Test: Fractal Design Define R4 - Ring frei für Runde Vier

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Scythe_Gekko_logoFractal Designs Define ist ein Erfolgsmodell, das immer weiter verbessert wird. Heute können wir unseren Lesern zum offiziellen Launch einen Exklusivtest von der bereits vierten Auflage, dem Define R4, bieten. Im Test wollen wir vor allem die Änderungen gegenüber dem Define R3 herausarbeiten. Kann Fractal Design dieses Gehäuse noch einmal deutlich optimieren oder gibt es nur kosmetische Anpassungen?

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Mit dem Define begann die Erfolgsgeschichte des in Schweden beheimateten Unternehmens Fractal Design. Auch wenn die Produktpalette mittlerweile deutlich breiter gefasst ist, nimmt das Define nach wie vor die wichtigste Rolle ein. Der Midi-Tower ist als Allrounder konzipiert und kann je nach Bedarf als Silent-Gehäuse genutzt werden, aber nach einiger Anpassung auch ein abwärmeintensives System aufnehmen. Dafür sorgen optionale Lüfterplätze, die im Auslieferungszustand schalldämmend verschlossen sind. Auch die Zahl der Laufwerksplätze fällt so aus, dass den typischen Anforderungen Rechnung getragen wird. Damit die Entwicklungen des Marktes am Define nicht vorbeigehen, gibt es immer wieder neue Revisionen. Bisher war das Define R3 aktuell (zu unserem Test), das mit dem heutigen Tag aber vom Define R4 abgelöst wird.

Fractal Design verspricht für die Neuauflage ein Bündel von Neuerungen: neue und größere Lüfter, neue Lüftersteuerung, zwei USB 3.0-Ports, mehr Platz hinter dem Mainboard-Tray, ein flexibler HDD/SSD-Käfig, zwei zusätzliche SSD-Montageplätze hinter dem Tray. Dabei wird die Grundkonzeption als Allround-Gehäuse genauso wie das dezente Design beibehalten. Gleiches gilt für die Farbauswahl, auch das Define R4 ist in "Black Pearl", "Titanium Grey" und "Arctic White" erhältlich. Wir haben ein schwarzes Testsample erhalten.

Eine Änderung gibt es hingegen beim Preis. Die offizielle Preisempfehlung für das R4 liegt etwas höher als der aktuelle Verkaufspreis des Define R3 USB 3.0. Statt 87 Euro sollen 94,95 Euro fällig werden. Allerdings kann sich der reale Verkaufspreis natürlich auch niedriger einpegeln.

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Neben einer Anleitung liegen dem Gehäuse einige Kunststoffbeutel mit Montagematerial und ein paar schwarze Kabelbinder bei.

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: Fractal Design Define R4
Bezeichnung: Fractal Design Define R4
Material: Stahl, Kunststoff
Maße: 232 (B) x 464 (H) x 523 mm (T) 
Formfaktor: ATX, mATX
Laufwerke: 2x 5,25 Zoll (extern), 8x 2,5- oder 3,5 Zoll (intern, Laufwerksschubladen), 2x 2,5 Zoll (intern, hinter dem Mainboardschlitten)
Lüfter: 2x 120/140 mm (Front, ein 140 mm-Lüfter montiert, einmal optional), 1x 140 mm (Rückseite), 2x 120/140 mm (Deckel, optional), 1x 140 mm (Seitenteil, optional), 1x 120/140 mm (Boden, optional)
Gewicht: ca. 12,3 kg
Preis: 94,95 Euro

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Auf den ersten Blick lässt sich das Define R4 kaum von seinen Vorgängern unterscheiden. Das Design ist das altbekannte - skandinavisch-schlicht und geprägt von der homogenen Kunststofffronttür. Auch beim Gewicht hat sich nicht viel getan. Wegen der verbauten Dämmmatten fällt das Gehäuse etwas schwerer aus als der durchschnittliche Midi-Tower. Etwas getan hat sich hingegen bei den Maßen. Die Revision 4 fällt nun mit 232 mm breiter aus. Wir werden an passender Stelle aufzeigen, was Fractal Design damit bezweckt.

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Eine Silent-Maßnahme ist nach wie vor die nach links öffnende Fronttür. Gleichzeitig sorgt sie aber auch für den "cleanen Look" des Gehäuses.

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Die Türrückseite wurde mit Dämmmaterial verkleidet. Hinter der Tür zeigen sich Lüftungsöffnungen und die beiden 5,25-Zoll-Einschübe, die von leicht abnehmbaren Kunststoffblenden verdeckt werden.

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Bei genauem Hinsehen zeigt sich hier auch schon eine der Neuerungen des Define R4. Fractal Design ersetzt die altbekannte Slotblenden-Lüftersteuerung durch einen leichter erreichbaren Schalter. Damit können drei Lüfter in drei klar definierten Stufen geregelt werden. 5, 7 und 12 Volt stehen zur Auswahl. Die beiden verbauten Lüfter sind zwar selbst bei 12 Volt vergleichsweise leise, aber doch noch hörbar. Bei 5 Volt sind sie hingegen flüsterleise, eben wirklich silent. Welche Auswirkungen die Lüftergeschwindigkeit auf die Temperaturen der Hardware hat, zeigen wir beim Punkt Messungen auf.

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Eine Änderung gibt es auch bei den Lüftern. Das R4 wird nun mit langlebigen, hydraulisch gelagerten Silent Series R2-Lüftern ausgeliefert, die beide 140 mm groß sind und mit bis zu 1000 U/min arbeiten. Nach wie vor wird das Gehäuse allerdings mit zwei Lüftern ausgeliefert - je einer in Front und an der Rückwand. Eine leicht lösbare Abdeckung verdeckt die Frontlüfterplätze. Neu ist hier auch die werkzeuglose Lüftermontage.


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Das linke Seitenteil bietet einen optionalen 140-mm-Lüfterplatz, der im Auslieferungszustand allerdings verschlossen ist. So kann an dieser Stelle kein Schall aus dem Gehäuse dringen.

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Anders als sein Gegenüber muss das rechte Seitenteil ohne Lüfterplatz auskommen. Beide Seitenteile werden mit praktischen Rändelschrauben fixiert, dank der rückseitigen Griffmulde lassen sie sich leicht abnehmen.

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Der zweite 140-mm-Lüfter hat seinen Platz an der Rückwand gefunden. Im Vergleich zum R3 fallen die fehlenden Schlauchdurchführungen auf. Allerdings dürfte der Anteil der Nutzer, die eine externe Wasserkühlung einsetzen, ohnehin eher gering sein. Dafür gibt es jetzt einen zusätzlichen Slot seitlich der regulären Erweiterungskartenslots. Hier ließe sich z.B. eine Slot-Lüftersteuerung unterbringen.

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Die beiden 120/140-mm-Lüfterplätze im Deckel sind im Auslieferungszustand ebenfalls verschlossen.

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Im vorderen Bereich des Deckels lassen sich sowohl Power- und Resetschalter als auch das I/O-Panel entdecken. Gegenüber dem R3 wurde der eSATA-Port gestrichen. Dafür gibt es jetzt endlich zwei USB 3.0-Port (das reguläre R3 hatte noch keinen USB 3.0-Port, das R3 USB 3.0 nur einen) zum Anschluss an den entsprechenden Mainboard-Header. Daneben stehen zwei USB 2.0-Ports und Audioanschlüsse zur Verfügung.

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Der Midi-Tower steht auf vier entkoppelten Standfüßen. Neu ist der durchgehende Staubfilter, der zur Reinigung leicht nach hinten herausgezogen werden kann.


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Die Seitenteile wurden mit Dämmmatten verkleidet. Das vergleichsweise hohe Gewicht verspricht eine gute Körperschalldämmung. Der optionale Lüfterplatz wird von einem separaten Stück Dämmmaterial verdeckt. Fractal Design spricht von "ModuVent-Design": Die Abdeckung wird von vier Schrauben an ihrem Platz gehalten. Bei Bedarf kann sie leicht entfernt und an ihrer Stelle ein Lüfter montiert werden, der dann vor allem für zusätzliche Kühlung der Erweiterungskarten sorgt.alles

Der Innenraum wurde im Vergleich zum R3 etwas umgestaltet - das gilt vor allem für den Laufwerksschacht. Geblieben ist aber der auffällige Kontrast aus schwarzer Innenraumlackierung und weißen Farbakzenten.

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Das Netzteil wird durch weiche Auflagepunkte und eine rückseitige Maske entkoppelt. Wenn das Netzteil nicht zu lang ausfällt, kann daneben bei Bedarf ein Boden-Lüfter montiert werden. Die Fixierung der Erweiterungskarten erfolgt mit Rändelschrauben, ist also ohne Werkzeug möglich.

