Asetek 645LT im Test: Die maßgeschneiderte AiO-Kühlung für den Mini-PC

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Eine maßgeschneiderte AiO-Kühlung für besonders kompakte PC-Systeme will Asetek mit der 645LT anbieten. Im Test klären wir, ob diese 92-mm-AiO-Kühlung wirklich in der Praxis überzeugen kann. 

AiO-Kühlungen können in Mini-PCs zwar mit teils extrem flachen CPU-Kühlern punkten. Vor allem der Radiator braucht aber doch Platz. Üblich sind mindestens 120-mm-Radiatoren. Doch Aseteks 645LT verspricht mit ihrem 92-mm-Radiator nun einen deutlich geringeren Platzbedarf. 

Dass Asetek überhaupt AiO-Kühlungen unter eigenem Namen vertreibt, ist schon bemerkenswert genug. Eigentlich agiert das Unternehmen als Auftragsfertiger und tritt selbst kaum in Erscheinung. Doch einige Speziallösungen bietet Asetek nun doch selbst an. Nach der extremen 690LX-PN für Intels 28-Kern-Prozessor Xeon W-3175X folgt mit der winzigen 645LT das komplette Kontrastprogramm. 

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Das Testsample wurde uns von Caseking zur Verfügung gestellt. Es erreichte uns nicht in einer aufwendigen Verpackung, sondern schlicht in einem Caseking-Karton. Caseking bietet die 645LT ausschließlich als sogenanntes King Kit an. Das Zubehör stammt dabei von den Premium-Herstellern Noctua und (optional) von Thermal Grizzly. Umso erfreulicher, dass der Kaufpreis für die 645LT im Rahmen bleibt. Bei Caseking wird sie für 89,90 Euro angeboten. Allerdings muss der Käufer sich beim Bestellvorgang für ein Montagekit entscheiden: Entweder Intel LGA 115x oder Intel LGA 2011 oder AMD AM4. Bei einem späteren Plattformwechsel wird man gegebenenfalls also noch ein Montagekit nachkaufen müssen. Gegen Aufpreis kann beim Bestellvorgang außerdem noch Wärmeleitpaste von Thermal Grizzly ausgewählt werden. 

Im Ausgepackt & angefasst-Video werfen wir einen ersten Blick auf die AiO-Kühlung. Darin erklären wir auch, dass wir für die Asetek 645LT ein spezielles SFF-Testsystem nutzen. Wir kombinieren dafür unser Mini-ITX-Gehäusetestsystem mit einem Streacom DA2. Um die Kühlleistung der kleinen AiO-Kühlung einschätzen zu können, werden wir sie mit Noctuas überzeugendem Top-Blow-Kühler NH-L12S vergleichen.

Spezifikationen
KühlernameAsetek 645LT
Kaufpreis 89,90 Euro
Homepagewww.asetek.com
Kühlertyp All-in-One Wasserkühlung mit 92-mm-Radiator
Maße Radiator (ohne Lüfter) 92 x 92 x 34 mm  (L x B x H)
Material Bodenplatte: Kupfer
Radiator: Aluminium
Schläuche 25 cm Länge, ohne Ummantelung
Serienbelüftung Noctua NF-A9x14 PWM, 92-mm-PWM-Lüfter mit bis zu 2.200 U/min
Sockel wahlweise mit Brackets für Intel-Sockel 115x, 2011 oder AMD AM4

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Ausgeliefert wird die 645LT mit Montagematerial für den gewählten Sockel und für den Radiator und Lüfter. Der Noctua NF-A9x14 PWM liegt in Noctua-Verpackung und mit komplettem Noctua-Zubehör bei. Die Wärmeleitpaste von Thermal Grizzly gibt es wie gesagt nur gegen Aufpreis. Zur Auswahl stehen Hydronaut und Kryonaut in verschiedenen Abpackungen. 

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Die kleine AiO-Kühlung selbst wirkt fast wie Spielzeug. Mit ihrem 92-mm-Radiator, den 25 cm kurzen Schläuchen und der flachen Kühler-Pumpen-Einheit fällt sie sehr kompakt aus. Dazu passt dann auch der flache 92-mm-Lüfter, der gerade einmal auf 14 mm Bauhöhe kommt. 

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Asetek verzichtet auf optische Spielereien wie RGB-Beleuchtung oder transparente Abdeckungen. Über der Pumpe sitzt einfach eine schwarze Kunststoffabdeckung, deren Form etwas an das Asetek-Logo erinnert. Die Schläuche sitzen seitlich an der Kühler-Pumpen-Einheit. 

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Den Kontakt zur CPU stellt eine Bodenplatte aus Kupfer her. Ab Werk ist bereits Wärmeleitpaste aufgetragen. Die Asetek Gen6-Pumpe wird über einen 3-Pin-Anschluss mit Strom gespeist. Regulär läuft sie mit etwa 5.600 U/min. Am Testsystem konnten wir die Drehzahl auf etwa 4.000 U/min reduzieren. Warum das wichtig ist, werden wir noch im Abschnitt zur Lautstärke klären. 


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Der 92-mm-Radiator spart gegenüber einem 120-mm-Radiator einigen Platz ein. Damit die Schläuche auch in engen SFF-Gehäusen verlegt werden können, kommen gewinkelte 90-Grad-Anschlüsse zum Einsatz. Sie lassen sich einfach drehen und erlauben so ein relativ flexibles Ausrichten der Schläuche. 

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Der Noctua NF-A9x14 PWM wird mit Verlängerungskabel, Y-Adapter und Low-Noise-Adapter ausgeliefert. Auch Lüfterschrauben und entkoppelnde Montagepins liegen bei, werden bei der Montage am Radiator aber nicht benötigt. 

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Montiert wird er einfach mit den Lüfterschrauben, die Asetek selbst beilegt. Integrierte Anti-Vibration-Pads an den Ecken sollen ihn vom Radiator entkoppeln. Mit Blick auf die Drehzahl ist das auch wünschenswert: Der kleine PWM-Lüfter kann mit bis zu 2.200 U/min arbeiten.


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Zur Montage auf AMD Sockel AM4 werden im ersten Schritt Montagebolzen in die reguläre AMD-Backplate geschraubt.

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Nachdem die AM4-Montageblende an der Kühler-Pumpen-Einheit befestigt wurde, lässt sich diese einfach auf die Bolzen setzen und mit vier Rändelmuttern fixieren. Bei der Testplattform bleibt trotz der seitlichen Schläuche noch genug Platz für die uneingeschränkte Nutzung der RAM-Slots. 

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Weil die Schläuche mit 25 cm Länge relativ kurz ausfallen, sollte der Radiatorenplatz nah zum CPU-Sockel liegen. In typischen SFF-Gehäusen ist das aber praktisch automatisch der Fall. So auch in dem von uns genutzten Streacom DA2, das einen 92-mm-Radiator an der Rückwand unterstützt. 


Für die Asetek 645LT nutzen wir nicht unser reguläres Kühlertestsystem, sondern das Testsystem, das sonst für Mini-ITX-Gehäuse genutzt wird. Im Video stellen wir die zentralen Komponenten vor:

Folgende Komponenten wurden konkret verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: AMD Ryzen 5 1600, 6x 3,2 GHz
Gehäuse: Streacom DA2
Mainboard: ASUS ROG Strix X370-I Gaming
Arbeitsspeicher: Crucial Ballistix Sport LT Red 16GB Kit (2 x 8GB) DDR4-2666
Festplatte: OCZ Arc 100 SSD 240 GB
Grafikkarte: Gigabyte GeForce GTX 1050 G1 Gaming 2G
Betriebssystem: Windows 10

Die Testmethodik entspricht trotz des alternativen Testsystems weitgehend unserem Standard-Prozedere. Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur offenen linken Gehäuseite vorgenommen. . Des Weiteren wurde die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu wird mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Die Temperaturtemperatur messen wir mit der AMD-Software Ryzen Master. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Die Alternative zu einer kompakten AiO-Kühlung ist im SFF-Bereich typischerweise ein flacher Top-Blow-Kühler. Genauso einen nutzen wir als Vergleichskühllöung. Noctuas NH-L12S ist ein sehr respektabler Gegenspieler: Mit flachem 120-mm-Lüfter, vier 6-mm-Heatpipes und einer relativ großen Kühlfläche ist er einer der leistungsstärkeren Top-Blow-Kühler. Er fällt auch schon deutlich größer (und leistungsstärker) als die typischen Top-Blow-Kühler für wirklich extreme SFF-Gehäuse aus. Ein seitlicher 140-mm-Gehäuselüfter unterstützt beide Kühllösungen. 

Folgende Tools kamen bei den Messungen zum Einsatz:

Die verwendete Software:

AMD Ryzen Master
Prime95 x64, Version 26.6 (build 3)
ASUS AI Suite (für die Lüftersteuerung)

Die Testszenarien im Überblick:

Serienbelüftung bei 1.000 rpm
Serienbelüftung bei maximaler Drehzahl

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

41.7 XX


43.9 XX


db(A)
Weniger ist besser

Dass sowohl die AiO-Kühlung als auch der Top-Blow-Kühler bei maximaler Drehzahl störend laut werden, überrascht mit Blick auf die Maximaldrehzahl der Lüfter nicht. Überraschender ist schon, wie laut die 645LT bei 1.000 U/min Lüfterdrehzahl und voller Pumpendrehzahl wird. Die Pumpe (ausgelesen mit 5.600 U/min, laut Asetek selbst mit 2.800 U/min Drehzahl) entpuppt sich mit ihrem lautem Pumpengeräusch als richtiger Störfaktor. Wir konnten die Pumpendrehzahl allerdings problemlos über die Mainboardsoftware (ASUS AI Suite) reduzieren - und zwar so weit, dass die AiO-Kühlung angenehm leise wurde. 


Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Bei maximaler Drehzahl erreichen Asetek 645LT und Noctua NH-L12S etwa die gleiche Kühllösung. Das ist durchaus ein Achtungserfolg für die kleine AiO-Kühlung: Der Luftkühler stützt sich auf eine relativ große Kühlfläche und einen 120-mm-Lüfter und wird zusätzlich auch noch von einem 140-mm-Gehäuselüfter unterstützt. Zu kühlen ist immerhin auch ein 6-Kern-Prozessor (wenn auch ein relativ genügsames 65-W-Modell). 

Die AiO-Kühlung ist allerdings stärker auf eine hohe Lüfterdrehzahl angewiesen als der Noctua-Kühler. Bei 1.000 U/min lässt die Kühlleistung schon deutlich nach. Erfreulich ist aber, dass es nur einen geringen Unterschied macht, ob die Pumpe mit voller oder minimaler Drehzahl arbeitet. 


Mehr Spezialist als die 645LT kann eine AiO-Kühlung kaum sein. Solange ein ausgewachsener PC genutzt wird, ist der Asetek-Winzling praktisch uninteressant. Je kleiner das Gehäuse aber wird, umso stärker kann die 645LT auftrumpfen. Selbst das von uns genutzte Mini-ITX-Gehäuse ist dabei eigentlich noch überdimensioniert: Im Streacom DA2 findet bei Bedarf sogar ein Dual-Radiator oder ein kleinerer Tower-Kühler Platz, dazu ist auch eine effektive Gehäusekühlung mit großen Lüftern möglich. 

Die Vorzüge der 645LT machen sich trotzdem bereits bemerkbar. Die kleine AiO-Kühlung passt mit ihren kurzen Schläuchen, der flachen Kühler-Pumpen-Einheit und dem kleinen Radiator hervorragend zu kompakten Gehäusen. Die Montage war im Testsystem unkompliziert möglich. Mit Blick auf die Leistung darf man bei einer 92-mm-AiO-Kühlung keine Wunderdinge erwarten. Den AMD Ryzen 5 1600 mit seinen sechs Kernen konnte die 645LT im Test aber allemal bändigen. Für Prozessoren, wie sie im SFF-Bereich üblich sind, ist die Performance also allemal ausreichend - auch, wenn sie beim Herunterregeln des Noctua-Lüfters deutlich nachlässt. Das Herunterregeln der Pumpendrehzahl wirkt sich zum Glück nur minimal auf die Kühlleistung aus. Denn für eine angenehme Lautstärke muss die Drehzahl nach unseren Eindrücken klar abgesenkt werden. 

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In einem extremen SFF-Gehäuse wie dem Dan Cases A4-SFX wird es die 645LT noch leichter haben. Denn leistungsstarke Luftkühler sind darin aus Platzgründen nicht nutzbar und auch die Gehäusekühlung wird noch stärker eingeschränkt.  

Asetek füllt mit der 645LT eine Nische: Die extrem kompakte AiO-Kühlung lässt sich auch in besonders kleinen SFF-Gehäusen (mit 92-mm-Radiatorenplatz) unterbringen. Weil sie dazu mit einem hochwertigen Lüfter ausgeliefert und zu einem fairen Preis angeboten wird, zücken wir unseren Technik-Award. 


Positive Aspekte der Asetek 645LT:

Negative Aspekte der Asetek 645LT: