Huawei Mate 10 Pro im Test: KI und schmaler Rand reichen nicht

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huawei mate 10 pro test

Den zweiten Platz fest im Blick: Mit Smartphones wie dem Mate 9 und P10 konnte Huawei sich als drittgrößter Smartphone-Hersteller behaupten, nun soll der Platz hinter Samsung erreicht und Apple damit verdrängt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Mate 10 Pro, das nicht nur das Niveau der Konkurrenz erreichen, sondern neue Maßstäbe setzen soll. Ausgerechnet die Kooperation mit Leica, zuletzt gekonnt in Szene gesetzt, rückt dabei in den Hintergrund. Stattdessen setzt man auf das Buzzword künstliche Intelligenz. Für die Spitze reicht das aber nicht, wie der Test zeigt.

Das liegt auch daran, dass die Konkurrenz im Herbst 2017 so stark wie selten ist. Da ist zum einen natürlich das Samsung Galaxy S8, aber auch das LG V30 oder das HTC U11+ dürfte so mancher Interessent für Vergleiche heranziehen. Das liegt nicht nur am Display-Konzept, dem Huawei folgt, sondern natürlich auch am Preis.

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Mit unverbindlichen 799 Euro, die zum Zeitpunkt des Tests (Anfang November) von keinem Händler unterboten wurden, ist das Mate 10 Pro genauso teuer wie das U11+. Da ist Samsung im Vorteil: Das Galaxy S8 ist bereits für etwa 570 Euro zu haben. Das V30 fällt mit 900 Euro hingegen teurer aus. Googles Pixel 2 XL und Apples iPhone X spielen hingegen aufgrund der hohen Preise keine Rolle, mit mehr als 64 GB internem Speicher überspringen beiden Geräte die Marke von 1.000 Euro.

18:9 und schmale Rändern nun auch bei Huawei

Zu nennen sind die beiden Flaggschiffe der Konkurrenten aber dennoch. Schließlich handelt es sich jeweils um das erste Google- und Apple-Smartphone, bei dem auf schmale Display-Ränder gesetzt wird. Ein Trend, dem sich auch Huawei nicht entziehen kann. Der Blick auf die Vorgänger des Mate 10 Pro zeigt allerdings, dass die Chinesen schon länger effizient mit dem Platz auf der Vorderseite umgehen. So nahm das Display schon beim Mate 8 und Mate 9 etwa 78 % der Front ein - vor allem aufgrund vergleichsweise schmaler Streifen ober- und unterhalb der Anzeige.

Gerade das ist dabei inzwischen entscheidend, den links und rechts kommen Anzeigen schon lange mit wenigen Millimetern aus. Dass Huawei dennoch erstmals von einem FullView-Display, die im übrigen knapp 81 % der Front einnimmt, spricht, irritiert deshalb. Möglicherweise soll damit aber auch auf eine echte Neuerung verwiesen werden. Denn eng mit dem Trend hin zu schmalen Rändern ist auch die Unsitte des neuen Bildformats verbunden. Galt bislang 16:9 als das optimale Seitenverhältnis für Smartphones, wechseln mehr und mehr Hersteller zu 18:9, bzw. 2:1 oder wie im Falle Samsung sogar zu 18,5:9.

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Das führt zwar im Vergleich zu 16:9 zu schmaleren Smartphones, in der Länge legen sie aber teils ordentlich zu. Einer der größten Nachteile mach sich bei der Wiedergabe von Videos bemerkbar, die dann oftmals nicht ohne schwarze Balken auskommen. Und auch Apps sind in der Mehrheit noch nicht an das neue Format angepasst. Zwar kann häufig zur Vollbild-Darstellung gewechselt werden, aber auch hier gibt es häufig Balken oder gar Darstellungsfehler. Man darf deshalb fast schon froh sein, dass Huawei beim Mate 10 Pro auf „runde Ecken", die beispielsweise beim Galaxy S8 vorhanden sind, verzichtet hat.

Interessant ist der Einsatz eines OLED-Panels. Ein solches ist für Displays mit schmalen Rändern keine zwingende Voraussetzung. Allerdings steht die Technik nach wie vor in dem Ruf, im Mittel genügsamer mit dem Akku umzugehen und Farben satter darzustellen. Allerdings bieten gute IPS-basierte Panels seit einiger Zeit ähnliche gute Resultate - ein Grund, warum HTC beim U11+ auf ein solches setzt. Im Gegenzug zeigt nicht zuletzt das Pixel 2 XL, dass die OLED-Technik auch mit großen Nachteilen verbunden sein kann - Stichwort Einbrenn-Effekt und Blaustich. Wie groß dabei der Einfluss des Panels selbst ist, lässt sich anhand des Mate 10 Pro erkennen. Hier gibt es bislang weder Meldungen bezüglich Einbrennens, zudem kann das Display fast schon als neutral abgestimmt bezeichnet werden. Denn wer sich nicht auf die Werkseinstellungen bezüglich der Farbtemperatur verlässt und stattdessen zu „Warm" wechselt, der erhält ein Weiß mit etwa 6.700 Kelvin; ab Werk sind es 7.900. Dabei muss betont werden, dass das OLED-Panel eine Pentile-Matrix bietet, deren Nachteile man ganz offensichtlich aber im Griff hat.

Farben stellt das Mate 10 Pro hingegen immer satt, aber nicht übertrieben dar - der Wechsel zwischen den Modi „Normal" und „Lebhaft" ändert daran kaum etwas. Grund hierfür ist die Huaweis Orientierung am DCI-P3-Standard, der in bestimmten Bereich weiter geht als sRGB. Von Vorteil ist bei der Darstellung natürlich das echte Schwarz, durch das das Kontrastverhältnis in Richtung unendlich geht.

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Bei den zwei anderen wichtigen Aspekten bezüglich der Darstellungsqualität sorgt das Mate 10 Pro für Gesprächsstoff. Auffällig ist zunächst, dass Huawei an Full HD mehr oder minder festhält - bedingt durch das geänderte Seitenverhältnis beträgt die Auflösung 2.160 x 1.080 Pixel. In Kombination mit einer Diagonalen von 6 Zoll führt das zu einer Pixel-Dichte von 402 ppi. Das ist selbst bei geringem Abstand zwischen Display und Auge mehr als ausreichend, für VR ist mehr aber besser. Zudem bietet die Konkurrenz mehr und liefert entsprechend ein, wenn auch nicht gewichtiges Argument für den Oberklassepreis.

Für den darf man auch ein helles Display erwarten - der zweite Punkt, der für Diskussionen sorgt. Denn je nach Messung fallen die Resultate sehr unterschiedlich aus. Im manuellen Modus wurden bei höchster Einstellung mal nur 272 cd/m² in der Spitze gemessen, mal waren es 468 cd/m² - bei gleichen äußeren Bedingungen. Mit bloßem Auge betrachtet war ein derart großer Unterschied aber nicht zu erkennen. Dass es sich aber nicht um einen Fehler des Testgeräts handelt, zeigen anderen Test- und Erfahrungswerte. Fest steht hingegen, dass das Mate 10 Pro bei automatischer Helligkeitsregulierung sehr viel höhere Werte erreicht, aber auch hier konnten größere Schwankungen festgestellt werden. Im schlechtesten Fall wurden 582 cd/m² erreicht, im besten 643 cd/m². Ein Grund für die Unterschiede könnten Software-Probleme sein. So fielen die Reaktionen auf die manuelle Anpassung - das Verschieben des Reglers - ebenfalls unterschiedlich aus.

Unabhängig von den unterschiedlichen Werten ist klar, dass der Automatikbetrieb die bessere Wahl ist. Zwar reichen 468 cd/m² selbst für helle Innenräume oder den Einsatz im Freien bei bedecktem Himmel mehr als aus, in allen anderen Fällen jedoch nicht.

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In einem anderen Punkt gibt es ebenfalls Unstimmigkeiten. Huawei selbst verspricht die Unterstützung von HDR10, was angesichts der Helligkeit und des Schwarzwertes plausibel klingt. Allerdings gelang es im Test nicht, entsprechendes Material korrekt wiederzugeben. HDR10-Videos wurden zwar abgespielt, von HDR selbst war aber nichts zu erkennen. In YouTube wurde die Option nicht einmal angeboten. Gut möglich, dass hier zunächst auf die explizite Unterstützung von Content-Anbietern wie Netflix oder YouTube gewartet werden muss.

Zu guter Letzt fällt negativ auf, dass die Always-on-Funktion gut versteckt ist. Erwartet man diese eigentlich bei den Display-Optionen, bringt Huawei diese im Bereich „Sicherheit & Datenschutz" und „Bildschirmsperre & Passwörter" unter. Einmal aktiviert, werden Uhrzeit, Datum, Akkustand, Anrufe in Abwesenheit und ähnliches angezeigt. Der Nutzer kann dabei festlegen, ob Always on immer oder nur in einem einstellbaren Zeitraum aktiviert sein soll. Einfluss auf die Optik kann man hingegen anders als beispielsweise bei Samsung nicht nehmen.


Bekanntes Design + Glas

Wo andere den Wechsel des Display-Formats und des Gehäuse-Designs hin zu möglichst wenigen Rahmen für eine komplett neue Optik nutzen, setzt Huawei auf Kontinuität. Denn die Grundform des Mate 10 Pro hat man unübersehbar vom Vorgänger übernommen. Das, so viel Subjektivität muss an dieser Stelle erlaubt sein, ist zu begrüßen. Denn optisch gehört das Mate 9 eindeutig zu den gelungensten Smartphones der letzten ein bis zwei Jahre.

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Allerdings wurde der Generationswechsel für eine prinzipiell nur leichte Überarbeitung genutzt, die letztlich aber umfangreicher wirkt, als sie tatsächlich ist. Auffallend ist zunächst einmal die nun gläserne Rückseite, die edel wirkt, aber wie üblich schnell mit Fingerabdrücken und Schlieren übersät ist. Auflockernd soll ein breiter Streifen am oberen Ende wirken, der allerdings nicht bei jeder der drei Farbvarianten - Grau, Blau, Braun - gleichermaßen zur Geltung kommt; bei ungünstigem Licht fällt er zumindest beim braunen Modell mitunter gar nicht auf. Das ist schade, der der Streifen die Dual-Kamera mitsamt LED-Blitz und Laser-Fokus betonen und ein wenig davon ablenken würde, dass die Linsen der Kameras nicht bündig mit der Rückseite abschließen. Das fällt auch aufgrund des silbernen Rings rund um die Linsen auf. Weniger auffällig ist hingegen der wieder unterhalb der Kameras platzierte Fingerabdrucksensor.

Dreht man das Mate 10 Pro, fällt im direkten Vergleich mit dem Vorgänger erst einmal kaum etwas auf. Das liegt vor allem an den bereits erwähnten, schon beim Mate 9 schmalen Rändern rund um das Display. Beim neuen Modell sind es links und rechts jeweils knapp 3 mm, oben und unten jeweils etwa 8 mm. Zum Vergleich: Das Mate 9 bringt es auf ca. 2, 11 und 14 mm. Dennoch wirkt das Mate 10 Pro aus dieser Perspektive moderner, wenn beide Geräte nebeneinander liegen.

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Und erst dann offenbart sich auch, welche Auswirkungen der Wechsel des Seitenverhältnisses hat. Obwohl die Display-Diagonale von 5,9 auf 6,0 Zoll gewachsen ist, ist das Mate 10 Pro mit 154,2 x 74,5 mm minimal schmaler und kürzer als das Mate 9 (156,9 x 78,9 mm). Ein Effekt, der beispielsweise auch im Vergleich von Galaxy S7 edge und Galaxy S8 auffällt.

Von 18:9 statt 16:9 ist aber nicht nur die Optik betroffen, auch für die Ergonomie spielt es eine Rolle. So liegt das Mate 10 Pro aufgrund des schmaleren Gehäuses etwas besser in der Hand, für die Bedienung sind aber nach wie vor beide Hände nötig. Daran würde selbst ein Display-zu-Front-Verhältnis von 85 oder gar 90 % nichts ändern. Und das, obwohl das Display genau genommen mit 92,9 cm² rund 3 % kleiner ist; eine andere Auswirkung des Sprungs hin zu 18:9.

Dennoch schneidet das Mate 10 Pro mit Blick auf die rein physische Bedienbarkeit ordentlich ab. Die gläserne Rückseite entpuppt sich schnell als überraschend griffig und die drei am rechten Rand platzierten Tasten für Lautstärke und Standby sind auch bei Einhandhaltung gut zu erreichen. Für kleine Hände ist das Smartphone allerdings eher ungeeignet, was schlicht an der Display-Diagonalen liegt.

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Betrachtet man am Ende noch den seitlichen Rahmen des Mate 10 Pro, dürfte sich so mancher leicht an Samsung erinnert fühlen. Denn die Rückseite geht links und rechts stärker als beim Mate 9 in den Rahmen über - ein optischer Kniff, der unter anderem beim Galaxy S7 anzutreffen ist. Dadurch wirkt das Smartphone schlanker, mit 7,9 mm ist es letztlich aber genauso dick wie das Mate 9. Die weiteren Unterschiede fallen ebenfalls nur gering aus: Die Antennen-Isolatoren verlaufen nun vertikal statt horizontal, das symmetrische Design des Mate 9 am unteren Rand hat man aufgegeben und am oberen Rand fällt die fehlende Audio-Buchse auf.

Die Verarbeitung des 178 g schweren Mate 10 Pro ist beinahe tadellos. Bei sehr genauem Hinschauen lassen sich auf der Rückseite minimale Abweichungen beim Übergang zwischen Glas und Rahmen erkennen, kritisch ist das aber nicht. Dafür hat Huawei es geschafft, den SIM-Kartenträger farblich exakt auf den restlichen Rahmen abzustimmen und nahtlos zu integrieren. Die drei Tasten bieten einen satten Druckpunkt und kein überflüssiges Spiel.

Gut beim Telefonieren, Schwächen in anderen Belangen

Die Sorge, man würde mit dem Mate 10 Pro kein vollständig ausgestattetes Smartphone erhalten, ist unbegründet. Denn anders als in der Mittelklasse und beim Display orientiert sich Huawei bei seinen Aushängeschildern inzwischen an der Konkurrenz.

Das fällt vor allem im Bereich Telefonie und Datenübertragung auf. So erreicht das LTE-Modem im Downstream dank Cat 18 in der Theorie bis zu 1,2 GBit/s, im Upstream immerhin noch 150 MBit/s (Cat 13). In der Praxis spielt der Downstream-Wert (noch) keine Rolle. Denn weder in Deutschland, noch in Europa wird - abgesehen von winzigen Flecken - ein auch nur annähernd so hohes Tempo erreicht. Ob sich das im Laufe der üblichen Lebensdauer des Mate 10 Pro ändern wird, darf bezweifelt werden. Als Anbieter von Mobilfunk-Netzwerktechnik dürfte Huawei es aber vor allem als Demonstration der eigenen Möglichkeiten betrachten.

Viel mehr hat der Nutzer von den guten Telefonieeigenschaften. Die drei Mikrofone filtern störende Nebengeräusche zuverlässig heraus und sorgen zusammen mit dem Lautsprecher für eine überzeugende Gesprächsqualität. Ungewöhnliche Netzwechsel oder Verbindungsabbrüche konnten im Laufe des Tests nicht beobachtet werden, im Gegenteil: Selbst in schwierigen Situationen verblieb das Mate 10 Pro länger als viele andere Smartphones im LTE-Netz.

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Das wiederum kann von beiden SIM-Karten genutzt werden, was laut Huawei eine Premiere ist. Bislang mussten Nutzer wählen, welche Karte für 4G verwendet werden soll - die zweite konnte lediglich im 2G-Netz funken, was Datenübertragungen praktisch ausschließt. Dabei muss zudem nicht überlegt werden, ob eine zweite SIM-Karte oder die Erweiterung des Speichers wichtiger ist. Denn den Einsatz einer Speicherkarte sieht Huawei nicht vor, 128 GB müssen somit reichen.

Abseits der Übertragung via Mobilfunknetz zeigt das Mate 10 Pro aber kleinere Schwächen. So wird Bluetooth lediglich in Version 4.2 unterstützt, aktuelle Konkurrenten bieten hingegen Bluetooth 5 mit geringerem Energiebedarf, höherer Reichweite und höheren Übertragungsraten. Ebenfalls verwunderlich ist, dass Huawei beim WLAN nicht auf ein MIMO-Design setzt. Zwar wird der ac-Standard unterstützt, mangels MIMO fallen die Geschwindigkeiten aber geringer als bei der Konkurrenten aus. Vor allem dann, wenn das Mate 10 Pro zusammen mit anderen WLAN-Geräten gleichzeitig genutzt wird. Dem LTE-Modem hat Huawei hingegen gleich vier Antennen spendiert. Dafür bietet das Smartphone wie auch schon der Vorgänger einen Infrarot-Sender, was den Einsatz als Fernbedienung für Fernseher und Co. möglich macht. NFC ist ebenfalls dabei.

Verzichtet hat man auch auf die 3,5-mm-Buchse, womit Kopfhörer entweder über einen USB-Typ-C-Anschluss verfügen oder aber per mitgeliefertem Adapter oder per Bluetooth - aptX und aptX HD werden unterstützt - angeschlossen werden müssen. Dank USB 3.1 Gen 1 erfolgen Datenübertragungen per Kabel zügig, der Anschluss gibt auch DisplayPort 1.2 aus.

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Beibehalten hat man den Einsatz von zwei Lautsprechern, die wahlweise unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Im High-Quality-Modus ist der oberhalb des Displays verbaute Lautsprecher für die hohen Frequenzen zuständig, der im unteren Rand platzierte zweite hingegen für Mitten und Tiefen. Die Alternative ist ein Stereo-Modus, für den das Mate 10 Pro allerdings in Landscape-Ausrichtung genutzt werden muss. Tatsächlich wird dann eine kleine Stereo-Blase gebildet, die aber nicht nur unter fehlenden Mitten und Tiefen leidet, sondern auch unter der unterschiedlichen Lautstärke der beiden Lautsprecher; der im unteren Rand erreicht deutlich höhere Pegel. Bis zu einer Lautstärke von etwa 80 % des Maximums kommen die Lautsprecher fast ohne Verzerrungen aus, darüber nehmen sie Überhand. Dennoch gefällt diese Lösung besser als bei vielen anderen Smartphones, auch wenn das Pixel 2 XL oder iPhone 8 Plus insgesamt besser klingen.

Fast komplett ist das Angebot an Sensoren. Das Mate 10 Pro kann dank ihnen unter anderem Lage im Raum, Ausrichtung, Beschleunigung, Umgebungshelligkeit und Luftdruck messen. Die Ortung per Satellit ist per GPS, GLONASS und BDS möglich. Galileo fehlt hingegen. Das Entsperren des Geräts ist per Fingerabdrucksensor möglich, der im Test schnell und präzise arbeitete. Zudem kann er teilweise für die Bedienung des Smartphones eingesetzt werden, unter anderem für die Navigation in der Galerie oder für das Ein- und Ausblenden der Benachrichtigungszentrale.


Ein Huawei-Smartphone mit starker GPU

Mit dem Mate 9 feierte vor einem Jahr Huaweis eigener SoC Kirin 960 seine Premiere. Mit dem sollte es gelingen, in puncto Leistung endlich mit Samsung und Co. gleichzuziehen. In weiten Teilen gelang dies, einzig hinsichtlich der GPU-Performance wurde das Ziel nicht erreicht. Diesen Fehler soll der neue Kirin 970 korrigieren, der erstmals im Mate 10 Pro verbaut wird.

Doch so groß, wie die Modellnummer es suggeriert, sind die Unterschiede zunächst nicht. Auch der neue SoC besteht aus zwei CPU-Clustern zu je vier ARM-Cortex-A53 und -A73-Kernen, die gemäß big.LITTLE-Prinzip zusammenarbeiten. Ebenfalls unangetastet geblieben sind die maximalen Taktraten: Die A53-Kerne erreichen in der Spitze 1,84 GHz, die A73-Kerne hingegen 2,36 GHz.

Das überrascht angesichts einer der wenigen Änderungen. Denn gefertigt wird der Kirin 970 im 10-nm-FinFET+-Verfahren, das gegenüber dem 16-nm-FFC-Verfahren einerseits bei gleichen Taktraten eine höhere Effizienz, aber auch höhere Maximaltaktraten ermöglicht. Wirklich nötig wäre mehr CPU-Tempo aber nicht, wie die Benchmarks zeigen. In Geekbench 4.1 erreicht das Mate 10 Pro eine Single-Thread-Wertung von fast 1.900 Punkten, womit man fast gleichauf mit Samsungs Exynos 8895 und entsprechende dem Galaxy S8 und Galaxy Note 8 liegt; auch ein Snapdragon 835 ist nicht schneller. Gleiches gilt für die Multi-Thread-Leistung, die mit rund 6.700 Punkten angegeben wird. Im Vergleich mit dem Mate 9 schneidet das neue Modell zwischen 4 und 18 % (Geekbench 4.0) besser ab, gegenüber dem Mate 8 liegt der Vorteil zwischen 16 und 29 % (Geekbench 3).

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Der Vorsprung gegenüber dem Mate 9 ist dabei auf stabilere Taktraten zurückzuführen. Monierten wir vor einem Jahr noch, dass die maximalen Takte nur für wenigen Sekunden, mitunter auch nur für Sekundenbruchteile gehalten werden konnten, zeigt sich der Kirin 970 diesbezüglich von einer besseren Seite - permanent am Limit kann aber auch er nicht arbeiten.

Das gilt vor allem für die GPU, bei der Huawei nun auf eine Mali-G72 MP12 setzt. Trotz geringerem Takt im Vergleich mit der Mali-G71 MP8 (850 statt 1.037 MHz) fällt die reine GPU-Leistung etwa doppelt so hoch aus. Das liegt zum einen an der höheren Zahl an Shader-Einheiten (12 statt 8), zum anderen aber auch an verschiedenen internen Änderungen. Die sorgen laut ARM allein für ein Plus von 40 % im Vergleich zur Mali-G71. Eine Rolle spielen aber auch neuere Treiber sowie Änderungen an Android.

Tatsächlich fällt der Zuwachs auch in der Praxis umfangreich aus. In GFXBench liegt das Plus des Kirin 970 gegenüber seinem Vorgänger je nach Setting zwischen etwa 70 und 110 % und macht das Mate 10 Pro damit zum in dieser Beziehung derzeit schnellsten Smartphone. Allerdings kann es dieses hohe Niveau nur kurzzeitig halten. Denn unter hoher Last drosselt die GPU, das gemessene Minus lag bei mehr als 40 %. Im GFXBench-Setting Manhattan Offscreen wurden so aus 66 nur noch 37 fps. Grund hierfür sind die hohen Temperaturen: An der Rückseite des Smartphones wurden in der Spitze mehr als 46 °C gemessen - wärmer wurde im Test bislang noch kein Handy.

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Letztlich ist es deshalb die Drosselung der GPU, die in der Gesamtbetrachtung der Leistung für einen guten Platz, aber eben nicht die Spitzenplatz im Android-Lager sorgt. In den 3DMark-Durchläufen reicht es jeweils für Platz 8 jeweils hinter dem Galaxy Note 8 und Pixel 2, in AnTuTu 6 reicht es für den fünften Rang. Immerhin Platz 4 erreicht das Smartphone in PCMark, was aber auch am schnellen internen Speicher liegt. Laut Androbench erreicht der beim Lesen und Schreiben maximal 476 und 235 MB/s, PCMark spricht von 650 und 203 MB/s. Allerdings kann es je nach Exemplar zu unterschiedlichen Werten kommen. Huawei selbst spricht nur von Speicher-Chips gemäß UFS 2.x, es dürfte somit erneut Geräte mit UFS 2.0 und UFS 2.1 geben; im Testgerät steckt der schnellere UFS-2.1-Speicher.

Im Alltag dürfte die Drosselung aber eine ebenso kleine bis nicht zu spürende Einschränkung sein wie die Frage, welche der beiden Speichertypen verbaut ist. Selbst grafisch anspruchsvolle Spiele wurden im Test anstandslos und ohne erkennbare Ruckler wiedergegeben. Auch Probleme mit der Darstellung der Oberfläche oder auffällige Ladezeiten konnten nicht beobachtet werden.

Die KI, die kaum etwas verrät

Wie viel dabei auf das Konto der KI geht, bleibt aber ein Geheimnis. Denn so ganz lässt sich Huawei nicht in die Karten schauen, was Neural Network Processing Unit, kurz NPU, angeht.

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Das Unternehmen selbst beschreibt sie etwas kryptisch als speziellen Bestandteil des SoCs, es dürfte sich schlicht um einen Co-Prozessor handeln, der explizit für Machine Learning vorgesehen ist. Der soll bei entsprechenden Aufgaben um den Faktor 25 schneller arbeiten als eine CPU des Kirin 970, gleichzeitig aber auch um den Faktor 50 weniger Energie benötigen. Das Ergebnis sind 1,92 TFLOPS bei FP16 oder, weitaus praxisnäher, die Erkennung von 2.000 Bildern pro Minute. Zum Vergleich: Ohne NPU wären es weniger als 100. Ob und in welchem Umfang Huawei die NPU entwickelt hat, ist unklar. ARM bewirbt die künstliche Intelligenz als die große Neuerung der Mali-G72. Denn die GPU soll in Hinblick auf Machine Learning und künstliche Intelligenz einige besondere Funktionen bieten.

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Jenseits der Hardware gibt Huawei hingegen etliche Details preis. So soll die NPU beispielsweise beim Telefonieren helfen, indem die Unterdrückung störender Nebengeräusche verbessert wird, in einem anderen Fall soll die Erstellung von Vorschaubildern innerhalb der Galerie schneller vonstattengehen. Aber auch der Bing Translator soll effizienter und schneller arbeiten - im Test konnte das allerdings nicht belegt werden.

In den Mittelpunkt stellt man aber die Verknüpfung der NPU mit der Kamera des Mate 10 Pro.


Leica mit KI-Unterstützung

Bei der handelt es sich zunächst einmal aus Sicht der Hardware lediglich um eine minimale Überarbeitung im Vergleich zum Mate 9 und P10 Plus - sowohl vorne als auch hinten.

Auf der Rückseite bleibt es somit beim bekannten Dual-Kamera-System mit je einem RGB- und Monochrom-Sensor. Ersterer löst mit 12 Megapixeln auf und verfügt über einen optischen Bildstabilisator, letzterer bietet 20 Megapixel und muss ohne OIS auskommen. Neu ist hingegen die Optik, die wieder in Zusammenarbeit mit Leica entstanden ist. Mit einer Brennweite von 27 mm handelt es sich im Grunde um die gleichen Summilux-H-Objektive wie bei den beiden Schwestermodellen, mit Blende f/1,6 sind sie aber deutlich lichtstärker. Das verspricht vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bessere Aufnahmen. Fokussiert wird unter anderem per Phasenvergleich und Laser.

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An der Aufgabenteilung zwischen den beiden Sensoren hat sich hingegen nichts verändert. In fast allen Modi arbeiten sie zusammen: Der Primärsensor mit seinen 12 Megapixeln sammelt Farbinformationen, der Sekundärsensor mit seinen 20 Megapixeln ist vor allem für Helligkeit und Details zuständig. In den Modi Große Blende und Portät sammelt der Sekundärsensor zusätzlich Tiefeninformationen, die für die Simulation der Tiefenschärfe benötigt werden. Dass das System aber äußerst flexibel auf bestimmte Einflüsse reagieren kann, zeigt das Beispiel Zoom. Bis zum Faktor 2 handelt es sich dabei laut Huawei um eine Hybrid-Lösung, bei der beide Sensoren zum Einsatz kommen, um nicht die Schwächen eines digitalen Zooms zu bieten. Genau der wird aber häufig genutzt, wie der Test zeigt. Denn ob der zweite Sensor verdeckt ist oder nicht: Bei ausreichend guten Lichtverhältnissen wird lediglich der RGB-Sensor verwendet - letztlich wird doch nur „digital" vergrößert. Qualitativ sind entsprechende Aufnahmen gut, auch wenn das Niveau eines Galaxy Note 8 oder anderer Smartphones mit dedizierter Tele-Optik nicht ganz erreicht wird.

Insgesamt ist die Abbildungsleistung gut. Details, Farben und Helligkeiten werden gut festgehalten, auch am Bildrand stimmt zumeist die Schärfe. Bei genauerem Hinsehen wirken helle Flächen nicht selten etwas rotstichig, was in erster Linie am nicht ganz optimalen Weißabgleich im Automatik-Modus liegt. Zudem werden vor allem Blau- und Rottöne sehr kräftig festgehalten, was spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen störend wirkt - entsprechende Flächen harmonieren dann nicht mit dem Rest. In derartigen Fällen ist bei Rottönen das Gegenteil zu beobachten. Diese bleiben etwas zu blass, unter Kunstlicht wird aus einem kräftigen Rot beispielsweise schnell Pink oder Rosa. Hier hilft der Pro-Modus, der wie schon beim Vorgänger zu den Stärken des Smartphones gehört.

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In einem anderen Punkt schneidet das Mate 10 Pro allerdings schlechter ab: beim Spiel mit der Tiefenschärfe im Modus Große Blende. Hier offenbart das Gerät einige Schwächen wie sichtbar verpixelte Übergänge zwischen Scharf und Unscharf, aber auch falsche oder unzureichende Scharfstellen. Gerade wenn das vorderste Objekt lediglich einen Meter von der Kamera entfernt ist, ist das nachträgliche Fokussieren eines weiter hinten liegenden nur in Ausnahmefällen möglich. Hier scheint das Sammeln von Tiefeninformationen nicht zuverlässig zu funktionieren.

Dem Modus Große Blende sehr ähnlich ist die Einstellung Porträt. Hier versucht die Software ein Gesicht zu erkennen, das im Gegensatz zum Hintergrund scharf dargestellt wird, auf Wunsch aber auch per Weichzeichner und Farbkorrektur „verschönert" wird. Dabei arbeitet die Trennung zwischen Scharf und Unscharf in diesem Modus sehr zuverlässig, selbst bei feinen Strukturen wie Haaren. Allerdings übertreibt es der Weichzeichner selbst bei kleiner Stufe. Das gilt im übrigen auch für die Frontkamera, die 8 Megapixel sowie Blende f/2,0 bietet. Deren Aufnahmen fallen zumeist brauchbar aus, Druck-Qualität erreicht man aber allenfalls bei sehr guten äußeren Bedingungen.

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Befindet sich die Kamera im Auto-Modus, kommt die NPU zum Einsatz. Der versucht erfasste Objekte zu erkennen und Parameter wie Belichtung, ISO und anderes optimal einzustellen. Ob ein Gegenstand tatsächlich erkannt wurde, lässt sich an einem entsprechenden Symbol am unteren Rand der Kamera-App erkennen. Unterschieden werden kann unter anderem zwischen Essen, Blüten, Pflanzen, Katzen, Hunden, Sonnenaufgang, Strand und mehr. Die Trefferquote lag je nach Objekt aber teilweise nur bei 50 %, vor allem mit Essen und Tieren tat sich die künstliche Intelligenz schwer. Wurde ein Objekt erkannt, waren allerdings tatsächlich Unterschiede bei den Aufnahmen zu erkennen. Ob es sich dabei um positive oder negative Veränderungen handelt, ist eine Frage des eigenen Geschmacks. Bei Blüten werden beispielsweise Blütenfarben zu stark betont und die Ränder überschärft.

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In den weiteren Foto-Modi schneidet das Mate 10 Pro gut bis sehr gut ab. Dank dediziertem Monochrome-Sensor lassen sich sehenswerte Schwarz-Weiß-Aufnahmen anfertigen, für die aber genügend Licht zur Verfügung stehen sollte. Denn schon ab ISO 200 ist Bildrauschen zu erkennen, langen Belichtungszeiten steht aber der fehlende Bildstabilisator entgegen. Bei wenig Licht lohnt deshalb vielleicht eher der Griff zur Lichtmalerei oder zum Modus Nachaufnahme. Auch hier entstehen nicht selten eindrucksvolle Aufnahmen, der Einsatz eines Stativs ist aber fast schon Pflicht. Ein wenig negativ fällt lediglich der HDR-Modus auf. Nicht nur, dass dieser wieder nicht automatisch hinzugeschaltet werden kann - auch der Dynamik-Umfang fällt geringer als bei aktuellen Konkurrenten aus.

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Ebenfalls schlechter wirken Videos. Die Aufnahmen sind oft blass und mit Bildrauschen versehen - selbst bei guten Lichtverhältnissen. Maximal zeichnet das Mate 10 Pro in 2160p auf, zur Wahl stehen unter anderem aber auch 1080p30 und 1080p60. Wie so oft gilt dabei, dass nicht alle Zusatzfunktionen wie Objektverfolgung oder Stabilisierung in allen Auflösungen genutzt werden können. Zeitraffer-Videos nimmt das Smartphone in 720p30 auf, Zeitlupen-Videos wahlweise in 720p240 oder 1080p120.


OLED ist kein Garant für überragende Laufzeiten

Gleiche Akkukapazität, aber ein sparsamerer SoC sowie ein OLED- anstelle eines IPS-Panels: Eigentlich bringt das Mate 10 Pro alles mit, um das seinen Vorgänger - und viele Konkurrenten - in puncto Laufzeit zu übertrumpfen. Tatsächlich gelingt das nur bedingt, was eine der größten Überraschungen im Test ist.

In der üblichen Video-Schleife mit lokal hinterlegtem Full-HD-Material und einer Display-Helligkeit von 200 cd/m² hielt das Mate 10 Pro 14,5 Stunden durch. Gegenüber dem Mate 9 ist das ein Plus von fast 20 %, dank dem sich selbst lange Flüge oder Zugfahrten problemlos überbrücken lassen, ohne zur Steckdose oder Power Bank greifen zu müssen. Allerdings zeigt der Vergleich mit der Konkurrenz auch, dass Huawei bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. So bringt es das Galaxy S8 auf eine fast identische Laufzeit - trotz höherer Display-Auflösung und eines 25 % kleineren Akkus. Der aktuelle Spitzenreiter, das OnePlus 5, hält mit 18 % kleinerem Akku gleich 30 % länger durch.

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Dass OLED-Anzeigen kein Allheilmittel sind, wenn es um Energiesparen geht, zeigt der zweite Akkutest. Denn im PCMark ist das Mate 10 Pro seinem Vorgänger klar unterlegen, nach knapp 8 Stunden musste wieder geladen werden. Das liegt in erster Linie am hohen Anteil heller Flächen, die im Zuge des Benchmarks dargestellt werden, der ebenfalls bei 200 cd/m² ausgeführt wird. Aber auch hier hätte Huawei noch Luft, wie das Galaxy S8 erneut zeigt. Das durchlief den Test seinerzeit 23 % länger.

Im simulierten Alltag mit Telefonaten, Surfen per WLAN und LTE, dem Einsatz der üblichen Messenger sowie kurzen Spiele-Sessions musste sich das Mate 10 Pro ebenfalls seinem Vorgänger geschlagen geben. Hielt das im letzten Jahr noch fast drei Tage mit einer Ladung durch, wurde nun nach nicht einmal zwei Tagen der Griff zum Ladegerät nötig. Gegen 12 Uhr vom Ladekabel getrennt, musste es am frühen Morgen des übernächsten Tages wieder angeschlossen werden. Aber: Selbst bei intensiver Nutzung mit lange aktiviertem Display konnte ein Tag ohne Laden überstanden werden. Nur wer das Mate 10 Pro als mobile Spielekonsole nutzt, wird um tägliches Laden nicht herumkommen.

Huawei selbst stellt aber nicht die Laufzeit in den Vordergrund, sondern das Laden. Denn das Mate 10 Pro das weltweit erste Smartphone, das über eine vom TÜV Rheinland zertifizierte Schnellladetechnik verfügt. Tatsächlich handelt es sich wie schon beim Mate 9 um die Eigenentwicklung SuperCharge, die das Laden mit bis zu 22,5 W erlaubt. Der TÜV Rheinland hat entsprechend lediglich überprüft, dass das Laden mit hoher Leistung nicht zu Schäden am Akku führt - selbst unter ungünstigen Bedingungen wie Kälte oder Hitze.

SuperCharge ist dabei in Hinblick auf die Ladegeschwindigkeit vergleichbar mit Quick Charge 3.0: Von 0 auf 50 % wurde der Akku im Test innerhalb von etwa 25 Minuten geladen, vollständig geladen war er nach etwas weniger als 90 Minuten. Denn auch Huaweis Ladetechnik verringert die Leistung ab etwa 60 %, um den Akku zu schonen.

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Wer auf längere Laufzeiten angewiesen ist, kann auf verschiedene, in EMUI integrierte Maßnahmen zurückgreifen. So gibt es mit Stromsparen und Ultra-Stromsparen zwei entsprechende Modi, die die Nutzung des Mate 10 Pro unterschiedlich stark beeinflussen: Ersterer Modus begrenzt Hintergrundaktivitäten und verhindert somit unter anderem den automatischen Datenabgleich, letzterer unterbindet hingegen zunächst die Nutzung fast aller Apps; einzig Telefonieren und SMS-Versand sind ohne Zutun des Nutzers möglich. Eine andere Maßnahme ist der Wechsel hin zu einer dunkleren Darstellung. Diese greift allerdings fast ausschließlich in den Systemeinstellungen, der weiße Hintergrund wird hier gegen Schwarz getauscht. Das Aktivieren der Always-on-Funktion hatte im Test keine nennenswerten Auswirkungen auf die Laufzeit.

Wie bei Huawei üblich, ist der Akku auch im Mate 10 Pro fest verbaut. Kritik verdient die Entscheidung, trotz Glasrückseite auf drahtloses Laden, beispielsweise per Qi, zu verzichten.

Android 8 und EMUI 8 sind keine perfekte Kombination

Huawei-Nutzer, die keinen Wechsel zum Mate 10 Pro planen, dürften das neue Smartphone dennoch genau in Augenschein nehmen. Denn die ab Werk installierte Software dürfe so oder in sehr ähnlicher Form als Update auch auf die anderen Modelle kommen. Denn als erstes Gerät der Chinesen verfügt das neue über Android 8 in Verbindung mit EMUI 8. Viel davon zu sehen ist allerdings nicht. Denn die Oberfläche gleicht bis auf wenige Punkte der der vorherigen Version. Einzig einige Neuerungen in Android sorgen für kleine Abweichungen. Dazu gehören beispielsweise farbige Punkte an App-Icons, die auf dazugehörige Benachrichtigungen hinweisen oder aber das Kontextmenü, das an Apples 3D Touch erinnert.

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Leider hat Huawei den großen Sprung von EMUI 5 zu 8 aber nicht für Design-Änderungen genutzt. Das sorgt dafür, dass die Oberfläche inzwischen etwas altbacken und überladen wirkt. Letzteres liegt auch an großen Icons. Und spätestens in der aktuellen Version stört es, dass Huawei mit seiner eigenen Software Android-Features überschreibt. Das prominenteste Beispiel hierfür ist der App Drawer, der entweder im iPhone- oder Android-6-Stil ausfällt. An einigen Stellen stören auch kleinere Fehler, die in der Regel aber nur optischer Natur sind.

Ärgerlicher ist da schon der unlogische und schon erwähnte Aufbau der Einstellungen. Warum klar zum Display gehörende Funktionen im Bereich Sicherheit platziert sind, erschließt sich auch nach mehreren Tagen nicht. Und ob die NPU, bzw. die KI im Hintergrund tatsächlich arbeitet, lässt sich nicht einschätzen. Das liegt vor allem an der hohen Systemleistung.

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Eine nette Zugabe ist Easy Projection. Ähnliche wie bei Samsungs DeX kann das Smartphone mittels externem Display sowie Maus und Tastatur in einen Desktop-Rechner verwandelt werden. Anders als bei DeX ist dafür aber keine zusätzliche Docking-Station erforderlich, stattdessen reicht ein Kabel von USB Typ-C auf HDMI oder DisplayPort. Die Oberfläche erinnert an die gängigen Desktop-Betriebssysteme und reicht für einfache Aufgaben aus. Das Mate 10 Pro kann während der Verbindung weiterhin als Smartphone genutzt werden, aber auch der Einsatz des Displays als Touchpad ist möglich.

Negativ fällt auf, dass Android 8 und EMUI 8 gemeinsam mehr als 16 GB Speicher vereinnahmen. Das dürfte vor allem Nutzer eines P10 ärgern, das nur mit 32 GB angeboten wurde.


Fazit

Hinter der namhaften Konkurrenz muss Huawei sich schon lange nicht mehr verstecken, im Gegenteil. Mit Akribie - und viel Geld - wurde aus dem beinahe unbekannten chinesischen Hersteller einer der wichtigsten Smartphone-Hersteller. Das 2016 vorgestellte P9 gilt dabei als Wendepunkt, auch das wenige Monate später gestartete Mate 9 dürfte einen großen Anteil daran haben. Entsprechend groß sind die Erwartungen an das Mate 10 Pro. Leider gelingt es Huawei aber nicht, den alten Stärken neue hinzuzufügen und somit die Mitbewerber in Schach zu halten - oder ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.

Denn ausgerechnet der Wechsel zum fast randlosen Display sorgt dafür, dass das Mate 10 Pro ein Stück weit beliebig ist. Schlimmer noch: Es kann nicht länger ignoriert werden, dass Huawei in bestimmten Bereichen nicht mithält. Schließlich wäre spätestens mit dem neuen Design und den daraus resultierenden notwendigen Änderungen am Display der Einsatz einer echten Oberklasse-Anzeige möglich gewesen. Full HD, oder genauer Full HD+, erwartet man inzwischen in der unteren Mittelklasse, nicht aber bei einem Smartphone für fast 800 Euro. Und auch die vielen Fragezeichen dürfte nicht sein: Warum schwankt die gemessene Helligkeit so stark? Warum werden keine HDR-Inhalte wiedergegeben? Warum setzt man die Always-on-Funktion so halbherzig um? Trost spenden hier lediglich die gute Farbdarstellung sowie die Tatsache, dass die Helligkeit in vielen Situationen ausreichend ist.

An anderer Stelle fragt man sich hingegen, warum ein Schritt nach vorn, aber direkt danach zwei nach hinten erfolgen. So ist es löblich, dass auch Huawei endlich einen rudimentären Schutz vor Wasser und Staub verspricht, gleichzeitig entfällt aber die Möglichkeit der Speichererweiterung. Zugegeben: 128 GB interner Speicher klingen gut, die Flexibilität einer microSD-Karte gleicht das aber nicht aus. Ähnliches gibt es auch in anderen Bereichen. So bietet das Mate 10 Pro tolle Telefonieeigenschaften und ein schnelles LTE-Modem, das zu den besten seiner Art gehören dürfte, gleichzeitig verzichtet man auf WLAN-MIMO und Bluetooth 5. Ein weiteres Beispiel: Es gibt nun eine gläserne Rückseite, aber kein drahtloses Laden. Und natürlich darf Kritik an der Software im Fazit nicht fehlen. Der Einsatz von Android 8 ist schön, das Entfernen oder verschlechtern von Funktionen durch die eigene Oberfläche hingegen ärgerlich. Zumal EMUI 8 optisch und funktionell kein echter Fortschritt ist. Tatsächlich dürfte dies die größte Baustelle sein, an der Huawei in den kommenden Monaten arbeiten muss.

 

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Vielleicht aber steht auch die künstliche Intelligenz, bzw. die NPU oben auf der Liste. Wer erwartet hat, hier eine Mischung aus Google Assistant und Google Lens oder vielleicht etwas mit Samsung Bixby vergleichbares vorzufinden, dürfte enttäuscht sein. Wirklich sichtbar ist die KI nicht, weshalb auch ihre Qualität nicht wirklich bewertet werden kann. Klar ist aber, dass sie genau in dem Moment, in dem sie an die Oberfläche kommt, nur durchwachsen abschneidet. Die Idee, mittels KI die Nutzung der Kamera zu vereinfachen, ist unbestritten gut. Doch Erkennungsrate und Auswirkungen enttäuschen ein wenig. Allerdings ist durchaus vorstellbar, dass Huawei hier im Laufe der Zeit nachbessert und ähnlich wie HTC beim Sense Companion nach und nach mehr Funktionen und eine höhere Genauigkeit bietet.

Paradox mag das Urteil zu den Kameras wirken. In den letzten 18 Monaten hat Huawei hier mit sehr guten Leistungen immer wieder neue Maßstäbe gesetzt und damit auch die Erwartungen gesteigert. Doch inzwischen hat die Konkurrenz aufgeholt und überholt. Zwar ist die Abbildungsleistung ist in fast allen Modi nach wie vor vergleichsweise gut, der Pro-Modus nach wie vor der beste bei einem Smartphone und selbst Neulingen gelingen schnell beeindruckende Aufnahmen dank guter Hilfestellung. Doch unerwartete Schwächen wie beispielsweise im Modus Große Blende trüben das Bild.

Bei alle dem darf aber nicht vergessen werden, dass das Mate 10 Pro in Summe ein gutes Smartphone ist. Der Kirin 970 bietet mehr als genügend Leistung und ist auch im Bereich GPU-Performance, bislang eine Schwäche Huaweis, endlich konkurrenzfähig. Die Akkulaufzeiten sind in vielen Fällen gut, möglicherweise kann mit Software-Updates noch mehr herausgeholt werden. Dass die Audio-Buchse gestrichen wurde, ist vor allem für Musikfreunde mit hochwertigeren Kopfhörern ärgerlich, für andere ist es hingegen kaum mehr als eine Randnotiz. Ähnlich darf man Easy Projection einstufen. Der Versuch, das Smartphone als Desktop-Ersatz zu positionieren ist nicht neu, überzeugt hier aber ebenso wenig wie bei Samsung oder seinerzeit bei Motorola. Viele dürften den Modus aber ohne nicht testen, denn man spart am passenden Adapter.

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Am Ende hat das aber keine Auswirkungen. Denn auch mit Adapter würde das Mate 10 Pro - anders als sein Vorgänger - keine uneingeschränkte Empfehlung erhalten. Technisch spielt das Huawei-Smartphone in der ersten Liga mit, doch für einen Platz ganz oben reicht es in kaum einem Bereich. Schnelle SoCs, gute Kameras und hohe Verarbeitungsqualität kombinieren auch andere Hersteller, ein relevantes Alleinstellungsmerkmal fehlt dem Mate 10 Pro.

Berücksichtigt man den Preis, rutscht das Mate 10 Pro noch weiter nach hinten. Denn mit unverbindlichen 799 Euro, von denen zum Start kein Händler abweicht, ist es teurer als fast alle direkten Konkurrenten. Das Samsung Galaxy S8 ist in vielen Belangen das bessere Smartphone und mit derzeit etwa 570 Euro deutlich günstiger, das mit mehr Ausstattung und Funktionen versehene Galaxy Note 8 ist mit ca. 850 Euro in Reichweite des Mate 10 Pro. Eine sehr interessante Alternative dürfte das HTC U11+ werden, das ebenfalls für 799 Euro an den Start gehen wird.

Positive Aspekte des Huawei Mate 10 Pro:

Negative Aspekte des Huawei Mate 10 Pro:

Preise und Verfügbarkeit
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar



Technische Daten Huawei Mate 10 Pro
Allgemeines 
   
Preis (UVP): 799 Euro
Produktseite: consumer.huawei.com/de/
Lieferumfang: Smartphone, Netzteil, USB-Kabel (Typ-A auf Typ-C), Headset, Audio-Adapter (USB Typ-C auf 3,5-mm-Klinke), Schutzhülle
Display 
Diagonale: 6,0 Zoll
Technik: OLED
Auflösung: 2.160 x 1.080 Pixel
Pixel-Dichte: 402
Display-Fläche: 92,9 cm²
SoC/Speicher 
Prozessor: HiSilicon Kirin 970
CPU - Kerne: 4x ARM Cortex-A53
4x ARM Cortex-A73
CPU - Takt: 1,8 GHz
2,36 GHz
GPU: Mali-G72 MP12
Arbeitsspeicher: 6 GB
Speicher - Größe: 128 GB
Speicher - Erweiterung: nein
Akku 
Kapazität: 4.000 mAh
Entnehmbar: nein
Fast Charge: SuperCharge
Max. Ausgangsleistung Ladegerät: 22,5 W
Drahtloses Laden: nein
Kameratechnik 
Primärkamera - Auflösung Foto: 20,0 MP (Monochrom)
12,0 MP (RGB)
Primärkamera - Auflösung Video: 2160p
Primärkamera - Blitz: LED
Primärkamera - Blende: f/1,6
Primärkamera - Bildstabilisator: ja (RGB)
Frontkamera - Auflösung Foto: 8,0 MP
Frontkamera - Auflösung Video: 1080p
Frontkamera - Blitz: nein
Frontkamera - Blende: f/2,0
Datendienste 
LTE: ja
Max. Download-Geschwindigkeit: 1,2 GBit/s (Cat 18)
Max. Upload-Geschwindigkeit 150 MBit/s (Cat 13)
Bluetooth: 4.2
WLAN: a/b/g/n/ac
NFC: ja
Sonstiges: nein
Anschlüsse/Sensoren 
USB: USB Typ-C (USB 3.1 Gen 1)
3,5-mm-Klinke: nein
SIM-Größe: Nano-SIM
Dual-SIM: ja
Sonstiges: nein
Fingerabdruck-Sensor ja
Pulsmesser: nein
Infrarot: ja
Satellitenortung: GPS, GLONASS
Software 
Betriebssystem: Android 8
angepasste Oberfläche: EMUI
Besonderheiten: nein
Gehäuse 
Material: Aluminium, Glas
Abmessungen: 154,2 x 74,5 x 7,9 mm
Gewicht: 178 g
IP-Zertifizierung: IP67
Sonstiges nein

3DMark Ice Storm Unlimited

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PCMark

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Basemark OS II

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JetStream

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AnTuTu 5

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Antutu 6

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GFXBench 3 Manhattan Offscreen

Frames
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Androbench: Geschwindigkeit interner Speicher

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MB/s
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