Erweiterbare AiO-Kühlung Alphacool Eisbaer 240 im Test

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Alphacool Eisbaer 240Die Vorteile von AiO-Kühlungen und Eigenbaulösungen miteinander verbinden, aber die jeweiligen Nachteile eliminieren - das soll Alphacools erweiterbare AiO-Kühlung Eisbaer leisten. Wir testen direkt zum Launch die Eisbaer 240 und wollen herausfinden, ob Alphacool dieses Ziel erreichen kann.

Wer sein System wasserkühlen möchte, hat typischerweise zwei Möglichkeiten. Er kann sich für eine flexible Eigenbaulösung entscheiden, die aber Aufwand und Kosten verursacht und einige Risiken mit sich bringt. Oder er greift einfach zu einer geschlossenen AiO-Kühlung, bei der man sich weder über Lecks noch über den Füllstand groß Gedanken machen muss und die kaum aufwendiger als ein Luftkühler zu montieren ist. Dafür sind solche geschlossenen Lösungen nicht erweiterbar und entsprechend unflexibel. 

Den Gegensatz auflösen könnten erweiterbare AiO-Lösungen. Sie werden als vorgefülltes Komplettkit angeboten, sodass die erste Inbetriebnahme auch nicht komplizierter als bei einer geschlossenen AiO-Kühlung ausfällt. Wenn der Kühlkreislauf später aber erweitert werden soll - vielleicht, um auch die Grafikkarte mit Wasser zu kühlen - ist das problemlos möglich. Und wenn einmal eine einzelne Komponente der erweiterbaren AiO-Kühlung ausgetauscht werden muss, ist auch das kein Drama. 

Alphacool ist Wasserkühlungsenthusiasten seit Jahren ein Begriff. Das Braunschweiger Unternehmen bietet bewährte Wasserkühlungskomponenten für Endkunden an, ist zudem aber auch als OEM-Fertiger aktiv. Als Fertiger konnte Alphacool auch schon Erfahrungen mit erweiterbaren AiO-Kühlungen sammeln. So entstammen die Fractal Design Kelvin-Kühlungen und die Cooler Master Eisberg-Kühlungen jeweils einer Kooperation mit Alphacool. Mit der Eisbaer-Serie tritt Alphacool jetzt aber selbst als Anbieter von erweiterbaren AiO-Kühlungen auf und kann dabei von bewährten Komponenten profitieren. Die Kupferradiatoren entsprechen so minimal modifizierten Alphacool NexXxoS ST30-Radiatoren, die Pumpe einer angepassten Alphacool DC-LT und die Schnellkupplungen sind so gestaltet, dass sie zu Alphacool HF-Schnellverschlüssen kompatibel sind. 

Alphacool bietet gleich eine ganze Eisbaer-Serie an. Neben dem von uns getesteten Modell mit 240-mm-Radiator gibt es die Eisbaer 120, die Eisbaer 280 und die Eisbaer 360. Damit werden vom Start weg die wichtigsten Formate abgedeckt. Für den Test hat uns Alphacool das Modell mit 240-mm-Radiator zur Verfügung gestellt. Dafür wird eine UVP in Höhe von 114,95 Euro angesetzt. Günstigstes Eisbaer-Modell wird die 120mm XT45 Eisbaer für 95,95 Euro. Oberhalb des 240-mm-Modells reihen sich die 280mm ST30 Eisbaer für 124,95 Euro und die 360mm ST30 Eisbaer für 139,99 Euro ein. Für Bastler wird es auch auschließlich die Kühler-Pumpen-Einheit ohne Radiator, Schläuchen oder Kühlflüssigkeit geben. Für diese Eisbaer Solo werden 49,98 Euro angesetzt.    

Bevor wir uns nun also einer näheren Detailbetrachtung widmen, hier noch die Alphacool Eisbaer 240 in der gewohnten Kurzübersicht:

Spezifikationen
KühlernameAlphacool Eisbaer 240
Kaufpreis 114,95 Euro (UVP)
Homepage www.alphacool.com
Kühlertyp erweiterbare All-in-One Wasserkühlung
Maße Radiator (ohne Lüfter) 27,8 cm (L) x 12,4 cm (B) x 3 cm (H)
Material Bodenplatte: Kupfer
Radiator: Kupfer
Schläuche Standardschläuche mit Knickschutzfedern
Serienbelüftung 2x Eiswind - 12, 120-mm-PWM-Lüfter mit 1.700 U/min
Sockel AMD: AM2/AM2+/AM3/AM3+/FM1/FM2/FM2+/G34/C32/604/771
Intel: LGA 2011/2011-3/775/1366/1156/1155/1150/1151, 2011-3 Narrow ILM optional


Alphacool Eisbaer 240

Im Lieferumfang des Testsamples fehlte noch die Anleitung, der Verkaufsversion wird sie aber beiliegen. Daneben liefert Alphacool das Montagezubehör für die unterschiedlichen CPU-Sockel, einen Y-Lüfteradapter und zwei Packungen Wärmeleitpaste (Gelid GC-Extreme). Dass Alphacool keine WLP-Spritze mitliefert, wird damit begründet, dass die Wärmeleitpaste darin nach längerer Zeit eintrocknet und dann nicht mehr sinnvoll nutzbar ist. 

Alphacool Eisbaer 240

Wären da nicht die Schraubanschlüsse und die Schnellkupplung, könnte man die Alphacool Eisbaer 240 fast für eine ganz normale, geschlossene AiO-Kühlung halten. Auch diese erweiterbare AiO-Kühlung kombiniert eine Kühler-Pumpen-Einheit mit einem Radiator und fällt dementsprechend kompakter aus als eine typische Eigenbau-Wasserkühlung. Weil Alphacool die Eisbaer-Kühlungen bereits vorab befüllt, muss sich der Nutzer noch nicht einmal darum kümmern. 

Alphacool Eisbaer 240

Im Vergleich zu aktuellen Asetek-AiOs wirkt die Kühler-Pumpen-Einheit etwas klobig. Praktisch sollte daraus aber kein ernsthafter Nachteil entstehen, denn auch die Eisbaer-Kühlung ragt nur leicht über den CPU-Sockel hinaus, sodass keine Kompatibilitätsprobleme mit Arbeitsspeicher, Spannungswandlerkühlern oder anderen Bauteilen/Komponenten zu befürchten sind. Als Pumpe dient eine Variante der Alphacool DC-LT, einer besonders kompakten und relativ günstigen Pumpe. Alphacool gibt für diese DC-LT Ultra low noise Ceramic innerhalb der Eisbaer-AiO einen Durchfluss von 70 Liter pro Stunde und eine maximale Förderhöhe von 0,85 m bei einer Leistungsaufnahme von 4 Watt an. Zur Stromversorgung der Pumpe dient ein 3-Pin-Anschluss. An unserem ASUS-Testmainboard ließ sich die mit 2.600 U/min arbeitende Pumpe nicht regeln. Laut Alphacool ist aber generell eine Spannungsreduzierung auf bis zu 7 Volt möglich. Mit einem 7-Volt-Adapter erreichten wir eine minimal niedrigere Lautstärke (33,4 statt 33,8 dB(A), offenes Gehäuse, einzige andere Lärmquelle war der Netzteillüfter). Auch die Kühlleistung nahm nur minimal ab (1 Kelvin bei 1.000 U/min Lüfterdrehzahl). Letztlich lohnt die Reduzierung der Pumpenspannung aber kaum, weil die Pumpe auch auf 12 Volt sehr dezent arbeitet und meist von den Eiswind-Lüftern übertönt wird.  

Anders als bei geschlossenen AiO-Kühlungen gibt es im Deckel eine Nachfüllöffnung und die Schläuche sitzen mit Schraubanschlüssen an Kühler-Pumpen-Einheit und Radiator. Die Anschlüsse entsprechen dem üblichen G 1/4-Zoll-Standard.

Alphacool Eisbaer 240

Auf dem Prozessor sitzt die Eisbaer 240 mit einer glattpolierten und spiegelnden Kupferbodenplatte auf. 

