NVIDIA GeForce 8800 GT

Veröffentlicht am: von

So langsam aber sicher hat das Direct3D-10-Zeitalter begonnen. Kurz vor Einführung der ersten angekündigten Karten mit D3D 10.1 wird das auch langsam Zeit. Der Einstieg in die Welt von Shader Model 4.0 ist im unteren Mid-Range-Segment bereits für weniger als 100 Euro möglich. Allerdings geht es gerade in der schönen neuen Welt besonders um die aufgebohrte Optik, die weder durch geringe Auflösungen, niedrige Frameraten, noch schwaches Postprocessing in Form von Antialiasing oder anisotroper Filterung getrübt werden soll. All dies bieten erst Modelle der Oberklasse. Bei NVIDIA heißt dieser Kandidat bisher mindestens GeForce 8800 GTS und wandert derzeit für rund 300 Euro über die Ladentheke.

Preislich ist das zu viel für die breite Masse der Spieler, von denen aber wenige auf tolle Optik und ansprechende Frameraten verzichten wollen. Denn es locken Titel wie Crysis, Hellgate London, World in Conflict, Lost Planet oder Assassin's Creed. Aus diesem Grund - und der neu erwachsenen Preis-/Leistungskonkurrenz aus dem Hause AMD namens Radeon 2900 PRO- schickt NVIDIA seit dem 29.10 die GeForce 8800 GT ins Rennen. Mit einem moderaten Preis und trotzdem guter Leistung soll D3D10 nun in deutlich mehr Heimrechnern Einzug halten. Zudem wird gemunkelt, dass AMD mit der 3800-Serie wieder in das Preis-/Leistungssegment drängen wird. Ein weiterer Grund für NVIDIA, hier vorzubauen.

Wie aus der unten stehenden Tabelle zu entnehmen ist, kostet die GeForce 8800 GT teils deutlich weniger als die GeForce 8800 GTS, besitzt aber mehr Shader Einheiten, die auch noch über einen höheren Takt verfügen. Allerdings kann die 8800 GTS in Sachen Framebuffer punkten. Zumindest die 640 MB Version besitzt deutlich mehr Speicher, der auch noch mit 320 Bit angebunden ist. Bei der 8800 GT beträgt die Breite des Speicherinterfaces 256 Bit. Die Zahlen und Fakten sprechen dafür, dass die 8800 GT auf niedrigen Auflösungen und mit gemäßigtem Einsatz von Bildverbesserern mit der teureren GTS mithalten kann. Wir haben eine GeForce 8800 GT von Zotac unter die Lupe genommen. Das amp!-Modell weist zum Teil deutlich erhöhte Taktraten auf (siehe Tabelle). Für die Tests der "Ur-8800GT" wurden die Taktraten dementsprechend angepasst.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Technische Daten der GeForce 8800GT und dem Umfeld: 

            

Die Karte wird komplett von einem Kühlblech bedeckt dessen Bauhöhe einen Slot nicht überschreitet. Dieses soll für eine bessere thermische Ableitung sorgen und die Optik verbessern. Die beiden DVI-Ports unterstützen den HDCP-Handshake und sind natürlich Dual-Link-fähig. Die Stromversorgung wird über einen 6-Pin-PCI-Express-Anschluss gewährleistet. Natürlich bietet die Karte Pins für eine SLI-Bridge. Das Design ist wenig spektakulär, wobei NVIDIA in einer Pressekonferenz verlauten ließ, dass einige Partnerhersteller bereits an Zwei-Slot-Kühlungen und weiteren Designs arbeiten. So sollen von Gainward und Sparkle demnächst auch passive Karten auf den Markt kommen.





    

Die G92-GPU wird in 65-nm-Bauweise gefertig und besitzt 754 Millionen Transistoren, gut 70 Millionen mehr als die G80-GPU der GeForce 8800 GTX. Dies liegt vor allem an der integrierten PureVideo-Technologie, dem HDMI-Support, dem PCI-Express-2.0-Interface und einem Bereich, der für Video-Input- und -Output-Funktionen verantwortlich ist. Dieser ist bei der G80 auf einen Zusatzchip ausgelagert. NVIDIA spricht vom G92 als dem derzeit komplexesten erhätlichen Grafikprozessor im Endkundensegment. Die Architektur wird hauptsächlich durch 112 Shader-Prozessoren geprägt, die in sieben Gruppen zu je 16 Stück organisiert sind. Zum Vergleich besitzt die GeForce 8800 GTS 96 Shader-Prozessoren, die mit 1200 MHz getaktet sind.

Jeder der mit 1,5 GHz getakteten Shader ist natürlich universell für Vertex-, Pixel- oder Geometrieoperationen ausgelegt.

Pro 7er-Shaderblock arbeiten je 8 Textureinheiten (56), die pro Taktzyklus wie bei der GeForce 8800 GTX eine Adressierung und Filteroperation durchführen können. Weiterhin verfügt der Chip über 16 ROPS. NVIDIA gibt an, die Leistung der ROPs durch verbesserte Datenkomprimierung erhöht zu haben. Die GeForce 8800 GT ist die erste NVIDIA Consumerkarte, deren Interface auf den PCI-Express-2.0-Spezifikationen beruht. Dies erhöht die theoretische, maximale Datentransferrate auf 16 GB/s (8 GB/s Duplex). Das Speicherinterface ist auf eine Breite von 256 Bit beschränkt.

Die GPU verfügt - im Gegensatz zu den bisherigen High-End-Modellen 8800 GTX und 8800 GTS - über eine integrierte Videobeschleunigung für HD-Material (Blu-Ray, sowie HD-DVD). Die VP2 (VP steht simpel für Video-Processor) Einheit soll deutlich effektiver arbeiten, als in der vorhergehenden Generation. Darüber hinaus wirbt NVIDIA speziell mit der Möglichkeit, HD-Filme auf 30 Zoll Monitoren formatfüllend abbilden zu können.


     


Ein Blick auf den Stromverbrauch zeigt die Auswirkungen der Architekturschrumpfung. Die 65-nm-Bauweise macht die G92-GPU sparsamer als der in 90 nm gefertigte G80-Prozessor der 8800 GTX und das bei teilweise besserer Performance.

Stromverbrauch Idle-Betrieb (Gesamt-Testsystem)

Stromverbrauch Last-Betrieb (Gesamt-Testsystem)

Die GeForce 8800 GT ist ein wahrer Flüsterknabe. Im Idle-Betrieb ist unser Testsystem zwar nicht das aller leiseste, aber wirklich heraushören kann man die Grafikkarte nicht. Besonders interessant ist, dass der Lüfter unter Last nicht deutlich lauter wird. Erste Teststmples hatten noch einen Fehler in der Lüftersteuerung, der verhinderte, dass der Lüfter im 3D-Betrieb auf 29% seiner maximalen Drehzahl verblieb. Die hier getestete Karte hatte diesen Fehler allerdings nicht mehr.

Mit diesem relativ Lautstärke-armen Lüfter kann die GPU auf 60°C idle- bzw. 88°C Last-Temperatur gekühlt werden. Die übertaktete Zotac wird nur unwesentlich wärmer und erreicht 60°C bzw. 90°C.

Schalldruckpegel Idle-Betrieb

Schalldruckpegel Last-Betrieb


Mit der GeForce 8800 GT stellt NVIDIA einen neuen Antialiasing-Modus vor. Das Transparency-Antialiasing ist zwar bereits seit der GeForce-7-Serie bekannt, war dort allerdings in Form von TRSS (Transparency Supersampling) oder TRMS (Transparency Multispampling) entweder sehr performancefressend (TRSS) oder nur in optimierten Anwendungen eine wirkliche Verbesserung (TRMS). NVIDIA verspricht nun, diesen Misstand mit einem verbesserten Algorithmus aufzuheben. Der Performanceverlust gegenüber normalen Antialiasing soll nur wenige Prozentpunkte betragen, dafür aber die Bildqualität deutlich aufbohren. Die Unterstützung enthalten alle Treiber ab Versionsnummer 167. Das Feature ist erfreulicherweise für alle Karten der 8800-Serie freigeschaltet und nicht exklusiv für die 8800 GT reserviert. Die Diagramme vergleichen die Benchmarkergebnisse von Half-Life 2: Episode 1 mit (dunkelgrau) und ohne (hellgrau)zugeschaltetem TRMS. Der Verlust hält sich wirklich in Grenzen und beträgt maximal knapp 10%.

Die unten gezeigten Screenshots stammen von NVIDIA und sollen die Unterschiede zwischen den AA-Modi verdeutlichen. Wir werden demnächst eigene Qualitätsvergleiche nachreichen.


Die großzügig erhöhten Taktfrequenzen der Zotac-Karte lassen bereits auf eine gute Übertaktbarkeit schließen. Die 600 MHz Kern- und 1500 MHz Speichertakt sind laut NVIDIA ohnehin sehr konservativ gewählt. In unseren Tests ließ sich die Karte unter der Standardkühlung auf 725 MHz Kern- und knapp 1730 MHz Shadertakt übertakten. Der Speicher tolerierte keine weiteren Taktsteigerungen. Mit diesen Werten erreichte die Karte einen 3DMark-06-Score von 11735 Punkten.

3DMark06-Testresultate

3dmark

Wirklich stark was die G92-GPU hier leistet. Mit satten 10840 Punkten spielt sie in einer Liga mit der G80 und dem R600. Die übertaktete Zotac-Karte kann dem ganzen noch das i-Tüpfelchen aufsetzen und setzt sich klar an die Front. Für 3DMark-Benchmarkfans ist die neue Karte also auf jeden Fall ein sehr guter Preis-Leistungstipp.  

Das Testsystem

Wie immer verwenden wir einen Core2 Extreme X6800 mit 2,93 GHz für die Benchmarks. Die GeForce 8800 GT haben wir mit aktuellen Treibern getestet, die älteren Karten wurden teilweise noch mit Vorgängerversionen getestet, da die Karten der Redaktion nicht mehr vorliegen. Die GT-Benchmarks wurden durch Heruntertakten der Zotac-Karte auf das von NVIDIA spezifizierte Niveau simuliert.

Die wichtigsten Kennzahlen des Testsystems:


Prey - 1.280 x 1.024 (2k Games)

Prey ersetzt unseren, schon leicht in die Jahre gekommenen Doom 3 und Quake 4 Test. Letzteres ist zwar noch nicht ganz so alt, jedoch basieren beide, inklusive Prey auf der selben Engine. Allerdings holen die Jungs von 2k Games noch einiges aus der Doom 3 Engine heraus. Aufwendige- Shader und Schatteneffekte testen die Hardware auf ihre OpenGL Performance.

Prey - 1.280 x 1.024

Prey - 1.280 x 1.024, 4x AA, 16x AF

Prey - 1.600 x 1.200

Prey - 1.600 x 1.200, 4x AA, 16x AF

Prey - 1.900 x 1.200

Prey - 1.900 x 1.200, 4x AA, 16x AF

Prey - 2.048 x 1.536

Prey - 2.048 x 1.536, 4x AA, 16x AF

Wie zu erwarten schlägt sich die GeForce 8800 GT gerade bei niedrigen Auflösungen ohne bildverbessernde Maßnahmen sehr gut. Die Zotac-Karte schafft hier nicht selten den ersten Platz. Erstaunlich gut schneidet die Karte aber auch mit 4xAA/16xAF ab und platziert sich beispielsweise bei der höchsten von uns getesteten Auflösung von 2048x1536 immer noch auf dem zweiten Platz vor der AMD Radeon HD 2900 XT.

Company of Heroes - 1.280 x 1.024

Company of Heroes - 1.280 x 1.024, 4x AA

Company of Heroes - 1.600 x 1.200

Company of Heroes - 1.600 x 1.200, 4x AA

Company of Heroes - 2.048 x 1.536

Company of Heroes - 2.048 x 1.536, 4x AA

In fast allen Benchmarks liegt die 8800 GT klar in Führung, was auch an dem neuen Treiber liegen kann. Auch hier ist die Karte somit ein Geheimtipp für alle Performancebereiche.    

Company of Heroes - 1.280 x 1.024

Company of Heroes - 1.280 x 1.024, 4x AA

Company of Heroes - 1.600 x 1.200

Company of Heroes - 1.600 x 1.200, 4x AA

Company of Heroes - 2.048 x 1.536

Schaltet man die DirectX-10-Optionen im Spiel hinzu, kann die GeForce 8800 GT sich nicht mehr so klar absetzen und muss sich öfters mit der GTX herumschlagen - immer noch aber ein hervorragendes Ergebnis für diese Mainstreamkarte.    

Die Unreal Tournament 3 Demo unterstützt kein Antialiasing oder anisotrope Filterung in den spielinternen Einstellungen. Daher wurden nur die Standardauflösungen, ohne Bildverbesserer geprüft. Alle Einstellungen sind maximiert.

Unreal Tournament 3 - 1.280 x 1.024

Unreal Tournament 3 - 1.600 x 1.200

Unreal Tournament 3 - 1.900 x 1.200

Unreal Tournament 3 - 2.048 x 1.536

Auch hier liegt die GeForce 8800 GT klar in Führung, auch wenn die Radeon HD 2900 XT hier oftmals aufschließen kann oder die NVIDIA-Karte sogar überholt.    

Half-Life 2: Episode 1 - 1.280 x 1.024

Half-Life 2: Episode 1 - 1.280 x 1.024, 4x AA, 16x AF

Half-Life 2: Episode 1 - 1.600 x 1.200

Half-Life 2: Episode 1 - 1.600 x 1.200, 4x AA, 16x AF

Half-Life 2: Episode 1 - 2.048 x 1.536

Half-Life 2: Episode 1 - 2.048 x 1.536, 4x AA, 16x AF

Zwar ist die GeForce 8800 GT oftmals langsamer als die GTX oder Radeon HD 2900 XT, die übertaktete Zotac-Karte kommt aber oftmals an die Leistung der aktuellen High-End-Modelle heran.    

Ohne Umschweife kann man der NVIDIA GeForce 8800 GT ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis aussprechen. Für derzeit etwa 250 € bekommt man Leistung satt, die meist über dem Niveau einer GeForce 8800 GTS liegt. Besonders in Anwendungen wie dem 3DMark06 kann die Karte sogar die große Schwester Geforce 8800 GTX auf die Plätze verweisen. Auch das vermeintlich schmale Speicherinterface von 256 Bit und limitiert selbst bei hohen Auflösungen häufig nur geringfügig. Die Shaderleistung katapultiert die 8800 GT oft genug an die Spitze der Benchmarktabellen. Soviel Leistung gibts sonst nirgendwo fürs Geld. Die schlechte Verfügbarkeit der Karte ist ein kleines Manko, welches den Preis noch etwas in die Höhe treibt. Wenn die Lieferbarkeit wieder gewährleistet ist, sollte sich der Preis aber bei etwa 200 Euro einpendeln.

Die Leistung ist aber nur ein Aspekt einer Grafikkarte. Sehr gut verhält sich die Karte auch unter dem Leistung-pro-Watt-Gesichtspunkt. Die Karte frisst im Vergleich zu den anderen High-End-Karten im Test sehr wenig Strom, was an der neuen 65-nm-Fertigung liegt. So verbraucht die teilweise gleich schnelle HD 2900 XT fast 70 Watt mehr als die GeForce 8800 GT. Wer einen Gaming-Rechner zusammenbauen will und sich in einem Jahr nicht über eine erhöhte Stromrechnung ärgern möchte, ist bei der GeForce 8800 GT ebenso richtig.

Letztendlich sieht die GeForce 8800 GT deshalb auch im Bereich Kühlung gut aus. Die Ein-Slot-Kühlung bringt die Möglichkeit, die Grafikkarte in einem kleinen, kompakten PC einzusetzen, weiterhin ist die Kühllösung für die generierte Wärme auch vollkommen ausreichend. Die Karte wird aufgrund dessen auch nicht allzu laut im Betrieb, sondern bleibt auf dem für NVIDIA-Karten bekannten guten Niveau.

Positive Punkte NVIDIA GeForce 8800 GT:

Negative Punkte NVIDIA GeForce 8800 GT:

Wir verleihen der GeForce 8800 GT deshalb unseren Preis-Leistungs-Award. Die Zotac-Karte, die noch mit übertakteten Leistungswerten an den Start geht, hat diese Auszeichnung natürlich auch in vollem Umfang verdient.

Weitere Links: