Noctua NH-U12A im Test: Zwei Flaggschiff-Lüfter für mehr Performance

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noctua nh-u12a logoNoctuas neuer Luftkühler NH-U12A ist bereits die fünfte Generation der NH-U12-Serie. Dabei sollen gleich zwei der innovativen NF-A12x25 PWM-Lüfter für hohe Performance sorgen. Im Test gehen wir der Frage nach, ob der Kühler mit 120-mm-Formfaktor wirklich mit 140-mm-Kühlern mithalten kann. Und wir klären auch, ob der hohe Preis für den NH-U12A wirklich angemessen ist. 

Eigentlich sollte man meinen, dass die Sache für Enthusiasten klar ist: Wenn ein möglichst leistungsstarker Luftkühler gesucht wird, führt eigentlich kein Weg an einem Dual-Tower-Modell mit 140-mm-Lüftern vorbei. Also z.B. Kühler vom Format eines NH-D15 oder eines NH-D15S. Doch diese Kühlergiganten haben eben auch klare Nachteile: Sie benötigen viel Platz und können mit Blick auf Gehäuse- und Speicherkompatibilität problematisch werden. Auch der NH-D15S kommt mit einem einzelnen Lüfter auf 15,0 x 13,5 x 16,5 cm (L x B x H).  

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Noctuas neuer NH-U12A wird zwar mit zwei Lüftern ausgeliefert, bleibt als Single-Tower-Kühler mit 120-mm-Formfaktor aber doch deutlich kompakter. Inklusive der Lüfter misst er 11,2 x 12,5 x 15,8 cm  (L x B x H). Um das geringere Volumen auszugleichen, hat sich Noctua einiges einfallen lassen. Zum einen wird der NH-U12A als erster Noctua-Kühler mit den bemerkenswerten NF-A12x25-Lüftern ausgeliefert. Außerdem hat Noctua den eigentlichen Kühlkörper neu entwickelt. Ganze sieben Heatpipes und mehr Oberfläche sollen die Wärmeabgabe weiter verbessern.

Gerade die beiden Premiumlüfter entpuppen sich allerdings als Preistreiber. 104,90 Euro sind auch für einen Noctua-Kühler ein hoher Preis. Selbst der Dual-Tower-Gigant NH-D15 (ab Werk mit zwei NF-A15 PWM) ist im Handel mit rund 90 Euro günstiger. 

Spezifikationen
KühlernameNoctua NH-U12A
Kaufpreis 104,90 Euro
Homepagenoctua.at
Kühlertyp Single-Tower-Kühler mit Push-Pull-Konfiguration
Maße mit Lüftern 11,2 x 12,5 x 15,8 cm  (L x B x H)
Gewicht mit Lüftern 1.220 g
Material Boden und Heatpipes: Kupfer
Kühlrippen: Aluminium
verlötet und vernickelt
Schläuche textilummantelt
Serienbelüftung zwei NF-A12x25 PWM, 450 bis 2.000 U/min
Sockel AMD AM4, AM3(+), AM2(+), FM1, FM2(+)
Intel LGA1150, LGA1151, LGA1155, LGA1156, LGA2011, LGA2066
Garantiedauersechs Jahre

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Der Lieferumfang passt schon einmal zum Premiumpreis. Noctua legt nicht nur Montagematerial und Anleitungen, sondern auch einen einfachen Kreuzschlitz-Schraubendreher, eine Spritze mit Wärmeleitpaste (allerdings noch NT-H1 und nicht die bessere NT-H2), eine selbstklebende Noctua-Plakette und Lüfteradapter. Mit dem Y-Adapter können beide Lüfter über einen PWM-Anschluss versorgt und geregelt werden. Wer die maximale Drehzahl von 2.000 auf 1.700 U/min senken will, kann dazu die beiden Low-Noise-Adapter nutzen. 

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Lüfterlos zeigt sich der NH-U12A als mittelgroßer Single-Tower-Kühler. Noctua hat sich einmal mehr auf die Funktion konzentriert. Designspielereien wie RGB-Beleuchtung oder gefärbte Kühlrippen gibt es hier nicht. Auch ein chromax-Cover ist aktuell nicht geplant. Noctua hält es für möglich, ein solches bei großer Nachfrage aber doch noch anzubieten. 

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Die Kühlrippen wurden auch nicht besonders aufwendig geformt. Worauf Noctua aber Wert legt, das ist das Verlöten von Kühlrippen und Heatpipes. Im Vergleich zum einfachen Pressverfahren soll auch nach langer Nutzungsdauer noch ein stabilerer Wärmeübergang garantiert werden. Beim Pressverfahren können hingegen Temperaturwechsel mit der Zeit zum Lockern der Verbindungen führen. Denn Kupfer und Aluminium haben unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten. Die Oberfläche der Kühlrippen will Noctua im Vergleich zum NH-U12S um 37 % vergrößert haben. 

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Fast bemerkenswerter als der eigentliche Kühlkörper sind die mitgelieferten Lüfter. Noctua hat die NF-A12x25 über einen langen Zeitraum und mit großem Aufwand entwickelt. Dank des extrem reduzierten Laufradspalts (der Abstand zwischen Rotor und Lüfterrahmen) hat Noctua die Kühlperformance gesteigert. Der NH-U12A wird nun als erster Kühler werkseitig mit diesem Lüftertyp bestückt. Bei Auslieferung sitzen die beiden Lüfter bereits mit Lüfterklammern am Kühlkörper. Für die Kühlermontage müssen sie allerdings zwangsweise abgenommen werden. 


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Die Lüfter lassen sich mit den Lüfterklammern unkompliziert einhängen. Die Push-Pull-Konfiguration mit zwei Lüftern verspricht eine hohe Kühlleistung, macht den NH-U12A allerdings auch relativ breit. 

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Selbst auf Heatpipe-Abdeckungen hat Noctua verzichtet. Bei der Heatpipe-Anzahl zeigt sich der Kühlungsspezialist dafür umso großzügiger. Gleich sieben Heatpipes werden verbaut. 

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Diese sieben Heatpipes drängen sich oberhalb der Bodenplatte dicht an dicht. Die Bodenplatte besteht aus vernickeltem Kupfer und zeigt wie schon bei anderen Noctua-Kühlern eine leichte Rillenstruktur. 

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Noctua nutzt auch beim NH-U12A das bewährte SecuFirm2-Montagesystem. Auf Intel LGA 115x-Mainboards wird die beiliegende Backplate mit den festsitzenden Montagebolzen hinter dem Mainboard platziert. Darauf werden dann Abstandshalter und die beiden Montagestege gelegt und mit den vier Rändelmuttern fixiert. Der Kühler kann nach dem Auftragen der Wärmeleitpaste einfach aufgesetzt und festgeschraubt werden. 

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Der Kühlkörper selbst lässt auf dem Testmainboard genug Abstand zu allen Komponenten. 

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Der ansaugende Lüfter überragt Low-Profile-Speicher. Nötig wäre das aber nicht einmal unbedingt: Denn Noctua hat den NH-U12A leicht asymmetrisch gestaltet. Wird der Kühler gedreht montiert, dann hält der ansaugende Lüfter auf dem Testmainboard genug Abstand zu den ersten Speicherslots. Somit wären auch RAM-Riegel mit hohen Heatspreadern nutzbar. 


Unser Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems abbilden. Als Prozessor dient deshalb Intels Core i7-4790K, ein beliebter Prozessor für leistungsstarke Spielerechner. Er findet seinen Platz auf einem ASUS Z97-DELUXE(NFC & WLC). Netzteil und Grafikkarte werden passiv gekühlt, um den subjektiven Höreindruck nicht zu beeinträchtigen. Untergebracht wird das Testsystem in NZXTs H630. Der Full-Tower bietet mehr als genug Platz für die höchsten Prozessorkühler und ermöglicht uns auch, größere AiO-Wasserkühlungen zu testen. Das schallgedämmte H630 wurde nicht kompromisslos auf Kühlleistung hin optimiert, sondern soll eher einen ausgewogenen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke bieten. Mit dieser Auslegung ähnelt es beispielsweise den beliebten Define-Modellen von Fractal Design.


Hier das neue Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i7-4790K (4,2 GHz)
Mainboard ASUS Z97-DELUXE(NFC & WLC)
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance LP 16 GB DDR3-Kit
Grafikkarte Sapphire Radeon HD 7750 Ultimate 
Systemlaufwerk OCZ ARC 100 240GB
Netzteil Seasonic Platinum Fanless 460W
Gehäuse NZXT H630
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x Noctua NF-A15 PWM (Front)
1x Noctua NF-A14 PWM (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Die beiden werkseitigen Gehäuselüfter wurden durch hochwertige Lüfter von Noctua ersetzt. Sowohl der Frontlüfter vom Typ NF-A15 PWM als auch der NF-A14 PWM an der Rückwand werden per PWM-Steuerung mit 1.000 U/min betrieben. Im Endeffekt wird so für die Gehäuselüfter ein sinnvoller Kompromiss aus ausreichender Kühlleistung und moderater Lautstärke erreicht, die Testbedingungen werden also schlicht möglichst realistisch gestaltet. Ein zu intensiver Einfluss der Gehäuselüfter wird genauso ausgeschlossen wie ein Hitzestau im Gehäuse.   

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseite vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse wird dafür geöffnet, die Gehäuselüfter werden gestoppt. So kann die Lautstärke der CPU-Lüfter bzw. der AiO-Kühlungen ohne Störeinflüsse von anderen Komponenten bestimmt werden. Für die Temperaturmessungen wird die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Log-Funktion des Tools CoreTemp, wobei das arithmetische Mittel der maximal erreichten Temperatur in unsere Diagramme übernommen wird (abzüglich einer eventuellen Differenz zur normierten Raumtemperatur). Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Folgende Tools kamen bei den Messungen zum Einsatz:

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser

Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser

Es dürfte nicht überraschen, dass zwei 120-mm-Lüfter mit 2.000 U/min richtig laut werden. Bei maximaler Drehzahl gehört der NH-U12A entsprechend zu den lauteren Luftkühlern. Auf 1.000 U/min sind die beiden NF-A12x25 PWM zwar noch dezent hörbar, aber absolut alltagstauglich. Dank der geringen Minimaldrehzahl (offiziell 450 U/min, am Testsystem sogar nur etwa 310 U/min) ist aber auch ein absolut flüsterleiser Betrieb problemlos möglich. 


Im nächsten Testszenario begutachten wir die Leistung des Kühlers mit dem Serienlüfter bzw. den Serienlüftern bei jeweils 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. Für AiO-Kühlungen nehmen wir für die Kühlleistungsmessungen den Gehäusedeckel ab, weil er die Kühlleistung unverhältnismäßig stark reduziert.

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter

Weniger ist besser
maximale Drehzahl

Der NH-U12A positioniert sich im Testfeld als leistungsstärkster Luftkühler. Und das auch, obwohl wir das große Dual-Tower-Modell NH-D15S als Vergleichsmodell extra noch einmal nachgemessen haben. Die Kombination aus Single-Tower-Kühler und Dual-Lüftern kann die Kombination aus Dual-Tower-Kühler mit einzelnem Lüfter sowohl bei maximaler Drehzahl als auch bei 1.000 U/min knapp schlagen. Das Blatt würde sich aber wenden, wenn der NH-D15S ebenfalls mit zwei Lüftern bestückt würde. 


Um die rohe Kühlleistung der Probanden fair vergleichen zu können, haben wir alle Kühler mit denselben Referenzlüftern bestückt. Als Referenzlüfter kommen die leistungsstarken Noctua NF-A15 PWM mit 105-mm-Lochabstand und bis zu 1.200 Umdrehungen pro Minute zum Einsatz. Falls diese keinen Platz am Kühlkörper finden, greifen wir auf die kleineren Noctua NF-F12 PWM mit 120 mm und bis zu 1.500 Umdrehungen pro Minute zurück. Bei Kühlern und Radiatoren mit Platz für echte 140-mm-Lüfter mit 140-mm-Bohrungen können wir die NF-A14 PWM einsetzen.

Für die Referenzmessungen haben wir zwei Noctua NF-F12 PWM genutzt. 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter

Weniger ist besser
600 U/min

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter

Weniger ist besser
1000 U/min

Mit den beiden NF-F12 PWM-Lüftern erreicht der NH-U12A bei 1.000 U/min die gleiche Kühlleistung wie mit den beiden NF-A12x25 PWM. Bei geringerer Drehzahl von 600 U/min profitieren die NF-F12 PWM allerdings von der Optimierung auf hohen statischen Druck. Während wir mit den Serienlüftern 60 °C erreichen, drücken die Referenzlüfter die Temperatur auf 57 °C. NF-F12 PWM erreichen allerdings eine deutlich geringere Maximaldrehzahl und bieten entsprechend nach oben weniger Reserven als die Serienlüfter. 


Noctuas Zielsetzung für den NH-U12A ist klar: Er soll möglichst viel Performance aus dem 120-mm-Format herausgekitzelt werden. Denn längst nicht jedes Gehäuse bietet genug Platz für größere Tower-Kühler mit 140-mm-Lüftern. Und gerade die großen Dual-Tower-Kühler führen dazu auch oft an anderer Stelle zu Kompatibilitätsproblemen - gerade beim Speicher. 

Um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, setzt Noctua regelrecht die Brechstange an: Aufgefahren werden eine vergrößerte Oberfläche, ganze sieben Heatpipes und zwei hochdrehende Premiumlüfter. Gerade der Vergleich mit dem NH-D15S zeigt, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Denn der NH-U12A kann sich sogar leicht vor das deutlich größere Dual-Tower-Modell setzen - zumindest solange, wie der NH-D15S nicht ebenfalls mit Zweitlüfter betrieben wird. Dabei spart der NH-U12A deutlich Platz. Und auch bei der Speicherkompatiblität hat er Vorteile: Der NH-D15S überragt zwar auch so manches RAM-Modul mit höherem Heatspreader, versperrt aber doch den Zugang zum Speicherslot und muss zum Speicherwechsel oft demontiert werden. Der NH-U12A kann dank asymmetrischer Bauweise hingegen so montiert werden, dass er erst gar nicht in die Nähe der Speicherslots gelangt. Die Montage ist dank des SecuFirm2-Montagesystems unkompliziert und grundsolide. 

Mit Blick auf die beiden Lüfter könnte man befürchten, dass der NH-U12A nicht wirklich leise wird. Bei der hohen Maximaldrehzahl von 2.000 U/min macht er auch tatsächlich sehr deutlich auf sich aufmerksam. Doch die Lüfter können so weit heruntergeregelt werden, dass sie praktisch völlig verstummen. Ein flüsterleiser Betrieb ist also auch mit Push-Pull-Konfiguration möglich. 

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Bei einem Kaufpreis von rund 100 Euro ist der NH-U12A selbst für Noctua-Verhältnisse teuer. Aktuell ist er sogar der teuerste Noctua-Luftkühler am Markt. Doch die Bestückung mit zwei NF-A12x25 (Einzelpreis je knapp 30 Euro) kann den Preis ein Stück weit rechtfertigen. Wer einfach nur einen Noctua-Kühler mit hoher Kühlleistung sucht, der kann weiterhin zu einem NH-D15(S) greifen. 

Wenn diese wuchtigen Dual-Tower-Modelle aber aus Platz- bzw. Kompatibilitätsgründen nicht in Frage kommen, schlägt aber die Stunde des NH-U12A. Wir zeichnen diesen gelungenen Premiumkühler deshalb auch mit unserem Excellent-Hardware-Award aus. 


Positive Aspekte der Noctua NH-U12A:


Negative Aspekte der Noctua NH-U12A:

Preise und Verfügbarkeit
Noctua NH-U12A CPU-Kühler - 120mm
Nicht verfügbar 104,90 Euro Ab 99,90 EUR
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