Thermaltake Level 20 HT im Test: XL-Gehäuse mit enormer Showwirkung

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thermaltake level 20 ht logoThermaltake bringt mit dem Level 20 HT ein weiteres Extrem-Gehäuse auf den Markt. Das riesige Modell soll die ideale Grundlage für Nutzer sein, die ein High-End-System mit einer Eigenbau-Wasserkühlung unterbringen und bestmöglich in Szene setzen wollen. 

Dass Thermaltake riesige Gehäuse für Enthusiasten entwickeln kann, ist nicht neu. Aus der Level 20-Serie eröffnete bisher vor allem der E-ATX-Cube Level 20 XT enormen Spielraum - unter anderem mit gleich mehreren 480/420-mm-Radiatorenplätzen. Das Level 20 HT zeigt sich zwar nicht ganz so großzügig, setzt die Hardware dafür aber besser in Szene. Dafür nutzt Thermaltake einen Aufbau, der etwas an das extreme The Tower 900 erinnert: Das Mainboard wird um 90 Grad gedreht montiert und ist durch gleich drei Glasseiten sichtbar. Pumpen und Ausgleichsbehälter können ebenso fast wie in einer Vitrine in Szene gesetzt werden. 

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Für 560-mm-Radiatoren ist das Level 20 HT anders als das The Tower 900 nicht ausgelegt - trotz stattlicher Maße von 468 x 613 x 503 mm (B x H x T). Unterbringen lassen sich immerhin 360-mm-Radiatoren. Und zwar am Boden und an der rechten oder linken Seite. 

Schaut man auf die UVP, wird das Level 20 HT 50 Euro unter dem The Tower 900 eingeordnet. Die schwarze Standardvariante kostet 219,90 Euro. Wer die weiße Snow Edition bevorzugt, muss 229,90 Euro einplanen. Mit Blick auf die Preise am Markt ist das The Tower 900 aktuell aber sogar günstiger und schon für rund 210 Euro zu haben. 

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Das Level 20 HT wird mit Anleitung und einem Tütchen ausgeliefert, das mit Montagematerial und einem System-Speaker gefüllt ist. Auch Kabelbinder dürfen nicht fehlen. Käufer erhalten außerdem eine kurze Verlängerung für das Netzteil-Stromkabel und zwei USB 2.0-Verlängerungskabel mit je 1 m Länge. 

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: 
Bezeichnung: Thermaltake Level 20 HT
Material: Stahl, gehärtetes Glas, Kunststoff
Maße: 468 x 613 x 503 mm (B x H x T)  
Formfaktor: E-ATX, ATX, Micro-ATX, Mini-ITX
Laufwerke: 4x 3,5/2,5 Zoll (intern), 1x 2,5 Zoll (intern)
Lüfter: linke oder rechte Seite: 3x 120/2x 140 mm (optional),  Deckel: 2x 140 mm (vorinstalliert), 2x 120 mm (Rückwand, optional), Boden: 3x 120 mm (optional)
CPU-Kühlerhöhe (maximal laut Hersteller): 26 cm
Grafikkartenlänge (maximal laut Hersteller): 40 cm
Radiatoren (maximal laut Hersteller): linke oder rechte Seite: 360/280 mm, Boden: 360 mm
Gewicht: 20,4 kg
Preis: 219,90 Euro

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Die Anlehnung an eine Vitrine ist beim Level 20 HT nicht zu übersehen: Sowohl beide Seiten als auch die Front bestehen aus gehärtetem Glas. Die große Mainboardkammer lässt sich von allen Seiten bestens einsehen. Ansonsten nutzt Thermaltake Stahl und Kunststoff als Material. 

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Selbst im Deckel kommt ein Glaselement zum Einsatz. Alle vier Glasseiten können einfach geöffnet werden. Die beiden seitlichen Elemente öffnen nach dem Lösen eines Drehverschlusses wie Türen. Die Front lässt sich von oben entriegeln und die obere Glasfläche nach dem Lösen von Push-Pins lösen. Meshstreifen an den Seiten von Deckel und Front dienen als Luftöffnungen. 

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Unter der Deckelscheibe sitzen ab Werk zwei ausblasend orientierte 140-mm-Lüfter. Einer kühlt die Mainboardkammer, der andere die hintere Kammer für Laufwerke, Radiator und Netzteil. Die Anschlüsse von Mainboard, Erweiterungskarten und Netzteil zeigen beim Level 20 HT nach oben. Die Kabel können unter der Glasscheibe nach hinten geführt werden. Sie sind durch das Glas aber direkt sichtbar. 


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Das I/O-Panel hat Thermaltake gesplittet. Auf der linken Gehäuseseite können Kopfhörer und Mikrofon angeschlossen werden. Hier sitzen außerdem die Power- und Resettaster. Rechts stehen hingegen zwei USB 3.0-Ports, zwei USB 2.0-Ports und auch einmal USB Typ-C bereit. 

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An der Rückwand können bei Bedarf zwei 120-mm-Lüfter hinter einem magnetischen Staubfitter montiert werden. Oben zu sehen sind die beiden Öffnungen für die Anschlusskabel. 

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Das Level 20 HT steht auf vier Standfüßen aus Kunststoff. Im Boden decken zwei Staubgitter die Lufteinlässe ab. Der lange Lufteinlass erlaubt die Montage von drei 120-mm-Lüftern oder einem 360-mm-Radiator. 


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Der Mainboardtray bietet selbst für E-ATX-Mainboards Platz. Er wird von vier Rändelschrauben an seinem Platz gehalten. Bei Bedarf kann der Tray einfach ausgebaut und das Mainboard so auch außerhalb des Gehäuses montiert werden. 

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Am Boden der Mainboardkammer zeigt sich nicht nur die Lüfter-/Radiatorenblende. Thermaltake hat auch an zwei Montageplatten für hauseigene Pumpen- und AGB-Kombinationen gedacht. Offiziell werden Pacific PR22-D5 Plus und Pacific PR22-DDC unterstützt. Im Zentrum sitzt ein 2,5-Zoll-Laufwerksträger vor der Front. 

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Die seitliche 360/280-mm-Radiatorenblende kann wahlweise auf der linken oder rechten Seite montiert werden. Der Radiator sitzt in jedem Fall hinter einer Glasscheibe, die Kühlwirkung dürfte deshalb nicht optimal sein. Von der Gehäusehöhe her sollte außerdem eigentlich auch eine 480-mm-Radiatorenblende möglich sein. 


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Auch die Laufwerkskäfige können sowohl links als auch rechts montiert werden. Sie bieten Platz für vier 2,5- oder 3,5-Zoll-Laufwerke. 2,5-Zoll-Laufwerke müssen mit den Laufwerksschubladen verschraubt werden. 3,5-Zoll-Festplatten lassen sich hingegen werkzeuglos montieren. Entkoppelt werden allerdings beide Laufwerksformate nicht. 

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Im sehr geräumigen Level 20 HT findet unser ATX-Testsystem nicht nur problemlos Platz, es wirkt auch etwas verloren. 

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Durch die gedrehte Mainboardmontage eröffnen sich ungewohnte Perspektiven. So ist die Grafikkarte z.B. sehr gut durch das linke Seitenteil zu sehen.


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: AMD Ryzen 5 1600, 6x 3,2 GHz
Prozessor-Kühler: Thermalright True Spirit 120 Direct
Mainboard: Gigabyte GA-AB350-Gaming 3
Arbeitsspeicher: Crucial Ballistix Sport LT Red 16GB Kit (2 x 8GB) DDR4-2666
Festplatte: OCZ Arc 100 SSD 240 GB
Grafikkarte: Gigabyte GeForce GTX 1050 G1 Gaming 2G
Betriebssystem: Windows 10

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 20 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximale Prozessortemperatur mit AMDs Ryzen Master-Programm. Gleichzeitig wird die Grafikkarte mit Unigine Superposition ausgelastet. Anders als beim bisher genutzten Furmark bleibt der Boost-Takt in diesem Stresstest konstant. Sowohl der CPU-Lüfter als auch die beiden GPU-Lüfter werden für die Temperaturmessungen fix mit moderaten 1.000 U/min betrieben. So schließen wir aus, dass eine automatische Lüftersteuerung Einfluss auf die Messergebnisse nehmen kann.

Aufgrund der effektiven Stromsparmechanismen des Testsystems können wir auf Leerlaufmessungen verzichten.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

CPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

GPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

Beurteilung der Temperaturen:

Die Test-CPU wird im Level 20 HT durchaus gut gekühlt - und zwar sowohl bei 12 als auch bei 5 V Lüfterspannung. Anders sieht es allerdings bei unserer Grafikkarte aus - sie erwärmt sich in Thermaltakes Vitrinengehäuse doch auffällig stark. Bei einer luftgekühlten Grafikkarte ist es deshalb ratsam, zusätzliche Bodenlüfter zu montieren. 

Lautstärkemessungen:

Für unsere Lautstärkemessungen nutzen wir ein Voltcraft SL-400 Schallpegel-Messgerät, das wir in 20 cm Entfernung vor dem Gehäuse platzieren. CPU- und GPU-Lüfter werden gestoppt, so dass praktisch ganz gezielt die Lautstärke der Gehäuselüfter gemessen wird.