Alphacool Eisbaer 240

Ambitionierte Bastler werden ohnehin meist zu einer Eigenbau-Wasserkühlung greifen und sie maßgeschneidert auf ihre Anforderungen zusammenstellen. Um mit einer erweiterbaren AiO-Kühlung auch Nutzer anzusprechen, die nach einer einfachen und möglichst sicheren Lösung suchen, sollte ein solches Produkt auch einfacher zu erweitern sein als eine DIY-Lösung. Wenn der Nutzer erst an Schlauchanschlüssen und Schläuchen herumbasteln muss, könnte er schließlich gleich zur einer Eigenbau-Lösung greifen. Alphacool setzt deshalb Schnellkupplungen ein, die sich einfach aufdrehen lassen und auch zu den Alphacool HF-Schnellverschlüssen kompatibel sind. Auch die GPU-AiO GPX-Pro wird kompatibel sein, sodass die beiden AiOs direkt miteinander verbunden werden können. Generell ist das Limit für die Erweiterbarkeit die maximale Förderhöhe von 0,85 m. Laut Alphacool ist beispielsweise der Betrieb mit einem zusätzlichen Grafikkartenkühler und zwei 240-mm-Radiatoren in einem normalen Midi-Tower problemlos möglich. 

Die beiden schwarz-glänzenden Schläuche werden von Alphacool mit Knickschutzfedern ausgestattet. Dadurch soll ein Abknicken verhindert werden. Auch mit den Knickschutzfedern bleiben die Schläuche noch ausreichend flexibel. 


Alphacool Eisbaer 240

Bei AiO-Kühlungen kommen meist Aluminiumradiatoren zum Einsatz. In Verbindung mit Kupferkühlern kann das zu Korrosion führen. Ein wirkstarker Korrosionsschutz ist bei solchen Kühlungen deshalb unverzichtbar. Alphacool entschärft das Problem bei den Eisbaer-Kühlungen, indem gleich ein Vollkupferradiator eingesetzt wird, bei dem nur die Anschlussgewinde für bessere Langlebigkeit aus Messung gefertigt werden. Unabhängig vom Modell findet immer ein leicht modifizierter NexXxoS ST30 Verwendung. Gegenüber den einzeln erhältlichen Radiatoren fehlen den AiO-Radiatoren nur die zusätzlichen Anschlüsse auf der Kopf- und der gegenüberliegenden Seite. Bei einer Bauhöhe von 3 cm gehören die NexXxoS ST30 im DIY-Bereich zu den schlankesten Radiatoren - das kommt der Kompatibilität zugute. Alphacool lackiert den Radiator nur dünn, damit die Kühlleistung nicht durch eine dicke Lackschicht beeinträchtigt wird. Sieht man schräg auf den Radiator, schimmert er deshalb im Kühlfinnenbereich kupferfarben. Lüfter können auf beiden Seiten des Radiators installiert werden. Unter den Gewinden schützen Bleche die empfindlichen Kühlfinnen vor zu tief eingedrehten Schrauben.

Alphacool Eisbaer 240

Als Lüfter liegen zwei Eiswind - 12 bei, 120-mm-PWM-Lüfter mit einer maximalen Drehzahl von 1.700 U/min. Die minimale Drehzahl liegt mit unserem Testmainboard und dem Testsample bei etwa 850 U/min. Von Alphacool wird sie hingegen mit deutlich niedrigeren 550 U/min angegeben und uns so auch durch Fotos nachgewiesen. Alphacool geht momentan davon aus, dass unterschiedliche Revisionen des PWM-Standards für dieses Problem verantwortlich sind. Die Lüfter entsprechen der aktuellen Revision (1.3 von 2005), die Controller auf vielen Mainboards aber noch der älteren Revision 1.2 von 2004. Unterschiedliche Revisionen können zu Problemen bei der PWM-Steuerung von Lüftern oder auch Pumpen führen.

Alphacool Eisbaer 240

Der Fülllstand der AiO-Kühlung kann über ein Fenster im Deckel der Kühler-Pumpen-Einheit kontrolliert werden. Zur Montage werden die zum jeweiligen Sockel passenden Halterungen einfach an die Kühler-Pumpen-Einheit geclipst. 

Alphacool Eisbaer 240

Rückseitig dient eine einfache Kunststoff-Backplate als Gegenstück. Vier Muttern sind daran beweglich gelagert. Dadurch wird die Montage des Kühlers zu einer kleinen Geschicklichkeitsübung, denn während man auf der einen Seite die Muttern oberhalb der Schraublöcher hält, müssen auf der anderen Seite die Montageschrauben durch die Montageplatte und durch die Mainboard-Schraublöcher in die Muttern geschraubt werden. Die Befestigung des Radiators am Gehäuse ist mit den beiliegenden Schrauben hingegen unkompliziert. 

Alphacool Eisbaer 240

Nach Inbetriebnahme leuchtet das Alphacool-Schriftzug blau auf. Die LED-Beleuchtung strahlt aber auch in den Innenraum der Kühler-Pumpen-Einheit, sodass auch die Kühlflüssigkeit hinter dem Sichtfenster blau beleuchtet wird. 


Mit einem neuen Testsystem soll die typische Wärmeentwicklung eines Gamingsystems noch besser abgebildet werden. Der Octa-Core-Xeon weicht Intels Core i7-4790K, einem beliebten Prozessor für leistungsstarke Spielerechner. Bei Bedarf kann die Radeon HD 7970 von Gigabyte die Abwärme einer performanten Grafikkarte abgeben. Untergebracht wird das Testsystem in NZXTs H630. Der Full-Tower bietet mehr als genug Platz für die höchsten Prozessorkühler und ermöglicht uns auch, größere AiO-Wasserkühlungen zu testen. Das schallgedämmte H630 wurde nicht kompromisslos auf Kühlleistung hin optimiert, sondern soll eher einen ausgewogenen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke bieten. Mit dieser Auslegung ähnelt es beispielsweise den beliebten Define-Modellen von Fractal Design.

Hier das neue Testsystem in der Übersicht:

Testsystem
Prozessor Intel Core i7-4790K (4,2 GHz)
Mainboard ASUS Z97-DELUXE(NFC & WLC)
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance LP 8 GB DDR3-Kit
Grafikkarte Gigabyte GV-R797OC-3GD
Systemlaufwerk OCZ ARC 100 240GB
Netzteil Antec HCP-1300 Platinum
Gehäuse NZXT H630
Wärmeleitpaste Arctic Cooling MX-2
Gehäusebelüftung 1x 200 mm (Front)
1x 140 mm (Rückwand)
Betriebssystem Windows 10 Home

Der 200-mm-Frontlüfter wird für eine vertretbare Lautstärke mit einem Adapter auf 7 Volt heruntergeregelt. Der Rückwandlüfter läuft hingegen auf 12 Volt und damit konstant mit 1.100 U/min. Im Endeffekt wird so für die Gehäuselüfter ein sinnvoller Kompromiss aus ausreichender Kühlleistung und moderater Lautstärke erreicht, die Testbedingungen werden also schlicht möglichst realistisch gestaltet. Ein zu intensiver Einfluss der Gehäuselüfter wird genauso ausgeschlossen wie ein Hitzestau im Gehäuse.   

Die Lautstärkemessung wird mithilfe eines VOLTCRAFT SL-400 Schallpegel-Messgerätes in 20 cm Abstand zur linken Gehäuseseitenwand vorgenommen. Das schallgedämmte Gehäuse ist dabei geschlossen. Des Weiteren wurde die Raumtemperatur auf 20 °C normiert und die aktuelle Abweichung dazu wird mit einem VOLTCRAFT IR 800-200 Infrarot-Thermometer gemessen. Mit Beginn des Stresstests starten wir auch die Zeitmessung, insgesamt 30 Minuten Prime95 muss jeder Kühler pro Testlauf über sich ergehen lassen. Konkret wird der intensive Small FTT-Test gestartet. Protokolliert werden die Temperaturen über den gesamten Zeitraum mit der Log-Funktion des Tools CoreTemp, wobei das arithmetische Mittel der maximal erreichten Temperatur in unsere Diagramme übernommen wird (abzüglich einer eventuellen Differenz zur normierten Raumtemperatur. Als Wärmeleitpaste kommt Arctics Evergreen MX-2 zum Einsatz. Wir verteilen sie gleichmäßig mit einem WLP-Spachtel auf dem Heatspreader. 

Folgende Tools kamen bei den Messungen zum Einsatz:

Die verwendete Software:

Die Testszenarien im Überblick:

In Folge der Messungen werden alle errechneten Temperaturwerte grafisch in Celsius aufgetragen und analysiert.



Lautstärke in dB(A)

1000 U/min

db(A)
Weniger ist besser
 

Lautstärke in dB(A)

Maximale Drehzahl

db(A)
Weniger ist besser
 

Die Messwerte signalisieren, dass die Eisbaer 240 zumindest unter den AiO-Kühlungen zu den leiseren Modellen gehört. Auf 1.000 U/min ist sie nur dezent hörbar. Auf maximaler Drehzahl steigt die Lautstärke zwar deutlich, für eine AiO-Kühlung aber nicht unverhältnismäßig an. Auch wenn die meisten Luftkühler auf voller Drehzahl etwas leiser bleiben. Sieht man etwas differenzierter auf die Lärmquellen der Eisbaer 240, zeigt sich ein etwas ungewöhnliches Bild. Die akustische Schwachstelle vieler AiO-Kühlungen ist die Pumpe. Alphacool hat aber offensichtlich besonderes Augenmerk auf eine laufruhige und entkoppelte Pumpe gelegt, zumindest ist die DC-LT Ultra low noise Ceramic bei geschlossenem Gehäuse kaum wahrnehmbar und wird schnell von Lüftern übertönt. Das gilt erst recht für die mitgelieferten Radiatorenlüfter, die auch bei reduzierter Drehzahl noch dezente, aber hörbare Nebengeräusche von sich geben.


Im nächsten Testszenario begutachten wir die Leistung des Kühlers mit dem Serienlüfter bzw. den Serienlüftern bei jeweils 1.000 Umdrehungen pro Minute und bei maximaler Drehzahl. 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter, 1000 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Temperatur in Grad Celsius

Serienlüfter, maximale Drehzahl

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Zuletzt haben wir mit der Arctic Liquid Freezer 240 eine AiO-Kühlung getestet, bei der gleich vier Lüfter in einer Push-Pull-Konfiguration arbeiten. Die Eisbaer 240 braucht für die absolut vergleichbare Kühlleistung nur zwei Lüfter. Sie setzt sich damit vor sämtliche Luftkühler im Testfeld. Wie auch bei den anderen einbezogenen AiO-Kühlungen haben wir für die Kühlleistungstests die Abdeckung des NZXT H630 entfernt. Der schallgedämmte Deckel reduziert sonst die Kühlleistung von AiO-Kühlungen unverhältnismäßig stark. Die Lautstärkemessungen wurden hingegen für bessere Vergleichbarkeit mit geschlossenem Deckel durchgeführt. 


Um die rohe Kühlleistung der Probanden fair vergleichen zu können, haben wir alle Kühler mit denselben Referenzlüftern bestückt. Als Referenzlüfter kommen die leistungsstarken Noctua NF-A15 PWM mit 105-mm-Lochabstand und bis zu 1.200 Umdrehungen pro Minute zum Einsatz. Falls diese keinen Platz am Kühlkörper finden, greifen wir auf die kleineren Noctua NF-F12 mit 120 mm und bis zu 1.500 Umdrehungen pro Minute zurück. Bei Kühlern und Radiatoren mit Platz für echte 140-mm-Lüfter mit 140-mm-Bohrungen können wir die NF-A14 PWM einsetzen.

Weil der Radiator der Eisbaer 240 auf 120-mm-Lüfter ausgelegt ist, haben wir für die Referenzmessungen zwei Noctua NF-F12 installiert: 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter, 600 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Temperatur in Grad Celsius

Referenzlüfter, 1000 U/min

Grad Celsius
Weniger ist besser
 

Auf 1.000 U/min messen wir eine um 1 Kelvin höhere Temperatur als mit den Serienlüftern. Die Noctua-Lüfter lassen aber auch eine Nutzung im Drehzahlkeller zu. Bei 600 U/min fällt die Kühlleistung deutlicher ab als bei den einbezogenen Luftkühlern, in diesem Drehzahlbereich reicht es für die Eisbaer 240 nur noch für einen Platz im guten Mittelfeld. 


Unter eigenem Namen war Alphacool im AiO-Bereich bisher nicht aktiv. Doch als Fertiger hat das Unternehmen wie angesprochen schon Erfahrungen gesammelt. Mit den Eisbaer-Kühlungen kann Alphacool auf diesen Erfahrungen aufbauen und gleichzeitig eigene Vorstellungen umsetzen. 

Wo Alphacool nachjustiert hat, wird besonders im Vergleich mit den Cooler Master Eisberg-Kühlungen deutlich, die ebenfalls von Alphacool gefertigt werden und den Eisbaer-Kühlungen nicht nur beim Namen ähneln. Beim Radiator und der äußeren Gestaltung der Kühler-Pumpen-Einheit scheint es kaum Unterschiede zu geben. Alphacool hat aber die Schnellkupplung für einfache Erweiterbarkeit hinzugefügt, vor allem aber Hand an die Pumpe angelegt. In der Eisbaer 240 arbeitet die Pumpe 1.000 U/min langsamer und soll zudem auch vibrationsoptimiert gestaltet worden sein. Im Endeffekt kann Alphacool den wohl größten Kritikpunkt an den Eisberg-Kühlungen ausmerzen - die Pumpe der Eisbaer 240 bleibt immer angenehm leise. Eine Reduzierung der Betriebsspannung auf 7 Volt ist noch zusätzlich möglich, hat aber wenig Effekt. Dass die AiO-Kühlung insgesamt nicht besonders leise wirkt, ist den Lüftern zuzuschreiben. Auch bei moderater Umdrehungszahl sind Nebengeräusche hörbar, die das Pumpengeräusch übertönen. Ein Wechsel auf laufruhige Lüfter wie unsere Noctua-Referenzlüfter sorgt noch einmal für eine deutliche Verbesserung. Dass es scheinbar in Kombination mit älteren PWM-Controllern Regelprobleme geben kann, lässt sich Alphacool nicht anlasten.   

Dafür stimmt die Kühlleistung ab Werk - die Eisbaer 240 schafft in unserem Testsystem mit zwei Lüftern, was Arctic bei der Liquid Freezer 240 mit vier Lüfter in Push-Pull-Konfiguration geschafft hat. Dazu kommt die gute Kompatibilität der Eisbaer 240, die zum einen auch auf oft vernachlässigte Server-Sockel passt, zum anderen aber nicht viel Platz für Radiator und Lüfter benötigt. Die Montage kann zu einem kleinen Geduldsspiel werden, wird prinzipiell aber nachvollziehbar gelöst und erklärt. Auch sonst ist die Handhabung der vorgefüllten Kühlung erst einmal kaum komplizierter als bei einer geschlossenen AiO-Kühlung. Sicher sollte man in größeren Abständen den Füllstand kontrollieren, dank des Kontrollfensters in der Kühler-Pumpen-Einheit ist das aber schnell und problemlos möglich - und auf der Haben-Seite steht dafür ja die Erweiterbarkeit der AiO-Kühlung. Anders als bei einer geschlossenen AiO-Kühlung kann die Eisbaer-Kühlung um weitere Kühler oder Radiatoren ergänzt werden - und das sogar per Schnellkupplung.

Alphacool Eisbaer 240

Durch die Erweiterbarkeit unterscheidet sich die Eisbaer 240 deutlich von normalen, geschlossenen AiO-Kühlungen. Dabei bleibt der Aufpreis mit rund 115 Euro für das 240-mm-Modell noch im Rahmen. Das ist nicht selbstverständlich: EK bietet beispielsweise als Spezialist für DIY-Wasserkühlungen mit der Predator AIO-Reihe erweiterbare Premium-AiO-Kühlungen zu ganz anderen Preisen an. Die EK Water Blocks EK-XLC Predator 240 kostet so über 220 Euro. Im Vergleich zur Lepa EXllusion 240 punktet die Eisbaer 240 mit wertigerem Aufbau, höherer Kühlleistung und der konsequenteren Auslegung auf Erweiterbarkeit. Solange die AiO-Kühlung nicht erweitert werden soll, bietet sich schließlich als ähnlich leistungsstarke, aber 45 Euro günstigere Alternative die angesprochene Liquid Freezer 240 an. 

Alphacool gelingt mit der Eisbaer 240 ein bemerkenswerter Spagat. Die Kühlung ist nutzerfreundlich wie eine geschlossene AiO-Kühlung und auch nicht wirklich teurer. Gleichzeitig besteht sie weitgehend aus Komponenten, die Alphacool sonst DIY-Kunden anbietet und ist auch ähnlich erweiterbar wie eine Eigenbau-Kühlung. Weil dann auch noch die Kühlleistung stimmt, zeichnen wir die Eisbaer 240 mit unserem Excellent-Hardware-Award aus.  

Alphacool Eisbaer 240

Positive Aspekte der Alphacool Eisbaer 240:

Negative Aspekte der Alphacool Eisbaer 240: