Tower-Kühler, der sich dazu bei reduzierter Lüfterdrehzahl besser schlagen kann.

Wer einen Dual-Tower-Kühler mit A-RGB-Beleuchtung und relativ attraktivem Preis sucht, hat aktuell allerdings nicht viel Auswahl - und erhält mit dem Freezer 50 eine durchaus performante Lösung.

Positive Aspekte des Arctic Freezer 50:


Negative Aspekte des Arctic Freezer 50: