Cooler Master MK850 im Test: Was bringen analoge Tasten?

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cooler master mk850 logoDie typischen Tasten auf Tastaturen kennen nur Auslösung oder keine Auslösung. Gerade die Fahrzeugsteuerung wirkt deshalb entsprechend unnatürlich. Eine Abhilfe verspricht die Aimpad-Technologie, die Cooler Master in der brandneuen MK850 einsetzt. Im Test finden wir heraus, welche Vorteile die analoge Eingabe bieten kann und ob es bei der Nutzung Fallstricke gibt. 

Die Aimpad-Technologie ist zwar das Alleinstellungsmerkmal der MK850, umgesetzt wird sie aber als zuschaltbares Feature. So lange Aimpad nicht aktiviert wird, ist die MK850 eigentlich eine ganz normale mechanische Tastatur mit den linearen Cherry MX Red RGB-Switches - wenn auch eine bemerkenswert gut ausgestattete. 

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Es gibt kaum ein Ausstattungsmerkmal, das die Tastatur nicht bieten kann. Optisch fallen gleich die RGB-Beleuchtung, die Aluminiumabdeckung und die magnetische und weich gepolsterte Handballenauflage auf. Die MK850 bietet eine ganze Reihe an zusätzlichen Tasten und auch zwei große Drehregler für die Anpassung von Lautstärke und Beleuchtungshelligkeit. Angebunden wird sie mit einem abnehmbaren USB Typ-C-Kabel, das je nach Bedarf durch verschiedene Kabelkanäle geführt werden kann. Bemerkenswert sind schließlich auch die beiden USB 3.0-Ports, die an der Tastatur genutzt werden können. 

Vollausstattung und die Aimpad-Technologie haben allerdings auch ihren Preis: Cooler Master gibt eine UVP von 219,99 Euro für die MK850 an.

Technische Details - Cooler Master MK850:


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Ausgeliefert wird die Aimpad-Tastatur mit der magnetischen und angenehm weich gepolsterten Handballenablage, dem USB-Anschlusskabel, einer Anleitung, lilafarbenen Ersatztastenkappen und einem Tastenkappenabzieher. 

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Die eigentliche Tastatur ist eine Full-Size-Tastatur mit Num-Pad, einer zusätzlichen Tastenspalte auf der linken Seite und weiteren Zusatztasten für die Kontrolle der Medienwiedergabe und der Aimpad-Technologie. Die schwarzen Tastenkappen heben sich von gebürstetem, anthrazitfarbenem Aluminium ab. 

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Diese Aluminiumabdeckung ist vergleichsweise aufwändig geformt und zu den Seiten hin angeschrägt. Die Tastenbeleuchtung wird vom Leichtmetall reflektiert. Zusätzlich leuchten auch Streifen an der Vorderkante und an beiden Seiten der Tastatur. Sobald die Handballenablage angedockt wird, sieht man aber vom vorderen Leuchtstreifen nichts mehr. Die Standard-Tastenkappen bestehen aus ABS-Kunststoff mit einer UV-Beschichtung. Die lilafarbenen Tastenkappen aus dem Zubehör sind hingegen PBT Double-Shot-Tastenkappen. 

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Mit Handballenauflage benötigt die ohnehin schon wuchtige Tastatur noch einmal deutlich mehr Platz. Dafür sorgt weich gepolstertes Kunstleder für ein deutliches Komfortplus. 


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Die fünf seitlichen Tasten wechseln zwischen verschiedenen Aimpad-Profilen bzw. dem Standardbetrieb ohne Aimpad-Unterstützung. 

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Die beiden großen Drehräder an der Hinterkante erlauben werkseitig die Anpassung der Beleuchtungshelligkeit und der Lautstärke. Daneben dienen flache Zusatztasten der Wiedergabesteuerung und der Stummschaltung. Eine Taste ermöglicht es außerdem, die Tastaturbeleuchtung auf Knopfdruck auszuschalten.

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Die drei flachen Tasten oberhalb des Num-Pads aktivieren bzw. deaktivieren Aimpad und passen den Aktivierungspunkt für Aimpad an. So kann der Nutzer selbst festlegen, ab welchem Tastendruck die analoge Eingabe greift. Maximal nutzbar sind die gesamten 4 mm Gesamtweg der Cherry MX-Switches

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Zwei breite Standfüße können bei Bedarf ausgeklappt werden. Die zusätzlichen Gummipuffer an den Standfüßen sorgen dafür, dass die Tastatur mit ausgeklappten Standfüßen sogar etwas rutschfester ist als mit eingeklappten Standfüßen. 

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Das abnehmbare Kabel wird an der MK850 mit einem verdrehsicheren USB Typ-C-Stecker angeschlossen. Es kann auf kürzestem Weg nach hinten oder innerhalb der Tastatur nach links oder rechts geführt werden. 


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Die übersichtlich gestaltete Cooler Master PORTAL-Software erlaubt individuelle Anpassungen. Aimpad steht dabei besonders im Fokus, die entsprechenden Optionen nehmen gleich den ersten Reiter ein. Hier lassen sich die verschiedenen Aimpad-Profile verwalten und anpassen. 

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Auch das RGB-Beleuchtungssystem kann ganz individuell eingerichtet werden. 

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Über Tastenzuordnung können die meisten Tasten frei belegt werden. Ausgenommen sind allerdings die Aimpad-Tasten links und oberhalb des Ziffernblocks. 

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Dass Makros erstellt und verwaltet werden können, versteht sich schon fast von selbst. Auch die Profilverwaltung ist für eine Tastatur dieser Preisklasse typisch. Bei der MK850 lassen sich bis zu vier Profile nutzen. 


In der Praxis

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Sieht man die MK850 erst einmal als normale mechanische Tastatur, dann kann sie schnell überzeugen. Grundlage dafür sind die bewährten Cherry MX-Switches. Dass aktuell ausschließlich MX Red zur Auswahl stehen, kann man zwar als Einschränkung sehen. Die linearen und leichtgängigen Switches haben aber gerade beim Spielen ihre Stärken und passen entsprechend gut zu einer Gaming-Tastatur. Dazu machen analoge Tasten auch nur mit linearen Switches Sinn.

Zusätzlich profitiert man von der umfangreichen, ja regelrecht beispielhaften Ausstattung der Tastatur. Mit Blick auf die Feature-Liste wird selbst Corsairs üppig ausgestattetes Flaggschiff K95 RGB Platinum teilweise überboten. So wirkt die magnetische und weich gepolsterte Handballenablage der MK850 hochwertiger, das abnehmbare Kabel mit USB Typ-C-Anschluss ist eine flexiblere Lösung und auch der integrierte USB 3.0-Hub ist ein klarer Vorteil. Beide Tastaturen unterscheiden sich auch optisch deutlich voneinander - welches Design man bevorzugt, ist aber dem persönlichen Geschmack überlassen. 

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Was die MK850 aktuell als Alleinstellungsmerkmal bieten kann, ist die integrierte Aimpad-Technologie. Die Tasten mit aktivierbarer Analog-Eingabe sind konkret QWER und ASDF, also jeweils die ersten vier Tasten der beiden oberen Buchstabenreihen. Die Aimpad-Technologie ist eine Ergänzung, von der man im Standardbetrieb erst einmal nichts merkt. Denn dafür wird einfach in normale Cherry MX RGB-Switches zusätzlich ein Infrarot-Sensor verbaut, der nur im Aimpad-Betrieb aktiv ist und erfasst, wie weit die Taste jeweils gedrückt wird. Diese Erfassung ist über die gesamten 4 mm Tastenhub der Cherry MX-Switches möglich. Die Aimpad-Technologie wird von Spielen als Xbox 360-Controller gesehen. Entsprechend unterstützen nicht alle Spiele die Technologie, bei manchen Spielen ist der Support auch eingeschränkt. Eine Übersicht unterstützter Spiele bietet die Aimpad-Seite. Nützlich ist auf dieser Seite auch das Tool Aimpad Xbox Controller Test 1.4, das die Eingaben visualisiert.

Mit Aimpad lösen die Tasten nicht einfach einmal aus, sondern ermöglichen stufenlose analoge Eingaben. Sie können so z.B. einen Analogstick ersetzen. Bemerkbar macht sich das vor allem dann, wenn Fahrzeuge gesteuert werden sollen. Denn die sonst übliche binäre Tastensteuerung kann dafür nur ein Notbehelf sein, ein weiches und gleichförmiges Steuern ist schließlich so nicht möglich. Die analoge Steuerung ermöglicht ein feinfühligeres Steuern - allerdings drückt man natürlich trotzdem noch auf mehrere Tasten und bedient nicht einen einzelnen Analogstick. Der Unterschied fühlt sich dann auch gar nicht so gravierend an, wie man vielleicht vermuten könnte. 

Sobald Aimpad aktiviert ist, sind die Standardtastenbelegungen nicht mehr verfügbar. Zum Teil übergeht die Aimpad-Belegung auch wichtige Standardbelegungen in Spielen. Das erste Aimpad-Profil (ab Werk M2) belegt konkret WASD als analogen Stick. Weil GTA V aber regulär die Schultertasten zum Beschleunigen und Bremsen nutzt, kann in M2 zwar gelenkt, aber nicht beschleunigt oder gebremst werden. Für die Fahrzeugsteuerung in GTA V bietet sich deshalb M3 an - A und D entsprechen hier der horizontalen Achse des Analogsticks, W und S hingegen den Schultertasten. Wer in GTA V zu Fuß weiter per WASD unterwegs sein will, wechselt praktisch andauernd zwischen M1 (Standardbetrieb ohne Aimpad) und M3 (ein solcher Profilwechsel wird auch von Aimpad selbst empfohlen). Gerade in GTA V kann man die Ein- und Aussteigen-Animationen dafür gut nutzen - wirklich komfortabel ist der andauernde Wechsel aber nicht. 

Fazit

Cooler Master bringt mit der MK850 ein bemerkenswertes Tastatur-Flaggschiff auf den Markt. Mit Aluminium-Cover, Kunstleder-Handballenablage und freistehenden Tastenkappen wirkt die mechanische Tastatur gleich auf den ersten Blick hochwertig. Und auch die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Besonders positiv fällt der integrierte USB 3.0-Hub auf, der gegenüber den typischen USB 2.0-Passthrough-Lösungen einen klaren Mehrwert bietet. Aber auch solche Details wie das abnehmbare Kabel mit USB Typ-C-Anschluss und drei Kabelkanälen wissen zu überzeugen. Mit der Aimpad-Technologie wird schließlich aktuell ein Alleinstellungsmerkmal geboten (Wooting-Tastaturen bieten ebenfalls analoge Tasten, nutzen aber eine andere Technologie). 

Die Umsetzung hat allerdings ihre Licht- und Schattenseiten. Ein klares Plus ist die Integration in die Cherry MX-Switches. Im Standardbetrieb lassen sich so alle Tasten völlig normal nutzen und die Cherry MX-Switches können ihre Stärken ausspielen. Bei der Aimpad-Nutzung stört aber gerade bei Spielen mit wechselnden Tastenbelegungen (wie eben z.B. in GTA V), dass die aktive Aimpad-Technologie von der Standardbelegung abweicht und so den dauernden Wechsel zwischen verschiedenen Profilen nötig machen kann. Wie man den Mehrwert der analogen Eingabe einschätzt, hängt auch sehr vom Nutzer ab. Wer sich jahrelang an die Fahrzeugsteuerung mit einer konventionellen Tastatur gewöhnt hat, merkt zwar den Unterschied, wird Aimpad aber natürlich nicht zwangsweise benötigen, vielleicht auf Grund der etwas störenden Profilwechsel sogar darauf verzichten. 

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Gerade für solche Nutzer wäre eine günstigere Variante der MK850 ohne Aimpad-Unterstützung wünschenswert. Denn gerade wenn Aimpad gar nicht genutzt wird, fällt der Preisunterschied zwischen Cooler Master MK850 und MK750 enorm aus. Fast 100 Euro trennen aktuell die beiden Cherry MX-Tastaturen. Die MK850 kann neben der Aimpad-Techologie zwar noch weitere Vorzüge wie die Drehregler und den USB 3.0-Hub bieten, der Aufpreis ist ohne Aimpad-Nutzung aber eigentlich nicht zu rechtfertigen. Noch gehen wir bei der MK850 aber von der UVP aus. Wie sich der Straßenpreis entwickelt, bleibt noch abzuwarten. Wenn man auf die Preise der Corsair K95 Platinum-Modelle schaut, relativiert das den MK850-Preis auch jetzt schon etwas. 

Unabhängig vom Preis ist Cooler Master mit der MK850 ein beeindruckendes Tastatur-Flaggschiff gelungen. Wir zücken deshalb unseren Excellent-Hardware-Award. 

Positive Aspekte der Cooler Master MK850:

Negative Aspekte der Cooler Master MK850:

Preise und Verfügbarkeit
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