Seite 2: Kamera, Gehäuse, Software, Fazit

Gute Fotos, schwache Videos

Zu welch unterschiedlichen Leistungen die gleiche Hardware im Stande sein kann, zeigt die Kamera. Denn die verbaute Technik stimmt mit der des Moto X Play überein. Auf der Rückseite wartet ein Sensor mit 21 Megapixeln und Blende f2.0, auf der Front sind es 5 Megapixel mit gleicher Blende.

Farben und Details stimmen
Farben und Details stimmen

Anders als beim Schwestermodell können die Fotos aber nicht nur bei guten Lichtverhältnissen überzeugen, auch während der Dämmerung oder in vergleichbaren Situationen geschossene Aufnahmen überzeugen weitestgehend. Farben und Details werden gut festgehalten, Licht-Schattenverläufe stimmen und Bildrauschen tritt erst sehr spät auf. Auf mittlere Distanz etwas kräftiger hätte der Dual-LED-Blitz ausfallen können. Schon nach gut einem Meter geht die Wirkung weitestgehend verloren, dafür werden bis dahin Farben vergleichsweise wenig verfälscht. Ein optischer Bildstabilisator fehlt, was sich vor allem bei Videos bemerkbar macht.

Auch bei viel Kunstlicht sind gute Ergebnisse möglich
Auch bei viel Kunstlicht sind gute Ergebnisse möglich

Unabhängig von deren Auflösung – möglich ist maximal die Aufzeichnung von 4K-Material – kommt es schnell zu Bildfehlern, vom versprochenen Video-Stabilisator ist kaum etwas zu merken. Selfies gelingen hingegen besser. Bei gutem Licht werden überdurchschnittliche Ergebnisse produziert, in anderen Fällen kann die Front-LED zumindest etwas helfen.

Bildrauschen tritt erst spät auf, der Blitz verfälscht Farben kaum
Bildrauschen tritt erst spät auf, der Blitz verfälscht Farben kaum

Die Kamera-App stimmt mit der des Moto X Play überein. Alle wichtigen Funktionen sind vorhanden, mitunter aber unzureichend beschriftet.

Groß und schwer

Beim Design beschreitet Motorola keine neuen Wege, optisch folgen die drei Generationen einer Linie. Daraus folgt, dass auch das Moto X Style eher auffällig ist. Denn mit 153,9 x 76,2 x 11,1 mm fällt das Smartphone eher wuchtig aus, mit 179 g zudem auch schwer. Das Galaxy S6 edge+ bringt es beispielsweise auf nur 154,4 x 75,8 x 6,9 und 153 g. Die sich erneut zum rechten und linken Rand hin verjüngende Rückseite ändert daran ebenso wenig wie der weit heruntergezogene obere Rand. Das ein oder andere Detail sorgt aber für ein wenig Auflockerung – vor allem, wenn man auf den Moto Maker zurückgreift.

Der Rahmen besteht aus Metall und wirkt wie der Rest des Gehäuses hochwertig
Der Rahmen besteht aus Metall und wirkt wie der Rest des Gehäuses hochwertig

Hier kann zwischen drei Grundtönen, 18 Rückseiten – aufgeteilt in Soft-Grip, Leder und Holz – und sieben Akzentfarben gewählt werden. Wie üblich hat die Individualität aber ihren Preis: Holz und Leder kosten jeweils 20 Euro zusätzlich.

Identisch ist in allen Fällen jedoch der aus Metall bestehende Rahmen, der wuchtig und ausdauernd wirkt. Das Testgerät war mit einer Soft-Grip-Rückseite ausgestattet, die sich sehr hochwertig anfühlt und für einen sicheren Halt in der Hand sorgt. Die Verarbeitung überzeugt vollständig, die Tasten am rechten sowie der Kartenträger am oberen Rand sind sauber eingefügt und bieten kein überflüssiges Spiel.

Das Design kennt man von anderen Motorola-Smartphones, Individualisten können sich im Moto Maker austoben
Das Design kennt man von anderen Motorola-Smartphones, Individualisten können sich im Moto Maker austoben

In puncto Ergonomie gibt es nur eine durchschnittliche Note. Mit einer Hand lässt sich das Moto X Style aufgrund der Größe nicht bedienen, die Tasten für Lautstärke und Standby sind aber gut erreichbar. Ebenfalls auf der Pro-Seite steht die Ausnutzung der Front, das Display nimmt hier knapp 75 % ein. Allerdings stört das hohe Gewicht, zudem ist der sichere Halt in der Hand vom gewählten Material der Rückseite abhängig.

Ähnlich wie das Moto X Play ist auch das teurere Modell gemäß IP52 vor Wasser, allerdings nur gegenüber Tropfen.

Software ohne große Zusätze

Vor allem bei erfahrenen Nutzern punktet Motorola mit seiner Android-Strategie. Denn anders als Samsung, HTC und andere Hersteller verzichtet man auf eine eigene Oberfläche. Das kommt nicht nur der Performance zu Gute, auch Updates können schneller verteilt werden – leider macht man von diesem Vorteil nicht immer Gebrauch. Ausgeliefert wird das Moto X Style mit Android 5.1.1, an einer Aktualisierung auf Version 6.0 soll jedoch bereits gearbeitet werden. Wie üblich verzichtet Motorola auch auf die Installation von Werbe-Apps, lediglich einige eigene Programme befinden sich auf dem Smartphone.

Motorolas Trumpf ist der Verzicht auf eine eigene Oberfläche
Motorolas Trumpf ist der Verzicht auf eine eigene Oberfläche

Dazu gehört unter anderem der Einrichtungsassistent Migrate, aber auch der Helfer Moto. Auf Zuruf lassen sich beispielswese Anrufe starten, Facebook-Posts verfassen oder Termine eintragen, die Erkennungsrate ist dabei in allen Fällen sehr hoch. Wer mit seinem Smartphone nicht sprechen möchte, kann den Umgang aber auch mit einigen Gesten vereinfachen. Unter anderem lässt sich die Kamera mit einer Drehung des Geräts aktivieren.

Fazit

Nachdem das erste Moto X im Test überzeugen konnte, enttäuschte im vergangenen Jahr die zweite Generation. Zwar hatte Motorola so einiges geändert, am Ende aber zu viele Schwachpunkte übersehen. Zudem wurde der Preis spürbar angehoben, was die Erwartungen ebenfalls steigen ließ. Von letzterem hat man in diesem abgesehen. Mit 499 Euro für das 32-GB-Modell verspricht das Moto X Style einen vergleichsweise günstigen Einstieg in die Oberklassewelt. Viel Leistung, eine sehr gute Verarbeitung sowie ein hoher Grad an Individualisierung machen Lust auf mehr. Dass das Display unter der nicht optimalen Farbdarstellung leidet und die Akkulaufzeiten enttäuschen, trübt das Bild dann aber doch recht schnell. Da hilft auch die meist überzeugende Kamera nicht.

Kleinere Schwächeren verhindern eine Empfehlung, dennoch ist das Moto X Style ein gutes Smartphone
Kleinere Schwächeren verhindern eine Empfehlung, dennoch ist das Moto X Style ein gutes Smartphone

Bleibt am Ende also die Software? Tatsächlich könnte der Verzicht auf eine eigene Oberfläche so manchen Kunden locken. Denn durch Googles Hochpreisstrategie sind das Nexus 5X und Nexus 6P deutlich teurer, ersteres kostet 529 Euro, letzteres 649 Euro – jeweils mit 32 GB. Das Moto X Style wird von einigen Händlern jedoch schon für gut 470 Euro angeboten. Wer ein Nexus-artiges Smartphone sucht, sollte somit einen Blick riskieren. Alle anderen dürften mit LGs G4 – ab etwa 415 Euro – oder einem Galaxy Note 4 – ab 480 Euro – besser beraten sein. Kann das Display etwas kleiner sein, bietet das sich das Galaxy S6 für 460 Euro an.

Insgesamt ist das Moto X Style ein gutes Smartphone, das unter den Auswirkungen des Display leidet und somit eine Empfehlung verfehlt.

Positive Eindrücke des Motorola Moto X Style:

  • sehr helles Display
  • Speicher ist erweiterbar
  • hohe Systemleistung
  • gute Telefonieeigenschaften
  • überdurchshcnittliche Kamera
  • hoher Individualisierungsgrad
  • aktuelles und unverändertes Android
  • hohe Verarbeitungsqualität

Negative Eindrücke des Motorola Moto X Style:

  • Farbtemperatur des Displays enttäuscht
  • schlechte Akkulaufzeiten
  • Akku fest verbaut