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Auch im Deckel werden optionale Lüfterplätze vom ModuVent-Design verschlossen. Alternativ könnte das Areal um den CPU-Sockel durch zwei Deckellüfter noch besser gekühlt werden.


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Die größte Veränderung im Innenraum betrifft den Laufwerksschacht. Es gibt zwar nach wie vor zwei 5,25-Zoll- und acht interne 2,5-/3,5-Zoll-Einschübe, aber nicht mehr nur einen HDD/SSD-Käfig. Stattdessen verbaut Fractal Design zwei Käfige mit drei bzw. fünf Einschüben. Der obere Käfig kann um 90 Grad gedreht montiert oder auch ganz herausgenommen werden. In den Käfigen nehmen die altbekannten Schubladen HDDs und SSDs auf. Gummiringe sorgen für Entkopplung.

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Der obere HDD/SSD-Käfig lässt sich nach dem Lösen von zwei Rändelschrauben leicht entnehmen und bei Bedarf genauso leicht wieder an seinen Platz setzen. Bei entferntem Käfig haben die Erweiterungskarten deutlich mehr Platz.

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Gegenüber dem Define R3 hat Fractal Design für mehr Platz hinter dem Tray gesorgt. So lassen sich Kabel besser versteckt verlegen. Uns fiel auch positiv auf, dass die Gummidurchführungen fester sitzen als bei unserem R3-Sample. Neu sind außerdem einige Bohrungen, die es ermöglichen, zwei SSDs an der Tray-Rückseite zu befestigen.

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Das verbesserte Kabelmanagement kommt einem aufgeräumterem System zugute. An der Montage der Komponenten hat sich hingegen nichts geändert. Dementsprechend konnten wir unser Testsystem auch in das R4 schnell und problemlos einbauen.


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: Intel Core i3-530 @ 2,93 GHz
Prozessor-Kühler: Scythe Yasya, passiv gekühlt
Mainboard: Gigabyte GA-H55M-USB3
Arbeitsspeicher: 4096 MB Crucial 1333 MHz
Festplatte: Western Digital Raptor 74 GB
Grafikkarte: Sapphire Radeon HD 4670, passiv gekühlt
Betriebssystem: Windows 7 x64 Home Premium

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 30 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximalen Kerntemperaturen mit dem Systemtool Lavalys Everest. Die einzelnen Kerntemperaturen werden addiert und durch die Anzahl der physikalischen Kerne dividiert.

Im direkten Anschluss wurde die Grafikkarte mittels FurMark auf Temperatur getrieben. FurMark ist ein kostenloser OpenGL-Benchmark und bietet einen Xtreme-Burning-Mode, der die Grafikkarte temperaturmäßig ans Limit bringt. Auch die Grafikkarte wurde 30 Minuten lang ausgelastet.

Die Betrachtung der Temperaturen im Idle-Zustand (= Leerlauf) wird zunehmend uninteressanter, da sowohl die Prozessor- als auch die Grafikkartenhersteller sehr gute Stromspartechniken entwickelt haben. Im Zuge dessen werden die Rechenkerne im Idle-Zustand herunter getaktet und die Stromspannung reduziert. Infolgedessen wird die erzeugte Abwärme auf ein Minimum reduziert.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

Beurteilung der Temperaturen:

Unser passives Testsystem setzt sich zwar nicht aus aktueller High-End-Hardware zusammen, zeigt aber gut die Stärken und Schwächen der Gehäusekühlung auf. Im Auslieferungszustand ist das Define R4 klar auf geringe Geräuschemission getrimmt. Die beiden verbauten 140-mm-Lüfter drehen auch auf 12 Volt nicht sehr hoch, optionale Lüfteröffnungen sind verschlossen. Natürlich setzt sich das Gehäuse so nicht an die Spitze des Testfelds, es werden aber trotzdem durchaus akkzeptable Temperaturen erreicht. Werden die Lüfter hingegen nur mit 5 Volt betrieben, klettern die Temperaturen noch einmal deutlich nach oben - im Fall des Prozessors z.B. um beachtliche 16 Grad (der passiv gekühlten Grafikkarte haben wir diese Tortur gleich erspart).

Hier wird deutlich, dass wirklicher Silent-Betrieb auch eine entsprechend genügsame Hardware erfordert. Wer abwärmeintensive Hardware verbauen möchte, muss trotzdem nicht gleich einen Bogen um das Define R4 machen. Er kann schließlich einige weitere Lüfter montieren und so die Kühlleistung deutlich steigern.

Weitere Messungen in der Übersicht:

Wir messen die maximale Höhe des Prozessorkühlers und die maximale Grafikkartenlänge mithilfe eines handelsüblichen Zollstocks und berücksichtigen auch vorhandene Hersteller- bzw. Händlerangaben. Daraus resultieren gewisse Messungenauigkeiten. Die Werte können zwar als Orientierung dienen, sind aber keineswegs mm-genau.

Höhe Prozessorkühler:

Eine maximale CPU-Kühlerhöhe von 17 cm ist völlig ausreichend, um handelsübliche Tower-Kühler (wie den 159 mm hohe Scythe Yasya unseres Testsystems) unterbringen zu können.

Grafikkartenlänge:

Schon mit montiertem oberen HDD/SSD-Käfig stehen 29 cm für Erweiterungskarten zur Verfügung, was für die meisten handelsüblichen Grafikkarten ausreicht. Bei Bedarf kann der Käfig entfernt werden, dann ließen sich sogar Erweiterungskarten mit bis zu 42 cm Länge verbauen.

Platz hinter dem Mainboardschlitten:

Zwischen Tray und Seitenteil haben wir konservativ etwas über 2 cm gemessen. Fractal Design selbst gibt einen Abstand von 2,6 cm an.


Fractal Design geht mit den Define-Modellen einen ungewöhnlichen Weg. Statt auf immer neue Modelle zu setzen, wird ein einmal entworfenes Gehäuse konsequent weiterentwickelt. Deshalb müssen die Schweden das Rad nicht immer wieder neu erfinden, sondern können sich darauf konzentrieren, das Define immer besser zu machen. Mit der vierten Revision wurde ein neues Level erreicht. Natürlich bietet auch das Define R4 die altbekannten Tugenden wie Silent-Eignung, flexible Kühloptionen und einen sinnvollen Mix an Laufwerksplätzen.

Im Detail wurden aber doch beachtliche Verbesserungen umgesetzt, die teilweise aktuelle Trends aufgreifen. Mehr Platz hinter dem Mainboardschlitten für Kabelmanagement, USB 3.0 mit internem Anschluss, zusätzliche SSD-Montageplätze hinter dem Tray und der modulare HDD-Käfig gehören dazu. Bessere und vor allem größere Lüfter und eine einfacher erreichbare Lüftersteuerung (die allerdings keine stufenlose Regelung mehr zulässt) runden die Liste der Anpassungen ab. Dabei glänzt das Define R4 bei heruntergeregelten Lüftern mit einem beeindruckend leisen, weil kaum wahrnehmbaren Betriebsgeräusch.

Weggefallen sind bei der neuen Revision allerdings die Schlauchdurchführungen auf der Rückseite. Allerdings ist fraglich, ob überhaupt ein nennenswerter Anteil der Nutzer davon Gebrauch machen würde. Auf eSATA muss nun ebenfalls verzichtet werden.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es noch beim Preis. Zumindest die Preisempfehlung wurde etwas höher angesetzt als der bisherige Verkaufspreis des Define R3. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich der reale Verkaufspreis nicht doch unterhalb der offiziellen Empfehlung von 94,95 Euro einpegeln wird.

Nach wie vor gibt es kaum ein Konkurrenzmodell, das so flexibel wahlweise als Silent-Gehäuse oder als Gehäuse mit leistungsstarker Kühlung genutzt werden kann. Zu nennen wäre hier am ehesten noch Antecs P280 (zu unserem Test). Auch dieses Gehäuse bietet sowohl Silentmaßnahmen als auch flexible Kühloptionen und dazu ebenfalls ein dezentes Design. Das geringfügig teurere P280 kann sogar XL-ATX-Mainboards aufnehmen, ist aber nicht ganz so leise wie das Define R4. 

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Fractal Design ist beim Define R4 konsequent die Schwächen der Vorgänger angegangen und hat ein ohnehin schon gutes Allround-Gehäuse noch besser gemacht. Und zwar so gut, dass wir kaum etwas kritisieren können, sondern unseren Exzellent-Hardware-Award zücken.

Positive Aspekte des Fractal Design Define R4:

Negative Aspekte des Fractal Design Define R4: