Inkubus 300µ im Test - Design-Gehäuse aus Holz

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inkubus 300 logoNahezu jedes PC-Gehäuse baut auf einem Grundgerüst aus Stahl oder Aluminium auf. Aber nicht so das Inkubus 300µ: Das Mini-ITX-Gehäuse wird in Deutschland aus Holz gefertigt. Der Holzwürfel ist ein regelrechtes Designobjekt und spart auch noch Platz. Allerdings hat das exklusive Modell auch seinen Preis. 

Es gibt durchaus eine breite Auswahl an Mini-ITX-Gehäusen für ganz unterschiedliche Ansprüche und Geldbeutel. Gerade unter den Aluminiummodellen gibt es auch sehr hochwertige (und teure) Gehäuse. Das Essener Unternehmen Inkubus bietet mit seinem 300µ aber ein Mini-ITX-Gehäuse an, dass radikal anders ist als die Modelle der großen Hersteller. Das beginnt schon damit, wie das 300µ verkauft wird. Inkubus bietet es nicht nur separat als Gehäusekorpus an, sondern verkauft auf Basis des 300µ auch zwei unterschiedliche Komplettsysteme.

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Die Idee dahinter ist aber die gleiche. Das 300µ soll ein platzsparendes System im Würfelformat von 20,7 x 20,7 x 20,7 cm (B x H x T) ermöglichen, sich in hochwertige eingerichtete Räume bestens einfügen und durch die dickwandigen Holzseiten für eine geringe Lautstärke sorgen. Weniger Wert gelegt hat Inkubus hingegen auf Flexibilität. Denn das Würfelgehäuse setzt bei der Komponentenwahl ganz klare Limits. Dabei schließt Inkubus sogar manche Zielgruppe regelrecht aus. Weil das Gehäuse zur Nutzung einer integrierten GPU zwingt, ist es so maximal für Gelegenheitsspieler geeignet. 

Der eigene Geldbeutel sollte hingegen nicht so schnell an sein Limit stoßen. Denn wer das Holzgehäuse aus deutscher Produktion erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Schon der leere Inkubus 300µ Korpus kostet aktuell 629,90 Euro. Die Komplettsysteme Inkubus 300µ Medius (mit AMD Ryzen 3 2200G oder Ryzen 5 2400G) und Inkubus 300µ Primus (mit Intel Core i3-8100, i5-8400 oder  i7-8700) können relativ individuell konfiguriert werden, kosten aber mindestens 1.550 bzw. 1.650 Euro.

Im ausgepackt & angefasst-Video werfen wir einen ersten Blick auf das Gehäuse:

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Inkubus legt dem 300µ zwar ein Informationskärtchen und die Garantiebestimmungen, aber keine wirkliche Anleitung bei. Ein wirkliches Problem ist das allerdings nicht, denn die Montage ist weitgehend selbsterklärend. Auf einige Hürden werden wir im Test noch näher eingehen. Ansonsten wird das Gehäuse nur mit wenigen Montageschrauben und zwei Schlüsseln für die Hot-Swap-Laufwerkseinschübe ausgeliefert. 

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: 
Bezeichnung: Inkubus 300µ
Material: Holz
Maße: 20,7 x 20,7 x 20,7 cm (B x H x T)
Formfaktor: Mini-ITX, thin-Mini-ITX
Laufwerke: 4x 2,5 Zoll (intern)
Lüfter: 1x 120/140 mm (Boden, optional)
maximale Kühlerhöhe: 5,1 cm
Gewicht: etwa 2,15 kg
Preis: 629,90 Euro

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Dass das Inkubus 300µ fast komplett aus Holz besteht, fällt auf den ersten Blick kaum auf. Denn die Paneele zeigen keine Holzmaserung, sondern präsentieren sich je nach Farbvariante in Tiefschwarz oder Weiß. 

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Die einzelnen Seiten schließen so bündig aneinander an, dass das Material auch an den sichtbaren Übergängen nicht zu erkennen ist. Nur die angeschrägte Zebrano-Ecke deutet auf Holz hin. Bei den aktuellen Verkaufsversionen ist diese Ecke aber typischerweise Schwarz (auch bei der weißen Farbversion). Ein robuster Vandalismustaster dient als Powertaster. Die Beleuchtungsfarbe der Power-LED kann der Kunde auswählen (Weiß, Orange, Rot, Blau oder Grün).

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Front, die beiden Seiten und den Deckel hat Inkubus komplett geschlossen gestaltet. 


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Dafür zeigt sich die Rückwand umso offener. Von einer Aluminiumblende werden hier sowohl das I/O-Panel des Mainboards als auch das SFX- bzw. SFX-L-Netzteil eingefasst. Das Netzteil findet seinen Platz unter dem Gehäusedeckel. Das Mainboard wird hängend darunter montiert. 

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Seitlich vom Netzteil können vier Laufwerksplätze genutzt werden. Inkubus verwendet dafür zwei Enermax EMK3202-Wechselrahmen. Diese Hot-Swap-Lösung ermöglicht einen unkomplizierten Laufwerkswechsel. Die Laufwerke werden einfach in die Einschübe geschoben, die Klappen dahinter lassen sich werkzeuglos schließen oder auch mit den beiliegenden Schlüsseln sichern. 

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Auch der Gehäuseboden zeigt sich offen, ja fast zu offen. Denn auf einen Staubfilter hat Inkubus verzichtet. Das schicke Kompaktgehäuse wird man aber in der Regel ohnehin auf und nicht unter den Tisch stellen wollen. Der einzige Lüfterplatz des 300µ nimmt wahlweise einen 120- oder 140-mm-Lüfter auf. Bei den Standfüßen lässt Inkubus dem Käufer die Wahl. Neben den schlichten Gummifüßchen mit Schwebeeffekt gibt es gegen Aufpreis noch folgende Füße: Aluminium (100 Euro Aufpreis), Ahorn gebleicht, Amaranth, Ebenholz und Zebrano (je 150 Euro Aufpreis).


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Die rückseitige Aluminiumblende wird von vier Rändelmuttern gehalten. Der Innenraum zeigt einen übersichtlichen Aufbau. Hölzerne Einbauten nehmen nicht nur die beiden Wechselrahmen auf, sondern dienen gleichzeitig auch als Halterung für das Netzteil und als Aufnahme für die vier Mainboard-Abstandshalter. 

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Die Demontage der Lüfterblende kann zur Herausforderung werden, denn hier nutzt Inkubus vier spezielle Rundkopfschrauben mit Innenvielzahn. 

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Die Laufwerks-Wechselrahmen sind eigentlich eine praktische Lösung. Das Anschließen der Kabel ist aber eine regelrechte Geschicklichkeitsübung. Generell gilt, dass die Hardware-Montage im sehr kompakten Inkubus 300µ durchaus eine Herausforderung darstellt.


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Das beginnt schon mit der Wahl der Komponenten. So sollte die maximale Kühlerhöhe von 51 mm unbedingt beachtet werden. In der Praxis passen nur wenige besonders flache Top-Flow-Kühler. Ein Noctua NH-L12S mit seinen 70 mm Höhe lässt sich beispielsweise selbst dann nicht montieren, wenn man auf den Bodenlüfter verzichtet. Der Abstand würde zwar theoretisch reichen, die beiden seitlichen Stege am Boden kollidieren aber mit dem Kühler.  

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Wir haben letztlich einen kleinen Thermalright AXP-100RH verbaut. Selbst der ist mit Lüfter zwar eigentlich zu hoch (65 mm), wie haben den CPU-Lüfter aber einfach eingespart und seine Aufgabe an den Noctua-Bodenlüfter übertragen. Dieser Bodenlüfter liegt ohnehin regelrecht auf dem CPU-Kühler auf. Weil unser reguläres Mini-ITX-Testsystem keine integrierte GPU bietet, mussten wir auch beim Testsystem improvisieren. Als Mainboard dient uns mit dem Intel DQ77KB ein Thin-Mini-ITX-Modell. Inkubus gibt eine maximale CPU-TDP von 95 Watt an, empfiehlt aber, möglichst nur Prozessoren mit bis zu 65 Watt TDP zu verbauen. Daran halten wir uns exakt, denn der eingesetzte Intel Core i5-2400S ist eine 65-Watt-CPU. 

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Das Thin-Mini-ITX-Mainboard wird über ein externes Netzteil mit Strom versorgt. Die Montage eines SFX-Netzteils konnten wir uns entsprechend sparen. 


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: Intel Core i5-2400S, 4x 2,5 GHz
Prozessor-Kühler: Thermalright AXP-100RH
Mainboard: Intel DQ77KB
Arbeitsspeicher: 4 GB DDR3 SO-DIMM
Festplatte: OCZ Arc 100 SSD 240 GB
Grafikkarte: integrierte GPU, Intel HD-Grafik 2000
Betriebssystem: Windows 10

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 20 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximale Prozessortemperatur mit Core Temp. Abweichend vom Standard-Testprozedere messen wir CPU-Temperatur und Lautstärke im Leerlauf und unter Volllast und lassen den Gehäuselüfter dabei vom Intel-Mainboard steuern. 

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

CPU-Temperatur

Grad Celsius
Weniger ist besser

Beurteilung der Temperaturen:

Das Kühlsystem zeigt sich dem sparsamen Quad-Core-Prozessor gewachsen. Im Leerlauf läuft der Noctua-Lüfter mit rund 300 U/min. Die IDLE-Temperatur liegt bei moderaten 42 °C. Unter Volllast muss der Lüfter zwar hörbar beschleunigen, benötigt aber keineswegs die volle Drehzahl, um die CPU auf 68 °C zu halten und hätte entsprechend auch noch Reserven. 

Lautstärkemessungen:

Für unsere Lautstärkemessungen nutzen wir ein Voltcraft SL-400 Schallpegel-Messgerät, das wir in 20 cm Entfernung vor dem Gehäuse platzieren. 

Lautstärke in dB(A)

dB(A)
weniger ist besser

Im Leerlauf ist der Gehäuselüfter bei automatischer Lüftersteuerung praktisch unhörbar. Dabei kommt dem Inkubus-Gehäuse sicher auch der relativ geschlossene Aufbau und das dickwandige Holzmaterial zu Gute. Unter extremer Volllast durch Prime 95 steigt der Schallpegel auf moderate 35,1 dB(A) an. Das ist zwar hörbar, aber keineswegs störend. Zumal der große 140-mm-Lüfter eine sehr viel angenehmere Klangcharakteristik hat als die deutlich kleineren Lüfter, die sonst gerade in fertigen Mini-PCs eingesetzt werden. 

Weitere Messungen in der Übersicht:

Höhe Prozessorkühler:

Maximale Höhe CPU-Kühler in cm

cm
Mehr ist besser

Der Hersteller gibt selbst eine maximale Kühlerhöhe von 5,1 cm an. Nach unseren Messungen wird bei dieser Angabe der Bodenlüfter mit berücksichtigt. Ohne Bodenlüfter bleiben im Zentrum etwa 7 cm für den CPU-Kühler. Im Randbereich reduzieren die beiden seitlichen Streben die Kühlerhöhe aber um knapp 2 cm.

Material:

Stärke der Seitenteile in mm

mm
Mehr ist besser (unterschiedliche Materialien sind zu berücksichtigen)

Als einziges Holzgehäuse im Vergleichsfeld erreicht das Inkubus 300 mit rund 8 mm die höchste Materialstärke. 


Das Inkubus 300µ unterscheidet sich massiv von allen Mini-ITX-Gehäusen, die wir bisher getestet haben. Das liegt natürlich in erster Linie am Material, aber auch am Vertrieb mit individuellen Konfigurationen, der speziellen Auslegung und nicht zuletzt am Preis von über 600 Euro für das leere Gehäuse. Man muss das Inkubus 300µ letztlich als Luxusgegenstand betrachten. Es ist ein hochpreisiges Premiumgehäuse, das sich klar von konventionellen Stahl- oder auch Aluminiumgehäusen unterscheidet. 

Der kompakte Würfel sieht nicht nur schick aus, sondern spart mit seiner Kantenlänge von 20,7 cm auch Platz. Im Innenraum geht es dafür ziemlich gedrängt zu. Vor allem der fehlende Grafikkartenplatz ist ein klarer funktionaler Nachteil für die Nutzer, denen die Leistung einer integrierten GPU nicht ausreicht. Und auch bei der maximalen Kühlerhöhe schränkt das Inkubus 300µ stark ein. Das Kühlsystem ist schlicht, aber überzeugend. Der große Bodenlüfter kühlt praktisch die gesamte Vorderseite des Mainboards. Bei einer CPU im empfohlenen TDP-Rahmen kann man sich nach unseren Eindrücken dadurch gleich den CPU-Lüfter sparen. Der 140-mm-Lüfter von Noctua überzeugt auch akustisch. Im Leerlauf bleibt er unhörbar. Unter Volllast wird er zwar hörbar, bleibt aber sehr viel angenehmer als die kleineren Lüfter typischer Fertigsysteme im Kompaktformat.  

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Bisher haben wir kein Gehäuse getestet, das mit dem Inkubus 300µ auch nur annähernd vergleichbar wäre. Zumindest vom Format her ähnlich ist Streacoms DB4 Fanless Chassis. Die wuchtigen Aluminiumwände dienen bei diesem Modell nicht nur der Optik, sondern sind gleichzeitig auch regelrecht ein Kühlkörper. Dadurch kann ein genügsames Mini-ITX-System lüfter- und lautlos gekühlt werden. Auch das DB4 ist ein hochpreisiges Gehäuse, als 250-Euro-Modell aber zumindest deutlich günstiger als das Inkubus 300µ.   

Wer den hohen Preis und die angesprochenen Limitierungen nicht scheut, erhält mit dem Inkubus 300µ letztlich ein ganz besonderes, individuelles Luxus-Gehäuse bzw. Komplettsystem.

Positive Aspekte des Inkubus 300µ:

Negative Aspekte des Inkubus 300µ: