Test: SilverStone TJ08-E - µATX-Gehäuse durchlebt Evolution

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SilverStone hat 2006 mit dem Temjin TJ08 einen Klassiker auf den Markt gebracht - einen bezahlbaren Mini-Tower mit dezenter, aber edler Optik und seinerzeit beachtlicher Kühlleistung. In der Zwischenzeit sind einige Jahre ins Land gegangen und das Gehäusesegment hat so manchen Wandel durchlebt. Mit einer Neuauflage des TJ08 möchte SilverStone dem jetzt Rechnung tragen. Das TJ08 Evolution (TJ08-E) soll dabei das zeitlose Design des Temjin TJ08 mit einer zeitgemäßen Ausstattung kombinieren und somit einen Evolutionssprung realisieren.

SilverStone realisiert beim TJ08-E gleich eine Reihe von zeitgemäßen Ausstattungsmerkmalen. Ob das neue Kühldesign mit einem großen 180-mm-Lüfter in der Front, der Kopf stehende, herausnehmbare Mainboard-Tray, die schwarze Innenraumlackierung, USB 3.0-Port, leicht erreichbare Staubfilter und manches Feature mehr - SilverStone hat dem Mini-Temjin zumindest auf dem Papier eine Rundumerneuerung spendiert. Trotzdem ist der Preis im Rahmen geblieben - bei unserem Partner Caseking.de wird das TJ08-E ab dem 23. September für 92,90 Euro angeboten.

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Der Lieferumfang ist überschaubar. Es gibt einen Beutel mit Montagematerial, eine Anleitung (nicht abgebildet), ein Schaumstoffelement zum Abstützen langer Grafikkarten, einen Adapter zum Anschluss der USB 3.0-Ports an einem herkömmlichen internen USB 2.0-Header und einen SilverStone-Sticker.

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: SilverStone TJ08-E
Bezeichnung: SilverStone TJ08-E
Material: Stahl, Aluminium (Front)
Maße: 210 (B) x 374 (H) x 385 mm (T) 
Formfaktor: Micro ATX, Mini-DTX, Mini-ITX
Laufwerke: 2 x 5,25 Zoll (extern), 1 x 3,5 Zoll (extern), 4 x 3,5 Zoll (intern), 1 x 2,5 Zoll (intern)
Lüfter: 1 x 180 mm (Front),  1 x 120 mm (Rückseite, optional)
Gewicht: ca. 5,3 kg
Preis: 92,90 Euro

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Als Ausgangspunkt gehen wir fünf Jahre zurück und werfen einen Blick auf das Ur-TJ08. Das Stahlgehäuse wurde durch eine Aluminiumfront aufgewertet und kann mit einem schlichten, zeitlosen Design auch heute noch punkten.

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Die Optik des TJ08-E erinnert sehr an den Vorgänger. SilverStone paart wiederum ein Stahlgehäuse mit einer edlen Aluminiumfront. Auf den ersten Blick werden allerdings auch einige Unterschiede deutlich.

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Dazu gehört der deutlich vergrößerte Lufteinlass, hinter dem sich nun ein 18 cm großer Air Penetrator-Lüfter (SST-AP181) verbirgt. Dieser Lüfter soll einen gebündelten Luftstrom erzeugen und so die Kühlung optimieren. SilverStone verlässt sich für diese Gehäusekühlung komplett auf den Frontlüfter, andere Lüfter gibt es nicht. Dadurch wird ein Überdruck erzeugt, der Staubablagerungen vorbeugt.

Doch nicht nur beim Lüfter hat es Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger gegeben. Das I/O-Panel ist von der Unterkante der Front an eine höhere und damit in der Regel besser erreichbare Position gewandert. Zeitgemäß bietet es zwei schnelle USB 3.0-Anschlüsse, die per internem Header angebunden werden. Auch die obligatorischen Audio-Buchsen sind vorhanden. Eine weitere Veränderung gab es bei der Anordnung der externen Laufwerke. Es gibt zwar weiterhin zwei Einschübe für 5,25-Zoll-Laufwerke, der eine vorhandene 3,5-Zoll-Einschub hat seinen Platz allerdings an einer ungewohnten Stelle gefunden - über dem Gehäuseboden.

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Eine deutliche Verbesserung gegen dem TJ08 stellen die neuen Staubfilter dar. SilverStone hat hier ganze Arbeit geleistet, so leicht wie beim TJ08-E fällt die Entnahme wohl momentan bei keinem anderen Gehäuse. Der Filter des Frontlüfters kann einfach seitlich herausgezogen werden. Der Netzteilfilter oben auf dem Deckel wird hingegen nur von Magneten an seiner Position gehalten und ist damit noch schneller entfernbar. 


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Das durchgehende linke Seitenteil wird von zwei Rändelschrauben an seinem Platz gehalten, eine Griffmulde an der Rückseite erleichtert das Handling.

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Das rechte Seitenteil entspricht seinem Gegenüber. Auf dieser Seite hat SilverStone aber noch eine Besonderheit versteckt: Mit dem kleinen Schalter oberhalb des Frontstaubfilters kann der Air Penetrator-Lüfter wahlweise mit 700 oder 1200 U/min betrieben werden.

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Der Mini-Tower steht auf vier Gummihalbkugeln und wird so vom Untergrund entkoppelt. Anders als bei den meisten aktuellen Gehäusen hat SilverStone darauf verzichtet, das Netzteil am Boden unterzubringen.

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Stattdessen hat das Netzteil seinen Platz unter dem Deckel gefunden. Je nach Systemkonfiguration kann das Netzteil thermisch vom Rest des Systems separiert werden, indem der Lufteinlass nach oben ausgerichtet wird, oder Teil des Kühlkonzepts sein, wenn der Lufteinlass nach unten gerichtet ist. Letztere Konfiguration bietet sich vor allem an, wenn der Netzteillüfter die Kühlung der Grafikkarte unterstützen soll. Denn auch beim Mainboard geht SilverStone ungewöhnliche Wege, es wird kopfüber montiert. Der Grafikkartenkühler zeigt demzufolge in Richtung Netzteil. Die Rückseite kann bei Bedarf einen zweiten Gehäuselüfter (120 mm) aufnehmen.

Eine etwas aufwendige Lösung hat SilverStone für die Montage der Erweiterungskarten gewählt. Ein Käfig verdeckt die Schrauben der Erweiterungskarten. Er muss erst entfernt werden, um Erweiterungskarten zu montieren oder zu demontieren.


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Auch beim Innenraum blicken wir noch einmal zurück ins Jahr 2006 und in das alte TJ08. Zu sehen ist der klassische Innenaufbau eines ATX-Gehäuses mit dem unter dem Deckel zu montierenden Netzteil. Auf den ersten Blick fällt auch die graue Lackierung ins Auge, die in Zeiten schwarzer Innenräume etwas antiquiert wirkt.

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Das Mainboard steht im neuen TJ08-E nicht nur auf dem Kopf, der Tray ist auch noch auf die linke Gehäuseseite gewandert. Im Tray gibt es Aussparungen für die CPU-Kühlermontage und für Kabelmanagement. Aus dieser Perspektive ist auch gut erkennbar, wie viel Platz der große 180-mm-Frontlüfter einnimmt.

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Beim TJ08-E wird der Blick ins Gehäuseinnere nach Abnehmen des rechten Seitenteils möglich. Anders als bei der Frontgestaltung hat SilverStone hier ein völlig neues Konzept umgesetzt, die Innenräume von TJ08 und TJ08-E sind völlig unterschiedlich.

Das Innere des SilverStone-Gehäuses gliedert sich in einen unteren Bereich mit dem 3,5-Zoll-Laufwerkskäfig und dem eigentlichen System sowie in das obere Segment, das Netzteil und optische Laufwerke aufnimmt.

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Das TJ08-E lässt sich schnell relativ weit zerlegen. Der Mainboard-Tray kann nach Lösen einiger Schrauben herausgenommen werden - eine praktische und leider immer noch viel zu selten umgesetzte Lösung. Der von sechs Schrauben gehaltene Deckel muss zur Montage des Netzteils abgenommen werden. Die maximale Netzteillänge sollte 160 mm nicht übersteigen, ein Netzteil mit Kabelmanagement oder zumindest wenigen Kabelsträngen empfiehlt sich. Auch der mit zwei Schrauben fixierte Festplattenkäfig kann zur Laufwerksmontage leicht entfernt werden.

Am Boden des Gehäuses gibt es noch ein ungewöhnliches Ausstattungsmerkmal - eine verstellbare Kunststoffhalterung kann den Prozessorkühler stützen.

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Das Innenleben des Gehäuses sieht auch mit verbautem System ungewohnt aus - das System steht wortwörtlich Kopf. Die Montage nahm angesichts der knappen Platzverhältnisse, der ungewohnten Komponentenanordnung und des nötigen Schraubenziehereinsatzes etwas Zeit in Anspruch.

Ungünstig sind die Platzverhältnisse um den Mainboardsockel herum. Festplatten ragen relativ weit in Richtung Prozessorkühler. Wir konnten deshalb den CPU-Lüfter nicht wie gewohnt blasend montieren und haben uns deshalb entschieden, den semi-passiven Betrieb zu erproben. Bei breiten Prozessorkühlern kann es hier schnell zu richtigen Problemen kommen. Mehr Platz haben dafür Grafikkarten, die einfach über den Festplattenkäfig hinausragen. Eine Kunststoffplatte auf dem Käfig verhindert, dass Metall in Kontakt mit der Grafikkarte kommen kann.

Die Festplatten werden mit dem Käfig verschraubt. Dünne Matten an den Innenwänden des Laufwerkskäfigs sorgen anschließend für eine Entkopplung.


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

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Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: Intel Core i3-530 @ 2,93 GHz
Prozessor-Kühler: Scythe Yasya mit PWM-geregeltem Lüfter
Mainboard: Gigabyte GA-H55M-USB3
Arbeitsspeicher: 4096 MB Crucial 1333 MHz
Festplatte: Western Digital VelociRaptor 80 GB
Grafikkarte: Sapphire Radeon HD 5830
Betriebssystem: Windows 7 x64 Home Premium

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 30 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximalen Kerntemperaturen mit dem Systemtool Lavalys Everest. Die einzelnen Kerntemperaturen werden addiert und durch die Anzahl der physikalischen Kerne dividiert.

Im direkten Anschluss wurde die Grafikkarte mittels FurMark auf Temperatur getrieben. FurMark ist ein kostenloser OpenGL-Benchmark und bietet einen Xtreme-Burning-Mode, der die Grafikkarte temperaturmäßig ans Limit bringt. Auch die Grafikkarte wurde 30 Minuten lang ausgelastet.

Die Betrachtung der Temperaturen im Idle-Zustand (= Leerlauf) wird zunehmend uninteressanter, da sowohl die Prozessor- als auch die Grafikkartenhersteller sehr gute Stromspartechniken entwickelt haben. Im Zuge dessen werden die Rechenkerne im Idle-Zustand herunter getaktet und die Stromspannung reduziert. Infolgedessen wird die erzeugte Abwärme auf ein Minimum reduziert.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

Beurteilung der Temperaturen:

Für einen Mini-Tower weist das TJ08-E erstaunlich gute Temperaturen auf und braucht sich auch vor größeren Gehäusen nicht zu verstecken - vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der Prozessor anders als bei den Vergleichssystemen semi-passiv, also nur vom Frontlüfter, gekühlt wurde. Das Konzept mit dem großen einsaugenden 180-mm-Lüfter bewährt sich also offensichtlich. Bei Festplatten- und Mainboardtemperatur werden sogar Bestwerte erreicht.

Allerdings lief der Lüfter für die Temperaturmessungen auch mit voller Drehzahl (1200 U/min) und war dabei relativ laut. Mit 700 U/min (zweite Drehzahloption) arbeitet der Lüfter deutlich angenehmer. Dabei steigen dann aber auch die Temperaturen - die CPU wird z.B. mit 50 Grad Celsius 6 Grad wärmer als bei voller Lüfterdrehzahl.

Weitere Messungen in der Übersicht:

Grafikkartenlänge:

Das Gehäuse kann Grafikkarten mit bis zu etwa 33 cm Länge und damit alle aktuellen Modelle aufnehmen.


SilverStone hat dem altgedienten TJ08 eine erstaunliche Verjüngungskur spendiert. Das junge TJ08-E behält zwar die zeitlose Optik und die hochwertige Aluminiumfront bei, im Inneren wurde es jedoch komplett neu gestaltet. Die Komponentenanordnung erinnert an das BTX-Format, allerdings wurde das Mainboard zusätzlich noch um 180 Grad gedreht. Auch das Kühlkonzept ist neu - ein 180-mm-Lüfter in der Front übernimmt die Frischluftversorgung der Komponenten. Und er erledigt seine Aufgabe so gut, dass wir sogar problemlos auf einen CPU-Lüfter verzichten konnten. Die Temperaturen der anderen Komponenten geben ebenfalls keinen Grund für Beanstandungen. Weitere zeitgemäße Ausstattungsmerkmale des Mini-Towers sind die beiden USB 3.0-Ports, ein 2,5-Zoll-Laufwerksplatz, Platz für lange Hochleistungsgrafikkarten und die extrem leicht zugänglichen Staubfilter. Doch SilverStone hat auch einige interessante Detaillösungen umgesetzt. So gibt es eine anpassbare Stütze für Tower-Kühler und ein Auflagepad für lange Grafikkarten.

Negativ fiel vor allem die zeitaufwendige Systemmontage ins Auge. Hier hätten wir uns an mancher Stelle elegantere Lösungen gewünscht. Außerdem können sich die Festplatten schnell mit ausladenden CPU-Kühlern in die Quere kommen.

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Zur besseren Einordnung des TJ08-E ist ein Vergleich mit Lian Lis PC-A04 (zu unserem Test) - sicherlich einer der schärfsten Konkurrenten - hilfreich. Beide Mini-Tower werden momentan zu einem vergleichbaren Preis von etwa 90 Euro angeboten, verfolgen aber sehr unterschiedliche Philosophien. Auf den ersten Blick kann das Lian Li-Modell als Vollaluminiumgehäuse punkten. Dafür ist im Innenraum des PC-A04s anders als beim SilverStone-Modell kaum Innovation anzutreffen. Nur die Laufwerks- und Erweiterungskartenmontage kann beim Lian Li-Modell deutlich mehr überzeugen. Beide Konkurrenten liefern sich insgesamt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, eine Kaufentscheidung muss letztlich nach den persönlichen Vorlieben oder Ansprüchen des jeweiligen Käufers getroffen werden. 

Abschließend kann SilverStone zu einer gelungenen Frischzellenkur gratuliert werden. Während das zeitlose Äußere des Ur-TJ08 beibehalten wurde, fand im Inneren des TJ08-E ein wahrer Evolutionssprung statt.

Positive Aspekte des SilverStone TJ08-E:

Negative Aspekte des SilverStone TJ08-E:

Weiterführende Links: