Test: Fractal Design Define R3 - Silent-Gehäuse geht in die 3. Runde

Veröffentlicht am: von

Scythe_Gekko_logoDas schwedische Unternehmen Fractal Design konnte sich schnell im Gehäuse-Segment etablieren. Funktionale Gehäuse mit schlichtem Design, teilweise sogar mit Dämmmatten ausgekleidet, setzen sich für viele wohltuend von typischen Gamer-Gehäusen ab. Die erste und bisher erfolgreichste Gehäuseserie der Schweden stellt die Define-Serie dar. Mit dem Define R3 hat sich die jüngste Version dieses Midi-Towers bei uns zum Test eingefunden.

 

Das Define R3 ist bereits die dritte Auflage von Fractal Designs erfolgreichem Gehäuse, das die typischen Merkmale der Serie aufweisen kann - dezente Optik, vorinstallierte Dämmmatten und mit rund 85 Euro einen der Ausstattung angemessenen Preis. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Define R2, wurden einige Detailverbesserungen vorgenommen. Dazu gehören u.a. neue Lüfter, die für einen besseren Luftstrom sorgen sollen, bessere Schalldämmmatten, ein größerer Ausschnitt im Mainboard-Tray für die CPU-Kühler-Montage und ein optimiertes Kabelmanagement. Das Gehäuse wird in ganzen vier Farbvarianten angeboten: Arctic White, Black Pearl, Silver Arrow und Titanium Grey. Während erste Variante komplett in Weiß erstrahlt, unterscheiden sich die drei anderen Modelle nur in der Farbe der Fronttür, ansonsten sind sie schwarz. Wir haben die Variante mit schwarzer Front, das Black Pearl, erhalten.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Aus dem Zubehör sticht vor allem die 3-Kanal-Lüftersteuerung hervor. Sie kann in einer freien Slotblende montiert werden und wird per Molexstecker ans Netzteil angeschlossen. Ansonsten legt Fractal Design eine 5,25-auf-3,5-Zoll-Laufwerksblende, zwei Klettverschlüsse für das Bündeln von Kabeln, Montagematerial und eine Produktbroschüre bei.

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:
Eckdaten: Fractal Design Define R3
Bezeichnung: Fractal Design Define R3
Material: Stahl, Kunststoff
Maße: 207,4 (B) x 440 (H) x 521,2 mm (T) 
Formfaktor: ATX, Micro ATX, Mini ITX
Laufwerke: 2 x 5,25 Zoll (extern), 1 x 3,5 Zoll (extern, aus einem 5,25-Zoll-Einschub), 8 x 3,5 Zoll (intern, auch für 2,5-Zoll-Laufwerke nutzbar)
Lüfter: 1 x 120 mm (Rückseitig),  2 x 120 mm (Front; einmal vormontiert, einmal optional), 2 x 120 oder 140 mm (Deckel, optional), 1 x 120 oder 140 mm (Seitenteil, optional), 1 x 120 oder 140 mm (Boden, optional),
Gewicht: ca. 12,5 kg
Preis: rund 85 Euro

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

In der getesteten Black Pearl-Variante ist das Define R3 sehr unauffällig und schlicht. Dazu trägt besonders die durchgehende Fronttür bei, die noch nicht einmal ein Herstellerlogo aufweist. Das Gehäusedesign ist also vollendetes skandinavisches Understatement.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Einziges Gestaltungselement der Fronttür ist die Power-LED, die in die sonst homogene Fläche hineinragt.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Die nach links öffnende Tür ist auf der Innenseite mit einer Lage dünnen Schaumstoffs verkleidet. Damit wird das Geräusch des Frontlüfters wirkungsvoll gedämmt. Im oberen Bereich der Front ist Platz für zwei 5,25-Zoll-Laufwerke. Das scheint etwas wenig - doch Fractal hat sich dazu entschlossen, mehr 2,5-/3,5-Zoll-Laufwerksplätze auf Kosten der 5,25-Zoll-Laufwerksplätze zu bieten. Ob man diese Entscheidung gut heißt, hängt von den jeweiligen eigenen Bedürfnissen ab.

Unterhalb der 5,25-Zoll-Einschübe gibt es zwei 120-mm-Lüfterplätze. Durch Drücken öffnen sich die davor befindlichen Türen. Unserem Testsample fehlte die zum Verschließen nötige Kunststoffnase bei einer dieser Türen. Hinter den Lüftertüren kommen die eigentlichen Lüfterplätze zum Vorschein, die mit einem Staubfilter versehen sind. Fractal Design liefert einen vormontierten Lüfter mit. Auf voller Drehzahl ist er deutlich hörbar (besonders bei offener Fronttür), heruntergeregelt ist er dann relativ leise

Im rechten Randstreifen befindet sich versteckt der Reset-Schalter.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Die Kunststofffront verfügt über seitliche Lüftungsschlitze, die aus dieser Perspektive gut zu sehen sind. Die Front wird von Kunststoffnasen am eigentlichen Gehäuse festgehalten. Bei unserem ersten Testsample waren die Nasen offenbar während des Transports beschädigt worden, die Front war lose. Auch beim zweiten Sample war eine Nase abgebrochen.  

Das linke Seitenteil kann optional einen 120- oder 140-mm-Lüfter aufnehmen. Dafür muss allerdings das Dämmmaterial entfernt werden, mit dem die Lüfteröffnung werksseitig verschlossen ist.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Beide Seitenteile werden mit zwei Rändelschrauben fixiert. Dank Griffmulde lassen sie sich leicht abnehmen.


Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Auch die beiden Öffnungen für 120- oder 140-mm-Deckellüfter sind mit schalldämmendem Material verschlossen. Der Käufer erhält also ein im Auslieferungszustand gut gedämmtes Gehäuse, bei dem er gegebenenfalls selber Schalldämmung gegen optionale Lüfter und damit höhere Kühlleistung tauschen kann. Damit ist das Define R3 relativ flexibel anpassbar und kann nicht nur als Silent-Gehäuse genutzt, sondern mit optionalen Lüftern auch für Systeme mit höherer Abwärme fit gemacht werden.

Im vorderen Bereich des Deckels wurde das I/O-Panel platziert. Es bietet mit Audioanschlüssen, zweimal USB 2.0 und eSATA eine sehr konventionelle Ausstattung. Wie die Power-LED wird auch der Power-Schalter im Betrieb blau beleuchtet.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Das Gehäuse steht auf silberglänzenden Kunststofffüßen, die durch einen Gummiring von der Standfläche entkoppelt werden. In der Mitte ist der Platz für den optionalen 120- oder 140-mm-Bodenlüfter zu sehen. Sein Staubfilter wurde auf der Innenseite angebracht. Der Staubfilter des Netzteils wurde hingegen so konzipiert, dass er leicht von außen erreichbar ist. Er kann einfach nach hinten herausgezogen werden.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Abgesehen von den weiß lackierten Slotblenden mit Luftdurchlässen bietet die Rückseite keine Überraschungen. Hier wurde der zweite vormontierte Lüfter untergebracht - ebenfalls ein 120-mm-Modell. Für ihn gilt dasselbe wie für den Frontlüfter - mit der mitgelieferten Lüftersteuerung heruntergeregelt ist er angenehm leise, bei voller Drehzahl (1350 U/min) hingegen deutlich hörbar. Die Lüftersteuerung bietet die Möglichkeit, bis zu drei Lüfter in einem relativ weiten Drehzahlbereich zu regeln und ist damit eine sinnvolle Ergänzung. Für externe Wasserkühlungen gibt es gleich vier Schlauchdurchführungen.


Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Beide Seitenteile sind von innen mit Dämmmaterial beklebt. Im linken Seitenteil wird die Lüfteröffnung von einer separaten Dämmmatte bedeckt. Die eingesetzten Dämmmatten sind relativ dünn und nahezu geruchsneutral (was bei Dämmmatten nicht immer der Fall ist).

Beim Montieren der Seitenteile ist Vorsicht angesagt - die dünnen Haltenasen können leicht verbogen werden.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Der schwarz lackierte Innenraum wird mit weißen Slotblenden, Lüfterelementen und Festplattenhalterungen kontrastiert. Auffällig ist hier noch einmal die Verteilung der Laufwerkseinschübe - den zwei 5,25-Zoll-Einschüben stehen ganze acht Festplatteneinschübe gegenüber.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Zur Festplattenmontage nutzt Fractal Design ein Schubladensystem. Die einzelnen Halterungen können herausgenommen werden, die Laufwerke werden dann von unten verschraubt. Die Gummiummantelung der Montagelöcher sorgt für Entkoppelung - und zwar den Eindrücken mit unserer VelociRaptor zufolge durchaus wirkungsvoll. Zugriffsgeräusche waren deutlich leiser zu hören als bei unentkoppelter Montage. Die inneren Montagelöcher sind für 2,5-Zoll-Laufwerke vorgesehen. So können auch SSDs unkompliziert montiert werden - und das in allen acht Laufwerkshalterungen. 


Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Erweiterungskarten werden mit Rändelschrauben fixiert, auf ein ausgefeilteres Montagesystem wurde verzichtet. Das Netzteil ruht entkoppelt auf gummierten Auflagepunkten.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Gut zu sehen sind die schalldämmenden Abdeckungen der Lüfteröffnungen im Deckel. Die Aussparung für die CPU-Kühlermontage ist großzügig (größer als beim Vorgängermodell, dem R2). Allerdings hatte sich bei unserem Sample die Ummantelung ohne Zutun gelöst.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Die Rückansicht des Trays zeigt die vielfältigen Möglichkeiten für das versteckte Verlegen von Kabeln. Die Durchführungen sind mit Gummi ummantelt. Allerdings sitzen auch diese Ummantelungen relativ locker. Sie können leicht versehentlich herausgedrückt werden.

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Die Installation des Testsystems ging leicht von der Hand. Die Laufwerksmontage ist zwar nicht werkzeuglos, dank der herausnehmbaren Schubladen aber unkompliziert. Unser Testsystem hat natürlich weniger Platz als in einem Full-Tower, aber insgesamt lässt sich im Define R3 gut hantieren. Etwas eng wurde es nur beim Anschließen der Stromanschlüsse an die Grafikkarte.


Neben der Verarbeitung und der Ausstattung des Gehäuses ist auch das Temperaturverhalten von elementarer Bedeutung.

Das Testsystem:

Durch Klick auf das Bild gelangt man zu einer vergrößerten Ansicht

Folgende Komponenten wurden verbaut:

Eckdaten: Testsytem
Prozessor: Intel Pentium G6950 @ 2,8 GHz @ 1,0 Volt
Prozessor-Kühler: Scythe Yasya mit PWM-geregeltem Lüfter
Mainboard: Gigabyte GA-H55M-USB3
Arbeitsspeicher: 4096 MB Crucial 1333 MHz
Festplatte: Western Digital VelociRaptor 80 GB
Grafikkarte: Sapphire Radeon HD 5830
Betriebssystem: Windows 7 x64 Home Premium

Temperaturmessungen:

Um die maximalen Temperaturen des Prozessors zu ermitteln, wurde die CPU mittels des kostenlosen Stresstest-Tools Prime 95 für 30 Minuten ausgelastet. Da der Small FFT-Test erfahrungsgemäß die höchste Wärmeverlustleistung mit sich bringt, benutzen wir diesen Modus und protokollieren die maximalen Kerntemperaturen mit dem Systemtool Lavalys Everest. Die einzelnen Kerntemperaturen werden addiert und durch die Anzahl der physikalischen Kerne dividiert.

Im direkten Anschluss wurde die Grafikkarte mittels FurMark auf Temperatur getrieben. FurMark ist ein kostenloser OpenGL-Benchmark und bietet einen Xtreme-Burning-Mode, der die Grafikkarte temperaturmäßig ans Limit bringt. Auch die Grafikkarte wurde 30 Minuten lang ausgelastet.

Die Betrachtung der Temperaturen im Idle-Zustand (= Leerlauf) wird zunehmend uninteressanter, da sowohl die Prozessor- als auch die Grafikkartenhersteller sehr gute Stromspartechniken entwickelt haben. Im Zuge dessen werden die Rechenkerne im Idle-Zustand herunter getaktet und die Stromspannung reduziert. Infolgedessen wird die erzeugte Abwärme auf ein Minimum reduziert.

Unsere Messungen brachten folgendes Ergebnis hervor:

temp

Beurteilung der Temperaturen:

Schalldämmmatten sorgen auch für thermische Dämmung. Dementsprechend haben gedämmte Gehäuse meist mit erhöhten Temperaturen zu kämpfen. Beim Define R3 konnten wir diesen Effekt jedoch kaum beobachten. Für die Messungen ließen wir beide Lüfter mit maximaler Drehzahl arbeiten. Damit erreicht das Fractal Design-Gehäuse Werte, die auf Augenhöhe mit den beiden anderen Gehäusen (einem gut gekühlten Cubitek Midi-Tower und einem großen Full-Tower von Gigabyte) liegen. Da bei Bedarf noch optionale Lüfter montiert werden können, kann das Define R3 also durchaus auch für Systeme mit höherer Abwärme in Betracht gezogen werden.

Weitere Messungen in der Übersicht:

Grafikkartenlänge:

Das Gehäuse kann Grafikkarten mit bis zu etwa 29 cm Länge aufnehmen. Bei längeren Grafikkarten kann es damit schon etwas eng werden - vor allem, wenn die Stromanschlüsse in Richtung Laufwerkskäfig zeigen.


Gegenüber dem Define R2 hat Fractal Design das R3 behutsam um einige sinnvolle Details verbessert. Von einem großen Evolutionsschritt kann allerdings nicht die Rede sein. Dafür wären einschneidendere Neuerungen wie z.B. USB 3.0 nötig gewesen.

Doch Fractal Design bringt es auch mit dem Define R3 fertig, eine Marktlücke zu besetzen. Das Konzept eines dezenten, vorgedämmten Gehäuses sticht immer noch aus der Masse hervor. Zudem kann das Gehäuse leicht an die jeweiligen Ansprüche an Kühlleistung bzw. Lautstärke angepasst werden. Dafür sorgen zum einen die beiliegende Lüftersteuerung, zum anderen aber auch die optionalen Lüfterplätze. Diese sind im Auslieferungszustand mit Dämmmatten verkleidet. Bei Bedarf kann aber schnell niedrige Lautstärke gegen höhere Kühlleistung getauscht werden. Für ein Silent-Gehäuse gehören Entkopplung von Festplatten und Netzteil zum guten Ton - das Define R3 gibt sich hier keine Blöße. Auch die Gestaltung des flexiblen Montagesystems, das sowohl 2,5- als auch 3,5-Zoll-Laufwerke aufnimmt, weiß zu gefallen. Die Ausstattung mit Staubfiltern unterstreicht die praxisorientierte Ausrichtung des Define R3. 

Kleinere Kritikpunkte gibt es in Bezug auf Robustheit. Auffällig waren die sich leicht lösenden Ummantelungen der Aussparungen im Mainboardtray und die dünnen und leicht verbiegbaren Haltenasen der Seitenteile. Unsere Probleme mit den Kunststoffhaltenasen der Front können wir nicht verallgemeinern, hier kann es sich um unglückliche Einzelfälle handeln.

{jphoto image=8373}

Wer ein Define R1 oder R2 besitzt, wird sicher keinen Grund haben, auf das R3 aufzurüsten. Wer hingegen auf der Suche nach einem funktionalen, vorgedämmten Gehäuse ist, sollte einen Blick auf das Define R3 werfen. Mit rund 85 Euro wird es zudem für einen angemessenen Preis verkauft.

Mittlerweile bietet Fractal Design mit dem Define Mini und dem Define XL auch vergleichbare µATX- bzw. Full-Tower an - die Tugenden des Define R3 sind also auch in kleinerem bzw. größerem Format erhältlich.

Positive Aspekte des Fractal Design Define R3: Negative Aspekte des Fractal Design Define R3:

Weiterführende Links: