Seite 20: Fazit

Die Radeon RX 470 soll das Angebot bei den Mittelklasse-Grafikkarten bei AMD nach unten hin abrunden. Dazu reduziert AMD die Anzahl der Compute Units und damit Shadereinheiten und dreht auch den Takt etwas zurück. Heraus kommt eine Karte, die 10 bis 15 % langsamer ist, als eine Radeon RX 480 mit 4 GB Grafikspeicher. Gerade in höheren Auflösungen und Qualitätseinstellungen zieht die Radeon RX 480 mit 8 GB Grafikspeicher deutlich weiter davon. Im Vergleich zur Vorgänger-Generation positioniert sich die Radeon RX 470 zwischen der Radeon R9 380X und R9 390.

Einen aktuellen Gegenspieler aus dem Hause NVIDIA gibt es derzeit nicht. Die GeForce GTX 1060 ist gegen die Radeon RX 480 positioniert und noch am ehesten kann sich die Radeon RX 470 mit der GeForce GTX 780 oder 780 Ti vergleichen lassen. Wir sind daher gespannt, ob NVIDIA eine GeForce GTX 1050 auf den Markt bringen wird, um gegen die Radeon RX 470 anzutreten.

Das Modell von Sapphire verzichtet auf das Abschalten des Lüfters. Dies ist einer der Kritikpunkte an der Kühlung der Radeon RX 470. Ein zweiter ist die recht hohe GPU-Temperatur unter Last, die sogar dafür sorgt, dass die Karte ihren Takt drosselt. Dies hätten wir an dieser Stelle nicht erwartet. Durch ein Anheben des Temperatur-Limits arbeitet die Karte aber mit der vollen Taktrate. Hinsichtlich der Lautstärke gibt es, bis auf das nicht vorhandene Abschalten des Lüfters im Idle-Betrieb, wenig auszusetzen. Auch beim Verbrauch haben wir keinerlei Beanstandungen zu machen.

Nach den Leistungswerten zu urteilen sind Spieler, der aktuelle Titel in 1080p spielen wollen mit der Radeon RX 470 nicht ganz schlecht aufgehoben. Natürlich können nicht die höchsten Einstellungen gefahren werden und auch die 4 GB Grafikspeicher werden früher oder später zum Flaschenhals – dies tut der Leistung der Radeon RX 470 aber keinerlei Abbruch.

Die Sapphire Radeon RX 470 darf sich gerne als Referenzversion der Radeon RX 470 bezeichnen, denn im Grunde genommen ist sie dies durch die Kühlung auch. Die Übertaktung von 10 MHz lassen wir dabei einmal unter den Tisch fallen. Wir haben hier den Prototypen der Radeon RX 470 vor uns, der in einigen Bereichen sicherlich noch durch andere Varianten von Sapphire und auch durch andere Hersteller angepasst wird. Bei der Übertaktung wird sich noch etwas tun und auch die Kühlung kann noch deutlich verbessert werden.

225 Euro möchte Sapphire für die Radeon RX 470. Damit ist die Karte 25 Euro günstiger als eine Radeon RX 480 mit 4 GB Grafikspeicher, während es 50-60 Euro gegenüber der 8-GB-Variante sind. Beim erwähnten Leistungsunterschied rechtfertigt dies den Preis von 225 Euro für eine solche günstige Variante der Radeon RX 470. Preislich ist gerade an der Einstiegsvariante nichts auszusetzen. Sapphire hat uns auch schon die Preise der weiteren Varianten verraten. Die Sapphire Radeon RX 470 Nitro+ mit 4 GB Grafikspeicher soll 239 Euro kosten. Es wird auch eine Nitro+-Variante mit 4 und 8 GB Grafikspeicher geben. Der Preis ist hier allerdings noch nicht bekannt.

Positive Aspekte der Sapphire Radeon RX 470:

  • ausreichend schnell für 1080p
  • DisplayPort 1.3/1.4
  • HDMI 2.0b
  • sparsam und leise unter Last

Negative Aspekte der Sapphire Radeon RX 470:

  • kein Abschalten der Lüfter im Idle-Betrieb
  • nur 4 GB Grafikspeicher

Persönliche Meinung

Derzeit scheinen sich die Produkte bei AMD und NVIDIA auseinander zu entwickeln. Natürlich hat NVIDIA gerade erst die GeForce GTX 1060 vorgestellt und natürlich ist die Ausrichtung der Produkte derzeit höchst unterschiedlich, dennoch aber werden die unterschiedlichen Wege beider Unternehmen umso deutlicher. Mit der Radeon RX 470 setzt sich AMD einen Schritt unter die Radeon RX 480 – sowie von der Leistung wie auch preislich stimmt diese Ausrichtung. Wie viele Käufer AMD für eine solche Karte findet, wird sich zeigen müssen. Das Potenzial ist vorhanden, denn von den Stückzahlen sollte sich eine Karte für 225 Euro besser abzusetzen sein, als eine solche für 400-500 Euro. Die logischere, weil vernünftigere Karte ist die Radeon RX 470 allemal. Hoffentlich kann diese auch als finanzielle Grundlage für AMD dienen. (Andreas Schilling)