Seite 7: Fazit

Die Kooperation zwischen Cooltek und Jonsbo hat dem hiesigen Gehäusemarkt schon einige sehr attraktive Gehäuse beschert. Das W2 macht da keine Ausnahme und verspricht zusätzlich ein interessantes Innenraumkonzept. Es verfolgt einen Ansatz, den zuletzt schon Anbieter wie Corsair und Fractal Design oder auch der Aluminium-Spezialist Lian Li für sich entdeckt haben: Einen Zweikammeraufbau, der vor allem der Kühlung zugute kommen soll. 

Mit seinem Innenaufbau unterscheidet sich das W2 auch deutlich vom UMX2, dem bisher attraktivsten Cooltek/Jonsbo-Gehäuse für ATX-Mainboards. W2 und UMX2 haben zwar den gleichen, vorteilhaften Materialmix (ein robustes Stahlgrundgerüst wird mit dickwandigen Aluminiumflächen kombiniert), im Innenraum gibt es aber kaum Gemeinsamkeiten. Dabei war schon das UMX2 alles andere als ein typischer Midi-Tower: Weil das Netzteil hinter die Front verlagert wurde, kann das Mainboard mit Grafikkarte und Prozessorkühler durch einen direkten, vertikalen Luftstrom gekühlt werden. Das Prinzip vom direkten Luftstrom gibt es auch beim W2, dort sind die Lüfter aber horizontal ausgerichtet. Damit dem Luftstrom wortwörtlich nichts im Wege steht, verlagert Cooltek das Netzteil und die meisten Laufwerke hinter den Mainboard-Tray. Unsere Temperaturmessungen bestätigen, dass sich dieser Aufbau auszahlt. Trotz vorbildlich geringer Lautstärke wird auf der hohen Regelstufe eine gute Kühlleistung erreicht. Bei heruntergeregelten Lüftern steigen die Temperaturen zwar deutlich an, dafür werden die Lüfter aber flüsterleise. Der Zweikammeraufbau stellt außerdem sicher, dass das Mainboardsegment sehr aufgeräumt wirkt. Das zahlt sich vor allem beim Kauf der Variante mit Sichtfenster aus.  

Was man dem W2 am ehesten ankreiden muss, ist die stellenweise mangelnde Nutzerfreundlichkeit. Die abziehbaren Aluminiumpaneele und die vorhandenen Staubfilter sind noch positiv zu bewerten, die Montage der Laufwerke und Erweiterungskarten ist aber vergleichsweise aufwendig. Das gilt vor allem für den Multi-Format-Laufwerkskäfig, der vor der Laufwerksmontage erst selbst ausgebaut werden muss. Der nach hinten gerichtete 5,25-Zoll-Einschub ist kaum praxistauglich und eine Festplattenentkopplung gibt es nur für den 3,5-Zoll-Laufwerksplatz im Mainboardsegment. Ein Storage-Gehäuse ist das W2 aber schon wegen der Anzahl an Laufwerksplätzen nicht.   

Im Vergleich zum UMX2 fällt auch auf, dass Cooltek trotz gleichem Materialmix den Kaufpreis deutlich drücken konnte. Wer das W2 mit geschlossenem Seitenteil kauft, spart 65 Euro. Der Aufpreis für das Sichtfenster (5 Euro) ist zudem sehr fair. Bemerkenswert ist auch, dass das W2 trotz seines Zweikammeraufbaus mehr Wahlfreiheit beim Prozessorkühler bietet. Für die Grafikkarte gibt es ebenfalls etwas mehr Platz. Vergleichbare Zweikammergehäuse, die mindestens ATX-Mainboards aufnehmen, sind Corsairs Carbide Series Air 540 und Lian Lis PC-D600. Beide Modelle beanspruchen deutlich mehr Platz als das kompakte W2, sie bieten dafür aber auch mehr Möglichkeiten bei der Kühlung und bei den Laufwerksplätzen und sind zudem nutzerfreundlicher. Obwohl das Corsairmodell ein einfaches Stahl/Kunststoff-Gehäuse ist, kostet es etwa 20 Euro mehr als das W2. Das PC-D600 spielt als großformatige Vollaluminiumgehäuse ohnehin preislich in einer ganz anderen Liga. Auch kompakte Lian Li-Tower wie das PC-V700 und das PC-V750 sind deutlich teurer.   

Insgesamt bietet das W2 ein Gesamtpaket, das gerade mit Blick auf den europäischen Markt erfolgsversprechend ist. Neben das dezente, aber ausgesprochen edle Erscheinungsbild tritt die ebenfalls unaufdringliche Lautstärkekulisse. Dabei wird dank des optimierten Innenaufbaus trotzdem eine gute Kühlleistung erreicht. Einige Abstriche bei der Nutzerfreundlichkeit gleicht der attraktive Verkaufspreis wieder aus, der dem Cooltek W2 auch unseren Preis-Leistungs-Award beschert.  

alles

Positive Aspekte des Cooltek W2:

  • geschickter Materialmix aus robustem Stahlgrundgerüst und edlen, leicht abnehmbaren Aluminiumflächen
  • wirkt trotz XL-ATX-Unterstützung relativ kompakt, bietet genug Platz für Mainstream-Prozessorkühler und die meisten Grafikkarten
  • dreistufige Lüftersteuerung für die drei vormontierten Lüfter
  • selbst bei maximaler Lüfterdrehzahl angenehm leise, dabei durchaus ordentliche Kühlleistung
  • 280-mm-Radiatorplatz hinter der Front
  • Staubfilter, Kabelmanagement, I/O-Panel mit USB 3.0

Negative Aspekte des Cooltek W2:

  • vergleichsweise aufwändige Montage von Laufwerken und Erweiterungskarten
  • optisches Laufwerk extrem nutzerunfreundlich platziert