NVIDIA GeForce 9800 GTX

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Als zunächst schnellstes Modell der GeForce-9-Serie stellt NVIDIA heute die GeForce 9800 GTX vor. Zusammen mit der GeForce 9600 GT, welche das Mittelklassesegment abdeckt, und der GeForce 9800 GX2 für den High-End-Markt, baut sich NVIDIA hier wieder eine umfangreiche Produktpalette auf. Allerdings dürfte die GeForce 9800 GTX nicht das letzte Modell der GeForce-9-Serie sein. Nun nutzt NVIDIA den G92-Chip auch auf der GeForce 9800 GTX - man beschneidet ihn also für die älteren und kleineren Karten bei Taktfrequenzen und Shaderanzahl und liefert ihn in voller Ausstattung bei der 9800 GTX und GX2. Eine neue Technik liegt dem Chip nicht zugrunde, deshalb sind die Unterschiedlichkeiten schnell geklärt. Aber NVIDIA muss derzeit lediglich auf die einzige Konkurrenz aus dem Hause AMD reagieren, was den Mangel an echten Neuerungen schnell erklärt. Dennoch wollen wir einen Blick auf das neue Modell werfen und sind gespannt, wie die GeForce 9800 GTX sich gegen die Konkurrenz bestehend aus ATI Radeon HD 3870 X2 und aus eigenem Hause, namentlich die GeForce 9800 GX2, schlägt.

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Beginnen wir mit einem Vergleich der technischen Daten:

Der Takt der GPU wurde gegenüber der GeForce 9800 GX2 um 75 MHz angehoben. Damit ist der Chip nur 25 MHz schneller als auf einer GeForce 8800 GTS. Die kleinere Fertigung und die veränderte Architektur erlauben einen um 100 MHz schnelleren Takt als beim direkten Vorgänger, der GeForce 8800 GTX mit G80-Chip.

Beim Speicher setzt NVIDIA auch bei seiner neuesten Karte auf GDDR3. Damit ist die ATI Radeon HD 3870 die bisher einzige Karte im Markt, welche vom Hersteller direkt mit GDDR4 ausgeliefert wird. Wir hatten gehofft, dass NVIDIA diesen Schritt mit der GeForce 9800 GTX machen würde, offenbar scheint dies aber nicht nötig zu sein. Die noch immer hohen Preise von GDDR4 spielen mit Sicherheit auch eine Rolle. Der mit 0,8 ns spezifizierte Speicher arbeitet mit einem Takt von 1100 MHz, 100 MHz schneller als bei der GeForce 9800 GX2, 125 MHz schneller als beim nächsten Verwandten, der GeForce 8800 GTS und 200 MHz schneller als bei der ATI Radeon HD 3870 X2 und GeForce 8800 GTX.

Auch was die Shader-Prozessoren angeht hat NVIDIA nochmal an der Taktschraube gedreht. Mit 1688 MHz sehen wir hier den in diesem Bereich schnellsten G92-Chip.

Alles in allem hat sich am eigentlichen G92, wie er auf der GeForce 9800 GX2 und 8800 GTS zum Einsatz kommt, nichts geändert, einzig die Taktraten wurden teils deutlich angehoben. Größter Unterschied zur GeForce 8800 GTX ist das nur 256 Bit breite Speicherinterface, welches dort 384 Bit breit ist und damit trotz niedrigerem Takt eine deutlich höhere Bandbreite erlaubt. Allerdings konnte die GeForce 8800 GTX auch auf 768-MB Grafikspeicher zurückgreifen, während der GeForce 9800 GTX nur 512 MB zur Verfügung stehen.

GeForce 9800 GX2 (oben) und GeForce 9800 GTX (unten) im Größenvergleich:

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Auf den ersten Blickt wirkt die GeForce 9800 GTX deutlich kleiner als eine ATI Radeon HD 3870 X2 oder GeForce 9800 GX2, im direkten Vergleich aber werden die Ausmaße wieder zurechtgerückt.
Betrachten wir NVIDIAs neues Single-GPU-High-End-Modell einmal von außen.

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Die Slotblende erinnert an eine GeForce 8800 GTX. Zweimal DVI und ein TV-Out schmücken diese, nebst einer großen Öffnung zum Abtransport der erzeugen Wärme. Leider setzt NVIDIA im Referenzdesign wieder nur auf einen TV-Out. Bei der GeForce 9800 GX2 entschied NVIDIA sich für einen HDMI-Ausgang. Zwar ist dieser auch mit einem DVI-HDMI-Adapter realisierbar, schöner wäre aber eine native HDMI-Lösung gewesen.

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Direkt oberhalb der Slotblende befinden sich die zwei SLI-Anschlüsse. Diese konnten zuletzt bei der GeForce 8800 GTX und Ultra bewundert werden und erlauben den Betrieb dieser Karten in einem 3-Way-SLI-System. Mit der GeForce 9800 GTX ist der Performance-Enthusiast nun nicht mehr auf die alten G80-GPUs angewiesen, sondern kann mit der GeForce 9800 GTX und deren G92 auch die Vorteile selbiger Karten ausnutzen.

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Was die Stromversorgung anbelangt, zeigt sich die GeForce 9800 GTX etwas genügsamer als die GeForce 9800 GX2. Zwei 6-Pin PCI-Express-Anschlüsse müssen für einen reibungslosen Betrieb bestückt werden. Auf diesem Bild leider schlecht zu erkennen, ist der SPDIF-Anschluss über dem GeForce Schriftzug auf der linken Seite.
Bei der Kühlung setzt NVIDIA wieder auf einen Radiallüfter, der aber anders als bei der GeForce 9800 GX2 nicht in einem Metallgehäuse arbeitet. Die große Abdeckung der GeForce 9800 GTX besteht aus Plastik - somit fasst sich diese Karte natürlich nicht ganz so hochwertig an, wie das High-End-Modell mit den zwei GPUs. Vom Kühlprinzip aber hat sich nichts geändert. Die Luft wird am hinteren Ende der Karte durch den Radiallüfter angesaugt und nach vorne zur Slotblende gedrückt. Hier kann sie dann durch die eben erwähnte Öffnung nach außen, aus dem PC-Gehäuse geblasen werden. Auf der GPU selbst sitzt ein massiver Kupferblock, der die Wärme wiederum mittels einer Heatpipe in einen großflächigen Aluminiumkühler abgibt.

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NVDIDIAs GeForce 9800 GTX einmal nackt. Gegenüber einer zerlegten ATI Radeon HD 3870 X2 oder GeForce 9800 GX2 wirkt die GeForce 9800 GTX schon fast wieder unspektakulär.

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Um gleiche oder möglichst ähnliche Signallaufzeiten zu erzielen, sitzen die Speicherbausteine nahezu kreisförmig um die GPU. Bei dem verwendeten Grafikchip handelt es sich um einen G92 in der Ausbaustufe 420-A2.

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Auch die Rückseite zeigte wenig Spektakuläres. Alle wichtigen Elemente hat NVIDIA auf der Vorderseite verbaut. So ist keine Kühlung auf der Rückseite durch eine massive Metallplatte oder Ähnliches erforderlich.

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Hier noch einmal die beiden SLI-Anschlüsse, welche nötig sind um die Karte in einem 3-Way-SLI-System zu betreiben.
Beginnen wir mir den ersten Messungen. Das Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:

  • Intel Core 2 Duo Extreme X6800
  • EVGA nForce 680i SLI 775 Black Pearl
  • 2x 2048 MB CellShock DDR2-800 CL4
  • Samsung SP2504C
  • Windows Vista Ultimate 32 Bit
  • NVIDIA ForceWare 174.74

    Die Lautstärkemessungen:

    Sowohl im Idle-Betrieb, als auch unter Last, ist die 9800 GX2 leiser als die günstigere 9800 GTX. Zu erklären ist dies in erster Linie durch das Fehlen des Metallgehäuses der GeForce 9800 GX2. Allerdings ist NVIDIAs jüngste Karte merklich leiser, als ihr direktes Vorgängermodell, die 8800 GTX.

    Der Stromverbrauch:

    Das Ergebnis unserer Stromverbrauchsmessungen ist wenig überraschend. Aufgrund ihres kleineren Fertigungsprozesses verbraucht die Karte unter Last weniger als die 8800 GTX - dass die 9800 GTX auch sparsamer ist, als unsere beiden Multi-GPU-Modelle, sollte indes niemanden überraschen.


    Anhand einiger Benchmarks wollen wir die Performance der Karte visualisieren. Weitere Benchmarks und einen ausführlichen Test finden sich im nächsten Heft der Hardwareluxx [printed] (Ausgabe 04/2008), welche am 28.04. im Kiosk zu haben ist.

    In allen drei Messungen lässt die GeForce 9800 GTX ihren Vorgänger hinter sich und positioniert sich in direkter Nachbarschaft zur Radeon HD 3870 X2. Noch einmal merklich schneller ist die GeForce 9800 GX2. Aufgrund des Speicherinterfaces fällt die Karte bei hohen Auflösungen mit Antialiasing etwas zurück, ist dafür bei niedrigeren Auflösungen ohne Antialiasing deutlich schneller.


    Wer mit der GeForce-9-Serie die große Revolution erwartet hat, wird enttäuscht. NVIDIA schnappt sich, wie bereits bei der GeForce 9800 GX2, den bereits bekannten G92-Chip und taktet diesen samt der Shader-Prozessoren einfach höher. Auch beim Speicher wird einfach eine Schippe oben drauf gesetzt. Der auf der 8800 GTS eingesetzte G92 ist nun also plötzlich die 9800 GTX. Verwirrung en Masse ist angesagt, denn eine XFX GeForce 8800 GTS XXX ist beispielsweise mit 678 MHz Chiptakt, 1625 MHz Shadertakt und 986 MHz Speichertakt fast ebenso potent getaktet - kostet aber 50 Euro weniger. Die EVGA GeForce 8800 GTS KO besitzt 700 MHz Chiptakt, 1730 MHz Shadertakt und 990 MHz Speichertakt. Ist sie also als GeForce 8800 GTS trotz 30 Euro geringeren Preises sogar schneller als die 9800 GTX?

    Letztendlich hat NVIDIA gegen die ATI Radeon HD 3870 X2 zwei Gegenspieler: Im 300-Euro-Segment ist nun die GeForce 9800 GTX zu finden, die an die Performance der X2 herankommt und sie in einigen Bereichen auch überholen kann. Wer mehr Leistung benötigt, muss zur Dual-GPU-Karte GeForce 9800 GX2 greifen. Diese Karte kostet deutlich mehr und hat auch keinen direkten ATI-Gegenspieler.

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    Nicht immer ist die reine Leistung entscheidend - die GeForce 9800 GX2 liegt derzeit bei etwa 470 Euro, während die 9800 GTX bei 250 bis 300 Euro angesiedelt ist. Im Preisbereich ab 300 Euro ist auch die Radeon HD 3870 X2 zu finden. Es lässt sich also je nach Geschmack die eine oder andere Karte auswählen - die Performance ist ungefähr dieselbe. NVIDIA kann nur im Bereich des Stromverbrauches punkten. Aber warum eine 9800 GTX für 250 bis 300 Euro kaufen, wenn es übertaktete GeForce 8800 GTS für knapp 200 bis 230 Euro gibt?

    Mit der GeForce 9800 GTX umgeht der Anwender auch das Problem, dass ausnahmslos alle Multi-GPU-Grafikkarten sehr stark abhängig vom Treiber sind. Befindet sich kein Profil entsprechend der gewählten Anwendung im Treiber, skaliert die Karte nur sehr schlecht. Für nur wenige Anwender dürfte die Unterstützung von 3-Way-SLI interessant sein. Besonders interessant dürfte ein Vergleich zwischen Quad-SLI (bestehend aus zweimal GeForce 9800 GX2), CrossFireX (bestehend aus zweimal ATI Radeon HD 3870 X2) und 3-Way-SLI (bestehend aus dreimal GeForce 9800 GTX) werden. An einem derartigen Test wird schon gearbeitet.

    Positive Punkte der NVIDIA GeForce 9800 GTX:

    • Sehr leiser Lüfter im Idle-Betrieb
    • Sehr gute Performance
    • Abluft wird nach Außen transportiert

    Negative Punkte der NVIDIA GeForce 9800 GTX:

    • Unter Volllast dreht der Lüfter sehr stark hoch und wird recht laut
    • Lüftergehäuse aus Plastik

    Mehr zur NVIDIA GeForce 9800 GTX lesen sie in der kommenden Hardwareluxx [Printed] 04/2008.

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