Flaggschiff-Kühler SilentiumPC Grandis 2 XE1436 im Test

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SilentiumPC Grandis 2 XE1436Der typische Flaggschiff-Kühler ist ein wuchtiger Dual-Tower-Kühler. SilentiumPCs Grandis 2 XE1436 macht da keine Ausnahme. Im Test wollen wir herausfinden, ob sich das Top-Modell des polnischen Unternehmens gegenüber namhaften Konkurrenten bewähren kann. 

Mit dem Fortis 3 HE1425 Malik Customs Edition und dem Fera 3 HE1224 haben wir im vergangenen Jahr bereits zwei Kühler von SilentiumPC getestet. Beide Single-Tower-Modelle hinterließen einen grundsoliden Eindruck, der HE1425 Malik Customs Edition blieb zudem wegen seiner auffälligen und anpassbaren Optik im Gedächtnis. Doch ein Test des Top-Modells stand noch aus. 

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SilentiumPC geht den gleichen Weg wie die meisten Mitbewerber und setzt für das Flaggschiff Grandis 2 XE1436 auf einen Aufbau mit zwei wuchtigen Kühltürmen. Jeder Kühlturm erhält seinen eigenen Lüfter. Der Platzbedarf des 130 x 105 x 159 mm (L x B x H) ist nicht ohne - doch dafür verspricht der Grandis 2 XE1436 auch eine hohe Kühlleistung. 

Der Hersteller verkauft seine Produkte in Deutschland über Amazon. Der Grandis 2 wird dort aktuell zwar nicht gelistet, soll aber kurzfristig auftauchen. SilentiumPC plant einen Kaufpreis von 47,90 Euro. In Polen selbst wird der Kühler für rund 41 Euro angeboten. Beide Preise sind für ein wuchtiges Dual-Tower-Modell vergleichsweise günstig. 

Bevor wir uns nun also einer näheren Detailbetrachtung widmen, hier noch der SilentiumPC Grandis 2 XE1436 in der gewohnten Kurzübersicht:

Spezifikationen
KühlernameSilentiumPC Grandis 2 XE1436
Straßenpreis bei Release aktuell nicht verfügbar, in Polen rund 41 Euro, für Deutschland 47,90 Euro geplant
Homepage www.silentiumpc.com
Maße

130 x 105 x 159 mm (L x B x H)

Material

Heatpipes und Bodenplatte: Kupfer
Kühlrippen: Aluminium

Kühlertyp Dual-Tower-Kühler
Heatpipes sechs 6-mm-Heatpipes
Serienbelüftung Sigma PRO 140L PWM (500 - 1.000 U/min) und Sigma PRO 120 PWM (500 - 1.600 U/min)
Sockel AMD AM2(+)/AM3(+)/FM1/FM2(+)
Intel LGA 775/115X/1366/2011/2011-3
Gewicht 1,03 kg

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Das mitgelieferte Zubehör ist umfangreich. Neben dem Montagematerial für die gängigen AMD- und Intel-Sockel und den Foto-Anleitungen liegen dem Kühler ein kleiner Maulschlüssel, ein 4-Pin-PWM-Y-Adapter, eine kleine Spritze mit der Wärmeleitpaste Pactum PT-2 und vier Lüfterklammern bei. Zwei weitere Lüfterklammern halten bei Auslieferung den 140-mm-Lüfter am Kühler, sodass der Grandis 2 problemlos mit bis zu drei Lüftern bestückt werden kann. Problemlos zumindest solange, wie es die Platzverhältnisse zulassen. 

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Die beiden Kühltürme haben jeder für sich die Maße eines schlanken Single-Tower-Kühlers. Weil dazwischen auch noch Raum für einen Lüfter mit Standardtiefe bleibt, benötigt der Grandis 2 einigen Platz. Offiziell kommt er auf 10,5 cm Breite. Das ist allerdings die Angabe ohne äußerem Lüfter. Wer den mitgelieferten 120-mm-Lüfter ergänzt, muss deshalb mit einer Breite von 13 cm rechnen.

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SilentiumPC hat darauf verzichtet, die Aluminiumkühlrippen in den Kühlblöcken zu lackieren bzw. zu eloxieren. Und auch aufwendige Formen gibt es nicht. Dafür bietet der Grandis 2 die Möglichkeit, Lüfter sowohl zwischen den Kühltürmen als auch auf beiden Außenseiten zu befestigen. 

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Apropos Befestigung - ab Werk ist eine Montagebrücke direkt auf der Bodenplatte installiert. Dadurch entfallen die Montageprobleme, die lose Montagebrücken mit sich bringen können.   

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Als auffälligstes Designelement des Grandis 2 können die beiden schwarzen Abdeckungen der Kühltürme gelten. Sie werden von je vier kleinen Inbusschrauben am Kühler gehalten und könnten damit theoretisch ausgetauscht werden. Anders als beim Fortis 3 HE1425 Malik Customs Edition liegen aber keine andersfarbigen Wechselcover bei. Farblich passend sitzen auf den Heatpipeenden schwarze Kunststoffabdeckungen.


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Die Heatpipes selbst sind kupferfarben. SilentiumPC setzt auf die üblichen 6-mm-Heatpipes und verbaut davon gleich sechs Stück. Jede der U-förmigen Heatpipes endet in beiden Kühltürmen. Den Kontakt zum Prozessor stellt eine Bodenplatte aus Kupfer her. 

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Vorgesehen ist ab Werk die Bestückung mit einem 140-mm-Lüfter vom Typ Sigma PRO 140L PWM (500 - 1.000 U/min) und mit einem 120-mm-Lüfter Sigma PRO 120 PWM (500 - 1.600 U/min). Der 140-mm-Lüfter wird dabei schon aus Kompatibilitätsgründen im Inneren der Kühltürme montiert. Die Montage der Lüfter ist mit den beiliegenden Lüfterklammern auch noch im PC-Gehäuse möglich. Optisch sind die beiden Sigma PRO-Lüfter denkbar unspektakulär. Sie passen aber farblich allemal zur den schwarzen Abdeckungen des Grandis 2. Funktional fällt das Fehlen einer Lüfterentkopplung auf. 

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Die bebilderte Anleitung könnte manches Montagedetail noch etwas besser zeigen, prinzipiell ist die Kühlerinstallation aber unkompliziert. SilentiumPC setzt auch beim Flaggschiff eine schlichte Kunststoffbackplate ein. Sie wird passend zum jeweiligen CPU-Sockel vorbereitet und auf der Mainboardvorderseite mit Montagestegen kombiniert. An dieser Stelle kommt der mitgelieferte Maulschlüssel zum Einsatz. Mit ihm werden Muttern auf den Montagestegen angezogen. Die Montagebrücke am Kühler wird schließlich mit den Montagestegen fest verschraubt. Im Endeffekt findet der große Dual-Tower-Kühler festen Halt - auch wenn es durchaus Montagelösungen gibt, die z.B. mit robusteren Backplates einen noch etwas stabileren Eindruck hinterlassen. 

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Wie ausladend das SilentiumPC-Flaggschiff ist, wird besonders mit Blick auf die Speicherslots deutlich. Der 120-mm-Lüfter überragt gleich drei Speicherslots des Testmainboards. Auf Speicher mit hohen Heatspreadern muss deshalb verzichtet werden. 


Mit einem neuen Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems noch besser abgebildet werden. Der Octa-Core-Xeon weicht Intels Core i7-4790K, einem beliebten Prozessor für leistungsstarke Spielerechner. Bei Bedarf kann die Radeon HD 7970 von Gigabyte die Abwärme einer performanten Grafikkarte abgeben. Untergebracht wird das Testsystem in NZXTs H630. Der Full-Tower bietet mehr als genug Platz für die höchsten Prozessorkühler und ermöglicht uns auch, größere AiO-Wasserkühlungen zu testen. Das schallgedämmte H630 wurde nicht kompromisslos auf Kühlleistung hin optimiert, sondern soll eher einen ausgewogenen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke bieten. Mit dieser Auslegung ähnelt es beispielsweise den beliebten Define-Modellen von Fractal Design.

Hier das neue Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i7-4790K (4,2 GHz)
Mainboard ASUS Z97-DELUXE(NFC & WLC)
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance LP 16 GB DDR3-Kit
Grafikkarte Gigabyte GV-R797OC-3GD
Systemlaufwerk OCZ ARC 100 240GB
Netzteil Antec HCP-1300 Platinum
Gehäuse NZXT H630
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x 200 mm (Front)
1x 140 mm (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Der 200-mm-Frontlüfter wird für eine vertretbare Lautstärke mit einem Adapter auf 7 Volt heruntergeregelt. Der Rückwandlüfter läuft hingegen auf 12 Volt und damit konstant mit 1.100 U/min. Im Endeffekt wird so für die Gehäuselüfter ein sinnvoller Kompromiss aus ausreichender Kühlleistung und moderater Lautstärke erreicht, die Testbedingungen werden also schlicht möglichst realistisch gestaltet. Ein zu intensiver Einfluss der Gehäuselüfter wird genauso ausgeschlossen wie ein Hitzestau im Gehäuse.   

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseitenwand vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse ist dabei geschlossen. Des Weiteren wurde die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu wird mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Log-Funktion des Tools CoreTemp, wobei das arithmetische Mittel der maximal erreichten Temperatur in unsere Diagramme übernommen wird (abzüglich einer eventuellen Differenz zur normierten Raumtemperatur. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Folgende Tools kamen bei den Messungen zum Einsatz:

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.


Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser
 

Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser
 

Bei vergleichbarer Drehzahl ist der Grandis 2 gegenüber Kühlern mit nur einem Lüfter leicht im Nachteil. Trotzdem bleibt die Lautstärke auch bei 1.000 U/min vertretbar und sinkt bei Drehzahlreduzierung auf 600 U/min noch einmal deutlich auf 31,2 dB(A). Der 140-mm-Lüfter läuft bereits bei 1.000 U/min mit maximaler Drehzahl. Für die Messung mit maximaler Drehzahl wird entsprechend nur der 120-mm-Lüfter weiter beschleunigt. Dadurch steigt die Lautstärke zwar deutlich an, laut den Messungen gehört der Grandis 2 aber bei maximaler Lüfterdrehzahl zu den leiseren Kühlern. Subjektiv sind die Strömungsgeräusche im Dual-Lüfter-Einsatz bei mittlerer bis hoher Drehzahl allerdings etwas unruhiger und störender als bei Kühlern mit einzelnem Lüfter.  


Im nächsten Testszenario begutachten wir die Leistung des Kühlers mit dem Serienlüfter bzw. den Serienlüftern bei jeweils 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter, 1000 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter, maximale Drehzahl

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Die 1.000 U/min-Messung meistert der Grandis 2 souverän und ähnlich gut wie andere Dual-Tower-Giganten. Der 140-mm-Lüfter läuft dabei allerdings bereits am Drehzahlmaximum. Und nur den 120-mm-Lüfter weiter zu beschleunigen, bleibt ohne größere Auswirkungen auf die CPU-Temperatur. Dual-Tower-Konkurrenzmodelle mit schnellerdrehenden Lüftern können sich deshalb bei der zweiten Messung etwas vom SilentiumPC-Modell absetzen. 


Um die rohe Kühlleistung der Probanden fair vergleichen zu können, haben wir alle Kühler mit denselben Referenzlüftern bestückt. Als Referenzlüfter kommen die leistungsstarken Noctua NF-A15 PWM mit 105-mm-Lochabstand und bis zu 1.200 Umdrehungen pro Minute zum Einsatz. Falls diese keinen Platz am Kühlkörper finden, greifen wir auf die kleineren Noctua NF-F12 mit 120 mm und bis zu 1.500 Umdrehungen pro Minute zurück. Bei Kühlern und Radiatoren mit Platz für echte 140-mm-Lüfter mit 140-mm-Bohrungen können wir die NF-A14 PWM einsetzen.

Der zentrale NF-A15 PWM ließ sich zwar nur mit Mühe zwischen beide Kühltürme drücken, letztlich konnten wir die Referenzmessungen aber mit zwei NF-A15 PWM durchführen.  

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter, 600 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter, 1000 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Auf 1.000 U/min gibt es zwischen Serien- und Referenzlüftern nur einen minimalen Unterschied und auch die Platzierung im Testfeld ändert sich nur wenig. Auffällig ist die Messung mit deutlich reduzierter Drehzahl. Auf 600 U/min profitiert der Grandis 2 besonders deutlich von der großen Kühlfläche und kann so manche AiO-Kühlung übertrumpfen. Dabei schließt er eng zu den anderen großen Dual-Tower-Modellen auf. 


Der Grandis 2 XE1436 ist SilentiumPCs Kühler-Flaggschiff und mit Blick auf den Dual-Tower-Aufbau ein Konkurrent für Noctua NH-D15(S), Alpenföhn Olymp und Konsorten. Gleichzeitig greift der polnische Hersteller aber auch über den Preis an. Der anvisierte Verkaufspreis von unter 50 Euro ist für einen Dual-Tower-Kühler bemerkenswert günstig.

Die moderaten maximalen Lüfterdrehzahlen der beiden mitgelieferten Sigma PRO-Lüfter deuten schon darauf hin, dass SilentiumPC nicht einfach Wert auf kompromisslose Kühlleistung legt. Vielmehr geht es um einen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke. Das erklärt, warum der Kühler bei maximaler Drehzahl nicht ganz mit ähnlich aufgebauten Konkurrenten mithalten kann. Bei vergleichbarer Drehzahl zeigt sich dann aber, was im Grandis 2 steckt. Damit ist der Kühler mit werkseitiger Lüfterbestückung gut für preisbewusste Nutzer geeignet, die sich auch bei niedriger bis moderater Drehzahl eine gute Kühlleistung wünschen. Akustisch wird der Grandis 2 bei vergleichbarer Drehzahl etwas lauter als typische Single-Fan-Kühler. Er kann im niedrigen Drehzahlbereich aber allemal angenehm leise betrieben werden.

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Für den günstigen Kaufpreis müssen ansonsten nur kleinere Abstriche gemacht werden. Die Verarbeitung ist an einigen Stellen nicht ganz so perfekt wie bei manchem teureren Premiumkühler. Bei der Montage muss man sich mit einer Kunststoffbackplate zufrieden geben und eine Lüfterentkopplung wird erst gar nicht geboten. Dafür lädt das dritte Paar Lüfterklammern zu Experimenten mit Triple-Fan-Setups ein. Vorausgesetzt, es bleibt noch genug Platz: Der breite Grandis 2 ist kein Kompatibilitätswunder. Flacher Arbeitsspeicher ist schon bei zwei Lüftern praktisch Pflicht. 

Diese Kompatibilitäseinschränkungen gelten aber auch für teurere Dual-Tower-Alternativen wie Alpenföhn Olymp und Deepcool Assassin II. Noctuas NH-D15S ist etwas unproblematischer, kann aber ebenfalls zu Kompromissen nötigen. Der NH-D15S hat im direkten Vergleich mit den anderen Modellen insgesamt leicht die Nase vorn, wird als Einziger aber nur mit einem Lüfter ausgeliefert.  

Wenn ein günstiger Dual-Tower-Kühler gesucht wird, stellt der Grandis 2 XE1436 insgesamt eine weitgehend überzeugende Alternative zur meist deutlich teureren Konkurrenz dar. Noch hapert es allerdings in Deutschland an der Verfügbarkeit. 

Positive Aspekte des SilentiumPC Grandis 2 XE1436:

Negative Aspekte des SilentiumPC Grandis 2 XE1436: