SilverStone Lucid Series LD03-AF im Test: Transparentes Mini-ITX-Gehäuse

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silverstone lucid eries ld03-af logoSilverStone hat das Lucid Series LD03-AF als Mini-ITX-Gehäuse entwickelt, das trotz überschaubarer Maße hohe Tower-Kühler und leistungsstarke Grafikkarten aufnehmen kann. Die Kühlung soll ein vertikaler Luftstrom gewährleisten. Und auch optisch zeigt sich das transparent gestaltete Gehäuse eigenständig. 

SilverStone hat sich schon vor Jahren an Mini-ITX-Gehäuse mit ungewöhnlichem Innenaufbau gewagt - in guter Erinnerung ist beispielsweise das FT03-MINI, das wir 2012 getestet haben. Auch wenn sich das LD03 aus der Lucid Serie äußerlich mit einem ganz anderen Design zeigt, gibt es beim Innenaufbau durchaus Parallelen. Auch im aktuellen Modell wird das Mini-ITX-(bzw. Mini-DTX-)Mainboard mit dem I/O-Panel nach oben gerichtet montiert. Und auf vertikalen Luftstrom und werkzeuglos abnehmbare Seitenelemente setzen ebenfalls beide Modelle. 

Das genutzt Layout hat auch 2020 klare Vorteile. Bei einer Standfläche von nur 265 x 230 mm kann das Lucid Series LD03-AF einen bis zu 19 cm hohen Tower-Kühler und eine bis zu 30,9 cm lange Grafikkarte aufnehmen. Gegenüber dem erwähnten FT03-Mini (im Bild unten rechts zu sehen) erhält man damit deutlich mehr Flexibilität, allerdings auch ein etwas größeres Gehäuse. Optisch unterscheiden sich beide Modelle massiv. Während das FT03-Mini mit seinen Aluminiumseiten edle Eleganz versprüht, wirkt das kantige Design des LD03-AF deutlich aggressiver. Dazu ist es mit gleich drei Glasseitenteilen auch ein Showgehäuse - zumindest für beleuchtete Komponenten. 

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Im Handel wird das transparent gestaltete Lucid Series LD03-AF aktuell für rund 115 Euro angeboten. Die AF-Variante ist bereits eine leicht überarbeitete Variante des ursprünglichen LD03. SilverStone spendiert ihr eine zusätzliche Luftöffnung im Glas für eine bessere Grafikkartenkühlung (deshalb AF - Airflow) und rüstet USB Typ-C nach. Kaufinteressenten sollten deshalb darauf achten, welche Variante sie bestellen. 

Im ausgepackt & angefasst-Video werfen wir einen ersten Blick auf das Gehäuse:

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SilverStone liefert das Gehäuse mit relativ wenig Montagematerial, Kabelbindern, Ersatz-Push-Pins für die Seitenteilmontage, Y-Adapter für die beiden Gehäuselüfter und Garantiehinweisen aus. Eine Anleitung lag unserem Sample nicht bei, wird aber auf der Produktseite zum Download angeboten. 

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: 
Bezeichnung: SilverStone Lucid Series LD03-AF
Material: Stahl, gehärtetes Glas, Kunststoff
Maße: 265 x 414 x 230 mm (B x H x T); 25,2 Liter
Formfaktor: Mini-DTX, Mini-ITX
Laufwerke: 1x 3,5/2,5 Zoll (intern), 1x 2,5 Zoll (intern)
Lüfter: 1x 120 mm (Deckel, 1x 120 mm vorinstalliert), 1x 120 mm (Boden, 1x 120 mm vorinstalliert)
Radiatoren (maximal laut Hersteller): Boden: 1x 120 mm 
CPU-Kühlerhöhe (maximal laut Hersteller): 19 cm
Grafikkartenlänge (maximal laut Hersteller): bis 30,9 cm, Breitenbeschränkung von 16,7 cm
Gewicht: etwa 5,22 kg
Preis: rund 115 Euro

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Es sind vor allem die drei angeschrägten Glasseitenteile, die für die Optik des LD03-AF prägend sind. Sie schließen aneinander an und sorgen dafür, dass der Innenraum von drei Seiten aus sichtbar ist - wenn auch nur schemenhaft. Denn durch das stark getönte Glas fallen noch am ehesten beleuchtete Komponenten auf. Die Glasseiten werden werkzeuglos montiert - das ist nicht nur für die Handhabung praktisch, sondern wirkt auch optisch eleganter als Glasflächen mit sichtbaren Montageschrauben. Bei der AF-Variante ist links im Bild der zusätzliche Lufteinlass im Glas zu sehen. SilverStone hat damit auf Kritik mancher Tester am Standard-LD03 reagiert, die eine eingeschränkte Frischluftzufuhr der Grafikkarte beklagt hatten. Hinter dem Kunststoffgitter sitzt ein Staubfilter. 

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Der Kunststoffdeckel zeigt ein schräg verlaufendes und ziemlich luftiges Geflecht. Das I/O-Panel bietet beim LD03-AF einen USB 3.0-Port, einen USB Typ-C-Port und zwei Audiobuchsen. Davor sitzen die eckige Power- und eine winzige Reset-Taste. Hinter dem I/O-Panel wurde eine abnehmbare Abdeckung integriert. Sie erleichtert das Einstecken des Kaltgerätekabels für das Netzteil. Nach dem Einstecken kann das Kabel nach hinten geführt und die Abdeckung wieder geschlossen werden. 

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Dass das Kaltgerätekabel überhaupt im Deckel angeschlossen wird, hat mit dem Aufbau des Gehäuses zu tun. Denn das Mainboard wird mit den Anschlüssen nach oben ausgerichtet, die Anschlüsse befinden sich entsprechend unter dem Kunststoffdeckel. Das Stromkabel für das Netzteil wird dann gleich ebenfalls unter dem Deckel angeschlossen und intern verlängert. Um den Deckel abzunehmen, werden zwei Kunststofflaschen gedrückt und das Deckel nach hinten gezogen. SilverStone weist darauf mit einem Info-Aufkleber hin. Ein weiterer Aufkleber befindet sich bei Auslieferung auf der Schutzfolie einer Glasfläche und zeigt, wie die Glaselemente abzunehmen sind. Der Staubfilter im unteren Bereich der Rückwand schützt den Lufteinlass für das Netzteil. Er kann zur Reinigung einfach herausgenommen werden. 


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Unter dem Kunststoffdeckel zeigen sich der Bereich für die I/O-Blende des Mainboards und die beiden Erweiterungskartenslots, aber auch ein vormontierter 120-mm-Deckellüfter. 

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Ein zweiter 120-mm-Lüfter sitzt am Gehäuseboden. Beide Lüfter befördern Luft von unten nach oben und unterstützen so den Kamineffekt. Die Lüfter sind nicht vom gleichen Typ. Das macht sich auch beim Anschluss bemerkbar - ein Lüfter hat einen 3-Pin-Anschluss, der andere einen 4-Pin-PWM-Anschluss. Und auch die Maximaldrehzahl fällt mit etwa 2.000 und 1.500 U/min unterschiedlich aus. Beim Einsatz des mitgelieferten Lüfteradapters konnten wir deshalb die Lüfter nicht wirklich leise regeln. An zwei getrennten Lüfteranschlüssen war das hingegen gut möglich. Den gesamten Boden deckt SilverStone mit einem großen Staubfilter ab. Um ihn zu entnehmen, muss das Gehäuse zumindest angekippt werden. 


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Die vordere Glasfläche wird einfach nur angeclipst. Sie kann entsprechend leicht abgezogen werden. Daran sollte man aber auch denken, wenn das Gehäuse versetzt oder transportiert wird. Die beiden Glasseiten werden von einer Art Push-Pin gesichert. Sie lassen sich einfach abnehmen, nachdem die entsprechenden Push-Pins gelöst wurden.

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Mit wenigen Handgriffen und komplett werkzeuglos können so drei Seiten des LD03-AF entfernt werden. Auf der rechten Seite des Gehäuses werden so die Netzteilblende für das SFX- oder SFX-L-Netzteil (maximal 13 cm Länge) und der herausnehmbare Laufwerksträger sichtbar. Mit diesem Laufwerksträger können zwei 2,5-Zoll-Laufwerke oder ein 2,5- und ein 3,5-Zoll-Laufwerk verschraubt werden. Eine HDD-Entkopplung ist nicht vorgesehen.

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Der Mainboardtray selbst sitzt mit wenig Abstand vor der Gehäuserückwand. SilverStone führt zwar Anschlusskabel von oben zwischen Tray und Rückwand herunter, umfangreiches Kabelmanagement ist aus Platzgründen aber nicht vorgesehen. 

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Gerade die ganzen Anschlussstränge des Netzteils sind dann im LD03-AF entsprechend gut sichtbar. Mit Blick auf das Kabelmanagement war es definitiv die richtige Entscheidung, die Glasflächen stark zu tönen. Die Montage der einzelnen Komponenten ist im relativ geräumigen und gut zugänglichem Gehäuse vergleichsweise unkompliziert. Unser Testsystem lässt auch gut erkennen, dass auch größere Tower-Kühler und längere Grafikkarten Platz hätten. 


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: AMD Ryzen 5 1600, 6x 3,2 GHz
Prozessor-Kühler: Thermalright True Spirit 120 Direct
Mainboard: Gigabyte GA-AB350-Gaming 3
Arbeitsspeicher: Crucial Ballistix Sport LT Red 16GB Kit (2 x 8GB) DDR4-2666
Festplatte: OCZ Arc 100 SSD 240 GB
Grafikkarte: Gigabyte GeForce GTX 1050 G1 Gaming 2G
Betriebssystem: Windows 10

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 20 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximale Prozessortemperatur mit AMDs Ryzen Master-Programm. Gleichzeitig wird die Grafikkarte mit Unigine Superposition ausgelastet. Anders als beim bisher genutzten Furmark bleibt der Boost-Takt in diesem Stresstest konstant. Sowohl der CPU-Lüfter als auch die beiden GPU-Lüfter werden für die Temperaturmessungen fix mit moderaten 1.000 U/min betrieben. So schließen wir aus, dass eine automatische Lüftersteuerung Einfluss auf die Messergebnisse nehmen kann.

Aufgrund der effektiven Stromsparmechanismen des Testsystems können wir auf Leerlaufmessungen verzichten.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

CPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

GPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

Beurteilung der Temperaturen:

Die Kühlung ist in SFF-Gehäusen besonders anspruchsvoll. Prinzipiell kann das SilverStone LD03-AF das Testsystem problemlos kühlen - und zwar im Auslieferungszustand besser als Fractal Design Era ITX und Streacom DA2. Das NZXT H1 kühlt die CPU mit seiner AiO-Kühlung besser als der Luftkühler in den anderen Gehäusen. Mit Blick auf die GPU-Kühlung ist ihm aber das SilverStone-Modell überlegen. 

Lautstärkemessungen:

Für unsere Lautstärkemessungen nutzen wir ein Voltcraft SL-400 Schallpegel-Messgerät, das wir in 20 cm Entfernung vor dem Gehäuse platzieren. CPU- und GPU-Lüfter werden gestoppt, so dass praktisch ganz gezielt die Lautstärke der Gehäuselüfter gemessen wird.

Lautstärke in dB(A)

dB(A)
weniger ist besser

Die vergleichsweise gute Kühlleistung erreicht SilverStone nicht nur durch den speziellen Aufbau des LD03-AF, sondern auch durch eine relativ hohe Maximaldrehzahl. Wer maximale Kühlperformance abruft, muss bei diesem Gehäuse deshalb auch mit einer relativ hohen Lautstärke leben. Die beiden Gehäuselüfter lassen sich aber weit herunterregeln und nahezu zum Verstummen bringen. Bei unserem Sample fiel in völlig leiser Umgebung nur noch ein leichtes Klackern des oberen Lüfters auf.

Weitere Messungen in der Übersicht:

Höhe Prozessorkühler:

Maximale Höhe CPU-Kühler in cm

cm
Mehr ist besser

Die maximale Kühlerhöhe von 19 cm ist für SFF-Verhältnisse sehr beachtlich - selbst viele Midi-Tower sind in dieser Hinsicht weniger großzügig.

Grafikkartenlänge:

Maximale Grafikkartenlänge in cm

cm
Mehr ist besser

Als maximale Grafikkartenlänge messen wir etwa 29 cm.

Materialstärke:

Stärke der Seitenteile in mm

mm
Mehr ist besser (unterschiedliche Materialien sind zu berücksichtigen)

Die Glasflächen sind 3,9 mm stark. 


Neue Mini-ITX-Gehäuse wurden in letzter Zeit oft als hochwertige, aber auch hochpreisige Kleinserienprodukte vorgestellt. Das Lucid Series LD03-AF ist zwar kein Low-Budget-Modell, mit einem Preis von rund 115 Euro aber doch für größere Käuferkreise interessant. Und die Tauglichkeit für den Massenmarkt wird noch dadurch gesteigert, dass Handhabung und Komponentenmontage für SFF-Verhältnisse (SFF - Small Form Factor) recht nutzerfreundlich ausfallen. Dazu lässt das LD03-AF auch bei der Komponentenwahl relativ viel Spielraum.

Gerade die maximale Kühlerhöhe von 19 cm ist für ein Mini-ITX-Gehäuse sehr beachtlich. Die maximal mögliche Grafikkartenlänge reicht zwar nicht für jedes lange High-End-Modell, die Auswahl an passenden Grafikkarten ist aber ebenfalls groß. Weil alle drei Glasflächen werkzeuglos entfernt werden können und der Innenraum klar strukturiert ist, fällt die Montage der Komponenten relativ leicht. Dem LD03-AF kommt dabei zu Gute, dass es nicht auf maximale Kompaktheit getrimmt wurde. Weil das Gehäuse vor allem in die Höhe ragt, kommt es aber trotzdem mit einer nur 26,5 x 23 cm großen Stellfläche aus. Der vertikale Aufbau sorgt in Kombination mit den beiden vormontierten Lüftern für eine solide Kühlleistung. Beide Lüfter können auch weit heruntergeregelt und angenehm leise betrieben werden. Ungewöhnlich ist, dass SilverStone zwei 120-mm-Lüfter mit unterschiedlichen Anschlüssen und Drehzahlbereichen verbaut. Bedingt durch den vertikalen Aufbau sitzen die Anschlüsse von Mainboard und Grafikkarte unter dem Deckel. Für Nutzer, die häufiger Kabel an- und abschließen, kann das ungünstig sein. 

Sehr erfreulich ist hingegen, dass SilverStone das ursprüngliche LD03 mit der AF-Version sinnvoll verbessert und sowohl einen zusätzlichen Lufteinlass für die Grafikkarte als auch USB Typ-C integriert. Apropos Lufteinlass: Die drei Einlässe im Boden, an der Grafikkarte und am Netzteil werden alle von einfach zu reinigenden Staubfiltern geschützt. Im Deckel verzichtet SilverStone zwar auf einen Staubfilter, zumindest im Betrieb sollte der ausblasende Lüfter aber ein Eindringen von Staub verhindern. 

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Nicht ganz so nutzerfreundlich ist die klassische Schraubmontage für Erweiterungskarten und Laufwerke. Auf eine Festplattenentkopplung hat SilverStone gleich ganz verzichtet. Die einfach abnehmbare Front hingegen ist zwar praktisch, sie löst sich aber auch sehr leicht. Gerade beim Transport sollte man genau überlegen, wo man das Gehäuse anfasst. Kritisieren könnte man auch das erschwerte Kabelmanagement. Die Glasseitenteile sind aber so stark abgetönt, dass von unschön verlegten Kabeln zumindest äußerlich wenig zu sehen ist. 

Vor dem LD03-AF haben wir als letztes Mini-ITX-Gehäuse Fractal Designs Era ITX getestet. Das schlanke Gehäuse wirkt mit seiner Aluminiumhülle hochwertig und sorgt dazu mit einigen spannenden Farb- und Materialkombinationen (zum Teil sogar mit Holzdeckel) für Abwechslung. Das LD03-AF zeigt sich hingegen bei der Komponentenwahl flexibler, wird gleich ab Werk von zwei 120-mm-Lüftern gekühlt (beim Era ITX ist nur ein 80-mm-Lüfter vormontiert) und ist dazu auch noch günstiger. Wer sich den Aufbau eines Mini-ITX-Systems besonders einfach machen will, der kann hingegen zum NZXT H1 greifen. Das ist nicht einfach nur ein Gehäuse, sondern eine Kombination aus vertikal orientiertem Mini-ITX-Gehäuse mit vormontiertem Netzteil und vormontierter AiO-Kühlung. Alle drei Komponenten sind dabei bestens aufeinander abgestimmt, kosten in Summe aber natürlich deutlich mehr als nur ein Gehäuse. Die UVP liegt bei 349,99 Euro. 

Das Lucid Series LD03-AF ist letztlich zwar nicht das kleinste und edelste SFF-Gehäuse, es überzeugt aber als nutzerfreundliches Mini-ITX-Modell mit eigenständiger, vor allem gläserner Optik und mit seinem fairen Preis. 

Positive Aspekte des SilverStone Lucid Series LD03-AF:

Negative Aspekte des SilverStone Lucid Series LD03-AF:

Preise und Verfügbarkeit
SilverStone Lucid Series LD03-AF
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Ab 111,49 EUR