Der neue Amazon Fire TV Stick mit Alexa-Sprachfernbedienung im Test

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amazon-fire-tv-kleinAmazon bringt den neuen Fire TV Stick nach Deutschland. Der überarbeitete Streaming-Stick ist nicht nur leistungsstärker, er wird jetzt auch gleich mit Alexa-Sprachfernbedienung ausgeliefert und soll so ein Stück Zukunft ins Wohnzimmer bringen. Für den Test haben wir uns Verbesserungen und Neuheiten näher angesehen. 

Als wir 2015 den ersten Fire TV Stick getestet haben, war schnell klar: Die Mini-Streaming-Lösung hat das Potenzial zum Verkaufshit. Der kleine Stick ist denkbar einfach in Handhabung, Einrichtung und Bedienung. Er lässt sich damit als Nachrüst-Lösung für TVs nutzen, die nicht oder nur eingeschränkt auf Streaming ausgelegt sind. Voraussetzung ist praktisch nur ein HDMI-Anschluss. Auch wenn der Fire TV Stick von Amazon kommt, beschränkt er keineswegs nur auf die Nutzung von Amazon-Diensten. Es können ganz im Gegenteil selbst direkte Konkurrenten wie Netflix und auch diverse Free-TV-Angebote genutzt werden. Vor allem aber war der Fire TV Stick von Anfang an günstig: Bei einem Startpreis von 39 Euro dürften sich viele Nutzer schnell zum Kauf entschlossen haben.

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Auch beim neuen Fire TV Stick weicht Amazon von dieser Preispolitik nicht ab - bzw. macht das Produkt indirekt sogar noch attraktiver. Während die Sprachfernbedienung beim Vorgänger als aufpreispflichtiges Extra angeboten wurde, ist sie beim neuen Fire TV Stick gleich inklusive. Dabei steuert der Nutzer mit seiner Stimme nicht einfach irgendeine rudimentäre Spracherkennung, sondern den virtuellen persönlichen Assistenten von Amazon - also Alexa. Damit bietet die zweite Generation des Fire TV Sticks praktisch Funktionen von Amazon Echo bzw. Echo Dot. Inklusive der Alexa-Sprachfernbedienung kostet der neue Fire TV Stick aktuell 39,99 Euro. Ausgeliefert werden soll er in Deutschland ab dem 20. April 2017.

Hardware

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Der Fire TV Stick ist beim Sprung von der ersten zur zweiten Generation (im Bild unten) leicht gewachsen. Doch am grundlegenden Aufbau hat sich nichts geändert. Der schlichte, schwarze Stick wird für die Bild- und Tonausgabe per HDMI angeschlossen und über Micro-USB mit Strom versorgt. Mehr Anschlüsse gibt es auch beim neuen Fire TV Stick nicht. Doch unter der Haube hat Amazon nachgelegt. Der Dual-Core-Prozessor weicht einem Quad-Core-Prozessor, der eine deutlich gesteigerte Performance bieten soll. Auch an der W-LAN-Anbindung wurde geschraubt: Sie unterstützt jetzt den 802.11ac-Standard. Amazon verspricht damit den verzögerungsfreien Start von Videos -  und tatsächlich starten die Filme und Serien regelrecht direkt. Anders als bei der aktuellen Fire TV Set-Top-Box wird allerdings kein 4K unterstützt. Die maximale Auflösung liegt weiterhin bei 1080p. Als neu unterstützter Codec kommt dabei H.265 hinzu. Was sich ebenfalls nicht geändert hat, sind 1 GB RAM-Kapazität und 8 GB Flash-Speicher ohne Erweiterungsmöglichkeit.  

Lieferumfang und Einrichtung

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Während der Stick selbst etwas an Volumen zugelegt hat, wird er jetzt in einer deutlich schlankeren Verpackung ausgeliefert.

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Die Innenverpackung kann einfach aufgeklappt werden und zeigt sich dann als regelrechtes Verpackungswunder. Darin befindet sich neben dem Stick und der Alexa-Fernbedienung mit den separat verpackten zwei AAA-Batterien nämlich noch einiges Zubehör. 

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Neben einer knapp gehaltetenen Startanleitung und dem Garantiehinweis liegen vor allem noch Kabel und Adapter bei. Konkret sind das der Netzadapter mit dem USB-Ladekabel und eine HDMI-Verlängerung. Sie stellt sicher, dass der Fire TV Stick auch an eingeschränkt zugänglichen HDMI-Ports genutzt werden kann.  

Die Einrichtung ist nach wie vor denkbar unkompliziert: Der Fire TV Stick wird über microUSB mit Strom versorgt und an einem HDMI-Eingang angeschlossen. Er startet dann von selbst und führt den Nutzer durch einen einfachen Einrichtungsprozess, in dem vor allem die Verbindung zum heimischen W-LAN hergestellt wird. Benötigt wird außerdem ein Amazon-Konto. Ein Prime-Zugang ist hingegen nur optional und nicht verpflichtend.  

Software und Bedienung

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Anders als bisher gibt es nur noch eine Fernbedienung für den neuen Fire TV Stick. Im Bild ist sie links zu sehen. Gegenüber der bisherigen Standard-Fernbedienung fällt die Alexa-Fernbedienung schlanker und länger aus. Sie entspricht damit äußerlich der bisher nur optionalen Sprachfernbedienung. Navigiert wird vor allem mit dem kreisförmigen Steuerkreuz mit der zentralen Auswählen-Taste. Dazu kommen weitere Navigationstasten wie Zurück, Startseite und Menü und drei Tasten für die Wiedergabesteuerung. Eine Möglichkeit zur Lautstärkeregelung bietet auch die Alexa-Fernbedienung nicht. Dafür wird nach wie vor die TV-Fernbedienung benötigt. Was es hingegen gibt, das ist eine Taste zum Aktivieren des Mikrofons. Anders als bei den Echo-Produkten hört Alexa nicht durchgehend zu und wartet auf Anfragen, sondern wird gezielt mit dem Drücken der Mikorfontaste aktiviert. Das dürfte gerade bei den Nutzern für Erleichterung sorgen, die um ihre Privatsphäre bangen. Die Fernbedienung wird per Bluetooth mit dem Fire TV Stick verbunden. Dadurch braucht sie keinen "Sichtkontakt" zum Fire TV Stick und kann auch über einige Entfernung genutzt werden.  

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Amazon nutzt als Betriebssystem weiterhin die auf Android basierende Eigenentwicklung Fire OS. Die Oberflächengestaltung wurde überarbeitet und modernisiert. So wurde das Auswahlmenü wurde von der linken Seite nach oben verlagert und platzsparender gestaltet. Die großen und TV-freundlichen Kacheln bestimmen so noch mehr das Erscheinungsbild. Die  Die Navigation ist mit dem Steuerkreuz und den an Android angelehnten Zusatztasten denkbar unkompliziert. 

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Übersichtlich gestaltet sind auch die Einstellungen. In insgesamt elf Menüpunkten kann der Fire TV Stick verwaltet und konfiguriert werden. Darunter ist auch ein Alexa-Menüpunkt. Er dient allerdings praktisch nur der Information, denn für die Alexa-Verwaltung wird die Alexa App bzw. der Browserzugriff auf alexa.amazon.de benötigt. Erst auf diesem Weg kann Alexa verwaltet werden. Dann lassen sich z.B. neue Skills (praktisch Apps für Alexa) aktivieren, die Smart Home-Steuerung verwalten oder auch einfach prüfen, welche Kommandos Alexa ausgeführt hat. 


An den grundlegenden Fähigkeiten des Fire TV Sticks hat sich wenig geändert. Nach wie vor dient er vor allem der Medienwiedergabe. Auch wenn der Fokus klar auf Amazons eigenem Angebot liegt, wird der Nutzer keineswegs auf das Amazon-Ökosystem beschränkt. Es stehen eine Reihe von Apps mit ergänzenden und selbst mit direkt konkurrierenden Angeboten zur Verfügung. Neben dem Zugriff auf die Live-Streams und Mediatheken von TV-Sendern können so auch YouTube und selbst Netflix genutzt werden. Die Auswahl an Apps und Casual-Games ist insgesamt nicht so vielfältig wie auf einem regulären Androidgerät. Sie ist aber ausreichend, um den Fire TV Stick selbst für Kunden interessant zu machen, die kein Amazon-Prime abonniert haben.

Alexa am Fire TV Stick

Die größte Neuerung ist aber die Integration von Alexa. Schon den ersten Fire TV Stick gab es mit Sprachfernbedienung für die einfache Suche von Serien, Filmen und Spielen. Natürlich kann auch über Alexa nach Content gesucht werden. Schon dabei sind komplexere Aufrufe möglich. So können z.B. Wiedergabelisten aus konkreten Apps oder die Wiedergabe eines bestimmten Musikgenres aufgerufen werden. Was Alexa bietet, geht aber weit darüber hinaus. Als digitaler Assistent soll sie dem Nutzer das Leben leichter machen. 

Dazu gehört das Verwalten von Terminen in einem verknüpften Google- oder Microsoft-Kalender, die Steuerung von Smart Home-Geräten oder das Abfragen von Informationen (ausführlicher sind wir darauf schon in unserem Test zum Echo eingegangen). Mit zusätzlichen Skills kann z.B. Essen über Lieferando oder ein Taxi über mytaxi bestellt werden. Alexas Spracherkennung funktioniert auch mit der Fernbedienung meist sehr überzeugend. Ob Alexa dann mit Fragen oder Aufforderungen auch etwas anfangen kann, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Nach wir vor sollte der Nutzer wissen, was für konkrete Fähigkeiten Alexa hat. Ansonsten kann die Sprachsteuerung schnell frustrieren. An einigen Stellen fällt auch auf, dass Alexa am Fire TV Stick nicht die gleichen Funktionen wie im Echo-Lautsprecher bietet. So kann z.B. die Lautstärke am Fire TV Stick nicht beeinflusst werden und auch die Timer- und Wecker-Funktion wird nicht unterstützt. Wer sich durch die Ausprobier-Vorschläge in der Alexa-App arbeitet, bekommt am Fire TV Stick immer mal wieder ein freundliches, aber bestimmtes "diese Funktion wird auf deinem Gerät leider nicht unterstützt" zu hören. 

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An anderer Stelle kann Alexa am Fire TV Stick aber wiederum mehr, als im Echo. Alexa antwortet am TV nicht nur mit Audio, sondern auch mit Einblendungen. Das Wetter wird so nicht nur angesagt, sondern auch angezeigt (die Anzeige in Grad Fahrenheit wurde im Testzeitraum noch auf Grad Celsius umgestellt). 

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Und auch die Ergebnisse oder Spielansetzungen aus der Bundesliga kann Alexa liefern. Für andere Sportarten wie Handball ist das System allerdings noch nicht nutzbar. Nach wie vor gibt es beim Funktionsumfang klare Einschränkungen. Nutzt man aber Sprachbefehle, die Alexa versteht, funktioniert das System nach unseren Eindrücken bemerkenswert zuverlässig. Für die reine Navigation gilt - nicht in jeder Situation wird man mit der Spracherkennung schneller als mit der Fernbedienung zum Ziel kommen. Gerade bei der Suche nach konkreten Filmen/konkreter Musik ist sie am Fire TV Stick aber eine echte Erleichterung. 

Fazit

Klammert man Alexa erst einmal aus, so bringt der neue Fire TV Stick nur überschaubare Fortschritte. Die Performance fällt höher aus und die Benutzeroberfläche wirkt moderner. An der grundlegenden Funktionalität des Sticks hat sich wenig geändert: Er ist nach wie vor eine unkomplizierte und kompakte Lösung, die gegenüber Fire TV aber doch etwas abgespeckt ausfällt. Die Set-Top-Box bietet nach wie vor die leistungsstärkere Hardware, 4K-Kompatiblität und mit dem microSD-Kartenleser auch eine Möglichkeit zur Speichererweiterung. Wirklich fair ist der Vergleich bei einem mehr als doppelt so hohem Preis aber nicht. 

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Und in mindestens einer Hinsicht ist der Stick der Set-Top-Box aktuell technisch voraus - das ist die Integration von Alexa. Bisher haben sich Sprachassistenten nicht wirklich durchgesetzt. Und auch Alexa stößt noch deutlich an Grenzen. Doch wenn man diese Grenzen kennt und beachtet, kann sie die Bedienung des Fire TV Sticks deutlich erleichtern. Dabei profitiert der Sprachassistent aber auch davon, dass die Bedienung per Fernbedienung schnell an Grenzen stößt. Es ist natürlich deutlich komfortabler, per Sprachkommando nach dem Wunschfilm zu suchen, als erst mit der Fernbedienung eine Bildschirmtastatur zu bedienen. Und Alexa kann deutlich mehr. Weil Amazons Sprachassistent sich zunehmend als Standard etabliert und von unterschiedlichsten Partnern unterstützt wird, hat er zudem noch viel Entwicklungspotential. Anders als bei den Echo-Produkten wird Alexa nicht per Sprachbefehl, sondern per Tastendruck aktiviert. Das wirkt vielleicht weniger futuristisch. Es dürfte aber genug Nutzer geben, die diese Lösung einem dauerhaft lauschenden Produkt vorziehen. Unkompliziert und reaktionsschnell ist Alexa jedenfalls auch mit der Sprachfernbedienung.

Trotz der Verbesserungen wird auch die 2017er-Auflage des Fire TV Sticks für rund 40 Euro angeboten. Wir zeichnen sie deshalb genauso wie die erste Generation mit unserem Preis-Leistungs-Award aus. 

alles

Positive Aspekte des Amazon Fire TV Sticks:

Negative Aspekte des Amazon Fire TV Sticks: