Aerocool Tor im Test

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aerocool tor logoAerocools Tor verspricht eine besonders effektvolle aRGB-Lichtshow zum attraktiven Preis. Das ATX-Gehäuse mit adressierbarer RGB-Beleuchtung wird schon für rund 70 Euro angeboten. Im Test zeigen wir die Beleuchtung und klären, ob das Tor auch mit inneren Werten glänzen kann. 

Wenn Hersteller günstige Gehäuse mit aRGB-Beleuchtung anbieten, kompensieren sie die Kosten für Beleuchtung und RGB-Controller häufig durch Sparmaßnahmen in anderen Bereichen. Das haben zuletzt sowohl das Enermax StarryFort SF30 als auch das Kolink Phalanx deutlich gemacht. Beide Midi-Tower kosten unter 100 Euro, sind geradezu spektakulär beleuchtet - und haben einige deutliche funktionale Nachteile. 

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Beim neuen Aerocool Tor gibt es deshalb vor allem eine Frage - macht es dieses ATX-Gehäuse besser? Denn die Ausgangslage ist ganz ähnlich. Aerocool sorgt für eine aufwendige Beleuchtung mit adressierbaren RGB-LEDs in den Frontlüftern und an der Seite der Netzteilabdeckung. Bei einem Preis von rund 70 Euro ist das Tor aber sogar noch günstiger als die beiden Modelle von Enermax und Kolink. Doch wird man deshalb auch ähnlich deutliche Einschränkungen hinnehmen müssen? 

Im ausgepackt & angefasst-Video werfen wir einen ersten Blick auf das Gehäuse:

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Aerocool liefert das Tor mit Anleitung, einem Tütchen Montagematerial, schwarzen Kabelbindern, einem RGB-Adapter und einer Fernbedienung für die Beleuchtungssteuerung aus. 

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: 
Bezeichnung: Aerocool Tor
Material: Stahl (0,6 mm), gehärtetes Glas, Kunststoff
Maße: 218 x 445 x 430 mm (B x H x T)
Formfaktor: ATX, Micro-ATX, Mini-ITX
Laufwerke: 2x 3,5/2,5 Zoll (intern), 4x 2,5 Zoll (intern)
Lüfter: 3x 120/2x 140 mm (Front, 2x 140 mm vorinstalliert), 1x 120 mm (Rückwand, vorinstalliert), 2x 120 mm (Deckel, optional)
Radiatoren (maximal laut Hersteller): Front: 240/280 mm (Bauhöhe < 27 mm), Rückwand: 120 mm
Kühlerhöhe (maximal laut Hersteller): 16,4 cm
Grafikkartenlänge (maximal laut Hersteller): 37 cm
Gewicht: etwa 7,1 kg
Preis: 69,90 Euro

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Aerocool setzt für die Optik vor allem erst einmal auf Glas. Sowohl die Front als auch das linke Seitenteil bestehen aus gehärtetem Glas. Dahinter sollen die adressierbaren RGB-LEDs bestens zur Geltung kommen. Die Front wird in Bodennähe zusätzlich von einem Aerocool-Logo geziert. Zur Montage des Glasseitenteils kommen einfach Rändelschrauben zum Einsatz, die sichtbar durch Montagelöcher in der Glasscheibe geschraubt werden. 

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Damit die beiden vormontierten 140-mm-Frontlüfter trotz Glasfront Frischluft ansaugen können. hat Aerocool für Lufteinlässe an der rechten Seite und im Boden gesorgt. Einen Staubfilter gibt es allerdings nicht. Das rechte Seitenteil besteht schlicht aus Stahl. Zwei Rändelschrauben sichern es an der Gehäuserückwand. 

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Im Deckel können optional zwei 120-mm-Lüfter montiert werden. Ein magnetisches Staubgitter ist für den Staubschutz zuständig. An der Vorderkante sitzen drei Tasten (Power, Reset, RGB) und Anschlüsse. Aerocool hat sich für zwei USB 2.0-Ports, einen USB 3.0-Port und zwei Audiobuchsen entschieden. 


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Ein unbeleuchteter 120-mm-Lüfter führt ab Werk die Abwärme aus dem Tor ab. Darunter können bis zu sieben Erweiterungskarten montiert werden. Sämtliche Slotblenden müssen herausgebrochen werden, sie lassen sich nicht wiederverwenden. Im Lieferumfang gibt es noch nicht einmal eine einzige Ersatzblende.  

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Das Tor steht auf silberfarbenen Standfüßen mit Gummischonern. Der Netzteilstaubfilter fällt denkbar schlicht aus: Er besteht einfach nur aus einem Kunststoffgitter. Um es zur Reinigung zu entnehmen, muss das Gehäuse angekippt oder hingelegt werden. Zu beachten sind außerdem die Nieten im Bereich des HDD-Käfigs. Wir werden noch klären, warum ein modularer HDD-Käfig beim Tor die deutlich bessere Lösung wäre. 


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Der Innenraum zeigt einen typischen Zweikammeraufbau. Laufwerkskäfig und Netzteil verschwinden dabei in einer eigenen Kammer. Die Mainboardkammer kann so geordnet und aufgeräumt wirken. Ein besonderer Hingucker ist die Hochglanzfläche an der Seite der Netzeilabdeckung. Das gilt erst recht, wenn sie im Betrieb von adressierbaren RGB-LEDs illuminiert wird. 

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Auch die Netzteilabdeckung ist fest vernietet und nicht modular. Aerocool hat zudem die Aussparung für den 240- oder 280-mm-Frontradiator extrem schmal gestaltet. Sie soll gerade einmal Platz für Radiatoren mit unter 27 mm Bauhöhe bieten. Tatsächlich passen nur wirklich schlanke Radiatoren. Das ist umso ungünstiger, weil wegen des geringen Abstands zwischen Deckel und Mainboard in vielen Konstellationen kein Deckelradiator genutzt werden kann. 

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Der Mainboard-Tray wird effektiv genutzt. Er beherbergt zwei 2,5-Zoll-Laufwerksträger und den RGB-Controller und bietet auch Aussparungen für das Kabelmanagement und die Montage des CPU-Kühlers. Zwei weitere 2,5-Zoll-Laufwerke können direkt mit dem Tray verschraubt werden, sie sind dann in der Mainboardkammer neben dem Mainboard sichtbar. 


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Der fest vernietete Laufwerkskäfig lässt nur wenig Platz für das ATX-Netzteil. Unser passiv gekühltes Test-Netzteil ist für das Tor deutlich zu lang. Und selbst ein relativ kurzes Corsair HX650 passte nur ganz knapp, nachdem wir die Kabelstränge mit Kraft zur Seite gedrückt haben. Im Laufwerkskäfig finden zwei Laufwerksschubladen Platz. 3,5-Zoll-HDDs können werkzeuglos, aber ohne Entkopplung darin montiert werden. 2,5-Zoll-Laufwerke müssen mit den Laufwerksschubladen verschraubt werden. 

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Der RGB-Controller stellt zehn Anschlüsse für RGB-Komponenten bereit. Aerocool setzt allerdings auf einen eigenen Anschluss, der als kombinierter Lüfter- und RGB-Anschluss ausgeführt ist. Entsprechend können die beiden Frontlüfter auch nicht über eine Lüftersteuerung geregelt werden. Immerhin gibt es aber einen Fan Speed-Taster auf der Platine, mit der Lüftergeschwindigkeit in zwei Stufen geregelt werden kann. Der Hecklüfter kann mit seinem regulären 3-Pin-Lüfter z.B. über das Mainboard gesteuert werden. 

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Das Testsystem ließ sich im Tor unkompliziert montieren. Auch das schlichte Kabelmanagement erfüllt seinen Zweck, sodass die Hardware in der Mainboardkammer gut zur Geltung kommen kann.


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: AMD Ryzen 5 1600, 6x 3,2 GHz
Prozessor-Kühler: Thermalright True Spirit 120 Direct
Mainboard: Gigabyte GA-AB350-Gaming 3
Arbeitsspeicher: Crucial Ballistix Sport LT Red 16GB Kit (2 x 8GB) DDR4-2666
Festplatte: OCZ Arc 100 SSD 240 GB
Grafikkarte: Gigabyte GeForce GTX 1050 G1 Gaming 2G
Betriebssystem: Windows 10

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 20 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximale Prozessortemperatur mit AMDs Ryzen Master-Programm. Gleichzeitig wird die Grafikkarte mit Unigine Superposition ausgelastet. Anders als beim bisher genutzten Furmark bleibt der Boost-Takt in diesem Stresstest konstant. Sowohl der CPU-Lüfter als auch die beiden GPU-Lüfter werden für die Temperaturmessungen fix mit moderaten 1.000 U/min betrieben. So schließen wir aus, dass eine automatische Lüftersteuerung Einfluss auf die Messergebnisse nehmen kann.

Aufgrund der effektiven Stromsparmechanismen des Testsystems können wir auf Leerlaufmessungen verzichten.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

CPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

GPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

Beurteilung der Temperaturen:

Wir haben die Temperaturen und die Lautstärke mit beiden Regelstufen der Frontlüfter gemessen. Der Hecklüfter wurde analog mit 12 und mit 5 V betrieben. Die restriktiv gestaltete Front erschwert den Frontlüftern offenbar die Arbeit. Denn die Temperaturen fallen unabhängig vom Lüftersetting relativ hoch aus. 

Lautstärkemessungen:

Für unsere Lautstärkemessungen nutzen wir ein Voltcraft SL-400 Schallpegel-Messgerät, das wir in 20 cm Entfernung vor dem Gehäuse platzieren. CPU- und GPU-Lüfter werden gestoppt, so dass praktisch ganz gezielt die Lautstärke der Gehäuselüfter gemessen wird.

Lautstärke in dB(A)

dB(A)
weniger ist besser

Um die Lautstärke ist es positiver bestellt. Denn auch auf maximaler Drehzahl werden die Gehäuselüfter nicht wirklich aufdringlich. Heruntergeregelt sind sie sogar sehr leise. Nur bei leiser Umgebung fällt auf, dass zumindest die Frontlüfter noch ganz dezent hörbar sind. 

Weitere Messungen in der Übersicht:

Höhe Prozessorkühler:

Maximale Höhe CPU-Kühler in cm

cm
Mehr ist besser

Die meisten Tower-Kühler finden im Tor ausreichend Platz.

Grafikkartenlänge:

Maximale Grafikkartenlänge in cm

cm
Mehr ist besser

Bei der Grafikkartenlänge müssen keine Einschränkungen befürchtet werden. 

Platz für das Kabelmanagement:

Abstand zwischen Tray und Seitenteil in cm

3.8 XX


2.4 XX


2.3 XX


cm
Mehr ist besser

Aerocool lässt ausreichend Platz für das Kabelmanagement. 

Materialstärke:

Stärke der Seitenteile in mm

mm
Mehr ist besser (unterschiedliche Materialien sind zu berücksichtigen)

Das Glasseitenteil ist rund 4 mm, das Stahlseitenteil immerhin 0,7 mm stark. 


Die zuletzt getesteten, günstigen aRGB-Gehäuse haben es uns nicht leicht gemacht. Enermax StarryFort SF30 und Kolink Phalanx werden zwar sehr effektvoll beleuchtet, sie haben aber ganz klare Nachteile. Aerocool hat beim Tor einiges besser gemacht, ganz überzeugend ist aber auch dieses Modell nicht. 

Der größte Kritikpunkt bei den beiden anderen Modellen waren die Lüfteranschlüsse, wegen denen die Lüfter nicht einfach geregelt werden können. Auf den ersten Blick macht Aerocool den gleichen Fehler: Die Lüfter werden mit speziellen Kombi-Anschlüssen direkt an die RGB-Platine angeschlossen. In diesem Fall ermöglicht aber ein kleiner Taster auf der Platine den Wechsel zwischen zwei Regelstufen. Natürlich ist die Lösung nicht so elegant wie eine stufenlose Lüftersteuerung, letztlich ist sie aber doch ein klarer Pluspunkt für das Tor. Denn die untere Regelstufe macht einen angenehm leisen Betrieb möglich. Auch, dass Aerocool hinter der Front gleich 140-mm-Lüfter verbaut, fällt positiv auf. Am Heck und im Deckel können allerdings maximal 120-mm-Lüfter montiert werden. 

Gerade gegenüber dem Enermax StarryFort SF30 hat das Tor aber an anderer Stelle Nachteile. Unverständlich ist vor allem, dass der Laufwerkskäfig nicht modular gestaltet wurde. Die Netztteillänge wird so stark limitiert, dass auch so manches Mainstream-Netzteil nicht oder nur knapp passt. Das StarryFort SF30 punktet formal nicht nur mit genug Platz für einen 360-mm-Frontradiator (maximal 240/280 mm beim Tor), es lässt dafür mit einer großzügigen Aussparung in der Netzteilabdeckung auch viel mehr Platz. Auch beim Deckelradiator (240/280 mm) ist das Enermax-Modell flexibler aufgestellt.  

Wenn ein Luftkühler genutzt wird, ist das Tor unproblematischer. Denn die meisten Tower-Kühler finden ausreichend Platz. Die maximale Grafikkartenlänge ist mehr als ausreichend für alle marktüblichen High-End-Modelle. Das Tor nimmt immerhin bis zu sechs Laufwerke auf. Auf eine HDD-Entkopplung muss allerdings verzichtet werden. Auch die Einweg-Slotblenden sind eine klare Sparmaßnahme.  

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Im Vergleich mit den angesprochenen Konkurrenzmodellen punktet das Tor nicht nur mit den zumindest zweistufig regelbaren Frontlüftern. Auch die adressierbare RGB-Beleuchtung ist beim Aerocool-Modell besonders gelungen. Die Ausleuchtung der Frontlüfterrahmen könnte zwar homogener wirken, die Effekte sind aber erfreulich flüssig und wirken durch die große Fläche an der Netzteilabdeckung besonders intensiv. Dabei ist das Tor aktuell sogar etwas günstiger als StarryFort SF30 und Phalanx. Während es bei der Lautstärke punktet, fällt die Kühlleistung ab Werk aber gegenüber den beiden anderen Modellen ab. Für Kunden, die eine geräumigere Alternative suchen, bietet Aerocool übrigens das E-ATX-Modell Tor Pro an.

Letztlich ist auch das Tor kein rundum gelungenes aRGB-Gehäuse. Wer seine Einschränkungen berücksichtigt, erhält aber ein schickes Glasmodell mit sehr wirkungsvoller Beleuchtung zu einem richtig attraktiven Preis. 

Positive Aspekte des Aerocool Tor:

Negative Aspekte des Aerocool Tor:

Preise und Verfügbarkeit
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