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Fazit

Renovieren oder neu bauen? Mit dieser Frage begann vor knapp einer Woche der Test der beiden Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Nach dutzenden Stunden des Ausprobieren und Messens, jeweils rund zehn Ladezyklen und etwa 200 Testfotos kann nun aber eine klare Antwort gegeben werden: Es kommt darauf an. Denn wenn das Galaxy S6 und One M9 eines liefern, dann die Erkenntnis, dass es nicht das eine perfekte oder zumindest dem Ideal sehr nahe kommende Smartphone gibt. Beide Modelle verfügen über ganz eigene Stärken und Schwächen, die wiederum andere - mitunter die Vorgänger - nicht haben.

Samsung hat mit seinem neuen Aushängeschild viel gewagt, den internen Namen Project Zero hat das Handy nicht umsonst getragen. Nach anhaltender Kritik hat man reagiert und ein von Grund auf neues Gerät geschaffen. Dass das sachte Überarbeiten aber mitunter die bessere Wahl sein kann, beweist HTC. Die Stärken der Vergangenheit erhalten und Schwächen beseitigen, so das Credo. Warum das aber ebenfalls nicht reicht, zeigen die Testeindrücke.

HTC One M9: Ein einzeln betrachtet gutes Smartphone, dem Laufzeit und Display in Teilen zum Verhängnis werden
HTC One M9: Ein einzeln betrachtet gutes Smartphone, dem Laufzeit und Display in Teilen zum Verhängnis werden

Diese attestieren dem One M9 ein ausreichend helles und scharfes Display mit gutem Kontrast, aber Schwächen in Sachen Farbdarstellung. Ausgeglichen werden diese von einem sehr gut verarbeiteten und hochwertigen Gehäuse, bei dem die Ergonomie nicht ganz mithalten kann. Geboten wird darüber hinaus eine mehr als ausreichende Leistung, aber leider keine überdurchschnittliche Laufzeit - gleiches gilt für die Kamera. Diese kann überzeugende Fotos schießen, sie macht es aber nur zu selten. Nach dem One M8 mit seiner extravaganten UltraPixel-Lösung nebst Tiefensensor erneut eine vertane Chance. Die nun beim Sensor fehlende Innovation blitzt dafür beim eigenen Android-Aufsatz durch. Sense Home gefällt und deutet an, was für ein Potential beim automatischen Anpassen der Oberfläche an die situationsbedingten Bedürfnisse vorhanden ist. Bleiben die erneut guten Lautsprecher zu nennen, auf deren Konto aber auch die nicht überzeugende Ergonomie geht.

In diesem Punkt weiß aber auch das Galaxy S6 nicht zu überzeugen. Das Display nimmt auch hier zu wenig der Front ein und auch hier sitzt die Standby-Taste ungünstig. Weitere Minuspunkte gehen auf das Konto des nun fest verbauten Akkus, des fehlenden microSD-Slots sowie der nicht mehr vorhandenen IP-Zertifizierung. Auf der anderen Seite überzeugt jedoch die nahezu vollständige Ausstattung, die hohe Leistung sowie das Display, das ein Sonderlob verdient. Es bietet eine mehr als ausreichende Helligkeit, einen exzellenten Kontrast sowie eine überzeugende Farbdarstellung - wenn man denn Hand anlegt; diese Einschränkung zeigt, wie sehr Samsung trotz der Veränderungen an TouchWiz noch an einer einfachen Bedienung arbeiten muss. Anders sieht es in Hinblick auf die Kamera aus: Hier hat man vieles richtig gemacht, zur absoluten Spitze fehlt jedoch eine Software, die Realismus über Helligkeit stellt.

Samsung Galaxy S6: Das derzeit beste Android-Smartphone, dem aber Eigenschaften des Vorgängers fehlen
Samsung Galaxy S6: Das derzeit beste Android-Smartphone, dem aber Eigenschaften des Vorgängers fehlen

Für sich genommen gefallen am Ende beide Gerät. Käufer erhalten viel Leistung, überdurchschnittliche Kameras, hochwertige Gehäuse und ein aktuelles Android. In Kauf nehmen müssen sie dafür nur mittelmäßige Laufzeiten, in beiden Fällen schnitten die jeweiligen Vorgänger in diesem Punkt besser ab. Welchem Gerät man am Ende den Vorzug gibt, hängt von einigen wenigen Dingen ab. Legt man Wert auf einen erweiterbaren Speicher, gute Lautsprecher und eine in einigen Aspekten innovative Systemoberfläche, sollte man zum One M9 tendieren. Liegt der Fokus hingegen auf einer fast kompletten Ausstattung, einem sehr hoch auflösenden Display und einer überzeugenden Kamera, dürfte das Galaxy S6 die bessere Wahl sein.

Wie dicht die Geräte beieinander liegen, lässt sich am besten mit einer sonst nicht üblichen Benotung darstellen. Das One M9 würde auf einer Skale von 1 bis 10 eine knappe 8 erhalten, das Galaxy S6 eine 9.

Das Samsung Galaxy S6 ist das derzeit beste Android-Smartphone
Das Samsung Galaxy S6 ist das derzeit beste Android-Smartphone

Was am Ende des Doppeltests aber die weitaus wichtigere Frage sein dürfte: Welches der beiden Smartphones ist das bessere? Angesichts der genannten Stärken und Schwächen dürfte die Antwort nicht überraschen. Denn nach Punkten liegt Samsung vor HTC. Allerdings fällt der Abstand weitaus geringer aus, als man es zunächst glauben mag. Denn im Alltag wiegt so mancher Vorteil weit weniger schwer als es auf dem Papier zunächst scheint. Beispiele hierfür sind das drahtlose Laden sowie die QHD-Auflösung beim Galaxy S6 oder der microSD-Slot beim One M9. Eindeutig wird die Beurteilung erst dann, wenn man den Preis berücksichtigt. Denn mit 749 Euro hat HTC die Preisempfehlung sehr weit oben angesetzt, Samsung begnügt man sich hingegen mit 699 Euro. Im Handel sieht es ähnlich aus, auch hier liegt das One M9 vor dem Galaxy S6 - obwohl letzteres erst am 10. April verfügbar wird. Hält man sich die unterschiedlichen Ausstattungen der beiden Smartphones vor Augen, müssten die Preise eigentlich vertauscht werden.

Positive Eindrücke des HTC One M9:

  • helles Display mit gutem Kontrast
  • Speicher kann erweitert werden
  • hohe Systemleistung
  • aktuelles Android
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • überdurchschnittliche Lautsprecher

Negative Eindrücke des HTC One M9:

  • Akku fest verbaut
  • Display mit Schwächen bei der Farbdarstellung

Positive Eindrücke des Samsung Galaxy S6:

  • Akku kann drahtlos geladen werden
  • aktuelles Android
  • umfangreiche und aktuelle Ausstattung
  • Schnelllade-Funktion
  • scharfes und helles Display mit guter Farbdarstellung und exzellentem Kontrast
  • hohe Systemleistung
  • überzeugende Kamera
  • hohe Verarbeitungsqualität

Negative Eindrücke des Samsung Galaxy S6:

  • Speicher nicht erweiterbar
  • Akku fest verbaut
  • IP-Zertifizierung des Vorgängers nicht vorhanden