Test: Crucials und Corsairs 1866-MHz-Kits im Vergleich

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corsair crucial logoEs ist nicht all zu lange her, als wir einen Vergleichstest mit 1866 MHz-Kits bereitstellen konnten.  Dem einen oder anderen Leser ist damals sicherlich aufgefallen, dass zwei unserer "Stammgäste" fehlten: Corsair und Crucial. Dieser Speicherbereich ist jedoch bei den Usern recht beliebt, der Markt dementsprechend stark umkämpft, weshalb nun auch von den beiden Nachzüglern Kits vorliegen, welche sich dem Vergleich stellen sollen. Preislich etwas über dem letzten Test angesiedelt, sollen die Kits vor allem durch bessere Performance auftrumpfen.

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Beide Kits teilen wieder die Gemeinsamkeiten des Vergleichstests: Der verwendete Speicher hat eine Gesamtkapazität von 16 GB und der vom Hersteller zugesicherte maximale Speichertakt liegt bei 1866 MHz. Die beiden Testexemplare diesmal haben zudem noch die Gemeinsamkeit, dass beide mit 1,50 Volt Betriebsspannung auskommen. Corsair stellte uns für den Test das CML16GX3M4A1866C9 zur Verfügung, welches aus vier Riegeln mit jeweils vier Gigabyte Speicherkapazität besteht. Die Latenzen laut Hersteller liegen bei Cl 9-10-9-27 und der angepeilte Preis des verfügbaren Kits liegt bei etwa 95 Euro. Der Speicher von Crucial trägt die Bezeichnung BLE2CP8G3D1869DE1TX0CEU und besteht aus zwei Riegeln mit je acht Gigabyte Kapazität. Die vorgegebenen Latenzen liegen bei CL 9-9-9-27 und der Preis liegt bei etwa 120 Euro. Bisher wurde der Speicher noch nicht bei deutschen Anbietern gelistet, der Preis ist also auch ein Nebenprodukt der bisher geringen Verfügbarkeit und könnte durchaus noch sinken.

Technische Daten im Überblick
 CrucialCorsair
Bezeichnung BLE2CP8G3D1869DE1TX0CEU CML16GX3M4A1866C9
Effektive Taktfrequenz 1866 MHz 1866 MHz
Latenzen CL 9-9-9-27 CL 9-10-9-27
Modulgröße 2 x 8 GB 4 x 4 GB
Betriebsspannung 1,50 V 1,50 V
Herstellerlink Crucial Produktseite Corsair Produktseite
Bezugsquelle keine deutsche Quelle bekannt Amazon

Im direkten Vergleich der technischen Daten sind die Unterschiede recht gering, größter Unterschied ist hier noch die Anzahl der verwendeten Module.  Im Vergleich mit unserem letzten Test haben beide Kits den Vorteil der geringeren Latenz, sind also für den Wettkampf theoretisch gut ausgerüstet, sind aber auch etwas teurer. In unserem Test müssen sie zeigen, ob sie ihrem Anspruch und auch dem Aufpreis wirklich gerecht werden. 


Der Speicher aus dem Haus Corsair stammt aus der Vengeance-Serie, welche laut Corsair für performance- und übertaktungsfreudige User gedacht ist. Das vorliegende Exemplar trägt zudem den Zusatz "LP", welcher bei Corsair für ein niedriges Design des Heatspreaders steht, um so auch einen Einbau in beengte Systeme zu ermöglichen. Das uns vorliegende Kit der Revision 8.16 besitzt ein grünes PCB, auf welchem einer schlanker Heatspreader sitzt. Wie der Titel des Tests schon erahnen lässt, setzt man hier voll auf Schwarz, durchzogen nur von kleineren Schriftzügen mit Hersteller-Logo und Name der Serie sowie dem üblichen Datensticker. Die Oberfläche trägt eine leichte Riffelung, welcher aber eher optischen als praktischen Zwecken dient. Insgesamt kann das Aussehen als schlicht aber gefällig bezeichnet werden. Die Höhe von 32 mm ist in etwa die Standardhöhe für DDR3-Speichermodule, also kein wirkliches Low-Profile, einzig im Vergleich mit einigen Konkurrenten und vor allem auch den großen Brüdern der Vengeance-Reihe kann man diese Bezeichnung noch gelten lassen. 

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Es folgt wie üblich der Ausblick auf das SPD des Speichers:

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SPD des Corsair-Speichers

Hier erwartet uns die von Corsair gewohnte saubere Arbeit. Alle Taktraten sind im SPD hinterlegt, für den Maximaltakt wurde zudem ein XMP-Profil hinterlegt. Von den Werten her bieten sich hier keine Überraschungen, für die Taktfrequenzen unter dem Maximaltakt wurde recht zahme Settings gewählt, um eine größtmögliche Kompatibilität zu erreichen. So verwundert es auch nicht, dass das Kit im Praxistest ohne Probleme gebootet werden konnte und die Stabilitätstests ohne Problem durchlief. Auf das Hinterlegen der Seriennummer im SPD verzichtete Corsair in diesem Fall. 


Crucial sandte uns für den Vergleich ein Kit aus der hauseigenen Top-Serie "Ballistix Elite" zu, welche laut Hersteller für höchste Performance bei gleichzeitig größtmöglicher Stabilität steht. Auch dieser Speicher kommt mit einem schwarzen Heatspreader, setzt jedoch im Gegensatz zum Corsair auch auf ein schwarzes PCB. Der Heatspreader an sich ist höher als beim Kit von Corsair, hält sich aber ansonsten optisch auch zurück. Eine Seite des Speichers wurde komplett schwarz belassen, auf der anderen Seite ist zusätzlich noch ein Aufkleber mit Logo und Daten des Speichers aufgebracht. Die zusätzliche Höhe des Speichers wird durch einige Kühlfinnen am oberen Rand erzeugt, welche die Temperatur und damit auch die Stabilität verbessern sollen. Mit einer Höhe von 51 mm ist das Kit damit aber für gewisse Kühler-Mainboard-Kombinationen zu hoch, hier sollte man unbedingt vorher abmessen, ob der Platz ausreicht. 

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Wie auch beim ersten Probanden der Blick ins SPD:

alles
SPD des Crucial-Speichers

Auch dieses Mal erwartete uns keine Überraschung. Crucial pflegt für den Speicher eine saubere Programmierung ein, alle Taktstufen sind abgesichert und für 1866 MHz zusätzlich per XMP-Profil hinterlegt. Die niedrigeren Taktfrequenzen wurden auch hier mit relativ langsamen Timings versehen, um eine größtmögliche Stabilität und Kompatibilität zu gewährleisten. Dementsprechend lieferten auch unsere Test hinsichtlich dieses Sachverhaltes keine Probleme. Im Gegensatz zu Corsair pflegt Crucial auch die Seriennummer in das SPD ein. Dies kann ein Hinweis auf eine automatische Produktionsüberwachung sein, welche eine schnellere Analyse bei etwaigen Fehlern ermöglicht - am Ende also auch ein winziges Plus für den Kunden, da mehr Kontrolle meist auch weniger Fehler bedeutet. 


Grundlage für unsere Tests ist unsere schon bekannte Plattform:

Das System ist eine saubere Installation ohne weitere Dienstprogramme wie Virenscanner oder Ähnliches. Die verwendete Software und die verwendeten Treiber befinden sich jeweils auf dem aktuellsten, verfügbaren Stand.

Zuerst wollten wir natürlich wissen, welche Taktstufen und Latenzen die Speicherkits jenseits der Herstellerangaben mitmachen:

Übertaktungswerte
CrucialCorsair
1600 MHz @ CL 8-9-8-22 1T 1,35 V -
1600 MHz @ CL 8-8-8-21 1T 1,50 V 1600 MHz @ CL 8-9-8-22 1T 1,50 V
1866 MHz @ CL 8-9-9-22 1T 1,50 V 1866 MHz @ CL 9-10-9-27 1T 1,50 V
2133 MHz @ CL 9-10-10-25 1T 1,50 V -

Zuerst eine allgemeine Anmerkung: Schon in unseren letzten Tests ist uns aufgefallen, dass die Übertaktungserfolge der kleinen Kits gesunken sind. Exemplare, die über die 2133 MHz hinaus kommen, sind selten geworden. Vieles spricht dafür, dass aktuell bei den meisten Herstellern die gleichen Chips auf dem Speicher verbaut werden, deren Limit in etwa bei dieser Grenze liegt und auch mit höherer Spannung nicht zu locken sind. Des weiteren scheint die Selektion verbessert worden zu sein, was sich letztlich auf die Übertaktungsreserven auswirkt. Beweisen lässt sich dies nur schwer, die Hersteller hüllen sich in Schweigen, was die verwendeten Chips angeht und prägen sogar die Beschriftung der Chips um, damit die Herkunft bei abgebautem Heatspreader nicht so leicht zu erkennen ist. Dadurch rutscht das Feld bei Übertaktungsversuchen natürlich deutlich zusammen, einzig die Serienstreuung macht oft noch kleine Unterschiede in den Latenzen aus.

In diesem Fall bestätigt zumindest das Kit von Crucial diesen Trend: Bei 2133 MHz ist Schluss, egal welche Spannung wir anlegten. Die Latenzen welche hier erreicht werden, liegen im Vergleich zu den anderen Kits in einem etwas besseren Bereich, die Unterschiede in der Leistung dürften trotzdem nur marginal sein.  Die Vermutung, dass die gleichen Chips wie bei vielen anderen Kits verwendet werden, wird zudem dadurch unterstrichen, dass unter 1600 MHz auch mit einer niedrigeren Spannung von 1,35 V gearbeitet werden kann. Ein Verhalten, das auch andere Exemplare mit ähnlichen Übertaktungswerten zeigten. Die Latenzen bei 1600 MHz und 1,50 V stellen die bekannte Leistungsgrenze für Ivy-Bridge-Plattformen dar.

Der Speicher von Corsair hingegen war aus Sicht der Übertaktbarkeit im Vergleich etwas schlechter unterwegs. Es war uns nicht möglich, auch nur eine geringfügige Verbesserung der Latenzen oder Taktfrequenz auf die nächsthöhere Stufe von 2133 MHz zu erreichen. Auch eine Erhöhung der Spannung oder ähnliche Tricks brachten keine Besserung des Ergebnisses. Hierfür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen verwendet Corsair vier Module, was durch die Anzahl der Module, das Routing des Mainboards und die Signalqualität regelmäßig die Übertaktungsergebnisse sinken lässt. Zum anderen könnten wir auch extremes Pech mit unserem Testexemplar gehabt haben oder Corsair verwendet andere Chips als der Rest des Feldes mit keinem Spielraum nach oben. Leider konnten wir auch kein stabiles Low-Voltage-Setting erreichen und die Werte für 1600 MHz liegen etwas oberhalb der Leistungsgrenze für Ivy-Bridge-Prozessoren.

Nach dem Vorspiel kommen wir zum eigentlichen Leistungstest, wie immer durchgeführt mit dem Speicherbenchmark Sandra von SiSoft:

alles
Benchmark des Speicherdurchsatz

Hier konnte der Speicher von Corsair seinen geringen Spielraum bei der Übertaktung zumindest ein bisschen ausgleichen, denn mit vier Modulen erreicht man bei Ivy Bridge in der Regel eine bessere Performance. So liegt man doch in den Benchmarks etwas vor dem direkten Konkurrenten von Crucial. Angesichts der eigentlich niedrigeren Latenzen des Crucial-Speichers könnte dies auch ein Hinweis sein, dass Corsair hier bei den Subtimings sehr stark optimiert hat. Zieht man den letzten Test mit zum Vergleich, liegen beide Kits am oberen Rand des Gesamtfeldes, auch dank der niedrigeren Latenzen.   


Ein passendes, klares Fazit zu treffen ist dieses Mal nicht so einfach. Corsair liefert ein Produkt, das innerhalb der engen Herstellerspezifikationen genau das liefert, was in diesem Rahmen erwartet wurde: Gute Performance bei guter Stabilität. Leider schwächelt der Speicher dafür etwas bei den Aspekten, die jenseits des Standards liegen: Weder nach unten noch nach oben ist sonderlich viel "Luft" beim Übertakten. Low-Voltage-Fähigkeiten sucht man ebenso vergeblich wie die Möglichkeit, die Latenzen noch etwas anzuziehen. Trotzdem sieht es bei der Performance nicht schlecht aus, da Corsair vier Module verwendet.

Crucial hingegen reiht sich bei diesen Aspekten nahtlos in die bisher getesteten Kits auf 1866 MHz-Niveau ein: Gute Leistung mit einem geringen Vorsprung vor den Kandidaten des letzten Tests (dank niedrigerer Latenzen), aber hinter den Corsair-Modulen mit langsameren Latenzen. Dafür punktete man durch die Fähigkeit den Arbeitsspeicher auch im Low-Voltage-Bereich betreiben zu können und bei der Übertaktung zumindest auf das Niveau der meisten Konkurrenten zu gelangen, wenn auch ohne großartige Akzente zu setzen.

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Eine direkte Empfehlung auszusprechen fällt daher schwer. Das Kit von Corsair ist für diejenigen interessant, die mit den 1866 MHz schon die Grenze ihres Übertaktungswillens erreicht haben und auf Aspekte wie Low-Voltage keinen gesteigerten Wert legen. Die Performance ist trotzdem sehr gut und man erhält ein aufeinander abgestimmtes Kit mit vier Speichermodulen. Das Problem ist nur, dass es Kits gibt, denen das gleiche und mehr gelingt, aber dabei eine Ecke günstiger sind unser Corsair-Testkandidat.

Ähnliches kann man auch für Crucial sagen. Hier liefert man zwar vom Umfang her etwas mehr ab, was die Module auch für Übertakter etwas interessanter macht, dafür liegt man preislich aber auch noch einmal ein ganzes Stück über der Konkurrenz. Der Vergleich zum letzten Test eröffnet einen gewissen Leistungsvorsprung dank der niedrigeren Latenzen. Die aktuell schwierige Verfügbarkeit verschärft dieses Problem, so dass man nur hoffen kann, dass eine steigende Verfügbarkeit auch den Preis noch etwas drückt.

Positive Aspekte des Crucial BLE2CP8G3D1869DE1TX0CEU Speichers:

Negative Aspekte des Crucial BLE2CP8G3D1869DE1TX0CEU Speichers:

 

Positive Aspekte des Corsair CML16GX3M4A1866C9 Speichers:

Negative Aspekte des Corsair CML16GX3M4A1866C9 Speichers: