Test: Gigabyte SkyVision WS100 - Kabelloses HD-Vergnügen

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WS100komplettkVielen Nutzern dürfte Gigabyte ein Name sein, weil die Marke recht erfolgreich Mainboards und Grafikkarten vertreibt. Jedoch versucht Gigabyte schon seit einiger Zeit auch in anderen Bereichen einen Marktanteil zu erringen, so z.B. im Bereich der Peripherie. Hier nimmt man sich eines Problems an, das viele User mit Heimkino kennen dürften: Kabelsalat von den Abspielgeräten hin zum Fernseher/Beamer. Was oft in eine wüste Kabelschlacht ausartet, will Gigabyte per WHDI (Wireless Home Digital Interface) beenden. Die Idee an sich ist nicht neu, jedoch möchte sich Gigabyte mit einer unkomprimierten 3 Gbit/s Übertragung im 5 GHz Bereich und einem niedrigen Preis von der Konkurrenz absetzen. Grund genug also, sich die Lösung etwas genauer anzuschauen.

Gigabyte setzt bei seiner Lösung auf den WHDI-Standard 1.0, welche mit 3 Gbit/s angebunden ist und laut Hersteller in einem automatisch angepassten Frequenzbereich von 5,1 GHz bis 5,8 GHz funkt. Dies soll verhindern, dass die SkyVision-Lösung mit anderen funkenden Geräten wie z.B. Wireless-LAN mit 5 GHz in Konflikt kommt und es Bildstörungen gibt. Geworben wird außerdem damit, dass die Latenzen niedrig gehalten wurden, was sonst in diesem Preisbereich ein Problem darstellt, besitzen günstige Lösungen doch teils Verzögerung bis zu 200 ms, was sich deutlich bemerkbar macht. Dementsprechend sieht Gigabyte auch die Produktplatzierung des WS100: Man möchte durch diese Eigenschaften nicht nur Filmliebhaber ansprechen, sondern auch Konsolenspieler und Computerspieler, welche lieber auf Beamer/Flachbildfernseher spielen.

 

Diese Ansprüche spiegeln sich auch im offiziellen Datenblatt wider, aus welchem wir an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit den wichtigsten Merkmalen geben wollen:

Technische Daten WS100
EigenschaftWerte
Bezeichnung: Gigabyte SkyVision WS100
Preis: UVP 99$, Europreise noch unbekannt
Übertragungsstandard: WHDI 1.0, unkomprimiert
Anschlüsse: HDMI Typ-A
Unterstützte Auflösung: 480p,576p,720p,1080i, 1080p/60, 1080p/24
VGA (640x480), SVGA (800x600), XGA (1024x768), SXGA (1280x1024)
1280x768, 1366x768, 1920x1080
Sound 5.1 mit bis zu 18 Mbit/s; bis zu 48 kHz 24Bit; AC3 und DTS Support
Abmessungen Sender: 93x32x15.3 mm ( LxBxH )
Empfänger: 93x82x32 mm ( LxBxH )

Schaut man sich die Daten an, erkennt man, dass die wichtigsten Formate unterstützt werden, auch abseits der reinen Filmauflösungen. Soundmäßig sind 5.1 und DTS das Höchste der Gefühle, die HD-Soundformate sucht man leider vergebens. Ebenso nicht unterstützt wird die Wiedergabe von 3D-Videoformaten, hier setzt die verwendete Technik gewisse Limitierungen. Die 1080p/24 werden mit einer Frequenz von 29,97 Hz angefahren, ein Wert, über den gerade die Heimkinoprofis sicherlich diskutieren werden. Für den Großteil der User jedoch dürfte das Gebotene mehr als ausreichend sein, gerade wenn man den angepeilten Preis bedenkt.

Erwähnt sei hier noch, dass als Wiedergabe sowohl der Einzelbetrieb als auch der Betrieb als Zweitbildschirm in den Modi "Erweiterter Desktop" und "Desktop duplizieren" unterstützt wird, also bleibt alles wie von der Kabelverbindung gewohnt. 


Bevor wir nun zum Praxistest kommen, ist es erst an der Zeit, sich das WS100 erst einmal genauer anzuschauen. Das Set besteht aus einer kleinen, stickförmigen Sendeeinheit, einer  quadratischen Empfangsbox, Quick Guide, CD mit vollständiger Anleitung und den nötigen Kabeln (HDMI-Kabel, USB-Kabel für den Sender, USB-Stromadapter für den Empfänger):

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CD und Guide sind auf den Fotos nicht abgebildet. Der Quickguide umfasst ein kleines, mehrsprachiges Faltblatt mit den nötigsten Schritten, um das Set aufzubauen. Die komplette Anleitung, inkl. der Erläuterung der Knöpfe auf der Empfängerbox, findet sich leider nur auf CD und dort als ausführliche Variante nur in Englisch/Chinesisch. 

Betrachten wir zunächst die Empfängerbox, welche in einem schlichten Look aus Schwarz und Grau auftritt, unterbrochen nur von ein paar Schriftzügen, 2 LEDs und den 3 Knöpfen an der Front:

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Der Empfänger besitzt anschlussseitig einen Mini-USB-Port, welcher zur Stromversorgung dient und einen HDMI-Ausgang, der mit dem mitgelieferten HDMI-Kabel direkt mit dem Fernseher verbunden wird. Von den beiden LEDs auf der Oberseite dient eine dazu, die Betriebsbereitschaft per weißem Dauersignal anzuzeigen, die andere in Blau gehaltene LED signalisiert den Verbindungsstatus. Blinkt die LED, so sucht der Empfänger noch, leuchtet sie dauerhaft, wurde eine Verbindung hergestellt. Die 3 Knöpfe offerieren ein schmal gehaltenes Setup-Menü, um beim Einsatz zusätzlicher Sendesticks diese mit dem Empfänger zu verbinden. Standardmäßig ist das Gerät auf den mitgelieferten Stick eingestellt.

Der Stick bietet einen Look, welcher etwas an einen übergroßen USB-Stick erinnert, nur dass sich hier ein HDMI-Anschluss unter der Kappe verbirgt. Auch hier wird wieder auf die Kombination von Schwarz und Grau gesetzt, kombiniert nur mit einigen kleinen Merkmalen wie dem Schriftzug, dem USB-Anschluss und dem Knopf an der Stirnseite:

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Der Stick setzt hierbei auf einen HDMI-Anschluss, der USB-Anschluss hingegen ist als Mini-USB ausgeführt. Ein kurzes Adapter-Kabel wird von Gigabyte mitgeliefert, es lässt sich aber problemlos auch jedes andere USB-Kabel mit den entsprechenden Anschlüssen verwenden. Dies hat einen kleinen, aber wichtigen Vorteil: Sollte mal das Kabel durch einen Defekt ausfallen oder unauffindbar sein, so ist man nicht auf teuren Herstellerersatz angewiesen, sondern kann schnell und kostengünstig selbst für Ersatz sorgen. Die LED leuchtet blau auf, sobald der Stick eine Verbindung mit seiner Basisstation aufgenommen hat und ein Signal weitergereicht wird. Sollte es mal notwendig sein, die Abstimmung von Basis und Stick neu zu konfigurieren, so startet man das Setup per Basis und bestätigt die Suche dann mittels des kleinen Knopfes an der Stirnseite. Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass man vorher für sich klären sollten, ob der Stick an den heimischen HDMI-Anschluss passt. Durch sein relativ großes Volumen kann es schon einmal sein, dass er andere, nah gelegene Anschlüsse blockiert. 


Nachdem wir nun die Details geklärt haben, interessiert natürlich die Frage, wie sich das Kit im Alltag schlägt. Der Aufbau ist hierbei relativ schnell erledigt, selbst ohne den Quick-Guide zu konsultieren. Die Basis wird einfach aufgestellt, der USB-Strom-Adapter und das HDMI-Kabel angeschlossen, schon ist man auf der Seite fertig. Der Stick wird in den HDMI-Anschluss des Wiedergabegeräts eingesteckt, USB-Verbindung herstellen, fertig. Sofern man weiß, wo die entsprechenden Anschlüsse an den heimischen Geräten zu finden sind, dauert der Vorgang nur eine Minute. Bedenkt man hier die Zeit, die für das saubere Verlegen eines langen HDMI-Kabels sonst nötig wären, sammelt das Gigabyte-Kit hier einen deutlichen Pluspunkt. 

Sobald beide Seiten angeschlossen sind, nimmt das Kit automatisch Verbindung auf. Basis und Stick sind von Haus aus schon aufeinander eingestellt, eine aufwendige Konfiguration ist nicht notwendig. Setzt man als Wiedergabegerät einen PC/Laptop ein, so kann man nun wie vom normalen (Dual-View-) Betrieb gewohnt alle Einstellungen vornehmen: Anpassen der Auflösung, Bildwiederholungsrate usw. werden wie üblich über den Grafikkartentreiber/die Windowseinstellungen vorgenommen. Der Stick an sich kommt komplett ohne Treiber aus, der PC reagiert auf ihn wie auf ein angeschlossenes Kabel. Es macht auch keinerlei Unterschied, ob das WS100 als alleinige Signalquelle eingesetzt wird oder ob man seinen Desktop erweitern/duplizieren möchte. Das WS100 meisterte alle Testsituationen, die wir vorgaben.

Der Verbrauch der Basis liegt bei 4,8 W im Betrieb und 2,8 W im Standby. Der Stick genehmigt sich über den USB-Anschluss 2,5 W, ein Standby-Wert entfällt hier. Beide Teile sind lüfterlos und weisen auch keine Störgeräusche wie Spulenfiepen oder ähnliches auf, sind also im Betrieb lautlos. Gemein ist sowohl Basis als auch Stick, dass sie eine relativ hohe Abwärme erzeugen und diese vor allem beim Stick auch deutlich an der Oberfläche spürbar ist.

Sollte es doch einmal durch Defekt oder Erweiterung mit zusätzlichen Sticks notwendig sein, die Geräte neu aufeinander abzustimmen, so bietet das WS100 ein kleines Setup-Menü. Zugang zu diesem erhält man über die Basis durch drücken des "Home"-Buttons. Daraufhin öffnet sich folgendes Menü auf dem angeschlossenen Bildschirm:

Das Menü des SkyVision WS100

Hier lassen sich neue Verbindungen einstellen, dies wird ausführlich in dem Handbuch erläutert - leider nur auf Englisch oder Chinesisch. Der Vorgang an sich ist nicht schwierig und sollte auch für weniger erfahrene Nutzer keinerlei Hindernis darstellen, solange sie Grundkenntnisse in Englisch besitzen.

Der nächste interessante Aspekt ist natürlich die Leistung des SkyVision hinsichtlich Übertragungsstabilität, Bildqualität und Bildverzögerung. Aber auch hier gab sich das Kit souverän: Dünne Wände, Distanzen von >5 m oder gar ein WLAN-Router direkt neben der Basis, nichts davon war in der Lage, die Verbindung zu stören oder gar zu unterbrechen. Das Ausweichen auf Frequenzen von 5,1 GHz bis 5,8GHz sorgt hier für eine sehr gute Verbindung, liegt man doch hier oberhalb der meisten sonstigen Geräte, welche in der Regel auf 2,4 GHz oder 5 GHz senden.

Auch über die Bildqualität lässt sich nichts Schlechtes berichten: Sowohl SD- als auch HD-Material, egal ob Filmmaterial, Windowsoberfläche oder Gameinhalte - alles wurde ohne Bildfehler übertragen, es gab zu keinem Zeitpunkt sichtbare Artefakte oder sonstige Störungen. Das Bild entspricht durch die unkomprimierte Übertragung dem, welches man auch mit einem Kabel erhalten würde. Kleiner Schönheitsfehler ist hier natürlich, dass das WS100 kein 3D-Signal nach HDMI-Standard 1.4a übertragen kann - hier sei aber angemerkt, dass dies aktuell noch keins der erhältlichen Produkte in dem Bereich beherrscht. Der WHDI-Standard 1.0, welchen die Geräte aktuell verwenden, gibt dies nicht her.

Da Gigabyte explizit mit der Verwendung des SkyVision in Verbindung mit Konsolen und PCs wirbt und darüber hinaus noch die extrem niedrigen Latenzen des Kits hervorhebt, musste sich dies natürlich überprüft werden. Zum Test verwendeten wir einen PC als Wiedergabegerät sowie den Shooter "Battlefield 3" aus dem Hause EA. Getestet wurde sowohl im Einzelaufbau als auch im Dual-View-Betrieb. Hier stellten wir zwei Bildschirme direkt nebeneinander, einen per DVI-Kabel angebunden und einen per SkyVision. Aber auch während der hitzigsten Gefechte im Multiplayer konnte wir keine auffälligen Abweichungen/Verzögerungen bemerken und können dem WS100 damit seine volle Spieletauglichkeit bestätigen.

Als letztes Glied in der Betrachtung fehlt hier natürlich noch der Sound. Die Standards, welche übertragen werden können, sind natürlich etwas eingeschränkt, es fehlt vor allem an den HD-Standards, wieder bedingt durch das verwendete WHDI 1.0. Die beworbenen Soundfeatures meisterte das SkyVision dafür ohne Fehler, der Klang weist keine Verzerrung, Aussetzer oder gar Asynchronitäten auf. 


Gigabyte bewegt sich mit dem SkyVision WS100 auf neuem Terrain und liefert gleich beim ersten Anlauf eine grundsolide Arbeit ab. Den ganzen Test über hatten wir keinen Grund zu klagen, das WS100 verrichtete ohne Schwierigkeiten seinen Dienst. Die einzigen "Mängel" wie der fehlende 3D-Support sind nicht eigenverschuldet, sondern haben ihre Ursache im derzeitigen Übertragungsstandard.

Basis und Stick des SkyVision WS100

Von der optischen Seite präsentiert sich das Produkt in einem schlichten, minimalistischem Stil, welcher sich in den meisten Wohnzimmer ohne Probleme einfügen dürfte. Aufbau und Konfiguration sind in kürzester Zeit erledigt und die Leistung bei Bild und Ton überzeugt. Verbunden mit dem angestrebten Preis könnte es Gigabyte durchaus gelingen in dem neuen Segment Fuß zu fassen und den ein oder anderen Nutzer vom Kabel zu bekehren.

Positive Aspekte des SkyVision WS100:

Negative Aspekte des SkyVision WS100:

Kurz gesagt ist Gigabytes Skyvision WS100 ein Top Produkt gelungen, welches zu überzeugen weiß und mit einem niedrigen Preis auf den Markt drängt, weshalb es sich unseren Preis-Leistungs-Award verdient hat.

Der Hardwareluxx Preis-Leistungs-Award