Lautstärke in dB(A)

dB(A)
weniger ist besser

Die beiden vormontierten 140-mm-Lüfter agieren bei voller Drehzahl deutlich hörbar. Auf 5 V sind sie nur noch dezent wahrnehmbar, werden aber noch nicht flüsterleise. 

Weitere Messungen in der Übersicht:

Höhe Prozessorkühler:

Maximale Höhe CPU-Kühler in cm

cm
Mehr ist besser

Über die maximale Kühlerhöhe muss man sich beim Level 20 HT keine Gedanken machen. 

Grafikkartenlänge:

Maximale Grafikkartenlänge in cm

cm
Mehr ist besser

Bei der maximalen Grafikkartenlänge scheint Thermaltake gleich einen Bodenradiator abzuziehen - ohne den messen wir sogar etwa 46 cm. Auch über die Grafikkartenlänge muss der Level 20 HT-Besitzer also nicht nachdenken. 

Platz für das Kabelmanagement:

Abstand zwischen Tray und Seitenteil in cm

cm
Mehr ist besser

Der Platz für das Kabelmanagement fällt ebenfalls mehr als großzügig aus. 

Materialstärke:

Stärke der Seitenteile in mm

mm
Mehr ist besser (unterschiedliche Materialien sind zu berücksichtigen)

Die Glasseitenteile haben eine übliche Materialstärke von knapp 4 mm. 


Das Level 20 HT beeindruckt allein schon durch Größe und Gestaltung. Dabei setzt es die verbaute Hardware wie eine Vitrine in Szene - und erlaubt Einblicke durch Seitenteile und eine Front aus Glas. Auch der Deckel wird von Glas bedeckt. Darunter sind aber vor allem die Anschlusskabel zu sehen, die von Mainboard, Erweiterungskarten und Netzteil nach hinten geführt werden. Denn die Hardware wird im Level 20 HT um 90 Grad gedreht montiert. Das eröffnet dem Nutzer typischer Tower-Gehäuse neue Blickwinkel. So ist die Grafikkarte von der linken Seite aus bestens zu sehen - und das ganz ohne Riserkabel. 

Der reine Showeffekt ist aber nicht alles. Beeindruckend ist auch, dass bei der Komponentenwahl kaum Limits gesetzt werden. Und auch die zehn Lüfterplätze sind prinzipiell beachtlich. Zum Teil wird der Airflow aber durch die Glasflächen beeinträchtigt. Gerade mit Blick auf den DIY-Wasserkühlungseinsatz ist das Level 20 HT aber gar nicht so extrem, wie sein Format vermuten lassen würde. Maximal können zwei 360-mm-Radiatoren verbaut werden. Dazu kommen zwei Sockel für Thermaltakes Pumpen-AGB-Kombi-Lösungen - und zwar bestens sichtbar direkt hinter der Glasfront.

Die Montage der Komponenten ist im riesigen Gehäuse unkompliziert möglich. Erleichtert wird sie zusätzlich dadurch, dass der Mainboardtray einfach ausgebaut werden kann. Thermaltake nutzt für den Staubschutz am Boden und an der Rückwand einfache Staubgitter. Die magnetische Montage stellt sicher, dass diese Gitter einfach zu reinigen sind. Das I/O-Panel ist nicht nur zweigeteilt, sondern es stellt auch zahlreiche Anschlüsse einschließlich eines USB Typ-C-Ports bereit. 

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Aber muss ein E-ATX-Showgehäuse mit 360-mm-Radiatorenplätzen zwangsweise 468 x 613 x 503 mm (B x H x T) groß und über 20 kg schwer sein? Nicht wirklich. Lian Li hat das Gegenteil erst kürzlich mit dem PC-O11D XL ROG Certified bewiesen. Bei Maßen von 285 x 513 x 471 mm fällt es deutlich kompakter aus, das Gewicht wird sogar halbiert. Trotzdem können ab Werk drei 360-mm-Radiatoren montiert werden. Und trotz hochwertigerem Materialmix ist das PC-O11D XL sogar etwas günstiger. Allerdings wird es komplett lüfterlos ausgeliefert und wirkt weniger wie eine Vitrine. Wer wirklich extreme Projekte plant, könnte in diesem Preisbereich alternativ auch gleich über das The Tower 900 und 560-mm-Radiatoren nachdenken

Letztlich ist das Level 20 HT ein imposantes Showgehäuse, dessen enormes Volumen allerdings noch effektiver ausgereizt werden könnte. 

Positive Aspekte des Thermaltake Level 20 HT:

Negative Aspekte des Thermaltake Level 20 HT: