GTX-Power: Corsair DDR3 Speicher mit 2250 MHz

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corsair2250 Der Wettlauf um die schnellsten DDR3-Module am Markt pausierte in den letzten Monaten etwas. Der Grund liegt im Speichercontroller des Intel-Core-i7-Prozessors: Er kann nur sehr schwer auf Taktraten gebracht werden, die einen Speichertakt von mehr als 2000 MHz möglich machen. Corsair wagt sich dennoch an ein neues High-End-Kit. Die Dominator-GTX-Module sollen 2250 MHz mit sehr guten Latenzzeiten schaffen - und das bei der typischen Spannung von 1,65 V. Diese Eckdaten sind natürlich ein Anreiz, das Kit einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auch wenn die bestehende Produktpalette von Corsair durchaus ausreicht, um jeden Heimanwender auch unter normalen Übertaktungsbedingungen zufrieden zu stellen, legt der US-Amerikanische Speicherspezialist mit der limitierten Auflage des Corsair-Dominator-CMGTX2-Speicherkits noch eine Schippe drauf. Das Triple-Channel-Kit richtet sich speziell an Extrem-Overclocker, welche auf ihren Benchmark-Sessions Speicher benötigen, der ihnen genug Luft für eine extreme CPU-Übertaktung verschafft. Ein weiterer Grund, warum nur Overclocker wirklich Nutzen aus den High-End-Kits ziehen können, liegt darin, dass es schon einer stark übertakteten Core-i7-CPU bedarf, um überhaupt auf diesen Speichertakt zu kommen - doch dazu später mehr.


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Das vorliegende "CMGTX2"-Kit hat folgende Spezifikationen:

Der Preis für dieses Kit liegt aktuell bei 200 US-Dollar pro Modul und ist nur im Corsair Shop erhältlich.

Wie von Corsair gewohnt, befinden sich drei JEDEC-Einträge (DDR3-1333 mit CL9 und 1,5 Volt) im SPD, um einen problemlosen Betrieb auf nahezu jedem Mainboard zu gewährleisten. Auch die restlichen Einträge sind ordentlich ausgefüllt, lediglich eine Seriennummer ist nicht mit eingetragen worden.

corsair2250spd

Ein XMP-Profil besitzen die Module nicht. Das Einstellen der Frequenzen und Timings obliegt also dem Anwender, wobei dies auch sinnig ist: Bei einem XMP-Profil mit einer derart hohen Taktfrequenz bleibt dem Hersteller nur ein Anheben der Base Clock Rate zum Erreichen der Zielfrequenz. Durch ein einfaches Einstellen des XMP-Profils im BIOS wird aber die CPU-Frequenz nicht durch den Multiplikator abgesenkt - somit ist ein Starten des Systems mit reinen XMP-Einstellungen unwahrscheinlich.

Leider gibt es für den normalen User beim Einstellen dieser Werte ein kniffliges Problem: So ist der Speichercontroller einer Intel-Core-i7-CPU, welche im Sockel LGA1366 Platz nimmt, an den Uncore-Takt gekoppelt. Hier gilt die Regel, dass der Uncore-Takt immer mindestens die doppelte Taktfrequenz des Speichertaktes besitzen muss. Folglich braucht man für einen Speichertakt von 2250 MHz eine CPU, die einen Uncore-Takt von 4500 MHz schafft. In Anbetracht dessen sollte man bei seiner Kaufentscheidung darauf achten, dass solche Taktraten des Speichercontrollers nur von extrem übertakteten Prozessoren erreicht werden - und meistens nur mit extremen Kühlmethoden.


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Auffällig sind die großen Kühlfinnen des DHX+-Kühlkörpers welcher im Gegensatz zur 2000-Serie jetzt um einiges größer ausgefallen ist und im bekannten Rot der Top-Modelle erstrahlt. Allerdings könnte ein ausladender CPU-Kühler anecken, wenn die Speicherslots sehr nahe am CPU-Sockel stehen.


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Die von Corsair angegebenen Werte von 2250 MHz bei Timings von 8-8-8-24 1T sind bei diesem Kit nicht als XMP-Profil im SPD hinterlegt. Damit besteht normalerweise bei vielen Mainboards die Möglichkeit das Profil über das Bios direkt aufzurufen und die Timings automatisch nach Profil einstellen zu lassen.


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Wieder mit dabei ist auch der aus der Dominator-Serie bekannte Airflow-Kühler. Dieser besteht aus zwei 55-mm-Lüftern, welche dem Speicher dabei helfen sollen einen kühlen Kopf zu bewahren. Für Silentfans ist der Speicherkühler allerdings nicht zu empfehlen, da die kleinen Lüfter unter voller Geschwindigkeit ganz schön laut sind.


Corsairs GTX-Module testen wir auf zwei Plattformen: Zum einen in der für das Triple-Channel-Kit gedachten X58-Konfiguration, zum anderen aber auch in einem P55-Mainboard, damit der höchstmögliche Speichertakt getestet werden kann. Corsair spezifiziert dabei die Module nicht ausschließlich für den X58-Betrieb, sondern gibt auf der Webseite auch die Spezifikationen für Intels P55-Platform und AMDs 790FX. Hierbei wird auch ersichtlich, dass der Betrieb von den Modulen mit 2250 MHz äußerst schwierig ist:

corsairrichtlinie

Intels Speichercontroller ist somit nicht in der Lage, mit mehr als zwei Modulen 2250 MHz tatsächlich zu erreichen. Die Kombination, das Triple-Channel-Kit im X58-Chipsatz zu betreiben, ist also äußerst schwierig, auch wenn es von der Taktfrequenz der Module her funktionieren sollte. Bei mehr als drei Modulen gibt Corsair 2133 MHz an. Dass dies vom Speichercontroller abhängig ist, sieht man an der AMD-Charakteristik: Hier sind 1800 MHz möglich, aber mit maximal zwei Modulen. Dafür erreichen die Module hier CL6, also sehr schnelle Timings.

Die X58-Testplattform:


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Aus gegebenem Anlass haben wir die Speichermodule - wie auch angedacht - unter Extrembedingungen mit Flüssigstickstoff getestet. Hierzu mussten natürlich zunächst entsprechende Vorkehrungen, wie z.B. das Isolieren des Mainboards, getroffen werden. Notwendig wird dies durch die auf bis zu -170 °C herunter gekühlte CPU - schließlich soll unsere teure Hardware vor Kondensation geschützt werden. Ein Kurzschluss durch einen noch so winzigen Wassertropfen könnte fatale Folgen nach sich ziehen.


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Mit einem Intel Xeon W3565 war es uns schließlich möglich den erforderlichen Uncore-Takt der CPU zu erreichen, um die angegebenen Taktfrequenzen des Speichers auch testen zu können.

Das P55-Testsystem:

Als zweites Testsystem setzten wir auf unseren Gaming-PC, den wir in der Ausgabe 02/2010 vorgestellt haben:

Das P55-System verwenden wir, da der Speichercontroller der Sockel-1156-Prozessoren unabhängig vom Uncore-Takt zu betreiben ist und hier somit eine deutlich höhere Taktfrequenz auch mit normalen Kühlmethoden möglich ist.


Als erstes haben wir den Speicher bei diesen Taktraten auf seine Stabilität getestet. Das geht schnell und relativ gut mit dem Tool SuperPi im 32M-Modus. SuperPi wird bei der hohen Frequenz für die Overclocker vollkommen ausreichen - bei normaleren Taktraten testen wir mit memtest. Die lange Laufzeit von memtest würde jedoch sicherlich Fehler zeigen, da der Speichercontroller schon am Limit ist.

Aufgrund der hohen Speicherlast, welche SuperPi erzeugt, zeigt sich schnell, ob die Taktraten bei den Timings und Spannungen stabil laufen. Wie zu erwarten gab es in diesem Fall keine Enttäuschung.



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Anschließend ließen wir die Speicherbenchmarks von Everest und MaxxPi-MaxxMem durchlaufen. Damit erreichte das Kit bis jetzt den höchsten Durchsatz in unserer Redaktion. Ebenso erobert Corsair sich mit dem  Kit bei allen käuflich zu erwerbenden Speicherkits die Performance-Krone: Kein anderer Hersteller bietet im Moment einen Speicher mit dieser garantierten Performance.



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Sämtliche Durchläufe absolvierte das Corsair-Kit ohne Probleme. Auch als wir die Timings noch ein wenig verschärften und sogar eine CAS-Latency von 7 wählten, durchlief das Kit ohne Probleme unseren Benchparcours.



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Wie auf dem Screenshot unserer Speicher-Benchmarks zu sehen, bietet das Kit einen beeindrucken Speicherdurchsatz mit den angegebenen Taktraten, welche so leider im Alltagsbetrieb nie erreicht werden. Unter extremen Bedingungen mit möglichst hohem Speichertakt sehr gute Overclocking-Ergebnisse einzufahren stellt die perfekte Spielwiese für diesen Speicher dar. Natürlich verfügt der Corsair-Speicher mit entsprechender Voltage-Erhöhung auch noch über Luft nach oben. Da der Speichercontroller unseres Xeon-Prozessors schon an seine Grenzen gestoßen ist, konnten wir den maximalen Takt leider nicht ausloten. Hier werden die Benchbros aus unserem Overclocking-Team aber in den nächsten Tagen nachhelfen.


Auf unserer P55-Plattform können wir leichter einen höheren Speichertakt erreichen, da der Speichercontroller hier unabhängiger vom Prozessortakt ist. Zwar ist bei einem Speichermultiplikator von x12 Schluss (DDR3-1600) und somit kommt man bei einer hohen Base Clock Rate auch schnell an die Grenzen des QPI-Busses, aber der Speichercontroller muss nicht mit dem doppelten Takt des Speichers betrieben werden. Somit ist das Limit hier meistens etwas später erreicht.

Mit unserem Core i7-860 erreichten wir auf dem Sabertooth i55-Mainboard von ASUS bei 1,35 V VCore und IMC-Spannung sowie 1,75 V DDR3-Spannung den maximalen Takt von 2,408 GHz. Bislang hielten zwei A-Data +Series-Module den Redaktionsrekord mit 2,395 GHz. Die hohe Frequenz konnten die Corsair-Module noch mit CL8 erreichen. Das Resultat ist also beeindruckend:

corsair2250-2400

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Das Resultat lässt den Schluss zu, dass es sich bei den Corsair GTX-Modulen um Speichersticks mit Elpidas Hyper-ICs handelt. Dies konnten wir aufgrund der DHX-Kühlkörper nicht nachprüfen, allerdings sind auch die restlichen gemessenen Timings ähnlich mit denen der zuletzt getesteten Elpida-Hyper-Kits:

Frequenz Timings
DDR3-1333 mit 1,5 V 6-5-5-12 1t
DDR3-1333 mit 1,65 V 5-5-5-12 1t
DDR3-1600 mit 1,65 V 6-6-5-15 1t
DDR3-1866 mit 1,65 V 7-7-5-15 1t
DDR3-2000 mit 1,65 V 7-7-7-20 1t

Ungeachtet der Frequenz konnten sich die Module mit ihren Timings stets vor unsere Testsieger aus dem Heft 1/2010 - die A-Data +Series DDR3-2200+ und die Patriot Viper II Sector 5 DDR3-2000 - setzen. Beide basieren auf den Hyper-Chips, weshalb zu vermuten ist, dass auch Corsair auf selektierte Hyper-ICs setzt. Andere DDR3-Chips erreichen momentan nicht diese Performance.


In unserem Test hat man klar gesehen: Es ist nicht einfach, den 2250 MHz schnellen Corsair-Speicher auf einer X58-Plattform tatsächlich voll auszureizen. Die von Hand selektierten Speichermodule schaffen diese Frequenz zwar ohne Probleme, jedoch bedarf es auch einer Selektion des Prozessors. Dieser ist wahrscheinlich in fast allen Fällen mit den Speicherchips überfordert und schafft die hohe Frequenz nur bei extremer Kühlung und mit massiver Erhöhung der Spannung. Für den Alltag sind die Module also nichts, wenn man ein X58-Board einsetzt. Der von uns erreichte Uncore-Takt von 4500 MHz war nur mit einem Xeon W3565 möglich, der auf 5,56 GHz übertaktet und mit Flüssigstickstoff gekühlt wurde.

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Unser Test mit dem P55-Mainboard zeigt jedoch, dass die Module auch noch höhere Taktraten schaffen können - allerdings nur mit einer entsprechenden Sockel-1156-CPU, die ihren Speichercontroller unabhängig vom Uncore-Takt betreiben kann. Somit ist hier deutlich mehr Luft nach oben. Die Timings sind durchweg in Ordnung und auf einem sehr guten Niveau. Es wird sich wohl niemand diese High-End-Speichermodule für den Betrieb bei 1600 oder 1800 MHz kaufen, aber auch hier können sie überzeugen. Selbst ein stromsparender Betrieb bei 1,5 V wäre möglich. Doch das Speicherkit ist nicht nur ein Highlight für Intel-Nutzer. Auch AMD-Anhänger können sich über die Module freuen. Zwar wird der Takt von 2250 MHz auf diesen Systemen nicht erreicht, doch lässt sich der Speicher dort mit 1800 MHz und scharfen CL6-Timings sowie 1,65 Volt bereiben.

In den nächsten Wochen wird sich das Speicherkit bei unseren Benchbros in noch kälteren Regionen beweisen müssen. Unsere Profi-Overclocker werden ihm noch ein mal auf den Zahn fühlen und so versuchen, das letzte bisschen Performance für neue Rekorde herauszuholen. Das Kit bietet ihnen auf jeden Fall die besten Voraussetzungen ihre hochgesteckten Ziele erreichen zu können.

Positive Punkte des Corsair Dominator GTX 2250 MHz Kits:

Negative Punkte des Corsair Dominator GTX 2250 MHz Kits:

Geballte Power auf geringem Platz: Mehr Performance ist derzeit kaum möglich. Aus diesem Grund gibt es auch unseren Excellent-Hardware-Award für die extremen Module - rational darf man an diese Module aber nicht herangehen:

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